Posts by BigX

    Hallo zusammen,


    ich hoffe ich habe annähernd das richtige Unterforum für meinen Beitrag gewählt, aber ich denke, dass es "Scheinanlage" zumindest im weitesten Sinne trifft.


    In dem Klassiker über britische Luftbildaufklärung und -auswertung von Constance Babington Smith "Air Spy - The story of photo intelligence in World War II" (Harpers & Brothers New York 1957) geht Babington Smith, die selbst Luftbildauswerterin war, auf den Seiten 105 - 106 auf die Entdeckung einer deutschen Scheinanlage ein. Dazu sei angemerkt, dass die RAF zu Beginn ihrer Bombenkampagne große Schwierigkeiten hatte, die richtigen Ziele anzusteuern und zielgenau zu bekämpfen. Oft war es die Luftbildaufklärung und -auswertung die nachher belegte (battle damage assessment), dass der Einsatz trotz hoher Verluste nicht wirklich erfolgreich war. Zumindest scheint es, dass die Entdeckung des sog. "Soest decoy" für die RAF damals etwas wegweisendes war und daraufhin eine spezielle Einheit innerhalb der Luftbildauswertung aufgebaut wurde, die sich nur mit Scheinanlagen (decoys) befasste.


    Originaltext:
    (Douglas) Kendall was silent over his stereoscope, much intrigued by something he had just found. He was looking at some open fields near the German town of Soest, which lies just east of the Ruhr. After a bit he got up, thought for a minute, glanced round the room, and then went over to a desk where an interpreter called Geoffrey Dimbley was bent low over some photographs.
    "I expect you are frightfully busy, aren't you?" asked Kendall.
    " Well no, not if you want me to do something else."
    "Have a look at this and see if you know what it is", said Kendall, giving him a pair of photographs.
    Dimbleby had a look, and saw the neat regular pattern of narrow German fields, with scattered over them the disfiguring splodges of Bombay craters, dozens and dozens of them -- perhaps about a hundred.
    "One of the Ruhr raids gone wrong, isn't it?"
    "Yes, I know", said Kendall, "but I mean this". He pointed to some strange objects, the size of foundations for three large barns. They looked rather like three gigantisch dominoes, laid close together.
    " What on earth. . .?"
    "I tell you what I'm pretty sure it is", said Kendall. "A decoy. A fire site to draw off the bombers. I've been on the lookout for something like this; but this is the first one I've actually seen. Would you like to try and find out how it works?
    Dimbleby set to work to analyze the giant dominoes. The three rectangles had walls only five feet high -- he could measure this from the shadows -- and there were gaps in the walls, and no roofs of any kind. Then within the enclosures were bundles of stuff that looked like strase, set up ablaze there would be a mass of flame inside the rectangles, and seen from a bomber far above it would strongly suggest a group of burning buildings. The report on the Soest decoy was received with some disfavor at Bomber Command. Really! What would the interpreters come up with next? It was all very well if the crews were sharp enough to recognize decoy fires and avoid them, but the interpreters seemed to spend their whole time in cutting away the ground from unser your feet. They'd probably soon be proving that all attacks had been aimed at decoy.
    Dimbleby's report on Soest was, in fact, the first of many and soon he was running a specialist Decoy Section. There was plenty to keep him busy, for the German decoy system was already widespread, and it became more and more elaborate as time went on.



    Deutsche Übersetzung der Einfachheit halber per Google:

    Kendall schwieg über seinem Stereoskop, sehr fasziniert von etwas, das er gerade gefunden hatte. Er blickte auf offene Felder in der Nähe der deutschen Stadt Soest, die östlich des Ruhrgebiets liegt. Nach einer Weile stand er auf, dachte eine Minute nach, sah sich im Zimmer um und ging dann zu einem Schreibtisch hinüber, wo ein Dolmetscher namens Geoffrey Dimbley tief über ein paar Fotos gebeugt saß.

    "Ich nehme an, Sie sind furchtbar beschäftigt, nicht wahr?" fragte Kendall.

    "Nun nein, nicht wenn du willst, dass ich etwas anderes tue."

    "Schauen Sie sich das an und sehen Sie, ob Sie wissen, was es ist", sagte Kendall und gab ihm ein Paar Fotos.

    Dimbleby warf einen Blick darauf und sah das ordentliche, regelmäßige Muster schmaler deutscher Felder, über die verstreut die verunstaltenden Kleckse der Krater von Bombay lagen, Dutzende und Aberdutzende von ihnen – vielleicht etwa hundert.

    "Einer der Ruhrangriffe ist schiefgegangen, nicht wahr?"

    "Ja, ich weiß", sagte Kendall, "aber ich meine das so". Er zeigte auf einige seltsame Objekte, die die Größe von Fundamenten für drei große Scheunen hatten. Sie sahen eher aus wie drei gigantisch dicht aneinander gelegte Dominosteine.

    " Was in aller Welt. . .?"

    "Ich sage Ihnen, was ich ziemlich sicher bin", sagte Kendall. „Ein Köder. Eine Feuerstelle, um die Bomber abzulenken. Ich habe nach so etwas Ausschau gehalten, aber das ist das erste, das ich tatsächlich gesehen habe. Möchten Sie versuchen, herauszufinden, wie es funktioniert?

    Dimbleby machte sich an die Arbeit, um die riesigen Dominosteine zu analysieren. Die drei Rechtecke hatten Wände, die nur fünf Fuß hoch waren – das konnte er anhand der Schatten messen –, und es gab Lücken in den Wänden und keinerlei Dächer. Dann befanden sich innerhalb der Umzäunung Bündel von Zeug, das wie Strase aussah, in Brand gesetzt, würde eine Flammenmasse innerhalb der Rechtecke sein, und von einem weit darüber liegenden Bomber aus gesehen würde es stark auf eine Gruppe brennender Gebäude hindeuten. Der Bericht über den Lockvogel Soest wurde beim Bomberkommando mit einigem Missfallen aufgenommen. Wirklich! Was würden sich die Dolmetscher als nächstes einfallen lassen? Es war schön und gut, wenn die Mannschaften schlau genug waren, Lockfeuer zu erkennen und ihnen auszuweichen, aber die Dolmetscher schienen ihre ganze Zeit damit zu verbringen, Ihnen den Boden von den Füßen wegzuschneiden. Wahrscheinlich würden sie bald beweisen, dass alle Angriffe auf Köder abzielten.

    Dimblebys Bericht über Soest war in der Tat der erste von vielen, und bald leitete er eine spezialisierte Köderabteilung. Er hatte genug zu tun, denn das deutsche Lockvogelsystem war bereits weit verbreitet und wurde im Laufe der Zeit immer ausgefeilter.



    Dieser Sachverhalt Soest betreffend findet sich auch in anderen britischen Büchern zur Thematik Luftbildaufklärung und-auswertung wieder, scheint er ja doch sehr wichtig für diesen Zweig der RAF und letztlich auch das Bomber Command gewesen zu sein.



    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo Jörg,


    danke für deine Ausführungen zu Hoernlein und Balcks schriftstellerischer Tätigkeit.


    Sehr interessant für mich insbesondere deine Schilderung mit Bezug zu Witzleben. Übrigens eine Biographie die ich immer mal wieder überlege mir zuzulegen.


    Dass Hoernlein über die Jahre hinweg nicht selten eher kritisch beurteilt wurde, wusste ich, steht so auch in Ludger Tewes Buch über die Division GD. Insofern war meine Ausführung zu Balcks Beurteilung von Hoernlein zu sehr aus dem Kontext gerissen. Ich hätte klar ergänzen sollen, dass Hoernlein öfters und nicht nur von Balck sein Fett wegbekam.


    Danke dir für den wichtigen Hinweis/ Einwand.


    Mit freundlichen Grüßen

    Robert

    Hallo Ingo, hallo Karin, hallo an alle,



    sehr interessant der Verweis auf das Befehlsschreiben, Ingo. Diese Emotionalität (sich abreagieren) ist schon bemerkenswert.


    Wie angekündigt hier nun aus dem untenstehenden Buch die wenigen, relevanten Passagen zu Balcks Aufgabe und Handeln als Kdr der HGr G.


    1)
    Adams, John A.: "General Jacob Devers. World War II's forgotten four star", Indiana


    S. 216
    Devers wollte eine kraftvolle Offensive starten auch wenn Eisenhower seiner 6th Army Group nur eine marginale Rolle zugestand. Devers wollte kreative Pläne und war sich der Einfachheit/ Sterilität eines Vormarchs durch das Belfort Gap bewusst.
    Balck und sein Stab kamen zu derselben Einschätzung.


    S. 226
    Balck favorisierte vor seiner Hauptverteidigungslinie am Fluss Meurthe noch eine Sicherheitszone einzurichten. Vorgeschoben Posten sollten vordringende Gegner erkennen und Artillerieschläge auf diese lenken und sie sollten in vorbereitete Feuerzonen gelockt/ gelenkt werden.


    S. 238
    Obwohl die 19. Armee auf weniger als 50.000 Mann Kampfkraft reduziert war und mobile Einheiten an andere Fronten abgegeben werden mussten, zeigte sich Balck zuversichtlich, dass die Topographie des Schwarzwalds am Oberrhein, die Schwierigkeiten der 1. Französischen Armee mit ihrer Disorganisation und Ausbildungsmängeln es lohnenswert machen, die Region Kräfte und strukturmäßig auszubauen.


    S. 256 - 258
    Balck und Rundstedt sahen die Gefahr durch den Einbruch der 7th US Army, der einen Keil zwischen 1. und 19. Armee treiben könnte. Ein Vorstoß durch die dünnen deutschen Linien könnte bereits 1944 den Rhein erreichen.


    Deshalb begann am Thanksgivingday '44 die Panzerlehrdivision südwärts zu fahren um an der Nahtstelle 3. und 7. US Armee anzugreifen. Balck hatte zwar die Nerven bewahrt in der Krise, aber beide deutschen Armeekommandeure vor Ort hatten kein großes Zutrauen in den Plan.


    Der Vormarsch der PLD machte sie anfällig für Angriffe der 4th Armored Division. Insgesamt ging der Vormarsch der 7th Army weiter.


    Balck schien den Status der Truppen, die die Zangenbewegung der 6th Army Group als erste abzuwehren hatten, nicht zu kennen.


    Später schloss sich Balck Armeekommandeur Wieses pessimistischer Einschätzung bezüglich der 19. Armee an, konnte diese aber aufgrund schwacher Sach-/Informationslage dem OB West Rundstedt nicht sofort vermitteln. Erst zusätzliche Informationen überzeugten Rundstedt, der der Armee den Rückzug über den Rhein erlaubte.


    Eine zusätzliche Frage:

    Auch wenn Balck nur sehr kurz die PzGrD GD führte und sich ja nach dem Krieg eher zurückzog, gibt es Informationen inwieweit Balck ggf. vom großen GD-Netzwerk um Udo Schwarzrock und Helmuth Spaeter, wie vom Historiker Agilolf Keßelring beschrieben, eingeladen/ konsultiert wurde oder gehörte Balck schlichtweg trotz seiner Meriten einfach nicht zur GD-Familie?


    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo zusammen,


    bevor ich noch aus den beiden anderen Büchern beisteuere, hier noch Notizen zu Balck aus Neitzel, Sönke: "Deutsche Krieger- Vom Kaiserreich zur Berliner Republik"


    In dem Buch wird oft aus Balcks Tagebuch zitiert, dass hier zu finden ist:


    BaArch-MA, N 647/ 2 bzw. 3


    Darin wird auch die von Ingo angemerkte Einladung in die USA angerissen.



    S. 61
    Als Balck im November 1916 wieder zu seinem elitären Jägerbataillon 10, welches er nach Verwundung im Dezember 1914 verlassen hatte, erkannte er praktisch niemand mehr.Verdun hatte die Truppe bluten lassen.


    S. 76
    Balck, der den Vormarsch mit dem Jägerbataillon 10 erlebte, war der Meinung dass 1914 ziviler Widerstand in den eroberten Gebieten sofort mit dem Tod zu bestrafen sei.


    S. 86
    "Unsere Zeit schreit nach einem Reformator oder einer neuen Religion" meinte Balck nach dem verlorenen Krieg im April '20.
    "Das Leben ist Kampf und da der Bürger nicht kämpfen will, ist er zum Untergang verurteilt. Die jugendliche Kraft der Arbeiterschaft, geleitet durch die Erfahrungen und Durchbildung des altpreussischen Offizierskorps. Dem gehört die Zukunft."
    Neitzel konstatiert, dass es untypisch für Offiziere sei eine Allianz von Reichswehr und Industriearbeitern zu sehen. Die Ablösung der Demokratie sei dagegen typisch für das Offizierskorps 1920.


    S.134 - 35
    Kapitel Siegeslauf in Frankreich
    Kritik Balcks an der Skepsis der Generalität vor dem Westfeldzug:
    "Beschämend ist das schlechte Urteil unserer Generäle über ihre eigene Truppe. Im ganzen Polenfeldzug hat es keinen ernsthaften Rückzug gegeben, kein Versagen der Führung."


    S. 149
    Die Bilder des Krieges (zerschlagene russische Einheiten) zeigten selbst für alte Krieger wie Balck Wirkung. Sie haben aber auch das eigene Überlegenheitsgefühl genährt.


    S. 170
    Kritik an Balcks Wirken bei der alliierten Landung von Salerno, zu zögerlich agiert habe.


    S. 210
    Manch Offizier wurde für sein ruppiges Führungsverhalten gerüffelt oder weil sie zu viel von der Truppe verlangten - wie Balck. Anderen wurde vorgeworfen zu viel Freiheiten einzuräumen.


    S. 215
    Darstellung Balcks als Kdr, der auch im österreichisch-ungarischem Grenzgebiet hart gegen "Drückeberger" vorgehen ließ


    S. 386 ff.
    Einladung Balcks und seines früheren Stabschefs Mellenthin, der aufgrund seines englischsprachigen Buches "Panzer Battles" bekannt war, im Mai 1980 zum US Army War College. Begrüßung als "two of the world's most distinguished living commanders of forces in battle".


    Ihnen wurde in einem Planspiel das Kommando über die 3. US Panzerdivision übertragen und sie sollten zusammen mit der 4. US ID das "Fulda Gap" verteidigen.


    Balck geht mit Mellenthin volles Risiko und will noch vor Fulda abwehren aber gleichzeitig die Sowjets vorstoßen lassen und diese dann in der Flanke fassen mit entsprechend einkalkulierten Geländeverlusten, was nicht unkritisch bewertet wird
    "in the hands of a average commander, it would probably be a disaster. In the hands of Balck, working with a von Mellenthin, it is an option with distinguished historical precedent."


    siehe hierzu auch

    https://apps.dtic.mil/sti/citations/ADA097704


    Insgesamt lässt sich auch zu der Thematik einiges im Netz finden wie mir scheint.



    Balck wird gerne und ausführlich von Neitzel als Exemplar herangezogen (Seiten 57, 61, 63 f., 67, 71, 76, 86, 134, 136, 144, 149, 152, 161, 169 f., 172, 208, 210, 215, 247, 386 f.). Das oben ist nur eine Zusammenfassung.


    Mit freundlichen Grüßen

    Robert

    Hallo Karin, hallo ZAG, hallo an alle,


    @ ZAG: Solche Beiträge fern ab der mitunter üblichen, simplifizierten Glorifizierung wie der von dem dir bekannten Funker sind doch einfach das "Salz in der Suppe" der Geschichtsforschung. Sehr interessant, klasse!



    Tatsächlich sind mir auch noch drei Bücher eingefallen, in denen Balck zumindest erwähnt wird.


    1)
    Adams, John A.: "General Jacob Devers. World War II's forgotten four star", Indiana


    2)
    Ungvary, Krisztian: "Die Schlacht um Budapest 1944/45", Herbig Verlag


    3)
    Tewes, Ludger: "Die Panzergrenadierdivision Großdeutschland im Feldzug gegen die Sowjetunion 1942 bis 1945", Klartext Verlag


    S. 111
    Balcks dienstliche Beurteilung von General d. Inf. Walter Hoernlein, ehem. Kdr der PzGrenD Großdeutschland


    Otto Knobelsdorff urteilte so im Nov 1944 über den unterstellten Hoernlein: "Sehr anständiger, zuverlässiger Charakter. Sehr tapfer, krisenfest und Steher. Geistig durchschnittlich begabt, daher etwas langsam. Scheint augenblicklich gesundheitlich nicht auf der Höhe, da sein Körpergewicht in den letzten Monaten stark abgenommen hat. Dadurch ist Entschlusdfreudigkeit etwas gehemmt. Ich halte ihn in der augenblicklich äußerst schweren Lage für die Führung des Korps nicht für voll geeignet. Nach Wiederherstellung d. Gesundheit K. G. eines Korps an einer ruhigen Front unter einfachen Verhältnissen mit einem guten Chef (des Stabes)."


    Balck als Kdr der übergeordneten Heeresgruppe G gab diese Stellungnahme ab: "Da es "ruhige Fronten" nicht mehr gibt, kann ihm (Hoernlein) die Eignung zum K. G. nicht mehr zugesprochen werden. Ich schlage Verwendung dieses bew. u. tapferen Gen. als K. G. eines stellvertretenden Gen. Kdos. (Anmerkung: quasi Wehrkreis) vor."


    Hat das Brisanz/ Geschmäckle wenn Balck so urteilt, über den Mann "dessen Division" er gerne weitergeführt hätte (siehe oben) oder ist es einfach nüchtern geurteilt, dass Hoernlein 1944 kein fähiger "Steher" war? Aber war war das schon bei der Gesamtlage?


    S. 317 - 318
    Für die gezielte Zerstörung französischer Städte in den Vogesen Ende 1944 verurteilte ihn (Balck) später ein Militärgericht in Paris in Abwesenheit zu 20 Jahren Zwangsarbeit.


    S. 319 - 320
    Balck hielt den strukturellen Aufbau der Div GD insbesondere im Hinblick auf die Panzereinheiten - wie auch andere Offiziere für Ressourcenverschwendung - und für zu viel Material, das auf engem Raum zusammengeschossen werden könne.


    Durch die hohen Verluste löste sich dieses Problem jedoch später elegant auf, so Tewes Wertung.


    S. 348
    Balck hatte vor Unternehmen Zitadelle generell davor gewarnt einen überdimensionierten Panzerblock zu bilden.


    S. 388
    Balcks Befürchtung hinsichtlich des überdimensionierten Panzerblocks, der artilleristisch zerschlagen werden könnte, bewahrheitet sich nicht, da der gelieferte Ersatz an Fahrzeugen die Truppe selten auf den Soll-Zustand brachte.



    Aus den beiden anderen oben genannten Büchern trage ich zu einem späteren Zeitpunkt zusammen.



    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo Karin, hallo an alle,



    ich habe mir das besagte "Sons of the Reich" vom ehemaligen britischen Brigadier Michael Reynolds zu Gemüte geführt. Auf den Seiten 3 - 13 wird über die Operationen der 9. und 10. SS-Panzerdivision an der Ostfront berichtet. Die beiden SS-Eiheiten betreffend wird hier sehr detailliert auf die einzelnen Einheiten runtergebrochen das Vorgehen geschildert. Bezüglich Hermann Balck heißt es:


    Wilhelm Bittrichs 9. SS-Panzerdivision abzüglich der im Brückenkopf östlich der/ des Strypa befindlichen Einheiten sollten sich ab dem 11. April 1944 für eine neue Mission unter der Führung von Balcks XLVIII. PzKorps bereithalten. Balcks Auftrag war es nach Tarnopol durchzubrechen und die Überlebenden der Garnison/ Festung rauszuholen.


    Am 10.04. besprachen der Kdr der 4. PzArmee sowie Balck und Bittrich von der Hohenstaufen-Division das Vorgehen.


    Am Abend des 16.04. erhielt Balck von der 4. PzArmee Befehl so viele Fahrzeuge wie möglich aus dem Brückenkopf mitzunehmen und die Kampfgruppe Hohenstaufen und KG Friebe hinter die eigentliche Verteidigungslinie Strypa zurückzuziehen.


    Obwohl die Hohenstaufen sich Meriten verdienen konnte, wurde die Division in dem Buch von Gert Fricke "Fester Platz Tarnopol" vermeintlich basierend auf den Kriegstagebüchern der Heeresgruppe, der 4. PzArmee und von Balck schwer kritisiert.
    Wilhelm Tieke entgegnet darauf in seinem Buch "Im Feuersturm der letzten Jahre", dass Fricke ausnahmslos Balcks Meinung übernommen und Bittrichs Meinung nicht gehört habe.
    Tieke, Angehöriger der Waffen-SS, geht soweit Balck massive Voreingenommenheit vorzuwerfen und verweist auf dessen wiederkehrende Ablehnung der Waffen-SS.
    Er hätte sich damit gegenüber Kritik von seiten der militärischen und politischen Führung verwahren/ schützen wollen.
    Reynolds konstatiert, dass unter den Umständen keine andere deutsche oder alliierte Division es besser gemacht hätte, Tarnopol wurde zu spät entsetzt um Aussicht auf Erfolg zu haben.


    S. 292
    Einsatz des II. SS-Panzerkorps in Ungarn

    Balck traf im DivHq von Sylvester Stadler ein und unterbrach Stadler als dieser die Situation seiner Division schildern wollte. Balck kritisierte, dass eine Pionierkompanie der Hohenstaufen vor dem Feind geflüchtet sei. Halten um jeden Preis sei befohlen gewesen. Stadler verteidigte seine Männer damit, dass ein sinnloses Opfer weder Führer noch Vaterland etwas nütze. Balck soll darauf hin ausgeflippt und mit Kriegsgericht gedroht haben, wenn/ da ein Führerbefehl nicht umgesetzt werden würde/ worden sei.


    Dies ist hinsichtlich Balcks Interaktion mit der Waffen-SS aus diesem Buch alles was ich beisteuern kann.


    Aktuell fällt mir kein weiteres meiner Bücher ein, in dem das Wirken Balcks angerissen wird, aber ich gehe noch mal in mich.


    By the way, vll. gehört es Balck betreffend zur Allgemeinbildung, aber warum hat er eigentlich die Zusammenarbeit mit der Historical Division der USA abgelehnt? Einige weniger interessante/ relevante Generäle konnten so ihr Narrativ einbringen und sich zukünftige Jobs/ Auskommen sichern. Was waren Balcks Beweggründe für die Ablehnung?


    Oh, gerade noch deine Einlassungen zu Gaedcke gesehen. Merkwürdig, wie wenig Gaedcke auf Balck, diesen bekannten/ kontroversen General eingeht!?


    Mit besten Grüßen

    Robert

    Liebe Karin,


    das können Sie gerne tun.


    Das ist ja eine interessante Auswahl an Literatur. :thumbsup:


    Ich habe noch von Michael Reynolds "Sons of the Reich" über das II. SS-PzK und könnte ggf. nachschauen, was darin zu Tarnopol 1944 steht.


    In dem untenstehenden Buch müsste auch noch etwas zu Hermann Balck stehen, da Gaedcke sein Stabschef war.


    Wege eines Soldaten: Heinz Gaedcke - Generalstabsoffizier: Operationsabteilung GenStdH, 25. Infanterie-Division, XXIV. Panzerkorps, XI. Armeekorps, 6. Armee



    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo an alle, hallo Karin,


    ich kann mich den vorherigen Antworten nur dahingehend anschließen, dass du mit einer Google-Recherche bereits viele interessante Aspekte zu Balck und den Kontroversen um seine Person finden wirst wie bspw. die unterschiedlichen Bewertungen hinsichtlich seiner Führung von Armeen und Heeresgrupen und sein mitunter überkritisches, ggf. gar unfaires Verhalten gegenüber ihm unterstellten Waffen-SS-Einheiten wie dem IV. SS-Panzerkorps 1944/45 oder den beiden SS-Panzerdivisionen bei Tarnopol 1944.


    Ich hätte aber aus dem Buch von Laslo Mago/ Sebastian Rosenboom "Theodor Poretschkin - Die Lebenserinnerungen eines Nachrichtenoffiziers in Abwehr und Reichssicherheitshauptamt" (Seiten 167 - 182) noch Anekdoten von Poretschkin bezüglich Hermann Balck beizutragen, die möglicherweise ganz erhellend/ erheiternd sind, wobei ich im Anschluss auch zu der Limitierung der Aussagen komme.


    Theodor Poretschkin gehörte der Nachrichtentruppe der Wehrmacht und später auch der Fernmeldetruppe der Bundeswehr an und diente zuletzt im Krieg in der Abwehr (Abwehr Ii) bzw. dem Quasi-Nacholger MilAmt im RSHA (MilAmt E/ Nachrichtenregiment 506).


    Kommandeur der Panzernachrichtenabteilung 341 der 11. Panzerdivision Januar 1942 bis Mai 1943:


    Poretschkin: "Ich war gleich am ersten Tag beeindruckt von dem Stolz auf die erfolgreiche Division, die jeden Angehörigen der Division, vom Funker bis zum General, beflügelte."


    Es ging einmal um die Meldung von Offizieren der 11. PzD für die Generalstabsausbildung, Balcks Vorgänger Generalmajor Scheller erwartete, dass eine gute Division wie die 11. PzD viele Offiziere melden sollte. Als Balck kurze Zeit danach übernahm und seine erste Kommandeursbesprechung abhielt, soll das so ausgesehen haben:
    Balck: "Die Gespensterdivision hat gute Offiziere, diese gehören an die Front. Für den Generalstab sind die Arschlöcher gut genug. Da wir bei uns keine haben, erwarte ich keine Meldungen!"


    Poretschkin: "Leider merkte ich bald, dass Balck für meine Waffengattung (Nachrichtentruppe) nicht viel übrig hatte."


    ABER


    "Schon bei der ersten Besprechung mit allen Kommandeuren hatte ich den Eindruck, dass Balck ein besonderes Gespür für die Truppe und die Beurteilung der praktischen Möglichkeiten unter Berücksichtigung des Auftrages, des Geländes und des Zustands der Truppe und der Eigenschaften ihrer jeweiligen Führer hatte. Balck machte den Eindruck eines unerschrockenen, mutigen Mannes, der das auch von seinen Untergebenen erwartete. Gleichzeitig aber besonnen und darauf bedacht, vermeidbare Verluste zu verhindern. Jeder Soldat solle bei jedem Halt als erstes Deckungsmöglichkeiten eruieren und ggf. Schützenlöcher Graben, um sich bei Beschuss schützen zu können.


    Ein Funkoffizier im Befehlspanzer des DivKdr äußerte sich so: "Was ich heute erlebt habe, war nicht Mut oder Tapferkeit, sondern Gotteslästerung" Dann erzählte er, dass Balck bei einem Panzerangriff ausstieg und befahl den Befehlspanzer wegzufahren damit dieser keinen Schaden erleiden würde. Balck stieg dann in "Kfz 15" um. Dann sei er vorgefahren und hätte mit der Pistole auf den Panzer des Angriffsführers Oberleutnant Lestmann gehauen und gerufen: "Lestmann, feste drauf! Ich fahre mit"


    Poretschkin: Obwohl ich in vielen Dingen - auch politischen - anderer Meinung war und seine Ansichten diesbezüglich nicht billigte und es oft sehr schwer mit ihm hatte, bin ich der Ansicht, dass Balck ein idealer Führer einer Panzerdivision war, vor allem an der grausamen Ostfront. Ob er auf höheren Ebenen dies auch war, kann ich nicht beurteilen. Ich erinnere mich, dass er selbst mir, als ich ihm zur Auszeichnung mit dem Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern und der Beförderung gratulierte, sagte: "Ich glaube, dass ich ein brauchbarer DivKdr bin. Ich fürchte, dass ich bei höheren Aufgaben überfordert werden könnte."



    Poretschkin: Ich hatte es unter keinem anderen Vorgesetzten so schwer wie unter Balck in meiner militärischen Laufbahn. Trotzdem schätze ich ihn als vorzüglichen und erfolgreichen DivKdr.


    Vor dem Einsatz in der Steppe von Woronesch hielt Balck ein Planspiel ab, da er meinte das sei besser als lange schriftliche Befehle.


    " Zum Glück waren die Entfernungen beim Einsatz nicht groß, sodass sogar Fernsprechverbindungen möglich war, obwohl die Offiziere sich gut an das Führen per Funk gewöhnt hatten. Das war unzweifelhaft General Balck zu verdanken, der selbst ein Meister darin war. Leicht hatte ich es aber nicht mit ihm.
    Zu Beginn des Einsatzes wurde ich gerufen und er fuhr mich unwirsch an: " Warum erreiche ich den Oberst Schmidt nicht per Telefon? Poretschkin antwortete er hätte gerade erst mit dem Artillerieregiment telefoniert und es hätte funktioniert. "Das interessiert mich nicht, ich will nicht das Regiment, sondern den Kommandeur! Wozu habe ich in der Division einen Hauptmann mit fünfhundert Mann? In Berlin stecke ich einen Groschen in den Automaten und kann telefonieren mit wem ich will und hier kriege ich nicht mal den Oberst Schmidt. Kümmern Sie sich gefälligst darum!" Poretschkin prüfte, dass alles in Ordnung war, aber Oberst Schmidt antwortete: Ich denke nicht daran an den Apparat zu gehen. Er scheißt mich heute ohnehin nur an."


    Als Poretschkin auf Empfehlung von Offizieren anderer Truppenteile eigene Soldaten für das Eiserne Kreuz einreichte, lehnte Balck ab und entgegnete Balck: "Wenn ich für Ihre Drahtamseln EK's genehmigen soll, dann müsste ich jedem Panzergrenadier das EK schon bei der Einkleidung geben."


    Tage später wurde Poretschkin zum General befohlen, der ungehalten war: "Herr, schon mal was von Fürsorge für die Truppe gehört? Heute früh fuhr ich durch dichtes Schneetreiben im Befehlspanzer zum Grafen Schimmelmann (Kdr PzRegiment), der den Russen eingekesselt hatte. Als Gestalten aus der Dunkelheit kamen, legten wir schon auf sie an, weil wir sie für Russen hielten. Es war ein Soldat Ihrer Abteilung und meldete mir: "Obergefreiter Schröder mit zwei Mann auf Störungssuche. Störung soeben beseitigt. Herr General können mit dem Panzerregiment sprechen!"


    Balck: "Warum hat der Mann noch kein EK? Nennen Sie das Fürsorge, Herr Hauptmann?"


    Poretschkin zog daraufhin das frühere EK Gesuch aus der Tasche: "Herr General, dieser Mann ist die Drahtamsel, für die ich Ihnen neulich den Vorschlag vorlegte und den Sie abgelehnt haben. Sie werden sich sicher daran erinnern." Darauf Schweigen, Balck stand auf und hielt Poretschkin die Hand hin. "Ich habe Ihnen und Ihren Männern Unrecht getan. Ich habe nicht geahnt, was Ihre Männer unter so schweren Bedingungen leisten müssen. Ich bitte um Entschuldigung, es tut mir sehr leid."
    Dann kam ein Offizier herein und Balck entschuldigte sich nochmal vor Zeugen.


    Poretschkin geriet um den Jahreswechsel 1942/43 im Divisionsstab in eine Diskussion bezüglich der Kriegsfolgen.
    Balck äußerte, dass der Mangel an jungen Männern zu Geburtenrückgängen führen wird und dass dies nur verhindert werden könne, wenn der Führer befehlen würde, dass jeder Mann zwei Frauen heiraten müsse. Darüber wurde heftig gestritten und Poretschkin fragte, was Balcks Frau dazu meinen würde. Balck antwortete, dass er und seine Frau dann ohnehin schon zu alt wären und dies sie nicht mehr betreffen würde.
    In die Diskussion platzte ein junger Leutnant aus Poretschkins Abteilung mit einem Fernschreiben. Balck fragte: "Wirt, wie viele Kinder haben Sie?"
    Herr General, keine, ich bin nicht verheiratet." Balck: "Sie Schlappstiefel, als ich so alt war wie sie, hatte ich mindestens schon drei Alimentenklagen am Hals!"


    Balck wurde März 1943 zum General der Panzertruppen befördert und versetzt.
    Bei der Verabschiedung zu Poretschkin: "Ich habe Ihnen schon früher gesagt, dass ich befürchte bei weiteren Verwendungen überfordert zu werden. Ich weiß, dass ich die Division gut geführt habe, aber nicht ob es auch für höhere Führungsaufgaben zutrifft. Drücken Sie die Daumen, dass man mich nicht zu hoch geigt."


    Balck hatte noch die bevorzugte Beförderung Poretschkins zum Major beantragt.



    ‐----------‐--------


    Einschränkung/ Bewertung:
    Das Buch basiert auf einem unveröffentlichten Manuskript Poretschkin und ist zum Teil durch den Kapiteln vorangestellten Texten der Autoren eingeordnet.


    Es kommt allerdings häufiger vor, dass Poretschkin Dinge/ Zusammenhänge und Abwehr-Interna und zuständige Personen unrichtig wiedergibt, sodass nicht klar ist, wann er den jeweiligen Manuskriptabschnitt erstellt hat und was er zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen haben mag oder nachträglich mit neuem nachträglichen Wissen/ Meinungen anreicherte.


    Insofern könnte es sein, dass Poretschkin nach dem Krieg um die Kontroverse um Balcks Führungsvermögen wusste und dies in seine Erinnerungen an Balck einfloss, er dies vll. 1943 so aber gar nicht wahrgenommen hatte.


    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo an alle, hallo Wolf,


    meiner Meinung nach existiert Abwehr IV nicht, es dürfte sich hierbei wohl um die Abwehrstelle im Wehrkreis IV (Dresden) handeln nehme ich an.


    Untenstehend ein Hinweis zu Akten über die Ast Angers:


    https://www.deutsche-digitale-…W2TWQEYCP3D36TWF76TXAS3ZE



    Hier lässt sich auch manches zur Ast Angers bzw. der Gruppe III in Angers finden:

    https://www.cia.gov/readingroo…/5197c267993294098d50e7af


    Aus obenstehender Quelle zu Major/ Oberst Anstett siehe auch hier:


    20211024_000920.jpg



    Mit freundlichen Grüßen

    Robert

    Hallo Wolf,


    was aus dem Werdegang heraussticht ist, dass dein Großvater einen gewissen Schwerpunkt in der Spionageabwehr (Abwehr III) und den entsprechenden Gruppen III von Abwehrstellen im besetzten Europa hatte. Dies passt durchaus zu seinem polizeilichen Hintergrund vor dem Krieg.


    Du könntest auch im britischen Nationalarchiv zwei Akten über Hans Meißner downloaden, vll. ist dein Großvater darin genannt:


    https://discovery.nationalarch…ov.uk/details/r/C10907229


    https://discovery.nationalarch…ov.uk/details/r/C10907238



    Mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo Dirk, hallo an alle,


    ich habe keine konkreten Beispiele zur Hand, ich gehe aber davon fest davon aus , dass die entsprechenden Einheiten von Abwehr-III die Bekämpfung von Funkagenten in Italien wahrgenommen haben wie sie dies auch in anderen Ländern getan haben (Beispiel "Rote Kapelle").


    Allerdings halte ich es ebenso für sehr wahrscheinlich, dass bis zur Landung der Alliierten und dem Ausscheiden Italiens aus dem Krieg der italienische Militärgeheimdienst SIM (Servizio Informazioni Militari) welcher einen guten Ruf hinsichtlich der SIGINT-Kapazitäten genoß, auch in Italien selbst auf dem Gebiet der Funkaufklärung gegen Agenten tätig war.


    http://chris-intel-corner.blog…breakers-of-wwii.html?m=1

    https://histclo.com/essay/war/ww2/code/sci/sci-ita.html


    Weitere Recherchen sollten hierzu bestimmt Ergebnisse hervorbringen.


    Mit besten Grüßen

    Robert

    Guten Abend zusammen,


    da ich gerade im Zusammenhang mit dem früheren deutschen Botschafter in Ankara und Moskau, Rudolf Nadolny, mal wieder auf Oberst Hans Marguerre gestoßen bin, möchte ich hier ein wenig ergänzen.


    Hans Marguerre hat im Ersten Weltkrieg nicht nur als "Baumeister" gewirkt, sondern gehörte auch der Sektion P des Generalstabs an und arbeitete dabei eng mit der Abteilung IIIb (Spionageabwehr und Feindaufklärung/ Propaganda) unter Oberst Walter Nicolai zusammen, wo er verschiedenen Quellen zufolge, zusammen mit Hauptmann d. R. Rudolf Nadolny auch führend an Sabotageplänen im Ausland mitgewirkt haben soll. So soll im Februar 1916 ein Treffen abgehalten worden sein, auf dem Marguerre und Nadolny Sabotagepläne gegen US-amerikanische Munitionsfabriken besprachen. Darüber hinaus sollen Nadolny und Marguerre aber auch an der Forschung und dem Einsatz Biologischer Waffen zwecks Durchführung von Sabotage gearbeitet haben.


    Marguerre gehörte später Abwehr II (Sabotage, Minderheitenpolitik und Diversion) bereits unter dessen ersten Leiter Helmuth Groscurth an und leitete langjährig die dortige Gruppe Technik von Abwehr II (Abwehr II/ T). Spätestens im Zuge der Umstrukturierung und Zerschlagung der Abwehr und des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde Marguerre zusammen mit den anderen "Militärwissenschaftlern" von Abwehr II/ T, Oberstleutnant Mauritius und Major Poser, entlassen.


    Quellen u. a.:

    Erhard Geißler: "Hitler und die Biowaffen", S. 67 - 68;


    http://www.irishbrigade.eu/oth…mans/nadolny/nadolny.html


    Verhör von Karl Radl im Interrogation Center der 12th Army Group, XARZ-27743 vom 20. Juni 1945, S. 2


    Nachklapp: Rudolf Nadolnys Sohn Burkhart (Vater des Schriftstellers Sten Nadolny) gehörte als Leutnant im Zweiten Weltkrieg der Abwehrstelle Bukarest als Finanzoffizier und der Kriegsorganisation Bulgarien der Abwehr in Sofia an und diente zuletzt im Referat Südost des MilAmt D, welches als Nachfolgeorganisation von Abwehr II für Sabotage- und Zersetzungsunternehmungen verantwortlich war. Insofern trat Burkhart Nadolny hier gewissermaßen in die "Sabotage"-Fußstapfen seines Vaters Rudolf, wobei der Senior nach meiner Aufassung auf seinem Posten mehr in Erscheinung trat respektive "Berühmtheit" erlangte. Inwieweit möglicherweise auch das Kennverhältnis von Rudolf Nadolny zu Oberst Hans Marguerre eine Rolle bei Burkharts Übernahme in die Abwehr eine Rolle gespielt haben könnte, muss hier vorerst Spekulation bleiben (Quellen: KV-2/2651_2 Hans Dehmel, S. 14 und KV-2/2138_2 Murad Ferid, S. 26 und KV-2/3015_3 Gotthard Gambke Sergius Peters Hans Raupach, S. 37).


    Mit besten Grüßen


    Robert

    Frohe Ostern Eumex und an alle anderen,


    danke auch für Hinweis zu Boy Christiansen.


    Tatsächlich bin ich seinerzeit noch als stiller Mitleser im Forum auf "Mit Hurra gegen die Wand" aufmerksam geworden und habe mir das Buch auch gekauft. Gerne hätte ich noch etwas mehr zu den Einsätzen des FAK 202 und des Streifkorps Schill in den letzten Kriegsmonaten erfahren, nicht zuletzt da man wohl im Vergleich zu anderen Frontaufklärungskommandos "noch sehr umtriebig war" und dafür einige Angehörige des Kommandos in russische Kriegsgefangenschaft gegangen sind und auch durch sowjetische Militärgerichte verurteilt und hingerichtet wurden.


    Nach meiner Anmeldung hier im Forum habe ich dann auch die hier eingestellten Erfahrungen von Boy mit Interesse zu Kenntnis genommen.


    Mit besten Grüßen


    Robert

    Hallo Gaius, hallo Johann Heinrich,


    danke für eure Antworten.

    Dann nehme ich die Todesursache Luftangriff erstmal an, korrespondiert sie doch - wenngleich der Name Kramers nicht genannt wird - mit der den SSUP Akten und dem im KTB genannten Luftangriff.


    Zu der Anfrage des BND zu den Frontaufklärungseinheiten fällt mir nur auf, dass Ludwigsburg doch der Aktenbestand für Kriegsverbrechen ist, oder?


    Ansonsten sind einige Angehörige der FAK und FAT I, II und III sowie der vorgesetzten Leitstellen für Frontaufklärung in der Frühphase der Organisation Gehlen und des BND dabei gewesen. Darunter auch welche aus den Sabotageeinheiten.


    Hermann Baun (Walli I)

    Siegfried Graber (Walli I)

    Heinz Schmalschläger (Walli III)

    Herbert Dohnal

    Günter Golly (FAK 202)

    Hinrich-Boy Christiansen (FAK 202), wenn auch erst nach Kriegsgefangenschaft und Studium, wenn ich das richtig in Erinnerung habe

    Erich Kutschke (Quenzgut und FAT 2XX)

    Dr. Siegfried Ziegler (Leitstelle II Südost)


    Mit besten Grüßen für ein angenehmes Osterfest


    Robert

    Guten Abend und Danke an alle die weiter an diesem Thema mitwirken.


    Die sich widersprechenden Informationen wonach Kramer bei einem Gefecht/ Überfall mit bzw. von Partisanen getötet wurde oder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam stammen aus den Verhörprotokollen von Leutnant Hans-Jürgen Kirchner (Frontaufklärungstrupp 250 Salonika) und Oberleutnant Murad Ferid (Leiter Gruppe II der Ast Salonika und später Führer des FAK 201 u.a. in Belgrad). Diese Protokolle sind grundsätzlich für mich wertvoll, da sie zahlreiche Namen der etwa 1.700+ Angehörigen der Frontaufklärungseinheiten-II/ MilAmt D-Strukturen mit Grobdaten nennen und über Operationen Auskunft geben. Allerdings stellen sie eben zumeist Einzelinformationen von Kriegsgefangenen dar, die vll. auch Schutzbehauptung gegenüber den Verhörern sein können oder lediglich aus Hörensagen resultieren. Manchmal lassen sich Aussagen anhand anderer Aussagen oder mittels Randnotizen der Verhörer korrigieren, mitunter aber auch nicht.


    Insofern ist der Hinweis auf den Luftangriff auf Pogorica sehr willkommen. Danke dir, Gaius. Ist das Werk über die Deutschen Dienste in Jugoslawien irgendwo zu erwerben? Gab es ggf. neben René Kramer weitere Opfer im Frontaufklärungstrupp 215 durch den alliierten Luftangriff?


    Danke nochmal und mit besten Grüßen

    Robert

    Hallo Thilo, hallo Johann Heinrich,


    zuerst erst einmal herzlichen Dank für die tollen Informationen zu René Kramer.


    @ Thilo: darf ich fragen, woher du die Information hast, dass Kramer im Zivilleben Rechtsanwalt war?


    @ Johann Heinrich:
    Ich nutze im Hinblick auf das Themengebiet Abwehr/ Frontaufklärungseinheiten als Quellen bis dato vor allem zahlreiche Bücher in denen das Ganze mehr oder auch mal weniger angerissen wird, die online verfügbaren CIA-Akten und als Startpunkt meiner Recherchen die diversen, über das Onlineportal des britischen Nationalarchivs zu erhaltenden Akten, bin aber ansonsten sehr unerfahren was die Nutzung des Bundesarchivs/ Invenio betrifft oder von Formaten wie Ancestry.


    Das heißt ich kannte die Akten zur Person Kramers noch nicht und habe leider auch generell noch nicht im Bundesarchiv gesucht und entsprechend ausgewertet, sondern stoße lediglich in Sekundärliteratur - wie hier in Kramers Fall- im Buch von Norbert Müller und Helma Kaden auf Verweise zu den Archiven:

    http://www.sehepunkte.de/2010/05/15792.html


    Insofern konnte man mir wie erwartet hier sehr weiterhelfen. Danke nochmal dafür.
    Und bezüglich der Archive muss ich mich beizeiten endlich mal einlesen wie ich da vorgehen muss.


    Mit besten Grüßen für ein angenehmes Rest-Wochenende


    Robert

    Guten Abend zusammen,


    ich bin immer wieder positiv überrascht, wie viele Informationen hier Forenteilnehmer zu einzelnen Personen in der Lage sind herauszufinden.


    In diesem Sinne bin ich auf der Suche nach weiteren Informationen über Oberleutnant Dr. René Kramer, einem Einheitsführer des Frontaufklärungstrupp 215, welcher 1944 auf dem Balkan eingesetzt war.


    Folgende Informationen liegen mir bis dato zu René Kramer vor:


    geb. am 05.11.1887 in Börnersdorf
    gest. am 05.05.1944 bei Podgorica/ Jugoslawien (heutiges Montenegro). Die Angaben über die Todesumstände variieren dabei von Flugzeugabsturz zu durch Partisanenüberfall getötet (dazu unten mehr)


    Kramer nahm am 1. Weltkrieg teil.


    1940 gehörte er als Feldwebel dem Baulehrbataillon zbV 800 an.


    Unternehmen "Tamara I" und "Tamara II" der Abwehr
    "Tamara I" sollte von einem Unteroffizier des Lehrregiments geführt werden, während die 80 Georgier im Rahmen von "Tamara II" von Dr. Kramer geführt werden sollten.
    Das Unternehmen wurde dem Ic der 11. Armee unter Generaloberst Eugen Ritter von Schobert unterstellt.


    Kramer war 1944 Truppführer des FAT 215 in Jugoslawien bevor er entweder infolge eines Partisanenüberfalls oder eines Flugzeugabsturz ums Leben kam und kurzzeitig durch Hauptmann Dr. Gottfried Kniesche ersetzt wurde.


    Quellen:
    Volksbund für Kriegsgräberfürsorge


    Aussagen von Leutnant Hans-Jürgen Kirchner/ CIA-Akten


    CIA-Akten zu Oberleutnant Dr. Murad Ferid


    KV-2/2138 Dr. Murad Ferid


    BA-MA 20-11/485 und Norbert Müller/ Kaden: "Das Amt Ausland/ Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht", S. 219


    Vielen Dank schon einmal im Voraus für die Kenntnisnahme und mit besten Grüßen


    Robert

    Hallo an alle, in diesem Fall insbesondere an Siegfried Dodels Enkelin.



    Hauptmann/ Major Siegfried Dodel wird - wie oben ja bereits dargestellt - in dem Buch "Blutiges Edelweiß - Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg" von Hermann Frank Meyer (Ch. Links Verlag) erwähnt. So auf den Seiten 206, 314 f., 330, 442, 454 - 458, 647, 654, 656.


    Das Buch ist keine "klassische" Truppengeschichte/ Divisionschronik sondern geht bei 798 Seiten eher kurz auf den Weg der 1. Gebirgs-Division in Frankreich und die "Sturmfahrt" auf Lemberg" ein, behandelt dafür umso umfangreicher die Einsätze der Division auf dem Balkan.


    https://www.deutschlandfunk.de/die-verbrechen-der-gebirgsjaeger.730.de.html?dram:article_id=103042#:~:text=%E2%80%9EBlutiges%20Edelwei%C3%9F%E2%80%9C%20ist%20keine%20Jubelmonografie,Gebirgs%2DDivision.


    Zum Autor des Buches siehe auch hier:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hermann_Frank_Meyer


    Meyers Vater wurde als Oberleutnant der Wehrmacht von Partisanen auf dem Balkan getötet. Meyer nahm dies zum Anlass sich mit näher mit dem "Partisanenkrieg" und Bandenkampf in der Region auseinander zu setzen und schrieb auch mehrere Bücher und Aufsätze zu bestimmten Ereignissen/ Massakern respektive Wehrmachtseinheiten wie der 1. Gebirgs-Division und auch der 117. Jägerdivision die im Partisanenkrieg eingesetzt waren. Siehe hierzu auch auf Meyers Homepage:


    http://www.hfmeyer.com/german/index.html


    Ich könnte in den nächsten Tagen jeweils in der Mittagspause die einzelnen Seiten bzw. Abschnitte auf denen Siegfried Dodel genannt wird zusammenfassen und dann abends hier einstellen, sofern dies gewünscht wird.



    Beste Grüße


    Robert

    Hallo zusammen,



    ein Nebenaspekt zu Karl Rathgeber. Das Bürgengremium dem Rathgeber beisaß, entschied auch über die Aufnahme/ Beförderung zum SS-Untersturmführer des späteren Präsidenten des Bundeskriminalamts, Paul Dickkopf, der unter dem Namen CARAVELLE auch als Chef des BKA weiter für die CIA als Zuträger/ Quelle gearbeitet hat und bereits während des Krieges unerlaubt abgängig in Richtung Schweiz unterwegs war.


    Quelle:

    https://www.cia.gov/readingroo…/519a6b2f993294098d5121df



    Beste Grüße

    Robert