Posts by Nemere

    Hallo,

    In welchem Alter etwa erhielt man diesen "unteren Hoftitel" des Kammerjunkers?

    Etwa mit 23 - 26 Jahren, meistens am Ende des Studiums. Man findet diese Ernennung zum Kammerjunker oft gleichzeitig mit dem Eintritt in die oder Vorbereitung auf die (höhere) Beamtenlaufbahn, z.B. als Rechtspraktikant oder Akzessist (heute würde man Assessor sagen).
    Die bayerische Staatsbibliothek hat inzwischen unter dem Arbeitstitel "Bavarica" eine Unzahl von Gesetzes- und Verordnungsblättern sowie Hof-, Staats- und Amtshandbücher digitalisiert, die zu einem großen Teil auch online nach Namen und Stichworten durchsucht werden können.
    https://bavarica.digitale-samm…search-simple/static.html
    Vielleicht versuchst Du dort mal Dein Glück mit dem Namen Deines Urgroßvaters.

    Grüße
    Jörg

    Guten Abend,
    k.b. - königlich bayerisch, "Kjkr" ist der "Kammerjunker", Das war einer der unteren Hoftitel, meistens für junge Adlige, die sich eine Zeitlang am Königshof aufhielten, um dort Erfahrungen zu sammeln und Beziehungen zu knüpfen. Pflichten waren damit meistens nicht verbunden. Neudeutsch würde man heute vielleicht "Netzwerkarbeit" sagen.
    In Bayern wurde die Ernennung zum Kammerjunker normalerweise im Regierungsblatt und später im bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt bekannt gemacht, Beispiel von 1840 ist beigefügt.

    Grüße
    Jörg

    Guten Abend,

    das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz hat die zweite Ausgabe von „The Bomber’s Baedeker“ aus dem Jahr 1944 vollständig digitalisiert und online gestellt. Dieser "Baedeker" ist gewissermassen die Zielpunktliste der RAF, eine Auflistung der Ziele, welche die britische Luftwaffe in Deutschland für wichtig genug hielt, um sie anzugreifen. Die zweite Ausgabe umfasst sogar alle Orte von mehr als tausend Einwohnern, sofern dort mutmaßlich kriegswichtige Industrieanlagen standen.


    Download unter

    https://visualcollections.ub.u…bn:de:hebis:77-vcol-20056

    (2 Bände)


    Bericht der WELT zu diesen Listen:

    https://www.welt.de/geschichte…e-RAF-Deutschland-an.html


    Grüße
    Jörg

    Hallo Thomas,

    wir sprechen vom selben Sachverhalt, nichts anderes habe ich oben geschrieben. Auch der "Oberfeldwebel der Truppe" war die Dienststellungbezeichnung für den heutigen Kompaniefeldwebel. Aus dem "Oberfeldwebel der Truppe" wurde dann die Funktionsbezeichnung des "Hauptfeldwebels", der aber den Dienstgrad "Oberfeldwebel" behielt.

    Es gab also in der gleichen Kompanie den Oberfeldwebel A., der als Zugführer eingesetzt war und z.B. einen weiteren Oberfeldwebel B. (meist den älteren der beiden) der die Aufgaben des heutigen Kompaniefeldwebels wahrnahm und deswegen die Bezeichnung "Oberfeldwebel der Truppe" und die entsprechende Kennzeichnung an der Uniform trug.

    Grüße
    Jörg


    Guten Abend,

    Ist es normal das es mit 27 schon Hauptfeldwebel war?

    "Hauptfeldwebel" war bei der Wehrmacht kein Dienstgrad, sondern eine Dienststellung - also eine Funktionsbezeichnung.
    Die Rangklasse der Unteroffiziere mit Portepee baut sich damals - vereinfacht dargestellt - wie folgt auf: Feldwebel, Oberfeldwebel, Stabsfeldwebel.
    Der Hauptfeldwebel der Wehrmacht hieß bis 01.10.1938 "Oberfeldwebel der Truppe" und nahm die Aufgaben wahr, die bei der Bundeswehr der Kompaniefeldwebel erfüllt.
    Die Funktion eines Hauptfeldwebels in der Wehrmacht konnte auch von einem Feldwebel oder Oberfeldwebel wahrgenommen werden, er hatte dann Anspruch darauf, als "Hauptfeldwebel" angeredet zu werden. Um die Dienststellung des "Hauptfeldwebels" auszufüllen, war die Ablegung einer Prüfung vorgeschrieben, auf die allerdings im Krieg verzichtet werden konnte.
    Quelle: Absolon, Rudolf: Wehrgesetz und Wehrdienst 1935 - 1945. Das Personalwesen der Wehrmacht (Schriften des Bundesarchivs, 5), Boppard 1960, S. 168, 227.


    Grüße
    Jörg

    Hallo,

    Hallo Dieter, Hallo Thomas,

    Nach dem Röhm-Putsch existierte die SA ja wohl weiter? Bin leider kein SA-Experte, aber um an den Grenzen zu der damaligen Tschechoslowakei, "Unruhe zu stiften" oder Einheiten der Wehrmacht zugeordnet zu werden wie es bei der SS geschah, kann doch sein?


    Die SdP ( Sudetendeutsche Partei ) und das gebildete Sudetendeutsche Freikorps spielten bei der Vorbereitung und Durchführung, sei es aus propagandistischer Sicht oder bei militanten Auseinandersetzungen etc. auch mit.

    Die SA war an Aufstellung und Ausbildung des „Sudetendeutschen Freikorps“ von Henlein maßgeblich beteiligt. Anscheinend lässt sich nicht immer klar unterscheiden, ob nur das Freikorps oder auch SA-Teile irgendwelche Aktionen in der CSR unternommen haben.


    Laut Eintrag im Tagebuch des Generalstabes des Heeres lautete die diesbezügliche Weisung Hitlers für die Aufstellung des SFK:

    „„Durch die sudetendeutsche Leitung (Henlein-Hermann Frank) ist ein Sudetendeutsches Freikorps im Anschluß an die SA aufzustellen. (…) Die Versorgung des Freikorps ist Aufgabe der SA. Das Heer stellt Waffen zur Verfügung, jedoch nur österr. Herkunft."

    (Martin Broszat: Das Sudetendeutsche Freikorps, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 9 (1961), S. 30-49, hier S. 38. Dort sind auch die Primärquellen benannt).


    Weiter schreibt Broszat zur Funktion der SA bei der Besetzung der CSR:

    „…sollte die Aufstellung des Freikorps in „Anlehnung an die SA" geschehen. Damit war sicherlich nicht nur die maßgebliche Mitwirkung der SA bei der Betreuung und Organisation des Freikorps gemeint, es sollte wohl auch zum Ausdruck kommen, daß für das Freikorps der Status eines Wehrverbandes als Modell zu dienen habe, wie ihn die SA früher repräsentierte und dessen Funktion sie bei der Vorbereitung des geplanten Feldzuges gegen die Tschechoslowakei (z. B. als Grenzschutz) auch im Sommer und Herbst 1938 bis zu einem gewissen Grade wieder übernahm.“

    (Broszat, a.a.O., S. 40).


    Die Angehörigen dieses Freikorps trugen teilweise Uniformstücke der SA, wenn auch wohl kaum komplette Uniformen, so dass es hier zu Verwechslungen kommen konnte.


    Werner Röhr, der sich ausführlich mit Aufbau und Einsatz des „Freikorps“ befasst hat, schreibt dazu:

    „ Der Aufbau des Freikorps erfolgte weitgehend nach dem Muster der SA. Die SA stellte auch die meisten Ausbilder und zahlreiche Kommandeure. Sie leistete finanzielle Unterstützung und trug zur Versorgung mit Zelten, Decken, Schuhen u. ä. bei. Sofern die Freischärler überhaupt uniformiert waren, trugen sie Uniformstücke der SA. Doch meistens blieb diese Ausrüstung auf eine Hakenkreuzbinde beschränkt.“

    (Quelle: Röhr, Werner: Das Sudetendeutsche Freikorps – Diversionsinstrument der Hitler-Regierung bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 52 (1993), S. 35-66, hier S. 50)


    Ein Einsatz der SA im Sudetenland war dagegen zunächst nicht vorgesehen, wenn dies bis zum 21. September 1938 im Einzelfall vorkam, geschah es anscheinend gegen den erklärten Willen Hitlers und wurde sofort unterbunden:

    „Die Angehörigen des Freikorps waren und blieben Staatsbürger der CSR, meistens auch Wehrpflichtige oder sogar Reservisten ihrer Armee. Nur sie durften die Grenze überschreiten, den SA-Ausbildern war das streng untersagt. Als Hitler vom Grenzübertritt von SS und SA-Männern in Uniform erfuhr, ordnete er deren sofortige Zurückziehung an, konnte doch deren mögliche Gefangennahme innerhalb der Tschechoslowakei unliebsame diplomatische Verwicklungen hervorrufen.“

    (Röhr, a.a.O., S. 49)


    Am 22. September 1938 scheinen allerdings SA- und SS-Männer in Uniform gemeinsam mit Angehörigen des Sudetendeutschen Freikorps Einsätze in der Tschechoslowakei durchgeführt zu haben: „Die Stadt Weipert wurde von ihnen erobert. Mit deutschen SS- und SA-Angehörigen in Uniform an der Spitze führten die Mitglieder des Schutzdienstes dort eine Demonstration durch. Deutsche Kommunisten und tschechische Beamte aus Weipert wurden nach Deutschland verschleppt.“ (Röhr, a.a.O., S. 56).


    Weiter waren SA und SS mit Kräften des Sudetendeutschen Freikorps ab 21./22. September bei der Besetzung des Zipfels von Asch, Schluckenau/Rumburg, Jauernig und Hotzenplotz beteiligt und drangen bis nach Eger vor. Dieser Landstreifen war nach Annahme der „Londoner Empfehlungen“ durch die Prager Regierung von CSR-Armee geräumt worden. (Röhr, a.a.O. S. 61)



    Der Aufsatz von Broszat kann hier

    https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1961_1.pdf


    der Beitrag von Röhr hier

    https://www.degruyter.com/down….35/mgzs.1993.52.1.35.xml


    heruntergeladen werden.

    Grüße
    Jörg

    Hallo,

    als erster Überblick:

    Absolon, Rudolf: Das Wehrmachtgefolge. In: Die Wehrmacht im Dritten Reich. Bd VI (Schriften des Bundesarchivs Bd. 16/VI), Boppard 1995, S. 475-478.

    Grüße
    Jörg




    Hallo Arnd,

    Den Aufsatz Frontochsen und Etappenhengste habe ich nicht gefunden.

    Meinst Du den von mir im Beitrag 2 zitierten Aufsatz? Die Quelle habe ich doch angegeben, zu finden in dem Sammelband:
    Müller, Rolf-Dieter/ Volkmann, Hans-Erich/ MGFA (Hrsg.): Die Wehrmacht - Mythos undRealität. München 1999. S. 371 - 384.

    z.B. hier https://www.amazon.de/Die-Wehr…nderausgabe/dp/3486592076


    Gibt es sicherlich auch über Fernleihe.

    Inhaltsverzeichnis: https://d-nb.info/1022701967/04


    Grüße
    Jörg

    Guten Abend,

    nach einer Übersicht des OKH vom 15.12.1943 ergab sich für das FELDHEER folgendes Zahlenbild:


    Fechtende Truppen in Verbänden: 2.082.325

    Fechtende Heerestruppen: 424.750

    Sicherungstruppen: 224.971

    Versorgungstruppen in Verbänden: 380.381

    sonstige Versorgungstruppen, sonstige Truppenteile: 896.282

    Bodenständige Einrichtungen und Dienststellen: 164.858

    Alle übrigen Truppenteile, Dienststellen, Einrichtungen: 68.076



    Für das OSTHEER nennt diese Statistik:


    Iststärke: 2.564.000

    davon

    Gefechtsstärke 1.214.000 (= 47 %)

    sonstige Truppen 1.350.000 (= 53 %)


    (OKH/GenStdH/Org. Abt. (I) v. 7.2.1944, BA-MA, RH 2/1339 fol. 5,

    abgedruckt bei: Kroener, Bernhard R.: Menschenbewirtschaftung, Bevölkerungsverteilung und personelle Rüstung in der zweiten Kriegshälfte (1942-1944). In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 5/2: Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1942- 1944/45. Stuttgart 1999, S. 777-1001, hier S. 972, 979) - Übrigens nach meiner bescheidenen Meinung einer der intessantesten Bände aus dieser Reihe.


    Grüße

    Jörg

    Hallo,

    Wie definierst Du „Frontsoldat“ und wie „rückwärtige Dienste“ oder „Etappe“?


    Sind die Soldaten eines in der Heimatluftverteidigung eingesetzten Flak-Regiments Frontsoldaten?

    Ist ein Matrose der Besatzung der „Tirpitz“, die wohl die längste Zeit des Krieges mehr oder weniger untätig als Fleet in being in Norwegen lag, als „Frontsoldat“ zu betrachten?

    Gehört der Feldgendarmerietrupp einer Feldkommandantur in einem durch die Resistance gefährdeten Gebiet in Frankreich im Herbst 1943 zu den Frontsoldaten? Wie schaut es bei der gleichen Einheit im Sommer 1944 beim Rückzug nach der Invasion aus?

    Was ist mit einem Polizeibataillon bei einer Sicherungsdivision im rückwärtigen Gebiet der Heeresgruppe Mitte 70 km hinter der Front im Winter 1942/43? Frontsoldaten oder Etappe?


    Es gibt zu Problematik dieser Definition und zu den während des 2. Weltkriegs in der Wehrmacht zweifellos vorhandenen Etappenerscheinungen einen ganz interessanten Aufsatz:

    Kroener, Bernhard R.: Frontochsen und Etappenbullen. Zur Ideologisierung militärischer Organisationsstrukturen im Zweiten Weltkrieg. In: Müller, Rolf-Dieter/ Volkmann, Hans-Erich/ MGFA (Hrsg.): Die Wehrmacht - Mythos und Realität. München 1999. S. 371 - 384.


    Kroener schreibt z.B. völlig zu Recht: „Die oberflächliche Vorstellung von Kampfkraft als ausschließlichem Ergebnis operativer Führungskunst und individuellem Durchhaltewillen bewirkte nicht selten eine deutliche Geringschätzung versorgungstechnischer Notwendigkeiten.


    Man kann natürlich die Einteilung der Truppenteile für die Iststärkemeldung als Kriterium heranziehen. Danach zählten z.B. zu den „Fechtenden Truppen in Verbänden“ die Divisions- und Brigadestäbe, die Infanterie, die Artillerieabteilungen, die Panzertruppe und die Nachrichtentruppe, sofern sie im Verband einer Division verwendet wurden. Nach dieser Definition waren die Soldaten der Trosse bei den Bataillonen und Regimentern, die Feldköche usw. auch „Frontsoldaten“.


    Grüße

    Jörg

    Hallo,

    handelt es sich bei der Uniform auf dem Bild um eine"Fantasie-Uniform" um ein schönes Foto zu haben oder ist das tatsächlich die Uniform des 6. Chev.Rgt

    Das ist die Friedensuniform des 6. Chev.Rgt. und zwar der sog. "Waffenrock zur Parade". Da Johann Walter noch im Frieden (Okt. 1913) eingezogen wurde, hat er auch noch diese Uniform erhalten.

    In der beigefügten Kriegsstammrolle kann ich keine weiteren Erkenntnisse finden.

    Grüße
    Jörg

    Hallo,

    Arco Valley diente bis Anfang März 1918 im 1. Schweren Reiter-Regiment, das ebenfalls zur Bayerischen Kavallerie-Division gehörte, allerdings zu einer anderen Brigade als das 6. Chev.Rgt. Er wurde am 31.08.1917 zum Leutnant befördert, erst ab diesem Zeitpunkt wäre ihm ein Bursche zugestanden. Kurz danach wurde aber Johann Walter bereits zum Divisionsstab versetzt. Arco Valley war nach den Einträgen in seiner Kriegsstammrolle aber nie im Stab der Bay.Kav.Div.
    Von daher erkenne ich wenig Möglichkeiten für Berührungspunkte zwischen den beiden Personen.

    Grüße
    Jörg

    Hallo Federico,

    ie Frage ist, wie sorgfältig die Übertragung aus der Kriegsstammrolle erfolgte. Wenn ich oben lese „Chw.Rgt“, wo es eigentlich „Chev.Rgt“ – also Chevauleger-Regiment heißen müsste, haben sich wahrscheinlich auch einige andere Fehler eingeschlichen.


    Zu den Kriegsstammrollen:

    Nr. 226 = Stab Bayerische Kavalleriedivision

    Nr. 12420 = MG-Eskadron 5. Chevauleger-Rgt. (passt nicht zu den anderen KSt-Rollen, evtl. Schreibfehler)

    12426 und 12427 = 3. Eskadron des 6. Chevauleger-Rgt.

    12691, 12694, 12701 = Ersatz-Eskadron des 6. Chevauleger-Rgt. in Bayreuth.


    Aus den Einträgen ergibt sich für mich:

    Johann (Hans) WALTER war als Wehrpflichtiger im Oktober 1913 nach Bayreuth eingerückt, er war bis September 1917 bei der 3. Eskadron des 6. Bayrischen Chevauleger-Rgt. im Einsatz. Am 14. Sept. 1917 wurde er in den Divisionsstab der Bayerischen Kavalleriedivision versetzt. Das obskure „B.R.D.Rat“ steht mit ziemlicher Sicherheit für „B.K.D.Stab“, also bayerische Kavalleriedivision – Stab.


    Das 6. Chev.Rgt gehörte von Kriegsbeginn bis Kriegsende zur Bay.Kavalleriedivision. Die Division war bei Kriegsbeginn 1914 im Raum Dieuze im Rahmen der 6. (bayerischen) Armee eingesetzt, wurde dann beim „Wettlauf um die Flanke“ im September 1914 nach Belgien verlegt und dort im Oktober 1914 unter dem Höheren Kavalleriekommandeur 4 nördlich Lille und dann bei Ypern eingesetzt. Bei Jahresende 1914 lag die Division westlich Metz.

    Im Frühjahr 1915 verlegte die bayerische Kavalleriedivision und damit auch das 6. Chev.Rgt an die Ostfront. Die Einsätze dort bis April 1917 lassen sich aus der Kriegsstammrolle 12701 nachvollziehen.


    Im Sommer 1917 war das 6. Chev.Rgt bei der Abwehr der russischen Sommeroffensive in Galizien (ostwärts Lemberg) im Einsatz und nahm nach Abwehr dieses Angriffs am Vormarsch südlich des Dnjestr bis in den Raum Czernowitz teil. Ende1917, als Johann Walter bereits beim Divisionsstab war, lag die Division in der Walachei nördlich Bukarest.

    Im Frühjahr 1918, nach dem Waffenstillstand mit Rußland, war die Kavalleriedivision zur Besetzung der Ukraine eingesetzt. Bei Kriegsende lag der Divisionsstab in Rowno in Wolhynien, Teile der Division standen allerdings weit entfernt in Taurien (Nordufer des Asowschen Meeres) und im Kaukasus (Georgien – Tiflis). Die Bay.Kav.Div unterstand im November 1918 dem XXII. Reservekorps der Heeresgrupp Kiew.


    Der Rückmarsch des Divisionsstabes vom Spätherbst 1918 bis Januar 1919 erfolgte aus dem Raum Rowno. Im Zuge dieser Rückverlegung scheint sich Walter am 21.11.1918 abgesetzt zu haben. Scheinbar schaffte er es aber, bereits am 02.12.1918 bei der Ersatz-Eskadron in Bayreuth aufzutauchen, wo er ordnungsgemäß am bereits am 03.12.1918 entlassen wurde (Kriegsstammrolle 12701). Es bleibt daher die Frage, ob er sich tatsächlich von der Truppe entfernt hat, oder irgendwo während der chaotischen Zustände im November 1918 „von der Truppe abkam“. Andererseits scheint er kein ganz unbeschriebenes Blatt in disziplinarer Hinsicht gewesen zu sein, dafür spricht der Eintrag: „Führung: mäßig“ in der Kriegsstammrolle 226 des Divisionsstabes. Die Wertung „mäßig“ ist in den damaligen Stammrollen sehr selten.


    Der eigentlich mit Beginn Mitte November 1918 vorgesehene Rücktransport der deutschen Einheiten in der Ukraine konnte nicht wie geplant abgewickelt werden, so dass die Bay.Kav.Div noch Anfang Dez. 1918 in Gefechte mit ukrainischen Banden bei Rowno verwickelt war. (Rückführung des Ostheeres, S. 49 f.). Der Rücktransport konnte erst im Januar 1919 unter erheblichen Schwierigkeiten durchgeführt werden. Dabei war die Bay.Kav.Div anscheinend noch einer der wenigen Truppenteile, die relativ zuverlässig in der Hand ihrer Vorgesetzten geblieben war, während die Masse der sonstigen Einheiten in voller Auflösung begriffen war.



    Literatur:


    Bayerisches Kriegsarchiv (Hrsg.): Die Bayern im Großen Kriege 1914 – 1918, München 1923.


    Krafft v. Dellmensingen, Konrad/ Feeser, Friedrichfranz (Hrsg.): Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914 - 1918 Band I, Stuttgart 1930.


    Kriegsgeschichtliches Forschungsamt des Heeres (Hrsg.): Die Rückführung des Ostheeres (Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Freikorps, Band 1), Berlin 1936.


    Waldenfels, Otto Frhr v.: Geschichte des kgl. Bayer. 6. Chevaulegers-Regiments "Kreß" im Kriege 1914-1919, Bayreuth 1921.

    Grüße
    Jörg