Posts by Reiseleiter2018

    1. Hatte die Verurteilung Konsequenzen für die Rentenansprüche der hinterbliebenen Witwe und Waisen?

    Hallo,


    während des Krieges (also unter der Regie des NS-Regimes) war ein Todesurteil i.d.R. mit der "Wehrunwürdigkeit" verbunden, d.h. Ausschluss aus der Wehrmacht. Damit verloren die Angehörigen auf jeden Fall die Familienunterstützung. Vermutlich auch die Witwenrente, denn der Hingerichtete war ja kein Angehöriger der Wehrmacht mehr.

    Nach meinem Verständnis waren Zeiten bei der Wehrmacht relevant für die Rente - man brauchte eine Dienstzeitbestätigung der Deutschen Dienststelle. Bei denen müsste man mal nachfragen, ob das dann auch für eine evtl. Witwenrente relevant war.


    Viele Grüße


    Sven

    Bemerkenswert sind die wohl von Messerschidt/Wüllner beigefügten Vergleichszahlen von hingerichteten Deserteuren folgender ausländischer Streitkräfte:

    • Großbritannien = 40
    • Frankreich = 102
    • USA = 146.

    Der Vergleich zwischen dem Dritten Reich und den genannten Westalliierten ist enorm.

    Hallo Peter,


    ich glaube, da hast Du die Zahlen falsch interpretiert. Die Engländer hatten keine Todesstrafe auf Fahnenflucht im 2. WK und die Amis haben 1 Deserteur hingerichtet.

    Für Zahlen kann ich ein neues Buch über Deserteure empfehlen:

    Stefan Treiber - Helden oder Feiglinge? Deserteure der Wehrmacht im 2. Weltkrieg


    Grüße


    Sven

    Hallo Jockel,


    ich hab' Dir mal das entsprechende Kapitel aus dem Buch gescannt.


    Viele Grüße


    Sven

    Hallo Karl,


    da hast Du absolut Recht, dass "Angst" natürlich ein extrem starker Faktor bei Fahnenflucht ist. Allerdings findest Du das in deutschen Unterlagen nicht. Ich denke, dass hatte mit dem deutschen Weltbild und der Maxime "Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder ..." zu tun. Menschliche Schwäche kam da nicht vor und wenn, dann wurde es als abnormal deklassiert. Die Amerikaner und Engländer waren das, auch psychologisch, viel weiter. So wurde z.B. im Nordafrika-Feldzug eine Station hinter der eigenen Front aufgemacht, in der Soldaten, die einfach "fertig" waren, für 24 Stunden mit Dusche, Essen und Schlaf versorgt wurden. Kann man sicher drüber diskutieren, aber es zeigt, dass menschliche Erschöpfung bei denen akzeptiert war und man etwas dagegen tat. Bei uns Deutschen durfte es das anscheinend nicht geben.


    Gruß


    Sven

    Kaum behandelt wurden hier die deutschen Überläufer zur Roten Armee.


    Das Überlaufen von der deutschen Wehrmacht zur Roten Armee während des 2. Weltkriegs war kein weit verbreitetes Phänomen und wahrscheinlich überwiegend politisch bedingt. Genaue Zahlen zu

    diesen "speziellen Überlaufern" gibt es wohl nicht. Es könnten vielleicht einige Hundert gewesen sein.

    Hallo Bert,


    vielen Dank für diesen Punkt. In dem o.g. Buch von Treiber wird das Thema Überläufer auch aufgegriffen - gerade im Ostfeldzug. Tatsächlich, so schreibt er, war Überlaufen eine der häufigsten Fluchtarten von Deserteuren. In Deutschland konnten sie nicht untertauchen, also blieb nur Überlaufen übrig.

    Der Begriff Deserteure ist eher von den offiziellen Stellen benutzt worden, weil er ja auch ein juristischer Begriff ist.


    Grüße


    Svan

    Hallo Jockel,


    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Allerdings beziehst Du Dich auf Literatur, die schon über 20 Jahre alt ist. Benjamin Ziemann hat im übrigen in dem Sinne nichts selber erforscht, sondern nur den Forschungstand von damals zusammengetragen. Gerade was die Zahlen betrifft, bezieht er sich auf veraltete Quellen. Das wird übrigens auch in dem Buch von Stefan Treiber aufgegriffen und die Zahl der Verurteilungen und Todesurteile neu berechnet und bewertet. Das Buch kann ich Dir nur empfehlen, wenn Dich das Thema interessiert. (Deserteure der Wehrmacht - Helden oder Feiglinge?)


    Grüße


    Svan

    ... das stimmt, was aber m.E. nicht gerade verwunderlich ist.


    Da 1. die Flukation bzw. Auflösungserscheinungen 1944/45, auf Grund eines verlorengegangen Krieges, deutlich höher war als in jeder anderen am 2. Weltkrieg beteiligten Armee in Europa.

    Hallo,


    was die Auflösungserscheinungen in der Wehrmacht angeht, kommt der Historiker Stefan Treiber zu anderen Schlußfolgerungen. In seinem Buch zeigt er, dass zumindest im Osten, also dem größten Kriegsschauplatz, die Kohäsion der Wehrmacht bis Ende 1944 definitiv intakt blieb. Erst ab Januar 1945, Oder-Weichsel-Offensive, brach die deutsche Front vollständig auseinander.

    Also bis dahin gab es keine Massendesertionen von deutschen Soldaten. Das kann man positiv oder negativ beurteilen, kommt ganz auf die politische Sichtweise an.


    Grüße


    Sven


    Es gibt zum Thema "Fahnenflucht" einen älteren Aufsatz von Franz Seidler in den Militärgeschichtlichen Mitteilungen. Er schreibt u.a. zu den Ursachen der Fahnenflucht:
    "  Vereinzelte Befragungen von Fahnenflüchtigen ließen schon während des Krieges erkennen, daß für den Soldaten oft ein geringer Anlaß als Anstoß zur Fahnenflucht genügte: Liebeskummer, Streit mit Kameraden, ungeschickte Behandlung durch



    Hallo Jörg,

    Seidler halte ich für hochproblematisch, weil er tendenziell eher rechts ist und keine akzeptable Position hat. Er polemisiert in seinem Buch und es ist darüber hinaus unwissenschaftlich, da er keine Quellen offenlegt, aus denen er seine Meinungen zieht.



    Grüße



    Sven

    Hallo Nadja,


    die WAST ist zweifellos die beste Anlaufstelle, wenn man persönliche Informationen braucht. Hat halt den Nachteil, dass sie u.U. für einzelne Personen nur lückenhaft sind.

    Ich weiß nicht, wo Du wohnst, aber möglicherweise wäre es hilfreich, wenn Du mal dem Militärarchiv in Freiburg einen Besuch abstattest. Dort kannst Du, sofern vorhanden, die Divisionsunterlagen der 296. einsehen, z.B. Kriegstagebuch und Gefechtsberichte.

    Zuerst solltest Du Dir einen account bei dem online-Suchsystem Invenio anlegen. Habe gerade mal nachgeschaut, von der 296. gibt es sehr viele Dokumente, speziell Kriegstagebücher, Gefechts- und Verpflegungsstärken und Verlustlisten.


    Viele Grüße


    Sven

    Hallo,


    habe gerade ein neues Buch zum Thema Deserteure gelesen: "Helden oder Feiglinge - Deserteure der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg" von Stefan Treiber. Gestossen habe ich mich an der These, dass nur 1% der Deserteure aus Widerstandsgründen geflohen sind. Mein Verständnis bisher war, dass Fahnenflucht ein Akt des Widerstands gewesen war. Gibt ja auch mittlerweile viele Denkmäler in deutschen Städten für Deserteure. Aus welchen Gründen sind sie denn dann desertiert - aus Feigheit, sonstigen Gründen? Was ist Eure Meinung / Euer Wissen dazu?


    Und ein zweiter Punkt war mir aufgefallen: der Autor schreibt, dass die Wehrmachtjustiz gegenüber Deserteuren oft ziemlich milde war. Wie passt dass mit tausenden Todesurteilen zusammen? Ich dachte immer, dass es sich bei den Wehrmachtrichtern um Blutrichter a la Filbinger und co. handelte?


    Freue mich über Eure Meinungen.


    Sven