Posts by Nemere

    Hallo,


    ich befasse mich zur Zeit mit dem Versuch, eine Übersicht über Befestigungsanlagen in Bayern aufzustellen. Dabei bin ich auf folgenden Sachverhalt gestossen:


    Für die Errichtung der Wetterau-Main-Tauber-Stellung waren im Dezember 1935 nach einigen Quellen 23 „Baubataillone“ eingesetzt, diese sollen überwiegend aus Thüringen (Schmalkalden,Vacha,Straußfurt,Nebra,Waltershausen,Gerstungen,Bleicherode) gekommen sein.


    Als erste Einsatz- und Unterkünfte im Bereich der Festungsinspektion VI Aschaffenburg werden erwähnt:


    Abschnitts-Baustab 47 Aschaffenburg:


    1. Bau-Bataillon 163 Wasserlos (ostw. Kahl am Main) mit
    - Stab in Hörstein (ostw. Karlstein am Main)
    2. Bau-Bataillon 164 Kleinostheim mit
    - Stab in Dettingen (bei Karlstein)
    3. Bau-Bataillon 165 Aschaffenburg (gesamtes Bataillon)
    4. Bau-Bataillon 166 Sulzbach/Main mit
    - Stab in Obernau (nördlich Sulzbach am Main)



    Abschnitts-Baustab 48 Klingenberg:


    1. Bau-Bataillon 167 in
    - Kleinwallstadt (nördlich Obernburg am Main),
    - Hofstetten (ostw. Kleinwallstadt),
    - Stab in Elsenfeld (am Main)
    2. Bau-Bataillon 168 in
    - Erlenbach (am Main),
    - Röllfeld (südlich Klingenberg am Main)
    - Stab in Klingenberg (Main)
    3. Bau-Bataillon 169 in
    - Großheubach (am Main),
    - Freudenberg (Main-Tauber-Kreis),
    - Reistenhausen (Fechenbach am Main, westl. Dorfprozelten),
    - Stab in Miltenberg
    4. Bau-Bataillon 170 in
    - Dorfprozelten,
    - Faulbach (bei Stadtprozelten),
    - Hasloch (Main),
    - Stab in Stadtprozelten


    Ich habe bisher noch nirgends gehört oder gelesen, dass bei der Wehrmacht in Friedenszeiten für längere Zeitabschnitte Baubataillone aufgestellt worden waren, mir waren bisher nur einige Versuche solche Baubataillone aufzustellen aus den Teilmobilmachungen 1938 (Besetzung Österreichs und der Tschechoslowakei) bekannt.


    Ich vermute daher, dass es sich bei den hier als Baubataillonen bezeichneten Einheiten im Jahr 1935 an der WMT-Stellung um Einheiten des RAD handelt. Die Organisation Todt kommt meiner Meinung nach nicht Frage, da diese erst 1938 aufgestellt wurde.


    Kann mir jemand etwas näheres zu diesen Baubataillonen, zu ihrer organisatorischen Einbindung sagen. Bin für alle Hinweise, Quellenangaben, weiterführende Literatur dankbar.


    Herzliche Grüsse
    Nemere

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    Original von suum cuique
    Hallo gesucht werden Informationen ueber die "Fernsprecher und Nachrichten Abteilung 103" aus Treptow.


    Über diese Abteilung finden sich evtl. kurze Angaben in
    "Georg Tessin - Deutsche Verbände und Truppen 1918-1939".


    Habe das Buch leider momentan nicht zur Hand.


    Grüsse

    Hallo,


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    Original von babapf "Ignaz Steinhofer, Vizefeldwebel im Ldw.Inf.Rgt iii,


    Mit "iii" könnte das "Landwehrinfanterie-Regiment 3" gemeint sein. Dieses Regiment gab es während des ersten Weltkriegs zweimal:


    - (preussisches) Landwehr-Infanterie-Regiment 3
    - bayerisches Landwehr-Infanterie-Regiment 3


    Außerdem existierte am Anfang des Krieges noch das
    "Landwehr-Ersatz-Infanterie-Regiment 3".


    Über das bayerische LAndwehr-Infanterie-Rgt. 3 gibt es eine Truppengeschichte:


    Jordan, Hans: Das Königlich Bayerische Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 3 (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bayerische Truppenteile, 39) München 1925.


    "Stellungskopf" soll wahrscheinlich "Stellungskampf" heißen. Wenn die Chronik handschriftlich ist, handelt es sich vielleicht um einen Lesefehler.


    Gruß

    Hallo.


    einige wenige Informationen:


    Die aus Franken kommenden Volkssturmbataillone (Bayreuth, Franken, Mainfranken) waren zusammen mit 7 anderen Bataillonen im Raum Frankfurt/Oder – Landsberg/Warthe – Küstrin eingesetzt und wurden dort etwa am 31. Januar weitgehend vernichtet.


    Eingesetzt wurde allerdings nicht das ursprüngliche Volkssturmbataillon 134, sondern die Parteigaue bildeten aus allen im jeweiligen Gau vorhandenen Volkssturmbataillonen sog. "z.b.V.-Bataillone, die bevorzugt mit deutschen Waffen ausgerüstet wurden. Das Bayreuther Bataillon hatte die Nummer "Volkssturmbataillon z.b.V. 2/1", die Nummer des mainfränkischen Bataillons habe ich leider nicht.


    Erwähnt sind diese Verbände bei:


    Seidler, Franz W.: Deutscher Volkssturm. Das letzte Aufgebot 1944 / 45. München 1989
    S. 329 f.


    Einen ausführlichen Aufsatz gibt es über das Bayreuther Bataillon:


    Steffel, G.: Die Tragödie des Volkssturmbataillons z.b.V. 2/1 Bayreuth. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken Band 69, Bayreuth 1989, S. 303 ff


    Dieses Bayreuther Bataillon wurde am 31. Januar 1945 bei Zielenzig ostwärts von Frankfurt/Oder von sowjetischen Truppen eingeschlossen und weitgehend vernichtet.


    Grüsse

    Hallo,


    es muß richtig "A.V.I." heißen. A.V.I. steht für "Ausbildungsvorschrift Infanterie" und war die offizielle Abkürzung für den Titel der H.Dv.-Reihe 130. Im Krieg z.B. maßgebend die HDv 130/2a (mehrere überarbeitete Ausgaben zwischen 1935 und 1942).


    Übrigens- wenn wir schon beim Erbsenzählen sind: Die korrekte Bezeichnung ist "H.Dv" - mit Punkt dazwischen und nicht "HDv". HDv ohne Punkt gibt es erst bei der Bundeswehr, z.B. "HDv 100/100 - Truppenführung".


    Gruß

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    Original von Grognard
    Hallo,


    mich würde die Originalquelle auch interessieren. Es wäre fair und entspräche im übrigen dem urheberrechtlichen Zitiergebot, die Originalquelle anzuzgeben.


    Ich habe meine Quellen oben in meinem Beitrag angegeben, dort findet man auch die Nachweise für die Primärquellen.

    Einige Gedanken zum Thema "Kampfwert" der Waffen-SS.


    Schon der Begriff "Kampfwert" ist schwammig.


    Es gibt die "Kampfkraft", dabei werden u.a. beurteilt:
    - personelle und materielle Stärke
    - Art der Ausrüstung / Beweglichkeit
    - Stand der Versorgung
    - Führungsmittel
    - Stand der Ausbildung
    - Zustand und Kampfwille der Soldaten sowie Fähigkeiten der Führer


    Es ist also eine unzulässige Verkürzung hier nur die personellen Faktoren zu sehen.


    Diese Kampfkraft ist dann in Beziehung zu setzen zu
    - Auftrag
    - Verfügbarkeit der Truppe nach Raum und Zeit
    - Gelände, Wetter, Tageszeit


    Daraus ergibt sich dann der "Gefechtswert" einer Truppe, also die Eignung für einen bestimmten Auftrag.


    Betrachten wir dazu mal an wenigen beliebigen Beispielen einige Faktoren zum Thema "Kampfkraft" bei der Waffen-SS.


    1. personelle Faktoren:


    1.1. Nur bei der Waffen-SS kam es vor, daß die Aufstellung einer kompletten Division wegen bekanntgewordener und selbst für die Verhältnisse der letzten Kriegsjahre nicht mehr zu vertuschender Kriegsverbrechen und anderer wilder Ausschreitungen dieser Truppe abgebrochen werden mußte.
    Gemeint ist hier die Aufstellung der 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (russ. Nr. 1) im Spätsommer 1944 aus der Brigade „Kaminski“. Diese Tatsache wird sogar in der offiziellen Traditionszeitschrift der Waffen-SS offen zugegeben.
    (- o.V.: Die Brigade Kaminski, in: Der Freiwillige, X, Nr. 8, 1964, S. 13 ff. ; - Reitlinger, Gerald: The SS: Alibi of a Nation, 1922 – 1945, New York 1957, S. 377 f. (deutsch unter dem Titel: Die SS-Tragödie einer deutschen Epoche, Wien – München 1957)

    1.2. Nur bei der Waffen-SS mußten mehrere Divisionen wegen nicht mehr beherrschbarer Disziplinlosigkeiten, bis hin zu Massendesertationen mit allen Waffen, aufgelöst werden (Stein, George H. : Geschichte der Waffen-SS, Düsseldorf 1967, S. 165 ff., dort auch die Quellen aus dem Bundesarchiv):
    - 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ (kroat. Nr. 1), aufgelöst im Winter 1944/45.
    - 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (alban. Nr. 1). Aufstellung September 1944 vor Erreichen der Einsatzfähigkeit abgebrochen.
    - 23. Waffen-Gebirgs-Div. der SS „Kama“ (kroat. Nr. 2) am 10.6.1944. Aufstellung Ende 1944 vor Einsatzfähigkeit abgebrochen
    - Die aus der „Brigade Dirlewanger“ aufgestellte 36. Waffen-Grenadier-Division der SS entging nur wegen der Freundschaft des Div.Kdrs Dirlewanger zum Chef des SS-Personal-Erfassungsamtes, Berger, der Auflösung aus den gleichen Gründen (Auerbach, Hellmuth: Die Einheit Dirlewanger. Viertelsjahreshefte f. Zeitgeschichte, X, Nr. 3, 1962, S. 252 ff.)


    Wenn also von 38 Divisionen der Waffen-SS (von denen viele nur die Größenordnung eines verstärkten Regiments erreichten) mindestens 4 wegen selbst für die letzten Kriegsjahre untragbarer Disziplinlosigkeiten nie einsatzfähig wurden, dann bedeutet dies, das für 10% des Potentials der Waffen-SS sowohl Waffen wie auch Ausbildungskapazität verschwendet worden waren.
    Es gibt dazu übrigens interessante Äußerungen von Hitler über den Wert gewisser Waffen-SS-Verbände. So wörtlich im März 1945: „Die Division besitzt beinahe genügend Waffen, um zwei Divisionen auszurüsten und frischt sich dennoch weit vom Schuß auf!“ (Heiber, Helmut (Hrsg.): Hitlers Lagebesprechungen 1942 – 1945, Stuttgart 1962, S. 940). Gemeint war die 14. Waffengrenadierdivision der SS (galiz. Nr.1).


    1.3. Die Kampfleistung der Freiwilligen-Divisionen der Waffen-SS war extrem unterschiedlich.
    - Einige der aus westeuropäischen Freiwilligen bestehenden Verbände schlugen sich genauso gut wie die rein deutschen Divisionen.
    - Die aus baltischen Truppen bestehenden Divisionen kämpften während ihres Einsatzes bei der Heeresgruppe NORD ausgezeichnet, weil es hier um die unmittelbare Verteidigung ihres Landes ging. Sie ließen aber sofort nach, als man sie z.B. in Schlesien einsetzte.
    - Die aus russischen Freiwilligen oder Leuten vom Balkan aufgestellten Verbände waren und blieben in der Masse reine Räuberbanden, die allenfalls im begrenzten Umfang im Partisanenkrieg Verwendung finden konnten und selbst dort nicht zuverlässig waren.
    - Die Divisionen mit einem hohen Anteil Volksdeutscher erreichten ebenfalls nie den Einsatzwert der aus Reichsdeutschen bestehenden Großverbände. Die Ursache lag teilweise in mangelnden Sprachkenntnissen, da hier auch Volksdeutsche der Liste III dabei waren, die zwar deutsche Vorfahren hatten, aber schon längst in ihrem jeweiligen Heimatland assimiliert waren. Auch war ein Großteil des Personals dieser Divisionen mehr oder weniger zur Waffen-SS gezwungen worden.


    1.4. Die Waffen-SS konkurrierte von Anfang mit der Wehrmacht um die im Verlauf des Krieges immer geringer werdenden personellen Ressourcen des Deutschen Reiches. Wenn ihr auch im Laufe des Krieges ein stetig größer werdender – und im Hinblick auf den Gesamtanteil der Waffen-SS völlig überproportionierte - Anteil an den deutschen Freiwilligen zugestanden wurde, so reichte das für den ab 1941 einsetzenden Aufbau immer neuer Divisionen nicht mehr aus. Hinzu kam, daß die Waffen-SS schon ab Ende 1942 diesen hohen Freiwilligenanteil nicht mehr ausschöpfen konnte, weil sich einfach zu wenige junge Deutsche freiwillig zur Waffen-SS meldeten.
    Dagegen konnte auch mehr oder weniger erzwungene Freiwilligenmeldungen nichts ändern. Gerade die höher qualifizierten Wehrpflichtigen, z.B. die Abiturienten, drängten viel eher zum Heer oder zur Luftwaffe als zur SS.


    1.5. Gründe für die zurückgehenden Freiwilligenmeldungen zur Waffen-SS gibt es eine ganze Reihe. Die hohen (und häufig durch die mangelnde Qualifikation der Führer begründeten) Verluste der Waffen-SS waren sicher einer davon, diese enormen Verlustraten waren sehr wohl bekannt. Auch versuchte die SS bei ihren Werbeaktionen an den Schulen immer wieder die Wehrmacht, vor allem das Heer, schlecht zu machen. Damit stieß sie vor allem an den Gymnasien auf entschiedenen Widerstand, weil gerade die Väter vieler Oberschüler bei der Wehrmacht und dort oft als Offiziere dienten. Auch die überzogene Ideologie der SS dürfte viele abgestossen haben, es war ja durchaus nicht so, daß alle damaligen Schüler kritiklos dem Nationalsozialismus hinterherliefen, auch wenn diese Ablehnung latent blieb und sich nicht unbedingt in aktiver Gegnerschaft äußerte.


    Zitat dazu:
    ''Andererseits reagierten gerade Gymnasiasten auf herabsetzende Äußerungen gegen das Heer, wie sie bei Werbeaktionen der Waffen-SS in den Schulen und Wehrertüchtigungslagern immer wieder vorgebracht wurden, mit lautstark vorgebrachten Mißmutsäußerungen. Mitschüler, die sich zur Waffen-SS gemeldet hatten, wurden als Todeskandidaten bezeichnet; ein Beispiel dafür, wie sehr in der Bevölkerung die Kenntnis von überdurchschnittlichen Verlusten der Waffen-SS verbreitet war. (...) Jugendliche erklärten, sie wollten sich lieber zur Luftwaffe melden, als Flieger würden sie gefangen genommen, als SS-Männer aber erschossen. Vor allem in den Wehrertüchtigungslagern der Hitlerjugend suchte die Waffen-SS durch den kollektiven Zwang des Gemeinschaftserlebnisses eine größere Zahl von Jugendlichen anzuwerben.''
    (Kroener, Bernhard R.: Menschenbewirtschaftung. Bevölkerungsverteilung und personelle Rüstung in der zweiten Kriegshälfte (1942-1944). In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Teilband 2: Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1942 - 1945. Stuttgart 1999. S. 859 ff., 991 ff.)


    Weiter muß man berücksichtigen, daß die Waffen-SS bei ihren angeblichen Freiwilligenwerbungen massivsten Zwang einsetzte, bis hin zu Drohungen gegenüber den Eltern der minderjährigen Rekruten oder zu stundenlangen Einsperren ganzer Schulklassen, bis die Masse der Schüler unterschrieben hatte.


    Das allgemeine Niveau der deutschen Freiwilligen bei der SS war nachweisbar niedriger als beim Heer. Erst Ende 1944 gelang es der SS, auch Wehrpflichtige zwangsweise zur Waffen-SS einzuziehen.
    Den Anspruch einer arischen Elite erfüllte die Waffen-SS 1944/1945 sicher nicht mehr – auch wenn sich die Anzahl der nichtdeutschen Waffen-SS-Angehörigen nicht genau feststellen läßt, so bestand damals mindestens die Hälfte der Waffen-SS aus Nichtdeutschen bzw. Volksdeutschen aus Gebieten außerhalb des Reichsgebietes, die oft kaum Deutsch sprachen. Viele dieser Volksdeutschen wurden zudem mit den rüdesten Methoden in die Waffen-SS gezwungen und verweigerten sich im täglichen Dienst, wo immer es nur ging.


    1.6. Vor diesem Hintergrund versuchte die Waffen-SS, vor allem ihr oberster Personalführer Berger, alle Potentiale auszuschöpfen, die vom Heer nicht oder noch nicht angezapft worden waren. So kam es eben zu den zahlreichen SS-Divisionen aus Balkanvölkern, Russen, Balten und westeuropäischen Freiwilligen. Der Kampfwert vieler dieser Divisionen (vor allem der russischen, bosnischen usw.) war häufig gering, Ausbildungszeit sowie das dort eingesetzte Material und das deutsche Rahmenpersonal waren verschwendet.


    Ab 1944 gelang es der SS mit dem Argument ihrer vorgeblich großen Erfahrungen mit ausländischen Freiwilligenformationen dann auch, viele der eigentlich vom Heer aufgestellten Ausländereinheiten in die Waffen-SS zu übernehmen. Hier wären zu nennen:
    - die Reste der „Blauen“ Division (250. spanische Inf.Div.)
    - die indische Legion
    - die Kosakendivision
    - Teile der Ostlegionen
    Sehr ausführlich ist das Problem der Ausländer in der Waffen-SS behandelt bei:
    - Stein, George H.: Geschichte der Waffen-SS. Düsseldorf 1967, S. 123-177.


    Vertieft werden Einzelaspekte dazu in folgenden Abhandlungen:
    - Wegner, Bernd: Auf dem Wege zur pangermanischen Armee. Dokumente zur Entstehungsgeschichte des III. ("germanischen") SS-Panzerkorps [Dokumentation], In: Militärgeschichtliche Mitteilungen (MGM) 28, 1980, S. 101-136 - Herzog, Robert: Die Volksdeutschen in der Waffen-SS. (= Studien des Instituts für Besatzungsfragen in Tübingen zu den deutschen Besetzungen im 2. Weltkrieg, 5) Tübingen 1955. - Rempel, Gerhard: Gottlob Berger and Waffen-SS Recruitment: 1939-1945. In: MGM 27, 1980, S. 107-122.


    1.7. Einen wirklichen Wert und eine hohe Kampfkraft hatten bei der Waffen-SS wahrscheinlich nur die bereits vor 1942/43 aufgestellten Divisionen und ein Teil der Freiwilligenverbände aus dem Baltikum und Westeuropas.



    2. Nun ist Personal nur ein Teil der Bewertung der Kampfkraft, einen ganz wesentlichen Anteil macht auch das Material aus. Eine gut ausgestattete und bewaffnete Einheit hat nun mal eine höhere Kampfkraft.


    2.1. Man darf bei der Bewertung daher nicht übersehen, daß die Waffen-SS überdurchschnittlich gut ausgestattet war. Sie machte Anfang 1944 weniger als 5 Prozent der Wehrmacht aus, besaß aber ein nahezu 25 % der Panzer- und über 30 % der Panzergrenadierdivisionen, die im deutschen Reich verfügbar waren (Stein, a.a.O., S. 260)!


    2.2. Die SS-Divisionen waren deutlich personalstärker als die vergleichbaren Heeresdivisionen und wiesen in der Gliederung Sonderformationen auf, die beim Heer nicht oder gegen Kriegsende nicht mehr bestanden. Beispiele:
    -Die Masse der SS-Divisionen hatten eigene Flak-Abteilungen, was beim Heer ab 1944 nicht einmal mehr für alle motorisierten Truppenteile möglich war.
    -Bis 1944 hatte jede leichte Artillerieabteilung und jede schwere Artilleriebatterie eine eigene Artilleriekolonne für den Munitionsnachschub. Diese Einheiten wurden beim Heer 1944 radikal auf weniger als 25 % des bisherigen Transportvolumens gekürzt - nur die SS behielt ihren großzügigen Transportraum bei, was natürlich nicht ohne Einfluß auf die Kampfkraft blieb.
    -Im Sommer 1943 wurden die Inf.Divisionen des Heeres fast sämtliche auf die Gliederung der ''Inf.Div. 43'' mit einer Stärke von etwa 13.500 Mann in 7 Kampftruppen-Bataillonen gebracht. Die nichtgepanzerten SS-Divisionen behielten jedoch die alte Gliederung mit 9 Kampftruppen-Btl und 16.750 Mann bei. Eine Pz.Gren.Div. des Heeres hatte im Sommer 1943 planmäßig knapp 15.000 Soldaten, eine Panzer-Gren.-Div. der Waffen-SS dagegen etwa 19.800 - also fast ein Viertel mehr!
    (Quelle: Kroener, Bernhard R.: Menschenbewirtschaftung, Bevölkerungsverteilung und personelle Rüstung in der zweiten Kriegshälfte. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Teilband 2: Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1942 - 1945. Stuttgart 1999, S. 777- 994, hier S. 960 f., 991 ff.)
    -Die Waffen-SS machte weder die bei der Mehrzahl der Heeres-Infanteriedivisionen Ende 1944 vollzogene Umgliederung zur ''Volksgrenadier-Division'' noch die der gepanzerten Verbände zur ''Panzerdivision 45'' mit. Die Volksgren.Div. waren durch weitgehende Entmotorisierung, Entzug von Versorgungskräften und Schwächung bei Artillerie und Panzerabwehr nur noch zur stationären Verteidigung in schmalen Gefechtsstreifen fähig; die Panzerdivision 45 verdiente den Namen nicht mehr, besaß sie doch an gepanzerten Kräften nur noch eine Panzerabteilung und ein Panzergren.-Btl auf Schützenpanzern.
    -Fast alle SS-Divisionen hatten einen eigenen Kriegsberichter-Zug, teils sogar eine Kompanie, für Propagandazwecke. Beim Heer gab es diese Truppen nur bei ganz wenigen bevorzugten Divisionen, wie der ''Großdeutschland''. Daher kommt es z.B., daß bei Fotos aus dem 2. Weltkrieg Waffen-SS-Einheiten überproportional vertreten sind.


    2.3. Manstein hatte z.B. schon Ende 1943 die ständige Bevorzugung der Waffen-SS in personeller und materieller Hinsicht erkannt und sich massiv darüber beschwert. Er meldete am 12.12.1943 an OKW und OKH:
    ''2. SS-Div. ''Das Reich'' soll zu einer Kampfgruppe von 2 Bataillonen und 1 Panzer-Abteilung nebst Hilfs- und Versorgungstruppen zusammengelegt, die Reste abbefördert werden. Diese Reste bestehen aus 8.616 Soldaten (!), während die Kampfgruppe 5010 Soldaten zählen soll. Ingesamt also 13.626 Soldaten. Dies entspricht etwa der Sollstärke einer Panzer-Gren.-Div. des Heeres. Ich halte es für völlig abwegig, 8616 zum Kampf geeignete Soldaten in die Heimat zu befördern und eine Pz.Gren.Div., die noch 13.626 Köpfe zählt, zu einer Kampfgruppe mit nur 2 Batl. zusammenzulegen. Ich bitte daher, daß die SS-Div. ''Das Reich'' unter Fortfall aller überflüssigen und bei den Pz.Gren.Div. des Heeres nicht vorhandenen Sondereinrichtungen in eine normale Pz.Gren.Div. umgegliedert wird.''
    (Zitiert nach:
    Müller-Hillebrand, Burkhart: Das Heer 1933 - 1945. Entwicklung des organischen Aufbaues. Bd. 3: Der Zweifrontenkrieg. Das Heer vom Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion bis zum Kriegsende. Frankfurt 1969, S. 121. Müller-Hillebrand war während des Krieges der verantwortliche General in der Organisationsabteilung des OKH und verfügte von daher über den wohl besten Überblick zur gravierenden Bevorzugung der Waffen-SS hinischtlich Material und Personal).


    3. Auffällig ist doch auch, daß es die Waffen-SS (mit Ausnahme der letzten Kriegswochen) fast immer verstand, die Substanz ihrer Divisionen zu konservieren, weil die Divisionen rechtzeitig vor einer endgültigen Vernichtung herausgelöst wurden - eine privilegierte Maßnahme, die man Heeresdivisionen versagte. Bei den drei großen Katastrophen an der Ostfront (Stalingrad 1943, HGr. Mitte Juni 1944 und Rumänien August 1944) ging keine einzige SS-Division unter, aber mehrere Dutzend Heeresdivisionen.



    Eine sehr differenzierte Sicht bei der Bewertung der Angehörigen der Waffen-SS scheint mir also dringend angebracht.

    16.(E) Komp. Inf.-Rgt.42:


    Das (E) steht für Ergänzungskompanie.
    Die Ergänzungseinheiten dienten zur Kurzausbildung von zwar noch wehrpflichtigen, aber schon älteren Rekruten der Geburtsjahrgänge 1901 - 1913.


    Die genannte Kompanie entstand durch Umbenennung des Ergänzungsbataillons 38 im Oktober 1936. Damals wurden die Ergänzungsbataillone den standortmäßig am günstigsten gelegenen Infanterieregimentern als Ergänzungsbataillone zugeteilt. Sie erhielten die Kompanienummern 15 - 17 (im Anschluß an die bei den Infanterieregimentern bereits vorhandenen Kompanien 1-14). Damit wurde aus der 2./Ergänzungsbataillon 38 die 16.(E)/Infanterie-Rgt 42.


    Bei der Kompanie handelte es sich um eine Schützenkompanie.


    Stationierungsort war Hof an der Saale - Barackenkaserne westlich der heutigen "General-Hüttner-Kaserne" der Bundeswehr.


    Mitte 1938 wurde die Bezeichnung der Kompanien nochmals geändert, die Kompanien des Ergänzungsbataillons zählten nicht mehr als 15. usw. Kp des Infanterieregiments 42, sondern hatten eine eigene Nummernfolge innerhalb des Ergänzungsbataillons:
    1. - 3. (Schützen-) Kompanie Ergänzungsbataillon Infanterieregiment 42
    4. (Maschinengewehr-) Kompanie Ergänzungsbataillon Infanterieregiment 42.


    Die 16. (E) Komp. Inf.-Rgt 42 gab es also seit Mitte 1938 nicht mehr.


    Das Ergänzungsbataillon Infanterieregiment 42 wurde bei Mobilmachung das II. Bataillon Infanterieregiment 480 in der 260. Infanteriedivision.


    Quelle:
    Wurdack, Jörg: Chronik der Stadt Hof, Band X: Militärgeschichte der Stadt Hof, Hof 2005, S. 316 - 318 (dort auch weitere Primärquellen).
    Tessin, Georg: Deutsche Verbände und Truppen 1918 - 1939. Altes Heer, Freiwilligenverbände, Reichswehr, Heer, Luftwaffe, Landespolizei. Osnabrück 1974, S. 238 - 243.

    Weitere Literatur zu diesem Thema:


    Hopkirk, Peter: Östlich von Konstantinopel - Kaiser Wilhelms Heiliger Krieg um die Macht im Orient. Wien 1996


    Neulen, Hans Werner: Adler und Halbmond. Das deutsch-türkische Bündnis 1914 bis 1918. Frankfurt 1994


    Steuber, Werner / Reichsarchiv (Hrsg.): Jildirim - Deutsche Streiter auf heiligen Boden (= Schlachten des Weltkrieges Band 04 (früher Bd. 5), Oldenburg 1925
    In diesem Band sind auch die Kriegsgliederungen der deutschen Unterstützungstruppen bis zur letzten Kompanie enthalten.


    Wallach, Jehuda L.: Anatomie einer Militärhilfe. Die preußisch-deutschen Militärmissionen in der Türkei 1835 - 1919 (= Schriftenreihe des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel Aviv, Bd. 1) Düsseldorf 1976.



    Weiter gibt es noch eine Reihe von älteren Werken, die sich mit dem Einsatz deutscher Soldaten an der türkischen Kaukasusfront, in Gallipoli und dem Einsatz der Marine in türkischen Gewässern befassen.

    Jacobsen, Hans-Adolf: 1939-1945 - Der Zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten, Darmstadt 1959


    Klöss, E.: Der Luftkrieg über Deutschland 1939 - 1945, dtv-dokumente, München 1963


    Müller, Norbert (Hrsg.): Deutsche Besatzungspolitik in der UdSSR 1941-1944. Dokumente, Köln 1980


    Schlemmer, Thomas (Hrsg.): Die Italiener an der Ostfront 1942/43. Dokumente zu Mussolinis Krieg gegen die Sowjetunion. (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 91), München 2007

    Diese Wegweiser sind nach meiner Erfahrung (ich habe den Band II leider mal gekauft) ziemlich unbrauchbare Machwerke.


    1. Die Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bände sind nicht abgedruckt.


    2. Es gibt keine alphabetische Stichwortübersicht zu den Artikeln.


    3. Die Beiträge der einzelnen Soldatenjahrbücher sind lediglich recht willkürlich zu einzelnen Themengruppen zusammengestellt, deren Ordnung sich nicht erkennen lässt:


    Beispiel aus Band II - 1978 - 1987


    Teil 1 Von Volk und Vaterland
    Teil 2 Geschichte
    2.1. Allgemein
    2.2 Wehrgeschichte
    Teil 3 Wehrwissenschaftliche Themen
    3.1. Wehrpolitik
    3.2. Kräfteverhältnis Wet / Ost
    Teil 4 Wehrkunde
    4.1. Pflichten und Rechte des Soldaten
    4.2. Waffenkunde - Entwicklung der Waffen und Waffengattungen
    4.3. Uniformkunde
    4.4. Ordenskunde
    4.5. Fahnen, Standarten und Flaggen
    4.6. Militärisches Brauchtum
    4.6. Militärisches Schrifttum
    Teil 5 Persönlichkeiten
    Teil 6 Aus dem Soldatenleben
    6.1. Erlebnisberichte
    6.2. Erzählungen
    6.3. Anekdoten, Gedichte, Zitate
    Teil 7 Verzeichnisse
    7.1. Totentafeln
    7.2. Verzeichnis der Bilder
    7.3. Verzeichnis der Mitarbeiter und Autoren usw.


    Da es kein alphabetisches Gesamtverzeichnis gibt, ist es unmöglich, rasch einen Beitrag zu einem bestimmten Thema zu finden.


    Ich würde keinen Euro mehr dafür ausgeben.

    Quote

    [i]OKH Generalstab des Heeres, Organisations-Abteilung IK mit Notiz
    vom 10.05.1945 über die Gesamtverluste des Heeres in der Zeit
    von 01.09.1939 bis 01.05.1945:


    Dieses Dokument ist lediglich eine Schätzung des OKW. Die Verlustzahlen für 1945 wurde hier auf Basis der bereits völlig unzureichend erfassten Verluste des 2. Halbjahres 1944 hochgerechnet.


    Für das Jahr 1945 liegen lediglich fragmentarische Verlustmeldungen vor, die keinen genauen Zahlen ermitteln lassen.


    Diese Problematik der für 1945 kaum mehr genau zu ermittelnden Verlustzahlen ist sehr ausführlich bei Overmans, Rüdiger: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg (= Beiträge zur Militärgeschichte, 46) München 1999 beschrieben, z.B. auf den Seiten 60 ff,


    Die letzten einigermassen zuverlässigen Zahlen lassen sich für 1944 gewinnen:


    Ostfront:


    III. Quartal 1944: Todesfälle 517.907
    IV. Quartal 1944: Todesfälle 222 914


    Nach den von Overmans ausgewerteten Quellen wird man für die Endkämpfe 1945 (also alle Kriegsschauplätze) nochmals von etwa 530.000 Toten ausgehen können.


    Der Autor stellt auch sehr anschaulich fest, daß die Verluststatistiken der Wehrmacht bereits im Frühjahr 1944 völlig falsche Zahlen lieferten. Man kann davon ausgehen, daß die deutschen Verluste an der Ostfront vor der sowjetischen Sommeroffensive 1944 um ca. 500.000 und im Dez. 1944 bereits um ca. 1 Million Mann höher lagen, als sie in den Wehrmachtsstatistiken angegeben sind.

    Höffkes, Karl: Hitlers politische Generale - die Gauleiter des Dritten Reiches. Ein biographisches Nachschlagewerk.( = Veröffentlichungen des Institutes für Deutsche Nachkriegsgeschichte 13), Tübingen 1997


    Smelser, Ronald / Syring, Enrico (Hrsg.): Die Militärelite des Dritten Reiches. Berlin 1997
    Smelser, Ronald / Syring, Enrico (Hrsg.) Die SS - Elite unter dem Totenkopf. 30 Lebensläufe, Paderborn 2003


    Weiß, Hermann (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, Frankfurt 1998


    Wistrich, Robert: Wer war wer im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. Anhänger, Mitläufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, Militär, Kunst und Wissenschaft, Frankfurt 1987.


    Banach, Jens: Heydrichs Elite. Das Führerkorps der Sicherheitspolizei und des SD 1936 - 1945. Paderborn 2002


    Birn, Ruth Bettina: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten, Düsseldorf 1986


    Bradley, Dermot u.a. (Hrsg.): Die Generale des Heeres 1921-1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte usw. im Generalsrang. Bis 2004 sieben Bände erschienen ( = Deutschlands Generale und Admirale, Reihe 4) Osnabrück 1988-2004


    Stumpf, Reinhard: Die Wehrmacht-Elite. Rang- und Herkunftsstruktur der deutsche Generale und Admirale 1933 - 1945, (= Militärgeschichtliche Studien, 29) Boppard 1982


    Ueberschär, Gerd (Hrsg.): Hitlers militärische Elite, Band II: Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende, Darmstadt 1998

    Die Ausgangsfrage drehte sich doch um die Nahkampfausbildung bei den Truppen des 3. Reichs und nicht um die Bundeswehr.


    Zur Beantwortung solcher Fragen ist es immer gut, wenn man auf die Quellen zurückgreift. Hier gibt es das Merkblatt 25/3 vom 15.04.1944 "Anleitung für den Nahkampf und die Handgranatenausbildung", das zu dieser Frage ausführt:
    "Die Kriegserfahrungen haben gezeigt, daß der Nahkampf in den meisten Fällen NICHT mit dem Bajonett, sondern in ERSTER LINIE DURCH DEN SCHUSS und die Nahkampfmittel entschieden wird.
    Der Soldat ist so zu erziehen, daß er mit der Handgranate und VOR ALLEM MIT SEINER SCHUSSWAFFE den Gegner niederkämpft."


    Weiter enthält dieses Merkblatt Ausbildungspläne für die Nahkampfausbildung mit 20, 38 oder 63 Stunden, diese Pläne enthielten jeweils zwei Schwerpunkte:
    - Schnellschuß / Deutschießen mit 8, 14 oder 22 Stunden
    - Handgranatenwerfen / Handgranatenkampf mit 6, 10 oder 12 Stunden.


    Die oben zitierten Grundsätze hat die Bundeswehr wortwörtlich in die Ausbildungshilfe "Kriegsnah ausbilden - Hilfen für den Gefechtsdienst" von 1985 übernommen. Ähnliches stand schon immer in der ZDv 3/11 "Gefechtsdienst aller Truppen", z.B. im Kapitel 14 "Nahkampf" der Ausgaben von 1973 und 1988.


    Nach annähernd 30 Jahren Dienstzeit als Heeresoffizier bei der Bundeswehr kann ich Rainer nur beipflichten: Es gab keine Bajonettausbildung bei der Bundeswehr und es gab keine Bajonette bei der Bundeswehr.

    Die genauen Angaben zu diesem Aufsatz sind:
    Balke, Hans: Brückenschlag über die Weichsel. Eisenbahnpioniere bei Dirschau 1939. In: Truppenpraxis 1962, S. 208 - 212, 293 - 299.


    Vielleicht hilft Dir auch dieses Buch weiter:
    Schindler, Herbert: Mosty und Dirschau 1939. Zwei Handstreiche der Wehrmacht vor Beginn des Polenfeldzuges. (= Einzelschriften zur militärischen Geschichte des zweiten Weltkriegs 7) Freiburg 1979.

    Das Gestell hieß offiziell "Drehringlafette".


    Siehe anhängenden Scan aus der Beladeliste des Zugtrupps eines Jägerzugs in der Jägerkompanie Typ B 3 von 1975.


    (Quelle: Heeresamt - Inspektion der Kampftruppen: Einzelanweisung für die Ausbildung der Jägertruppe Nr. F 5 - Der Jägerzug - vom 05. Februar 1975, Anlage 2/10)

    Maschinengewehr-Abteilungen waren selbständige Einheiten (etwa Kompaniestärke), die zu Kriegsbeginn mit je 6 Maschinengewehren ausgestattet waren.
    Sie wurden häufig auf die Zusammenarbeit mit Jägerbataillonen (soweit diese nicht bereits mit eigenen MG-Kompanien ausgestattet waren) oder Kavallerieverbänden angewiesen.


    Die meisten dieser MG-Abteilungen wurden im Laufe des Krieges in normale MG-Kompanien umgewandelt, blieben dann aber oft den abgesessen eingesetzten Kavalleriedivisionen unterstellt.


    "Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilungen" wurden ab Anfang 1916 aufgestellt, sie sollten in Krisenlagen und für besondere Aufgaben als Reserven dienen. Die Verwendung dieser Truppen hatte sich die OHL direkt vorbehalten, allerdings blieben sie an der Westfront oft monatelang derselben Division zugeteilt.


    Die Bezeichnung "Scharfschützen" ist hier mehr suggestiv zu verstehen, eine besondere Ausbildung gab es in diesen Abteilungen nicht, auch der Einsatz erfolgte letztlich genauso wie der anderer MG-Kompanien. Allenfalls versuchte man - soweit es die Lage zuließ - die Abteilungen immer geschlossen in Schwerpunkten einzusetzen.


    Quellen:
    Cron, Hermann Die Organisation des deutschen Heeres im Weltkriege. Dargestellt auf Grund der Kriegsakten (= Forschungen und Darstellungen aus dem Reichsarchiv, 5) Berlin 1923.


    Matuschka, Edgar Graf von: Organisationsgeschichte des Heeres 1890 - 1918. In: Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648 - 1939, hg. vom Militärg. Forschungsamt, Bd. 3 / Abschn. V, Herrsching 1983, S. 166, 167, 236 - 238