Posts by Wolfgang G. Fischer

    Der "Sitzkrieg" war also doch nicht so friedlich - nach den Schilderungen des Soldaten!


    Die Kriege der Neuzeit waren immer geprägt von einer gewissen Frömmigkeit der Frontsoldaten. Selbst Katholiken, die vor dem Krieg kaum zur Kirche gingen, beteiligten sich an der Front rege an Gottesdiensten.


    Bei den Lutheranern war es ähnlich.

     

    Hallo Bert,


    dass es im "Sitzkrieg" Tote gab, hat mich auch überrascht.


    Ludwig Reinhardt war ev.-uniert mit reformierter Tradition. Er gehörte wie seine Familie der "Landeskirchlichen Gemeinschaft für entschiedenes Christentum" (EC) an, einer strenggläubigen Gruppe innerhalb der ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck.


    Herzliche Grüße

    Wolfgang

    Guten Tag,


    hier ein Brief meines Großonkels an die Familie seines Bruders, in der er mehrere Jahre gelebt hatte, als er in Francop bei Hamburg seine Schreinerausbildung machte. Mit seinem Bruder Valentin war Ludwig in Siegen stationiert.




    Ludwig Reinhardt an die Familie seines Bruder Rudolf



    R., den 11. Sept. 1939


    Liebe Liesel, Vater und Mutter!


    Ich habe Euch nun recht lange nicht mehr geschrieben. In dieser Zeit ist das ja auch verständlich. Nun ist doch wenigstens die Postsperre aufgehoben.


    Rudolf schwirrt doch sicher auch irgendwo mit den Flakgeschützen rum. Möchte mal wissen, ob er in Polen ist oder nicht. Muss oft an ihn denken. Denn hier ist auch Flak im Dorf.


    Am 24. August bekam ich von zu Hause eine Eilkarte, die uns aufforderte, sofort nach Hause zu kommen. Vater hatte einen Schlaganfall bekommen. Valentin war Stellvertreter auf der Gaskammer, den ließ der Chef sowieso nicht weg und ich wollte den 25. ab nach Hause fahren.


    Am 25. und 26. machten wir mobil und am Abend des 27. wurden wir verladen und wollten durch die Nacht dem Westwall entgegen. Am 28. waren wir dann schon in unseren Befestigungen und Stellungen drin.


    Kurz nach unserem Eintreffen räumte auch schon die Bevölkerung das bedrohte Gebiet. Das war für uns sehr schmerzlich, das könnt Ihr Euch vorstellen.


    Alles zurücklassen müssen ist schwer. Wir konnten dann auch nichts mehr kaufen. Am 8. 9. sind wir dann in den Stellungen abgelöst worden und sind zurück in die Etappe gekommen. Wir liegen jetzt hier im Ort R. gruppenweise in Quartier und haben einige Tage Ruhe.


    Gestern hatten wir sogar mal einen Sonntag gehabt, was ja nun ganz selten bei(m) Kommiss vorkommt. Sonst hatten wir immer noch einigermaßen Ruhe an der Front. Außer einigen kleinen Feuergefechten französischer Spähtrupps mit unseren Gefechtsvorposten ist nichts nennenswertes gewesen. Ein französischer Offizier und etliche Mann sind erschossen. Zwei französische Flieger, die über unserem Dorf waren, sind von der Flak, die in der Nähe des Dorfes steht, beschossen und runtergeholt. Habe es selbst beobachtet.


    Heute kam ja die Nachricht, der Flugplatz von Saarbrücken wäre beschossen von französischer Artillerie. Heute nachmittag hörten wir schweren Geschützdonner von fern. Ich nehme an, dass es unsere Artillerie war.

    Ich glaube nicht, dass der Franzmann angreifen wird. Doch wenn es sein sollte, werden wir hier im Westen das Reich schützen. Valentin und ich sind nun etwas getrennt, er ist beim Gefechtstross und ich bin in vorderster Front. Er wäre ja lieber bei mir an der vorderen Front.


    Wir sind hier in einem völlig katholischen Dorf. Aber wir sind unter uns zusammengekommen (um zu beten). Sind in jeder Kompanie welche. Unsere Kompanie ist jetzt zusammengewürfelt durch die Reservisten. Wir haben auch einen Dipl.-Ingenieur bei uns. Aber gemeinsames Erleben schweißt zusammen.


    Sonst geht mir's gut. Hatte ja vor einigen Tagen eine Magengeschichte, die ist nun schon wieder soweit besser. Ich hoffe, es geht Euch allen noch gut, dass Wera (* 4. Sept. 1936) noch gesund ist.


    Bis auf ein frohes Wiedersehen im Herrn grüßt Euch Euer Ludwig.



    MIt besten Grüßen

    Wolfgang

    Die Gefallenen sind:

    Guten Morgen,



    endlich habe ich in der Ortschronik von Ransbach die Seite mit den Soldatengräbern gefunden (Seite 100).


    Die Angaben sind genau so, wie Du, Thilo, sie gemacht hast.


    Ein Enkel des Obergefreiten Damke besucht das Grab seines Großvaters regelmäßig. Er hat auch ein Foto des Grabes aus dem Jahre 1949 zur Verfügung gestellt (Seite 101).



    Mit besten Grüßen

    Wolfgang

     

    Aber heute kostet alles Nerven, fast bei jedem Menschen. Auch Liesel (Rudolfs Ehefrau) hat (es) ja nun wieder schwer (sie ist im achten Monat schwanger), aber der Herr kann helfen über Bitten und Verstehen.

    Dabei geht es um die Beschwernisse des Alltags (Einführung der Bewirtschaftung von Lebensmitteln und sonstigen Wirtschaftsgütern). Und eine Schwangerschaft war in der damaligen Zeit schon irgendwie eine Belastung, weil der künftige Vater nun Kriegsdienst zu leisten hatte.

     

    Guten Morgen Bert,


    für Liesel war es die dritte Schwangerschaft in vier Jahren, im Sept. 1936 und Dez. 1938 waren Töchter geboren worden. Außerdem war Liesels Mutter schwer krank und starb bald darauf. Liesel scheint eh nicht sehr nervenstark gewesen zu sein.


    Mit besten Grüßen

    Wolfgang

    Moin,




    Gustav Möller an seine Ehefrau Auguste


    "B[elgien], den 16. Mai 1940


    Mein liebes Frauchen und Kinder!


    Aus Feindesland einen kurzen Gruß, das Briefpaper ist auch hier aus Belgien, ist doch sehr hübsch, nicht wahr, mein Lieb.


    Wir haben anstrengende Tage hinter uns, eben sind wir wieder auf dem Sprung, aber es ist gerade noch so viel Zeit, um ein paar Zeilen hinzuhauen, anderst kann man es ja nicht nennen.


    Habe mit meinem Wagen schon zweimal Pech gehabt, vorgestern hat er gebrannt und gestern versagte der Motor, so hat man seinen Dampf.


    Aber Spaß macht es doch, es geht nur feste ran an den Feind. Wir sind schon ziemlich weit, kann Dir ja nicht schreiben, wo, ist ja auch nicht nötig, denn wenn Dich der Brief erreicht, sind wir wieder ganz woanderst.


    Sonst geht es mir noch gut, Verluste haben wir noch keine gehabt. Ist ja ….(?), dass Heinrich (Augustes Bruder) nicht dabei ist, wird ihm wohl Leid tun. Heute bin ich stolz darauf, dass ich dabei sein kann und an der großen Entscheidung meinen Teil beizutragen.


    Der Vormarsch gestaltet sich oft sehr schwierig, denn überall hat der Feind die Brücken und Straßen gesprengt, aber unsere Pioniere sind auf Draht, so geht es unaufhaltsam weiter. Hebe diesen Brief mal gut auf und wenn ich dann wieder zu Hause bin, will ich Dir dann mal so Verschiedenes erzählen, was ich jetzt nicht schreiben kann wegen Spionage.


    Von Dir konnte ich ja bis jetzt noch keine Post erhalten, die Hauptsache ist ja, wir leben noch. Hoffentlich geht es Dir auch gut, mein Lieb, wird ja nun nicht mehr so lange dauern (bis zur Geburt des zweiten Sohnes am 17. Juni 1940),

    aber …. getrost, es geht alles mal vorüber.


    Für heute die herzlichsten Grüße und Küsse von Deinem Dich liebenden Gustav und Euerm Papa.



    Grüße an alle und besonders Mutter in Vacha, wenn es sich morgen ermöglichen lässt, schreibe ich mal ein paar Zeilen."




    Mit besten Grüßen

    Wolfgang

    Guten Morgen,


    hier der besagte Brief:




    Zellhausen, den 11. Juli 1941


    Lieber Gustav!


    Jetzt, wo Du wieder im Einsatz bist, wartest Du sicher besonders auf Post. Ich weiß das. So stark ist das Bedürfnis sonst nie, wenn man auch im versteckten Ostpreußen sitzt. (Meine Großmutter hatte ihn in Königsberg besucht, ihre Freundin Herta Kattner lebte dort.)


    Viel wirst Du in der Zwischenzeit wieder erlebt haben. Gern wäre ich auch im Osten dabei. Was das heißt in der Hitze, Gustav, weiß ich. Meine Gedanken sind oft bei der armen Infanterie. Doch wenn es immer wieder vorwärts geht, das spornt an.


    Sicher ist Dein Kopf schon manchmal aufs Steuerrad gesunken vor Müdigkeit. Doch auch Russland geht vorbei. Ich bin immer noch hier unten. Fern von Kampf und Krieg. Ich war kurz bei meiner Truppe (in Siegen?), die gerade von Kreta kam.


    Meine Kompanie ist arg gerupft. Von meiner Gruppe lebt noch ein Mann, der mit einer anderen Gruppe sprang und wegen einer Sprungverletzung gleich wieder nach Athen kam. Die Maschine, mit der ich geflogen wäre, ist brennend abgestürzt. Wer herauskam, wurde von bereitstehenden Panzern vernichtet. Wenn ich dabei gewesen wäre, wäre ich auch nicht mehr. So geht das.


    War auch noch acht Tage zu Hause. Es gab ja so allerlei Arbeit. Auch um Deine Sprösslinge habe ich mich in der soldatischen Erziehung etwas gekümmert. Gerhard (* 14. Apr. 1939) habe ich mit ins Schiff genommen (welches „Schiff“?), und tolle mit ihm geschaukelt. Er war gar nicht ängstlich.

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    Wenn nicht gerade Sperra in der Werra gewesen wäre wegen Typfus, hätte ich ihn mal mit ins Wasser genommen. Ist gut, wenn er schon früh das Schwimmen lernt, dann braucht man auch nicht mehr solche Bange haben.

    Habe vorgestern hier zum ersten Mal auch Kopfsprung vom 8(?) m Turm gemacht.


    Nun wünsche ich Dir viel Kraft für Deine Aufgaben und ein frohes humorvolles Gemüt.


    Dein Schwager Valentin



    Beste Grüße

    Wolfgang

     

    Stell die Briefe hier doch einmal ein, wenn die vom Zweiten Weltkrieg sind, dann dürfte hier eine Feldpostnummer (fünfstellige Zahl, ggf. mit Zusatzbuchstaben) zu finden sein. Welches Datum hat die FPN?

    Hallo Sven,


    ich habe jetzt ein paar Briefe wiedergefunden, darunter einen vom 11. Juli 1941, den Valentin Reinhardt auf dem Fliegerhorst Zellhausen bei Seligenstadt am Main an seinen Schwager Gustav Möller im Osten geschrieben hat, dieser hatte die FPN 26860.


    Mit besten Grüßen

    Wolfgang