Posts by Schorsch

    Hallo Martin!


    Hier ein Versuch, zu Deinen Fragen einige Antworten zu formulieren.


    Zunächst scheint mir eine Umordnung der von Dir gefundenen Begriffen notwendig zu sein. Das Vernichtungsfeuer gehört strenggenommen nicht in eine Reihe mit den Begriffen Zielfeuer, Planfeuer und Moritzfeuer, da es eine Feuerform darstellt, während die anderen Begriffe Benennungen von Schießverfahren sind. Die Feuerform kennzeichnet dabei die Weise, wie die Batterien ihre Geschosse an den Gegner zu bringen hatten (stellt sozusagen die Exekutive des Flakfeuers dar), während die Schießverfahren sich damit auseinandersetzen, wie die dafür notwendigen Schussdaten zu ermitteln sind (die Legislative). In der M.Dv 279 (identisch mit der D.(Luft) 1408): „Richtlinien für den Einsatz von Funkmeßgeräten (Flak) und die Zusammenarbeit mit schweren Flakbatterien und Flakscheinwerfern“ vom November 1941 heißt es dazu in Ziffer 64:

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    Vernichtungsfeuer ist die wirksamste Feuerform und daher immer anzustreben. Der schnelle Übergang von einer Feuerform zu einer anderen muß exerziermäßig geübt werden.

    Leider ist es mir noch nicht gelungen, Bezeichnungen für andere Feuerformen (z.B. das in Deinem Ausriss erwähnte Störfeuer) in den mir zur Verfügung stehenden Quellen zu finden, um meine Ansicht damit besser untermauern zu können.


    In der M.Dv. 700: „Seekriegsanleitung“, Teil III: „Waffentaktik“, Heft c: „Luftverteidigung Küste“ aus dem Jahr 1944 sind die Schießverfahren der (Marine-) Flak näher beschrieben. Dort heißt es, dass das Zielfeuer der Flakartillerie das beobachtete Schießen der Flak gegen Flugzeugverbände und Einzelflugzeuge darstellt. Dabei wird mit abnehmender Genauigkeit das optisch-elektrische, das optische und das elektrische Zielfeuer unterschieden (Vgl. Ziffer 228!). Plan- und Sperrfeuer sind als Reserveverfahren beim Ausfall der optischen (Entfernungsmesser) oder bei gestörten oder ausgefallenen elektrischen Richtmitteln (taktische Radargeräte, wie z.B. das Würzburg-Gerät) beschrieben. Weiter wird das Planfeuer als Schießen unter behelfsmäßiger Beobachtung (z.B. unter Verwendung von Horchgeräten) und das Sperrfeuer als das Schießen ohne Beobachtung anhand von zu erstellenden Sperrfeuertafeln erwähnt (Vgl. Ziffern 174, 207 und 228!).


    Eine noch feinere Unterscheidungsmöglichkeit der einzelnen Schießverfahren bietet der verwendete Gerätsatz im Rahmen der Feuerleitung der Flakartillerie. Hier wird, nach abnehmenden Erfolgsaussichten geordnet, Folgendes genannt (Vgl. Ziffer 249!):

    Weiter heißt es, dass den Verfahren am oberen Ende der List der Vorzug gegenüber den weiter unten genannten zu geben ist und gegebenenfalls von einem Verfahren geringerer Erfolgsaussicht zu einem mit besserer Erfolgsaussicht zu wechseln ist, sobald die Möglichkeit dazu besteht (z.B., dass das Radar der eigenen Batterie durch den Gegner nicht mehr gestört wird).


    Den Begriff des Vernichtungsfeuers habe ich in der zitierten M.Dv. 700 nicht finden können. Allerdings ist hier unter Ziffer 251 ein im Original fett gesetzter Passus zu finden, der mit dem Vernichtungsfeuer in Verbindung stehen könnte:

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    Es besteht folgender grundsätzlicher Befehl für die Bekämpfung von Zielen (Luftziele, Seeziele, Erdziele): „Ziele in wirkungsvoller Reichweite der Batterien sind unter höchstem Munitionseinsatz zu bekämpfen.“

    Imho ist das so zu interpretieren, dass ein „Einschießen“ mit vorsichtigem Munitionseinsatz zur Überprüfung der erstellten Schussunterlagen, das später vom Wirkungs- bzw. Vernichtungsschießen abgelöst wird, nicht sinnvoll ist. Wenn geschossen wird, dann nach gleich dem Motto: „Alles, was drin ist!“, weil sonst die Verweildauer der Ziele im Wirkungsbereich der eigenen Geschütze nicht vollständig zur Bekämpfung der Ziele genutzt würde. (Vgl. dazu auch von Renz: „Deutsche Flugabwehr im 20. Jahrhundert“, Mittler, Frankfurt a.M. 1960, S. 102f! Dort aber auf den Einsatz der 2 cm-Vierlinge bezogen.)

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo zusammen!

    Drei Vergleichsbilder für das Geschütz auf der ersten Aufnahme sind in Werner Müller: "Die leichte und mittlere Flak 1906 - 1945", MTM-Verlag, Bad Soden-Salmünster 1999 auf S. 156 zu finden. Dazu noch eines in Stehr, Werner F.G./Breyer, S.: "Marine-Arsenal - Sonderheft Band 18", Podzun-Pallas, Wölfersheim-Berstadt 1999 auf S. 10.

    Es handelt sich, wie HiWi schon schrieb, um eine 3,7 cm SK. C/30 (bei Stehr/Breyer allerdings falsch als "3,7 cm Flak C 30" bezeichnet). Müller schweigt sich leider über die Lafettenbenennung aus und die bei Stehr/Breyer angeführte "Einzellafette C 30" taucht z.B. in den Verzeichnissen zu den M.Dv., die sich mit den Geschützen der Marine auseinandersetzen, nicht auf. Imho passt am besten die Benennung 3,7 cm SK. C/30 in Einh. L. C/34.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo zusammen!

    Ich muss Thilo widersprechen. Das zweite und das dritte Bild zeigen jeweils eine 2 cm Flak 38. Am Lauf sind die Passfeder, das vordere Ende des Gehäuses, das die Schließfeder enthält, und die Ausführung der Riffelung zu Verbesserung der Handhabungsfähigkeit beim Laufwechsel, die z.B. die das 2 cm M.G. C/30 und die 2 cm Flak 30 in der gezeigten Form nicht hatten, deutlich zu erkennen. Bild 2 zeigt zudem den für die 2 cm Flak 38 typischen Mündungsfeuerdämpfer.

    Von einer definitiven Antwort hat mich bisher abgehalten, dass die Lafette(n) schwierig zu identifizieren ist/sind. Am besten passt von den wenigen Merkmalen her, die deutlich zu sehen sind, die Sockellafette S.L. 30.37, die auch bei der 2 cm Flak 30 Verwendung fand. Da im Kreis der M.Dv. der Kriegsmarine die M.Dv. 170: "Merkbücher für Munition in der Kriegsmarine (Artillerie)" das Heft 1 und bei der M.Dv. 228: "Bedienungsvorschriften der Geschütze an Bord" das Heft XXII im Titel eine 2 cm Flak 38 M II in 2 cm S.L. 30.37 und 2 cm S.L. M 30.43 U genannt wird, scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass es eine der beiden genannten Lafetten sein dürfte. Aber welche von den beiden genannten ist es? (Nur der Vollständigkeit halber: andere, in der Marine "endemisch" vorkommende Einzellafetten für die 2 cm Flak 38 und die 2 cm Flak 30 werden in den Titeln zu M.Dv., die sich mit den Geschütz- und/oder Lafettenbeschreibungen der Geschütze der Marine beschäftigen, nicht genannt.)

    Beim ersten Bild scheint es sich um ein Geschütz mit einem Kaliber von 3,7 cm zu handeln. Aber hier handelt es sich lediglich um eine Vermutung auf sehr unsicherer Basis.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo zusammen!


    Vielleicht ist es an der Zeit, den Mutmaßungen hier im Thread bezüglich des bei t-online veröffentlichten Bildes zum Tod von Friedrich Grade ein paar Fakten beizugeben bzw. Widersprüche in den Aussagen zum Anlass der Überprüfung des Wahrheitsgehaltes der im Laufe der Diskussion getroffenen Annahmen zu machen.


    Eine Bildersuche in den Weiten des Netzes lässt vermuten, dass der Aufnahmezeitpunkt des fraglichen Fotos im Frühjahr 1941 gelegen haben dürfte. Möchte man dieser Quelle vertrauen, war es der 12.04.1941, als das Foto während des Auslaufens von U 96 zu seiner vierten Feinfahrt entstanden ist. Buchheim ist nach Angaben des KTBs von U 96 aber erst am 27.10.1941 an Bord von U 96 eingestiegen. Steht noch die Frage nach der Verlässlichkeit des angegebenen Aufnahmedatums im Raum.


    Der fragliche Mann auf dem Foto, der hier im Thread als Lothar Günther Buchheim identifiziert wurde, ist kein Offizier, sondern ist ein Portepeeunteroffizier (Mützenschirm ohne die nach innen stumpf gezackte Stickerei aus Goldfäden bzw. goldgelbem Celleonfäden; als Rangabzeichen Schulterklappen mit dunkler Grundfarbe statt der „Kolbenringe“ an den Ärmeln bzw. Schulterstücken mit silberner Grundfarbe der Offiziere). Die Sonderführer im Offiziersrang trugen die Uniformen der „normalen“ Offiziere – ergo auch deren Schirmmützen mit dem „Keksrand“ bzw. deren Rangabzeichen, lediglich an den Kragenecken der Jacketts und der Mäntel bei den Offizieren und Portepeeunteroffizieren bzw. auf den Kragenpatten bei den Maaten befanden sich Abzeichen in Form eines unklaren Ankers. Also kann dieser Mann auf dem Foto kein Offizier bzw. auch kein Sonderführer im Offiziersrang und somit auch nicht Lothar Günter Buchheim sein.


    Bleibt noch zu klären, wer als der gekennzeichnete Portepeeunteroffizier auf dem Foto infrage kommen könnte. Der einzige der vier etatmäßigen PUO eines Typ VII C-Bootes, der sich bei Manövern nach Angaben der Rollentafel des Typs VII C auf der Brücke zu befinden hatte, war der Obersteuermann des Bootes. Der Oberbootsmann hatte seine Gefechtsstation auf dem Oberdeck, während die beiden Obermaschinisten sich unter Deck an den Maschinen tummelten. Imho ist das fragliche Besatzungsmitglied als der Obersteuermann von U 96, Abrecht Radermacher anzusprechen. Radermacher war seit der Indienststellung von U 96 bis zum April 1942 an Bord des Bootes. Porträtaufnahmen von Radermacher für einen Vergleich sind z.B. in „Jäger im Weltmeer“ zu finden.


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Hallo Lothar,


    ich hebe mal vorsichtig den Finger, um bei Deinem letzten Posting einige Korrekturen anzumahnen. Die Gangway hast Du richtig bezeichnet, aber beim Fallreep liegst Du leider daneben. Das Fallreep war zwar ursprünglich nicht mehr als ein Seil, um auf ein Schiff zu kommen, wandelte sich aber im Lauf der Zeit hin zu einer recht soliden Installation, die heutigentags einer Treppe entspricht, die zum Betreten eines Schiffes benutzt wird. Die von Dir als Fallreep bezeichneten Einrichtungen sind einfache Lotsenleitern, die wegen ihrer Kürze ohne die sonst üblichen, ca. aller 2 m eingeflochtenen verlängerten Sprossen auskommen, die ein Überschlagen oder Verdrehen an der Bordwand verhindern sollen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Hallo zusammen!


    Es freut mich natürlich, dass meine Überlegungen auf Resonanz stoßen. Allerdings bin ich weit davon entfernt, in Bezug auf Ausrüstung der deutschen Marineflak das letzte Wort sprechen zu können. Es ist mir auch bewusst, dass sich der Großteil meiner oben präsentierten Argumentation momentan auf nur eine Quelle stützt, die durchaus auch Fehler beinhalten kann (so z.B. die seltsame Situation, dass mehrere Gerätekombinationen dort unter demselben Namen präsentiert werden). Ich bin aktuell noch damit beschäftigt, die getroffenen Aussagen zu überprüfen und sie ihrer Gesamtheit in eine für mich möglichst widerspruchsfreie Struktur zu bringen.


    Zu Guidos Nachfrage über das Rechengerät 40M und dessen Verwandtschaft zum Kdo.Ger. 40 der Luftwaffe ein kleiner Auszug aus dem Text von Chazette (dort zu finden auf Seite 10):

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    - Le Rechengerät 40M, fabrique depuis 1942, est une adaption du Kommandogerät 40A (ancien 40), standard de la Luftwaffe livré en 2043 exemplaires. Un grand nombre de Kdo.Ger. 40A est aussi utilisé par la Kriegsmarine (mais sans coupole blindée) par manque de Rechengerät 40M. Les méthodes mathématiques de calculs sont identiques. Le dévelopement du 40A a continué par les modèles 40B (1943) et 40C (1945) plus performants, mais qui ne furent jamiais levrés aux unité de Marineflak. Bien que le grand télémètre de 6 m et le calculateur soient séparés les deux sont couplés pour transmettre les angles et la distance mesurés par moyens mécaniques. L'ensemble, sous coupole en acier, et qui ne nécessite pas de salle de calcul supplémentaire, est monté sur une plate-forme rotative reposant sur la circulaire FL129. Le Kdo.Ger. ou Rechengerät 40M (Zeiss) couplé au télémètre de 6 m est denommé Kommandogerät 41 L par la Kriegsmarine.

    Auf Deutsch:

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    - Das Rechengerät 40M, das seit 1942 hergestellt wird, ist eine Adaption des Kommandogeräts 40A (früher 40), dem Standardgerät der Luftwaffe, von dem 2043 Exemplare ausgeliefert wurden. Eine große Anzahl von Kdo.Ger. 40A wurde auch von der Kriegsmarine verwendet (jedoch ohne gepanzerte Kuppel), als es noch keine Rechengeräte 40M gab. Die mathematischen Berechnungsmethoden sind identisch. Die Entwicklung des 40A wurde mit den leistungsfähigeren Modellen 40B (1943) und 40C (1945) fortgesetzt, die jedoch nie gegen die Marineflak-Einheiten eingesetzt wurden. Obwohl der große 6-m-Entfernungsmesser und der Rechner getrennt sind, sind beide gekoppelt, um die mechanisch gemessenen Winkel und Entfernungen übertragen zu können. Die gesamte Einheit, die sich unter einer Stahlkuppel befindet und keinen zusätzlichen Rechnerraum benötigt, ist auf einer drehbaren Plattform montiert, die auf der Rundschiene eines FL129 gelagert ist. Das Kdo.Ger. oder Rechengerät 40M (Zeiss), das mit dem 6-m-Entfernungsmesser gekoppelt ist, wurde von der Kriegsmarine als Kommandogerät 41L bezeichnet.

    Ob das alles in dieser Form zutreffend ist? Keine Ahnung, es ist noch ohne Bestätigung. Aber nach meinem Dafürhalten kann man zumindest aus den Darlegungen die Hypothese entwickeln, dass es der 6 m-Entfernungsmesser ist, der beim Einbau in eine befestigte Stellung zusammen mit dem Rechengerät 40 M das so bezeichnete Kommandogerät 41L der Marine ergab, das allerdings wiederum nicht mit dem Kommandogerät 41 der Luftwaffe, also der auf die Belange der 8,8 cm Flak 41 ausgelegten Adaption des Kdo.Ger. 40 mit seinem direkt angebauten 4 m-EM verwechselt werden darf. (Beschreibung des Kdo.Ger. 41 der Luftwaffe so in Müller, W.: „Die Geschütze, Ortungs- und Feuerleitgeräte der schweren Flak“, Eggolsheim: Dörfler 2006, S. 170) Das alles steht aber noch auf tönernen Füßen und harrt noch der Evaluation über weitere Quellen.


    Wie gesagt, ich bleibe an dem Thema dran, da die Übersicht, die sich z.B. Thomas von mir wünscht, ohnehin mein Bestreben ist. Allerdings kann für ein belastbares und präsentables Ergebnis noch etwas Zeit ins Land gehen, um weitere Quellen wie z.B. M.Dv., die sich mit Aspekten der Marineflak beschäftigen, aufzutun und diese auszuwerten.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    @Giudo: gibt es eine Möglichkeit, mir die beiden von Dir in Beitrag #7 erwähnten Texte zukommen zu lassen oder wenigstens die genauen Titel zu erfahren?

    Hallo Martin!


    Du hast mit Deiner Frage ein sehr interessantes Thema angerissen, zu dem hier im Forum der Wehrmacht inzwischen ein schon ein paar Beiträge jüngeren Datums existieren (Klick!). Allerdings scheinen die dort getroffenen Aussagen nicht immer ganz zutreffend zu sein bzw. z.T. im Widerspruch zu Aussagen zu stehen, die aus (einer) anderen Quelle(n) gewonnen werden können. Mir ist zu dem Themenbereich eine ausführliche Monographie in französischer Sprache untergekommen, auf die ich Deine Aufmerksamkeit lenken möchte:

    Chazette, Alain et al.: “Marine-Flak-Artillerie” aus dem Jahr 2013


    Auf gut 110 Seiten wird ein ihmo sehr gut bebilderter Abriss der Flak-Installationen der Kriegsmarine an Land gegeben. Dazu gehört auch ein 10-seitiger Abschnitt zu den dort verwendeten Feuerleitgeräten und deren Zusammenwirken. Wie schon angedeutet, gehört zu der Monographie ein reicher Fundus an fotographischen Belegen der getroffenen Aussagen, so dass ich mich erkühnen möchte, für einiges, das in den verlinkten, früheren Beiträgen hier im Forum geschrieben wurde, meine Zweifel anzumelden. Ich versuche einfach mal, eine Quintessenz, dessen, was ich aus den zehn Seiten an Erkenntnissen gewinnen konnte, zu präsentieren.


    Folgende Gerätekombinationen wurden bei fest installierter bzw. verbunkerter Flak der Marine als Feuerleitgeräte zur Anwendung gebracht:

    - EM-6mR(H) + Dreiwag; wurde in dieser Zusammenstellung als Kdo.Ger. bezeichnet,

    - EM-6mR(H) + Kleinkog CV; wurde ebenfalls als Kdo.Ger. bezeichnet; das Hauptmerkmal ist, dass in diesem Falle nur eine telefonische Weitergabe der Schussdaten an die Geschütze möglich war,

    - EM-6mR(H) + Rechengerät 40M; wurde als Kdo.Ger. 41 bzw. Flakleitstand 41 bezeichnet.
    Diese drei Gerätekombinationen wurden als Leitstand I bezeichnet jeweils innerhalb der jeweiligen Batterie angeordnet.


    Dazu gab es weitere Kombinationen, die als von der Batterie räumlich abgesetzter Leitstand II genutzt wurden:

    - EM-6mR(H) + Rechengerät 40M = Kdo.Ger. 41 bzw. Flakleitstand 41,

    - EM-6mR(H) + Flakrechner 41 = Kdo.Ger. 41 bzw. Flakleitstand 41,

    - EM-6mR(H) + Flakrechner 42 = Kdo.Ger. 42 bzw. Flakleitstand 41,

    - Kuppel mit Flakleit 41g (FuMO 201) und EM-6mR(H) als eine Einheit + Flakrechner 41 = Kdo.Ger. 41 bzw. Flakleitstand 41,
    - Kuppel mit Flakleit 41g (FuMO 201) und EM-6mR(H) als eine Einheit + Flakrechner 42 = Kdo.Ger. 42 bzw. wieder Flakleitstand 41 (k.A., warum hier immer die gleichen Bezeichnungen verwendet wurden; ist möglicherweise ein Fehler in der Sekundärquelle)


    Alle genannten Kombinationen konnten ertüchtigt werden, neben den Daten der optischen Entfernungsmesser zusätzlich auch die Messwerte z.B. eines FuSE 62D Würzburg (FuMO 213) zu verarbeiten.


    Ein Nachteil des erwähnten Werkes soll aber auch nicht verschwiegen werden. Für die Autoren der Broschüre beginnt das richtige Interesse erst ab dem Kaliber 10,5 cm. Die Aussagen beziehen sich also hauptsächlich auf Flakstellungen, die mit Geschützen vom Typ 10,5 cm S.K. C/32 und C/33 bzw. 12,8 cm Flak 40M in ortsfester Aufstellung ausgerüstet waren. Die Geräte mobiler Flakeinheiten der Marine finden nur am Rand der Darlegungen eine Erwähnung.


    Jetzt zu meinen Kritikpunkten bzw. Korrekturen bezüglich der bereits getroffenen Aussagen hier im Forum der Wehrmacht:
    Das Dreiwag (Dreiwalzengerät) ist keine marineinterne Bezeichnung für das Kdo.Ger. 36 bzw. Kdo.Ger 40 der Luftwaffe, sondern stellt eine eigenständige Entwicklung der Marine mit einem völlig anderen Aussehen als die Geräte der Luftwaffe dar. Ebenso sind die Flakrechner 40 und 41 nicht mit den Kdo.Ger. 40 bzw. 41 der Luftwaffe identisch. Die Bezeichnungen Kdo.Ger. 41 bzw. Kdo.Ger. 42 der Marine benennen Gerätekombinationen, während die Luftwaffe damit einzelne Geräte kennzeichnet.


    Nun noch ein paar ungesicherte Schlussfolgerungen – sozusagen mein aktueller Wissensstand in Bezug auf das schon erwähnte Randgebiet der mobilen Flakeinheiten der Marine: hier nutzte man wahrscheinlich die gleichen Geräte wie die Luftwaffe wie z.B. das Kdo.Ger. 36 oder das Kdo.Ger.40. Neben diesen genannten Geräten kamen sehr wahrscheinlich auch erbeutete Feuerleitanlagen wie die Kdo.Ger. Lg 4, Lg4a, Lg 5 von Hazemeyer (insbesondere für die 7,5 cm Flak M35(h), das Lg 5 wird aber auch z.B. explizit in der M.Dv. 725,F10: „Merkblatt F10 – Waffenausbildung auf den Marineflakschulen für schwere Flak - Land“ vom November 1944 als Gegenstand im Rahmen der Ausbildung an der 12,8 cm Flak 40M oder der 10,5 cm S.K. C/32 erwähnt) sowie die deutschen Kdo.Ger. 40A, 40M und 41 zum Einsatz. Inwieweit hier nun Bezeichnungen angepasst wurden, um Dopplungen zu vermeiden, kann ich leider nicht sagen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Hallo zusammen!

    Ein Bild als Beispiel für die verwendeten Packgefäße der Munition der 8,8 cm Flaks aus den Weiten des Internets als Konservierung für den Fall, dass irgendwann die gesetzten Links ins Leere laufen, sollte hoffentlich kein Problem darstellen: Quelle des Beispiels.

    Für weitere Beispiele folgende Links:

    Bild 1,

    Bild 2,

    Bild 3,

    Bild 4 und

    Bild 5

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Nachklapp: Um nicht falsch verstanden zu werden: es existieren noch weitere Formen von Packgefäßen (Holzkisten für zwei bzw. drei Granaten, Blechröhren für Einzelpatronen), die man sich z.B. hier anschauen kann, in denen die Munition der 8,8 cm-Flaks transportiert wurde. Als kleine Nebenaufgabe kann man ja mal versuchen, die unterschiedlichen Arten von Verpackungsgefäßen auf den verlinkten Bildern zu lokalisieren.

    Hallo zusammen!

    Ein paar Anmerkungen zum vorstehenden Posting:

    ad 1. Die rot umrandete "Munitionskiste" ist eine der Materialkisten, die auf den Kotflügeln der beiden Sd. Anh. 202 der abgebildeten 8,8 cm Flak 36 zu finden waren. Die Munition der 8,8 cm Flak wurde in geflochtenen Körben geliefert, die jeweils drei Patronen enthielten.

    ad 2. Wie konnte der Schild einer 8,8 cm Flak 18 in Nordafrika von einem Vertreter eines Panzermodells durchlöchert werden, das erst zwei Jahre nach dem britischen Sieg in der Cyrenaica sein Einführungsdatum bei der Truppe hatte?

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo zusammen!

    (...)

    heißt das, Hauptmann W. Bach, später Major, hatte solche italienischen Flak-Geschütze neben der 8,8cm Flak im Bestand seiner Truppe am Halfaya-Pass?

    (...)

    ...nicht unbedingt, schließlich waren auf Seiten der Achse-Truppen auch italienische Verbände (z.B. die 102ª Divisione motorizzata "Trento") in die Abwehr der Operation Battleaxe involviert.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo!

    Zitat aus J. Piekalkiewicz: "Die 8,8 Flak im Erdkampfeinsatz". Motorbuch Verlag spezial, Stuttgart 1999; Seite 18 als nur ein Beispiel von unzähligen weitern Quellen:

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    Die dem I. Flakkorps unterstellten Verbände der Flakartillerie vernichteten im Westfeldzug siebenundzwanzig Panzer, dreißig Bunker und ein Kiegsschiff. Ferner werden zahlreiche Feldstellungen, B-Stellen, MG.-Nester, Batterien und Kolonnen aller Art ausgeschaltet. Sie erzielen an der Kanalküste Treffer auf zwölf Kriegsschiffen, acht Transportern und einem Frachtschiff.

    Glaub' es oder glaub' es halt nicht!

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Marcel!

    Ja genau das ist der. Vielen Dank dafür. So weit bin ich bei Maps nicht gegangen. Kann man jetzt herausfinden wer da stationiert war?

    ...Möglichkeiten gibt es da mit Sicherheit. Welche allerdings das sind, ist die große Schwierigkeit. Meine Empfehlung auf die Schnelle wäre, z.B. das Literaturverzeichnis von Lars Hellwinkels Buch "Der deutsche Kriegsmarinestützpunkt Brest", Verlag Dr. Dieter Winkler, Bochum 2010, diesbezüglich zu durchforsten, um erst einmal ein Gespür zu bekommen, in welchen Archiven man nach welchen Unterlagen suchen könnte. Evtl. wäre auch eine Anfrage bei der WAST erfolgversprechend.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Marcel,

    der Leuchtturm ist der Phare du Petit Minou am Nordufer des seeseitigen Endes des Goulet de Brest. (Guckst Du z.B. hier!) Allerdings scheint Deine Aufnahme entstanden zu sein, bevor man diesen Leuchtturm durch zusätzliche Gebäude in das Befestigungssystem des Atlantikwalls einbezogen hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo zusammen!

    Guten Abend,

    ich kann mir ebenfalls vorstellen, dass die Großkampfschiffe sich mit ihrer eigenen Flakbewaffnung sicher auch ohne die Unterstützung der Hafenschutzflottillen recht gut gegen direkte Angriffe aus der Luft verteidigen konnten.

    (...)

    ...so eine Aussage erinnert mich irgendwie an den prophetischen Spruch von Dönitz über Maulwürfe und Krähen oder auch an ein paar Namen von Großkampfschiffen:

    USS UTAH (BB-31)
    USS OKLAHOMA (BB-37)
    USS ARIZONA (BB-39)
    USS CALIFORNIA (BB-44)
    USS WEST VIRGINIA (BB-48)
    HMS PRINCE OF WALES
    HMS REPULSE
    ROMA
    HARUNA
    HIEI
    HYUGA
    ISE
    MUSASHI
    YAMATO
    STRASBOURG
    KILKIS
    LEMNOS
    PETROPAWLOWSK
    TIRPITZ

    (Herauszufinden, welche große Gemeinsamkeit all diese Schiffe haben, überlasse ich als kleine Fingerübung dem geneigten Leser.) :/

    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch