Posts by Lockenheld

    Lockenheld Danke für die Hinweise, Abriss war sicher häufig....


    Hallo,


    die von mir erwähnten Gebäude waren durch den Krieg beide schwer beschädigt.

    Da kommt man theoretisch in die alte Debatte, was man warum nach dem Krieg aufgebaut hat oder auch nicht.

    Für München war das ein alter Palast der Königsfamilie, die seit 1918 nicht mehr regiert hat und die Prioritäten

    werden dann halt auch andere gewesen sein.

    Abgesehen von der alten Frage, ob man sich nicht der schlechten Erinnerungen an die Gestapo-Nutzung "elegant"

    entledigen wollte, eine Erinnerungskultur kam ja erst Jahrzehnte später auf. An Gedenkstätten hat in den

    späten 40ern sicher noch niemand gedacht.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo,


    ich will mal - spekulativ - eine Meinung abgeben über seinen Lebenslauf.


    1916 geboren, wird er wohl 1936/37 zur Wehrmacht eingezogen worden sein und vermutlich noch bei

    Kriegsbeginn aktiv gewesen oder gerade ein paar Monate entlassen und als Reservist wieder eingezogen worden sein.

    Nach der Verwundung 1940 als nicht mehr k.v. aus dem Wehrdienst entlassen war er dann wohl in einer Firma in der

    Wirtschaft tätig.

    1943 in den aktiven Polizeidienst eingetreten erhielt er nach der Ausbildung einen Dienstgrad, der dem aus der

    Wehrmacht entsprach (der Wachtmeister war NICHT der niedrigste, das wäre der Rottwachtmeister).

    Ich tippe mal, dass sein Tauglichkeitsgrad nach der Verwundung gv.H. war (sonst hätte ihn die Wehrmacht als Genesenen ja auch 1943

    wieder eingezogen) und er deshalb zuhause geblieben ist, ansonsten wäre er 1943 sehr schnell in den auswärtigen Einsatz der Polizei gelangt.

    Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft als aktiver Beamter ohne auswärtige Verwendung war das kein Problem, dass er

    eine Polizei-Dienststelle gefunden hat, die ihn wieder einstellte.

    Es war bis in die 1990er Jahre durchaus nicht unüblich, dass nicht jeder Beamte automatisch die höchste Besoldungsgruppe seiner

    Laufbahn erreichte bei seiner Pensionierung...


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Thea,


    ich spekuliere einmal aufgrund der Erfahrungen, die wir hier im Forum mit den Werdegängen der Einheiten und Leute in den

    letzten Jahren gemacht haben:


    Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 war Anfang Oktober 1944 dem "Rest" der Heeresgruppe E, die in Griechenland stationiert war,

    vorausgeschickt worden, um Serbien / Belgrad gegen die aus dem rumänischen Raum vordringende Rote Armee zu verteidigen. Dieser

    Transport erfolgte beschleunigt, der Rest der Heeresgruppe traf erst im Verlauf des Winters in Serbien und Kroatien ein, nachdem man

    sich den Rückzug erkämpfen musste.

    Dein Großvater scheint hier nicht beim Regiment, sondern bei der erwähnten Polizei-Freiwilligen-Bataillon gewesen zu sein und dürfte im

    Rahmen des Rückzugs verwundet worden sein.

    Nachdem sich die Fronten stabilisiert hatten, kam er - meiner spekulativen Ansicht nach - zur Genesung in die Heimat / ein heimatnahes

    Lazarett.

    Im Januar / Februar 1945 wurde das immer noch im serbisch-kroatischen Raum an der Front stehende SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18

    wieder aufgefüllt, nachdem es Verluste von ca. 20 - 30 Prozent erlitten hatte. Hierzu wurden natürlich insbesondere die in der Heimat

    befindlichen, genesenen Männer verwendet und in diesem Rahmen könnte er wieder zu seiner alten Einheit gekommen sein.

    Der restliche Werdegang widerspricht nicht grundsätzlich dem Rest des Regiments, wobei diesem eigentlich bei Kriegsende der

    rechtzeitige Übertritt nach Österreich und damit in die englische Kriegsgefangenschaft gelungen ist.


    Die Online-Archivaliensuche im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und Staatsarchiv München ergab KEINE Treffer bezüglich einer

    Personalakte. Ich würde eine Anfrage an das Stadtarchiv München, ob dort eine Akte vorhanden ist, empfehlen, da dieses durch

    die Einrichtung der Stadtpolizei (bis 1975) größere Bestände übernommen hat.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Thea,


    eine Abordnung in Griechenland von einer Polizei-Einheit zur Anderen war nicht ungewöhnlich.

    Was hat er nach dem Krieg gemacht?

    Ist er bei der Polizei geblieben - dann könnte es noch eine Personalakte geben.

    Ansonsten wären noch Anfrage beim Stadt- und Staatsarchiv München möglich, ob dort eine

    Personalakte vorhanden ist.


    Grüße aus München

    Marcus

    Hallo,


    auch wenn es den Anfragenden nicht mehr interessiert, hier grundsätzlich ein Auszug aus dem Tagesbefehl des

    Kommandos der Schutzpolizei München vom 27.09.1939 über die Wiedereinstellung zweier pensionierter Hauptwachtmeister der

    Schutzpolizei "auf Widerruf" in ihrem alten Dienstgrad.

    War nicht unüblich, auch bei Offizieren, um den Personalmangel bei Kriegsbeginn zu beheben.

    Einige der älteren Herren hat man aber recht schnell wieder pensioniert, ich gehe einmal davon aus, dass da

    gesundheitliche Gründe eine Rolle spielten.


    19390927_Wiedereinstellung.JPG

    Gruß aus München

    Marcus


    Hallo,


    dieser Werdegang widerspricht sich nicht...

    Als jemand mit Jahrgang 1907 war er Angehöriger eines "weißen Jahrganges", er hatte also keinen Wehrdienst leisten müssen in der Weimarer Republik.

    Dass man solche Leute mit handwerklichen Fähigkeiten (oder evtl. sogar mit seinem Fuhrwerk) bei Kriegsbeginn eingezogen und dann schnell wieder entlassen hat, wäre durchaus möglich.


    Wenn dann das "Personal" knapp wird, kann er dann als notdienstverpflichteter Polizei-Reservist dann wieder, dieses Mal zur Polizei, eingezogen worden sein.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Zusammen


    Meine Fragen:

    Wie ist es möglich, evtl. mehr über die Aufgaben eines damaligen Polizei-Inspektors zu erfahren, zumal dort, beim 133.Res.Pol.Batl.?

    Wie leicht war es, nach dem Krieg Berichte für die Entnazifizierung zu beschönigen?

    Hallo Paul,

    ein Polizei-Inspektor war ein Verwaltungsbeamter, vergleichbar mit dem Zahlmeister der Wehrmacht.

    Auch im Krieg gab es bei der Polizei einiges zu verwalten, wie immer und überall.

    Das Thema Entnazifizierung und Beschönigung ist ein Teil für sich.

    Das Thema "Persilscheine" kann bis heute emotionalisieren, das gegenseitige Beschönigen und Bestätigen der

    Verweigerung und Opposition war System, man darf da meiner Erfahrung aus mehreren Dutzend Entnazifizierungsunterlagen von

    Polizisten nach NICHTS glauben, selbst SS-Obergruppenführer und Generalleutnante der Polizei sind da Widerstandskämpfer gegen Himmler.

    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Marco,

    eine Schutzpolizei-Dienstabteilung war dort eingerichtet, wo die Stadt

    - zu groß für die Gendarmerie (also i.d.R. mehr als 5.000 Einwohner, dann gab es einen Gendarmerieposten)

    - zu klein für eine Polizeidirektion / Polizeipräsidium (also i.d.R. weniger als 30.000 Einwohner, dann gab es Polizeireviere)

    war.

    Grundsätzliches zu Aufbau und Organisation der OrPo - Einheiten der Polizei und des SD - Forum der Wehrmacht (forum-der-wehrmacht.de)

    Gerne hier nachlesen...

    Chef der Polizei war, wenn man so will, der Bürgermeister und die Schutzpolizei-Dienstabteilung war offiziell als Gemeindliche Polizei

    eingerichtet.

    Es handelt sich also grundsätzlich um den so genannten polizeilichen Einzeldienst vor Ort.

    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Marc

    zur Struktur der Schutzpolizei in einer Großstadt.

    Hamburg hat meiner Erinnerung nach zwei Gruppen- und sechs Abschnitts-Kommandos gehabt.

    Ein Abschnitts-Kommando der Schutzpolizei in Hamburg sollte für ca.

    200.000 Einwohner zuständig gewesen sein und 6 - 10 Reviere

    zuständig gewesen sein.

    Abschnitts-Kommandeur war in München meist ein Major, im Stab des Abschnitts waren

    wohl noch 2 - 5 weitere Reviere.

    Die Reviere wurden, je nach Größe von Offizieren im Rang eines

    Revier-Leutnants bis Hauptmanns geführt.

    Ein Hauptmann als Abschnitts-Kommandeur wäre also relativ rangniedrig.

    Ein Fachmann für den Einzeldienst der Schutzpolizei Hamburg ist mir leider

    nicht bekannt. Hast Du das Hamburger Archiv gefragt, ob die Unterlagen haben?

    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo,

    diese Datumsangaben kann ich aus den mir vorliegenden Unterlagen der Luftschutzpolizei bestätigen.

    Keine Angriffe zwischen dem 5.6. und dem 2.9.1940 auf München.

    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Ooly72,

    die Feuerwehren wurden als "Feuerschutzpolizei" der örtlichen Schutzpolizei- oder

    Gendarmeriedienststelle unterstellt.

    In einer größeren Stadt bedeutete das, dass die Feuerschutzpolizei dem Polizeipräsidenten oder

    Polizeidirektor unterstellt war, aber vor Ort grundsätzlich einmal ihrer "normalen Tätigkeit"

    nachging.

    Im Verlaufe des Krieges kam es zu Aufstellungen von mobilen Einheiten, um in den besetzten Gebieten und

    an wichtigen Objekten wie z. B. Hydrierwerken, Häfen u. ä. den Brandschutz sicherzustellen.

    Polizei allgemein und Feuerschutzpolizei im Besonderen ist nicht einfach, gerne aber konkrete Fragen

    stellen, um wen / was es geht.

    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo,

    mal so nebenbei gefragt: 20km sind in den dortigen Weiten wohl nicht viel.

    Oder sind da irgendwelche Verkehrsknotenpunkte oder wichtige Industrie?

    servus

    uwys

    Hallo uwys,

    20 km sind in militärischen Begriffen SEHR viel.

    So weit hinter der Front sind da nur noch rückwärtige Dienste, Stäbe und ähnliches.

    Wenn du mal so weit gekommen bist, hast Du ohne herangeführte Reserven nur noch

    wenig vor Dir. Das Problem werden ja eher die Flanken sein.

    Ohne Reichweitensteigerung schießen Panzerhaubitzen nicht viel weiter, die normale

    bodengestützte Luftabwehr wie Gepard oder ähnliches hat kaum 3 km Reichweite.

    Interessant zu beobachten, wie es weiter gehen wird.

    Auf meinen "Lieblings-Kanal" sei hingewiesen...

    (32) Ukrainischer Durchbruch in der Kherson (Cherson) Front. Wie weit stoßen die Ukrainer durch? - YouTube

    Grüße aus München

    Marcus

    Hallo elkeb,

    für jegliche Informationen zum Einsatz der Landesschützen in der Oberkrain sind Darko und

    ich SEHR dankbar.

    Im Gegensatz zu den Polizei-Einheiten sind die Landesschützen, die eigentlich "nur" Rüstungsbetriebe

    und Bahnanlagen bewachen sollten, aber schnell in den "Bandenkampf" gerieten, in den uns vorliegenden

    Dokumenten nur wenig dokumentiert.

    Kontakt auch gerne per PN - Danke.

    Grüße aus München

    Marcus