Posts by Kurfuerst-4

    Hallo Kai,


    die Arado Ar 96 hatte ein Einziehfahrwerk, aber das Flugzeug auf Deinem Foto hat ein starres Fahrwerk. Für mich scheidet die Ar 96 deshalb aus. Guckst Du hier zum Vergleich:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Arado_Ar_96


    Nach meinem dafürhalten handelt es sich um eine Klemm Kl 35, zum Vergleich siehe hier:


    https://www.deutscheluftwaffe.…inales-geraetebrett-kl-35


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo Uwe,


    bei dem Flugzeugführer handelt es sich um Oberleutnant Klaus Brennecke, Quelle Flugzeugunfälle und Verluste bei Schulen und sonstigen Dienststellen BA/MA RL 2/III 777. Dort wird leider nur 1 weiterer Fluggast als tot angegeben, ohne Namen. Als Absturzort ist "bei Gervain" vermerkt.

    In der Zeitschrift Jet & Prop, Heft 5 und 6 aus dem Jahr 1996 gibt es einen Bericht zur FA 223. Dort wird der Begleiter als Fl.Stabsing. Klemens von Gottberg angegeben.

    Nach dieser Quelle ...


    https://adelsquellen.de/adelsforschung2/anzeig02.htm


    war er Doktor der Chemie (soweit es denn der Richtige ist).


    Die beiden Artikel in Jet & Prop gehen genau in die Richtung Deines Vorhabens. Solltest Du Interesse daran haben, melde Dich bitte per PN.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    in der Zeitschrift Jet & Prop gab es in den Ausgaben 1/2016 und 2/2016 einen Bericht zur Wüstennotstaffel ... auch von Andrew Arthy und Adam Thompson und auf deutsch.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    ich hab mal aus den mir vorliegenden Sekundärquellen ein paar Zahlen rausgeschrieben und zusammengefasst, siehe beiliegende Anhänge. Die Daten sind natürlich unvollständig, aber als Ansatz und für mögliche Ergänzungen verwendbar.


    Die deutsche Rüstungsindustrie war meiner Meinung nach nicht im Ansatz dazu in der Lage ein Millionenheer voll zu motorisieren und in Betrieb zu halten, geschwiege denn diese Fahrzeuge dann auch noch mit Treibstoff zu versorgen. Den Einwand von Uwe K. (Post # 32) und auch Bert's letztem Satz aus Post # 34 bezüglich der Treibstoffsituation stimme ich uneingeschränkt zu. Wie sich ja auch gezeigt hat, war es ja schon schwierig einen Teil der Divisionen motorisiert zu halten.


    Desweiteren nur zum Vergleich, selbst die amerikanischen Infanterie Divisionen waren trotz eines hohen Motorisierungsgrades nicht vollmotorisiert. Die Infanteristen waren auch dort überwiegend zu Fuß unterwegs (Quelle: TO&E 7-11 vom 26.02.1944). Allerdings rollte der Nachschub bei den Amis auf Lkw's.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo Karl,


    vielen Dank für die "Blumen"!!


    Der Name ist bewusst gewählt hat aber nichts mit dem Flakzielgerät zu tun.


    Ich interessiere mich sehr für die Messerschmitt Produktion in Regensburg, insbesondere für die letzte Variante der Bf 109, die ausschließlich in meiner Heimat der Oberpfalz gefertigt wurde, nämlich der Bf 109 K-4. Davon abgeleitet der Name Kurfuerst-4.


    Und bei dem Hinweis von Dir auf das Flakzielgerät, finde ich schon, dass der Text passt, denn er bezieht sich auf die Kreuzlafette des 88 mm Flakgeschützes. Es ist wohl so gemeint, dass das ursprünglich auf der Kreuzlafette angebrachte Geschützrohr durch einen schwenk- und verschiebbaren Rohrmast ersetzt wurde.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    ergänzend zu meinen Ausführungen möchte ich noch auf die Verlustzahlen und Abschüsse während der Verteidigung Siziliens am Beispiel des JG 77 eingehen.


    Im Zeitraum vom 01.06. bis 17.08.1943 hat das JG 77 folgende Verluste:


    Flugzeugführer gefallen vermisst gefangen verwundet
    Stab/JG 77 0 0 0 0
    I./JG 77 15 0 1 2
    II./JG 77 6 8 0 3
    III./JG 77 0 1 0 4
    21 9 1 9


    Unter den Verlusten befanden sich einige der erfolgreichsten FF des Geschwaders. Den Großteil der Verluste stellten aber die unerfahrenen FF.


    Hinzu kommen noch Materialverluste mit einem Schadensgrad von 60% bis 100% in Höhe von 123 Flugzeugen.


    Dem gegenüber standen folgende Abschusszahlen

    Stab/JG 77 --- 4

    I./JG 77 --- 37

    II./JG 77 --- 45

    III./JG 77 --- 38

    Summe 124


    Das zeigt, dass sich das JG 77 gegenüber der deutlichen Überlegenheit des Feindes durchaus behaupten konnte, auch wenn an eine erfolgreiche Abwehr der Invasion Siziliens nicht zu denken war.

    Dies zeigt auch, dass die Vorwürfe und Schähungen gegenüber den Jagdfliegern im Süden absolut unberechtigt waren!


    Viele Grüße

    Helmut

    (Quelle: wieder der Teil 3 der Geschwaderchonik zum JG 77 von Jochen Prien)





    Hallo zusammen,


    danke für Eure netten Worte.


    Eberhard, ich denke die Antwort auf Deine Frage ist komplexer Natur. Ich versuche mich mal an einer Erklärung.


    Aus meiner Sicht spielen hier mehrere Faktoren eine Rolle:


    Aufklärung

    Das A und O für jeden Abwehrerfolg ist das rechtzeitige Aufklären eines Angreifers. Verspätet erkannte Feindeinflüge können dazu führen, dass die eigenen Kräfte nicht rechtzeitig an den Feind herangeführt werden können.

    Auf Sizilien gab es seinerzeit mehrere Freya Funkmessgeräte, die zur Aufklärung von Feindeinflügen genutzt wurden. Das Freya Gerät hatte eine Reichweite von ca. 120 bis 160 km.
    Mangelnder Ausbildungsstand, Flugverhalten des Feindes, die Topographie sowie möglicherweise atmosphärische Störungen beeinflussten die Aufklärungsergebnisse der Funkmessgeräte.

    Diese Ergebnisse mussten dann noch per Draht oder Funk an den Jafü/Gefechtsstand übermittelt werden, der dann den Ansatz der eigenen Kräfte befahl.

    Bei Ausfall der Funkmessgeräte reduzierte sich die Aufklärungsreichweite auf die menschlichen Sensoren Auge und Ohr und somit auf eine Reichweite von 10 - 15 km.


    Der Faktor Zeit spielte also ein wesenstliche Rolle. Bei Versagen einer Komponente konnte der ganze Ansatz der eigenen Kräfte erfolglos sein und somit keine Abschüsse erzielt werden.


    Jägerleitung

    Nach Aufklärung des Feindes und Ausgabe des Startbefehls für die eigenen Kräfte mussten diese noch an den Feind "herangeführt" werden. Dies erfolgt grob gesprochen durch weitere Beobachtung des Feindes und möglicher Kurswechsel des selbigen, sowie der Beobachtung der eigenen Kräfte. Per Funk erhielt dann der Verbandsführer entsprechende Kursanweisungen um den Feind abfangen zu können.

    Auch hier gab es mögliche Fehlerquellen, die dazu führten, dass der eigene Ansatz der Kräfte ins leere stieß oder zu spät an den Feind kam. Im Prinzip musste das gesamte Prozedere eingeübt und eingespielt sein. Inwieweit das die Jagdflieger im Mittelmeerraum "drauf" hatten, kann ich nicht umfassend abschätzen.


    Taktik

    Das Auftreten von Viermot-Bombern der Allierten war für die deutschen Jagdflieger zu dem Zeitpunkt noch relativ neu. Ihre bisherigen Einsätze an der Osterfront und über Afrika waren geprägt von Rotten-, Schwarm- oder Staffeleinsätzen. Geschlossene Gruppen oder sogar Geschwadereinsätze und das heranführen solcher Verbände an EINEN Feindeinflug war noch relativ neu und wurde in erster Linie in der Reichsverteidigung entwickelt und durchgeführt.

    Gallands Gedanke zum Ansatz aller Jagdflieger auf einen einfliegenden Bomberpulk ging in diese Richtung.

    Einen geschlossenen Gruppen- oder Geschwaderverband an den Feind heranzuführen erforderte eine besondere Qualifikation der Verbandsführer. Inwieweit die auf Sizilien und in Süditalien eingesetzten Verbandsführer über diese Qualifikation verfügten, kann ich nicht abschließend berurteilen, gehe aber davon aus, eher nicht, weil diese Art des Angriffs bisher wenig praktiziert wurde.


    Zudem war es bedingt durch die Größe der Viermot-Bomber und deren Abwehrfeuer nur sehr schwer einen dieser Bomber abzuschießen. Die Jagdflieger mussten mit Höchstgeschwindigkeit so nah wie möglich an die Bomber ran um entsprechende Treffer zu erzielen und möglichst kurz im Wirkungsbereich der feindlichen Waffen zu sein. Das reduzierte natürlich die Trefferwahrscheinlichkeit und somit die Wirkung im Ziel.


    Bis zur Kommandoübernahme von Galland schienen die Angriffe auf Viermot-Pulks bislang auch nicht so geschlossen durchgeführt worden zu sein, wie es Galland dann für den 25.06.43 geplant hatte.


    Schlussfolgerung: Die Luftwaffe hatte im Mittelmeerraum bis zu dem Zeitpunkt noch keine ausreichend erfolgreiche Taktik zur Bekämpfung von Viermots entwickelt und erprobt.


    Erfahrung

    Aufgrund des beschriebenen schlechten Ausbildungsstandes des Flugzeugführernachwuchses und der bisherigen großen Personalverluste, gab es immer weniger "Alte Hasen". Dies wirkte sich sowohl bei der Bedienung des Jagdflugzeugs als auch auf das Verhalten im Verbrandsflug aus. Wer sich auf sein Handwerkszeug konzentrieren muss, um Kurs zu halten, hat wenig Zeit sich auf den Feind einzustellen und auf ihn angemessen zu reagieren. Es erfordert zudem schon ein gewisses Maß an Kaltschnäuzigkeit und Erfahrung um einen feuerspeienden Bomberpulk anzugreifen. Dem jungen Nachwuchs fehlte das alles und führte zudem zu vielen Verlusten (siehe auch später in der Reichsverteidigung).


    Auf die besondere Erfahrung und Qualifikation der Verbandsführer, wenn es um den geschlossen Verbandseinsatz in Gruppen und Geschwaderstärke geht, habe ich ja schon oben hingewiesen.


    Ausrüstung/Bewaffnung

    Die Jagdfliegerverbände im Mittelmeerraum wurden im Frühjahr 1943 als erste mit der Bf 109 G-6 ausgestattet. Diese ersten G-6 hatten als Standardbewaffnung ein MG 151/20 als Motorkanone und über dem Motor 2 MG 131. Erst im Herbst 1943 wurde bei Bf 109 G-6 die wesentlich leistungsstärkere MK 108 als Motorkanone eingebaut.

    Nachfolgend kurz die Kaliberangaben:

    MG 151/20 = 20 x 82 mm

    MG 131 = 13 x 64 mm

    MK 108 = 30 x 90 mm


    Es kam nicht von ungefähr, dass die Jagdflieger eine stärkere Bewaffnung forderten. Die Beschussfestigkeit von Viermots aufgrund von Größe, Anzahl der Motoren und Panzerung war deutlich höher als bei den bisher gewöhnlich bekämpften Flugzeugtypen. Es erforderte einen erhöhten Munitionsaufwand und entsprechender Wirkung im Ziel, um einen Viermot zum Absturz zu bringen. Das heißt, selbst wenn bei einem Angriff eines Jägers Treffer erzielt wurden, heißt das noch lange nicht, dass der Bomber abstürzt. Somit war ein erneuter Anflug erforderlich ... also nochmal rein ins Abwehrfeuer der fliegenden Festungen ... wenn der gegnerische Jagdschutz dies zulies.


    Feindliche Überlegenheit

    Wie bereits in Beitrag #40 beschrieben hatten die Alliierten eine deutliche materielle Überlgegenheit. 2.100 Jagdflieger gegenüber 160 einsatzbereiten deutschen Jägern ... ein Verhältnis von rund 13:1!!!!!!

    Diese materielle Überlegenheit gestattete es den Allierten mehrere Ziele gleichzeitig über den ganzen Tageszeitraum hinweg anzugreifen. Dies führte zur Verzettelung der deutschen Kräfte, die ja Galland mit seinen Planungen zum 25.06. vermeiden wollte. Auch mussten sich die deutschen Jäger erst durch den Jagdschutz der Bomber durchkämpfen und so kam es oftmals nicht zu Abschüssen von Viermots.


    Wie beschrieben, können also eine Vielzahl von Faktoren ursächlich für die geringen Abschusszahlen von Viermots sein. Ich denke aber in erste Linie war es die mangelnde Erfahrung im Umgang mit diesem Bombertyp. Auch in der Reichsverteidigung mussten erst geeignete Verfahren zur Bekämpfung von Viermots entwickelt und perfektioniert werden. Im Mittelmeerraum war man zudem Zeitpunkt einfach noch nicht so weit. Das war ja auch nicht wirklich möglich, bei der Vielzahl der Aufgaben und der Überlegenheit der Alliierten. Die deutschen Jäger mussten ja nicht nur die Viermots bekämpfen, sondern auch die mittleren Bomber, Jabos und Jäger. Mit der zur Verfügung stehenden Anzahl der eigenen Kräfte eine Mammutaufgabe.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    Bert, selbstverständlich lässt sich das nicht mehr klären, ich habe es nur so beschrieben, wie es bei Prien steht.


    Eberhard, ich sehe es ähnlich, dieser Vorfall hat mit Menschenführung nichts zu tun.


    Ich versuche nach Möglichkeit in Kürze und zusammengefasst die Situation zu schildern, die damals im Mittelmeerraum vorherrschte, Quelle wie bereits aufgeführt der Teil 3 der Geschaderchronik des JG 77.


    Am 12. Mai kapitulierten die Streitkräfte der Achse in Afrika/Tunesien.

    Die Luftwaffe verlor in Afrika wichtiges Material und Bodenpersonal.

    Aber auch das fliegende Personal hatte enorme Verluste. So verlor z.B. das JG 77 während seines Einsatzes in Tuniesien vom 25.10.42 bis 13.05.43 rund 55% seiner Flugzeugführer.

    Es flog in der Zeit Einsätze von bisher noch nicht gekannter Härte gegen einen zahlenmäßig vielfach überlegenen Gegner. Zudem wurden die Flugplätze pausenlos bombardiert. Das alles zerrte an den Nerven.


    Mit diesen Eindrücken musste nun innerhalb kurzer Zeit die Verteidigung von Sizilien aufgebaut werden, deren Eroberung die Alliierten am 13.05.1943 beschlossen hatten.

    Die alliierten Luftstreitkräfte sollten hierfür die Voraussetzungen schaffen und durch Luftangriffe auf Sizilien, Sardinien und Süditalien die deutsch/italienischen Luftstreitkräfte zerschlagen.

    Dafür standen den Alliierten rund 4.900 Flugzeug zur Verfügung, darunter alleine 2.100 Jagd- und Jaboflugzeug.

    Die Luftflotte 2 gegenüber verfügte Anfang Juni 1943 gerade mal über 750 Flugzeuge, davon 290 Jäger, von denen nur 160 einsatzbereit waren.

    Anders als das JG 53, welches nach seiner Rückkehr aus Tunsien unverzüglich in den Abwehreinsatz über Sizilien geschickt wurde, erhielt das JG 77 aufgrund des völlig abgeflogenen Zustands seiner Gruppen eine kurz Pause zur Auffrischung. Die Gruppen verlegten bis Mitte Mai nach Bari, Foggia und Neubiberg. Dort wurde das verlorengegangene Gerät ersetzt und die Gruppen mit neuen Maschinen aufgefüllt. Als Ersatz wurden zahlreiche junge Flugzeugführer von der 1./JGr. Süd zum Geschwader versetzt, deren Ausbildungsstand den "alten Hasen" aber sehr zu denken gab. Es war nicht zu übersehen, dass manche der jungen FF erhebliche Probleme im Umgang mit den eigenen Maschinen hatte.

    Nach kurzer Pause wurde das JG 77 Anfang Juni 1943 wieder in den Abwehreinsatz über Sizilien, Sardinien und Süditalien geschickt.


    Schon seit dem 18.05.43 begannen die allierten Luftstreitkräfte mit voller Macht ihre Vorbereitung der beabsichtigten Landung auf Sizilien.

    11.06.43 - Wegnahme der Insel Pantelliera durch Kapitulation der Italiener unmittelbar vor der Landung, nachdem die alliierten Luftstreitkräfte in den Tagen zuvor 5.285 Einsätze mit etwa 6.200 Tonnen abgeworfene Bomben geflogen hatten. Tags darauf kapitulierten die Italiener auf Lampedusa und am 13.06.43 die Inseln Linosa und Lampione.

    Diese Schlappen der Italiener sorgten bei den Deutschen für erhebliche Verstimmung und zugleich für Besorgnis wegen der weiteren Entwicklung im Mittelmeerraum. Auch mit den Leistungen der eigenen Verbände war man nicht zufrieden und das betraf in erster Linie die Luftwaffe.

    Anfang Juni übernahm GFM von Richthofen, einer der fähigsten aber auch härtesten Führer, die Luftflotte 2. Von dieser Maßnahme versprach sie Göring eine sofortige Besserung der Lage und vor allem der Verfassung, in der sich die Luftwaffe nach der Niederlage in Tunesien befand.

    Auch die Jagdflieger, die am meisten der Kritik Görings ausgesetzt waren, weil sie seiner Meinung nach "zu wenig abschossen", erhielten eine neue Führung. GenLt. Theo Osterkamp, erst im April 1943 als Jafü Sizilien eingesetzt, wurde kaltgestellt und durch Gen.Maj. Adolf Galland ersetzt.

    Seit Anfang Juni erfolgten täglich allierte Luftangriffe auf Sizilien, mit zum Teil schwersten Bombardierungen. Ziele waren dabei u.a. auch die Liegeplätze der Jagdflieger.


    Am 22.06. übernahm Galland endgültig die Führung der Jagdflieger auf Sizilien, nach dem er anfangs sehr widerstrebend am 16.06.1943 von GFM v. Richthofen "eingenordet" wurde. Galland machte Sizilien zu einer persönlichen Angelegenheit und stellte höchste Anforderungen an die Jagdflieger, die er selbst und einige wenige hervorragende Jagdflieger der Jahre 1940/41 vielleicht hätten erfüllen können, nicht aber die FF die in diesem Sommer 1943 auf Sizilien im Einsatz standen. Die "Alten" ausgelaugt durch Monate im nahezu ununterbrochenen Einsatz und die "Jungen" mit fehlender Erfahrung und mangelhafter Ausbildung und allesamt mit unterlegenem Gerät.

    Entsprechend gedrückt war die Stimmung bei den Geschwadern, denen nach den Worten von v. Richthofens allen "Tunis irgendwie in den Knochen" steckt, mithin die schlimme Erfahrung, sich gegen einen weit überlegenen Gegner letztlich vergeblich zu wehren und dabei von der eigenen obersten Führung nicht nur nicht unterstützt, sondern noch zusätzlich mit Vorwürfen bedacht und sogar ohne erkennbaren Sinn bereitwillig geopfert zu werden.


    Rücksichtsloser Einsatz wurde fortan gefordert mit ständiger Einsatzbereitschaft vom FF bis zum Geschwaderkommodore. Streng angeordnete, oft stundenlage, Sitzbereitschaft bei glühender Sommerhitze mit aufgeklappter Kabinenhaube und einem Sonnenschirm darüber war die Folge.

    Der Reichsmarschall hatte Galland darauf eingeschworen, die Luftverteidigung im Süden "in Ordnung" zu bringen .... und Galland behorchte. Bedingungs- und rücksichtslos!


    Das drängendste Problem der deutschen Luftverteidigung Siziliens war die schon seit Tunesien anhaltende Erfolgslosigkeit der deutsch/italienischen Jagdflieger gegen angreifende 4-mot-Verbände der Alliierten. Nur ganz selten war es gelungen den angreifenden Verband vor erreichen des Zieles abzudrängen und gerade die Abschusserfolge gegen die Boing und Liberatorpulks waren sehr gering. Der neu ernannte Jafü Galland sah zudem die Gefahr der Verzettelung der wenigen vorhandenen Jäger, wenn der Versuch unternommen wurde, alle feindlichen Einflüge zu bekämpfen. Er beabsichtigte daher unter Zusammenfassung möglichst vieler Jäger einen Viermot-Einflug möglichst massiert zu bekämpfen. Die Gelegenheit für so einen Einsatz kam am 25.06.43.


    Am Vormittag wurde ein starker Verband von etwa 120 Viermotorigen nördlich von Sizilien mit vermuteten Angriffsziel Neapel von den deutschen Funkmessgeräten aufgefasst. Tatsächlich richtete sich jedoch der Angriff gegen Messina. Über der Stadt kam es zum Luftkampf mit der III./JG 53, die bei einem eigenen Verlust 2 B-17 abschiessen konnte, während die Flak 3 Abschüsse für sich beanspruchte.

    Das JG 77 wurde zur Abwehr des Angriffs auf Messina eingesetzt. Dabei sollte es nach den Vorstellungen Gallands zusammen mit dem JG 53 zu einem Gefechtsverband zusammengefasst und geschlossen zum Angriff geführt werden. Doch es kam anders. Bereits bei der Versammlung stellten sich erheblich Schwierigkeiten ein, denn als der Einflug erkannt wurde, war es für einen Abwehreinsatz vor dem Erreichen des vermuteten Angriffsziels bereits zu spät, so dass der amerikanische Bomberverband erst im Abflug bekämpft werden konnte.

    Dazu sollten der Stab/JG 77 mit der I. und II. Gruppe und der eigens dazu von Comiso nach Trapani verlegten II./JG 53 eingesetzt werden, während die I. und III./JG 53 getrennt von den übrigen Gruppen über Messina zum Einsatz kamen und die III./JG 77 auf Sardinien unberührt blieb.

    Während sich der US Kampverband nach dem Angriff auf Messina mit Westkurs weit über See ausholend auf den Rückflug machte, erfolgte gegen 12.55 Uhr und kurz danach bei den eingesetzten Jagdgruppen der Alarmstart. Etwa 80 Bf 109 machten sich auf die Verfolgung des Kampfverbandes. Es herrschte starker Dunst, so dass sich der Verband während des Anflugs auseinanderzog. Nach einiger Zeit, kam über Funk der Hinweis, dass die Funkmessgeräte den Viermot-Verband vor der Nordküste Siziliens verloren hätten. Aufgrund der diesigen Sichtverhältnisse konnten die vorausfliegenden FF jedoch erst im letzten Augenblick, bevor der Sprit zu Neige ging, unter sich einen größeren Viermot-Pulk im Tiefflug erkennen. Teile des Geschwader kamen noch zum Ansatz, doch konnte wegen des knappen Sprits nur ein Angriff geflogen werden.


    Der Angriff gegen den Viermotverband war ein Fehlschlag. Die tatsächlichen Ursachen dafür haben die oberste Führung nicht interessiert. Stattdessen wurden gleichermassen schwerwiegende wie weitgehend unsachliche Vorwürfe gegen die beteiligten Jagdflieger erhoben. Trauriger Höhepunkt war das in diesem Thread anfangs genannte Fernschreiben Görings.


    Soweit die Hintergründe zu dem Ereignis, teils zusammengefasst und teils wörtlich zitiert aus o.g. Quelle.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    die Ereignisse vom 25.06.1943 werden in "Geschichte des Jagdgeschaders 77 Teil 3, 1942 - 1943", von Jochen Prien, auf den Seiten 1601 bis 1610, abzüglich 5 Seiten mit Fotos, ausführlich beschrieben. Damit wird die in einem früheren Beitrag gestellte Frage nach einer weiteren Quelle beantwortet.


    Prien widerspricht den Darstellungen von Galland und Steinhoff aus deren Veröffentlichungen. So soll es das Telefonat zwischen Galland und Steinhoff gar nicht gegeben haben. Ganz im Gegenteil ...., ich zitiere kurz von Seite 1610:


    "Statt sich vor die Jagdflieger zu stellen und höheren Ortes über die tatsächlichen Schwierigkeiten ihres Einsatzes über dem Mittelmeerraum zu berichten, setzte Galland die menschenverachtenden und den tatsächlichen Verhältnissen ganz und gar nicht gerecht werdenden Befehle Görings in die Tat um und machte sich die gleichermaßen unsachlichen wie ungerechtfertigten Vorwürfe Görings vielfach zu eigen."


    Und weiter:

    "Besondere Erbitterung unter den Flugzeugführern löste die Rolle des Generals der Jagdflieger aus; von ihm hätten sie sich Abhilfe erhofft und erwartet, dass er sich angesichts der Ausfälle und Widerlichkeiten Görings vor sie stellen würde, doch das Gegenteil trat ein - GenMaj. Adolf Galland machte sich die Methoden Görings zu eigen, in dem er etwa in seinen Einsatzbefehlen für jeden Fall des Scheiterns, ungeachtet der wahren Ursachen und Umstände, von Versagen sprach und die Meldung der beteiligten Flugzeugführer zur kriegsgerichtlichen Verfolgung forderte, oder indem er den "Befehl" Görings wiederholt seinen Flugzeugführern einschärfte, wonach jeder Schwarm pro Einsatz wenigstens einen Abschuss zu erzielen habe, oder, soweit dies nicht der Fall sein sollte, jeder Maschine wenigstens Beschussschäden aufzuweisen hatte zum Beweis dafür, dass der Flugzeugführer "dran" gewesen war, andernfalls erneut mit dem Kriegsgericht gedroht wurde. GFM von Richthofen indes war mit dem Vorgehen Gallands offenbar sehr zufrieden, denn er notierte wenige Tage darauf in seinem Tagebuch:

    Bei Galland Besprechung der gesamten Jägerprobleme. Einig. Galland hat die Jäger, welche in letzter Zeit schlecht oder gar nicht angriffen, scharf angefasst. Ob zu scharf, muss sich herausstellen. Jedenfalls muss Galland die Sache in Ordnung bringen."

    Interessant sind auch die verschiedenen Hinweise und Klarstellungen bei den Fußnoten. Sie belegen die Argumentation von Prien.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo Claudio,


    die Polizei oder Gendarmeriestionen mussten Tagebuch führen über Ereignisse in ihrem Zuständigkeitsbereich und über besondere Ereignisse Bericht erstatten. Zusätzlich gab so genannte Monatsmeldungen an die nächste vorgesetzte Dienststelle oder sogar den Landrat. Zumindest weiß ich das aus verschiedenen Berichten von Gendarmeriestationen aus meiner Gegend. Gefunden habe ich diese Berichte im zuständigen Staatsarchiv. Man glaubt gar nicht, was alles festgehalten wurde und wie intensiv die Überwachung war ....!


    U.a. habe ich dort auch Meldungen über abgestürzte eigene aber auch feindlche Flieger gefunden ....!


    Vielleicht hilft Dir der Hinweis.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo Dieter,


    danke für Dein Statement. Du hast schon recht, aufgrund des massiven Aufwuchs des Personals und der rasanten technischen Entwicklung bei den Funkmessgeräten hat die Luftnachrichtentruppe sich im Laufe des Krieges stark weiterentwickelt und unterlag vielen Umorganisationen. Das Thema ist dadurch sehr komplex und zum Teil auch unübersichtlich und deshalb für den Laien schwer nachvollziehbar. Es sollte für den Einstieg also so wie von Euch angesprochen einfach bleiben. Alles gut!


    Trotzdem ärgert es mich, dass ich nicht richtig gelesen habe. Schande auf mein Haupt.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo Andreas und werte Mitstreiter,


    ich bin mir nicht sicher, ob der allgemeine Text zur Luftnachrichtentruppe aus Band 1 von Tessin geläufig ist. Deshalb mein Hinweis darauf (siehe auch Dateianhang). Dort können die jeweiligen Umstrukturierungen der Luftnachrichtenregimenter entnommen werden, die auch mit der Erweitung des Aufgabenspektrums und Anpassung der Organisation zu tun haben. Daraus reslutierend bitte nicht die Aufgabe der Jägerleitung übersehen. Es ist richtig, dass die Flugmelde-Leit-Kompanien die Aufgabe hatten ein Luftlagebild zu er mitteln. Die aus dem Lagebild gewonnenen Erkenntnisse mussten aber auch umgesetzt werden und auch zum Einsatz der Jagdkräfte führen. Speziell ab dem 02.09.1944 gab es zur Führung der Jäger eigene Jägerleitkompanien, in der Regel in der II. Abteilung der dafür vorgesehenen Luftnachrichten Regimenter. Davor hatten das die Gerätestellungen mit übernommen. Aufgrund der sich ständig steigernden Einflüge sowohl am Tage als auch nachts, entstand Handlungsbedarf, was dazu führte, für die Jägerleitung eigene Stellungen zu bauen, was sich in der letzten Umstrukturierung ab 02.09.44 widerspiegelte.


    Auf nachfolgender Seite sind die jeweiligen Umstrukturierungen schön zu erkennen und aus den Bezeichnungen der diversen Kompanien der Abteilungen und Regimenter deren einzelne Aufgaben gut zu entnehmen. Ab 1943 sind grob gesagt in erste Linie die 200er Regimenter maßgeblich.


    http://www.ww2.dk/ground/ln.html


    Am Beispiel der 7. Jagddivision (ab 02.09.1944) kurz die Erläuterung der Aufgaben:

    Ln.Rgt. 217 --- Jägerleitung mit speziellen Funkmeßgeräten und Y-Linien--- Führung der Jäger vom Fliegerhorst/E-Hafen zu den fdl. Fliegerverbänden

    Ln.Rgt. 227 --- Flugmeldedienst mit Funkmeßgeräten = Aufklärung und erkennen von Einflügen fdl. Flugzeug ---> zusammengefasste Meldungen ergeben das Luftlagebild der Jagddivision

    Ln.Rgt. 237 --- Flugmeldedienst mit Funkmeßgeräten = Aufklärung und erkennen von Einflügen fdl. Flugzeug ---> zusammengefasste Meldungen ergeben das Luftlagebild der Jagddivision


    Ich hoffe das ist jetzt hilfreich.


    Viele Grüße

    Helmut

    Hallo zusammen,


    die Fotos zeigen leider nicht die Metzer-Kaserne (erst nach dem Krieg in Leopold Kaserne umbenannt), sondern die Ritter-von-Möhl-Kaserne.


    Amberg hatte zu der Zeit 3 Kasernen. Darin befanden sich vor dem Krieg folgende Einheiten:


    Kaiser-Wilhelm-Kaserne: I. und II. Bataillon des IR 41 (das III. Batl. war in Weiden stationiert)

    Ritter-von-Möhl-Kaserne: Regimentsstab IR 41, Nachrichtenzug, die MG Kompanien des I. und II. Batl., 13. und 14. Komp. des Regiments (hier passen auch die Fotos wunderbar zur gezeigten Waffenausstattung)

    Metzer-Kaserne: III. Abt. AR 10 sowie die I. Abt. AR 46


    Während des Krieges lagen die jeweiligen Ausbildungs- und Ersatzeinheiten in den Kasernen. Die genauen Bezeichnungen dieser Einheiten sind mir allerdings nicht geläufig, da suche ich noch danach. Jedoch ist mir bekannt, dass sich in der Metzer-Kaserne eine Unteroffiziersschule der Artillerie befand.


    Der Baustil der Kaiser-Wilhelm-Kaserne (Bauzeit 1866 -1868 und 1888 - 1889) und der Metzer-Kaserne (Baujahr 1913) ist ähnlich und weicht optisch von dem der moderneren Ritter-von-Möhl-Kaserne (Baujahr 1935) ab.


    Quelle: Militärhistorische Lehrsammlung der Panzerbrigade 12 der Bundeswehr, die sich zuletzt in der Leopold-Kaserne befand und aktuell ohne Zugangsmöglichkeiten eingelagert ist.


    Bei den Fotos habe ich mir seinerzeit notiert, dass es sich um Ungarn handelt. Leider habe ich mir keine genauen Notizen zur Quelle gemacht, so dass ich das jetzt nur vermuten kann. Vielleicht kann jemand das klären, der in Uniformkunde bewandert ist.


    Viele Grüße

    Helmut