Posts by Evergreen

    könnt ihr mir weiterhelfen, ein bekannter hat auf seinem gepachteten Grundstück einen Grabstein gefunden.

    Hallo N.blitz!


    Herzlich willkommen im Forum!


    Nur für mein Verständnis: Das ist also kein Grab, sondern der Stein dient nur dem Gedenken?


    Und: Wo liegt denn das Grundstück Deines Bekannten? Eventuell ergeben sich dadurch weitere Hinweise oder ein Bezug zum Sterbeort...


    Viele Grüße!


    Evergreen/Frank

    Ich bin ja auch schon 77 Jahre, aber es ist mir ein echtes Bedürfnis, das noch zu erledigen und ihm damit doch noch die letzte Ehre zu erweisen.

    Hallo Klaus!


    Diesen Satz finde ich sehr bewegend. Er macht mir gerade wieder einmal bewusst, was dieser unsägliche Krieg an Leid mit sich gebracht hat und wo seine Wunden bis heute klaffen.


    Ich finde es bemerkenswert und sehr mutig, was Du dir da mit 77 Jahren - Du bist ein Jahr jünger als mein Vater, der seinen Papa nach dem Krieg mit fünf das erste Mal gesehen hat - vorgenommen hast.


    Ich wünsche Dir viel Gesundheit, viel Glück und viel Erfolg bei Deiner Suche und der Reise zu Deinen Wurzeln! Ich drück' Dir den Daumen, dass Du Deinem Vater so nah kommst, wie es nach so langer Zeit auch nur irgendwie geht.


    Und vielleicht möchtest Du uns ja mit ein paar Bildern und einem Erfahrungsbericht auf dem Laufenden halten? Ich denke, das könnte eine Geschichte sein, die andere ermutigt, es Dir gleichzutun.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

    Wie finde ich Nachkommen von weiteren Angehörigen o.g. Einheiten, die möglicherweise weitere Informationen haben oder gar meinen Großvater kannten?

    Wer kann mir mehr über die Kriegszeit meines Großvaters erzählen oder mir sagen, wo ich mich hierüber einlesen kann?

    Hallo Corinna!


    Herzlich willkommen hier im Forum!


    Jemanden zu finden, der Deinen Großvater kannte, das kommt nach so langer Zeit und auch mit Blick auf die Größe der Einheiten damals der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich.


    Auch in den Gefangenenlagern kamen ja - je nach Ort und Zeitpunkt - hunderte und aberhunderte Menschen zusammen; dazu kamen regelmäßige Verlegungen in andere Lager.


    Aber: Es gibt nichts, was es nichts gibt. Du hast dich in diesem Forum angemeldet - und das auf wirklich vorbildliche Weise (mit vielen Details und Ansatzpunkten für die Experten hier). Das war ein erster ganz wichtiger Schritt. ;-) Die Spur ist also ausgelegt!


    Wenn Du die Wahrscheinlichkeit erhöhen möchtest, könntest Du/solltest Du auch den Namen Deines Opas hier ,hinterlegen', denke ich.


    Ich für meinen Fall kann Dir berichten, dass ich meinem Opa über dieses Forum hier und neue Rechercheanstöße, die ich bekommen habe, zweimal sehr nah gekommen bin in den vergangenen fünf Jahren. Auch wenn beides am Ende leider Spuren waren, die sich wieder verwischt haben... Aber das gehört dazu.


    Und ich kann Dir erzählen, dass mein Großvater - wie so viele damals, vor allem gegen Kriegsende - munter herumgereicht worden ist in Einheiten. Echte Freundschaften und Kontakte sind da nicht immer/nicht mehr zwangsläufig entstanden.


    In der Ausbildung und so lange die Einheiten an der Front frisch beisammen waren, diesen Eindruck habe ich durch die Erzählungen meines Opas gewonnen, sah es anders aus. Da kannte man sein Gegenüber, die Kameraden auf der Stube, im eigenen Zug, im Bunker...


    Dann kamen die Einsätze, die Toten, die Verwundeten, die Vermissten... Kameraden kamen ins Lazarett, Spuren verloren sich... Verbände wurden aufgerieben, die Reste aufgelöst und anderen/neuen Divisionen zugeschlagen...


    Mein Großvater, so viel kann ich Dir auch noch mit auf den Weg geben, hat in der Kaserne den Kameraden und Freund kennengelernt, mit dem er danach lange Zeit ,durch dick und dünn' gegangen ist. Die beiden saßen über Monate gemeinsam in einem Schützenloch und er hat viel von ihm erzählt.


    Aber auch sie haben sich durch die Kriegswirren und die Gefangenschaft irgendwann aus den Augen verloren - bis sein Freund aus dem Nichts in den 1960er Jahren mit seiner Frau bei ihm vor der Haustür stand.


    Einen Sohn dieses Kameraden habe ich vor wenigen Jahren ausfindig machen und sogar ein paar Fotos und Erinnerungen austauschen können.


    Ganz wichtig: die Namen. Ohne die wird es schwer.


    Hast Du persönliche Unterlagen Deines Opas? Briefe? Hat er Verwandten gegenüber Kameraden oder andere Personen immer wieder erwähnt? Das wären konkrete Ansätze, um auch heute noch über Angehörige weiterzukommen... Dennoch ist so lange Jahre nach Kriegsende vieles Glückssache.


    Ich hatte/habe natürlich auch (immer noch) den großen Traum, auf jemanden zu stoßen, der meinen Großvater ebenfalls kannte, der in seiner Einheit war, der Fotos hat - aber eine große Portion Realismus sollte dich bei deinen Recherchen immer begleiten.


    Die Zahl der Zeitzeugen wird immer kleiner - und längst nicht alle Angehörigen interessieren sich für das, was der Opa oder der Uropa damals gemacht haben. Diese leidvolle Erfahrung habe ich leider auch schon verkraften müssen - so viel zu den verwischten Spuren, von denen ich oben geschrieben habe...


    All das sind nur ein paar persönliche Gedanken und Anstöße von mir... Vielleicht hilft es Dir weiter. Wenn es um die Geschichte von Einheiten, Einsatzorte und ähnliche Themen geht, bist Du bei den Experten hier im Forum jedenfalls in besten Händen.


    Bleib' dran und lass' dich von Rückschlägen nicht entmutigen!


    Viele Grüße aus Bayern!


    Frank/Evergreen

    Hallo zusammen,


    Aber was ist "herganga", "hinganga", usw ?

    DeepL-Übersetzer, Google-Übersetzer übersetzt dieses Wort nicht.

    Hallo Dmitry!


    Herganga = So hat es sich zugetragen, so ist es abgelaufen


    Hinganga = hingegangen


    Zuganga = zugegangen


    Aufganga = Es ging auf, los, zur Sache... Hier also: Die Rauferei hat begonnen.


    Hoamganga = nach Hause gegangen


    Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen!


    Viele Grüße aus Bayern! :-)


    Frank/Evergreen

    Hallo Rainer!


    Peter hat es Dir ja bereits geschrieben. Geh' den Weg übers Bundesarchiv - unbedingt. Mein Großvater hat mir sehr, sehr viel erzählt aus seiner Zeit im Krieg. Aber selbst für mich, der dadurch viel eingrenzen und zuordnen konnte, waren die Auskünfte, die ich nach seinem Tod in Berlin eingeholt habe, ungemein hilfreich.


    Gib dich aber keinen Illusionen hin und sei geduldig! Die Bearbeitung dauert im Normalfall doch sehr lang mittlerweile. Gemeinsam mit meiner Schwiegermutter habe ich - nur als Beispiel - im August 2017 einen Antrag zum militärischen Werdegang ihres Vaters gestellt. Damals noch bei der Deutschen Dienststelle.


    Es hat bis Oktober 2019 gedauert, bis wir eine Rückmeldung des Bundesarchivs erhalten haben und gebeten wurden, in einem Formblatt noch einen offiziellen Benutzungsantrag nachzureichen.


    Nach dessen Eingang sollten uns binnen zwei Monaten die Recherche-Ergebnisse zugestellt werden. Leider hat meine Schwiegermutter den Brief aus Berlin mit dem Formular noch einmal ein Vierteljahr liegenlassen, ohne mir davon zu erzählen. ;-) Deswegen warten wir immer noch gespannt...


    Viele Grüße aus dem Süden, viel Erfolg!


    Frank/Evergreen

    Hallo Dieter!


    Ja, es ist jetzt 75 Jahre her, dass es mein Großvater mit der Kriegsmarine (wir hatten uns ja dazu ausgetauscht) heil aus diesem Chaos herausgeschafft hat. Welche Tragödie sich damals in diesem Heeresabschnitt abgespielt hat, habe ich erst mit meinen Recherchen nach seinem Tod so richtig realisiert.


    Danke für die beigefügte Karte, die ich noch nicht kannte! Sollte dir der Scan vorliegen, wäre das für mich natürlich ein sehr interessantes Dokument.


    Viele Grüße aus dem Süden, vielen Dank für Deine Unterstützung!


    Evergreen/Frank

    Hallo zusammen!


    Heute muss ich mein Thema einfach einmal wieder aus der Versenkung holen. Es hat sich inhaltlich nichts entscheidend Neues getan. Aber irgendwie ist es mir ein Anliegen, meine Freude hier niederzuschreiben. Denn: Ich habe wieder einmal gemerkt, dass du manchmal Dinge auch loslassen musst, damit sich andere Türen auftun.


    Ich hatte die Recherchen zu meinem Großvater in den letzten zwei Jahren weitgehend ruhen lassen. Mir hat einfach die Zeit gefehlt.


    Jetzt hat mich aus dem Nichts eine Dame angeschrieben, die über eine meiner Recherchespuren im Internet gestolpert war. Ihr Großvater - mittlerweile 95 Jahre alt - war ebenfalls in der 306. Infanterie-Division und erzählt ihr seit einiger Zeit, geistig noch voll auf der Höhe, sehr intensiv von seiner Zeit an der Ostfront.


    Natürlich: Es wäre ein unfassbarer Zufall gewesen, wenn ihr Opa mit dem Namen meines Großvaters etwas hätte anfangen können (er war auch in einer ganz anderen Einheit). Aber: Wir haben Quellen und Informationen ausgetauscht und vereinbart, in Kontakt zu bleiben.


    Es tut immer wieder gut, "Leidens-" oder Recherchegenossen zu finden. Wobei: Von denen gibt es hier ja mehr als genug. ;-)


    Wie dem auch sei... Die Tatsache, dass es im Internetzeitalter solche "Zufälle" und Überraschungen gibt, hat mich hier einfach einmal wieder etwas schreiben lassen.


    Viele Grüße aus dem Süden!


    Evergreen/Frank

    Hallo Kordula!


    Es ist tatsächlich reiner Zufall, dass ich in der Sache auf den Tag genau ein Jahr später wieder schreibe.


    Ich bin vor allem durch das Foto, das Dieter hier kürzlich hochgeladen hat, wieder auf das Thema aufmerksam geworden.


    Leider bin ich in der Sache nicht weitergekommen und konnte Georg Fleischmann auch nicht weiterhelfen. Freddy hat sich zu meinem Bedauern nicht mehr gemeldet - auch nach einer weiteren Anfrage per E-Mail nicht.


    Irgendwann habe ich dann aufgegeben und wollte ihn auch nicht weiter belästigen.


    Schade! Es hatte so vielversprechend begonnen...


    Viele Grüße, einen guten Start ins neue Jahr Euch allen!


    Evergreen/Frank

    Frage mich nur, ob der besagte Pilot, damals nicht mir irgendwelchen Folgen rechnen mußte. Wenn denn diese Geschichte damals an die Öffentlichkeit kam.


    Hallo Andre!


    Das wird im Artikel eigentlich recht nachvollziehbar beschrieben:


    "Über das, was sie am 20. Dezember 1943 erlebt haben, dürfen sie nicht sprechen. Vorgesetzte fürchten um den Kampfgeist, wenn die ritterliche Geste des Deutschen publik wird. Stigler hingegen hat eigene Gründe: Eine Anklage wegen Hochverrats und Feigheit vor dem Feind wäre ihm sicher. So sind der deutsche und der amerikanische Pilot Verbündete in eigener Sache, vereint in einer exklusiven Bruderschaft des Schweigens."


    Viele Grüße, danke für Dein Feedback!


    Frank

    Hallo zusammen!


    Ein aktuelles Fundstück aus dem Netz... Eine, wie ich finde, unglaublich spannende, ungewöhnliche Geschichte. Der deutsche Jagdflieger Franz Stigler eskortiert 1943 eine angeschossene, verteidigungsunfähige B-17 der U.S. Air Force über den Flakgürtel an der Nordseeküste.


    Jahrzehnte später treffen sich die Piloten wieder.


    Nachzulesen ist das Ganze hier: klick




    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

    Hallo Kordula!


    Ja, es war sehr bewegend - auch gestern, als ich Georg Fleischmann junior angerufen habe, um ihm zu erzählen, was passiert ist. Er war sehr ergriffen und konnte es gar nicht glauben mit seinen Mitte 80.


    Freddy habe ich die Grüße ausgerichtet und ihn gefragt, ob er hier nicht einmal wieder vorbeischauen möchte. Auf das Foto aus der VBL habe ich ihn ebenfalls aufmerksam gemacht.


    Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie sich dieses Thema weiterentwickelt.


    Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr!


    Frank/Evergreen

    Hallo Kordula!


    Der Tipp war Gold wert! ;-)


    Ich habe Freddy heute Nacht eine E-Mail geschrieben - und heute Vormittag eine Antwort erhalten. Wir haben bereits Telefonnummern ausgetauscht und werden seine 92 Jahre alte Mutter, die wohl einiges an Fotos und Informationen zu dem Bataillon hat, und Georg Fleischmann "zusammenspannen".


    Ich bin gerade richtig begeistert - toll, einfach toll, dass es dieses Forum gibt, denke ich mir gerade wieder. :-)


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

    Hallo Kordula!


    Vielen Dank für den Tipp! Manchmal siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht. ;-)


    Du hast Recht - ich werde es auf diesem Weg einmal versuchen.


    Vielen Dank und viele Grüße!


    Frank

    Hallo zusammen!


    Das Thema ist ein paar Jahre alt - und Freddy, der es gestartet hat, war hier ebenfalls vor einer Ewigkeit das letzte Mal aktiv.


    Ich möchte es dennoch um einen Link erweitern. Es geht um einen älteren Herrn, den ich kenne. Er hat auf seine alten Tage Nachforschungen zu seinem seit 1944 vermissten Vater angestellt.


    Die Geschichte ist hier nachzulesen:


    http://www.mittelbayerische.de…ter-20909-art1593604.html


    Georg Fleischmann senior war wie der von Freddy gesuchte Fritz Gehringer Angehöriger des Bau-Pionier-Bataillons 571. Und: Er war ebenfalls in der 2. Kompanie.


    Vielleicht ist der Artikel für den einen oder anderen interessant oder irgendwann einmal ein Recherche-Ansatz.


    Schade, dass Freddy nicht mehr hier ist. Georg Fleischmann hätte sich mit Sicherheit über einen Kontakt wie diesen gefreut.


    Viele Grüße!


    Evergreen/Frank

    Hallo Michael!


    Vielen Dank für Deine Antwort! Dann hattest Du tatsächlich großes Glück. Was für eine Geste von diesem Mann!


    Ich habe damals einfach ,ins Blaue hineingeschossen', nachdem ich hier im Forum auf die Adresse der Kameradschaft aufmerksam gemacht worden war.


    Es stand kein Vermerk dabei, dass sich der Zusammenschluss bereits aufgelöst hätte. Deswegen habe ich es einfach versucht. So, wie ich bis heute jeder noch so kleinen Spur nachgehe.


    Mein Brief ist jedenfalls nie zurückgekommen - mit einem Hinweis à la 'Unbekannter Adressat'.


    Dass die Aussichten, eine Antwort zu erhalten, sehr gering waren, das war mir klar.


    Danke für den Hinweis auf Freiburg! Ich werde dort in der Sache einmal nachfragen.


    Viele Grüße!


    Evergreen/Frank

    Werte Forumsmitglieder,


    nach zwei Jahren habe ich Antwort auf mein Schreiben an den Kammeradenkreis der 68.ID erhalten.
    Neben einem wirklich berührenden persönlichen Schreiben enthielt die Antwort auch eine Kopie der Gedenkrede vom 1.Mai 1994 anlässlich der Einweihung einer Gedenktafel auf dem Garnisonsfreidhof Berlin Tempelhof.


    Hallo Michael!


    Vielen Dank für Deinen Beitrag! Darf ich fragen, warum es so lang gedauert hat, bis Du etwas gehört hast?


    Ich erkundige mich, weil ich ebenfalls vor gut zwei Jahren einen Brief an die Kameradschaft der Division geschickt hatte, in der mein Großvater an der Ostfront im Einsatz war.


    Ich habe - was ich fast vermutet hatte, dafür ist die Zahl der Zeitzeugen einfach zu klein mittlerweile und die Zeit zu weit fortgeschritten - nie eine Antwort bekommen.


    Ich hatte dieses Thema eigentlich für mich abgehakt und diese Spur verlassen. Aber bei Deinem Post bin ich doch hellhörig geworden...


    Viele Grüße, auch Dir frohe Weihnachten!


    Evergreen/Frank

    Hallo Rüdiger!


    Danke für den Tipp! Vorhin waren wieder acht Exemplare vorrätig. ;-) Ich habe auch zugegriffen.


    Die Division ist zwar nicht ,meine' (beziehungsweise die meines verstorbenen Großvaters). Aber dass ein 95-Jähriger eine solche Bildertruhe öffnet, kommt nicht alle Tage vor.


    Viele Grüße, frohe Weihnachten!


    Evergreen/Frank

    Ich werde am Wochenende gerne mal die Fotos von meinem Besuch beim Veteranen heraussuchen und dann hier darüber berichten. Ist schon echt irre gewesen .


    Hallo Justus!


    Ich bin leider ein wahnsinnig neugieriger, hartnäckiger Mensch. ;) Solltest Du dazu kommen, Deine Erfahrungen und den Fortgang Eurer Geschichte mit uns zu teilen, würde es mich immer noch wahnsinnig dafür interessieren.


    Ich weiß aber auch, wie sich "Land unter" anfühlt - auch hier versehen mit einem "leider" - und habe vollstes Verständnis dafür, wenn Du aktuell nicht dazu kommst, mehr zu schreiben.


    Ich fand und finde das, was Ihr auf die Beine gestellt habt, allerdings so faszinierend, dass ich noch einmal nachhaken wollte. Ohne zu drängen... ;)


    Viele Grüße aus dem Süden!


    Frank/Evergreen

    Meine Mutter erzählte mir , mein Vater und sie haben nie über den Krieg gesprochen,sie hatte keinerlei Informationen was mein Vater gemacht hat wo er war, was mit meinem Großvater war, und sie kann sich auch an nichts von ihrem Bruder erinnern außer das er bei der Kriegsmarine war, in Odessa, aber was und wo und wie sie Kriegsende erlebt haben weiß sie auch nicht.


    Hallo Gabriela!


    DAS ist ein großes Thema - und es hat in meinen Augen, auch wenn es vielleicht etwas wegführt von Deinem Post, mit einer ganzen Reihe von Faktoren zu tun. Das war in meinen Augen sehr stark eine Typfrage. Jeder ist anders umgegangen mit seinen Kriegserlebnissen. Es gab den Draufgänger und Abenteurer, der über Jahre hinweg gerne und in schillernden Farben von seinen Erfahrungen an der Front berichtet hat - der sich vielleicht sogar (je nach dem Kreis, in dem er sich bewegt hat) damit gebrüstet hat.


    Es gab den Veteran, der all die Schrecken mit sich selbst ausgemacht und sie mit ins Grab genommen hat. Der innerlich daran zerbrochen ist; nicht wusste, wohin mit seinem Zorn, seiner unverarbeiteten Wut und seinen schlimmen Gefühlen und seine Kinder verdroschen hat.


    Und: Es gab meinen Großvater (stellvertretend für viele anderen). Er hat sehr lange geschwiegen - und die wirklich schlimmen Dinge nur seiner Frau, meiner Oma, erzählt. Bis er eines Tages gemerkt hat, dass ich mich für die Zeit interessiere. Bei gemeinsamen Wanderausflügen hat er allmählich zu erzählen begonnen - Geschichten von Kameradschaft, Kurioses, Witziges, von der Grundausbildung; was den Ohren eines Neunjährigen eben zuzumuten war.


    Und irgendwann war das wie ein Stöpsel, den jemand aus einer Flasche gezogen hat. Er hat sich 50 Jahre später regelrecht befreit von seinen Erinnerungen und plötzlich bei jeder Gelegenheit vom Krieg erzählt. Meist war es sogar meine Oma die ihn wieder eingebremst hat. "Ach, hör´ doch auf, Du träumst nur wieder davon." Solche und ähnliche Dinge hat sie zu ihm in diesen Momenten gesagt.


    Auch was beim Einmarsch der roten Armee mit meiner Großmutter väterlicherseits passiert ist wusste sie nicht, sie haben nie über den Krieg gesprochen sondern sich ein neues Leben aufgebaut.


    Ja, in vielen Familien ist der Krieg, sind die unvorstellbaren Erfahrungen auch einfach verdrängt worden - abgelegt in einer Schublade weit, weit unten. Das hatte, wie ich meine, sicherlich auch stark und entscheidend damit zu tun, welche Schuld jemand möglicherweise auf sich geladen hatte; in welcher Einheit er war - und was er glaubte, verdrängen oder sich vor seinem eigenen Gewissen eingestehen zu müssen.


    Jetzt, gerade beim Schreiben, kommt mir eine Anekdote in den Sinn, die ich in meinem Zivildienst auf der inneren Station eines Krankenhauses erlebt habe. In einem Zimmer lagen Mitte der 90er zwei Veteranen Bett an Bett. Der eine hat mir minutenlang vorgeschwärmt, wie wunderbar seine Zeit bei der Kriegsmarine war.


    Und der andere? Hat eine Weile zugehört und den anderen irgendwann angeherrscht: "Etz hör´ a mal auf, dem Boum (Jungen) a su an (so einen) Scheißdregg zu erzähl´n. Sag´ ihm halt a mal, wie´s wirklich war! Erzähl´ ihm halt a mal vom Rückzug in Frankreich - vo die ganzen doudn (toten) Pferde und Soldaten im Straßengrab´n. Erzähl´ ihm des a mal!"


    Irgendwo zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Erinnerungsarbeit dieser Generation, denke ich - soweit ich mir dieses Urteil als "junger Mann" erlauben darf.


    Im Übrigen, Gabriela, steht Dein Post in meinen Augen bespielhaft dafür, wie es hier laufen kann und laufen sollte. Weil hier an anderer Stelle gerade über die Rolle und das Auftreten der neuen Forumsmitglieder diskutiert wird (ich bin ja selbst auch "erst" zwei Jahre dabei ;) ) DU gibst extrem viel, Du bist mit Emotionen dabei, Du zeigst ehrlich auf, worum es Dir geht - und dafür wird Dir geholfen; dafür bekommst Du extrem viel zurück. Das freut mich für Dich!


    Viele Grüße aus dem Süden!


    Frank/Evergreen