Posts by Margarete

    ich habe den Eindruck, mein Beitrag wurde von Dir nicht richtig verstanden.


    Genau das ist es doch, was ich ausdrücken will. Es liegt in unserer Macht, in der Macht eines jeden Menschen, sich für die gewaltfreie, konstruktive Lösung von Konflikten zu entscheiden.


    Gefühlen müssen wir nicht nachgeben. Dafür gibt es den Verstand. Dieser ist imstande zu denken, Gefühle zu beeinflussen, Hintergründe zu hinterfragen und sich dafür zu entscheiden, nicht zuzuschlagen, sondern die Verständigung zu suchen.


    Und schön, dass Du es auch so siehst, das es sich um eine Verbrecherbande handelte.


    Gruß
    Margarete


    PS: Hier ein Gedicht meines Lieblingsdichters Erich Fried (aus "Gegen das Vergessen):


    Freie Wahl I


    Man konnte für Hitler sein
    oder gegen Hitler


    Man konnte für Franco sein
    oder gegen Franco


    Man konnte für den Vietnamkrieg sein
    oder gegen ihn


    Man kann für die Contras sein
    oder gegen die Contras


    Für das Verhungernlassen
    oder Erschießen von Kindern
    oder dagegen


    Für die Gaskammern
    in einigen Bundesstaaten der USA
    zum Vollstrecken von Todesurteilen
    oder dagegen


    Und für oder gegen
    die Todesstrafe sein ...

    Guten Abend oder besser: guten Morgen,


    gerade habe ich die Antworten zu diesem Thema gelesen. Sehr interessant, wie von mir erwartet. Mein Beitrag wurde von mir geschrieben, weil ich mich über die „einseitige“ Formulierung geärgert habe. Mir war klar, dass ich provoziere und die Gemüter erhitze. Ganz bewusst habe mich aus der Diskussion herausgehalten. Ich wollte die Reaktionen abwarten. Hier nun meine Stellungnahme.


    Vorweg: Ich bezweifle nicht, dass durch die Rote Armee Verbrechen an der Menschlichkeit begangen worden sind. Und glaubt mir, beim Studieren der Bücher über die schlimme Zeit des 2. Weltkrieges sitze hier manchmal und schreie vor Entsetzen auf.


    Gerade heute abend habe ich noch in unserer Stammkneipe mit Freunden über die Grausamkeiten diskutiert, die Menschen Menschen antun. In diesem Kreis ist auch eine Russin, die mir von der Berichterstattung in der Sowjetunion erzählte.


    Katrin: Mein Vater war 17 als er sich am 8. Mai 1941 freiwillig verpflichtete. Seine wirkliche Motivation ist mir nicht bekannt. Ich bin mit abenteuerlichsten Erzählungen über den Krieg aufgewachsen. Ich glaube, ich war etwa 12 oder 13 als ich zu meinem Vater sagte: „Wenn man Dich hört, glaubt man, dass der ganze Krieg einfach ein Abenteuer war. Aber es sind Millionen Menschen gestorben.“ Er antwortete: „Soll ich vielleicht davon erzählen, wie meinem Kameraden der Kopf weggeschossen wurde und er trotzdem noch weiter gelaufen ist?“ Natürlich sollte er mir damals nichts davon erzählen.
    Vielleicht war das seine Art mit diesen grausigen Erlebnissen fertig zu werden. Ich weiß es nicht.


    Thomas: Ich unterstelle Dir gar nichts. Ich kenne Dich ja gar nicht. Aber irgendwie habe ich diese angreifende Antwort erwartet. Woran liegt das bloß?


    Stephan: Klar kann man darüber streiten, ob es tatsächlich notwendig ist, dass ein Land eine funktionierende Armee unterhält. Die Diskussion habe ich auch schon geführt, wie es einem Land erginge, das nicht darüber verfügt. Alle Deine Argumente sind mir bekannt und nicht von der Hand zu weisen. Mir ist auch klar, dass der Mensch das größte Raubtier auf diesem unserem Planeten ist. Und dennoch glaube ich an das Gute im Menschen.


    In Deiner Antwort ist nur eine Formulierung, die mir nicht gefällt. „….man sieht eine gewisse Notwendigkeit darin, diesen Dienst für sein Land zu verrichten.“ Genau das ist doch der Punkt den ich meine. Es ist ein ganz normaler Impuls, für seine Familie, seine Freunde sein Land einzutreten, es zu verteidigen. Vor ein paar Jahren ist mein Neffe auf offener Straße zusammengeschlagen worden. Als ich davon hörte, habe ich tiefen Hass empfunden für die Täter und wäre bereit gewesen, sofort zurückzuschlagen. Ich wusste nicht, dass ich zu solchen Gefühlen überhaupt fähig bin und habe mich über die Heftigkeit der Empfindung total erschrocken.
    Genau dieser Impuls wird von Machthabern benutzt, um Menschen zu manipulieren und in die von ihnen gewollte Richtung zu bewegen (siehe Polenfeldzug).
    Sei froh, dass Du nicht in der damaligen Zeit Soldat sein musstest.


    Erwin und Erich: Den Worten meines Großvaters und der Überlieferung durch seine Frau vertraue ich 100 %-ig!


    Margarete

    Guten Abend, an alle


    wie kann man ein Thema eröffnen, dass diesen Namen trägt: „Ermordung von Verwundeten durch Rote Arme und NKWD“? Das ist Provokation ohne Ende. Der Titel verspricht einseitige Sichtweisen und löst bei mir einen Brechreiz aus.


    Nie, nie, niemals wird es etwas Sinnloseres geben, als Krieg zu führen. Es führt zu Nichts, außer zu Mord und Todschlag. Menschen, die dazu bereit sind, womöglich auch noch freiwillig Soldaten werden, die Krieg als Abenteuer betrachten, sind in meinen Augen fehlgeleitet.


    Besonders in Kriegszeiten werden Menschen von den Machthabern und ihren Helfershelfern manipuliert, Sadisten und kranke Hirne haben ihren großen Einsatz und wofür? Für nichts! Und der kleine Mensch und Soldat befolgt Befehle – ohne zu denken. Immer und immer wieder.


    Kein Mensch bestreitet, dass es von russischer Seite zu extremen, grausigen Handlungen gekommen ist. Und, Erwin, es muss furchtbar gewesen sein, den Kameraden so vorzufinden. Diesen Taten voraus gegangen sind aber die Aktionen der Deutschen, die nicht weniger grausam waren.


    (Beim Polenfeldzug kämpfte z. B. mein Großvater unfreiwillig auf deutscher Seite und sein Schwager auf polnischer Seite. Diese beiden befreundeten Männer, die mit zwei Schwestern verheiratet waren, haben zumindest theoretisch aufeinander schießen müssen. Onkel Jan erlitt eine leichte Schussverletzung am Oberarm, die von den Deutschen nicht versorgt wurde. Resultat: Amputation.
    Mein Großvater hat seiner Frau nach dem Polenfeldzug erzählt, dass SS-Leute Babies mit dem Bajonett aufgespießt haben.)


    Solche Ereignisse schüren den Hass zwischen Menschen, die eigentlich Freunde sein könnten.


    Unser Verstand macht es möglich, sich vom Befehlsempfänger und sinnlos Agierendem zum Nachdenker und verantwortungsvoll Handelnden zu entwickeln. Es wäre wunderbar, wenn die Menschheit endlich damit beginnen würde, anstatt von einem Krieg zum nächsten zu marschieren.


    Hier noch etwas zum Lesen und Nachdenken:


    Die Anweisung Heydrichs vom Juni 1941 wie mit Angehörigen der Roten Armee verfahren werden soll, wenn diese in Kriegsgefangenschaft geraten.


    [Blocked Image: http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/8ra3-5.jpg]


    http://www.ess.uwe.ac.uk/genocide/pow1.htm


    Das Milgram-Projekt (mein Buch von Amnesty-International – Strategie der Folter, in dem die Befehls-Ausführungs-Bereitschaft der Menschen erläutert wird, kann ich gerade nicht finden).



    http://basisreligion.reliprojekt.de/milgram.htm
    http://www.whywar.at/krieg_gehorsam


    Unrecht kann nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Unrecht bleibt Unrecht, egal wie man es auch dreht und wendet.


    Horst, danke für Deine Worte.


    Margarete

    Guten Tag, Reni,


    gestern habe ich mit einem ehemaligen Soldaten der 28. Jäger-Division telefoniert. Er ist heute 86. Jahre alt. Da er mir sehr viel von seinen letzten Tagen in Ostpreußen erzählte, habe ich heute nach Informationen über diese Einheit gesucht. Dabei bin ich auch auf Deine Suchaktivitäten gestoßen und habe mir gerade alles durchgelesen.


    Kann ich ihn etwas fragen?



    Lieben Gruß


    Margarete

    ich habe zwei Erinnerungen meiner Mutter notiert, die ich ohne Kommentar hier aufschreibe:


    1. Meine Oma stammte aus Krotoschin. Ihr Vater war Pole. In ihrem Elternhaus wohnten Schwestern von ihr, wobei eine Schwester mit einem Polen verheiratet war. Mein Großvater kam bei einem seiner wenigen Heimaturlaube auf dem Weg nach Hirschberg durch Krotoschin, hat kurz die Familie seiner Frau besuchen wollen und kam gerade dazu, als der kleine Sohn abgeholt werden sollte von irgendwelchen deutschen Behörden. Der Junge sollte in ein Lager gebracht werden. Mein Großvater hat es verhindert. Es wurden seine Personalien notiert. Er wurde vom Obergefreiten zum Gefreiten degradiert.


    Was kann das für ein Lager gewesen sein?


    Haus und Grundstück in Krotoschin wurden 1943 von der Grundstücksgesellschaft für den Reichsgau Wartheland zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt. Ein Pole hatte keinen Anspruch auf Eigentum.



    2. Meine Mutter war bei Kriegsende 11 Jahre alt. Die Familie stammt aus Hirschberg, Schlesien. Dort in der Nähe befand sich das Lager Groß-Rosen.


    Obwohl meine Mutter noch ein Kind war, wusste sie von dem Lager. Es wussten dort, denkt sie, alle davon. Sie wusste allerdings nicht, was dort im Einzelnen vor sich ging.


    Sie selbst kann sich erinnern, dass Häftlinge aus dem Lager an der Bahnlinie, die von der Siedlung Grünbusch nach Hirschberg führte, arbeiten mussten.


    Meine Mutter ist mit ihrer Mutter dort entlanggegangen und sie haben gesehen, wie ein Aufseher mit dem Gewehrkolben auf einen Häftling eingeschlagen hat. Mein Großvater war damals schon in Odessa vermisst, also war es nach Mai 1944.


    Meine Großmutter hat zu dem Aufseher gesagt: „Jetzt weiß ich ja, wie Gefangene behandelt werden. Da kann ich ja nur hoffen, dass es meinem Mann in Russland nicht genauso geht.“
    Der Aufseher antwortete: „Die machen das nicht.“
    Meine Oma: „Ach, dann sind nur wir die Schweine.“


    Der Aufseher wurde wütend, hat sie aufgefordert, weiter zu gehen und hat ihr mit irgendwelchen Maßnahmen gedroht.


    Nach dem Krieg hatte meine Oma ein weißes Kreuz an der Tür.



    Lieben Gruß


    Margarete

    Hallo, Alte....


    in Silute gibt es ein Deutsches Haus, wurde mir gesagt, nachdem ich in Litauen war. Vielleicht hat dort noch jemand eine Idee. Fragen kostet nichts. Es wird deutsch gesprochen.


    Deutsches Haus in Heydekrug


    Valstieciu 4
    LT-99170 Šilute, Litauen
    Telefon: + Fax: +370 441 77870
    E-Mail siluteheide@one.lt


    Lieben Gruß


    Margarete

    Hallo, noch einmal,


    so hier die frisch eingescannte Seite:


    [Blocked Image: http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/8ra3-4.jpg]


    Jane, Du hast nach den Grenzdurchgangslagern gefragt. Ich hatte da vor Kurzem Kontakt zu einem wirklich freundlichen Herrn vom ..... in Gießen. Dort befinden sich alle Akten ab Sommer 1950. Zu diesem Zeitpunkt wurde über alle Personen, die aus der DDR einreisen wollten, eine Akte angelegt. Außerdem wurden Befragungen durchgeführt.


    Das Amt nenne ich jetzt besser nicht, weil es sich um eine Bundesbehörde handelt, die heute ganz andere Aufgaben hat, als sich um solche Akten zu kümmern. (Bei Bedarf bitte melden) Über meinen Vater gab es dort jedenfalls eine Akte, die sich auf zwei DIN A 4 Seiten kopieren ließ.


    Mein Vater hatte angegeben, dass er bis 1946 in polnischer Kriegsgefangenschaft war. Für mich völlig neu und für meine Mama auch.


    Ist es von Interesse, dann stelle ich gerne seine Unterlagen hier ein.


    Liebe Grüße M.

    Hallo, liebe Jane,


    die Frage nach den Bevölkerungszahlen habe ich mir auch schon gestellt. Meine Familienrecherchen haben dazu geführt, dass ich seit etwa vier Monaten alles lese, was ich über den 2. WW finden kann.


    In einem Buch stand, dass 14 Millionen Männer (auf deutscher Seite) in die Kriegsgefangenschaft gegangen sind. Ich fragte mich, wieviel Prozent der Bevölkerung war denn das?
    Es war ein Viertel, denn 1939 soll Deutschland 56 Millionen Einwohner gehabt haben.
    (Im Buch von Guido Knopp "Die Gefangenen" und der heutigen Ansprache im Fernsehen wurde von 11 Mill. gesprochen).


    Dabei ist mir nicht klar:


    Waren in den 56 Millionen die Gebiete, wie z. B. das Memelland enthalten oder nicht? Dieses Gebiet gehörte ja von 33-März 39 wieder zu Litauen.


    Dann fagte ich mich, wie es möglich ist, dass die Bevölkerung auf 65,9 Millionen Einwohner in so kurzer Zeit anwuchs. Die in dieser Zahl enthaltenen Vertriebenen von 9,7 Millionen klingen für mich nicht einleuchtend.


    Wie setzt sich die Zahl zusammen? Hierin enthalten sind sicher Menschen, die aus Gebieten stammten, die 1939 schon mit in der Zählung enthalten waren (wie z. B. meine Mama aus Hirschberg in Schlesien).


    Wieviele Personen sind in der Zahl der Vertriebenen enthalten, die aus Gebieten stammen, die 1939 nicht in der Volkszählung erfasst waren.


    Waren in den 65,9 Mill. schon die ganzen Menschen enthalten, die noch in Kriegsgefangenschaft irgendwo im Ausland waren?


    Mir ist das irgendwie nicht klar.


    Ich habe in "Geflohen und vertrieben" von Rudolf Mühlfenzl ein Diagramm gefunden. Scanne ich gleich noch 'mal ein. Die Information, die daraus hervorgeht, ist nicht wirklich ausreichend, jedenfalls nicht für mich.


    Also, liebe Jane, und auch ihr anderen Lieben, ich bin sehr interessiert an weiteren Zahlen.


    Lieben Gruß


    Margarete