Posts by Lockenheld

    Hallo Baecker,



    wenn er den Krieg überlebt hat, empfehle ich einen Blick in die Entnazifizierungsunterlagen, da

    braucht man das für den Wohnort Ende der 40er Jahre zuständige Archiv.


    Ansonsten gibt es, wie von Daniel und Peter erwähnt, bei uns größere Unterlagenbestände, in denen man bei

    Namensnennung suchen kann.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo zusammen.


    Oliver von Wochem (Hg.)


    Repressalien und Terror

    "Vergeltungsaktionen" im deutsch besetzten Europa 1939-1945


    Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017


    Ein Sammelband mit verschiedenen Beiträgen, u.a.


    - Die rechtliche Begründung von "Vergeltungsaktionen" im Ersten und Zweiten Weltkrieg und die nachfolgende Rechtsentwicklung von Gerd Hankel


    - "Geschossen wurde auf alles was sich irgendwie zeigte". Henryk "Hubal" Dobrzanski und die nationalsozialistische "Partisanenbekämpfung" im Frühjahr 1940 von Daniel Brewing


    - "Alle Gebäude dieses Dorfes wurden dem Erdboden gleichgemacht und der Name des Dorfes ausgelöscht". Die "Vergeltungsaktion in Lidice" von Stefan Klemp


    - Die Massaker in Pancevo und Kragujevac im Herbst 1941. Zur deutschen Repressionspolitik gegenüber der Zivilbevölkerung im besetzten Serbien von Walter Manoschek


    - "...damit uns die Bevölkerung mehr fürchtet als die Terroristen". Repressionsmaßnahmen im besetzten Frankreich und die Deportationen in Konzentrationslager von Christine Eckel


    - Gouesnou - ein Massaker der deutschen Kriegsmarine in der Bretagne von Lars Hellwinkel


    - Vergeltung im Bombenkrieg. Lynchjustiz an alliierten Flugzeugbesatzungen in Deutschland, Österreich und Ungarn 1943-1945 von Georg Hoffmann.


    Das Buch kostet 24,90 Euro, kurz, bündig und verständlich geschrieben.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Achim,


    hast Du in NRW einmal nachgefragt, ob es noch Personalunterlagen gibt?

    Die Polizei ist halbwegs überliefert, ich denke das Landesarchiv in Münster ist das zuständige Archiv für Duisburg.

    Ansonsten könnten dort auch Entnazifizierungsunterlagen sein, die Aufschluss geben könnten.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo,


    im Oktober 1944 erreichte die Rote Armee den Raum Belgrad und es gab heftige Kämpfe.


    Es ist durchaus anzunehmen, dass die Panzerjäger, so sie Geschütze hatten, auch als solche eingesetzt wurden.

    Sollte jemand gegenteilige Quellen haben, nehme ich das aber zurück.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Olli,


    hat man einmal die Entnazifizierungs-Unterlagen angeschaut?

    Auch wenn die grundsätzlich mit Vorbehalten zu lesen sind, so machte man da doch recht ordentliche Angaben.


    Entscheidend für das zuständige Archiv ist der Wohnsitz zum Zeitpunkt der Entnazifizierung Ende der 40er Jahre.


    Gruß aus München

    Marcus

    Eine vielleicht für euch interessante Information ist, dass er infolge mehrerer Schußverletzungen von ab 25.7.1943 im Reservekriegslazarett 17/VI Kowel war.

    Dann mit dem Lazarettzug ins Reservelazarett Tschenstochau verlegt. Dort war er von 1.9.1943 bis 20.10.1943.

    Abgang: garnisonsverwendungsfähig Heimat zum II. SS-Polizei-Bataillon München


    Hallo,


    das kann ich einmal bestätigen.


    Der Kommandeur der Schutzpolizei______________München, den 26. Oktober 1943


    Kommando-Tagesbefehl Nr. 121


    […]


    9.) Rückkehr in den Heimatstandort


    Mit Marschbefehl des Res.-Lazaretts Tschenstochau wurde der Rottwachtmeister d. Schutzpol. Alois Mairitsch, Pol.Batl.München -Restkdo.-,

    zuletzt abgeordnet zum II./SS-Pol. 26, am 20.10.1943 in den Heimatstandort in Marsch gesetzt. Er hat sich am 22.10.1943 beim Kommando

    zurückgemeldet.

    Mairitsch, der infolge Kriegsverletzung v. 31.8.1943 bis 19.10.1943 im Res.Lazarett Tschenstochau stationär aufgenommen war und z.Zt. nicht

    einsatzfähig ist, steht bis auf weiteres dem Pol.Batl.München - Restkdo.- zur Dienstleistung zur Verfügung.



    Ich suche einmal weiter.


    Gruß aus München

    Marcus

    Abgang: garnisonsverwendungsfähig Heimat zum II. SS-Polizei-Bataillon München

    Hallo Bauch,


    hm, da würde sich ein Blick in die Tagesbefehle des Kommandos der Schutzpolizei München lohnen.

    Leider finde ich keine alten Einträge von Dir, wenn Du mir Namen und Vornamen gibst, kann ich das am Wochenende machen, die liegen mir vor.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Christine,


    als Angehöriger des Polizei-Bataillons 253 wird er zur Polizeiverwaltung München gehört haben.

    Bei genauerem Interesse kann ich einmal nach einer Personalakte schauen, die Überlieferung ist eigentlich nicht schlecht.

    Ich würde die Wahrscheinlichkeit, dass eine Personalakte da ist, auf etwa 30 % beziffern.


    Kannst Du mir das Geburtsdatum nennen?


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Paul,


    ich habe versucht, allgemein zu schreiben, hier schwirren aber schon viele Sachen herum, die mit dem Ursprung (Polizei-Truppen 1919-1935)

    nicht viel zu tun haben.


    Wir sind auf Länderebene, da gibt es die unterschiedlichen Bezeichnungen, ich will einmal die gängisten aufzählen, wobei

    die Aufzählung nicht abschließend und von Land zu Land (Föderalismus) unterschiedlich war:


    - Polizei auf dem Lande (bis etwa 5.000 Einwohner pro Gemeinde): Gendarmerie oder Landjäger

    - Polizei in den Städten: Schutzpolizei, Schutzmannschaft

    - Polizei-Truppen: Landespolizei, Sicherheitspolizei, Ordnungspolizei, Bereitschaftspolizei, Schutzpolizei.


    Einheitlicht wurde es erst ab 1937.


    Für die Beamten gab es schon damals die verschiedenen Laufbahnen, das ist aber etwas kompliziert.

    Beamtenrecht ist hier dann Nebenwissen, da muss auch ich nachlesen.



    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Bert,


    es ist klar, dass Bayern (besonders München) und Preußen bei der NSDAP nicht beliebt waren.

    Hitler hat sich beschwert, dass die NSDAP es nirgends so schwer gehabt habe wie in Bayern. Hier hatte er auch nach der Wiedergründung der

    NSDAP 1925 auch noch bis 1927 ein Redeverbot.

    Preußen war "republikanisches Bollwerk", durchgehend bis 1932 SPD-regiert.

    Die politische Einstellung vieler Offiziere und Polizisten war oft eine andere, aber man machte seinen Job. Befehle wurden ausgeführt (etwas,

    was ab 1933 genauso verhängnisvolle Auswirkungen hatte, ab 1939 noch mehr und nach 1945 aber auch wieder funktionierte).


    Zu den politischen Säuberungen im Personalkörper des Polizeipräsidiums München (ohne Landespolizei) lässt sich aber feststellen, dass 1933 nur

    wenige Offiziere nach den Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen wurden.


    Die umfangreiche Übernahme von NSDAP-Leuten in die Polizei kann ich für das Polizeipräsidium München (ohne Landespolizei)

    nach mittlerweile 8 Jahren systematischer Arbeit mit Personalakten nicht bestätigen.

    Die nach 1945 aufgrund ihrer Parteimitgliedschaft entlassenen Leute traten fast durchgehend erst ab 1933 in die Partei ein,

    waren also größtenteils "Märzgefallene".

    Für die Münchner Schutzpolizei gilt, dass ihre Offiziere fast durchgehend gelernte Berufs-Polizisten waren, auch einige ehemalige

    Landespolizisten. Nur sehr wenige wurden in den späten 30er Jahren von den SS-Junkerschulen als Leutnante der Schutzpolizei oder

    von der SS-VT und der Wehrmacht als Offiziersanwärter übernommen.

    Etwas anderes sind natürlich die Spitzenpositionen wie Polizeipräsidenten, HSSPF oder auch Leute der Gestapo, ansonsten blieben die

    Berufs-Schutzpolizisten aber recht gut im Sattel.

    Ich kenne für die Schutzpolizei München keinen aus einer Parteiformation übernommenen Schutzpolizei-Offizier, der über den Rang eines Hauptmannes

    der Schutzpolizei hinaus gekommen wäre (wie gesagt, ausgenommen die Präsidenten).


    Für Mannschaften gilt für München eigentlich fast das Gleiche. Einzige Ausnahme war die systematische Übernahme des SA-Feldjägerkorps in die

    motorisierte Gendarmerie. Dort wollte man wohl die SA-Männer von der Schutzpolizei fernhalten. Aber auch da waren die Offiziere

    Schutzpolizisten oder Gendarme. Diese Problematik der fehlenden Übernahme der alten SA-Leute in den öffentlichen Dienst war ja einer der

    Gründe der Unzufriedenheit der SA 1933/34. Man hatte sich eine großzügige Unterbringung als Beamte erhofft, stattdessen blieben viele der

    Leute, mit denen man sich im wahrsten Sinne des Wortes vorher geprügelt hat, auf ihren Posten.


    Ich spekuliere einmal, dass auch viele der aus der SS kommenden Polizeiführer kein großes Interesse an der massenhaften Unterbringung von SA-Leuten

    in der Polizei hatten. Viele aus der SA stammende Polizeipräsidenten wurde ja 1934 bei der so genannten "Röhm-Affäre" ermordet, darunter der Münchner

    Polizeipräsident Schneidhuber.


    Die Tatsache der Entfernung der ehemaligen Polizei-Offiziere im Rahmen der Entnazifizierung ist ein anderes Blatt Papier.

    Dies geschah teilweise aufgrund ihres hohen Ranges (ab Oberst offenbar grundsätzlich) oder ihrer gleichzeitigen Partei- und/oder SS-Mitgliedschaft.

    Bis zum Rang eines Oberstleutnants der Schutzpolizei wurden die Leute, wenn sie maximal in Gruppe III (Minderbelastete) eingestuft

    wurden, wieder eingestellt ab 1948. Wer nach der Wiedereinstellung nicht wieder verwendet wurde, den hat man am gleichen Tage dann wieder pensioniert.


    Meine Erfahrung aus der Entnazifizierung und den Abläufen in den frühen 50er Jahren ist, dass die Meisten wieder eingestellt wurden, wobei

    interessanterweise die Verwendungen sich in Bayern meist so entwickelten:


    - Bundesgrenzschutz und Bereitschaftspolizei: zumeist ehemals Landespolizei und Wehrmacht

    - Bayerische Grenzpolizei: zumeist ehemalige Schutzpolizei-Truppen in der NS-Zeit (vor allem Polizei-Gebirgsjäger)

    - Polizeilicher Einzeldienst: Mischung aus allem, was vorhanden war.


    Wie gesagt, eingestellt wurde bis Oberstleutnant der Schutzpolizei (=Landpolizeirat) wieder.


    Grüße aus München

    Marcus

    Hallo zusammen,


    warum wurde die Landespolizei 1935 in die Wehrmacht überführt?


    Nun,


    - die Landespolizei als geschlossener Polizei-Verband wurde im eigentlichen Sinne nicht mehr benötigt.

    Die Zeit der politischen Unruhen war vorbei, die "Friedhofsruhe" eingekehrt. Das war auch einer der Gründe, weshalb

    die Landespolizeien bereits im Sommer 1933 dem Zugriff durch die Polizeipräsidenten entzogen und eigenen Kommandos (Landespolizeiinspektionen)

    unterstellt wurden.

    Für den Fall von politischen Unruhen hätte die NS-Herrschaft keine Hemmungen gehabt, Wehrmacht, SS-Truppen und SA einzusetzen behaupte ich einmal


    - die Wehrmacht musste schnellstmöglich aufgerüstet werden. Dazu kam die Landespolizei gerade recht, wie an den Unterlagen der LaPo München und der

    Fachliteratur zu sehen ist, haben die Offiziere nie den militärischen Einsatz aus dem Blick verloren, auch nicht während der Weimarer Zeit. Dadurch waren

    sie ausbildungsmäßig ziemlich auf dem Stand der Zeit behaupte ich, auch wenn sie den Einsatz von Artillerie und Minenwerfern nur anhand vom Planspielen

    einbauen konnten. Das Personal-Reservoir wurde gebraucht und genutzt.



    An dem anderen Thread schreibe ich erst nächste Woche weiter, momentan viel zu tun.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Bert,


    der Themenstarter erklärt feierlich, dass er im Fach "Uniformkunde" eine 4 - 5 als Note verdienen würde.


    Ich behelfe mich immer, falls nötig, mit den einschlägigen Büchern von Ingo Löhken

    - Die Polizei-Uniformen in Preußen 1866-1945

    - Polizei-Uniformen der Süddeutschen Staaten 1872-1945.


    Dass man auf den alten Bildern vor 1935 zumeist Pickelhauben in Bayern sieht, kann ich bestätigen.


    Tschako nach dem Krieg wäre mir in München auch nicht begegnet, nur Schirmmütze oder Bergmütze.

    Wobei allerdings gilt, dass die Polizei nach dem Krieg ja anders organisiert war, was für München gilt muss nicht für Würzburg richtig sein.


    Ich glaube, da kann Danuser oder Frankpol mehr dazu sagen.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Paul,


    Gendarmerie (in Preußen hieß sie Landjägerei, da man nach 1918 den französischen Namen ablegen wollte) war in Orten bis ca. 5.000 Einwohnern tätig.


    Ansonsten ging das durchaus vom 1-Mann-Posten bis hin zu 6 - 10 Mann.


    Die verschiedenen "Polizeien" sind ein sehr komplexes Thema.

    Noch heute kennt die deutsche Sprache wie "feuerpolizeiliche Verordnungen", die mit der Behörde "Polizei" nichts zu tun haben.

    Auch ein "polizeiliches Führungszeugnis" hat mit der Polizei nichts zu tun.


    Gruß aus München

    Marcus

    Teil 3b



    Die „militärischen“ Einsätze der Landespolizeien waren mit der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches im November 1923 eigentlich beendet.


    In der polizeilichen Fachliteratur und auch in der Ausbildung wurde jedoch weiterhin intensiv der „landespolizeiliche“ Einsatz durchgefochten.


    Der Schwerpunkt der „polizeitaktischen Schulung“ und den dazu gehörenden Planspielen und Lehraufgaben lagen in bewaffneten Aufständen größerer, organisierter Gruppen. In den Planspielen und Lehraufgaben wurde ein militärisches Vorgehen trainiert und durchgespielt, das ohne eine ausgebildete und eingespielte Truppe sicher nicht zu bewältigen war. Die Planspiele der Offiziere und auch durchgeführte Übungen der Einheiten dürften einen großen Teil der Dienstzeit in Anspruch genommen haben, so dass ständig ein nicht unerheblicher Teil der Landespolizei-Verbände nicht für die Einsätze zur Verfügung gestanden haben dürfte.


    Der in der heutigen Fachliteratur zur Polizeigeschichte erhobene Vorwurf, dass die Landespolizeien ab etwa 1930 wieder verstärkt mit militärischer Ausbildung in Erscheinung treten, kann aufgrund der Quellenlage für die Bayerische Landespolizei bestätigt werden.

    Über den Grund hierfür kann nur spekuliert werden. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Polizeiführung aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung seit Beginn der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 auf eine Lage wie im Jahr 1923 vorbereiten wollte.


    Die Planspiele der Bayerischen Landespolizei für die Offiziere ab 1930 teilten sich in verschiedene Bereiche. Einerseits in Planspiele für Leutnante/junge Oberleutnante (also Zugführer), Oberleutnante/Hauptleute (Hundertschaftsführer) und dann Stabsoffiziere ab Major. Andererseits wurden die Planspiele in „taktische“ und „polizeitaktische“ getrennt, wobei die „taktischen“ reine Militäreinsätze im Rahmen der Reichswehr gegen einen Feind von Außen behandelten. „Polizeitaktische“ Einsätze spielten im Rahmen der Aufstandsbekämpfung im Innern, wobei zumeist von Streiks oder Hungerdemonstrationen ausgegangen wurde, die dann in bewaffnete Aufstände mündeten.


    Die Landespolizeien verloren also bis zum Schluss (für München finden die letzten Planspiele im März 1933 statt) weder den Einsatz im Rahmen der Reichswehr, noch den gegen bewaffnete, organisierte Aufstände aus den Augen.


    Literaturtipps:


    • Wilhelm Hartenstein: Der Kampfeinsatz der Schutzpolizei bei inneren Unruhen. Berlin 1926

    • Wilhelm Hartenstein: Einführung in Wesen und Grundzüge der Schutzpolizei-Verwendung. Berlin 1932/33.

    • Wilhelm Hartenstein: Die Führung und ihre Mittel beim Kampfeinsatz der Schutzpolizei. Berlin 1933.

    • Dr. Beyer: Der Sonderwagen in der Polizeitaktik. Berlin 1931.

    • Dr. von Schaewen: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Polizeizweige im landespolizeilichen Einsatz. Berlin ca. 1930

    • Max Kreutzer: Der Einsatz der Schutzpolizei im Stadtgebiet. München 1932

    • Akten der Bayerischen Landespolizei im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und Staatsarchiv München

    Fragen und Anmerkungen bitte hier Diskussions-thread zu den Polizei-Truppen 1919 - 1935


    Teil 3a


    Im Herbst 1929 beginnt die Weltwirtschaftskrise, die das Deutsche Reich besonders hart trifft.

    Die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik ändern sich, die (politische) Gewalt auf den Straßen explodiert.


    Die Polizei gerät zwischen die Fronten der verfeindeten politischen Lager.


    Die Landespolizeien, die den Großteil der geplanten Einsätze und auch die Überfallkommandos in den Städten besetzen, kommen vor allem ab Angang 1932 kaum mehr zur Ruhe.


    Diese Periode beginnt aus polizeilicher Sicht in etwa mit dem so genannten „Berliner Blutmai“ 1929.

    Die Beweggründe der SPD-geführten preußischen Regierung, am 1. Mai 1929 in Berlin keine Versammlungen zuzulassen, sind aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Die Leitung des Berliner Polizeipräsidiums hat jedenfalls einen Einsatz zu verantworten, bei dem bis zum 3. Mai 1929 insgesamt 33 Personen ums Leben kamen, teilweise von der Polizei in ihren Wohnungen von der Straße aus erschossen. Über Teile des Stadtgebietes wurde der Ausnahmezustand verhängt, die polizeilichen Sonderwagen fuhren, mit MG schießend, durch die Straßen.

    Die schlimmste Konsequenz aus den Ereignissen war aber wohl außer den Toten die vergiftete politische Atmosphäre zwischen der SPD und der Berliner Polizei auf der einen und der KPD auf der anderen Seite.


    Polizeitaktisch wurden in der Fachliteratur wieder die Rufe nach Tränengas laut. Nachdem bei den Unruhen durch die Polizei auch Wasser in Form von an Hydranten angeschlossene Schläuche zum Einsatz kam, wurde auch ein „Wasserspritzwagen“ gefordert. Dieser erste Wasserwerfer wurde 1930 bei der Berliner Polizei eingeführt, bleib jedoch in Preußen ein Einzelstück. Weiterhin nachweisen lässt sich lediglich anhand eines Fotos noch ein Wasserwerfer bei der Münchner Polizei. Belege für tatsächliche Einsätze der beiden Fahrzeuge finden sich aber nirgendwo.


    Auf polizeitaktischem Gebiet kommt ab ca. 1931 die Schriftenreihe „Einzelfälle aus der Polizeiverwendung“ durch das Preußische Polizei-Institut zur Veröffentlichung. Das Institut, zentrale Offiziers-Schule der preußischen Polizei, schildert darin tatsächliche Einsätze der Polizei aus der Vergangenheit und gibt dazu eine Lehrmeinung ab. Diese besteht in der Regel aus den Lehrsätzen „rechtzeitige Lagebeurteilung und angemessene Reaktion“, „ausreichende Kräfte“ und „(rechtzeitiges) entschlossenes Handeln erspart Blutvergießen“.

    Ganz klar ist für das Institut, dass der Schusswaffengebrauch zu den Einsatzmitteln gehört und in letzter Konsequenz angewandt werden soll und muss.

    Interessanterweise spielen die vorgestellten Fälle oft in deutschen Kleinstädten mit nur wenigen tausend Einwohnern und ohne eigene Landespolizei-Garnision. Die Landespolizei kam hier oft geplant unterstützend oder auch dringend um Hilfe ersucht zum Einsatz. Man reagierte mit solchen Schriften offensichtlich auf die Taktik von NSDAP und KPD, auch die kleineren Städten mit ihren politischen Veranstaltungen mehr und mehr in den Blick zu nehmen. Die dortigen kleinen Polizei- und Gendarmerie-Dienststellen waren auf eine solche Lageentwicklung weder personell noch ausbildungsmäßig vorbereitet, in solchen Städten befanden sich nur eine sehr kleine Anzahl von Beamten.


    Das Jahr 1932 als das große Krisenjahr wird für die Polizei zur Belastungsprobe.


    Personell muss beachtet werden, dass die Personalstärke der Polizei im Deutschen Reich durch die IMKK nach oben hin begrenzt war. Offiziell aus Kostengründen wurden bei den meisten Ländern die Landespolizei-Verbände im Laufe der Zeit auch reduziert. So sank zum Beispiel die Zahl der in München vorhandenen Hundertschaften von 28 im Jahr 1923 auf gerade noch 16 Ende der 20er Jahre. Die Bayerische Landespolizei wurde bis Ende der 20er Jahre etatmäßig um 2.200 Mann reduziert.

    Das Personal dürfte vor allem auf den polizeilichen Einzeldienst verteilt worden sein. Damit wurden zwar die Kriminalpolizei, Reviere und Gendarmerie-Dienststellen gestärkt, für die Unruhen des Jahres 1932 fehlte dann aber die Mannschaftsstärke.


    Im Jahr 1932 fanden insgesamt vier reichsweite Wahlen statt (2 Wahlgänge für den Reichspräsidenten im März und April, 2 Wahlen zum Reichstag im Juli und November). Der hierbei erforderliche polizeiliche Personalansatz führte an die Grenzen der Belastbarkeit und wohl auch darüber hinaus. Die Auswirkungen von Hitlers Wahlkampf mit dem Flugzeug, der teilweise täglich mehrere Versammlungen besuchte, dürften für die Polizei kaum handhabbar gewesen sein.

    Die berittene Bereitschaften der Münchner Landespolizei sattelten im Sommer 1932 auch nachts nicht mehr ab. Man war dadurch zwar einerseits in der Lage, die Kaserne in wenigen Minuten nach Alarmierung zu verlassen, die Belastung für Mann und Tier liegt aber auf der Hand.


    Als der Berliner Polizeipräsident Grzesinski am 20. Mai 1932 eine Bilanz zieht, führt er in der Zeit vom 1.1.1932 bis 24.4.1932 insgesamt 5.098 politische Veranstaltungen in Berlin an.

    Die Zahl der täglichen Todesopfer politischer Gewalt in Preußen steigt im Laufe des Sommers 1932 auf bis zu 20 an.


    Im Sommer 1932 bekennt der preußische Innenminister Severing sinngemäß „Die Polizei kann nicht mehr, wir sind am Ende“. Wenn politische Parteien Gewalt planmäßig einsetzen, könne die Polizei das auf Dauer nicht bekämpfen.


    Literaturtipps:


    • Leon Schirrmann: Blutmai Berlin 1929. Dichtungen und Wahrheit. Berlin, 1991

    • Die Polizei, Zeitschrift für das gesamte Polizeiwesen. Berlin Jahrgänge 1928 – 1932

    • Schriftenreihe des Preußischen Polizei-Instituts: Einzelfälle aus der Polizeiverwendung. Potsdam 1931-1932

    • Siegfried Zaika: Polizeigeschichte. Die Exekutive im Lichte der historischen Konfliktforschung – Untersuchungen über die Theorie und Praxis der preußischen Schutzpolizei in der Weimarer Republik zur Verhinderung und Bekämpfung innerer Unruhen, Lübeck 1979

    • Carsten Dams: Staatsschutz in der Weimarer Republik. Die Überwachung und Bekämpfung der NSDAP durch die preussische politische Polizei von 1928 bis 1932. Marburg 2002

    Fragen und Anmerkungen bitte hier Diskussions-thread zu den Polizei-Truppen 1919 - 1935


    Hallo,


    ich habe mich für den Begriff Landespolizei entschieden, weil es ja die verschiedensten Begriffe gibt für die Polizei-Truppen:


    - Schutzpolizei

    - Bereitschaftspolizei

    - Ordnungspolizei

    - Sicherheitspolizei.


    Eine Aufstellung, in welchem Land die Polizeitruppen wann wie benannt worden sind, ist glaube ich für sich schon eine Herausforderung.


    Gruß aus München

    Marcus