Posts by Nemere

    Hallo,


    als jemand, der sich bemüht, seine Beiträge mit Quellen- und Literaturangaben zu belegen, muss ich ich „ehren69“ insoweit recht geben, dass es im LdW doch eine Reihe von Beiträgen gibt, die tatsächlich minimalsten Ansprüchen in dieser Richtung nicht genügen – also ohne jede Belegangabe geschrieben sind. Die von ihm genannte Seite zu den Bewährungseinheiten


    http://www.lexikon-der-wehrmac…inheiten/Gliederung-R.htm

    ist ein solches Negativ-Beispiel.


    Zumindest die Angabe der wesentlichen Literatur dürfte bei solchen Seiten nicht das Problem sein, ich habe für die Bewährungseinheiten keine 10 Minuten gebraucht, um ein entsprechendes Verzeichnis zu erstellen.


    Literatur zu den Sonder- und Bewährungseinheiten:


    Absolon, Rudolf: Aufstellung von Sondereinheiten und Bewährungstruppen. In: Absolon, Rudolf: Die Wehrmacht im Dritten Reich. Band V: 1. September 1939 bis 18. Dezember 1941 (Schriften des Bundesarchivs, Bd. 16/V) Boppard 1988, S. 336 – 338.

    Absolon, Rudolf: Bewährungseinheiten der Waffen-SS, in: Absolon, Rudolf: Die Wehrmacht im Dritten Reich. Bd VI (Schriften des Bundesarchivs Bd. 16/VI), Boppard 1995, S. 165-168.

    Absolon, Rudolf : ie Sondereinheiten der früheren deutschen Wehrmacht (Straf-, Bewährungs- und Erziehungseinrichtungen), Kornelimünster 1952.


    Haase, Norbert / Paul, Gerhard Die anderen Soldaten. Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Fahnenflucht im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt 1995.


    Klausch, Hans-Peter: Erziehungsmänner" und "Wehrunwürdige". Die Sonder- und Bewährungseinheiten der Wehrmacht. In: Haase / Paul (Hrsg.): Die anderen Soldaten. Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Fahnenflucht im 2. Weltkrieg. Frankfurt 1995, S. 70 ff.

    Klausch, Hans-Peter: Die Bewährungstruppe 500. Stellung und Funktion der Bewährungstruppe 500 im System von NS-Wehrrecht, NS-Militärjustiz und Wehrmachtstrafvollzug, Bremen 1995.

    Klausch, Hans-Peter: Die Geschichte der Bewährungsbataillone 999 unter besonderer Berücksichtigung des antifaschistischen Widerstandes, 2 Bände, Köln 1987.

    Klausch, Hans-Peter: Die 999er. Von der Brigade "Z" zur Afrika-Division 999: Die Bewährungsbataillone und ihr Anteil am antifaschistischen Widerstand, Frankfurt 1986.


    Messerschmidt, Manfred / Wüllner, Fritz: Die Wehrmachtsjustiz 1933 bis 1945, Paderborn 2005.


    o.V.: Bedingt würdig. Bewährungsbataillone 999, In: Spiegel 20/1988, S. 70 – 87.


    Oberkommando des Heeres: H.Dv. 39 / M.Dv. Nr. 821 / L.Dv. 73 - Die Sonderabteilungen der Wehrmacht, Berlin 1938.


    Seidler, Franz W.: Die Militärgerichtsbarkeit der Deutschen Wehrmacht 1939 -1945. Rechtsprechung und Strafvollzug, München 1991.


    Theis, Kerstin: Wehrmachtjustiz an der "Heimatfront" - die Militärgerichte des Ersatzheeres im Zweiten Weltkrieg (Studien zur Zeitgeschichte 91) Berlin 2016


    Wüllner, Fritz: Die NS-Militärjustiz und das Elend der Geschichtsschreibung. Ein grundlegender Forschungsbericht, Baden - Baden 1991.


    So eine Liste der verwendeten Literatur oder ggf. Quellen hat noch nichts mit „wissenschaftlichem“ Arbeiten zu tun, wo ich wirklich jede Stelle mit einem Beleg versehe, erlaubt aber dem geneigten Leser doch, entsprechend weiterzulesen, wenn Interesse vorhanden ist. Ich denke, der Mindeststandard der Angabe von verwendeter Literatur sollte zumindest eingehalten werden. Damit kann der normale Leser auch etwas anfangen, weil er sich diese Literatur in den meisten Fällen über Fernleihe usw. besorgen kann. Die Einsichtnahme in Originalquellen in den Archiven wird dagegen nur wenigen möglich sein.


    Grüße

    Jörg

    Hallo,

    aus langjährigem Einsatz bei der Feldjägertruppe der Bundeswehr kann ich auch einige Erlebnisse zum Thema Alkohol bei der Bundeswehr beisteuern.


    Anfang der 1980er Jahre. Wir waren für einige Wochen als Feldjägerkommando von Veitshöchheim aus mit der 12. Panzerdivision auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne eingesetzt.


    Eines Morgen gegen 07:00 Uhr führten wir Geschwindigkeitskontrolle an der Platzrandstraße durch, an einer sehr unfallträchtigen Stelle, bei der die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt war. Dabei wurde ein VW-Bus wegen weit überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Beifahrer war ein Kompaniefeldwebel einer Panzereinheit. Als ich ihn aufforderte, mir seinen Truppenausweis zu zeigen, hebt er seinen vor ihm auf den Fahrzeugboden liegenden Feldparka an, um daraus den Ausweis zu entnehmen. Dabei fiel eine darunter verborgene, geöffnete Bierbüchse um, die sich dann mit wilder Schaumentwicklung in das Fahrzeug ergoss. Ich habe den Herrn Hauptfeldwebel dann aus dem Fahrzeug gebeten und habe die weiteren Verhandlungen mit ihm abseits seiner im Fahrzeug sitzenden Untergebenen geführt. Der dann durchgeführte Alco-Test zeigte an, dass er Alkohol in doch erheblichen Umfang getrunken hatte. Aufgrund der dann notwendigen Feldjägermeldungen war er bereits am Mittag nach Entscheidung des Brigadekommandeurs von seiner Verwendung als Kompaniefeldwebel abgelöst.


    Bei der 12. Panzerdivision, die mit Stab und großen Teilen ebenfalls in Bayern lag, war z.B. KEIN Bier während des Dienstes erlaubt. Diese Erlaubnis gab es nur bei der 4. PzGrenDiv (Regensburg) und der 1. Gebirgsdivision (Garmisch), aber sie galt nicht beim im Bayern stationierten Territorialheer oder den in Bayern liegenden Truppenteilen der 10. Panzerdivision oder des II. Korps.


    Am Samstag derselben Woche rief mittags gegen 13:00 Uhr völlig aufgelöst die Polizeistation Bergen an. Bei ihnen auf der Wache wäre ein sinnlos betrunkener Soldat, der randalieren würde und kaum mehr zu bändigen wäre. Wir sollten ihn doch bitte schön abholen.

    Nach Eintreffen bei der Polizei ergab sich folgende Szene: In der Arrestzelle hielten mehrere Polizeibeamte einen wild um sich schlagenden Soldaten auf der Pritsche fest, überall gab es Blutspuren.

    Der Soldat war gegen 12:00 Uhr völlig besoffen auf eine Straßenkreuzung in Bergen getorkelt und hatte dort versucht, den Verkehr zu regeln. Die erste anrückende Polizeistreife hatte er erst einmal mit wuchtigen Faustschlägen empfangen. Darauf hin trafen weitere Streifen ein, er wurde dann mit vereinten Kräften in einen VW-Bus verfrachtet. Dort lag er mit auf den Rücken gefesselten Händen auf der Mittelbank. Als man die Schiebetüre schließen wollte, trat er zu und trat die Türe aus den Lagern, so dass man mit offener Türe und dem weiter tobenden Soldaten zur Polizeiwache fahren musste. Dort schaffte er es, die Handschließen aufzudrücken, wobei sich allerdings die Metallbügel tief in die Handgelenke einschnitten. Daher auch das Blutbad in der Zelle.

    Wir haben ihn dann mit vereinten Kräften mit Klebeband gefesselt, da es keine andere Möglichkeit mehr gab, ihn zu bändigen. Der inzwischen mit einem Sankra angerückte Bundeswehrarzt, ein junger unerfahrener Stabsarzt versuchte ihn durch Einspritzen von Beruhigungsmitteln ruhigzustellen, diese Medikamente bewirkten aber gar nichts. Wir haben ihn schließlich auf der Pritsche im Sanitätsfahrzeug fixiert und sind Richtung Lagerlazarett gefahren. Auf dem Weg dorthin ist er zweimal kollabiert und konnte vom Sanitätspersonal mit Müh und Not wiederbelebt werden. Im Lazarett erfolgte sofortiges Magenauspumpen usw. Aufgewacht ist er wieder am Dienstag der Folgewoche. Er sah aus wie ein Zombie aus einem Horrorfilm – überall blaue Flecke und Blutergüsse, weil natürlich die Polizei auch kräftig Schlagstöcke eingesetzt hatte, dazu massive Verletzungen an den Handgelenken.

    Bei der Vernehmung stellte sich heraus, dass er am Samstag morgen große Mengen Rum mehr oder weniger auf Ex getrunken hatte, weil ihn seine Freundin verlassen hatte.


    Der dritte Fall bei diesem Einsatz in Bergen betraf zivile Angestellte der Bundeswehr. Wir waren eines Tages gegen 09:30 in der Lagerkantine, um nach einem Nachteinsatz kurz einen Kaffee zu trinken. Vor der Kantine standen drei Fahrzeuge der Standortverwaltung, die dazugehörigen Kraftfahrer saßen ebenfalls in der Kantine. Jeder vor sich ein bereits geleertes Gedeck „Lütt und Lütt“, wie es eben im Norden üblich ist, kleines Bier und Korn. Alle drei Fahrer bestellten sich soeben das zweite Mal diese Getränkekombination und setzten eben zum Trinken an. Als wir sie dann auf das Alkoholverbot ansprachen, waren sie sehr erstaunt und meinten, das würde man hier nicht so eng sehen, das wäre ihre normale Frühstückration. Wir haben ihnen dann die Schlüssel der Fahrzeuge und die Bundeswehrführerscheine weggenommen und alles dem Leiter der Standortverwaltung übergeben. Er war not amused, das zumindest für diesen Tag seine Fahrbereitschaft stillgelegt war.

    Grüße

    Jörg

    Hallo,

    weitere Quelle zu den 16 sMG pro Kompanie bei Kriegsbeginn:

    Schottelius, Herbert / Caspar, Gustav-Adolf: Die Organisation des Heeres 1933 - 1939. In: Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648 - 1939, hrsg. vom Militärgescnhichtlichen Forschungsamt, Bd. 4 / Abschn. VII, Herrsching 1983, S. 347.

    Grüße
    Jörg

    Hallo.
    ist zwar etwas off topic, aber trotzdem:

    Es gibt bei diversen Volksfesten in Bayern Zehnerzüge, die ohne Fahrer vom Sattel gefahren werden, z.B. beim Karpfhamer Fest im Rottal

    https://www.youtube.com/watch?v=i0QsfZNARXY


    Das funktioniert aber wahrscheinlich nur bei solchen Schau-Veranstaltungen. Im Gelände oder bei schwierigen Verkehrssituationen beherrscht der eine Fahrer vom Bock seine zehn Rösser sicher nicht mehr. Allein das Bündel Leinen, das er in den Händen hält, dürfte einige Kilo wiegen.
    Deswegen laufen ja bei diesen Festvorführungen auch eine ganze Menge von Pferdehaltern für den Notfall mit.

    Grüße
    Jörg

    Guten Morgen,

    auch das ist ein guter informativer Film, vielen Dank. Bis auf ein paar kleine sachliche Fehler eine völlig korrekte Schilderung der Situation bei den Heimatschutzregimentern.

    Bei den Heimatschutzkompanien und den Sicherungszügen sah es allerdings vielfach noch schlimmer aus. Dort fehlten nicht nur die Jägerunteroffiziere und –feldwebel, sondern auch die Mannschaften kamen oft aus völlig artfremden Truppenteilen, besonders häufig Panzer, Artillerie oder Panzeraufklärer, weil diese Truppengattungen ja kaum eigene Reserveeinheiten aufstellten.

    Noch eine Anmerkung zu den Panzerjägerzügen der HSchRgt. Hätte man diese Übung nicht 1988, sondern 1984 durchgeführt, hätte es nur „Panzerabwehrzüge“ mit dem Leichtgeschütz 106 mm auf dem annähernd 25 Jahre alten Lkw 0,25 t gegeben. Bezeichnend ist auch der kurze Filmstreifen mit der Anlieferung der Kanonenjagdpanzer. Das erste Fahrzeug ist nicht etwa der damals übliche SLT 50, sondern eine bestimmt auch über 20 Jahre alte Faun-Zugmaschine L 912 mit der beeindruckenden riesenlangen Motorhaube. Damit könnte man schon über das nächste technische Problem bei den HSchRgt diskutieren. Das Rgt. hätte keinerlei Bergemittel für liegengebliebene Kanonenjäger gehabt, weder Bergepanzer noch Tieflader.

    Der Erfolg von Mob.-Übungen stand und fiel mit der Qualität der Vorbereitung und dem persönlichen Einsatz des aktiven Rahmenpersonals. Die Schwierigkeiten traten nach meinen Erfahrungen immer dann auf, wenn VBK, VKK oder Ausbildungszentren diese Übungen organisierten. Diese Dienststellen waren personell häufig mit nicht mehr sehr motiviertem Stammpersonal besetzt und galten oft als Auslaufdienstposten. Zudem waren viele der Mob-Vorbereitungsgruppen mit der hohen Anzahl von Verbänden, die sie zu betreuen hatten, überfordert. Das sieht man im Film sehr schön beim VBK 43. Diese MobVorbGrp hatte sechs sehr personalstarke Bataillone zu betreuen, dazu eine Reihe von selbständigen Kompanien.

    Wenn aktive Bataillone eigene Mobilmachungsgruppen hatten, klappte das deutlich besser. Hier stand ein aktiver Truppenteil dahinter, der auch mit Personal und Material unterstützen konnte. Zudem hatten die Reservisten oft in diesem aktiven Verband gedient, man kannte sich. Fast jedes Feldjägerbataillon hatte z.B. zwischen einem und drei „Reserve“-Bataillone zu betreuen, ich kann mich nicht daran erinnern, dass es größere organisatorische Probleme gegeben hätte. Die materiellen Schwierigkeiten mit den ungeeigneten Fahrzeugen aus der materiellen Mob-Ergänzung und der untauglichen Funkausstattung hätten wir natürlich genauso gehabt.

    Der Leitende der Übung „Landesverteidigung 88“, Generalmajor Brugmann, hat ein Buch zu den Heeresmanövern der Bundeswehr veröffentlicht. Darin beschreibt er u.a. auch die LV 88 und bewertet diese Übung mit folgenden Worten: „ Die Übungsanlage funktionierte, Der Bundeskanzler war beeindruckt von „seiner“ Truppe, die er im Falle von Krise und Krieg selbst zu führen hätte, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt hatten begriffen, dass das Territorialheer keine NATO-Reserve war und hielten es überdies für einsatzbereit.“(Brugmann, Gerhard / FüAkBw: Heeresmanöver der Bundeswehr, Buchholz 2004, S. 202). Das war wieder die leider so oft übliche Selbsttäuschung der Führungsleiste nach solchen Übungen.

    Besser sah es allerdings bei den Jägerbataillonen der Divisionen aus. Das waren zwar auch Geräteeinheiten, aber hier wurden bevorzugt ehemalige Wehrpflichtige der Panzergrenadiere eingeplant und es gab einen relativ starken aktiven Personalkader. Diese Offiziere und Feldwebel kamen oft von den Schulen, wie den Kampftruppenschulen oder von aktiven Bataillonen. Auch war die Materialausstattung der Divisionsjägerbataillone deutlich besser.

    Mit freundlichen Grüße
    Jörg

    Hallo,

    eigentlich eine interessante Sache, aber wie ich finde, eine oft sehr grobe Zusammenfassung mit vielen faktischen Fehlern.


    Schlimm ist, das diese Filme von Leuten gesehen werden, die sich mit diesem Thema noch nie näher befasst haben und das dann diese falschen Darstellungen geglaubt werden.

    Einige Einzelaspekte, die mir ganz besonders unangenehm aufgefallen sind:

    Gleich am Anfang des ersten Filmes wird beim Abbau der Truppen nach 1945 erwähnt, dass die USA ihre Truppen auf 2 Millionen Soldaten reduziert hätten. Dass davon in Deutschland bis nach 1950 aber nur wenig mehr als 1 Infanteriedivision plus die Grenzüberwachungstruppen der Constabulary standen, wird mit keinem Wort erwähnt.

    Auch im weiteren Verlauf kommen die konventionellen Kräfteverhältnisse kaum mehr zur Sprache.

    Die Aggressionshandlungen der UdSSR, die in den ersten Jahren nach 1945 sowie 1956 und 1968 dazu führten, das Ost- und Südosteuropa oft gegen den Willen der Bevölkerung kommunistisch wurden, werden mit keinem Wort erwähnt.

    Es wird ständig auf den Atomwaffeneinsatz der NATO mit tausenden von Zielen in den Ländern des Warschauer Paktes hingewiesen, die entsprechenden Planungen des WP werden nur am Rande erwähnt als Bekämpfung der Luftwaffenbasen. Der geplante massive Einsatz chemischer Kampfstoffe durch den WP ist überhaupt kein Thema.

    Das Thema ADM wird völlig verzerrt und verkürzt dargestellt.

    Das Problem Österreich – Verhalten des WP gegen neutrale Staaten wird überhaupt nicht angerissen, genau so wenig wie die Bedrohung der NATO-Flanken Nord und Süd mit ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die Kriegführung der NATO in Deutschland.

    Die politisch-ideologischen Hintergründe des Angriffspotentials des WP werden darauf verkürzt, das der Ostblock den Krieg nicht nochmals im eigenen Lande haben wollte – was ja verständlich wäre. Dass bis Gorbatschow die Ausbreitung des Kommunismus und die Weltrevolution eine wesentliche Triebfeder des Kreml war, wird nicht einmal in einem Nebensatz erwähnt, obwohl hier genau die Schnittstelle zwischen militärischer und politischer Strategie beim Warschauer Pakt lag.

    Insgesamt wird die Sowjetunion und vor allem ihre politische Führung sehr wohlwollend und unterschwellig als Opfer der amerikanischen Mega-Rüstung dargestellt.

    Faktenorientierte Dokumentation sieht anders aus.

    Das allerletzte ist die völlig falsche Emotionen weckende Musik: Wagner bei so einem komplexen und einer streng sachlichen Betrachtung erfordernden Thema!

    Dieter Krüger, den ich eigentlich als sehr kompetenten Historiker schätze, ist bei der Mitwirkung an diesen Filmen seiner Beraterrolle nicht gerecht geworden. Der andere Autor, Herr Lautsch, ist eine ehemaliger Stabsoffizier der NVA und früher Militärhistoriker der DDR, der aus unerforschlichen Gründen nach 1990 dann für das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr arbeitete und immer wieder mit höchst merkwürdigen Erkenntnissen überrascht. So hat er in mehreren Beiträgen behauptet, die Bundeswehr hätte in Schleswig-Holstein die Aufstellung einer 41. und 61. Division vorgesehen. Dabei stilisiert er Verfügungstruppenkommandos und Heimatschutzbrigaden der 2. Reihe zu Divisionen hoch, setzt Heimatschutzregimenter als Feldheerbrigaden ein und übersieht völlig, das die zur Aufstellung von Divisionstruppen dieser beiden Divisionen benötigten Einheiten nirgends vorhanden waren.

    Grüße
    Jörg

    Hallo Karl,
    Du hast natürlich mit Deinen Ausführungen zu den Auswirkungen von Feuchtigkeit und Temperatur auf Pulversorten grundsätzlich vollkommen recht. Wir sollten aber auf dem Teppich bleiben. Das ist vor allem von Bedeutung für großkalibrige Geschosse mit entsprechenden Treibladungsmengen (Artillerie- und Panzermunition, vor allem auch Raketen). Die Bundeswehr hat z.B. bei großkalibrigen Feststoffraketen wie der Honest John das Treibladungspulver mit Heizdecken auf die richtige Temperatur gebracht.

    Bei der Infanteriemunition ist das eher vernachlässigbar. Es mag sich ausgewirkt haben beim Einsatz des MG als schweres MG auf entsprechend große Kampfentfernungen oder im indirekten Richten. Bei der Pistolenmunition 9 x 19 der Maschinenpistole und den recht kurzen Entfernungen auf die diese Waffe eingesetzt wurde, dürften kaum Auswirkungen zu spüren gewesen sein. Eher sehe ich die Gefahr, das durch eingedrungenen Schnee sich evtl. Vereisungen an den Magazinlippen bilden und es dann zu Störungen kommen könnte.

    Grüße
    Jörg

    Hallo,


    Ausführlich wird das Feldjägerkorps der SA behandelt in:
    Schütz, Peter: Die Vorläufer der Bundeswehr-Feldjäger: Ein Beitrag zur preußisch-deutschen Wehrrechtsgeschichte (Schriften zur Rechtsgeschichte, 122), Berlin 2005, S. 164 – 170.

    Hier wird mit sauberen Quellenbelegen vor allem der rechtliche Hintergrund dieser Organisation behandelt und es wird klar herausgestellt, dass es diese Formationen nur in Preußen gab. Auch die spätere Überführung in die preußische Schutzpolizei wurde durch Frick in seiner Eigenschaft als preußischer Minister des Innern, nicht in seiner Parallelfunktion als Reichsinnenminister verfügt (Schütz, S. 166).

    Dann gibt es noch ein etwas fragwürdiges Buch zu diesem Thema:
    Zander, Wolfgang von: Das SA-Feldjägerkorps: eine vergessene Einheit der Geschichte, kommentierte und erweiterte Original-Quellensammlung und Dokumentation mit zeitlich nahestehendem Polizeibezug, Wolfenbüttel 2014. Inhaltsverzeichnis hier.

    https://d-nb.info/1050884175/04


    Grüße

    Jörg

    Guten Abend,

    noch zur Ergänzung.
    Die 2. Zeile der Absenderangabe links oben auf der Karte lautet: "Vereinslazarett 4". Das war die offizielle Bezeichnung dieses Lazaretts. Vereinslazarette wurden nicht vom Militär, sondern vom "Verein vom Roten Kreuz" betrieben, oft mit Unterstützung ziviler Sponsoren, wie in diesem Fall der Fürsten Thurn und Taxis.
    Ostheim lag im heutigen Regensburger Stadtteil "Hohes Kreuz", etwa im Bereich der Liebigstraße und der auch offiziell "Ostheim" genannten Straße.

    Grüße
    Jörg

    Guten Morgen,

    das "Ostheim" war eine Arbeiterkolonie einer Regensburger Zuckerfabrik, die im 1. Weltkrieg durch das Fürstenhaus Thurn und Taxis als Reservelazarett betrieben wurde, siehe dazu folgenden Textauszug:


    "1905 erbaut, diente die Siedlung ursprünglich als Wohnanlage für die Arbeiter in der Regensburger Zuckerfabrik. Das Ostheim, so schlicht und treffend hat der Magistrat 1905 die Arbeiterkolonie genannt. Das Ostheim waren einst zwölf Hausnummern, zwei Waschhäuser, der braune Schlackenberg, die VfR-Baracke, die Gärten und Kartoffelfelder der Zuckerfabrikler, das Gleisdreieck und der alles durchdringende süßliche Sirupgeruch bis weit nach Weihnachten aus dem niedrigen Backsteinkamin.

    Das Ostheim verdankt seine Existenz dem deutsch-böhmischen Ritter von Klaude, erster Direktor der 1889 gegründeten Zuckerfabrik, die er für die böhmischen Saisonarbeiter erbauen ließ. Fürst Albert hat 1912 für ledige Fabrikarbeiterinnen den Zwölfer als Ledigenheim nach Plänen seines Oberbaurats Max Schultze errichten lassen. Dieses Gebäude diente nie seinem eigentlichen Zweck und stand infolgedessen meistens leer. Später ging der ganze Gebäudekomplex mit der Bayerischen Zuckerfabrik in Fürstlich Thurn und Taxischen Besitz über.


    Eine der ersten traurigen, aber notwendigen Erscheinungen des 1. Weltkrieges waren die Feldlazarette. Fürst Albert von Thurn und Taxis, der wie seine Gemahlin überall dort war, wo es galt, Not und Elend zu lindern, hat deshalb einen Entschluss gefasst, ein solches Heimatlazarett auf eigene Kosten errichten zu lassen. Vom 23. September 1914 bis Kriegsende legte Fürstin Margarete dort eigenhändig die Wundverbände an. Erbprinz Franz-Joseph assistierte. Bis 1920 waren Zuckerfabrik und Arbeiterkolonie fürstlich. Die Ostheimer, ob Meister oder Wochenlöhner waren so ihrer Fabrik immer nahe. In den 50er und 60er Jahren blätterte zwar gewaltig der Putz von den Fassaden. Doch dahinter lebte man nie schlecht. Keiner musste hungern. Dafür sorgten die 30 Meter Feld und Garten, den jeder Einwohner sein eigen nennen durfte, bis er in Rente ging. Auch Kleintiere gediehen in den Hinterhöfen. Die Zuckerfabrik bescherte Wochenlöhnern fast schon fürstliche Privilegien. Miete, Kohlen, Wasser und Strom waren gratis."

    Quelle:

    https://www.wochenblatt.de/new…-zum-modernen-wohnungsbau



    Grüße
    Jörg

    Guten Morgen,

    für Bayern das Standardwerk dazu:

    Winfried Nerdinger (Hrsg.), Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945, (Ausstellungskataloge des Architekturmuseums der Technischen Universität München und des Münchner Stadtmuseums, Nr. 9) München 1993

    Grüße
    Jörg

    Guten Abend,

    die Gliederung der von Eumex genannten Schützenkompanie wurde bis Kriegsbeginn zumindest bei den Divisionen der 1. Welle erheblich verändert:
    - die schweren MG-Halbzüge fielen weg.
    - die Züge erhielten eine vierte Gruppe
    - die Kompanie erhielten einen Panzerabwehrbüchsentrupp mit 3 Panzerbüchsen

    https://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn131c10okt39.htm

    Das war dann die Gliederung, die weitgehend bis 1943 beibehalten wurde.


    Man muss sich aber darüber im klaren sein, das diese Gliederung oft nur Theorie waren und in der Praxis immer vom verfügbaren Mannschaftsbestand und dem Material bestimmt wurden.

    Grüße
    Jörg

    Hallo,

    die Beschreibung des "Pelotons" bei Wikipedia ist ungenau.
    Pelotons hatten eigentlich nur eine Bedeutung, solange noch das Salvenfeuer der Vorderlader entscheidend war.
    Das bei Wikipedia gesagte hatte sich eigentlich schon vor dem ersten Weltkrieg erledigt. Seit ca. 1906 war die Infanteriekompanie in drei Züge eingeteilt.
    In der Wehrmacht gab es keine Pelotons, sondern es galt für das Infanterieregiment die oben im Beitrag 2 verlinkte Einteilung:
    Regiment hat drei Bataillone
    Jedes Bataillon hat vier Kompanien (drei Schützen- und eine MG-Kompanie mit schweren MG und Granatwerfern)
    Die Kompanie hat drei Züge.
    Dazu kommen noch beim Regiment die 13. - Infanteriegeschützkompanie - und die 14. Panzerabwehrkompanie.

    Abweichende Gliederungen galten für Gebirgsjäger, Panzergrenadiere, motorisierte Infanterie.

    Im Laufe des Krieges wurde allerdings von dieser Gliederung abgewichen, so hatten die meisten Infanterieregimenter dann nur noch 2 Bataillone.


    Grüße
    Jörg