Posts by MartinBerlin

    Hallo zusammen,

    da es vielleicht auch für andere von Interesse ist, auch weil es die Sicherheitspolizei sowie einen nicht amtlich veröffentlichten Runderlaß speziell für die Ordnungspolizei umfaßt, hier der Forschungsstand von mir.

    Nach dem (später bundesdeutsch bekannten) Dr. Globke aus dem damaligen RMI war es 1938 „erwünscht, daß in Zukunft die Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes auch deutsche Familiennamen führen.“ Bzw. war Dr. Globke 1938 „damit einverstanden, den Einbürgerungsbewerbern mit ausländischen Familiennamenvor Abschluß des Einbürgerungsverfahrens nahezulegen, daß sie einen Antrag auf Änderung ihres ausländischenFamiliennamens in einen deutschen stellen“.

    1939 bezeichnete der Regierungs=Präsident von Magdeburg dieses Vorgehen selbst als „Drängen auf Namensänderung“. Dazu kam fördernd eine Gebührenfreiheit. Beide Anträge (Einbürgerung und Namensänderung) sollten in einem Zug bearbeitet werden und daher eben auch in einem Zugvon den Antragstellern erfolgen.

    Sehr überraschend war, daß bereits im Oktober 1939 die Bearbeitung aller Namensänderungsanträge kriegsbedingt bis auf weiteres eingestellt wurde; bzw. eigentlich eingestellt sein sollte.

    Denn - und hier wird es interessant - es gab tatsächlich Ausnahmen, die im Zeitverlauf sogar anwuchsen. So begehrte Heydrich 1940 eine Ausnahme für Angehörigen der Sicherheitspolizei und des SD mit polnischen (und tschechischen) Familiennamen beim RMI. Der zuständige Referent im RMI war nicht bereit, wie ein Antwortentwurf zeigt. StS Dr. Stuckart im RMI erklärte es jedoch für geboten und erteilte die gewünschte Ausnahme an Heydrich. Mag es von Bedeutung sein, daß Heydrich über Himmler dem RMI zugeordnet war.

    Der Polizeipräsident in Berlin fragte 1940 daraufhin gleichsam eine Ausnahme an, die offenbar ebenfalls gewährt wurde. 1941 zeigte sich in anderem Zusammenhang, daß gegen die Bearbeitung von Verdeutschungsanträgen der Angehörigen der Ordnungspolizei (Schutzpolizei) auf Verdeutschung ihrer polnisch klingenden Familiennamen keine Bedenken im RMI bestehen. Weitere Ausnahmen gab es für die eroberten Ost- und Westgebiete, in denen das Namensrecht teilweise formal gar nicht eingeführt war.

    Dabei wurden solche Ausnahmen in Runderlassen geregelt, die amtlich im RMBliV abgedruckt wurden. Eine Ausnahme war zu erkennen: Ein entsprechender Runderlaß für die Polizeibeamten reichsweit der Ordnungspolizei von Daluege wurde nicht veröffentlicht. Er ist beim Bundesarchiv nicht mehr erhalten, weil die Akten der Ordnungspolizei heute kriegsbedingt großteilig verlustig sind. Allerdings gab es eine Abschrift in einem Stadtarchiv. Ich hänge den Wortlaut an.

    Und daß bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst klar mit Druck gearbeitet wurde, mal mehr und mal weniger, zeiget sich deutlich.

    Weiterhin zeigt sich, wie vereinzelt gegen diesen Druck aufbegehrt wurde – durch Betroffene selbst oder Verwaltungsbeamte, die es umsetzen sollten.

    Im März 1942 wurde die Sperre für die Bearbeitung von Namensänderungen nochmals kriegsbedingt verschärft. Dennoch sind danach weiter Ausnahmen bspw. für Ordnungspolizisten zu finden. Wiederum will der Referent erst nicht und dann kommt StS Dr. Stuckart und ermöglicht es doch.

    Erst ab 1944 scheint es dann eine echte Sperre gegeben zu haben. Da wurden die ganzen angewachsenen Ausnahmen gestrichen.

    Rückfragen gerne.

    Hallo lieber Roland,

    Stasi-Unterlagen ließen sich keine finden. Ebenfalls nichts im BArch MA. Auch vom russischen Geheimdienst war nichts im Archiv zu finden; womöglich weil der Name zu schwer zu übersetzen war damals.

    Gefunden wurden noch drei Informationen in der Sammelakte zur Heirat. Bereits 1938 trat mein Opa aus der Kirche aus. Und zum Zeitpunkt der Heirat in 1939 war er nicht bei der SS, sondern "nur" Polizeibeamter. Zwar hat das Aufgebot damals nur seine Verlobte bestellt und unterschrieben, er sei nicht in der SS. Er war damals ja in Jung-Bunzlau in Böhmen im Einsatz (Umschrift Dienstsiegel: Polizeipräsident in Berlin Auswärtige Verwendung Abteilung W.). Allerdings hätte er als SS-Angehöriger eine Heiratsgenehmigung haben müssen. Tatsächlich ging es damals um eine Bescheinigung der Schutzpolizei, daß er von einer Heiratserlaubnis als Polizeibeamter befreit wurde.

    Im Ergebnis gehe ich anhand der Gebührnis-Karte nunmehr zumindest davon aus, daß er erst per 01.04.1943 der SS beitrat.

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo Elisa,

    gibt es eigentllich zu der Großmutter Lidia Ivanovna Kuzmenko weitere Angaben? Geburtsdatum? Geburtsort? Verheiratet? Geschieden? Verwitwet?

    Es gibt da 1-2 interessante Treffer bei bei Anncestry mit Bezug auf Geburt in Ukraine, Flüchtling in Deutschland (München, Bremerhaven), ggf. Weiterreise (in die USA), Einbürgerung Amerika.

    Außerdem auch folgenden möglichen Treffer in der Sammlung Odessa, Ukraine, Holocaust-Register aus der rumänischen Besatzung, 1941-1944 (USHMM):

    Name Lidia Ivanov

    Geschlecht Female (Weiblich)

    Wohnort - Datum 1941-1944

    Kind Victor Ivanov

    Ehepartner Nicolae Ivanov

    Quellenangabe: United States Holocaust Memorial Museum; Selected Records from the Odesa (Odessa) State Oblast Archive, 1941-1944; Aufzeichnungsgruppe: RG-31.004M; Dateiname: RG-31.004M.0014.00002313

    VG Martin

    Hallo Elisa,

    falls es möglich ist, könnte es hilfreich sein, die bekannte Geburtsurkunde zu posten. Auch wenn sie vermutl. in Kyrillisch ist, könnte es helfen zu ergründen, ob sie von einem deutschsprachigen oder kyrillischen Originaleintrag abgeleitet ist. Weil es dann nämlich noch die weiteren Schreibweisen Schwartzkopf, Schwarzkopff gäbe.

    Gerne schaue ich dann auch nochmals auf Ancestry nach. Allerdings gibt es dort nur mit dem Namen so viele Treffer, das es einfach keinen Sinn macht, diese derzeit weiterzuverfolgen. Es braucht noch mindestens einen weiteren validen Anhaltspunkt.

    Evtl. gibt es hieraus neue Ansätze: https://utheses.univie.ac.at/detail/30179 sowie hier https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/conte…275867/full.pdf und hier https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/conte…768422/full.pdf oder https://uepo.de/2010/11/15/weh…benen-armbinde/.

    Wenn er dort bei der 295. Infanterie-Division war, dann ergeben sich beim BArch evtl. noch andere Findeansätze: https://portal.ehri-project.eu/units/de-002525-rh_26_295 > Hingewiesen sei noch auf die Erkennungsmarken-Verzeichnisse und Verlustlisten (Deutsche Dienststelle (WASt) Berlin). Müßte heute Bundesarchiv Abteilung MA Militärarchiv sein.

    VG Martin

    Hallo Elisa,

    vielleicht hilft das noch weiter vom Landesarchiv Berlin: https://landesarchiv-berlin.de/standesamt-i-in-berlin

    "Register zu im 2. Weltkrieg besetzten Gebieten, also dem ‚Generalgouvernement‘, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Weißrussland, der Ukraine, den Niederlanden und Norwegen von 1940 bis 1946."

    "Jüngere Urkunden wurden noch nicht an das Archiv abgegeben und befinden sich weiterhin im Standesamt I in Berlin."

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo Johann Heinrich, hallo AviaB.33,

    danke für eure Hinweise.

    Die Akte im BArch BE ist bekannt und liegt vor, ebenso weitere Akten beim BArch. Bei der Dokumentationsstelle der Stiftung mache ich mich schlau. Danke dafür!

    Ich weiß nur, daß bei der Gedenkstätte Buchenwald Daten sind und die sind bekannt und teilw. in der Schreibweise mittlerweile korrigiert.

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo in die Runde,

    ich bin der Auffassung, daß es auf S. 15 (Mitte) und S. 23 (oben) im Dezember 1943 von der selben Person unterschrieben wurde. Ein SS-Obersturmführer u. Batteriechef (2. SS-Flak(E)Regiment).

    Vom Namen her geht es in Richtung (Ferg)imann oder (Harz)imann oder (Jap)imann. Läßt sich damit etwas anfangen?

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo Martin,

    dein Beitrag fiel mir gerade auf.

    Mein Opa hatte 1944/1945 auf einem Krankenblatt den Eintrag "E.-Tr.-Teil: SS Feldgendarmerie A.E.Kp. Weimar-Buchenwald".

    Daher ist es sehr spannend für mich zu erfahren, was du weiteres in deinem Fall herausgefunden hast zu den Aufgaben dort etc.

    Viele Grüße,

    Martin

    Namensvetter ;)

    Hallo Roland,

    es finden sich beim BArch/invenio zwei Bestände:

    - R 9361-III/105268 Krafft, Sepp Bestandsbezeichnung Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der SS und SA Geburtsdatum 10.5.1907 Unterlagenart Sachakte Alte Signatur VBS 283 / 6030005657Benutzungsort Berlin-Lichterfelde

    - R 9361-III/537441 Krafft, Sepp Bestandsbezeichnung Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der SS und SA Geburtsdatum 10.5.1907 Unterlagenart PersonalakteAlte Signatur VBS 286 / 6400023492Benutzungsort Berlin-Lichterfelde

    Sind diese bekannt bzw. hat da schon jemand nachgeschaut?

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo lieber Roland,

    die Polizeihistorische Sammlung Berlin hat leider keine Unterlagen zu meinem Opa finden können. Also warte ich weiter auf etwaige Stasi-Unterlagen oder etwaige Unterlagen im BArch MA.

    Eine Frage kam auf und vlt. kannst du sie beantworten: Das Sd.Kdo. Krafft bestand nach deinen Informationen unter dieser Bezeichnung von etwa Januar 1940 bis Juni 1941. Die Erkennungsmarke meines Opas trug den Hinweis auf dieses Sonderkommando (noch) im Dezember 1944/Januar 1945, wie sich aus der damaligen Krankenakte ergibt. Wäre es nicht logischer, wenn spätestens nach Ende des Sonderkommandos die ausgegebenen Erkennungsmarken zurückgezogen werden? Anstatt sie noch 3-4 Jahre später bei den (ehemaligen) Mitgliedern zu nutzen?

    Könnte es angesichts des Schreibfehlers bei meinem Opa - Kraft statt Krafft - sein, daß es zu diesem Sonderkommando deshalb eher wenige Informationen gibt, weil es in irgendeiner Registratur diesen Schreibfehler von Anfang an gab? Ich könnte mir nämlich vorstellen, später mal im Bundesarchiv gezielter zu recherchieren. Dafür wäre es hilfreich zu wissen, welchen Recherchestand es gibt und ob auch mit diesem Schreibfehler schon Recherchen erfolgten.

    Mein Vater hatte noch eine rudimentäre Information beigesteuert. Opa sprach im Grund nie über die Zeit vor der Haftenlassung. Er erwähnte nur einmal, daß er bei einem Treffen ehemaliger Kameraden in West-Berlin war und diese ihn aufforderten, er solle nich nach Ost-Berlin zurückgehen. Da dort die Familie war ging er jedoch zurück. Das wird also zwischen 1950 und 1961 gewesen sein. Welche ehemaligen Kameraden das waren, blieb leider unklar.

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo lieber Peter, danke für deine informativen Ergänzungen. Dann ist es ja noch klarer für mich, daß der SS-Eintritt meines Opas 1938 gewesen sein muß. Klasse!

    Ja, das Foto "ca. 1934" ist Landespolizei: Koppel(schnalle) mit Inschrift „Freistaat Preussen“. Aufgrund der Größenreduktion hier nicht zu erkennen. Auf dem Originalfoto schon. Insofern Preußische (Berliner) Polizei.

    Danke auch für den Hinweis zum Ärmeldstreifen Feldgendarmerie. Immerhin überstellte die Ordnungspolizei 8.000 Mann an die Feldgendarmerie. Vermutlich meint der Eintrag in Opas Gebührnis-Karte „Versetzt zum Feldheer: ja“ einfach nur so irgendwie zur Wehrmacht abgegeben. Ohne Feldgendarmerie. Allerdings steht auf der 1944er Krankenakte zwei Mal SS Feldgendarmerie beim Truppenteil.

    Es ist für mich eh nicht so leicht zu verstehen, daß jemand als Beruf Polizeibeamter auf einem Polizeirevier ist (und mein Opa war nach Überlieferung bei der berittenen Polizei und um Pferde muß sich gekümmert werden), gleichzeitig (nun gut, eben wegen freiwilliger Gleichschaltung) in der SS und dann bei der Wehrmacht. Ich meine es so: Was ist denn eigentlich die tägliche Arbeit gewesen? Das erscheint mir alles ziemlich unübersichtlich, auch von der Befehlskette her. Es gibt leider viele Fragezeichen.

    Viele Grüße, Martin

    Hallo Roland, dank micha18 gibt es eine neue Erkenntnis zu meinem Opa.

    In dem Runderlaß v. 18.01.1938 ist zur SS-Dienstgradangleichung (Ziff. 2) wird ausgeführt, daß der Polizei-(Gendarmerie) Wachtmeister unter 4 Dienstjahren dem SS-Unterscharführer entspricht. Da er als SS-Unterscharführer vermerkt wird, per November 1939 (noch) Polizei-Wachtmeister war und der Diensteintritt zur Polizei per 01.10.1934 in mehreren Quellen steht und ein Foto dazu paßt, muß er der SS vor Oktober 1938 beigetreten sein, denn bis dahin wären es (nur) 4 Dienstjahre gewesen. (Weil das Besoldungsdienstalter der 01.01.1935 war und nur volle Jahre zählen, könnte der SS-Eintritt womöglich auch erst vor Januar 1939 gewesen sein. Das lasse ich mal außen vor.) Da Himmler im Juni 1936 Chef der Deutschen Polizei wurde und danach logisch erst begonnen haben könnte, die Polizisten in die SS zu bekommen, wäre das Zeitfenster für den SS-Eintritt meines Opas 1936-1938.

    Und da wird es nochmals spannend. In der 1939er Krankenakte wurde ausgefüllt: "Diensteintritt Armee 01.10.1934, Diensteintritt Polizei 01.10.1937". Das steht so nur in dieser einen Quelle und ist auf jeden Fall ein Büroversehen, weil der Polizeieintritt 01.10.1934 sein muß. Dann würde die 1937 zur Armee passen, doch Krieg war erst ab 1939. Also mup per 01.10.1937 etwas anderes gewesen sein. Und vlt. war das ja einfach der SS-Eintritt. Bin gespannt, was mal aus den Archiven noch kommt und ob es dazu paßt.

    Viele Grüße, Martin

    Hallo lieber Roland,

    vielen Dank für deine Einschätzungen und Hilfen. Ein wenig macht es das für mich, trotz der vielen bestehenden Fragezeichen, schon mal übersichtlicher. Sollte aus weiteren Archiven etwas kommen, ergänze ich es hier gerne. Kann jedoch Monate bzw. Jahre dauern.

    Ja, das Soldbuch wird in der Krankenakte 12/1944 mit der Nr. 140 angegeben. Genauso wie die Nummer auf der Erkennungsmarke.

    Kurze Klarstellung: Der Haftgrund stammt aus den sowj. Lagerakten, nicht aus einer Gerichtsunterlage. Ein offizielles Gerichtsverfahren hatte er bei den Sowjets nie. Die haben ihn einfach verhaftet und interniert gehabt.

    Viele Grüße,

    Martin

    Hallo Joachim, vlt. kam der besondere Dank auch daher, weil sich nicht so toll benommen worden war und der Landrat das ausgebügelt hat.

    Evtl. paßt das dazu: Beschwerde des Spezereihändlers Karl Gönner, Kaichen, (vertreten durch Rechtsanwalt Scriba, Bad Nauheim) gegen die Gendarmen Krafft und Fabian, Heldenbergen, wegen ihres Verhaltens in einem Nachbarschaftsstreit Quelle: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/MFTEPGPLB…2JWPII5AXNFHI5S

    Viele Grüße, Martin

    Hallo Roland,

    beigefügt das Dokument von meinem Archivbesuch, leider nicht sehr aussagekräftig.

    Krafft.jpg

    Mit freundlichen Grüßen Achim

    Quelle: Staatsarchiv Darmstadt Bestand G15 Friedberg 953-1