Posts by Lockenheld

    Hallo,


    also ich finde ehrlich gesagt überhaupt nichts bemerkenswertes daran, dass

    das Bayerische Landesamt für Statistik 1947 eine Aufstellung über den

    Verbleib bayerischer Kriegsgefangener macht.


    Worüber sonst, über Württemberger oder Hessen?


    Interessant wäre eher, woher die Datenbasis kommt und wer die über

    2000 in Deutschland untergebrachten deutschen Kriegsgefangenen

    waren. Inhaftierte Kriegsverbrecher? Zivilinternierte?


    Dazu noch über 400 in Österreich...


    Gruß aus München

    Marcus

    Seine Entnazifizierungsunterlagen drehen sich vor allem um die frühe Parteimitgliedschaft, über die Verbrechen in der Ukraine findet sich dort kein einziges Wort... War das damals gar nicht bekannt?


    Hallo Roa,


    nur zum Verständnis.


    Das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus hatte nicht den primären Zweck, während des Krieges begangene

    Delikte zu verfolgen.


    Es sollten eben gerade (frühe) Förderer und Aktivisten der Nazis sowie "Militaristen" gesucht und gefunden werden.


    Für die Ermittlung zu im Ausland begangenen Delikten waren die Spruchkammern weder gedacht noch befähigt,

    theoretisch hätte so etwas an das zuständige Gericht abgegeben werden müssen.


    Zur Zeit der Spruchkammerverfahren, Ende der 40er, hätte sich kaum ein deutsches Gericht gefunden, das Verbrechen in der

    Ukraine verfolgt hätte.


    Justizgeschichte - leider nicht einfach.


    Gruß aus München

    Marcus


    Meine Vermutung: Hacker haben das russische Piloten-Leitsystem geknackt. Die Hacker, vielleicht US- Drohnen-Piloten im Ramstein, befehlen den russischen Paradepiloten sonstwohin zu fliegen, aber nicht über den Roten Platz. In letzter Minute vor dem Start hat das Russische Militär-Luft-Kommando gemerkt, dass ihre Parade-Vögel in ferne Tundren geschickt werden sollten.

    Hat jemand eine andere Vermutung für die Absage der Luft-Parade am 9. Mai 2022 über dem Roten Platz "Wegen schlechtem Wetter" bei laut Augenzeugen "windigem, aber wolkenlosen Himmel"?

    Gruss jostdieter


    Hallo,


    kann auch einen einfachen Grund haben.


    Man ist im Krieg, große Teile der Staats- und Militärführung auf einem Haufen, da kann viel passieren, vor allem aus der Luft,

    das Ziel ist ziemlich klein auf der Tribüne.


    Es soll schon kleine einmotorige Flugzeuge gegeben haben, die unentdeckt von Finnland bis zum Roten Platz geflogen sind,

    heutzutage ist das alles etwas kleiner.


    Sicherheitsverantwortlicher möchte man für diese Veranstaltung nicht sein.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo,


    er hat ja anscheinend den Krieg überlebt.

    Wo wohnte er nach dem Krieg?


    Wenn er in den späten 40er Jahren in den westlichen Besatzungszonen ankam,

    empfehle ich die Suche nach den Entnazifizierungsunterlagen. Dazu muss man

    wissen, wo genau er dort gelebt hat.


    In den Entnazifizierungsunterlagen mussten Angaben zum militärischen Werdegang

    gemacht werden. Da kann, trotz der bekannten Schwächen der Unterlagen ("Persilscheine u.ä.)

    nicht gelogen werden.


    Die Auskünfte der regionalen Archive gehen normalerweise deutlich schneller als vom

    Bundesarchiv.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo zusammen,


    aus den Unterlagen unseres "Schriftführers" RolandP:- von mir unkommentiert übernommen:


    Gruß aus München

    Marcus


    6.3.3. Kosaken u. Kaukasier (Stabs-Abt. = Tolmezzo):
    CO:
    - war hetman Gen. Sergej Vasiljevič Šavlov (? – 17.6.’44); killed by Domanov
    - war hetman Gen. Timofej Ivanovič Domanov (17.6.’44 – 5/45)
    - Gen.hetman Girej Klič (Kaukaser)

    Chef d.Stab.
    - Gen. Timofej Ivanovič Domanov (? - 17.6.’44)

    Verbindungsoffizier b.Kaukaser:
    - Hptm.d.Schupo Müller
    - Hptm.d.Schupo Meisterknecht
    - SS-Hstuf. Teuer

    Verbindungsoffizier b.Kosaken:
    - SS-Hstuf. Adelbert Schindlmayr
    - SS-Hstuf. Teuer

    OoB (1/45):
    - Kauk.Rgt. (Paluzza)
    - 1. Rgt. (Clauzetto)
    - 2. Rgt. (Tarcento)
    - 3. Rgt. (Enemonzo)
    - 4. Rgt. (Ambazzo)
    - Ers.Rgt. (Osoppo)
    - 1. Reiter-Rgt. (Povoletto)

    OoB (4/45):
    Frw.Brig. “Nordkaukasus” (Paluzza)
    Frw.Rgt. “Nordkaukasus” (Paluzza)
    - Btl. (Rigolato)
    - Btl. (Forni Avoltri)
    - Btl. (Prato Carnico)

    Frw.Rgt. “Kaukasus” (Casteonso)
    - all Btl. in Casteonso

    Kosaken-Reiter-Rgt. (Čedad)
    - both 2 Btlln. in Čedad

    Ers.Rgt. (Ossopo)

    Zgodovina:
    - HQ Paluzza

    Kosaken-Brig. (Neme/Nimis)
    Hetman-Rgt. (Tolmezzo)
    - both Btl. in Tolmezzo

    Rgt. I (Segualso)
    - Btl. (Segualso)
    - Btl. (Tanziano)
    - Btl. (Faidona)

    Rgt. II (Tarčento)
    - Btl. (Tarčento)
    - Btl. (Tarčento)
    - Btl. (Neme)


    „… Ich habe im Rahmen der Suche nach Informationen bezüglich des Werdegangs meines Vaters 1939 bis 1945 auf einen Umstand gestossen, der sich mir nicht 100%ig erschließt. Es wäre schön, wenn über das Forum zumindest ein paar der sich daraus ergebenen Fragen beantwortet werden könnten.


    I. Vorgeschichte

    Mein Vater wurde 1912 in Lodz (damals Provinz Weichselland im russischen Reich) als Angehöriger der deutschen Minderheit geboren und erhielt nach Gründung der 2. polnischen Republik die polnische Staatsbürgerschaft. Er wurde nach dem deutschen Einmarsch in die "Blaue Volksliste" aufgenommen und verstarb 1982 als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

    Hinsichtlich seines Einsatzes bei der Ordnungspolizei gibt es nur spärliche offizielle Informationen, da die Unterlagen der Polizeiverwaltung Litzmannstadt (dt. Name von Lodz) durch Kriegseinwirkung verloren gegangen sein sollen. Im Nachlass meins Vaters fanden sich keine offiziellen Dokumente seine Dienstzeit betreffend.

    Nach eigenen Angaben wurde er bereits am 14.09.1939 (also wenige Tage nach Einnahme von Lodz durch die Wehrmacht) zur Deutschen Hilfspolizei einberufen.

    Nach Absolvierung der 1. Lehrabteilung an der Polizeischule Gnesen von April bis September 1940 versah er bis Juli 1944 Polizeidienst als Hundeleitmann auf den Revieren 23, 24 und 27 (Aussagen aus eidesstattlichen Zeugenerklärungen von 1953/54).

    Als das 10. SS-Polizeiregiment im Juni/Juli 1944 von der Ostfront abgezogen und - zumindest ein Teil von ihm - im Warthegau (annektiertes polnisches Gebiet) - aufgefrischt wurden, kam er in diese Einheit, die im Juli 1944 nach Görz (Goriza) in der Operationszone Adriatisches Küstenland verlegt wurde. Offenbar erfolgte danach zumindest noch eine weitere Versetzung.

    Anfragen bei verschiedenen Stellen des Bundesarchivs ergaben nur eine spärliche Auskünfte aus Unterlagen seiner britischen Kriegsgefangenschaft:

    - Letzter Dienstgrad: Revieroberweachtmeister (Feldwebeldienstgrad)

    - Verwendung: Hundeführer

    - Einheit: Stab BDO Triest, Kosaken-Reiter-Regiment 1

    - Gefangennahme: 14.05.1945 in Lienz, Österreich

    - Aufenthalt in diversen britischen Gefangenlagern (B P.W. Rep. Centre, U P.W. Camp, 214. P.W. Camp, 206 P.W. Camp, Sep. Ctre. CM, 370 P.W. Camp, "Reclass to SEP. and Trs. to cage 5") in Italien

    - Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft im Juni/Juli 1947 (Ort: Rimini, Italien)


    II. Bisheriger Hinweis zur Verbindung Orpo und Kosaken Reiterregiment 1

    Aus einem Betrag des Axis Forums geht hervor, dass die Kosakeneinheiten in der OZAK auch ein Unterstellungsverhältnis zum dortigen HSSPF Odilo Globocnik hatten. Beim HSSPF AK gab es einen Stab für Kosakeneinheiten. (Leitung SS-Obersturmführer Peter Feistritzer). Quelle: https://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=37746

    Es geht aus dem o.g. Beitrag aber nicht hervor, ob und inwieweit der dem HSSPF AK zugeordnete BDO Triest ebenfalls hier eine Schnittstelle zu den Kosakeneinheiten hatte.


    III. Fragen (speziell OZAK betreffend)

    1) Inwieweit wurden Orpo-Angehörige direkt bei Kosakeneinheiten eingesetzt?

    2) Welche Aufgaben nahm die Orpo dort wahr (Verbindungskommando, Unterstützung bei polizeilichen Angelegenheiten, Ausbildung)?

    3a) Aus 2 ergebend: Nahmen die Orpo-Angehörigen direkt an militärische Aktionen der Kosakenverbände teil und wenn ja

    3b) Bei welchen Einsätzen?

    3) Waren die Orpo-Angehörigen den Kosakeneinheiten dauerhaft oder nur tempörär zugeteilt?

    4) Waren die Orpo-Angehörigen dem BDO Triest zugeordnet oder wurden sie auf dessen Befehl hin von den SS-Polizeiregimentern dorthin abgestellt?

    Informationen gesucht zum Einsatz von Orpo-Angehörigen des Stabs BDO Triest (Kintrup) beim Kosaken-Reiterregiment 1 in 1944/1945


    ich suche Informationen über ein "deutsch-kaukasisches Kommando" in Paluzza in der Zeit von Januar bis April in der Operationszone Adriatisches Küstenland. Mein Vater (Jahrgang 1901), dienstverpflichtet 1941 in Wuppertal, war als Polizei-Revieroberwachtmeister der Reserve aus Pola (Istrien) kommend eingesetzt. In Pola war er abgeordnet zum BdO (Befehlshaber der Ordnungspolizei) Adriatisches Küstenland gem. Verfügung s² -3160 vom 28. 7. 1944, wurde dort keiner Einheit zugeordnet und war erreichbar unter der Feldpostnummer 01471 H (später A). Ab November 1944 wurde die Feldpostnummer für ihn aufgehoben und er war unter der Adresse "Pola (Istrien) Italien, Schutzpolizei, Dienstabteilung" zu erreichen.


    Ich kann bisher nicht herausfinden, was in Pola eine "Dienstabteilung" war (Mein Vater versah Gebäudebewachungsdienste) und in welchem Verhältnis sie zu der Dienststelle in Paluzza stand. Was könnte die Aufgabe meines Vaters in dieser Dienststelle gewesen sein? Er selber sprach von "Orts- und Sicherheitskommandant". Der Begriff "deutsch-kaukasisches Kommando" deutet auf eine Aufgabe im Zusammenhang mit den von der Wehrmacht dort angesiedelten georgischen, kosakischen und kaukasischen Einheiten. Es könnten aber auch Aufgaben im Zusammenhang mit der "Bandenbekämpfung" sein oder der Sicherung des Nachschub-, beziehungsweise Rückzugsweges. Paluzza liegt in der Region Udine, wenige Kilometer südlich vor der deutsch-österreichischen Grenze auf dem Plöckenpass. Meine Fantasie reicht nicht aus, mir die letzten drei Kriegsmonate in diesem Gebiet vorzustellen.

    Schupo im "Deutsch-Kaukasischen Kommando" in Paluzza (Adraitisches Küstenland)

    Kosaken-Brig. (Tolmezzo)

    Rgt. III (Enemonzo)

    - Btl. (Enemonzo)

    - Btl. (Socchieve)

    - Btl. (Ovaro)



    Rgt. IV (Ampezzo)

    - both Btl. in Ampezzo



    Ofiz.-Schule (Amar-Ovar)

    CO:

    - Gen. S.K. Borodin



    Kosaken-Junkerschule (Villa Santina)

    CO:

    - Gen. Mihail Salamakin



    K.K.Feldgendarmerie-Kommanduer

    - SS-Hstuf. Scharf



    - 2/2 ’44 came to Friuli

    - 4000 Kaukasier in Paularo (Karnijske Alpe)

    - 18.000 Kosaken in Tilmento

    - HQ Humina (Gemone), Tolmeč (Tolmezzo)

    - Frw.Brig. “Nordkaukasus” reformed to Kaukasischer Waffenverband der SS (CO: SS-Staf. Arved Theuermann, personal SS-Hstuf. Kessel)



    Hallo Eddie,


    ein Revier-Oberwachtmeister ist ein Feldwebel.

    Da wird er kaum eine Dienststelle geleitet haben, sondern maximal

    einen Zug.


    Als eigentliche Aufgabe dürfte da auch ein Gendarmerieposten oder so in Frage kommen,

    da braucht er natürlich einen Dolmetscher.


    "Leitungsperson" ist da relativ, das kann zwar durchaus eine eigenständige Einheit

    wie eine Objektwache sein (zu der dann auch "Kaukasier" gehören als Mannschaft),

    aber kaum mehr.


    Gegen Kriegsende kann man leider auf die "angestammten" Verhältnisse nicht mehr geben,

    es war immer viel im Fluss und Veränderungen unterworfen, die Überlieferungen sind eher mau,

    es sei denn in einem Archiv vor Ort ist noch etwas.


    Leider viel Spekulation ohne einen Treffer in irgendwelchen Unterlagen.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo Eddie,


    Willkommen hier bei der "Polizei" im Forum.


    Zunächst einmal Lob für den inhaltsvollen Eröffnungsbeitrag, sieht man nicht oft - leider.


    Ein Schutzpolizei-Dienstkommando ist eine stationäre Dienststelle der Schutzpolizei....


    Auf Deutsch:

    Im Heimatgebiet wäre das die Schutzpolizei in einer Stadt mit 3.000 - 30.000 Einwohnern gewesen.

    Im "auswärtigen Einsatz" war das nicht viel anders.


    Die Schutzpolizei hatte dann auch durchaus eine Wachkompanie oder Wachzug angegliedert, der

    Objektschutz betrieb, also Bewachungsaufgaben, oder die Männer mussten das im Rahmen des

    Dienstes so mitmachen.


    Partisanenbekämpfung gehört zu den Grundsatzaufgaben der Schutzpolizei, der Befehlshaber der

    Ordnungspolizei und der HSSPF im Adriatischen Küstenland waren die dafür grundsätzlich zuständige

    deutsche Dienststelle dort.


    In der hier angesprochenen Zeit (Anfang 1945) ist der Einsatz von "fremdvölkischem Personal" unter

    Führung von SS und Polizei durchaus normal gewesen, gerade in der Gegend war dort einiges

    versammelt, Kaukasier, Turkmenen, Serben usw., was unter mehr oder weniger tauglicher deutscher

    Führung eingesetzt wurde.


    Gruß aus München

    Marcus

    In diesem Thread hätte ich dann allerdings auch mehr Beschäftigung mit Taktik und Waffensystemen erwartet,


    Gruß

    Hans


    Hallo Hans,


    da gebe ich Dir natürlich recht.


    Das Problem hierbei ist, dass wir hier es gewohnt sind, aufgrund mehr oder weniger umfangreicher

    Quellen, sprich Papier zu arbeiten.


    Aufgrund von was soll sich der normale, auch interessierte Medienkonsument, ein Bild machen, das zu dem

    ein aussagekräftiges Bild ergibt.


    Selbst "nebenan" im Cold War-Forum, das thematisch ja eigentlich näher an dem Krieg in der Ukraine

    ist, wird darüber praktisch nichts geschrieben - wobei der dortige Thread aber (meiner Ansicht nach glücklicherweise)

    die Politik völlig außen vor lässt.

    Für "Taktik" halte ich die YouTube-Videos des Österreichischen Bundesheeres (1) Österreichs Bundesheer - YouTube eigentlich noch immer für das

    Beste im deutschsprachigen Raum, zu Waffensystemen - was da dazu gehört - habe ich noch nichts gesehen.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo JR,


    das ist mir durchaus bekannt, da ich im Rahmen meiner Forschungen

    eine sehr große Anzahl von Spruchkammerakten von SS- und Polizeiangehörigen in

    der Hand hatte.


    Die Grunddaten sind aber drin, vor allem Zugehörigkeit zu Waffengattungen und

    Verbänden.


    Bei "hochdekorierten SS-Offizieren" dürfte der BDC-Bestand im Bundesarchiv, also

    SS-Akten, mindestens genauso aufschlussreich sein übrigends.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo an den unbekannten Anfrager,


    Willkommen hier im Forum.


    Was weiß man denn außer der "familiären Übermittlung"?


    Am einfachsten und schnellsten geht normalerweise ein Einblick in die Entnazifizierungsakten,

    da hat er - zumindest rudimentäre - Angaben zu seinem Lebenslauf und dienstlichen Werdegang

    machen müssen.


    Interessant wäre dann der Wohnsitz Ende der 40er Jahre.


    Bei einem SS-Offizier denke ich mehr an den SS- und Polizeikommandeur in Pola, der wohl

    Anfang 1945 eingerichtet wurde und in der Partisanenbekämpfung tätig war.


    Unterstellt dem Höheren SS- und Polizeiführer Adriatisches Küstenland, also Globocnik.


    Ist aber reine Spekulation.


    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo zusammen,


    einen Aspekt der aktuellen Diskussion zu Waffenlieferungen (vor allem durch Deutschland) an die Ukraine möchte ich einmal zur Debatte

    stellen (eigentlich kommt mir persönlich der militärische Aspekt des Ukraine-Krieges hier in diesem Forum viel zu kurz).


    Ich möchte absichtlich nicht auf den Tonfall ukrainischer Politiker und Diplomaten und dem Thema "Ausladung des Bundespräsidenten"

    eingehen - ich kann eigentlich irgendwie schon verstehen, dass man gerne einen Entscheider und nicht einen Repräsentanten sehen würde.


    Es wird im Rahmen der entsprechenden Forderungen (auch von mir bekannten Leuten, von denen ich aufgrund ihrer sonstigen

    politischen Einstellung, die ich durchaus respektiere und teilweise teile) die Lieferung von bei Privat-Unternehmen eingelagerten

    Marder-Schützenpanzern der Bundeswehr gefordert.


    Meine Meinung hierzu, wobei ich darauf hinweise, dass ich "ungedient" bin und mir alles militärisches Wissen nur (ich denke sehr umfangreich)

    angelesen habe:


    - Dauer der Wiederinbetriebnahme: mindestens einen Monat

    - Schulung der Besatzungen so weit, dass sie in einen offenen Panzerkrieg ziehen können: weitere mindestens drei Monate

    - parallel Schulung von Wartungs- und Instandsetzungspersonal: mindestens ebenso lange

    - Fertigung von Ersatzteilen für Fahrzeuge, die zu einer Zeit eingeführt wurden, als Volkswagen noch den Käfer fertigte und die beiden

    deutschen Staats-Eisenbahnen noch einiges (Bundesbahn) bis vieles (Reichsbahn) mit Dampflokomotiven abwickelten: unabsehbar.


    Was bekommt man dafür:

    Frühestens im Hochsommer einen Schützenpanzer, der ab 1971 in Dienst gestellt wurde und vom Panzerschutz und Bewaffnung auf einem

    entsprechenden Stand ist. Ich gehe davon aus, dass diese eingelagerten Fahrzeuge auf dem technischen Stand "Bundeswehr Mitte der 90er"

    sind, also wahrlich nicht "up to date".


    Was macht man damit:

    Offene Panzerschlachten? Echt jetzt? Für mehr ist der Marder, der zur Begleitung schneller Kampfpanzer entworfen wurde, ja wohl kaum geeignet.

    Eine russische Luftwaffe mit Jagdbombern und Hubschraubern wird "Danke" sagen.


    Die mögliche Lieferung von ehemaliger Ausrüstung der Ex-Warschauer-Pakt-Staaten in der NATO:

    Wenn man Wikipedia (mit allen bekannten Schwächen) nimmt, gibt es in Polen, der Tschechei, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Slowenien und Kroatien

    ja wohl noch einiges an Gerät des ehemaligen Warschauer Paktes, wie z. B. Kampfpanzer T-72, Schützenpanzer BMP, MiG-Flugzeuge usw., wobei das

    Meiste allerdings auch eingelagert und technisch nicht auf neuerem Stand sein dürfte - Folgen und Zeitdauer siehe oben.


    Das Problem ist meiner Ansicht nach, dass diese Länder - aus eigenem Interesse - nicht alles oder sehr viel abgeben werden, da ihnen bewusst

    sein geworden dürfte, dass man die alten Sachen selbst nochmal brauchen kann.


    Selbst wenn wir unterstellen, dass die USA den Ländern wie Polen, der Tschechei usw. als Ersatz für an die Ukraine abgegebenes Material natürlich

    angeboten haben, dafür M 1 Abrams, M2/3 Bradley, F-16 Fighting Falcon usw. aus eigenen Lagern für "ein Appel und ein Ei" zu bekommen,

    wissen diese, dass sie mit den Panzern erst in Monaten und mit den Flugzeugen erst in Jahren selbst was anfangen können, da Personal

    ausgebildet werden muss, was, wie oben dargestellt, dauern wird.


    Meine Meinung:


    Auf dem Boden kann man natürlich annehmen, dass die Ukraine bereit ist, kaum mit dem entsprechenden Gerät ausgebildete Soldaten einzusetzen.

    Das Ergebnis dürfte aber (wahrscheinlich weniger) zweifelhaft sein. Ich verweise historisch auf die deutschen Panzer-Brigaden, die im

    Spätsommer 1944 zwar auf dem Blatt gut ausgerüstet waren, im Endeffekt aber mit zu wenig Logistik und zusammengewürfelt mangelhaft ausgebildet

    wenig bis nichts ausrichteten.

    Das bewährte (wenn auch vielleicht nicht so "tolle") Material in kampferfahrenen Einheiten hätte damals wohl mehr geholfen (wenn natürlich auch

    letzten Endes erfolglos) und dürfte jetzt auch die bessere Wahl sein.

    Will man sich der russischen Armee in offenen Panzerschlachten stellen? Von so vielen davon habe ich bisher nicht gelesen, es scheinen mehr

    oder weniger eher ukrainische Hinterhalte u. ä. gewesen sein vorne und Nadelstiche hinten, die die russische Armee vor massive Probleme stellten.

    Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.


    In der Luft dürfte der Ukraine bald die Luft ausgehen und man wird auf bodengestützte Luftabwehr angewiesen sein.

    Grund: die Flugzeuge und auch Piloten "gehen irgendwann aus", vor allem letztere können nicht ersetzt werden, selbst wenn die NATO noch "passende"

    Flugzeuge hat.

    Probleme, die man von Görings Luftwaffe kennt, Flugzeuge gab es am Schluss genug, nur keine ausgebildeten Piloten (und Sprit). Allerdings hat aus der

    Luft noch keiner einen Krieg gewonnen, weder die deutschen Luftangriffe auf London, noch die alliierten Luftangriffe auf Deutschland, Japan, Nordkorea oder

    Vietnam haben den Sieg gebracht.


    Irgendwo habe ich einmal einen Witz gehört:

    "Der 3. Weltkrieg ist vorbei, der Warschauer Pakt hat gewonnen.

    Treffen sich zwei sowjetische Panzergeneräle am Eifelturm in Paris.

    Einer frägt den Anderen: "Wer hat eigentlich den Luftkrieg gewonnen?"


    Soweit zum Thema Luftangriffe und die taktische Wirkung, die vor Ort vielleicht den Truppen helfen kann, strategisch aber keinen Krieg für sich alleine

    gewinnt.


    Terrorangriffe auf die Zivilbevölkerung sind hier nicht gemeint.


    Von rechtlichen Bewertungen wie "Völkermord", "Kriegsverbrechen" u. ä. halte ich mich fern, da ich kein Jurist bin.


    Meine Gesamtmeinung:

    Der Krieg wird noch lange gehen, wenn in Russland das System nicht strauchelt.

    Solange das nicht passiert, wird Putin (und mit ihm die Generalität) den eingeschlagenen Weg folgen.

    Russland hat Soldaten (?), Material und Munition.


    Die Ukraine bekommt Material und Munition und hat Soldaten.

    Die Sanktionen werden nicht greifen, siehe Syrien, Iran, Nordkorea, früher Serbien.


    Grüße aus München

    Marcus

    Jetzt kann man mal rechen. Wenn ein Bataillon eine Stärke von etwa 500 Mann hat, standen 2015 bei 33 Bataillonen schon 16.500 radikale Männer unter Waffen. Das ASOW-Regiment, wie gesagt, nicht mitgerechnet. Die Zahl dürfte sich bis 2022 noch erhöht haben.

    Hallo Daniel,


    ich würde, vor allem mit etwas historischem Hintergrund, auf Einheitenbezeichnungen nichts geben.


    Partisanen-Brigaden hatten auch nur wenige hundert Mann, westliche NATO-Länder bezeichnen Bataillone als Regimenter usw.


    Erstes hatte Tarnungs- und Propaganda-Gründe, letztes dient dem Schaffen von hochwertigen Stellen (Oberste statt Majore als Kommandeure).


    Ein Freikorps der Weimarer Zeit hätte nach Deiner Definition dann drei Divisionen mit je 15.000 Mann gehabt?


    Viel Propaganda, egal wo, immer unabhängige Quellen suchen, wie wir aus der Forschung wissen, heute wie damals.



    Grüße aus München

    Marcus

    Hallo Rainer,


    ich schreibe vom "dürfen".


    Was der Kommandeur vor Ort macht und welche Truppen eingesetzt werden, steht auf einer

    anderen Seite befürchte ich.


    Offenbar werden die geschilderten Probleme mit der zu geringen Truppenstärke mit Verbänden

    versucht zu beheben, die in Georgien und Södossetien abgezogen werden.


    Anscheinend versucht man doch (wohl gezwungenermaßen) einen Schwerpunkt zu setzen,

    indem man sich auf die Separatistengebiete konzentriert.


    Gruß aus München

    Marcus

    Eine Frage, der hier unverständlicherweise noch niemand nachgegangen ist, ist die nach der Militärstrategie, etwa hinsichtlich der Invasionsrichtung. Gibt es hier Analogien zum zweiten Weltkrieg? Wie würde man die Kampfkraft, die Motivation, die Ausbildung + Ausrüstung der aktuellen russischen Armee mit der RA von vor 80 Jahren vergleichen. Oder mit der der Ukrainischen Armee?


    Hallo,


    dann stellen wir einmal ein paar spekulative Gedanken zur Lagebewertung und damit zusammenhängend die Planung

    der russischen Armee an.


    Augenscheinlich waren zwei Möglichkeiten vorhanden und ein paar damit zusammenhängende und daraus resultierende

    Faktoren, die zu der jetzigen, so sicherlich nicht geplanten Situation geführt haben.


    A Lagebewertung und daraus folgend Operationsplanung vor dem Krieg


    1. Die Lagebewertung und - einschätzung vor dem Kriegsbeginn war viel zu optimistisch

    Man hat offenbar nicht damit gerechnet, dass die ukrainische Armee so heftigen und anhaltenden Widerstand leistet.

    Entweder ging man davon aus, dass diese sich, wie die afghanische Armee im Sommer, bei einem Angriff selbst auflöst und

    auseinanderfällt, oder man hoffte, dass die eigenen Kräfte ausreichen


    2. Die Lagebewertung war zutreffend, wurde aber von der obersten Führung ignoriert

    Etwas, was man ja, auch vor unserem Hintergrund hier im Forum, kennt. Selbst wenn gewarnt wird, ignoriert man das.


    3. Die Lagebewertung war zutreffend, wurde der obersten Führung aber so nicht vermittelt

    Siehe oben, auch das kennt man ja historisch gesehen. Wer traut sich zu sagen, dass das so nicht funktionieren wird wenn

    klar ist, dass "die oben" das nicht hören wollen


    4. die eigentlich "schulmäßig" erforderliche Überlegenheit von 3 : 1 für den Angreifer ist wohl nicht vorhanden


    5. "Klotzen, nicht Kleckern" findet nicht statt


    6. ukrainische Stellungen einschließlich Panzerminen, wie im Donbass und Luhansk, halten trotz allem Gerede immer noch,

    Bewegungskrieg ist wohl sehr eingeschränkt


    B derzeitige Lage - nicht zuletzt aufgrund der Analyse der Österreicher


    1. derzeit ist ein Patt militärisch gesehen


    2. russische Armee hat genug (?) Material, aber nicht Personal, da nur Freiwillige und keine Wehrpflichtige eingesetzt

    werden dürfen


    3. ukrainische Armee hat genug Personal, aber nicht schweres Gerät


    4. die Schlammperiode kommt, da wird das nicht einfacher für den Angreifer, der lange Versorgungswege im

    ungesicherten Hinterland hat


    5. aus Großstädten hält man sich mit Bodentruppen raus, da die Einsatzstärke für Häuserkämpfe in

    ihnen auf beiden Seiten nicht ausreichen werden


    C allgemein


    1. es stellt sich die Frage, ob "der Westen" in den letzten Jahren den beeindruckenden Propagandabildern auf den

    Paraden nicht auf den Leim gegangen ist, anscheinend auch bei der russischen Armee im größeren Umfang T-64, T-72

    und T-80 im Einsatz, die 30 - 50 Jahre alt sind, bei Schützenpanzern BMP-2 aus den 80er Jahren


    2. Hyperschallraketen eingesetzt, aber wohl nicht einmal eine Handvoll


    3. niemand hat die Luftherrschaft, da die SAM auch bei den Ukrainern wohl noch funktioniert


    4. die moderne westliche Ausrüstung, vor allem Panzerabwehrwaffen, sind wohl sehr gut gegen die

    russische Ausrüstung


    5. die russische Armee stellt wohl fest, dass die Probleme der US Army und anderer Streitkräfte in Afghanistan

    und im Irak (ebenso wie die der Wehrmacht in der Sowjetunion und auf dem Balkan), Nachschub durch nicht

    kontrolliertes Gebiet nach vorne zu bringen, nicht so einfach zu lösen sind. Eine Erfahrung, die die Rote Armee

    eigentlich in Afghanistan auch selbst gemacht hat. Der Westen (einschließlich Bundeswehr) hat da dann ja

    ausrüstungsmäßig langfristig geändert, darum geht es aber nicht, man muss erst einmal erobern, aber das

    ist derzeit wohl schwer


    D mein Tipp


    1. ohne massive Truppenverstärkung wird das für die russische Armee schwer, solange die Ukrainer Munition und

    Moral haben, bei beiden ist ein Ende unwahrscheinlich


    2. entweder lange Stellungskämpfe und schwere Beschießungen der Städte, um die Moral der Zivilbevölkerung zu

    untergraben. Dass das nicht so einfach ist, hat der 2. Weltkrieg und das Verhalten der deutschen Bevölkerung

    hinlänglich gezeigt


    3. die Ansage "wir konzentrieren uns auf die Eroberung und Kontrolle vom Donbass und Luhansk" könnte der Versuch sein,

    einen gesichtswahrenden Minimalerfolg zu erzielen


    4. ansonsten geht der Kampf noch lange


    5. Wirtschaftssanktionen werden nicht greifen, die erträgt Nordkorea, der Iran und Syrien seit langer Zeit



    Gruß aus München

    Marcus

    Hallo zusammen,


    wer sich mit der militärischen Seite befassen möchte:


    Österreichs Bundesheer - YouTube


    Hier sind seitens der österreichischen Landesverteidigungsakademie Analysen zu einzelnen Aspekten

    der Kampfführung usw. eingestellt, die Videos sind ein paar Minuten lang, Referenten sind Oberste.


    Sehr interessant....


    Gruß aus München

    Marcus