Posts by Kneip

    Hallo zusammen,


    Bernhard, Danke für deine Ergänzungen zum Thema.


    Aus der Gesamtheit der Akten wird auf jeden Fall deutlich, dass auch zu Kriegszeiten und in den besetzten Gebiten die Jagdausübung nach deutschem Standard organisiert und reglementiert wurde. So war es etwa Aufgabe der Jagdoffiziere, in ihrem Bereich für die Einhaltung des Jagdrechtes zu sorgen.


    Kordula, zu deiner Frage "Warum verloren diese Jagdscheine überhaupt ihre Gültigkeit und mußten erneuert werden?" kann ich (selbst Jäger) folgendes sagen:


    Der Umstand, dass diese Jagdscheine befristet waren, dürfte in diesem Sinne nichts mit der Wehrmacht zu tun haben. Vielmehr waren Jagdscheine in Deutschland stets befristet (heute gibt es etwa 14-tägige, Ein-, Zwei- und Dreijährige Jagdscheine) - nach Ablauf der Gültigkeit muss beim Kreis für einen Geldbetrag ein neuer Jagdschein gelöst werden.


    Ich habe im Zuge meiner Recherche im Netz noch Bilder eines Wehrmachtjagdscheines A gefunden, ich habe beim Einstellen in diesen Thread allerdings Bedenken wegen des Urheberrechtes. Daher hier der Link zur betreffenden Seite: Klick


    Man beachte die Formulierung: "Gebührenfreier Wehrmachtjagdschein A für Inhaber eines reichsdeutschen Jahresjagdscheines von 1939 oder spaeter".


    Wehrmachtjagdscheine konnten folglich nur an Personen, die bereits einen "normalen" deutschen Jagdschein gelöst hatten, ausgestellt werden.


    Bezüglich der Frage "Wer hatte denn überhaupt einen Jagdschein zu damaliger Zeit und wer einen Wehrmachtsjagdschein? (betrachtet auf die Menge an Soldaten)" habe ich zwar nachgeforscht, konnte bis jetzt aber keine Informationen auftreiben. Die älteste Statistik bezüglich der Jagdscheininhaber in Deutschland, die ich auftreiben konnte, datiert auf das Jagdjahr 1968 / 1969.


    _______


    Wenn mit dem Namen alle so einverstanden sind, könnte das OT dann ja entfernt werden, oder?


    Mit freundlichem Gruß

    Yannik

    Hallo Kordula,


    ja, die Auslagerung der Fragestellung in einem eigenen Thread halte ich für eine gute Idee. Dort könnte ich nochmal zusammenfassend die mir bereits erschlossenen Informationen präsentieren.


    Frage an unsere Admins: Wie würde das idealerweise ablaufen? Einfach ein neues Thema unter "Sonstiges" erstellen, oder würdet ihr die letzten beiden Beiträge über diesem in den neuen Thread Auslagern, damit es keine Doppelung gibt?


    Mit freundlichem Gruß

    Yannik

    Hallo Dieter,


    du dürftest die Explosion des amerik. Liberty-Frachters " John Harvey" als Folge einer Bombardierung durch die Luftwaffe im Hafen von Bari am 2. Dezember 1943 meinen. Dieses Schiff hatte Gelbkreuz-Munition geladen. Siehe auch hier (leider auf Englisch).


    Gruß in die Runde

    Yannik

    Hallo zusammen,


    Lothar, vielen Dank für diese Auflistung der deutschen Opfer!


    Bestätigt sind für den unmittelbaren Tag des Unglücks also mindestens 18 deutsche Tote. Interessant wären in der Tat noch die an den Spätfolgen im Lazarett verstorbenen.

    Entsprechende Verlustmeldungen muss es ja auch beim italienischen Verbündeten gegeben haben. Ist jemand auf diesem Gebiet bewandert?


    Ich arbeite mich momentan durch die verfügbaren NARA-Rollen des Seetransportchefs Italien, des Deutschen Marinekommandos Italien, der Seetransportstellen im Mittelmeer usw. Bisher allerdings ohne Erfolg, die meisten Akten datieren leider auf Herbst 1941 oder später.


    Gruß

    Yannik

    Hallo,


    die Auszeichnung unten im Bild habe ich vorhin wegen der Vergrößerung glatt übersehen.

    Es handelt sich um eine Stufe des allgemeinen Sturmabzeichens.

    Das wiederum deckt sich mit meiner These, dass es sich bei dem Soldaten auf dem Bild um keinen Angehörigen der Infanterie handelt.


    Siehe die Verleihungsbestimmungen: Klick


    Gruß

    Yannik

    Guten Abend Petra,


    bei dem Herren auf dem Bild handelt es sich um einen Rottenführer (entspricht dem Dienstgrad des Obergefreiten) der Waffen-SS.

    Ausgezeichnet ist er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse sowie mit der Medaille Winterschlacht im Osten 1941/1942. Die Aufnahme ist dementsprechend nach Mai 1942 entstanden. Die Paspelierung der Schulterkappen erscheint mir eecht dunkel, die Waffengattung Infanterie würde ich also tendenziell eher ausschließen.


    Gruß

    Yannik

    Hallo zusammen,


    Thomas, danke für die Editierung und auch für deine netten Worte. Ich sehe das recht einfach - wenn ich das Thema schon starte, Andere zur Mitarbeit auffordere, dann ist es für mich selbstverständlich, dass ich die sich ergebende Diskussion auch etwas "moderiere", damit auch alle die gemachten Fortschritte verfolgen können.

    _______


    Gerard, danke für deine Ausführungen bezüglich der Streubomben.


    Aus dem von dir verlinkten Wikipedia-Artikel stammt auch die in meinem letzten Beitrag enthaltene Übersetzung. Momentan ist die italienische AR-4 die Bombe, welche m.E. der Beschreibung aus dem Eingangstext am nächsten kommt - insbesondere bei den Punkten Streubombe, extreme Empfindlichkeit des Zünders und Zerstörungswirkung. Allerdings weicht das Gewicht, wie Thilo ja bereits erwähnt hat, ab. Des Weiteren passt die AR-4 nicht zu der Beschreibung, dass sich mehrere Bomben an jeweils einem, diese zusammenhaltenden, Blech befunden haben sollen.


    Die deutsche SD 2, abgeworfen in einem Abwurfbehälter (AB), halte ich ebenfalls für eine plausible Möglichkeit. Eine SD 2 hatte zwar nur ein Gewicht von 2kg, aber folgende Ausführung des Einganstextes...


    "Auf dem Blech befand sich eine Sprengpatrone, die nach drei Sekunden Fallzeit scharf wurde, explodierte und das Blech wegriß, wodurch jede Bombe einzeln auf ihr Ziel fiel und der Berührungszünder frei wurde, so daß er bei der geringsten Berührung die Bombe zur Detonation brachte."


    ... deckt sich mit dem Funktionsprinzip der deutschen Abwurfbehälter, welche nach einer gewissen Fallzeit ebenfalls durch eine kleine Sprengladung geöffnet wurden
    und so die einzelnen Bomben freigaben. Allerdings passen auch hier die Gewichtsangaben nicht. Auch die Angabe "sollten in Afrika das erstemal eingesetzt werden." passt nicht zur

    bereits 1940 eingesetzten SD 2. Allerdings war auch bei der SD 2 der Aufschlagzünder höchst empfindlich, wie dieser Ausschnitt des Enzyklopädie-Artikels belegt:


    "Wie auch bei moderneren Streubomben wurde es nicht als praktikabel angesehen, Schmetterlingsbomben zu entschärfen, die vollständig scharf geworden, aber nicht explodiert waren. Dies lag daran, dass SD 2 Zünder absichtlich so konstruiert wurden, dass sie extrem schwierig und gefährlich zu entschärfen sind, sobald der Zünder einmal scharf ist."

    In Nordafrika eingesetzt wurden sowohl die AR-4 als auch die SD 2. Bei beiden handelt es sich um Streubomben. Beide konnten mit einem extrem berührungsempfindlichen Aufschlagzünder ausgerüstet werden. Beide wurden in metallenen Abwurfbehältern abgeworfen (kann das für die AR-4 jemand bestätigen? Bei einer Streubombe kann ja vom Abwurf in einer Art Behältnis ausgegangen werden).


    Zu deiner Aussage :


    "Aber normaleweise wurde eine Bombe erst vor dem ziel scharf gemacht, oder auf dem Boden bevor dem Abflug bei basis flugzeuge (kein Schwerr bomber). So denke ich es mal, denn es wäre ein richtiger wahnsinn gewesen, Zünder scharf auf ein Frachtschiff Legen. Bevor der Transport weg Gemacht ist."


    Die Bomben wurden nicht scharf auf die "Birmania" geladen. Vielmehr sorgte anscheinend eine Kombination aus mangelnder Sicherung der Zünder, schlechter Fixierung der Bomben in den Transportkisten und nachlässigem Umgang während der Verladung dafür, dass einige der hochempfindlichen Aufschlagzünder unbeabsichtigt scharf wurden. Beim Löschen der Ladung geschah dann die Katastrophe. Als verstärkende Faktoren kamen dann die Positionierung unmittelbar gegenüber der "Città di Bari" und das Fehlen eines Feuerwerkers (beides trotz Warnung und anders lautender Anweisung!) dazu.


    Vergleiche mit folgender Stelle aus dem Eingangstext:

    "Was war in Tripolis geschehen? Die in Transportkisten verpackten Bomben waren in diesen Kisten nicht fest genug fixiert worden, und da die Kisten beim Beladen der Schiffe auch geworfen wurden, rutschten die jeweils zu zehn Stück in ihren Blechen hängenden Bomben in den Kisten hin und her. Auf diese Weise waren die Züner, die nur mit einem schwachen Stift gesichert waren, scharf geworden. Nun würde eine kleine Berührung der Berührungsstifte genügen, um die Explosion herbeizuführen."

    ________


    Markus, danke für deine Quellenergänzungen.


    verfügst du eventuell über das KTB der Seetransportstelle Tripolis? Falls ja, wäre es dir möglich, die entsprechenden Seiten zum "Birmania"-Unglück hier als Ergänzung einzustellen?


    Die "Città di Bari" fuhr also in der tat nicht im Geleit als Teil der 23. Seetransport-Staffel über das Mittelmeer, sondern legte folgenden Weg zurück:


    - 24.4.1941, 9:35 Ankunft in Bengasi aus Italien - geladen 1150t Luftwaffennachschub


    - 28.04.1941 Abfahrt nach Tripolis mit 28t Ladung


    - Ankunft in Tripolis dann entweder ebenfalls am 28.4 oder am 29.4


    - Am 30.4.1941 dann zunächst Abfahrt nach Italien, aber Umkehr auf See und Rückfahrt nach Tripolis, um als Küstenfrachter eingesetzt zu werden.


    - Bis zur Explosion der "Birmania" dann noch Verladung von 800t Wehrmachtsgut


    ___________


    Noch eine Anmerkung:


    Aspekte, die wir bis jetzt nur wenig oder gar nicht berührt haben, sind:


    - Die durch den Oberbefehlshaber der Luftwaffe eingetzte Sonderkommission (eventuelle Unterlagen?)


    - Die Entladung der italienischen Frachter "Sebastiano Venier" und "Marco Foscarini" in Tripolis durch das Kommando unter Kapitän Reinen und Oberleutnant Krüger


    - Die Person des Korvettenkapitän von Meixner. Gab es für ihn als Seetransportchef Tripolis eventuell Konsequenzen, etwa aufgrund der nicht umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen?


    Hier schon einmal der Enzyklopädie Eintrag zu Korvettenkapitän Meixner: Klick

    So wie sich sein Werdegang dort liest, hat der Vorfall seine militärische "Karriere" wohl nicht beeinflusst.


    Interessant wäre in diesem Kontext, wie der Abschlussbericht der Kommission ausfiel bzw. ob überhaupt jemand für das Unglück verantwortlich gemacht wurde.


    Gruß

    Yannik

    Hallo zusammen,


    eine Zugehörigkeit zur 6. SS-Gebirgs-Division "Nord" deckt sich auch mit der auf dem Foto recht dunkel erscheinenden Paspelierung der Schulterstücke. Diese waren folglich in der Waffenfarbe Jägergrün eingefasst.


    Mit freundlichem Gruß

    Yannik

    Hallo zusammen,


    danke für die erneuten Wortmeldungen.


    wieder versuche ich, die neuen Informationen kompakt zusammenzufassen:


    - Die von Gerard verlinkte italienische Internetseite liefert uns die Positionen der Liegeplätze der "Birmania" und der "Città di Bari" samt einem Bild der beiden zerstörten Schiffe.

    Tatsächlich lagen sich die beiden Handelsschiffe am selben Anleger unmittelbar gegenüber.
    Verglichen mit diesen beiden Ausschnitten des Eingangstextes:


    "Dammert mußte durchtasten, daß die "Birmania" nur an einem besonderen Liegeplatz gelöscht werden sollte und daß sie nur von Feuerwerkern betreten werden dürfte, die die Ladung auf ihre Unversehrtheit untersuchen müßten."
      

    "Wie sich herausstellte, hatte man in Tripolis ebenfalls alles getan. Das Schiff hatte seinen besonderen Liegeplatz erhalten, aber beim Entladen konnte kein Feuerwerker dabeisein [sic]."


    zeigt sich, dass tatsächlich weder die vom Sonderstab Neapel geforderte Positionierung an einem gesonderten Anleger, noch die Entladung durch einen qualifizierten Feuerwerker tatsächlich bewerkstelligt wurde. Insbesondere durch die Positionierung unmittelbar gegenüber der "Città di Bari" wurde das Unglück so noch verheerender, als es hätte sein müssen.


    _____


    - Die nächsten drei von Gerard verlinkten Quellen liefern Hinweise zur Luftangriffshypothese. In der Mehrzahl wird geäußert, dass lediglich das italienische Torpedoboot "Canopo" am

    Abend des 3. Mai durch einen Fliegerangriff versenkt wurde.


    - Auch die erwähnte italienische Website, auf der die Positionen der beiden Schiffe zueinander beschrieben werden, verneint einen Luftangriff als Angrifssursache mit der Erklärung,

    dass der Umstand, dass der Hafen von Tripolis zur besagten Zeit häufig ein Ziel britischer Luftangriffe war, zu dieser Fehlannahme geführt haben könnte.


    - Die von Gerard verlinkte britische Quelle (Kriegstagebuch des Malta Command) erwähnt übersetzt folgendes:


    " 5. Mai: Informationen gingen ein, dass in Tripolis ein Handelsschiff in die Luft geflogen und ein Handelsschiff ausgebrannt war, während das Geschwader 830 Minen legte. Es ist

    möglich, dass eine Leuchtfackel eines Swordfish Torpedobombers auf dem Schiff landete welches gerade Benzin und Munition entlud, da keine Bomben abgeworfen wurden."


    Hier also ein tatsächlich greifbarer Beleg dafür, dass die Birmania nicht durch einen Luftangriff der RAF explodierte. Da die Britischen Stellen von dem Unfall bei der Entladung der Streubomben natürlich nichts wissen konnte, suchten sie andere Erklärungen (-> Swordfish).


    ______


    - Die übrigen Quellen liefern noch die Information, dass die Birmania als Teil der 23. Seetransportstaffel im Geleit das Mittelmeer überquerte. Weitere Schiffe dieses Geleits waren die

    ebenfalls durch das Unglück schwer beschädigte "Reichenfels", sowie die "Marburg", "Kybfels", "Rialto" und "Marco Polo".


    ______


    - Ich sebst habe im Kriegstagebuch der Seekriegsleitung gesucht und den entsprechenden Eintrag zum 3. Mai 1941 gefunden.: Hier wird bereits als wahrscheinliche Ursache die

    Explosion von geladener Bombenmunition genannt. Ein Fliegerangriff findet erwartungsgemäß nicht Erwähnung.

    Interessanterweise ist in diesem Eintrag die Reihenfolge der Ereignisse noch verfälscht, so wird beschrieben, dass eine Explosion auf der "Città di Bari" zur Vernichtung dieses Schiffes

    und der "Birmania" geführt habe. Auch die Beschädigung der "Reichenfels" wird erwähnt.


    ______


    Thilo verweist auf die Italienische Streubombe AR-4. Über diese konnte ich bis jetzt leider nicht sehr viel finden, allerdings berichtet die englische Enzyklopädie folgendes:


    "Sie [die Bombe] konnte mit einem sehr empfindlichen, bewegungsempfindlichen Zünder ausgestattet werden, der explodierte, wenn versucht wurde, ihn zu bewegen, und im Freien bis zu einer Entfernung von etwa 35 Metern tödlich sein. Aus diesem Grund wurden nicht explodierte Thermosbomben normalerweise dort zerstört, wo sie lagen, indem entweder ein langes Stück Schnur daran befestigt und dann daran gezogen oder eine kleine Sprengladung neben ihnen gezündet wurde."


    Diese Beschreibung der Gefährlichkeit deckt sich auf jeden Fall mit den Ausführungen des Eingangstextes.


    ______


    Schlussfolgerungen aus diesen Quellen:


    Die These eines Luftangriffes als Auslöser des Unglücks kann nun wohl endgültig ausgeschlossen werden.


    Das durch die Explosion von nachlässig verladenen Streubomben (eventuell des italienischen Typs AR-4) verursachte Desaster verursachte wohl mindestens folgende Verluste:



    - 28 Deutsche tot, 38 verwundet

    - 42 Italiener tot, 50 verwundet

    - 150 Araber tot, wohl noch eine größere Anzahl verwundet

    - Handelsschiff "Birmania" zerstört

    - Handelsschiff "Città di Bari" zerstört - lag direkt gegenüber der "Birmania" am gleichen Anleger

    - Handelsschiff "Reichenfels" schwer am Vorschiff beschädigt

    - Mindestens 800t Wehrmachtsgut an Bord der "Città di Bari" vernichtet

    - Eine SS-Fähre beschädigt

    - Wasserflugzeug "Pace" ausgebrannt

    - Mehrere Leichter beschädigt

    - Mindestens 25 LKW beschädigt



    Wieder ein gutes Stück weiter.


    P.S.: Wäre einer der Blausterne so freundlich, in der Themenüberschrift den 4. auf den 3. Mai zu korrigieren, um den bisherigen Erkenntnissen Rechnung zu tragen?


    Danke an alle

    Yannik

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    Hallo zusammen,


    vielen Dank für die bisherigen Antworten!


    Ich trage mal die bisher neuen Informationen zusammen:


    - Lothars Sekundärquelle "Militär- und Seeoperationen im Mittelmeer 1939 - 1945" schreibt die Explosion der Birmania einem Luftangriff der RAF durch von Malta gestartete Bomber
    zu.


    - In der von Gerard verlinkten Wikipedia-Liste heißt es aus dem Englischen übersetzt:


    "Das Frachtschiff explodierte und sank in Tripolis, Libyen, aufgrund der Detonation von Streubomben, die nicht ordnungsgemäß für den Versand verpackt waren. Die Explosion im vorderen Laderaum warf das Heck des Schiffes auf den Kai. Der bewaffnete Handelskreuzer Città di Bari (Regia Marina) wurde durch die Explosion ebenfalls zerstört. Verluste: 28 getötete und 38 verwundete Deutsche, 42 getötete und 50 verwundete Italiener sowie 150 getötete und viele verwundete Araber."


    - Die dritte von Gerard verlinkte und zitierte Quelle ist ein Verleihungsbericht bzgl. eines Matrosen, der wegen seines Einsatzes bei den Rettungsarbeiten mit der "Medaglia D'Argento al
    Valor Militare" (Silbermedaille für militärischen Tapferkeit) ausgezeichnet wurde - das ganze datiert auf den dritten Mai. Auch hier ist von keinem Luftangriff die Rede.


    - Das durch Lothar verlinkte "Marine Archiv" liefert noch folgende Informationen, allerdings ohne nennung der Quelle:


    "Birmania" kein Bombentreffer am 3.05.41 um 10.12 Uhr sondern beim Entladen von scharfgewordenen Streubomben explodiert.

    "Citta di Bari" ,gerade beladen mit Benzin und Bomben für Bengasi, schon 800 t an Bord, explodiert dadurch auch.

    200 Tote, eine SS-Fähre , mehrere Leichter, 25 LKW beschädigt.


    "Reichenfels" wird schwer im Vorschiff beschädigt, Kapitän tot ,2 Seemänner tot, 4 Schwerverletzte.

    Bis 19.00 Uhr noch Explosionen an Bord (Flakmunition). Feuer konnte gelöscht werden.

    Vordere Ladegeschiere ausgefallen, dadurch bei Rückgeleit am 5.05.41 noch an Bord:

    50 t Stückgut, 30 Benzinfässer und 200 Körbe 8,8 cm Munition.

    Auf 24. Seetransportstaffel hatten die "Sebastiano Venier" und "Marco Foscarini"die gleichen

    scharfgewordene Streubomben an Bord ,es gab sogar einen Befehl sie auf See zu versenken.

    Bomben wurden auf Reede von Hand entladen, um die Schiffe zu retten.



    Meine Annahmen soweit: Alle Quellen, außer dem von mir eingangs zitierten Werk, nennen den 3. Mai als Tag des Unglücks. Insbesondere der auf den 3. Mai datierte Verleihungsbericht beweist wohl, dass sich das Unglück in der Tat an diesem Tag um 10:12 Uhr ereignete. Des Weiteren decken sich die Quellen darin, dass der bewaffnete Handelskreuzer "Città di Bari" - beladen mit 800t Bomben und Betriebsstoff - als Folge der Explosion in Brand geriet und zerstört wurde. Das deutsche Frachtschiff "Reichenfels" wurde schwer beschädigt, das italienische Wasserflugzeug "Pace" brannte aus. Es bleibt die Frage, warum einige der Quellen einen Luftangriff, und nicht die Streubomben als Ursache angeben.


    Auch die anderen Eingangs gestellten Fragen stehen natürlich noch im Raum.


    Bei den anderen beiden Schiffen, die ebenfalls Streubomben geladen hatten und nach dem Unglück in Tripolis durch das Kommando unter Kapitän Reinen und Oberleutnant Krüger entladen wurden, handelte es sich um die italienischen Frachter "Sebastiano Venier" und "Marco Foscarini".


    Vielen Dank für alle bisherigen Antworten, wir sind ja schon ein ganzes Stück weiter.



    Mit freundlichen Grüßen

    Yannik

    Hallo werte Forengemeinde,


    in einem Werk über die Führungs-Nachrichten-Regimenter 40 und 601, welches ich momentan studiere, bin ich über folgenden Vorfall gestolpert:


    "Anfang Mai bereits war ein Schiffstransport nach Afrika im Hafen von Tripolis eingetroffen, bei dem sich auch das 10.000 BRT große Handelsschiff "Birmania" befand. Dieser italienische Frachter hatte Munition und Fliegerbomben geladen. Unter diesen Bomben befand sich auch eine Ladung von Splitterbomben. Diese 10-kg-Fliegerbomben besaßen an ihrem Kopfende einen Berührungsstab, der nach dem Ausklinken einer Zehnergruppe dieser Bomben, die durch ein Blech zusammengehalten wurden, scharf wurde. Dies geschah folgendermaßen:


    Auf dem Blech befand sich eine Sprengpatrone, die nach drei Sekunden Fallzeit scharf wurde, explodierte und das Blech wegriß, wodurch jede Bombe einzeln auf ihr Ziel fiel und der Berührungszünder frei wurde, so daß er bei der geringsten Berührung die Bombe zur Detonation brachte.


    Diese Bomben, die eine verteufelte Sprengkraft entwickelten und von großer Zerstörungskraft waren, sollten in Afrika das erstemal eingesetzt werden.


    Major Graf Klinckowstroem [Seetransportführer Major Graf Klinckowstroem, Leiter des Sonderstabes Neapel, Verantwortlich für die Transporte von Neapel nach Tripolis] ließ durch die Funktstelle Dammert [Wachtmeister Herbert Dammert, Funkleiter Funkstelle OKH, Neapel] einen Funkspruch an den Entladestab in Tripolis absetzen und den Seetransportchef Tripolis, Korvettenkapitän Meixner, warnen. In diesem Funkspruch wurde Meixner gebeten, nur erfahrenes Fachpersonal, am besten Pioniere, mit dem Entladen dieses Schiffes zu betreuen [sic].


    Diese Warnung kam nicht von ungefähr. Bereits beim Beladen in Neapel war es zu einem Unglücksfall gekommen, der nur deshalb nicht zur Katastrophe wurde, weil nur ein Zehnerblech detonierte.

    Dammert mußte durchtasten, daß die "Birmania" nur an einem besonderen Liegeplatz gelöscht werden sollte und daß sie nur von Feuerwerkern betreten werden dürfte, die die Ladung auf ihre Unversehrtheit untersuchen müßten.


    An diesem Tage schien die Funkerei wieder einmal zu einem Teufelsspiel zu werden. Die Gegenstelle Tripolis gab nach vielen Wiederholungen zu verstehen, daß die Funkstelle Neapel fast nicht hörbar sei.

    Kurz entschlossen gab Dammert diesen wichtigen Text chiffriert nach Rom durch. Von dort wurde er 30 Minuten später mit dem dortigen starken Sender nach Tripolis durchgetastet. Dieser Funkspruch wurde zum Vergleich von der Funkstelle Neapel mitgehört und auch mit der Quittung von Tripolis in das Betriebsbuch eingetragen.


    Am nächsten Nachmittag erst kam dieser Geleitzug mit der "Birmania" in Tripolis an, und wieder einen Tag später traf aus Tripolis die Meldung ein, das das in dem Funkspruch besonders genannte Schiff, die "Birmania", am 4. Mai beim Entladen in die Luft geflogen sei und daß es etwa 200 Tote gegeben habe.


    Was war in Tripolis geschehen? Die in Transportkisten verpackten Bomben waren in diesen Kisten nicht fest genug fixiert worden, und da die Kisten beim Beladen der Schiffe auch geworfen wurden, rutschten die jeweils zu zehn Stück in ihren Blechen hängenden Bomben in den Kisten hin und her. Auf diese Weise waren die Züner, die nur mit einem schwachen Stift gesichert waren, scharf geworden. Nun würde eine kleine Berührung der Berührungsstifte genügen, um die Explosion herbeizuführen. Diese war an Bord eines bis unter die Halskrause voll mit Munition, darunter auch größeren Fliegerbomben, beladenen Schiffe [sic] eine Katastrophe.


    Und diese Katastrophe trat auch ein. Beim Absetzen einer Kiste war eine der scharf gewordenen Bomben detoniert und hatte durch Selbstzündung aller anderen das Schicksal des Schiffes und von 200 Soldaten und Stauern besiegelt.


    Da noch zwei weitere Schiffe mit solch tödlicher Ladung unterwegs waren, ließ Reichsmarschall Göring ein Fernschreiben absetzen, in dem er befahl, diese Schiffe auf hohe See zurückzubringen, die Besatzung von Bord zu nehmen und dann die Schiffe in die Luft zu sprengen.


    Korvettenkapitän Meixner wußte nur zu genau, wie wichtig diese Bombenladung für die deutsche Luftwaffe in der Wüste war. Andererseits wußte der gelernte Jurist aber auch, was es für ihn bedeuten würde, wenn noch ein Schiff im Hafen von Tripolis in die Luft flog und Personenverluste verursachte.


    Er ließ das Schiff auf der Reede von Tripolis ankern, wobei der Anker von Hand niedergelassen wurde, um jede Erschütterung zu vermeiden. Unter der Führung von Kapitän Reinen, dessen Schiff, die "Menes", in Tripolis wegen eines auf dem Hinmarsch erhaltenen Torpedotreffers festlag, und des Oberleutnants Krüger, Adjutant des Seetransportchefs Tripolis, gingen jeweils zehn Freiwillige an die Arbeit. Es war nur ein Feuerwerker darunter, der bereits bei der vierten Kiste eine scharf gewordene Bombe fand. Während Kapitän Reinen die Bombe festhielt, löste der Feuerwerker vorsichtig das Blech und nahm die Bombe heraus. Dann zeigte er dem Kapitän, wie der Zünder abgeschraubt wurde. Danach mußten Kapitän Reinen und Oberleutnant Krüger die Sache allein machen.


    Insgesamt fünf Tage brauchten sie, bis sie alle Kisten untersucht hatten. Insgesamt 22 mal galt es, den Tod zu überlisten und von den scharf gewordenen Bomben die Zünder abzuschrauben. Dann war es geschafft. Kapitän Reinen erhielt als erster Zivilist das EK I.


    Daß dieses Vorkommnis ein gewaltiges Nachspiel haben würde, war allen Beteiligten klar, und so wunderte es die Männer der Funkstelle Neapel nicht, als die von Reichsmarschall Göring eingesetzte Sonderkommission bei ihnen eintraf, um sich zu orientieren und den gesamten Fall zu untersuchen.


    Major Graf Klinckowstroem wies auf die Funksprüche seiner Funkstelle hin. Die Kommission sah die Betriebsbücher ein und stellte die Richtigkeit des Gesagten fest. Sie erhielt aus Rom die Bestätigung und konnte schließlich auch in Tripolis in den Funkbetriebsbüchern die Bestätigung des Funkspruchs aus Rom ebenso finden wie die mitgehörte Bestätigung aus dem Betriebsbuch der Funkstelle Neapel erfahren.


    Wie sich herausstellte, hatte man in Tripolis ebenfalls alles getan. Das Schiff hatte seinen besonderen Liegeplatz erhalten, aber beim Entladen konnte kein Feuerwerker dabeisein [sic].
    So konnte das Unheil seinen Lauf nehmen."


    ______________


    Soweit die mir vorliegenden Ausführungen. Die eingeklammerten Personenbeschreibungen habe ich für den Kontext ergänzt.


    Ich bin etwas verwundert darüber, dass mir diese Tragödie im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Kriegsschauplatz Nordafrika nie untergekommen ist, und würde den Informationsrahmen gerne - so weit wie möglich - vervollständigen.


    Auf Anhieb tun sich mir folgende Fragen auf:


    1.: Wie sah das Nachspiel dieses Vorfalls aus? Zu welchem Ergebnis kam die eingesetzte Sonderkommission? Gab es Folgen für die weiteren Munitionstransporte über das Mittelmeer?


    2.: Um welche beiden anderen Schiffe handelte es sich?


    3.: Um welches Modell von Streubomben handelte es sich? Waren es deutsche / italienische? Wurden diese aufgrund dieses Vorfalls modifiziert, eventuell sogar die Produktion ausgesetzt?


    4.: Gibt es weitere Dokumente bezüglich dieses Vorfalls? Ich denke etwa an Berichte der Sonderkommission, Einträge in den einschlägigen KTBs (etwas die KTBs der Seetransportstellen Tripolis und Neapel), Verlustmeldungen ,...


    5.: Liegen genaure Aufzeichnungen bezüglich der Menschen- und Materialverluste durch die Explosion im Hafen von Tripolis vor? Kann der Verlauf der Lösch- und Bergungsarbeiten nachvollzogen werden? Wurden andere Schiffe beschädigt?


    6.: Kann es verifiziert werden, dass Kapitän Reinen tatsächlich als erster Zivilist das Eiserne Kreuz I. Klasse erhielt?


    Weitere Fragestellungen sind natürlich gerne willkommen.


    Nun hoffe ich auf rege Beteiligung und verbleibe mit freundlichem Gruß


    Yannik

    Hallo Eileen,


    zum Panzer-Regiment 21 siehe folgenden Eintrag: Klick


    Beim Todesdatum muss ein Tippfehler vorliegen.


    Dein Großvater ist beim Volksbund gelistet, gefallen am 14.12.1941 - als Ort ist Rusa in der Oblast Moskau angegeben. Das passt zum damaligen Einsatzraum der 20. Panzer-Division, zu der das Panzer-Regiment 21 zugehörig war. Er dürfte somit im Zuge der Schlacht um Moskau gefallen sein.


    Ist bereits ein Antrag bei der ehemaligen Deutschen Dienststelle (WAST), heute Teil der Bundesarchivs, gestellt worden? Die Bearbeitung dauert zwar seine Zeit und kostet auch etwas Geld, aber könnte dir genauere Informationen zum militärischen Werdegang deines Großvaters liefern.


    Gruß

    Yannik

    Hallo Marco,


    also, der Titel des Videos "Muslimische Wehrmacht Soldaten beten" ist insofern falsch, alsdass es sich bei den auf den Aufnahmen zu sehenden Personen eindeutig um Angehörige der Waffen-SS handelt.


    Für generelle Grundlageninformationen zum Thema schau dir doch mal diesen Eintrag im Lexikon bzgl. der 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS an. Diese Division allerdings war nicht der einzige Verband, in dem Muslime Dienst taten.


    Gruß

    Yannik

    Hallo zusammen,


    geht es nur mir so, oder sieht das alles recht eigentümlich aus?


    Zumindest auf der Portraitaufnahme ist er noch kein Unteroffizier, sondern bekleidet einen Mannschaftsdienstgrad. Natürlich wissen wir nicht, wann das Foto aufgenommen wurde, und er könnte später befördert worden sein.


    Wehrmacht unter dem Foto dann Whehmacht geschrieben. Genauso Battle of Kursch. Diese Fehler legen m.E. nach nahe, dass diese Beschreibungen von einem Amerikaner mit nur wenig Deutschkenntnissen abgefasst wurden.


    Dann: Released as non-member N.S.D.A.P., aber in Klammern dahinter dann trotzdem "Nazi" ?


    In der Mitte, kontextlos, das EK II.


    Wie Thilo schon sagte, wäre es sehr hilfreich, zu wissen, wo dieser Kasten ausgestellt ist.


    Gruß

    Yannik

    Guten Abend IR,


    deine Annahme des Wehrmachtsbeamten der Luftwaffe im gehobenen Dienst kann ich bestätigen. Die Kragenspiegel waren dementsprechend in der Waffenfarbe Dunkelgrün gehalten, die Umrandung bestand aus silberner Aluminiumschnur.

    Da die Nebenfarbe, welche die jeweilige Fachlaufbahn anzeigt, kein Bestandteil der Kragenspiegel war, sondern lediglich als zweite Unterlage der Schulterstücke getragen wurde (Äußere Einfassung Dunkelgrün, innere Einfassung Nebenfarbe), dürfte eine Eingrenzung nur anhand dieses Fotos sehr schwierig werden. Dementsprechend wären auch die verschiedensten Amtsbezeichnungen denkbar.


    Mit freundlichem Gruß

    Yannik

    Guten Abend,


    Major i. G. Hellmuth Frey, Divisionsnachschubführer der 15. Panzer-Division, schreibt in seinen als Buch veröffentlichten Kriegserinnerungen an vielen Stellen von Ausflügen zu Oasen, alten Nordafrikanische Kulturstätten, verschiedenen Küstenorten usw.
    Die Freiheiten eines Generalstabsoffiziers waren natürlich andere, als die eines einfachen Landsers, aber nichtsdestotrotz empfinde ich diese Informationen als eine passende Ergänzung zu dieser Thematik.

    Falls Interesse besteht, könnte ich aus dem Buch noch Genaueres über derartige "Lustreisen" einstellen.


    Gruß

    Yannik

    Hallo "von Harzen",


    die Schwierigkeit dürfte eher daher rühren, dass die Geschwaderkennung auf dem Bild nicht zu erkennen ist. "JH" verrät lediglich, dass es sich um die Maschine "J" der 1. Staffel handelt.


    Da im Westen zu der betreffenden Zeit mehrere mit der He 111 ausgerüstete Kampfgeschwader operierten, reicht das alleine für eine Identifizierung schwerlich aus.


    Mit freundlichem Gruß

    Yannik