Posts by stefan_reuter

    Hallo Niederbayer,


    Deine Ambitionen und die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt in Ehren, aber Deine Aussage:


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    2. Sind Kriegsfunde nur nebensächliche Funde, welche halt auch interessant sein können... siehe Knopf oder eben Erkennungsmarken.


    zeigt, dass Du nicht verstanden hast, was Thomas ( Huba) Dir gesagt hat mit dem Satz:


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    Gefundene Erkennungsmarken, einmal einer Grablage entnommen, sind ab da für eine Vermisstensuche ohne Wert.


    Wenn da nicht sauber gearbeitet wird, gilt ein gefundener Gefallener u. U. auch weiterhin als vermisst, auch wenn eine Erkennungsmarke (EM) gefunden wurde. Das ist nur ein Ergebnis, das die Sondlergemeinde durch ihre oftmals rücksichtslosen Raubgrabungen in den vergangenen Jahrzehnten auf ihre Kappe nehmen darf - leider eine nicht zu verleugnende Tatsache, so hart das jetzt auch klingen mag. Und Kriegsrelikte sind mittlerweile übrigens auch Bodendenkmäler i. S. d. Denkmalschutzrechts, wie z. B. römische Tempel und nicht etwa "Nebensächlichkeiten" ...


    Abgesehen davon frage ich mich, wie ein archäologischer Laie beim Graben feststellen will, dass er gerade im Begriff ist, mit seiner Grabung ein Bodendenkmal zu zerstören? Du gibst zwar an, dass Du mit Genehmigung unterwegs bist, aber hast Du eine diesbezügliche Schulung mitgemacht? Der Unterschied zwischen Fund und Befund ist Dir geläufig? Während der Fund an sich für die Archäologen zweitrangig ist, gibt nur der Befund historisch wirklich wichtige und aufschlussreiche Informationen preis.


    In diesem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren, warum Du Deinen Fund (Knopf) hier im Forum identifizieren lassen möchtest? Eigentlich sollte Dir doch die Behörde, von der Du die Genehmigung zum Sondeln erhalten hast, bei der Fundbestimmung zur Seite stehen, zumal Du Deine Funde dort doch sicher melden musst, oder etwa nicht?


    So, und jetzt überleg' bitte noch einmal, ob die oben geäußerte Kritik am Sondeln durch Laien tatsächlich so unverständlich ist ...


    Gruß, Stefan

    N'Abend Karl,


    gut, dass Du auf diese Fußerkrankung im Zusammenhang mit Schützengräben hinweist.


    Erstmals beschrieben wurde diese Erkrankung von einem Arzt der napoleonischen Armee, die bei ihrem Rückzug aus den Weiten Russlands bereits damit zu kämpfen hatte. Als Folge des Grabenkriegs im Ersten Weltkrieg wurde dieses Krankheitsbild dann recht bekannt.


    Weniger bekannt ist allerdings, dass vor allem amerikanische Truppen im Zweiten Weltkrieg erhebliche Ausfälle durch den bei ihnen so bezeichneten "trench foot" zu beklagen hatten! So hatte bei den Kämpfen im Brückenkopf Dillingen im Dezember 1944 besonders das 357th Infantry Regiment (90th Infantry Division) schwer darunter zu leiden, da die Männer in der Anfangsphase tagelang quasi schutzlos in ihren hastig gegrabenen Mulden bei nasskalter Witterung in offenem Wiesengelände lagen und tagsüber zur Bewegungsunfähigkeit verdammt waren - Bewegungen waren allenfalls in der Dunkelheit möglich. In den After-Action-Reports ist sogar die Rede davon, dass manche Männer zur Behandlung und Erholung bei Einbruch der Dunkelheit aus ihren Stellungen in geschützte Deckungen getragen wurden und vor Morgengrauen wieder auf die gleiche Art und Weise in ihre Stellungen zurück gebracht wurden! Ich hatte deshalb im Glossar meines Buchs "Dillingen im Zweiten Weltkrieg" (Dillingen 2002) auf den Seiten 345-347 den "Schützengrabenfuß" thematisiert. Hier ein Auszug aus dem Eintrag:


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    Während der Monate November und Dezember waren es vor allem die Fronttruppen der 3. US-Armee, die davon am schwersten betroffen waren. Um den 10. November erreichten die Ausfälle durch den »trench foot« erstmals epidemische Ausmaße innerhalb der amerikanischen Armeen an der Westfront. Gerade in der 3. US-Armee, die den Anfang der November-Offensive machte, trat die Erkrankung in stärkerem Maße auf, als in jeder anderen amerikanischen Armee. Vom 16. November bis Mitte Dezember gingen die Ausfälle durch den »trench foot« langsam, aber stetig zurück, wobei der Rückgang am auffälligsten wiederum in den Divisionen der 3. US-Armee zu beobachten war. Neue Bestimmungen hinsichtlich der Wäsche von Kleidung, die häufigere Ausgabe von frischen Socken sowie verstärkte Aufklärungskampagnen und strengere Disziplinarmaßnahmen halfen dabei, die Zahl der »trench foot«-Fälle zu reduzieren. Es zeigte sich allerdings auch, daß das Auftreten der Krankheit in direktem Zusammenhang mit der taktischen Situation im jeweiligen Abschnitt stand: Waren die Soldaten in Frontabschnitten eingesetzt, in denen es keine Deckung gab, so daß die Männer in ihren Schützenmulden lange Zeit nicht abgelöst werden konnten, stieg die Zahl der krankheitsbedingten Ausfälle. Nachdem den Amerikanern Aufzeichnungen der deutschen Einheiten in die Hände gefallen waren, die der 3. US-Armee gegenüberlagen, begannen sie sofort mit Nachforschungen darüber, wie die deutsche Wehrmacht mit diesem Problem umging. Erstaunt mußten die Amerikaner jedoch feststellen, daß sich die erbeuteten Unterlagen nirgendwo mit der Krankheit auseinandersetzten – offenbar stellte diese Erkrankung auf deutscher Seite kein Problem dar. Hugh M. Cole (»United States Army in World War II – The European Theater of Operations – The Lorraine Campaign«, Washington (DC), USA, 1950, S. 592ff) versucht eine Erklärung dafür zu finden, warum die Deutschen von der Krankheit verschont blieben, während die 3. US-Armee zur gleichen Zeit schwer davon betroffen war. Seinen Ausführungen zufolge brachten zeitgenössische Befragungen von deutschem Sanitätspersonal nur wenig zutage, mit Ausnahme der Tatsache, daß die Wehrmacht den »Schützengrabenfuß« nicht als Problem ansah. Die Amerikaner suchten akribisch nach den möglichen Ursachen für die augenscheinliche Immunität der deutschen Soldaten gegenüber dieser Erkrankung.

    Eine Untersuchung der deutschen Stiefel und der Fußlappen, mit denen sich die Soldaten ihre Füße umwickelten verlief negativ; selbst die Untersuchung der von den deutschen Sanitätern ausgegebenen Fußsalbe brachte keinerlei verwertbare Ergebnisse. Mangels anderer Erkenntnisse gingen die Amerikaner schließlich davon aus, daß es wohl zwei Faktoren gewesen sein müssen, die die Deutschen vor dem gefürchteten »trench foot« bewahrte:

    1. Viele der Truppen, die der 3. US-Armee gegenüber lagen, bestanden aus altgedienten Veteranen der Kämpfe an der Ostfront. Während des Winters 1941/42 hatten die deutschen Armeen in Russland, schlecht vorbereitet auf die Strenge des russischen Winters, sehr unter Erfrierungen und Unterkühlungen zu leiden – aus diesen Erfahrungen hatte die Wehrmacht offenbar sehr schnell ihre Lehren gezogen.

    2. Im Gegensatz zu den alliierten Truppen, kam der deutsche Soldat im Herbst und im Winter 1944 kaum noch in den Genuß, seine Märsche mit Fahrzeugen zurückzulegen, dazu gab es auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genügend Fahrzeuge und Treibstoff. An lange Fußmärsche gewöhnt, war der deutsche Soldat einerseits wohl nicht mehr so anfällig gegen Fußkrankheiten und andererseits auch erfahren in der Vorbeugung derartiger Erkrankungen.


    Ob die Schlussfolgerungen von Hugh Cole heute noch aktuell sind, kann ich natürlich nicht beurteilen.


    Gruß, Stefan

    Hallo,


    hier zeigt sich, dass Gefahren durch im Boden versteckte Sprengkörper nach wie vor sehr real sind - vor allem in Gegenden, in denen sie im letzten Krieg eingesetzt worden waren. Das wäre m. W. auch nicht die erste Bombe, die unentdeckt im Aushub einer Baustelle abtransportiert und an anderer Stelle erst entdeckt wurde!


    Obwohl in Planungsunterlagen immer wieder auf diese Gefahren hingewiesen wird (vor allem bei Erdarbeiten in bekannten, munitionsgefährdeten Gebieten), sind sich die Arbeiter vor Ort diesen Gefahren oftmals gar nicht richtig bewusst - so jedenfalls meine Erfahrung.


    Was den Artikel zum Ereignis in den Westfälischen Nachrichten angeht, fand ich diesen Satz hier toll:

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    Teile der Bombe haben sich bei der Detonation im weiten Umkreis verteilt.

    Was hatte der Verfasser bzw. die Verfasserin bei einer vermuteten 75-kg-Bombe denn so erwartet? Tischfeuerwerksmäßiges Ploppen und allseits großes Hallo?


    Mir brennt angesichts solcher Zeilen nur eine Frage auf den Nägeln: Wer bindet Dir morgens eigentlich die Schuhe?


    Gruß, Stefan

    Hallo zusammen,


    bei der Suche im Netz zu einem anderen Thema bin ich über einen Querverweis auf ein höchstinteressantes 9-bändiges (!) Werk gestoßen, dessen Einzelbände einen Inhalt von jeweils rund 450 Seiten aufweisen (von B. Poten herausgegeben zwischen 1877 und 1880):


    Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften mit erläuternden Abbildungen


    Eine absolute Fundgrube zum Stand des militärischen Wissens und Könnens zu dieser Zeit! In Band 8 bin ich auch zum Thema Schützengraben fündig geworden: hier wird nicht nur der Begriff erläutert, sondern es werden auch deutsche, französische, italienische und österreichische Profile der Gräben gezeigt!


    Die beste Nachricht: Google-Books-Digitalisate der einzelnen Bände aus dem Bestand der Stanford University Libraries sind online verfügbar über -> Internet Archive


    Ich wünsche interessantes Stöbern ;)


    Gruß, Stefan

    Hallo Uwe,


    besten Dank für die Genesungswünsche - kann ich gut brauchen ;)

    Der "Veterinär" ist übrigens sehr empfehlenswert: er ist für einige Fußballmannschaften hier in der Ecke (ehrenamtlich) als erfolgreicher Mannschaftsarzt unterwegs und versteht sein Handwerk. Ein Wechsel wäre mehr als flüssig :)


    Was die Ergänzung des Gedenksteins angeht, bin ich zwar sehr skeptisch, werde aber versuchen, da was zu erreichen.


    Gruß, Stefan

    Hallo Andreas,


    das Dépôt 152 Aubagne befand sich ostwärts von Marseille (s. Kartenausschnitt unten*). Wie fast alle Lager, so dürfte auch dieses von Delegierten des ICRC besucht worden sein. Anlässlich dieser Besuche wurden mindestens Besuchsberichte, nicht selten auch Fotos angefertigt. Besuchsberichte und Fotos sind über das ICRC in Genf zu bekommen, wobei die Besuchsberichte in der Vergangenheit immer kostenlos zugesandt wurden und Fotos gegen Gebühr bestellt werden konnten.


    Ich empfehle daher eine Anfrage beim -> Archiv des ICRC in Genf.


    Gruß + viel Erfolg


    Stefan


    * Quelle: Böhme, Kurt W.: „Die deutschen Kriegsgefangenen in französischer Hand“, München 1971, Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld

    (Band XIII der Reihe „Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges“, herausgegeben von Prof. Dr. Erich Maschke, Leiter der Wissenschaftlichen Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte)

    Guten Morgen Dmitry, guten Morgen Viktor.


    Ganz herzlichen Dank für eure Unterstützung - da ich über keinerlei Russischkenntnisse verfüge, war das wirklich eine sehr große Hilfe!


    Funktioniert die Suche bei OBD-Memorial nur bei Eingabe in kyrillischer Schrift? Eumex hatte mich ja bereits an die Seite verwiesen, aber die Eingabe der Namen in lateinischer Schrift ergab 0 Treffer! Nachdem Dmitri die beiden Namen in kyrillischer Schrift vorgegeben hatte, hab' ich es nochmal versucht und da hat es dann funktioniert.


    Es freut mich, dass die beiden auf dem Gedenkstein namentlich nicht genannten sowjet. Gefallenen nun wieder ihren Namen haben. Wäre natürlich schön, wenn der Gedenkstein z. B. durch Anbringung einer Plakette um die Namen der beiden Männer ergänzt würde.


    Sobald ich Bilder der Gräber angefertigt habe, stelle ich sie hier ebenfalls ein - wird aber wohl ein paar Tage dauern.


    Nochmals vielen Dank für die schnelle Hilfe.


    Gruß, Stefan

    Hallo Andre,


    auch Dir besten Dank. Das sind offenbar die Originaldokumente, von denen die mir vorliegende Abschrift angefertigt wurde.


    Dei Gräber der beiden befinden sich im Ehrengräberfeld für in Saarbrücken ums Leben gekommene Kriegsgefangene auf dem Hauptfriedhof - weil ich im Moment "hufkrank" bin, komm' ich da in nächster Zeit nicht hin (das Feld liegt etwas abseits auf dem großen Friedhof und ist leider nur zu Fuß zu erreichen).


    Gruß, Stefan

    Hallo zusammen,


    in Saarbrücken steht ein Gedenkstein für die Bedienmannschaft (darunter zwei namentlich nicht genannte sowjet. Kriegsgefangene) von Geschütz „Emil“ der 5. Batterie/Flakabteilung 631, die am 11.08.1944 während eines Angriffs der 8th USAAF auf den Verschiebebahnhof Saarbrücken durch einen Bombentreffer in ihrer 8,8-cm-Flakstellung auf dem sog. „Kieselhumes“ getötet wurden. Den Gedenkstein hatte ich vor einigen Jahren bereits bei -> Denkmalprojekt eingestellt.


    In einer mir seit Kurzem vorliegenden Kriegsgräberliste habe ich die Namen von zwei sowjet. Kriegsgefangenen gefunden, bei denen das Todesdatum passt, weshalb ich davon ausgehe, dass das die beiden auf dem Gedenkstein angesprochenen Männer sind. Laut dieser Liste handelt es sich um:


    Michael Batjutin (* 22.03.1922)

    Wassili Grinewitsch (* 30.04.1917)


    Ob die Schreibweise der Namen korrekt ist, weiß ich nicht, habe da aber meine Zweifel. Weitere Angaben enthält die Liste zu den beiden Männern leider nicht, ich würde aber gerne mehr zu den beiden erfahren.

    Bei der Stadt komme ich wegen der durch Corona verursachten Einschränkungen im Moment nicht weiter, deshalb versuche ich es hier im Forum einfach mal.


    Hat jemand eine Idee, wo ich für weitere Informationen zu den beiden ansetzen könnte?


    Vorab vielen Dank.


    Gruß, Stefan