Posts by Hannes_x

    Hallo zusammen,


    eine ganz blöde Frage: Wie bezeichnet man die Einträge korrekt, die Matthias netterweise so fleißig gesammelt hat? Handelt es sich hier im "Meldungen" der Kompanie? Sind das "Tagebucheinträge in ein Kriegstagebuch" der Kompanie?


    Viele Grüße


    Hannes

    Hallo Karl,


    vielen Dank für die Informationen, das ist sehr hilfreich!


    Ich habe zu Komarowka noch eine andere Quelle gefunden, die nahelegt, dass mein Großvater bereits am 16.02.1944 tagsüber verwundet hätte werden können (also noch wenige Stunden vor dem Ausbruch):


    „Im Südwesten, bei SS. „Wiking“, flackern die brodelnden Kämpfe um Komarowka am 16. hell auf. Der Russe kann augenscheinlich den Verlust des Dorfes nicht verwinden. Am Vormittag wechselt es zum viertenmal den Besitzer. Damit ist auch hier die vorderste Linie auf knappe 3km an Schandorowka gedrückt. Die im Ort vorgesehenen Bereitstellungsplätze sind verloren.“


    (Nikolaus von Vormann: Tscherkassy, Heidelberg 1954, S. 116-123)


    Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass mein Großvater von der 5. SS - Panzerdivision "Wiking" aus dem Kessel gebracht wurde, da die "Wiking" zum fraglichen Zeitpunkt am fraglichen Ort war.


    Was auch gut dazu passt: "Die Kolonnen der 72. Division und „Wiking“ wurden beim Ausbruch völlig miteinander vermischt. Sie hatten fast keine schwere Waffen mitnehmen können, hatten aber viele Leichtverwundete aufgenommen." (Quelle Wikipedia)


    Im Anhang ein Foto eines beim Ausbruch liegen gebliebenen Panzerkampfwagen IV der 5. SS - Panzerdivision "Wiking", das im Internet ohne besondere Quellenangabe zu finden ist. Ob die Angaben zum Bild stimmen, konnte ich leider nicht überprüfen.


    Viele Grüße


    Hannes


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    • wiking.jpg

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    Hallo Matthias,


    ja, die Annahme ist richtig - er war sogar bis zum 12. Juni 1944 im Lazarett in seiner Heimat.


    Schöne Grüße und ein erholsames Wochenende


    Hannes

    Hallo zusammen,


    ich schon wieder mit einer Anfängerfrage.


    Mein Großvater wurde nach seiner Verwundung folgenden Einheiten zugeteilt:


    17.04.44 - 04.07.44 Eisb. Pi. Erst. Batl.2 / Genesenden-Kompanie

    05.07.44 - 03.08.44 Eisb. Pi. Ers. Btl. 2 / 2. Marschkompanie

    04.08.44 - 13.09.44 Eisenbahn-Pionier-Ersatz-Btl. 2 / 1. Marschkompanie


    Wenn ich das richtig sehe, war er dann vermutlich ab dem 14.09.1944 wieder bei seiner Einheit?


    Herzliche Grüße in die Runde

    Hannes

    Hallo zusammen (und Danke Matthias für Deine Einschätzung!),


    ich bin auf der Suche nach einem Hauptverbandsplatz und zwar dem Hauptverbandsplatz "Stynwarowka".


    Mein Großvater wurde ja wie oben beschrieben bei Tscherkassy verwundet. Die Meldung dazu lautet:


    „16.02.44 verwundet in Komarowka bei Tscherkassy-Granat-Splitter linke Schulter-abgegeben an den Hauptverbandsplatz Stynwarowka“


    Meines Wissens lag der Hauptverbandsplatz innerhalb des Kessels bei dem Ort Korsun. So wie ich die Geschehnisse rekonstruieren kann, wurde mein Großvater beim Ausbruch aus dem Kessel von der 5. SS- Panzer-Division "Wiking" aus dem Kessel gebracht und wurde danach weiter westlich hinter den deutschen Vorposten beim Hauptverbandsplatz "Stynwarowka" abgegeben. Mein Problem: Trotz intensiver Suche kann ich diesen Ort (in sämtlichen Schreibweisen) nicht finden.

    Hat jemand von Euch eine Ahnung, wo dieser Hauptverbandsplatz gelegen haben könnte, bzw. wo ich nach dem Platz suchen könnte?


    Viele Grüße


    Hannes

    (...)

    Welche Funktion hatte dein Großvater in der Kompanie, vielleicht Schreiber, eventuell Versorgungbereich, Zeichner oder ähnliches?

    Hallo Matthias,


    mein Vater konnte tatsächlich in alten verstaubten Kisten einen Packen Briefe und Notizen meines Großvaters aus seinem Keller bergen (im Gegensatz zu ihm haben seine Eltern einiges aufgehoben). Deine erste Annahme "Schreiber" ist wohl tatsächlich richtig. Beim ersten Durchsehen fällt öfter das Wort "Schreibstube" und offenbar hatte er mit "Luftfeldpostmarken" und "Päckchenzulassungsmarken" zu tun. Jetzt muss ich nur noch Sütterlin erlernen, um die handgeschriebenen Briefe zu entziffern...


    Viele Grüße


    Hannes


    Hallo zusammen,


    ich würde mich freuen, wenn ich die ein oder andere (gewiss subjektive, aber dennoch hilfreiche Einschätzung) zu folgender Frage erhalten könnte:

    Mein Großvater kommt im November 1942 bis auf 150 km westlich vor Stalingrad. Eine der sowjetischen Angriffsspitzen bei der Einkesselung zielt direkt auf seinen Standort. Seine Einheit zieht sich bis Februar 1943 bis nach Charkow zurück, die im Februar / März 1943 Schauplatz der dritten Schlacht um Charkow wird. Für den Rest des Jahres 1943 sind keine frontnahen Einsätze bekannt. Im Februar 1944 wird er bei Tscherkassy eingekesselt und entkommt trotz Verwundung in der Kesselschlacht von Tscherkassy.

    Bei Tscherkassy hat seine Einheit wohl starke Verluste hinnehmen müssen. Zum einen hat ja praktisch jede Einheit, die im Kessel eingeschlossen war, starke Verluste erlitten und zum anderen sind die Daten vom DRK Suchdienst in der Hinsicht aufschlußreich: Aus der Eisenbahn-Pionier-Kompanie (mot.) 94 werden insgesamt 25 Personen als vermisst gemeldet, davon alleine 20 bei Tscherkassy (darunter 1 x Korsun).

    Meine Frage hierzu: Sämtliche Berichte, die ich aus dem Kessel von Tscherkassy gelesen habe, beschreiben schwere Verluste der Deutschen zu diesem Zeitpunkt. „Meine Einheit war nur noch ein kleiner Haufen“ und derartiges ist immer wieder zu lesen. Die Einheit meines Großvaters hatte eine Sollstärke von rund 250 Mann (inkl. Offiziere). Kann ich davon ausgehen, dass nach der Kesselschlacht nur noch die Hälfte übrig war oder ist das zu hoch angesetzt?


    Viele Grüße

    Hannes

    Hallo Matthias,


    vielen vielen Dank, jetzt habe ich wieder viel zu tun (Recherche, Daten in einen Gesamtkontext einbinden etc.) - das dauert bei mir etwas, da ich ja ein absoluter Laie bin :)


    Erstaunlich, wie sehr die Einheit "hin- und hergeschoben" wurde, zumindest auf dem Papier. Für die einzelnen Soldaten dürfte sich ja im Alltag kaum was geändert haben.


    Die Einheit meines Großvaters war bis 1943 hauptsächlich Teil der Heeresgruppe Süd, gelangte mit ihr bis vor die Tore Stalingrads und wird dann ausgerechnet zu dem Zeitpunkt der Heeresgruppe Mitte unterstellt, als die Heeresgruppe Mitte einen großen Teil der Offensive führen muss ("Im Februar 1943 wurde das AOK 2 wieder der Heeresgruppe Mitte unterstellt." / "Nachdem die sowjetische Gegenoffensive Anfang 1942 zum Stehen gekommen war, bekam die Heeresgruppe Mitte im Jahr 1942 eine eher passive Rolle zugewiesen. Die deutsche Sommeroffensive 1942 wurde von der Heeresgruppe Süd in Richtung Stalingrad und den Kaukasus geführt, während die Heeresgruppe Mitte lediglich die Flanke der Heeresgruppe Süd deckte. Im Jahr 1943 verlagerte sich der deutsche Schwerpunkt wieder in den Bereich der Heeresgruppe Mitte.")


    Viele Grüße


    Hannes

    13.02.1943 Stab I./Eisenbahn-Pionier-Regiment 6 bis 31.05.1943 unterstellt


    Hallo zusammen,


    Kann mir jemand sagen, wie ich herausfinden könnte, welche Einsätze das Eisenbahn-Pionier-Regiment 6 in dem besagten Zeitraum gehabt haben könnte?


    Hier im Lexikon der Wehrmacht finde ich nur allgemeine Informationen. Ich gehe davon aus, dass die Einheit meines Großvaters das ganze Jahr 1943 über in der Ukraine eingesetzt wurde. Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn ich in Erfahrung bringen könnte, was genau geschehen ist. Hier der mir bekannte Ablauf:

    • Ende 1942 vor Stalingrad eingesetzt, dann offenbar Rückzug
    • 13.02.1943 Stab I./Eisenbahn-Pionier-Regiment 6 bis 31.05.1943 unterstellt
    • August 1943 Fertigstellung einer Eisenbahnbrücke bei Tjotkino (An der Grenze Ukraine / Russland)
    • Anfang 1944 bei Tscherkassy / Ukraine eingesetzt

    Vielen Dank wie immer, viele Grüße und kommt gut in's neue Jahr


    Hannes


    P.S. mein Großvater hat laut seinen Unterlagen folgende Auszeichnung erhalten: "10.08.1942 - Medaille Winterschlacht im Osten 1941/1942 (Rgt. (mot) 6) – Ostmedaille" - wurde diese Medaille ebenfalls vom Eisenbahn-Pionier-Regiment 6 verliehen?

    Hallo zusammen,


    es ist tatsächlich ein Foto meines Großvaters in Uniform vorhanden! Er konnte es auch nicht vernichten, da es bei seiner Hochzeit am 11. Februar 1941 aufgenommen wurde. Kann mir jemand was zur Uniform sagen? Meines Erachtens zeigt ihn die Uniform im Rang eines Gefreiten, allerdings wurde er bereits ein Jahr zuvor zum Unteroffizier befördert.


    Beste Grüße

    Hannes

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    • Uniform.jpg

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    18.11.1942 beim Kodeis A.O.K. 6, für das Programm Winter-Ostbau 1942/43. Der Kompanie waren für diese Bauarbeiten ca. 200 Kriegsgefangene unterstellt. Ausbau des Bahnhofs Oblinskaja auf höhere Leistung so für den Umschlag der Versorgungsgüter von Feld- auf Vollbahn und umgekehrt Gleisanlagen zu bauen, ebenso war die Einheit zuständig für die militärische Sicherheit dieser Großbaustelle


    Hallo zusammen,


    ich finde diesen Ort "Oblinskaja" nicht, bin mir aber ziemlich sicher, dass es sich um den Ort Oblivskaya (bzw. Obliwskaya) handeln könnte. Mein Großvater wurde 1941 - 1942 immer weiter ostwärts verlegt, von Kiew nach Charkow und dann noch weiter östlich ("mittlerer Don").


    30.06.-25.07.42 Vorstoß zum mittleren Don

    26.07.-18.11.42 Abwehrkämpfe am Don (siehe oben, direkt am 18.11.1942 geht es in "Oblinksaja" weiter)


    Es gibt hier im Forum sogar einen Thread zu dem Ort. Dort war wohl nicht nur ein wichtiger Bahnhof, sondern auch ein Flugplatz - 50km vor Stalingrad: Feldflugplatz Obliwskaja


    Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, das ich richtig liege, oder?

    Viele Grüße und ein entspanntes Wochenende

    Hannes

    Hallo Matthias,


    nochmal vielen herzlichen Dank, dass Du diesen Thread und meine Suche so hilfreich unterstützt!

    Mein Großvater war wie oben beschrieben studierter evangelischer Theologe. Er hat nach Abschluss seines Studiums ca. 1-2 Jahre lang als Religionslehrer in einem Gymnasium und anschließend kurz als Hausgeistlicher / Erzieher in einer krichlichen Einrichtung für körperbehinderte Jugendliche/ Kriegsversehrte gearbeitet. Diese Stelle hatte er ebenfalls nur ca. 1 Jahr lang inne, danach musste er in die Grundausbildung und sieben Monate später begann bereits der Krieg.


    Besondere handwerklichen Fähigkeiten und Kenntnisse möchte ich daher ausschließen. Er konnte aufgrund seines Studiums sicherlich gut mit Texten und Dokumenten umgehen. "Sprache" könnte ich generell noch als eine Stärke anführen, da er sich immer gut ausdrücken und gute Reden schreiben konnte. Bis an sein Lebensende konnte er (fast) fließend lateinisch.


    Nach dem Krieg hat er in Süddeutschland Kirchenarchive angelegt, katalogisiert und auf Vordermann gebracht und dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten.


    Nach seiner Grundausbildung wird er als „schlank, willig, zäh“ beurteilt und arbeitet „sehr sicher und überlegt“.


    Für mich als Laien kämen eine Verwendung als Schreiber, Meldegänger, MG-Schütze oder Fahrer in Betracht - wobei ich davon ausgehe, dass ein Feldwebel zumindest für die beiden letzten Aufgaben zu "fein" war?


    Eine buchhalterische Ausbildung vor dem Krieg wäre sehr ungewöhnlich, so etwas wäre - wenn überhaupt - der Hausleitung seiner Einrichtung vorbehalten gewesen. Ich weiß nicht, inwiefern diese Voraussetzung für einen "Zahlmeister" war? Gewissenhaft genug dafür war er auf jeden Fall.

    Viele Grüße

    Hannes

    18.10.1941 Einsatzgruppe Kiew, Hauptmann Hoppe unterstellt.

    Hallo zusammen,


    an dieser Stelle bin ich kurz erschrocken, da ich bisher davon ausgegangen bin, dass Einsatzgruppen nur bei der SS bestanden. Das hätte bedeutet, dass aus völlig unerfindlichen Gründen eine Eisenbahn-Pionier-Einheit (!) ausgerechnet einer SS - / Polizeieinheit unterstellt wird. Ende September 1941 fand in Babyn Jar bei Kiew ein großes Massaker an Juden statt und nur ca. drei Wochen später wurde mein Großvater einer der dortigen Einsatzgruppe unterstellt.


    Hier handelt es sich aber offenbar um eine Einsatzgruppe der Organisation Todt (OT) und zwar um die "OT-Einsatzgruppe Ost", die in dem Gebiet mit Straßenbau beschäftigt war.


    Wieder etwas gelernt!

    Viele Grüße


    Hannes

    Hallo Matthias,


    das stimmt natürlich, zuerst war er in der Eisenbahn-Baukolonne 15 !


    Mein Großvater hat wirklich nie über den Krieg gesprochen, d.h. alles, was ich habe, sind meine Informationen aus dem Bundesarchiv und vor allem die Informationen, die Du netterweise herausgesucht hast. Alle Dokumente, Briefe, Fotos etc. hat mein Großvater nach 1945 vernichtet - es gibt nicht einmal ein einziges Lichtbild, dass ihn in Uniform zeigt. 1944 ist er im Kessel von Tscherkassy durch die Hölle gegangen; ich vermute, dass spätestens diese Erfahrung ihn dazu gebracht hat, alle Erinnerungen an den Krieg auslöschen zu wollen.


    Bei Tscherkassy hat seine Einheit wohl starke Verluste hinnehmen müssen. Zum einen hat ja praktisch jede Einheit, die im Kessel eingeschlossen war, starke Verluste erlitten und zum anderen sind die Daten vom DRK Suchdienst in der Hinsicht aufschlußreich: Aus der Eisenbahn-Pionier-Kompanie (mot.) 94 werden insgesamt 25 Personen als vermisst gemeldet, davon alleine 20 bei Tscherkassy (darunter 1 x Korsun).


    Bei den Vermissten handelt es sich hauptsächlich um Personen, die einen technisch-handwerklichen Hintergrund haben oder Eisenbahner sind:


    Vorzeichner

    Bauingenieur

    2x Zimmermann

    2x Schlosser

    Eisenwerkarbeiter

    Sägewerkarbeiter

    Flaschner

    3x Schreiner

    3x Maurer

    Werkzeugmacher

    RB-Beamter

    RB-Oberinspekteur

    RB-Angestellter

    RB-Lokheizer

    Bäcker

    4x ohne Angabe


    Viele Grüße in die Runde


    Hannes

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    Hallo zusammen,


    ich kann den ursprünglichen Post weiter oben nicht editieren, daher muss ich die Infos hier einfügen. Meine Anfrage nach dem genauen Datum hat sich erübrigt, Matthias hat ja bereits folgende Info bereitgestellt:


    29.09.-24.10.39 Wiederherstellungsarbeiten an zerstörten Eisenbahnstrecken an der Ostfront im Bereich Kodeis Bromberg unter Grukodeis Oberost


    Viele Grüße

    Hallo Uwe,


    vielen Dank für die Ausführungen! Mein Großvater war evangelischer Theologe, also Pfarrer. Warum er (als technischer / handwerklicher Laie) ausgerechnet bei den Eisenbahn-Pionieren gelandet ist, erschließt sich mir nicht. Entweder war es reiner Zufall oder jemand mochte den "Pfaffen" nicht und hat ihn absichtlich in eine Einheit gesteckt, in der es harte und gefährliche Arbeiten zu verrichten gab. Vielleicht hat mein Großvater selbst den Wunsch geäußert, bei den Pionieren eingeteilt zu werden (im Irrglauben, im Hinterland der Front in Ruhe Brückenbau und Gleisarbeiten verrichten zu können).


    Beste Grüße

    Hannes

    Hallo zusammen,


    jetzt wird es noch einmal spezieller, vermutlich zu speziell: Mein Großvater wurde im Zuge seiner Grundausbildung Ende Oktober 1938 in Nürnberg vereidigt (damals noch: Eisb. Bau Komp. 115 / Infanterie Regiment 21) und etwa 3 Monate später als Unterführeranwärter der Reserve entlassen. Meines Wissens stand der Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt (Februar 1939) nur ein einziger Eisenbahnpionier-Übungsplatz in Sperenberg bei Berlin zur Verfügung. Ist es wahrscheinlich, dass mein Großvater zwischenzeitlich dort für seine Sonderrolle als Eisenbahn-Pionier ausgebildet wurde oder hat man in den lokalen Kasernen improvisiert?


    Viele Grüße

    Hannes

    Hallo zusammen,


    zwei Posts über mir hat Matthias einen "Erlebnisbericht aus der Truppe" (aus der Einheit meines Großvaters) zur Verfügung gestellt und mir freundlicherweise Bilder in höherer Auflösung zukommen lassen. Der im zeitgenössischen Jargon verfasste Erlebnisbericht handelt davon, wie die Eisenbahn-Pionier-Kompanie (mot.) 94 eine von den Sowjets gesprengte Brücke wiederherstellt.


    Anbei meine Abschrift:



    === SEITE 1 ===



    Kommandeur der Eisenbahnpioniere Mitte H. (unleserlich) ., den 7. August 1943


    (Eisb. Pi. Rgt. 1) (Eingangsstempel 12. AUG 1943, (unleserlich))


    Abt. IaT Az. 80d Nr. 10653/43


    Betr. : Erlebnisbericht aus der Truppe


    Bezug: Befh.d.Eisb. Truppen Az.1 t 11 IaE Nr. 15058/43 vom 12.6.43


    Anlagen: -2-


    An



    Befehlshaber der Eisenbahntruppe



    Anliegend überreicht Kdr.d.Eisb.Pi.Mitte gemäss o.a. Bezug


    Erlebnisbericht des Oberfeldw. Fritz Köpplinger, Eisb.Pi.Komp.94 (früher Eisb. Bau-Komp. 115), der aus Anlass der


    Wiederherstellung der Seym-* Brücke bei Tetkino** verfasst wurde.



    Anmerkung:

    * Sejm ( річка Сейм )


    ** Tjotkino, Oblast Kursk, Russland ( Теткино )



    === Seite 2 ===



    Eine zerstörte Eisenbahnbrücke wird wiederhergestellt!



    Ich fuhr mit sechs Kameraden zum Quartier auf einem LKW voraus. Es war schon vier Uhr nachmittags. Wenn die Strecke nicht noch schlechter wird, dann können wir ja heute noch ins Ziel kommen. Wir müssen den Ort noch erreichen, dann die die Kompanie wird morgen früh auch dort eintreffen und nur wenige Stunden bleiben uns, in der Nähe der zerstörten Brücke Quartiere zu erkunden.



    Um 08.00 Uhr abends kommen wir an der zerstörten Brücke an. Zwei Kilometer stromaufwärts sehen wir die Ortschaft, die mir der Kp.-Chef heute früh auf der Karte gezeigt hat und in der Quartier gemacht werden soll. Wie gebannt stehen wir vor dem riesigen Brückenbauwerk, dessen zerstörte Fachwerkstäbe hoch in den Abendhimmel ragen. Ein Bild von gewaltigem Eindruck. Stolz mag dereinst die Brücke den breiten Fluss überspannt haben, der jetzt weit über seine Ufer getreten ist und das flache Gelände beiderseits überflutet. Nun liegt das große Stahlfachwerk zerknickt und zerrissen da, von manchen Teilen ragen nur noch einige Streben und Knotenbleche aus den hinströmenden Wassermassen hervor, uns mutet es an, als wären es hilfesuchende Riesenhände. Die Bolschewisten haben ganze Arbeit gemacht bei Durchführung der Sprengung, das kann man wohl sagen. Die Brücke ist nachhaltig zerstört und bietet für den Nachschub ein schweres Hindernis. Schon manche zerstörte Eisenbahnbrücke haben wir bei unserer fränkischen Eisenbahnbaukompanie wiederhergestellt, doch vor diesem Bauwerk kommen wir uns tatsächlich vor wie die Zwerge, so mächtig erscheint uns dieses im Augenblick. Trotzdem sollen aber auch hierüber in wenigen Wochen die ersten Nachschubzüge rollen.


    Wie erwartet, trifft die Kompanie am anderen Morgen ein. Ich melde dem Kompaniechef die Durchführung meines Auftrages. Er gibt dem „Spiess“ Anweisung und die Kompanie belegt die bereitgestellten Quartiere. Wir sind nicht alleine hier angekommen. Eine zweite Kompanie, es sind meist Ostpreussen, hat ebenfalls Quartier bezogen. Noch während wir uns in den dürftigen Holzhäusern ein Nachtquartier zurechtmachen, ist der Komp. - Chef mit seinen Zugführern zur Brücke hinaus zur Lagebesprechung.



    === SEITE 3 ===



    Befehle werden erteilt, Melder kommen und gehen, die Fernsprecher ziehen ihre Strippen und sorgen für schnellste Anschlüsse an die Befehlsstellen. Sicherungen und Wachen werden aufgestellt. Wie beim Anlauf einer Maschine, so kommt jetzt Bewegung in die Kompanie.


    Die Pioniergeräte werden zur Einsatzstelle gebracht. Auf schweren LKW rollen Pontons heran, die zum Aufbau der Kammfähren (?) dienen. Eine vorhandene Schmalspurbahn, die früher den Russen zum Herbeischaffen von Torf, für eine in der Nähe liegende Zuckerfabrik, gedient hat, wird sofort für den Brückenschlag nutzbar gemacht und dient dem Heranschaffen der Rammpfähle und tragestiele. Die Kompanie ist in zwei Ablösungen eingeteilt und vom Morgengrauen bis in die Nacht ertönen Hammerschläge und Motorengeräusch über die zerstörte Brücke hin. Die Rammen sind es, die zuerst in gleichmäßigem Takt und mit ungeheurer Wucht, die fast einen halben Meter dicken Führungsstämme in den Flußgrund schlagen. Auf ihnen wird später die Behelfsbrücke ruhen. Durch Sprengen und mit Schneidegeräten werden die hindernden Eisenteile beseitigt. Zimmerertrupps legen dicht an eine erhöhte Oberfläche einen Schnürboden (?) auf, um später die angebundenen Joche auf dem Wasserwege an ihre Standorte zu bringen, wo sie dann mit schweren Seilwunden hochgezogen auf die gerammten Pfähle aufgesetzt werden. Ständig führen die Transporttrupps mit Floßsäcken und Pontons über den Fluß hinüber und herüber und schaffen die nötigen Baustoffe und Geräte heran.


    So stehen wir alle an unserem Platz und verrichten unsere Arbeit als hätten wir im Leben nie etwas anderes getan. Der Sepp an seiner Feldschmiede, mit entblößtem Oberkörper schwingt er den Vorschlaghammer so gewandt, als wie er die abgerissenen Federn von Taschenuhren (?) kunstgerecht wieder zusammenschweißt. Ein Genie auf seinem Fach. Der Otto, unser jüngster Unteroffizier, im Zivilleben war er Maurer, um seine Kraft hat ihn schon mancher beneidet und auch der Arzt bei der Musterung wird gewußt haben, warum er ihn zu den Eisenbahn-Pionieren steckte. Dann der Hans, der (unleserlich) gezeichnete. Noch kurz vor Kriegsbeginn marschierten wir bei den Wettkämpfen der fränkischen SA zusammen in Reih und Glied. Nun sind wir schon fast vier Jahre zusammen bei der gleichen Kompanie. Er hat sich als Führer eines Sprengtrupps im vergangenen Winter besonders bewährt. Zehn Stunden lang hat er, völlig eingeschlossen vom Feinde, seine Stellung verteidigt, bis wir ihn wieder frei hatten. Er warf den Bolschewisten die Handgranaten zurück, bevor sie bei ihm detonierten. Der Michi, als Zivilist



    === SEITE 4 ===



    Ein Schlosser, bei uns hier hat er außer seiner Funktion als Truppführer, einen besonderen ehrenvollen Posten, er ist Sportbeauftragter für Fußball, wenn sich ab und zu einmal Gelegenheit dazu bietet. Ganze drei Wochen war zuhause, als man ihm vor zwei Jahren von dem wehrwirtschaftlichen Betrieb, in dem er tätig war, reklamierte. Weil man ihm dort eine Arbeit gab, die er keinesfalls für wehrwichtig hielt, hat er nicht lange gefackelt und fand sich eines Morgens wieder bei uns ein. Der Karl muss auch erwähnt werden, wenn ihn auch der Chef letzthin in den „Bau“ stecken musste, weil er einen solchen Zipfel Rausch hatte, dass er die Kompanie nicht mehr fand. Hat er vom Marketenderschnaps, den wir ja auch ab und zu erhalten, etwas zuviel getrunken, dann erzählt er von seiner Gärtnerei, die er in einem kleinen fränkischen Landstädtchen betrieben hat. „Zuhaus“, erklärt er dann immer „steh ich im Range eines Majors! –„ Na, zwischen seinen Geranienstöcken und Kraufköpfen kann er das ja ruhig sein. Bei uns ist der Obergefreiter und rudert eisern den Ponton mit hinüber und herüber. Ja das sind unsere Kameraden. Über viele andere gäbe es noch zu erzählen, aber auch manchem deckt bereits die kühle Erde, manchen, der mit uns im Spätsommer 1939 von Nürnberg aus mit ins Feld zog.


    Zehn Tage wirken wir nun hier schon von früh bis spät. Dass es heute Sonntag ist, merken wir nur, weil uns der Küchenunteroffizier mittags zusätzlich ein Stück von einem gebackenen Hecht verabreichte, von denen er schon um drei Uhr früh ein Dutzend gefangen hat.


    Da auf einmal spricht sichs wie ein Lauffeuer über die Brücke:“Der Regiments-Kommandeur kommt!“ Wir sehen wie ihm am jenseitigen Ufer der bauleitende Offizier meldet. Trotz des hohen Besuchs werden die Arbeiten keine Minute unterbrochen, nur die Offiziere sehen wir in einer Linie angetreten. Der Heinz, der beim Vermessungstrupp ist, und gerade in der Nähe zu tun hatte, erzählte mir später daass er nicht recht zufrieden war, der Herr Oberst. Wir sollten scheinbar schon weiter sein. „Ich sehe keine Schwierigkeiten. Das ist ja nur a Brückerl meine Herrn! A Brückerl –, „so hat er in seinem Wiener Dialekt gesagt. Nun, ein paar tage später stellte sich heraus, dass er unsere Knochenarbeit doch für gut einschätzte; auch gab es auf einmal Zusatzverpflegung und das haben wir unserem Btl. Kommandeur zu verdanken. Verstärkter Einsatz wurde befohlen. Noch eine weitere Kompanie rückte an und in den wenigen bisher noch ruhigen Nachtstunden wird jetzt auch noch gearbeitet und zwar



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    Im abgeblendeten Lichte der Scheinwerfer, die für diesen Zweck eigens aufgestellt wurden. Die feindlichen Flieger haben das auch bald gemerkt, doch dagegen hat inzwischen leichte Flak-Artillerie bei uns hier Stellung bezogen.

    Wieder sind Wochen vergangen. Ununterbrochen haben wir geschafft. Die rückwärtige Strecke ist seit Tragen soweit instandgesetzt, dass die für den Brückenschlag benötigten schweren Stahlträger auf dem Vollbahngleis bis zur Verwendungsstelle herangefahren werden können. Fast stündlich überzeugt sich der Kompanie-Chef vom Fortschritt der arbeiten. Es ist wie der Endspurt bei einem großen Rennen.


    Schwere Behelfsunterstützungen sind in der kurzen Zeit aus dem Boden gewachsen. Wie Liktorenbündel, die Hoheitszeichen unseres verbündeten Italien, sehen die aus Föhrenstämmen gezimmerten Jochen aus. Schwere Walzträger verbinden die Häupter der einzelnen Unterstützungen und an der tiefsten Stelle des Flußes, wo es nicht mehr möglich war, Pfähle für dauerhafte Unterstützungen zu rammen, überbrückt ein sinnreich konstruiertes Kriegsbrückengerät die weite Öffnung zwischen den beiden Strompfeilern. Nicht nur wir Pioniere haben hier unsere ganze Kraft und unser ganzes Können eingesetzt. Nein-, vorher waren es bereits unsere Ingenieure und Rüstungsarbeiter, die in den Fabriken und Walzwerken der Heimat, diese Geräte schufen.


    Endlich ist es soweit, daß die letzten Schwellen und Schienen für die Fahrbahn hochgeschleppt werden. Für zehn Uhr heute abend, hat unser Hauptmann dem Kommandeur die Brücke befahrbar gemeldet und um zehn Uhr ist sie befahrbar. Morgen früh soll die Belastungsprobe und Inbetriebnahme erfolgen. Schon oft haben wir das bei früher gebauten Brücken miterlebt. Zur Belastungsprobe werden zwei schwere Lokomotiven Kopf an Kopf zusammengekuppelt, weil sie in dieser Stellung für die Beanspruchung der Brücke die größte last ausüben. Diese Lokomotiven fahren dann von einer Unterstützung der Brücke zur anderen und von einer Mitte der Tragkonstruktion zu anderen und mit Hilfe seitlich aufgestellter Meßinstrumente wird genau festgestellt, um welche Maße sich die einzelnen Bauteile unter der schweren Last durchbiegen und zusammendrücken. Auf Grund dieser Ergebnisse wird dann errechnet, ob die Brücke stark genug gebaut ist um der Beanspruchung durch den Eisenbahnbetrieb auf die Dauer standzuhalten. Stolz sind wir dann immer, wenn die Brücke diese Probe auf Herz und Nieren, gut besteht. Diesmal soll dieser Akt in Anbetracht der Größe des wiederhergestellten Bauwerks in besonders feierlicher Weise durchgeführt werden. Der



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    Kommandeur wird sicher auch dazu erscheinen. Schon werden alle freiwerdenden Trupps, einschließlich einigerhundert Zivilisten für die Aufräumungsarbeiten eingesetzt. Die überzähligen Baustoffe werden sauber gestapelt, die Pontons, Geräte und Pioniermaschinen aufgestellt und ausgerichtet. Bei dieser Gelegenheit und zwar beim Übersetzen mit einer großen Pontonfähre, machen zwanzig Mann nochmal ein unfreiwilliges Bad. Als sie die letzten Hölzer über den Fluß zurückbringen, haben sie die Pontonfähre überlastet und kaum dreißig Meter vom Ufer entfernt saufen sie infolge des leichten Wellenganges ab. Bis wir aber mit dem Floßsack an sie herankommen, haben sie trotz Uniform und Schaftstiefel, die sie an hatten, schwimmende große Holzstücke oder das rettende Ufer erreicht. Für dieses Freibad dürfen sie die stromabwärts treibenden Hölzer wieder zusammensuchen und die auf dem Flußgrund liegenden Pontons herausziehen. Dieser Zwischenfall hat nun überall große Heiterkeit hervorgerufen. Zum Schluß wird die ganze Brücke noch blitzsauber abgefegt und ein Kommando ist dabei, an den Brückeneinfahrten Girlanden aus Fichtenzweigen anzubringen, die aus dem naheliegenden Forst schnell beschafft wurden. Soeben hissen zwei Kameraden am höchsten Punkt der Stahlkontruktion die Reichskriegsflagge, die weithin sichtbar stolz in der Sonne weht.


    Um sechs Uhr früh des folgenden Tages fährt der erste dringende Nachschubzug über die Brücke. Zwei Stunden später kommen die Lokomotiven für die Belastungsprobe. Auch sie sind mit Grünzeug geschmückt und tragen vorne das Hakenkreuz. Wir sind am Flußufer im großen Viereck angetreten. Sauber ausgerichtet erwarten wir den Kommandeur, der auch in wenigen Minuten eintrifft. Nach der Meldung durch unseren Hauptmann schreitet er die Front der angetretenen Kompanie ab und besteigt dann ein aus Schwellen gemachtes Podium, das gestern noch schnell aufgestellt wurde. In kurzen Worten spricht er von der Wichtigkeit dieser Bahnlinie, schildert noch einmal den Verlauf des Brückenschlages und findet Worte der Anerkennung für jeden Einzelnen. „Eine gewaltige Leistung“, spricht er: „habt ihr in kurzer Zeit vollbracht, doch weitere große Aufgaben warten bereits auf euch!“ Ein „Sieg Heil“ auf den Führer und das Deutschland- und Horst Wessel-Lied beschließt den feierlichen Akt.


    Nun führt der Kommandeur mit noch mehreren Offizieren die Brückenbegehung durch, wobei mancher Konstruktionsteil genau gemustert wird. Jetzt fahren auch die beiden Lokomotiven zur Belastungsprobe auf die Brücke. Im vorherliegenden Bahnhof aber wartet schon ein Transportzug auf Ausfahrt und weitere Züge folgen in kurzen Abständen, denn „Räder müssen rollen für den Sieg!"


    Verfasser: Ofw. Köpplinger, Eisb.Bau-Kp. 115



    Viele Grüße

    Hannes