Posts by MarcBartuschka

    Hallo


    Ich denke gibt einige Faktoren für das "Brutalitätsgefälle". Zum einen haben die Deutschen an der Westfront ihre Gegner nicht so als rechtlose "Untermenschen" betrachtet wie viele Angehörige von Wehrmacht, SS und Polizei nun mal die sowjetischen Soldaten und Zivilisten und oft auch andere Slawen gesehen haben (von einheimischen Juden will ich erst gar nicht reden). Was nicht heißen soll, dass es an der Westfront keine Kriegsverbrechen gab.
    Der Krieg an der Ostfront aber wurde nun einmal vom ersten Tag auch als Vernichtungskrieg geführt, die Brutalisierung dürfte also gewissermaßen im Schnelldurchlauf erfolgt sein. Die Vernichtungspropaganda mit der sowohl der Angreifer als auch die Angegriffenen arbeiteten, tat ihr übriges (nehme ich an). Wenn dir eingehämmert wird, den Gegner zu hassen und zu vernichten, wird es schwer "umzuschalten" und so etwas wie "zivilisierte" Kriegsführung zu praktizieren. Wobei ich natürlich immer noch einen deutlichen Unterschied sehe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee (nun hat eben die deutsche Seite den Krieg angefangen und zwar so angefangen, wie er angefangen wurde - die andere nicht, was die von Rotarmisten begangenen Verbrechen nicht rechtfertigt, aber vielfach erklärt).


    Wenn man sich Sönke Neitzels "Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben" durchliest, wie die kriegsgefangenen Wehrmachtssoldaten (ohne zu wissen, dass sie aufgezeichnet werden) teilweise mit Dingen wie den oben erwähnten geradezu prahlen (ich bin ja einiges gewohnt, aber an einen oder anderen Stelle dreht sich einem wirklich der Magen um), wundern mich Grausamkeiten seitens sowjetischer Soldaten wenig. Von Seiten der Partisanen schon gar nicht, da diese wussten, was sie ohnehin erwartet im Fall der Gefangennahme. Und sie hatten ihrerseits mit der deutschen Besatzungspolitik ja oft direkte Erfahrungen gemacht (Familien von Partisanen wurden nicht selten Opfer von Strafmaßnahmen).
    Und ja, geprahlt wird seitens der Wehrmachtssoldaten auch mit grausamen Dingen die man in Italien gesehen oder getan hatte. Es war also nicht nur die Ostfront. Ich finde "Soldaten" ist ein sehr wertvolles Buch, was die Innensicht der Wehrmachtssoldaten auf ihr eigenes Verhalten oder das von Kameraden, auf die offenkundig in der Truppe weithin bekannten Kriegsverbrechen (denn die Tötung von Wehrlosen und Vergewaltigungen kann man nicht anders nennen) angeht, viel besser als jeder Roman.


    In ähnlichen Situationen (wenn man den Gegner teilweise für "minderwertig" hält oder einfach nicht versteht und sich dazu noch mit einer ausgewachsenen Insurgency konfrontiert sieht), haben auch westeuropäische Truppen Verbrechen begangen (als Beispiele könnte man meiner Ansicht nach etwa die Schlacht um Algier betrachten, und zum Vietnamkrieg empfehle ich sehr Bernd Greiners "Krieg ohne Fronten", das die Mechanismen von Brutalisierung meiner Ansicht nach sehr gut nachzeichnet).


    Beste Grüße
    Marc

    Vielen herzlichen Dank! Deine Ratschläge sind eine große Hilfe.
    Generell scheint es zu dem Thema einiges an Streuinformationen zu geben, aber eben wenig an einem Ort konzentriert. Könnte also lohnend sein, das mehr Zeit zu investieren. Wirkliche Literatur gibt es außer den von mir erwähnten kaum, aber ich bin erst dabei zu prüfen, ob im russischsprachigen Raum mehr vorliegt (abgesehen von kurzen Beiträgen). Denn wenn jemand sich damit gründlicher befasst hat, dann sicher jemand aus Russland oder Belarus.

    Hallo


    Das klingt sehr interessant, die Signatur wäre eine große Hilfe. Vielen Dank für den Tipp. Ich sollte sowieso wenn ich mal nach Freiburg komme in die Berichte zu den "Großunternehmen" gegen Partisanen reinschauen.


    Mit Italien hast du selbstverständlich Recht, und natürlich wurden zahlreiche Einsätze auf dem Balkan geflogen (Jugoslawien und sicher auch Griechenland), aber soweit ich weiß auch welche gegen französische Widerstandskämpfer (zumindest vereinzelt), wohl auch in Skandinavien, und in jedem Fall in Polen (gerade, aber nicht nur während des Warschauer Aufstandes), Tschechien (Prager Aufstand, da so weit ich weiß auch mit Me 262, von denen die Aufständischen glaube ich sogar welche runterholten) und in der Slowakei (während des Nationalaufstandes). Aber das alles abzudecken wäre wohl kaum realisierbar für eine Recherche.

    Vielen herzlichen Dank für dieser zahlreichen wertvollen Hinweise, denen ich nach Möglichkeit nachgehen werde. Das zbv 7 ist sicher besonders interessant, es unterstand ja soweit ich weiß zumindest zeitweise von dem Bach-Zelewski. Aber ich vermute, dass auch die meisten an der Ostfront eingesetzten regulären Luftwaffeneinheiten (vor allem im Bereich der Heeresgruppe Mitte) irgendwann einmal Flugzeuge für Einsätze gegen Partisanen oder gegen Dörfer in von Partisanen kontrollierten Gebieten (oder in den geplanten "toten Zonen") gestellt haben. Aber das ist nur eine Vermutung, die ich erst mal untermauern müsste.


    Danke noch einmal für die Hilfe.
    Beste Grüße
    Marc

    Hallo


    Vielen herzlichen Dank schon mal für die Hinweise. Auf die NSG 2 bin ich auch in anderem Zusammenhang schon gestoßen, das ist sicher eine Einheit, die man sich (wie die übrigen Nachtschlachtgruppen soweit in den besetzten Gebieten der UdSSR eingesetzt) genauer anschauen sollte.


    Was die Frage des Zwecks angeht, so ist das im Moment noch etwas im Fluss. Ich habe mich in meiner Studiumsabschlussarbeit schon recht gründlich mit dem Thema Partisanenkrieg (damals geographisch eingegrenzt auf Weißrussland) beschäftigt. Ich würde das jetzt gerne noch mehr ausbauen als Forschungsperspektive und prüfe im Moment, wie viel Aussicht es hat, einen Teilaspekt der Thematik wie den genannten herauszugreifen. Gute (und auch ein paar weniger gute) Gesamtdarstellungen und Lokalstudien zum Partisanenkrieg gibt es ja schon schon einige.

    Hallo


    Ich suche nach Informationen zum Einsatz der deutschen Luftwaffe (oder mit ihr verbündeter Einheiten wie etwa der rumänischen und ungarischen Luftstreitkräfte oder Flugzeugen des italienischen Expeditionskorps) gegen sowjetische (und andere) Partisanen bzw. in von den Partisanen kontrollierten Gebieten auf dem Gebiet der UdSSR.
    Der Partisanenkrieg mit all seinen Facetten ist in den letzten Jahren ja zunehmend genauer untersucht worden. Zu diesem speziellen Aspekt wird in der Literatur aber oft vor allem auf den schon recht alten, wenngleich immer noch sehr lesenswerten Aufsatz von Gerhard Weinberg "Airpower in Partisan Warfare" verwiesen, auch wenn Christian Gerlach in einem Kapitel in "Kalkulierte Morde" sehr interessante zusätzliche Details und Einschätzungen veröffentlichte, die Weinberg an einigen Stellen deutlich korrigieren. Angesichts des Umfangs an Operationen, von dem man ausgehen muss, ist das nicht sehr viel an Literatur, und zudem vor allem auf Weißrussland konzentriert.
    Mir klar, dass das Bundesarchiv (vor allem das Militärarchiv in Freiburg) die naheliegende Stelle für Recherchen zu dem Thema ist. Ich wollte mich aber vorbereitend erkundigen, ob jemand hier eventuell bei der Recherche zu einzelnen Einheiten der Luftwaffe oder zu einem bestimmten Abschnitt der rückwärtigen Heeresgebiete auf Hinweise zu solchen Einsätzen (sowohl Angriffseinsätze als auch Aufklärung) gestoßen ist.
    Sehr interessieren würde mich auch Hinweise auf Erinnerungsliteratur oder Kriegstagebücher, Briefe etc., die einen Einblick geben, wie die Besatzungen ihren eigenen Einsatz sahen. Dies gilt auch für Hinweise auf Gegenangriffe der Widerstandsgruppen wie etwa gezielte Angriffe auf deutsche Flugfelder.


    Danke schon einmal für jeden möglichen Hinweis
    Mit freundlichen Grüßen
    Marc Bartuschka

    Hallo


    Ich wollte fragen, ob jemanden in irgend einem Zusammenhang Informationen für das folgende Kriegsgefangenen-Durchgangslager unter die Augen gekommen sind:


    Kriegsgefangenen-Durchgangslager 201, namentlich zwischen Herbst 1943 und Sommer 1944. Für Ende 1943 ist als Standort "Südrußland bei der Heeresgruppe Süd" angegeben, aber das ist ja nun sehr allgemein. Kennt jemand Orte wo sich das Dulag befand oder weiß etwas zu Vorfällen dort?


    Danke

    Hallo


    Das ist sicher eine sehr speziell Frage (ich habe dazu in der Literatur nichts finden können, im Netz schon gar nicht), aber vielleicht kennt sich ja jemand gut genug mit der Materie aus um mir zu helfen.


    Kann mir jemand sagen, was die Farbcodierung von Dolmetscherbögen bedeutete. Ich vermute ja, es geht dabei gewissermaßen um "Freigaben" für bestimmte Tätigkeiten oder um eine Einschätzung der Kenntnisse, aber ich weiß es nicht genau. In einem von mir eingesehen Wehrstammbuch wurde vermerkt:, dass die Unterlagen offenbar an das Wehrkreiskommando IV mit Dolmetscherpersonalbogen gingen. Hier war markiert durch Unterstreichen
    "rot" (d. h. wohl ein "roter" Dolmetscherbogen) mit handschriftlichen Nachsätzen "am 12.9.42
    darunter - schwer leserlich: "weiß. grün. am 12.10.42".


    Hat irgend jemand eine Ahnung, was das bedeuten könnte, oder einen Tipp wo man das herausfinden kann?


    Danke