Posts by Mecklenburger

    Hallo Willi,


    da ich in der unmittelbaren Umgebung der von Dir genannten Region lebe, habe ich ebenfalls ein gewisses Interesse an dem Thema und würde gerne helfen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich im Zusammenhang mit der Flugzeugführerschule C5 bisher noch nie von größeren Unfällen / Abstürzen gehört habe - insbesondere nicht von welchen mit "tödlichem Ausgang". Daher würde mich interessieren, ob Dein Großvater den Absturz überlebt hat? Auch würde mich der genaue Ort bzw. Angaben zur Absturzstelle interessieren. Vielleicht kannst Du bitte noch ein paar Infos geben.


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo Alexander,


    prima, dass Du dich näher mit der Geschichte des Reichsgau Wartheland beschäftigst. Mein Großvater stammt ebenfalls von dort ( Kreis Turek ). Da dieses Gebiet bis zum Kriegsausbruch polnisches Staatsgebiet war, gab es bis zum Einmarsch der Wehrmacht dort keine deutschen militärischen Verbände. Mit der Besetzung des Gebietes begann man dann erst eiligst ( siehe Der Volksdeutsche Selbstschutz 1939/1940) "paramilitärische Ordnungskräfte" zu bilden. Aus dem ursrünglichen Volksdeutschen Selbstschutz sind die Leute dann später in die reguläre Polizei, SA, SS und Wehrmacht eingetreten.


    Könnte es sich in Deinem Falle vielleicht auch um einen so genannten "SA-Landsturm" gehandelt haben? Schließlich trugen die Mitglieder der SA auch eine Uniform und waren in der Regel nicht kaserniert. Die SA war im Reichsgau Wartheland ebenfalls maßgeblich an der Vertreibung der Polen beteiligt ( Der Volksdeutsche Selbstschutz 1939/1940 ). Auch mein Großvater war in der SA, bevor er in die Wehrmacht eingezogen worden ist. Leider habe ich bisher allerdings keine genauen Bezeichnungen der SA-Stürme / Abteilungen im Warthegau finden können.


    Beste Grüße


    Falko

    Hallo Alexander,


    mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen wurden dort sehr schnell bewaffnete Milizen geschaffen, welche als "Volksdeutscher Selbstschutz" bezeichnet worden sind. Darin sollen bis zu 60% aller wehrfähigen männlichen Volksdeutschen in Polen organisiert gewesen sein Diese Milizen wurden von den örtlichen NS-Funktionären sowie der SS gelenkt und auch als Hilfspolizei eingesetzt. Diese Milizen waren aktiv an der Ermordung und Vertreibung von Polen und Juden beteiligt. Später wurden die Angehörigen der Milizen dann in die Waffen-SS, Wehrmacht und Polizei überführt. Möglich, dass sich die Erzählungen in Deiner Familie nicht auf den "Landsturm" sondern vielmehr auf die Aktivitäten des "Volksdeutschen Selbstschutz" beziehen.


    Als sehr gute Literaturquelle kann ich Dir das Buch: "Der Volksdeutsche Selbstschutz in Polen 1939/1940" von Christian Jansen und Arno Weckbecker empfehlen, welche ich auch als Quelle meiner obigen Aussagen anführen möchte. In dem Buch wird sehr genau geschildert, WIE die Einsätze des Volksdeutschen Selbstschutz abliefen bzw. wie die Vertreibung der Polen organisiert und durchgeführt worden ist.

    Beste Grüße


    Falko

    Hallo Zusammen,


    ich möchte mal einen aktuellen Stand der Dinge mitteilen.


    Das polnische Kriegsgefangenenarchiv hatte leider keine Unterlagen zu meinem Großvater gefunden, mir jedoch den Hinweis gegeben, mich an das polnische Institut für Nationales Gedenken Instytut Pamieci Narodowej IPN in Warschau zu wenden.


    Von diesem Institut habe nach etwa 2 Monaten Wartezeit nun tatsächlich eine Anwort erhalten, dass sich in deren Aktenbeständen "Der Reichsstatthalter im Reichsgau Wartheland Posen" eine Liste aus dem Jahr 1940 über die Freilassung polnischer Soldaten aus Kriegsgefangenenlagern befindet, in welcher auch mein Großvater vermerkt worden ist. Unter einer anderen Signaturnummer wurde auch die Karteikarte meines Großvaters über seine Eintragung in die so genannte Deutsche Volksliste DVL gefunden.

    Damit ist schon mal bewiesen, dass mein Großvater tatsächlich zunächst als polnischer Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet!


    Allerdings hat man mir leider keine Kopien der Unterlagen geschickt. Statt dessen erhielt ich gemäß dem aktuellen polnischen Archivgesetz einen Antrag / Fragebogen um Zugang zu den genannten Dokumenten zu bekommen. Aus diesem Fragebogen geht aber sinngemäß hervor, dass man nach einer komplizierten Legitimation und Beglaubigung der gemachten Angaben in einer Stelle des Instituts persönlich Akteneinsicht nehmen könne.

    Auch wenn es vielleicht nicht ganz Euer Thema ist ( ich habe daher bereits auch im Forum Ahnenforschung.Net angefragt ), so hat aber vielleicht schon mal jemand in diesem Forum Erfahrungen mit dem besagtem polnischen Institut gemacht? Vielleicht weiß jemand, ob man dort tatsächlich persönlich Erscheinen muss, oder ob es eine andere Möglichkeit gibt, dass man mir die Kopien der Unterlagen gegen ein Entgeld per Post schicken könnte? Für Hinweise und Ideen wäre ich sehr dankbar.


    Ich erhoffe mir, in den Unterlagen den Tag und den Ort der Gefangennahme erfahren zu können. Dann könnte man vielleicht sogar ermitteln, welche Einheit der Wehrmacht meinen Großvater in Gefangenschaft nahm.


    Vielen Dank und Beste Grüße aus Mecklenburg

    Falko

    Hallo Philip,


    mein Großvater war ebenfalls Soldat beim VIII. Fliegerkorps. Er tat seinen Dienst im Luftnachrichtenregiment 38, welches bei dem VIII. Fliegerkorps für den Funk- und Fernmeldedienst am Boden tätig war. Diese Soldaten hatten braune Kragenspiegel.


    Auf dem Foto ist Dein Ur-Großvater ein Gefreiter der Luftwaffe. Leider kann man die Farbe der Kragenspiegel auf einem Schwarz-Weiß Foto nur erahnen. Um genauere Informationen zum militärischen Werdegang Deines Ur-Großvaters zu erhalten, wirst Du meiner Meinung nach nicht um eine Anfrage beim Bundesarchiv herum kommen.
    Sollte Dein Urgroßvater bei Kriegsende in russische Gefangenschaft geraten sein, lohnt auch eine Anfrage beim DRK Suchdienst in München. Die haben dort einen großen Teil der Kriegsgefangenenunterlagen vorliegen, in denen meist ebenfalls ein Hinweis auf den genauen Truppenteil und der Funktion des Soldaten ( zum Zeitpunkt der Gefangennahme! ) zu finden ist.


    Wie Diana bereits schrieb, finden sich im Internet viele Hinweise zu den Stationen des VIII. Fliegerkorps während des Krieges. Jedoch bleibt dann ohne eine Auskunft vom Bundesarchiv immer noch unklar, ob Dein Ur-Großvater während des gesamten Krieges dem VIII. Fliegerkorps unterstand. Es wäre auch möglich, dass er nach seiner Verwundung zu einem anderen Truppenteil versetzt worden ist.


    Aus dem Buch "Wir kämpften gegen die Sowjets" in dessen Besitz ich bin, geht eindeutig hervor, dass das VIII. Fliegerkorps 1941 tatsächlich an dem Vormarsch auf Moskau beteilt war. Darin wird auch erwähnt, dass aufgrund der Winteroffensive der Russen sämtliches verfügbares Personal des Korps gegen den Feind am Boden kämpfte.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Recherche und würde mich freuen, wenn Du das Ergebnis der Archivanfrage hier einstellen würdest.


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo Holger,


    besten Dank für Deine schnelle Hilfe. :thumbup:


    Das passt sehr gut in meine Vorstellung, in welcher Gegend sich Großvaters Regiment im Sommer 1943 befunden haben könnte.
    Ich bin beeindruckt, wie schnell Du auf den Ort gekommen bist und ziehe meinen Hut...


    Besten Dank auch an Eumex für die Karte!


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo Zusammen,


    im Zuge der Recherche um meinen Großvater beim Luftnachrichtenregiment 38 bin ich auf den Ort Mikojanovka gestoßen.


    Hier soll laut http://www.ww2.dk/air/hq/viiifk.htm in dem Zeitraum 31.03.43 - 09.43 das VIII. Fliegerkorps sein Hauptquartier gehabt haben. Das VIII. Fliegerkorps nahm im Sommer 1943 an der Operation Zitadelle bei Kursk teil. Somit gehe ich davon aus, dass Mikojanovka in dieser Region liegen müsste, jedoch konnte ich den Ort bisher auf keiner Karte finden.


    Kann mir bitte jemand sagen, wo genau sich der Ort Mikojanovka befindet bzw. befand?


    Besten Dank und Grüße


    Falko

    Guten Abend Zusammen,


    ich habe inzwischen eine Rückmeldung bezüglich der polnischen Uniform vom Kierownik Muzeum Militariów Arsenal in Breslau erhalten:


    Mein Großvater war demnach definitiv beim Grenzschutzkorps der Polnischen Armee. Auf dem Foto handelt sich um einen einfachen Soldaten mit Sportabzeichen ( links über Brusttasche ) , Schießabzeichen ( links unter Brusttasche ) sowie der polnischen Schützenschnurr für einen "sehr guten Schützen".

    Erläuterungen zur polnischen Schützenschnurr ( Aussehen, Stufen... ) sind unter https://pl.wikipedia.org/wiki/Sznur_strzelecki zu finden.


    Damit sind die Vermutungen von Eumex und Chris absolut bestätigt und die polnische Uniform bestens erläutert. Eine schriftliche Anfrage beim polnischen Kriegsgefangenen Archiv / Museum habe ich inzwischen ebenfalls gestellt. Vielen Dank nochmals an Alex für den guten Tipp.


    Die Seite im Lexikon der Wehrmacht zum Luftnachrichtenregiment 38 kannte ich bereits, aber trotzdem besten Dank für Hinweis auch an Sven.


    Beste Grüße


    Falko

    Hallo Zusammen,


    hier mal einen kurzen Zwischenstand zur Recherche.


    Aus dem polnischen Militärarchiv in Warschau habe ich die Auskunft erhalten, dass bei einer vorläufigen Abfrage in den Akten und Datenbanken der Personal- und Identifikationsdateien des Zentralen Militärarchivs des Militärhistorischen Büros der Name meines Großvaters nicht gefunden werden konnte. Man wies mich außerdem darauf hin, dass dort generell auch keine vollständigen Aufzeichnungen der Soldaten der polnischen Armee vorliegen. Lediglich wenn man die genaue Einheit des Gesuchten wüsste, dann könnte man nach einer umfangreichen Legitimation Einsicht in die entsprechenden militärischen Akten erhalten.


    Anschrift des polnischen Militärarchiv:

    Wojskowe Biuro Historyczne

    Pontonierow 2 A

    00-910 Warszawa


    Bezüglich der Uniform meines Großvaters habe ich heute nochmal das polnische Militärmuseum in Breslau angeschrieben. Dieses hatte 2016 eine Sonderausstellung zu polnischen Uniformen. Vielleicht kann man dort etwas zu den besagten "Troddeln" an der Uniform sagen.


    Des Weiteren bin ich dabei, die Listen der polnischen Kriegsgefangen im Stalag II A durchzusehen. Diese sind tatsächlich recht umfangreich und aufschlussreich. Man hat die Kriegsgefangenen dort stets mit vollem Namen, Geburtsdatum, Geburtsort, Wohnanschrift, Name der Eltern, Dienstgrad, Truppenteil und dem Ort der Gefangennahme registriert. Vielleicht finde ich dort auch noch meinen Großvater...


    Bei dem Truppenteil dürfte es sich gemäß dem genaueren Abgleich von Vergleichsbildern tatsächlich um das polnische Grenzschutzkorps handeln! Laut einem ersten Nachschlagen bei Wikipedia wurden diese Einheiten 1939 vornehmlich an der polnischen Ostgrenze zu Russland eingesetzt. Diese Tatsache macht mich jedoch ein wenig ratlos über die Gefangennahme meines Großvaters durch die Deutsche Wehrmacht. Hätte er im Osten nicht eher in russische Kriegsgefangenschaft geraten müssen, da von dort aus ja die russischen Truppen in Polen einmarschiert sind?


    Beste Grüße

    Falko

    Guten Abend Chris,


    Du warst mit Deiner Antwort schneller, als ich mit meiner letzten Zusammenfassung. Nach Deiner Ausführung handelt es sich um einen einfachen Soldaten.


    Aber weißt Du vielleicht auch, wofür die beiden Troddeln stehen? Ich habe bisher nur ein Foto im Internet gesehen, wo ein polnischer Soldat nur einen der Troddeln trägt...:/ Ist es doch eine polnische Schützenschnurr?


    Gruß


    Falko

    Guten Abend Zusammen,


    also die Bestimmung des Dienstgrades an einer polnischen Uniform jener Zeit scheint doch recht kompliziert. Ich habe bisher kein geeignetes Vergleichsbild gefunden.


    Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die beiden Troddel an der Uniform als Ersatz für zwei Balken auf dem Schulterstück stehen. Demnach wäre der Dienstgrad auf dem Foto ein Unteroffizier. Allerdings ist das bisher nur eine Theorie meinerseits. Vielleicht ist jemand im Besitz einer polnischen Uniformtafel für die Zeit 1920-1939.


    Vielen Dank auch an Eumex. Das bestätigt zunächst meine Theorie, dass es sich bei dem Abzeichen auf der rechten Brusttasche nicht um einen Orden, sondern vielmehr um ein Regimentsabzeichen handelt.


    Die Namensliste des polnischen Kriegsgefangenen Archiv / Museum werde ich mir morgen weiter vornehmen.


    Beste Grüße


    Falko

    Hallo Alex,


    :thumbup:eine sehr interessante Website. Vielen Dank!


    Ich werde dort zunächst nach Großvaters Namen in den Listen zum Stalag II A suchen. Sollte ich dort nicht fündig werden, starte ich dort eine schriftliche Anfrage.


    Hast Du vieleicht aber auch eine Idee zu der abgebildeten Uniform? Welcher Dienstgrad könnte das sein? Ob die "schützenschnurr artigen Bommeln" oder der Kragen etwas über den Dienstgrad verraten?


    Gruß Falko

    Hallo Zusammen,


    ich hatte bereits im Juni 2018 ein Thema zu der russischen Kriegsgefangenschaft meines Großvaters eröffnet. Dort haben Thomas ( korpowo ) und Viktor ( Viktor7 ) mir bei der Übersetzung der russischen Gefangenenkartei geholfen und es konnte der Ort der Gefangenschaft ermittelt werden. Die Auskunft der Deutschen Dienststelle hatte ebenfalls ergeben, dass mein Großvater Stabsgefreiter in der 4. Kompanie des Luftnachrichtenregiment 38 war. Leider ist die Aktenlage zu diesem Regiment sehr dünn. Man weiß lediglich, dass jenes Regiment dem VIII Fliegerkorps unterstellt war.


    Was es allerdings an Neuigkeiten gibt, ist die Tatsache, dass mein Großvater vor seiner Zeit bei der Wehrmacht auch beim polnischen Militär war! Er wurde 1915 im polnischen Landkreis Turek geboren und galt dort als so genannter „Volksdeutscher“. Nun habe ich auch ein Foto von meinem Großvater als polnischer Soldat finden können.


    Leider kenne ich mich jedoch mit den Dienstgraden und Uniformen der polnischen Streitkräfte kaum aus. Vielleicht kann mir hier jemand in diesem Forum helfen, eine Zuordnung zu der abgebildeten Uniform und dem Dienstgrad zu treffen?


    Aus dem Buch „Polen in der Wehrmacht“ von Ryszard Kaczmarek weiß ich, dass es durchaus üblich war, auch die „Volksdeutschen“ in die polnische Armee einzuberufen. Viele sind dann bei den Kämpfen im September 1939 in deutsche Gefangenschaft geraten und später in die Wehrmacht übernommen worden.


    Nach einigen Nachfragen innerhalb meiner Familie habe ich erfahren, dass mein Großvater nach seiner Gefangennahme durch die Wehrmacht unter anderem in das deutsche Kriegsgefangenlager in Neubrandenburg Stalag II A verbracht worden ist. Aus der deutschen Gefangenschaft muss er dann nach Hause entlassen worden sein, um dort zunächst in der örtlichen SA ( Volksdeutscher Selbstschutz? ) organisiert gewesen zu sein ( keine Unterlagen im Bundesarchiv erhalten ). Die Einberufung zur Wehrmacht erfolgte dann zum 01.08.1941.


    Vielleicht hat noch jemand eine Idee, bei welchen Institutionen ich noch näheres zur ersten Kriegsgefangenschaft meines Großvaters in Erfahrung bringen könnte? Müsste die Wehrmacht nicht auch Aufzeichnungen über die polnischen Kriegsgefangenen gehabt haben? Ich habe bereits auch eine Anfrage an das polnische Militärarchiv in Warschau zum Werdegang meines Großvaters beim polnischen Militär gestellt, dessen Antwort abzuwarten bleibt.


    Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo DirkK,


    vielen Dank für den Hinweis. In dem Aktenbestand RW 59 befinden sich demnach nicht nur Verleihungslisten des Heeres. Ich werde mir selbst einmal einen Überblick verschaffen.


    Beste Grüße


    Falko

    Guten Abend zusammen,


    Wie sieht das denn bei Einheiten der Luftwaffe aus???Weiß das jemand?

    auch mich würde interessieren, ob es sich bei den überlieferten KVK und EK Verleihungslisten im BA ausschließlich um Heereseinheiten handelt, oder ob man dort auch Verleihungslisten von Luftwaffeneinheiten ( z.B. Luftwaffenfelddivisionen oder Luftnachrichtenregimentern ) finden kann.


    Hat jemand Kenntnis über das Vorhandensein von derartigen Verleihungslisten der Luftwaffe?


    Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Guten Abend in die Runde,


    auch in Mecklenburg kam es zu Morden an dort notgelandeten alliierten Fliegern.


    Einer der Hauptanklagepunkte bei dem Kriegsverbrecherprozess gegen den Gauleiter von Mecklenburg Friedrich Hildebrandt war dessen angebliche Befehlsgabe zu Erschießungen notgelandeter alliierter Flieger. Bei einem der so genannten Fliegerprozesse in Dachau wurde Hildebrandt schließlich zum Tode verurteilt.


    Erhaltene Prozessakten und Zeugenaussagen sollen demnach belegen, dass Hildebrandt bei einer Gauleitertagung in Schwerin mündlich angeordnet habe, alliierte Flieger nicht an die Wehrmacht zu übergeben, sondern „sogleich zu kassieren, dem nächsten Hoheitsträger der NSDAP auszuliefern welcher dann schon weiß was zu tun sei.“


    Und so kam es nur allein am 21.06.1944 zu 15 Morde in Mecklenburg!


    In dem Buch von Ralf Salomon „Friedrich Hildebrandt – NSDAP Gauleiter und Reichsstatthalter in Mecklenburg“, werden im Kapitel 6.7 -Luftkrieg und Lynchjustiz- die Ereignisse ausführlich beschrieben und belegt, welche ich hiermit wie folgt zusammenfassen möchte.


    An jenem Tag stürzten zwei viermotorige Bomber ab. Ein Flugzeug landete in der Müritz und das andere ging bei Schwerin zu Boden. Insgesamt retteten sich 16 US-Piloten mit ihren Fallschirmen. Der Gauleiter erhielt darüber Meldung und wollte die Angelegenheit von seinen NSDAP Funktionären bis zum Abend erledigt wissen. Die örtlichen Funktionäre wurden alarmiert.


    Bei Veelböken wird daraufhin ein amerikanischer Flieger nach seiner Gefangennahme von einem Ortsgruppenleiter „übernommen“ und am Rande eines Rapsfeldes erschossen. 2 weitere Amerikaner befanden sich bereits auf einer Polizeistation in Mühlen Eichsen, als sie vom dortigen NSDAP-Ortsgruppenleiter abgeholt und anschließend erschossen werden. Drei andere notgelandete Piloten wurden noch am selben Tage von einem NSDAP Kreisleiter im Kreis Schönberg getötet, wobei ein Gefangener die Mordaktion schwer verletzt überlebt hat. Weitere 9 Flieger sind in die Müritz gestürzt und werden zunächst von Marinesoldaten gerettet. Allerdings werden kurz darauf 7 von ihnen von einem Polizeitrupp im Wald an der Müritz erschossen. Die beiden übrigen Offiziere werden am Abend in die Sicherheitspolizeischule nach Drögen bei Fürstenberg gebracht und dort erschossen.


    Es sind auch viele weitere Fliegermorde in Mecklenburg belegt. So wurden beispielsweise Ende August 1944 zwei Flieger von Parteifunktionären aus der Polizeistation in Meetzen abgeholt und in der Nähe von Möllin bei Gadebusch erschossen. Solche Beispiele machen sehr deutlich, wie organisiert solche Aktionen waren. In Mecklenburg waren laut einer Prozessaussage von Friedrich Hildebrandt insgesamt „140 feindliche Fallschirmspringer in Zivilkleidern als Agenten und Spione erschossen oder gefangen genommen worden“. Eine persönliche Schuld wies er jedoch stets von sich. Letztlich konnte man Hildebrandt wohl nur die Schuld für die Ermordung von 3 gefangenen Fliegern bei Gadebusch nachweisen.


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Guten Abend zusammen,

    Hallo Viktor und Thomas,


    endlich habe ich nun nach 20 Monaten Wartezeit die Auskunft der Deutschen Dienststelle erhalten. Eure Übersetzung war goldrichtig und der Ort der Gefangennahme ist nun mit Dynow bestätigt worden. Auch das Datum der Gefangennahme stimmt überein. Anbei die Auskunft.


    Leider ist nichts mehr an Neuem dazugekommen, außer dass ich nun auch weiß, wo die Ausbildung stattgefunden hat. Zwischen Ausbildung und Gefangennahme klafft weiterhin eine große Lücke, was wohl bei den Auskünften zu Luftwaffensoldaten leider häufig so ist.


    Dennoch haben sich die Anfragen bei DRK und Deutscher Dienststelle gelohnt. Vorher wusste ich gar nichts...


    Liebe Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo Bernd,


    vielen Dank für Deinen Buchtipp. Um einen Überblick zur Gesamtlage in Pommern 1945 zu erhalten, werde ich das Buch wohl auch noch zu rate ziehen.


    Ich habe inzwischen das Buch "Ein Schicksal von Millionen" von Kurt Mielke, erschienen über J.G. Herder-Bibliothek Siegerland e.V. gelesen. Darin schildert der Autor seine persönlichen Erlebnisse in dem Ort Schlawe im März 1945. Tatsächlich wurde Schlawe am 07. März 1945 von der russischen Armee besetzt. Da das Leben in der Stadt am 06. März 1945, nur einen Tag vor der Eroberung durch die Russen, noch in "normalen Bahnen" ablief, dürfte so an jenem Tag auch der letzte Brief von Urgroßvater in seine Heimat gegangen sein. Nach der Eroberung der Stadt, wurden dann die meisten deutschen Einwohner und in der Stadt befindlichen Flüchtlinge in ein Lager nach Graudenz verbracht. Dort sollen dann schlimmste Bedingungen geherrscht haben, wodurch viele Insassen aufgrund von Krankheiten zu Tode kamen. Diese wurden dann scheinbar anonym in Massengräbern bestattet. Zu diesen Toten zählt dann wohl auch der Urgroßvater meiner Ehefrau.


    Die große Frage ist jedoch, was der Urgroßvater in Schlawe für eine Aufgabe hatte?? Alles deutet darauf hin, dass er dort weder im Volkssturm, noch in der Wehrmacht war. Somit muss er also von irgend einer anderen Institution / Behörde ( NSDAP? ) von Mecklenburg nach Schlawe in Pommern geschickt worden sein, um sich dort irgendwie nützlich zu machen. Allerdings bin ich bisher leider in keinem Bericht auf den Einsatz von so genannten "Flüchtlingsbetreuern" gestoßen. Nach dem Krieg wurden vielerorts solche Betreuer eingesetzt. Ob es diese Funktion bereits aber auch schon in der Endphase des Krieges, organisiert von den NS-Machthabern gab, konnte ich bisher noch nicht belegen.

    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Hallo werte Forumsmitglieder,


    mir wurde in diesem Forum bereits zu einem anderen Thema sehr geholfen. Somit versuche ich es auch einmal mit diesem Thema bezüglich dem seit 1945 vermissten Urgroßvater meiner Ehefrau.


    Der Urgroßvater meiner Ehefrau wurde 1898 geboren und war selbstständiger Handwerker in Friedland / Mecklenburg sowie Mitglied in der örtlichen NSDAP.

    Im Januar 1945 wurde er gemäß Aussagen der Familie als „Flüchtlingsbetreuer“ nach Schlawe in Pommern geschickt, von wo er sich zuletzt am 06. März 1945 per Brief gemeldet hat. Neben dem Begriff „Flüchtlingsbetreuer“ viel in den späteren Nachkriegserzählungen auch der Begriff „Einberufung zum Volkssturm“ in der Familie. Laut einer Zeugenaussage wurde Urgroßvater zuletzt im Gefangenlager in Graudenz gesehen, wo er vermutlich auch verstorben ist. Er gilt daher seit 1945 als vermisst.


    Sämtliche Anfragen zum konkreten Verbleib bei der DD-WAst, Deutsche Kriegsgräberfürsorge, DRK-Suchdienst ( Anfrage auch in polnischen und russischen Archiven ) blieben leider ohne Ergebnis.


    Meine Frage an das Forum ist nun, ob belegt ist, dass eine Volkssturmabteilung aus Mecklenburg im März 1945 im Raum Schlawe / Pommern im Einsatz gewesen ist? Mir ist bekannt, dass zu den Aufgaben des Volkssturm auch der Schutz von Flüchtlingstrecks zählte ( Quelle: Franz W. Seidler- Deutscher Volkssturm ). Kann man daher davon ausgehen, dass der Vermisste zu einem solchen Einsatz in dem genannten Kampfraum eingesetzt worden ist?

    Oder wurden tatsächlich auch nicht militärisch organisierte „Flüchtlingsbetreuer“ von der NSDAP in den feindbedrohten Gebieten eingesetzt? Ich habe den Begriff „Flüchtlingsbetreuer“ in diesem Zusammenhang bisher noch nie gehört. Vielleicht habt Ihr eine passende Erklärung und Hinweise zu den Kampfhandlungen in dem besagten Gebiet.


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko