Posts by Schorsch

    Hallo Philip,


    hier noch einige nachgeschobene Erläuterungen und Klarstellungen:

    Quote

    (…)

    Ich bin mir nur nicht sicher ob man wirklich die 7 Mann Komplett von der Besatzung abziehen kann wenn ab 43/44 die Geschütze abgebaut wurden.

    (…)

    Ich habe die sieben Leute nicht abgezogen, sondern ausdrücken wollen, dass z.B. die Planstellen der zuvor zur Bedienung der 10,5 cm S.K. C/32 notwendigen Leute nun zur Besetzung der 3,7 cm Flak M42 in Dopp.LM42 zur Verfügung stehen würden.


    Quote

    (…)

    Auf U Booten hatte ja fast jeder mehr als nur eine Aufgabe daher kann man sicher nicht die gesmatne 7 Mann weg lassen da ein teil sicher auh für Seemännische Aufgaben gebraucht wurden.

    (…)

    Die Mitglieder der Besatzung hatten verschiedene Einsatzszenarien, während derer jeder wissen musste, wo er seinen Platz hatte. Das sind die sogenannten Rollen als da wären: Manöver, Boje/Mann über Bord; Klarmachen zum Tauchen, Friedenstauchstation, See-/Kriegswache, UW-Gefechtsstation, Artillerie-Gefechtsstation. Das wurde bis zum Erbrechen geübt (der an Bord allseits beliebte Rollenschwoof). Bis auf die Seewachen, waren das alles All-Hands-Manöver, in denen stets die gesamte Besatzung eingesetzt wurde. Das heißt, dass z.B. beim Übergang von der Rolle Seewache zur Rolle Manöver (= Anlegen im Stützpunkt) auch die Freiwächter aus den Kojen gepurrt wurden, selbst wenn sie sich nach vielleicht vier Stunden Seewache vor einer halben Stunde gerade schlafen gelegt hatten. Da waren alle im Einsatz. Und wenn nun für die Besetzung aller Aufgaben, für den Aufzug auf die Artillerie-Gefechtsstationen durch mehr Rohre an Bord mehr Leute benötigt werden, müssen für diesen Zweck auch mehr Männer an Bord, egal, ob sie in anderen Rollen vielleicht „überflüssig“ sind.


    Quote

    (…)

    Sicher wurden bei der hohen Anzahl an Flak Geschützen auch noch zusätzliches Personal benötigt welche die Munition aus der Zentrale auf die Brücke und zu den Geschützen weiter reicht.

    (…)

    Für das Munitionsmannen waren in der Rollentafel des Typs VII C während der Rolle Artillerie-Gefechtsstation ca. 13 Mann der technischen Division des Bootes vorgesehen. Da insbesondere das Transportieren der Patronen der 8,8 cm S.K. C/35 (jede ca. 13,5 kg schwer) oder der 10,5 cm S.K. C/32 (ca. 24,5 kg) auf den Typ IX-Booten im Inneren der Boote nicht ganz einfach ist, waren dafür imho so viele Leute notwendig. Wechselt nun die Anforderung wegen der veränderten Artilleriebestückung der Boote in der späteren Kriegszeit vom vorsichtigen Transport relativ schwerer, großer und empfindlicher Patronen hin zum steten Nachfüllen von 2 cm Magazinen (10,5 kg) und 3,7 cm Ladestreifen mit fünf Patronen (ca. 4 kg) und deren Transport, sollte sich der Personalbedarf diesbezüglich nicht signifikant geändert haben.


    Da Bilder bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, hier noch ein Link zu einem passenden Videoschnipsel (ab Filmzeit 07:39 min), der das Geschriebene in Bezug auf das Mannen der Munition untermauern soll. Drehort des Filmes war U 43, ein Boot des Typs IX A.


    Quote

    (…)

    Aber auch die neuen Möglichkeiten in der Radar oder wie sie damals ja genannt wurden Funkmesstechnik sorgten sicher für einen erhöhten Bedarf an Personal. Ich weiß zum Beispiel das es bei U Booten der US Navy auch so war. Auf den amerikansichen Flottenbooten stieg die Bestzung im Laufe des Krieges von 60 auf 80 Mann.


    Ich weiß nicht wie es bei den anderen Nationen war aber ich bin mir sicher es war ähnlich.

    (…)

    Genau das hatte ich mit meinen Zeilen: „…oder zur Vermeidung von Überlastungen im Funk-/Horchabschnitt durch neu hinzugekommene Geräte wie FuMB oder FuMO.“ schon ausdrücken wollen. War vielleicht etwas missverständlich formuliert…


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Philip,


    zu Deinen Fragen habe ich einige Anmerkungen. Vielleicht ist ja etwas dabei, das Dir helfen kann.

    Für die Verwaltung und Ausgabe der Handwaffen an Bord war die seemännische Nummer Zwei, d.h. einer der beiden Bootsmannsmaate, zuständig.


    Quote

    (…)

    Ich frage mich auch wer wohl das Deck Geschütz bedient hat? Und ob es dafür ein Extra Besatzung Mitglied gab und ob der aus der Artillerie Mechaniker Laufbahn stammte.

    (…)

    Die Artilleriemechaniker (Laufbahn VII A) der Kriegsmarine hatten nichts mit der Bedienung der Geschütze zu tun. Ihre Aufgaben waren die Reparatur und Instandhaltung der Geschütze an Bord und an Land. Auf einem derartig kleinen Fahrzeug wie einem U-Boot gehörten Artilleriemechaniker planmäßig nicht zur Besatzung. Die Bedienung der Geschütze war eine Obliegenheit der Angehörigen der Laufbahn I.


    Bei den verschiedenen Subtypen des Typs VII waren laut Rollentafel an den Geschützen eingesetzt:
    an der 8,8 cm S.K. C/35: als Geschützführer (GF) der Oberbootsmann, ein Bootsmannsmaat und weitere 5 Mitglieder des seemännischen Teils der Besatzung,
    am 2 cm MG C/30: als GF ein Bootsmannsmaat und 2 weitere Mitglieder des seemännischen Teils der Besatzung


    Anhand verschiedener Abbildungen der nachgenannten Geschütze sind folgende Stärken der jeweiligen Bedienungen abzuleiten:
    an einer 10,5 cm S.K. C/32: etwa 6 Mann + 1 GF,
    an einer 3,7 cm S.K. C/39: etwa 4 Mann + 1 GF,
    an 2 cm-Zwillingen: mind. 4 Mann + 1 GF,
    an 2 cm-Vierlingen: mind. 5 Mann + 1 GF,
    an der 3,7 cm Flak M42: mind. 4 Mann + 1 GF
    an der 3,7 cm Flak M42 als Zwilling: mind. 5 Mann + 1 GF


    Quote


    (…)
    Ich habe mal gehört das in der zweiten Kriegshälfte zumindest bei größeren Booten wie Typ IX und Typ X auch gelegentlich ein Arzt für eine Feindfahrt an Bord war is das Korrekt?

    (…)

    Einen Einfluss, ob ein Sanitätsoffizier an Bord eines U-Bootes abkommandiert wurde, hatte z.B. die beabsichtigte Länge der Unternehmung. So waren auf den Monsun-Booten – als Bsp. sei hier U 852 genannt, dessen Bordarzt MOStA Dr.med. Weispfennig nach dem Krieg wegen seiner Beteiligung am PELEUS-Zwischenfall als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde – Sanitätsoffiziere Teil der Besatzung. Andere Ärzte nutzten die Gelegenheit, Daten zum Gesundheitszustand der Besatzungen zu erheben (so z.B. U 154 mit StA(Heer) d.R. Dr.med. Nothdurft als Arzt an Bord, der später im Fall Kusch allerdings keine besonders rühmliche Rolle spielte. Vgl. dazu u.a. H. Walle: „Die Tragödie des Oberleutnants zur See Oskar Kusch“, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 1995!) oder auch besonders gefährliche Missionen mit erhöhten Verletzungsrisiko der Besatzungen führten dazu, dass sich Sanitätsoffiziere während der Unternehmungen an Bord befanden. Diesbezüglich sei U 441 bzw. U Flak 1 als Beispiel genannt, das auf seiner zweiten Feindfahrt als Flakfalle vom Bordarzt MStA Dr.med. Pfaffinger in den Stützpunkt nach Brest zurückgebracht werden musste, nachdem die gesamte Bootsführung am 12. Juli 1943 bei einem Luftangriff durch Verwundung ausgefallen war. Insoweit trug hier Dönitz‘ Anweisung vom 23. Mai 1943, jedem zweiten Frontboot einen Sanitätsoffizier zuzuweisen, einige kleine Früchte. (Vgl. dazu auch T.P. Mulligan: „Die Männer der deutschen U-Bootwaffe 1939-1945“, Motorbuchverlag Stuttgart, 2001, S. 103f!)


    Eine ausführliche Darstellung mit namentlicher Nennung der Bordärzte auf den U-Booten des Zweiten Weltkriegs ist in der Anlage 4: „Alphabetische Liste der 1939-1945 auf deutschen U-Booten eingesetzten Sanitätsoffiziere“, S. 231 bis 236 und in der Anlage 5: „Zeitweise mit einem Sanitätsoffizier besetzte Unterseeboote“, S. 236 bis 245 in Nöldeke/Hartmann: „Der Sanitätsdienst in der deutschen U-Boot-Waffe“, Mittler, 1996 zu finden.


    Quote

    (…)

    Was ich hingegen weiß ist das Typ XIV Boote (Milchkühe) immer einen Arzt an Bord hatten und auch Ersatz Besatzungsmitglieder um evtl. Besatzungsmitglieder von Frontbooten die Erkrankt oder verletzt waren austauschen zu können.

    (…)

    Nöldeke/Hartmann halten für die zehn Boote vom Typ XIV, die zum Einsatz gekommen sind, tatsächlich Namen vor:

    U 459 mit 6 Fahrten und 2 Ärzten,

    U 460 mit 6 Fahrten und 4 Ärzten,

    U 461 mit 6 Fahrten und 2 Ärzten,

    U 462 mit 5 Fahrten und 2 Ärzten,

    U 463 mit 5 Fahrten und 2 Ärzten,

    U 464 mit 1 Fahrt und 1 Arzt,

    U 487 mit 2 Fahrten und 1 Arzt,

    U 488 mit 3 Fahrten und 1 Arzt,

    U 489 mit 1 Fahrt und 1 Arzt,

    U 490 mit 1 Fahrt und 2 Ärzten


    Ob nun tatsächlich bei jeder einzelnen Fahrt ein Sanitätsoffizier an Bord befindlich war, ist damit natürlich noch nicht 100%-ig gezeigt, aber die Wahrscheinlichkeit dafür mutet sehr hoch an.


    Quote

    (…)

    Ansonsten ist ja hinlänglich bekannt das die Besatzungsgröße zum Kriegsende hin von 44 auf bis zu 57 Mann anstieg.


    Ich vermute das die meisten dieser 57 Mann Mannschaftsdienstgrade waren welche vor allem als Bedienmannschaften für die Flak dienten.
    (…)

    Die Angaben stammen mit ziemlicher Sicherheit ursprünglich aus Köhl/Niestlé: „VZOM: Uboottyp IX C“, Bernard & Graefe, 1990 und sind somit eigentlich falsch zugeordnet. Ja, Wikipedia ist keine gute Quelle.


    Quote

    (…)

    Typ IXC/40 und Typ IXD2 hatten aber bis zu 60 Mann Besatzung.

    Und daher Frage ich mich wer die Extra Besatzungsmitglieder sind. Auch nur Bedienmannschaften für die Flak im Mannschaftsdienstgrad?


    Und ist diese Annahme das dass es sich um Mannschaften handelt welche als zusätzliche Bedienmannschaften für die steigende Anzahl an Flak Geschützen an Bord genommen wurden überhaupt Korrekt?
    (…)

    Als Quellen für diese Zahlen könnten die beiden Hefte der Serie „Vom Original zum Modell“ des Autorenduos Köhl/Niestlé dienen, die sich mit den U-Boottypen VII C und IX C beschäftigen. So heißt es z.B. in „VOZM: Uboottyp IX C“ auf S. 8, dass zur Besatzung ursprünglich 48 Mann gehörten, woraus ab 1943/44 wegen zusätzlicher Flakbedienungen bis zu 60 Mann wurden und in „VOZM: Uboottyp VII C“ auf S. 7, dass die zunächst 38 Mann, ab 1940 um eine zusätzliche Flakbedienung (1 Maat + 5 Mann) verstärkt wurde und ab 1944 auf bis zu 57 Mann steigen konnte.


    Während bei den Booten des Typs VII C ein Teil des Mehraufwandes an Besatzungsmitgliedern mit der steigenden Anzahl der Rohre der Artillerie an Bord durchaus erklärt werden kann, zeigt allerdings das Rechenbeispiel U 889 (Typ IX C/40) mit 3,7 cm Flak M42 in Dopp. LM 42U (6 Mann) und zwei 2 cm Flak 38 II (je 5 Mann) abzüglich der sieben Mann der nun nicht mehr vorhandenen 10,5 cm S.K. C/32, der 5 Mann der 3,7 cm S.K. C/39 und der drei Mann des 2 cm MG C/30, dass es rein rechnerisch aufgrund der Veränderung der Fla-Bewaffnung nur einen Mann Mehrbedarf im Vergleich zu den Booten der Anfangszeit des Krieges gab. Es muss also noch andere Notwendigkeiten gegeben haben, die Besatzungen zu verstärken. Imho kommen da die schon erwähnten Sanitätsoffiziere infrage, Ersatzmänner für zu erwartende Ausfälle z.B. bei den Flak-Bedienungen oder zur Vermeidung von Überlastungen im Funk-/Horchabschnitt durch neu hinzugekommene Geräte wie FuMB oder FuMO. Eventuell haben aber auch temporäre Besatzungsangehörige wie PKs oder Spezialisten, die z.B. in andere Stützpunkte überführt werden sollten, Aufnahme in die Zahl der Leute an Bord gefunden.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Gert!


    Leider habe ich die gewünschten Informationen nicht direkt parat, aber vielleicht ein paar Möglichkeiten, weitere Informationen zu erhaschen. Zum einen erscheint hier eine qualitativ hochwertige Reihe von Büchern zu den Kriegsereignissen in der Ostsee, deren siebenter Band für das Jahr 1944 sicher bald veröffentlicht wird. In den bisherigen Bänden waren Schiffsverlustlisten, wie Du sie augenscheinlich suchst, jeweils im Anhang zu finden. (Eine Übersicht zu den geplanten Bänden und deren Inhalten ist auf der jeweiligen Rückseite eines jeden Bandes zu finden.)


    Zum anderen könntest Du versuchen, Deine Frage auch noch hier zu stellen. Die dortigen Marine-Experten für den Ostseeraum sind sicher bereit, Dir zu helfen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Joerg,


    Dein letzter Post lässt mich zugegebenermaßen etwas ratlos zurück: einerseits postulierst Du die Existenz eines Versuchsexemplars eines 2 cm-Flakvierling, das die Eigenschaften der verschiedensten Versionen in sich vereinigt, andererseits fällt Dir nicht auf, dass die auf der Navweps-Seite verwendeten Bezeichnungen zum einen nicht existiert haben bzw. - so es sie doch gab - falsch zugeordnet sind. Einerseits sprichst Du Dir die Fähigkeit ab, Deine Quellen angeben zu können, tust im nächsten Moment aber genau das Gegenteil.


    Mit der Bemerkung

    Quote

    (…)

    Der SX- Vierling entspricht von der Lafette her in diesem Punkt -wenn auch nicht ganz- dem Heeres Flakvierling L/38 auf der Seite von Navweaps.

    (…)

    kann ich so gar nichts anfangen. Meinst Du auf der Abbildung tatsächlich eine Art Unterlafette zu erkennen, die man aufs Deck gestellt hätte? Warum sollte man aber derartiges tun? Abgesehen davon, dass man ein solches Geschütz auf jeden Fall sicher festlaschen müsste, um eine Bewegung des Geschützes infolge des schwankenden Decks durch den Seegang oder einer Krängung des Schiffes sicher zu verhindern, wären auch die hervorstehenden „Beine“ der Unterlafette und deren Befestigungen am Deck eine permanente Unfallgefahr für die Bedienung. Dann doch lieber gleich eine ordentliche Mittelpivotlafette installieren, die diese Nachteile nicht hat. Wofür bräuchte es aber dann noch das erkennbare „Bein“?


    Übrigens: wegen der Darstellung mit dem Maßstabsmännchen: Klick!


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Karl,


    dass bei zwei unterschiedlichen Projektionsarten wie der Orthogonalprojektion in der technischen Zeichnung und der Zentralprojektion der Fotographie Abweichungen auftreten müssen, wenn man die Bilder übereinanderlegt und sich die abgebildeten Gegenstände nicht 100%-ig in der gleichen Projektionsebene befinden, ist doch nicht diskutabel. Es soll ja auch nur eine grobe Orientierung gewonnen werden, was wo auf den Fotos zu finden sein könnte. Wenn Du bessere Abbildungen hast, dann ruhig her damit. Ansonsten sind wir auf das angewiesen, was man Neudeutsch als „educated guess“ bezeichnen würde und sind gezwungen, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen.


    Bezüglich Deiner zweiten Bemerkung ist zu sagen, dass die Hauptachse des Ursprungsfotos vom Aufbauten-/Offizierswohndeck zur Backbord-Brückennock verläuft, und damit leicht nach oben weist. Das hat zum einen zur Folge, dass nicht alle Details der Waffe auf dem Foto mit der Zeichnung in Deckung kommen können (Stichwort Projektionsebenen), zum anderen aber auch der Ausleger mit den Abfeuerungspedalen den Decksvorsprung nur zu berühren und darauf zu liegen scheint. Realiter tut er das imho aber nicht. Wozu Räder an der Lafette gut sein sollen, erschließt sich mir leider nicht.


    Vielleicht helfen folgende Abbildungen, diesmal beide - da jeweils Fotographien - als Zentralprojektion, das oben Geschriebene besser zu verstehen. Die Kameras, mit denen die beiden Aufnahmen entstanden sind, haben offensichtlich unterschiedliche Brennweiten. Aber nun ist gut zu erkennen, wie sich die Abbildung der Aufhängung der Abfeuerungspedale verändert hat. Auch scheint der Kasten mit den Handrädern der Richtantriebe auf dem Werksfoto weiter rechts und weiter unten zu liegen als der auf dem Foto der SCHLESWIG-HOLSTEIN. Nur das tun die beiden Mündungsfeuerdämpfer auf der rechten Waffenseite des Werksfotos auch. Leider kann ich an der Aufnahmeposition bzw. den Projektionsebenen nichts drehen, da mein Fotoprogramm derlei nicht im Funktionsumfang hat.


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Files

    Hallo Joerg,


    bei solchen Recherchen, wie Du sie angestoßen hast, ist es vielleicht angeraten, im Forum auch mitzuteilen, aus welchen Quellen Du Dein bisheriges Wissen bezogen hast. Das erspart einerseits eventuelle Dopplungen á la: "Danke, aber das wusste ich bereits!" und ermöglicht andererseits den Antwortwilligen die Einschätzung, ob nur Details abgeklärt werden sollen, oder ob Grundsätzliches zur Debatte steht, das dann u.U. auch etwas umfänglichere Antworten nach sich zöge, wenn zunächst erst noch einige basics zu erläutern sind. So wäre es z.B. in Bezug auf Deine letzte Bitte an Thomas durchaus interessant, welche Fotos oder Zeichnungen Du von dem fraglichen 2 cm-Vierling Du schon kennst und woher sie stammen.


    Nun zu Deiner eigentlichen Frage: ja, es gibt in dem erwähnten Sonderheft Band 18 des Marine-Arsenal zwei doch sehr detaillierte Aufnahmen und eine etwas gröbere Zwei-Seiten-Skizze der fraglichen Waffe. Weitere aussagefähige Aufnahmen (ca. 13, nebst mehreren perspektivisch angelegten 3D-Computerdarstellungen) sind in dem schon erwähnten Buch von Miroslaw Skwiot zu finden.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch


    Nachklapp: ich habe mal etwas herumgespielt und ein paar Bilder miteinander kombiniert.

    Hallo Karl,


    herzlichen Dank für die Scans, aber leider sind diese Abbildungen für die Bestätigung der von Thilo getroffenen Aussage nicht geeignet, da sie sich auf die 2 cm Flak 30 beziehen. Dass es bei dieser Waffe Mündungsbremsen gegeben hat, die auch mit unterschiedlichen Innendurchmessern daherkamen, ist unstrittig.


    Anders sieht es bei der 2 cm Flak 38 aus. Deren Mündungsfeuerdämpfer, dessen Zeichnung ich unten als Ausschnitt aus der M.Dv. 931/1 bzw. L.Dv. 665/1 angehängt habe, lässt die für die Funktion der Mündungsbremse erforderlichen Prallflächen vermissen. Diese Prallflächen (in Karls Scans als Abschrägungen bezeichnet) sind aber unbedingt notwendig, um die Ausbreitungsrichtung eines großen Teiles der Verbrennungsgase unmittelbar nach dem Austritt aus dem Lauf umzugekehren und durch diesen so erzeugten Impuls die Rückstoßkräfte auf die Waffe zu verringern.


    Karl, wäre es möglich, die fragliche Passage aus dem Waffen-Arsenal, Band 142 als Scan auch noch einzustellen? Ich danke Dir schon einmal im Voraus.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch


    Nachklapp: Hoffentlich kann uns Leonberger nachsehen, dass der Thread sich momentan in eine etwas andere Richtung als die Threadüberschrift verheißt, entwickelt.

    Files

    • Flak_38.jpg

      (210.44 kB, downloaded 30 times, last: )

    Hallo Karl,


    danke für Deine Hilfsbereitschaft. Es geht darum, ob nur die 2 cm Flak 30 oder auch die 2 cm Flak 38 mit Mündungsbremsen unterschiedlichen Innendurchmessers ausgerüstet waren. Thilo meint, derartiges für die 38-er Flak gefunden zu haben, ich wiederum bezweifle das. Eventuelle Seitenzahlen für den Band des Waffen-Arsenals kann ich Dir allerdings nicht nennen, aber es ist ja nur ein schmales Heftchen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Thilo,


    die Primärquellen sagen aber etwas anderes. Übrigens auch das Buch von Werner Müller: "Die leichte und mittlere Flak 1906 - 1945", MTM-Verlag, 1999 auf Seite 27 im Abschnitt, der sich mit der 2 cm Flak 30 beschäftigt, und zwar in fast wörtlicher Übereinstimmung mit dem, was Du oben geschrieben hast. Aber eben in Bezug auf eine Mündungsbremse und wieder nichts entsprechendes bei der 2 cm Flak 38.


    Leider liegt mir der Band 142 des Waffen-Arsenal nicht zum direkten Vergleich vor.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Thilo,

    (...)

    Gut eingeschossene Waffen bekamen einen 35mm Rückstoßverstärker, bei neuen Waffen, Regen, Kälte oder besonders gekennzeichneter Munition kam ein 41mm Rückstoßverstärker zum Einsatz.

    (...)

    ich kenne eine derartige Passage nur für die 2 cm Flak 30. In der mir vorliegenden Kopie der Beschreibung zur 2 cm Flak 38 habe ich keine derartige Aussagen finden können. Vielleicht könntest Du die Quelle Deiner Aussagen konkretisieren.


    Zudem wird z.B. im Anhang 5 in der L.Dv. 440/1: "2 cm Flak 30-Waffe - Beschreibung, Wirkungsweise und Behandeln" vom November 1937 das fragliche Teil als Mündungsbremse bezeichnet, deren Wirkung bei 35 mm Innenbohrung eine stärkere Schonung der Waffe bedeutet hätte als der Einsatz einer Mündungsbremse mit 41 mm Innendurchmesser. Das ist imho eigentlich genau die gegenteilige Wirkung dessen, was man laut Bezeichnung von einem Rückstoßverstärker erwarten müsste.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Lothar,

    (...)

    Kann ich davon ausgehen, das es kein Vierlingsflak 2 cm C/30 zum Zeitpunkt gab und erst die 2 cm C/38 als Vierlingsflak existierte.

    (...)

    ich will es mal so sagen: ich kenne keine Aufnahme(n), die 2 cm MG C/30- oder 2 cm Flak 30-Waffen in einer Lafettierung als Vierlinge zusammengefasst zeigt/zeigen. Dabei nehme ich für mich allerdings auch nicht in Anspruch, dass ich schon alle Fotos, die über diese Waffen existieren, gesehen hätte. Ich weiß leider auch nicht, ob die Schildzapfenbohrungen und Haltebolzen der 30-er und 38-er-Gehäuse so gelegen sind, dass sie einen Ausstausch gestatten würden oder auch nicht. Sorry, dass ich nicht konkreter werden kann.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo Lothar,


    im Anhang findest Du das Frontispiz der M.Dv. 931/1 „2 cm Flak 38 – Teil 1 – 2 cm Flak 38-Waffe – Beschreibung, Wirkungsweise und Behandeln“ (die gleichzeitig die L.Dv. 665/1 darstellt) in der Ausgabe vom Februar 1940. Die davor gültige vorläufige Dienstvorschrift zur Bedienung der 2 cm Flak 38 trat am 01.06.1939 in Kraft, so dass die Einführung der 2 cm Flak 38 durchaus früher als zu dem von Dir genannten Zeitpunkt 1940 auch bei der Marine angesetzt werden kann.


    Insbesondere bei dem oben von mir erwähnten Bild der Westerplatte ist - wenn schon nicht die Lafette - so doch wenigstens die typische trichterförmige Gestalt des Mündungsfeuerdämpfers der 2 cm Flak 38 deutlich zu erkennen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Hallo Leonberger,


    Miroslaw Skwiot zeigt in seinem Buch "German Naval Guns 1939-1945", Seaforth Publishing, 2011 auf Seite 382 neben der von Dir bereits angeführten Aufnahme ein weiteres, allerdings ziemlich kleines Foto der brennenden Westerplatte, aufgenommen mit den vier Läufen des fraglichen 2 cm-Vierlings im Vordergrund. Leider ist die Lafette selbst nicht zu erkennen. Die Bildunterschrift spricht allerdings von einem "quadruple 2 cm MG C/35 gun in C/38 mount designed by Mauser". Bei allem Misstrauen den Bildunterschriften gegenüber scheint mir das plausibel zu sein, da die ersten 2 cm Vierlinge in zweiachsiger Ausführung erst ab Mai 1940 dem Heer zuliefen und die erste Lafettenbeschreibung des Vierlings der Luftwaffe (D.(Luft)T.1001) auf den Dezember 1940 datiert (Quelle: Fleischer, W.: "Die 2 cm Flugzeugabwehrkanonen 30 und 38, Waffen-Arsenal Sonderband S-68", Podzun-Pallas, 2002, S. 17 und 23). Zuvor hatte allerdings schon die Marine ihre dreiachsige Variante am Start, die ich somit auch auf der SCHLESWIG-HOLSTEIN am 01.09.1939 vermuten würde.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Hallo AG_Wittmann,


    mir ist noch nicht ganz klar, was Du konkret wissen möchtest. Geht es Dir um den eigentlichen Ladevorgang bei den großkalibrigen deutschen Seezielgeschützen oder um die Abwägung der Vor- und Nachteile von Messingkartuschen im Vergleich zu Beutelkartuschen oder vielleicht die zeitliche Entwicklung des Einsatzes von Metallkartuschen in den verschiedenen Marinen weltweit? Was ist unter der von Dir erwähnten „kleine Messinghülse/pfanne“ zu verstehen?


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Hallo Thilo,

    (...)

    Anders sieht es bei kurzen Feuerpausen aus, hier erfüllt der anschmelzende Lack eine gewisse Schmierfunktion, ohne die es sonst zu Hülsenreißern beim Ausziehen kommen würde

    (...)

    ...sowohl MG 34 als auch MG 42 (um nur die wichtigsten deutschen MGs zu nennen) waren zuschießende Waffen. Da ist nix mit Schmieren in der Feuerpause, weil die Patrone erst im Moment des Schusses durch den nach vorn schnellenden Verschluss ins Patronenlager geschoben werden.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch