Posts by JW98

    Hallo Ludwig,
    hallo zusammen,



    Wer darf denn die Entscheidung, freiwillig oder eingezogen, welcher ein junger Mann vor mehr als 70 Jahren traf, beurteilen - selbst wenn diese Entscheidung sich aus späterer Sicht als falsch erwies. Vergiss einfach dein gesamtes, heutiges Wissen über die damalige Zeit
    Diese Menschen waren damals das Produkt ihrer Bildung, Erziehung und Umwelt, sie waren Opfer, Opfer der allgegenwärtigen Propaganda und täglichen Hirnwäsche, hatten keine Gelegenheit sich umfassend zu informieren. sahen ihre Gesellschaft wenig kritisch.
    Darf ich raten, welche Entscheidung Du damals getroffen hättest ?


    Das einer deiner Vorfahren aus heutiger Sicht vielleicht damals falsch handelte, kann Dir ohnehin niemand zum Vorwurf machen.


    (gekürzt)


    Letzterem stimme ich zu. Dem Rest weniger.
    Vorweg: Ich kann sehr gut verstehen, wenn einen die Frage umtreibt, ob der Vorfahr freiwillig zur SS gegangen ist oder eingezogen worden ist. Wenn man sich dann damit beschäftigt, tauchen Zwischentöne auf. Auch wer sich nicht widersetzt hat, muss kein glühender Verehrer der Nazi-Ideologie gewesen sein.
    Mir liegt fern, ein Urteil über jemanden abzugeben. Weniger fern liegt mir der Wunsch, etwas über die Einstellung meiner damaligen Familie zu erfahren.
    Die Krux ist wahrscheinlich, dass man es nicht verallgemeinen kann und somit auch kaum dahinter kommen wird, wenn alle, die es gewusst haben, tot sind.


    Gar nicht nachvollziehen mag ich die Verallgemeinerung, alle seien damals Opfer gewesen, die dem Regime gefolgt sind. Was waren dann bitte die, die sich ihm entgegengestellt haben? Und ich unterschätze hiermit nicht die Indoktrination, den Geist, der damals geherrscht hat, noch nicht einmal die Anfälligkeit des Menschen, sich Strukturen unterzuordnen, bei den Gewinnern mitmachen zu wollen und sich selbst Vorteile zu verschaffen (woran sich bis heute wahrscheinlich wenig geändert hat). Ich weiß nicht, wie ich gehandelt hätte. Das weiß niemand, der damals nicht gelebt hat. Ich urteile nicht. Aber ich wasche auch nicht rundweg rein.


    Wenn aber Soldaten bei den Einsatztruppen in Polen "nur" mit disziplinarischen Folgen rechnen mussten, ist dann davon auszugehen, dass andere mit dem Tod bedroht worden wären? Ich unterschätze dieses "nur" nicht. Womöglich an die Front geschickt zu werden, kann schlimm genug sein.


    Dass es Mittel gab, sich der "Einberufung" in die SS zu widersetzen, meine ich - ohne behaupten zu wollen, ein Kenner der Materie zu sein - aber wohl. Ich meine, in den Kriegserinnerungen von Wellershoff etwas derartiges gehört zu haben, wonach sich ein Verwandter, der Vater?, eingesetzt habe, ihn stattdessen in die Wehrmacht zu kriegen. Vielleicht war das ein Trick, den nicht jeder beherrschte, der ihn hätte anwenden mögen, auch möglich. Viele wollten sich aber auch gar nicht widersetzen.
    (Da ich keine Gerüchte in die Welt setzen will, werde ich diese - angebliche - Quelle noch prüfen.)


    Viele Grüße,
    Petra

    Hallo und vielen Dank, Justus.


    Falls jemand - über die Zeugenaussage von Divine Saint-Pol-Roux hinaus - Quellen bez. des Angreifers findet, wäre ich dankbar, wenn er/sie es mich wissen ließe.


    Viele Grüße,
    Petra

    Hallo Thilo,


    nur mal so am Rande: Was ist denn damit gemeint, "ein Fall für Dich"?


    Hallo Pitt,


    hast Du eine Quelle dafür, was mit dem Soldaten geschehen ist, der den Überfall verübt hat? In einem alten Zeit-Artikel ist die Rede von einem Bäckermeister, aber nicht, ob er dafür zur Rechenschaft gezogen worden ist.


    Steht ja da - sorry!


    Grüße,
    Petra

    Vielen Dank, Pitt. - Die Aussagen widersprechen sich in Details je nach Quelle. Anderswo ist zu lesen, dass er angeschossen wurde, entkommen konnte, und, nachdem er von der Plünderung erfahren habe, kurz darauf an Harnvergiftung und Kummer gestorben ist. Aber eine meiner Fragen ist damit schon beantwortet (offenbar): Was mit dem Soldaten geschehen, ob er dafür zur Verantwortung gezogen worden ist.


    So geht's: http://www.notrepresquile.com/…s/saint-pol-roux-attentat

    Guten Abend,


    wer Urlaub im bretonischen Camaret sur Mer macht, kommt kaum umhin, sich die auffälligen Ruinen mit den Überbleibseln markanter Türme unweit vom Strand anzusehen. Dann erfährt man, dass es sich um das Manoir de Coecilian gehandelt hat, ein ehemals imposantes Anwesen mit acht Türmen und das Heim eines Dichters namens Saint-Pol-Roux (eigentlich Paul-Pierre Roux), 1861 geboren. In der Nacht zum 24. Juni 1940 überfiel offenbar ein betrunkener Wehrmachtssoldat (angeblich ein Bäckermeister) das Haus, tötete die Haushälterin und attackierte Roux und seine Tochter Divine. Am 18.10.1940 starb Roux an den Folgen seiner Verwundungen in einem Krankenhaus in Brest. Kurz zuvor waren das Manoir geplündert und viele Manuskripte (im Feuer) zerstört worden. 1944 wurde das Manoir von den Alliierten bombardiert.


    Soweit die wenigen mir bekannten Details, ohne Gewähr. Weiß jemand genaueres über diese Vorfälle?


    Viele Grüße,
    Petra

    Hallo Dirk,


    vielen lieben Dank! Das schließt weitere Lücken. Die Rosinen waren demnach für den kleinen Sohn und einen Neffen. Gibt alles Sinn :) !


    Gruß,
    Petra

    Guten Morgen,

    allen, die sich ans Entziffern gewagt haben, meinen herzlichen Dank!


    Stück für Stück wird’s immer vollständiger. Hier schrieb ein Arbeiter aus dem rheinischen Kohlerevier, mit Volksschulbildung, der mit 19 in den ersten und mit über 40 in den 2. Krieg zog – und das, davon gehe ich zumindest aus, eher nicht freiwillig. Der „Frang“ ist Frechener Platt, geschrieben wie gesprochen! Auch wenn auf diesen Karten keine Offenbarungen stehen, zeigt es doch jemanden, der offenbar sehr bedacht auf seine Familie zu Hause war, nicht nur die Kernfamilie, seine Frau und seine Kinder, auch die Brüder waren offenbar stets in seinen Gedanken.

    Mein Großvater war in der Landesschützenkompanie 111/6, Truppenteil Baubataillon 85, und wurde am 11.05.1943 in Tunis gefangengenommen (und infolgedessen in die USA verschifft).

    Viele Grüße,
    Petra

    Vielen Dank, JR, da hast Du schon einige Lücken gefüllt!


    Kann es heißen "Ich bekomme jetzt" (falsch geschrieben) "Francs ausgezahlt, keine Lire mehr"? Macht das irgendeinen Sinn? Wurde Sold in Fremdwährung bezahlt ...?!? Bzw. in Landeswährung?


    Gruß,
    Petra


    PS: Nur nebenbei: Das Tor ist/war das Arco della Grande Sirte in Libyen.

    Guten Abend,


    ich fürchte, der Scan ist nicht besonders gut - aber das Original ist auch nicht besonders gut erhalten (und mit Bleistift geschrieben). Kann jemand den fehlenden Text entziffern?


    Ich lese:


    "16.1.43
    Liebe Frau und Kinder. Hatte Dir am 14. schon geschrieben, daß ich wieder bei der
    (...) bin (...). Schreib wieder 16966. Ich bekomme jetzt Frang ??? ...
    Lire mehr. Ich habe gestern die zwei letzten P... abgegeben, es ist
    wieder Post ... ich habe im ganzen ... für Dich ... ob Du auf allen
    ankommenden 2 letzten Jahren ist keine No drauf geschrieben ... für
    meinen Bruder Josef das ist ... und von F. P. N. ... Rosinen ... Es
    grüßt ... Johann"


    "24.1.43
    Liebe Frau u. Kinder. Die herzlichsten Sonntagsgrüße von Johann.
    Ich bekomme jetzt ??? vorläufig ... Post dadurch daß ich versetzt
    worden bin, deshalb weil ich Dir darf schreiben wenn es auch nicht
    viel ist. Ich habe Dir noch jeden Tag geschrieben, weil ich weiß ja
    nicht ob die Post alle mitkommt. (...) es mir ja auf .
    Es grüßt Euch herzlich Johann."


    Vielen Dank und viele Grüße,
    Petra

    Ein Gruß in die Runde derer, die mir hier freundlicherweise geantwortet haben,


    leider liegen mir die Urkunden momentan nur in schriftlicher Form vor (Rechner abgeraucht, Sicherungskopie vorhanden, aber nicht greifbar), so dass ich kein Foto einstellen kann, sorry. Fakt ist aber, dass auf der Geburtsurkunde von 1899 1946 ein Randvermerk mittels Stempel gemacht wurde, der besagt: "Verstorben" (oder "Gestorben") gestrichen, darüber eingetragen "Gefallen am 8.8.1944", Wort "um" gestrichen", handschriftlich wiederum ergänzt "Todesort unbekannt" - und - auch auf der Sterbeurkunde unter Todesursache eingetragen worden ist "Gefallen".
    Wenn ich Eure Antworten richtig deute, dann hätte - hätte es 1944 eine Todesmitteilung gegeben - dies auch unmittelbar standesamtlich erfasst und auch nicht von einem Verwandten angezeigt werden müssen, sondern die Standesämter haben Todesmitteilungen direkt von der Wehrmacht oder in diesem Fall der Waffen-SS bekommen?
    Möglich wäre evtl., dass dieses Datum 8.8.1944 das des letzten Lebenszeichens gewesen ist? Vielleicht hat es eine Vermisstmeldung gegeben, die Familie hoffte auf eine gute Wendung, Gefangenschaft, aus der er irgendwann zurückkehren würde, hat sich dann aber schließlich damit abgefunden, dass man wohl nichts mehr hören wird und 1946 so etwas wie eine "Für-Tot-Erklärung" - aufgrund des gen. Erlasses - erwirkt?


    Spekulationen, ich weiß. Ich lasse von mir hören, falls ich etwas herausfinde.


    Vielen Dank Euch!


    Grüße,
    Petra


    aber evtl. sehe ich das auch nur zu eng und habe eine andere Vorstellung was hier ins Forum gehört.


    Hallo zusammen,


    mein Eindruck als neuer Teilnehmer hier ist, dass von den Moderatoren schon sehr diszipliniert "aufgeräumt" bzw. streng gerügt wird. Wenn jemand ein Abwasserrohr (oder weiß-der-Himmel-was) ausgräbt und Bilder davon einstellt oder jetzt eine Uniform, die eher nicht in den 2. WK gehört, naja ... Wo bei mir eine Grenze erreicht wäre, ist, wenn sich abzeichnet, dass der Anfangs-Thread auch der einzige bleiben wird, sich nirgendwo anders eingebracht wird etc. Dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass jemand nicht am Thema interessiert ist, sondern sich nur verlaufen hat.


    Einen schönen Sonntag!
    Petra

    Guten Tag,


    ich habe folgende Eintragung auf einer Sterbeurkunde gefunden:


    Quote

    "Der SS-Grenadier ... ist am 8. August 1944 gefallen. ... Eingetragen auf mündliche Anzeige der Ehefrau. Todesort und Todesstunde ist unbekannt. Die Eintragung erfolgt auf Grund des Erlasses des Oberpräsidenten der Nord-Rheinprovinz vom 22.11.1945"


    Das Datum der Sterbeurkunde liegt über ein Jahr nach dem gen. Erlass.


    Die Provinz Nordrhein war eine kurzzeitige Verwaltungseinheit in der britischen Besatzungszone. Weiß jemand, was in dem zitierten Erlass gestanden hat? Vermutlich ging es darum, Personen offiziell für tot erklären zu lassen? Mir fallen die zeitlichen Verzögerungen auf: gefallen 1944, Erlass 1945, aber Eintrag beim Standesamt erst 1946. Außerdem, dass insbesondere der Todesort unbekannt war, aber der Todestag nicht. Möglicherweise sind in den Kriegswirren die Informationen über den Todesort verlorengegangen? Oder wurden Todesorte in den Mitteilungen der - in diesem Fall wohl Waffen-SS - an die Hinterbliebenen evtl. auch verschwiegen?


    Eine Suche bei der Kriegsgräberfürsorge blieb ohne Ergebnis. Eine Anfrage bei der WASt erübrigt sich, da keine direkte Verwandtschaft besteht.


    Viele Grüße,
    Petra


    PS: Ich hätte diesen Beitrag auch ins Unterforum "Waffen-SS" stellen können, habe mich aber dagegen entschieden, weil ich a) keinen Hinweis auf die Einheit habe und b) vermute, dass der Erlass nicht nur Soldaten der Waffen-SS betrifft.

    Guten Morgen,


    ich teile Maltes Einschätzung (das Buch steht ja nicht von ungefähr nach Jahren noch ungelesen da ... :/ Was aber nun nicht gegen das Buch spricht, sondern mehr gegen mich als in der Materie ungeübten Leser!). Außerdem fußt das Buch - lt. Klappentext - auf "bislang ungenutztem Quellenmaterial der Krankenakten psychiatrisch behandelter Soldaten". Die Mehrheit der Rückkehrer hat nie ein Gespräch mit einem Psychiater geführt.
    Ich denke, die zahlreichen Bücher von Nachkommen sind noch eine gute Möglichkeit, Zugang/Informationen zu diesem Thema zu finden, als Beispiel sei hier hur genannt Monika Jetters "Mein Kriegsvater".


    Gruß,
    Petra


    PS: Dieter Wellershoff kann ich auch empfehlen, z. B. auch mit der von ihm eingesprochenen Audio-CD "Schau dir das an, das ist der Krieg. Dieter Wellershoff erzählt sein Leben als Soldat".

    Guten Morgen,


    ohne genauere Kenntnis des Ortes und weiterer Ansatzpunkte: tatsächlich schwierig. Es ist allerdings eine Geschichte, die das Potential hat, weitergetragen zu werden, und sei es damals nur mündlich, bis sie vielleicht irgendwann einer augeschrieben haben könnte ...? Wenn jemand davon gehört hat, abgesehen von den Zeitzeugen, dann am ehesten jemand, der sich wissenschaftlich mit der Materie befasst? Ich denke da z. B. an das Projekt Zwangsarbeit 1939 - 1945. Aber: Das ist nur eine Idee - es braucht wahrscheinlich schon sehr viel Glück, um näheres herauszufinden.


    http://www.zwangsarbeit-archiv…projekttraeger/index.html


    Gruß,
    Petra


    Es waren alles Zeitzeugen wie geht man damit um wie lebt man damit weiter und was gibt man dann seinen Kindern wieder und der Familie wenn man zurückkommen konnte.
    Ich frage mich das im Moment grad sehr.


    Hallo Gabriela,


    das verstehe ich sehr gut, mir geht's nicht anders. (Eigentlich wäre das gut in einem neuen Thema untergebracht - gibt es womöglich auch schon ...?) Mein Großvater ist (aus zwei Kriegen) zurückgekommen, trotzdem kann ich diese Frage nicht in Gänze beantworten. Natürlich ist auch jeder anders damit umgegangen. Was ich sagen kann: Mein Großvater galt als jährzornig, was ich als Enkelin aber niemals zu spüren bekommen habe. Mir gegenüber hat er sich immer ausgesprochen liebevoll verhalten. Auffällig war vielleicht noch, dass mein Großvater niemals mit dem Rest der Familie (meinen Eltern und mir, meiner Großmutter/seiner Frau, meinem Onkel/seinem Sohn ...) in Urlaub gefahren ist. Das habe ich als Kind auch nie infrage gestellt: einer musste sich um den Garten kümmern. Das allein kann nicht der Grund gewesen sein - dann wäre man halt früher/später gefahren. In anderen Lebenserinnerungen lese ich das oft: Da wollten Väter/Großväter auch nie mehr von zu Hause weg; sie waren "im Krieg genug herumgekommen".


    Immer noch ungelesen im Regal steht bei mir das Buch von Svenja Goltermann: "Die Gesellschaft der Überlebenden - Deutsche Kriegsheimkehrer und ihre Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg".


    Gruß,
    Petra