Posts by jockel55

    Hallo zusammen,


    Justus hat das Thema Auschwitz eröffnet und ich halte die Behandlung dieses Themas in diesem Forum für wichtig.


    Jeder bisherige Beitrag in diesem Diskussionsthread ist für mich interessant und gibt mir neue Anregungen und Hinweise.


    Deshalb möchte auch ich durch meine Beiträge, die mir bekannten Literaturhinweise, möglichst sachlich und sachbezogen, für Interessierte weitergeben.


    Jede und jeder Interessierte ist in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden.


    Ich bin sehr gespannt auf den von Justus versprochenen Fortsetzungsbericht.


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    dieses Forum wird 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs als Wissensdatenbank von sehr Vielen genutzt. Das zeigt, wie tief die damaligen Ereignisse noch nachwirken. Was war das Besondere und Einzigartige an diesem Krieg? Warum wurde er von deutscher Seite mit einer solch aussichtslosen Konsequenz bis zur Selbstvernichtung geführt?

    Die Antwort ist wohl: Auschwitz, als Synonym für den Völkermord an den Juden!


    Sebastian Haffner "Anmerkungen zu Hitler":

    "Hitlers Massenmorde wurden im Krieg begangen, aber sie waren keine Kriegshandlungen. Vielmehr kann man sagen, daß er den Krieg zum Vorwand nahm, Massenmorde zu begehen, die mit dem Krieg nichts zu tun hatten, die ihm aber immer schon ein persönliches Bedürfnis gewesen waren. Die Vertilgung von Menschen, die für Hitler Ungeziefer waren, hatte mit dem Krieg nur insofern einen Zusammenhang, als der Krieg die Aufmerksamkeit davon ablenkte. Im übrigen war sie für Hitler Selbstzweck, nicht etwa ein Mittel zum Sieg oder zur Abwendung der Niederlage.

    Im Gegenteil, sie behinderte die Kriegführung, denn die Tausende von kriegstüchtigen SS-Männern, die jahrelang damit beschäftigt waren - alles in allem das Äquivalent mehrerer Divisionen -, fehlten an der Front, und die täglichen Massentransporte quer durch ganz Europa in die Vernichtungslager raubten der kämpfenden Truppe einen erheblichen Teil des knappen rollenden Materials, das sie dringend für ihren Nachschub brauchte. Außerdem machten die Mordaktionen, nachdem der Sieg nicht mehr errungen werden konnte, jeden Kompromißfrieden unmöglich."


    Peter Longerich "Davon haben wir nichts gewusst" aus Goebbels Tagebüchern:

    2.3.43

    "Göring ist sich vollkommen im klaren darüber, was uns allen drohen würde, wenn wir in diesem Krieg schwach würden. Er macht sich darüber keine Illusionen. Vor allem in der Judenfrage sind wir ja so festgelegt, dass es für uns gar kein Entrinnen mehr gibt. Und das ist auch gut so. Eine Bewegung und ein Volk, die die Brücken hinter sich abgebrochen haben, kämpfen erfahrungsgemäß viel vorbehaltloser als die, die noch eine Rückzugsmöglichkeit besitzen.“


    21.3.43:

    "Jedenfalls kommt es nicht in Frage, daß wir hier irgendwelche Kompromisse schließen, denn sollte das Unglück eintreten, dass wir den Krieg verlören, so würden wir nicht nur derohalben, sondern überhaupt absolut vernichtet werden. Mit einer solchen Möglichkeit darf man deshalb überhaupt nicht rechnen und muss seine Politik und Kriegführung darauf abstellen, dass sie niemals eintreten kann. Je konsequenter wir da vorgehen, umso besser fahren wir."


    22.3.43:

    "Die meisten unserer Zeitgenossen machten sich nicht klar, dass die Kriege des 20. Jahrhunderts Rassenkriege seien, und dass es in Rassenkriegen immer nur Überleben oder Vernichten gegeben habe, dass wir uns also klar darüber sein müssten, dass auch dieser Krieg mit diesem Ergebnis enden werde."


    Bernward Dörner "Die Deutschen und der Holocaust":


    "Die Deutschen kämpften verbissen weiter, obwohl die meisten nach der Niederlage in Stalingrad immer deutlicher erkannten, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Nationalismus, Antisemitismus, materielle Motive, Pflichtgefühl und Durchhaltewillen allein hätten als Gründe dafür wohl nicht ausgereicht. Die von den NS-Verbrechen ausgehende Racheangst war bei den Deutschen realer und größer als ihr Vertrauen in eine faire Behandlung durch die Alliierten im Fall einer Niederlage. Folglich hatten sie Angst vor dem Frieden."


    Sebastian Haffner "Von Bismarck zu Hitler":


    "Bereits Ende 1941, als sich zum ersten Mal die Möglichkeit des Scheiterns abzeichnete, hatte Hitler im Privatgespräch mit ausländischen Diplomaten geäußert:

    "Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden. Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen."

    Ein Ausspruch, der im Munde eines deutschen Staatsmann fürwahr einzigartig ist."


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    aus Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz, handschriftliche Aufzeichnungen während seiner Krakauer Untersuchungshaft:


    "Wie wirkte nun das gesamte Haftleben in Auschwitz auf die einzelnen Kategorien der Häftlinge?

    Für die Reichsdeutschen aller Farben war es kein Problem. Sie saßen fast ausnahmslos in "gehobenen" Stellungen, hatten dadurch alles, was sie für des Leibes Notdurft brauchten. Was sie auf reellem Wege nicht bekamen, "besorgten" sie sich. Nach dem Anlaufen der Juden-Aktionen gab es praktisch nichts mehr, was man sich hätte nicht besorgen können."


    Die jüdische Sängerin Fania Fénelon kam im Januar 1944 nach Auschwitz. Aus ihrem Buch "Das Mädchenorchester in Auschwitz":


    "Getreu ihrer Zersetzungspolitik zwingt die SS die Gefangenen, gegen ihre eigene Kameraden zu handeln. Blockälteste, Blockowa, Blockschreiberin, Kapo, Lagerälteste, Lagerkapo, Stubendienst sind lauter Posten, die man nur behält, wenn man seine vorgeschriebene Pflicht äußerst gewissenhaft und lobenswert erfüllt, sonst wird man in seine Ausgangsposition zurückgestuft und kann vergast werden."


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    Dr. Miklós Nyiszli war Arzt und ungarischer Jude mit rumänischer Staatsbürgerschaft. Seine medizinischen Kenntnisse erwarb er vor allem an deutschen Universitäten.


    Ende Mai 1944 wurde er mit seiner Frau und der 15-jährigen Tochter in das KZ Auschwitz- Birkenau deportiert.


    Ende Juni 1944 wurde er von Lagerarzt Josef Mengele im Sektionsraum des Krematorium II eingesetzt.


    Aus seinen Erinnerungen "Ich war Doktor Mengeles Assistent":


    Jetzt verstehe ich, warum ich Zivilkleidung bekam! Zivilkleidung trägt das Sonderkommando, das Kommando der lebenden Toten.


    Mein Chef verdeutlicht der SS, dass ich dienstlich nur ihm, Dr. Mengele, unterstellt bin. Das SS-Personal des Krematoriums darf in keiner Weise über meine Person verfügen. Um meine Verpflegung kümmert sich die SS-Küche. Meine Kleidung und meine Wäsche kann ich aus dem Lager ergänzen und wechseln. Zum Rasieren und Haarschneiden kann ich den im Krematoriumsgebäude verfügbaren SS-Friseur beanspruchen.


    Neben meiner gerichtsmedizinischen und Laborarbeit bin ich verpflichtet, die zu den vier Krematorien gehörenden 120 SS-Angehörigen und die 860 Mitglieder des Sonderkommandos ärztlich zu betreuen. Die benötigten Medikamente, Instrumente und Verbandsmaterial stehen mir in ausreichender Menge zur Verfügung.


    Die Leichen eines zweijährigen Zwillingspaares liegen zur Obduktion vor mir. In der Zukunft soll, nach den irrsinnigen Rassentheoretikern des Dritten Reiches, jede deutsche Mutter Zwillinge gebären. Mengele: Ich brauche ordentliche Arbeit, denn wir leiten die Protokolle von hier weiter zum Rassenbiologischen und Anthropologischen Institut in Berlin-Dahlem.


    So erfahre ich, daß die hier stattfindenden Untersuchungen von einem der berühmtesten wissenschaftlichen Institute der Welt geleitet werden.


    Ich erhalte neue Zwillingsleichen. Vier Paare aus der Zwillingsgruppe des Zigeunerlagers werden gebracht, die noch nicht einmal zehn Jahre alt sind. Bei der Sektion lüfte ich das dunkelste ärztliche Geheimnis des Dritten Reiches. Hier wird also nicht nur mit Gas, sondern auch durch ins Herz injiziertes Chloroform gemordet!


    Die blutige Vergangenheit liegt schwer auf meinem kranken Herzen. Auf Befehl eines fanatischen, sich für ein Genie haltenden wahnwitzigen Arztes öffnete ich die Leichen von Hunderten von Opfern. Er wollte Nutzen ziehen aus dem Tod von Millionen Opfern für falsche, pseudowissenschaftliche Theorien. Ich schnitt das Fleisch aus den Körpern gesunder Mädchen für Dr. Mengeles Bakterienkulturen. Ich badete die Leichen von Krüppeln und Zwergen in Kalziumchlorid-Lösung und kochte sie in Bottichen, damit die sachgemäß präparierten Skelette in die Museen des Dritten Reiches gelangen konnten, um dort zukünftigen Generationen als Beweis für die Notwendigkeit der Ausrottung "niederer Rassen" zu dienen.


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    Gisella Perl war eine jüdische Gynäkologin, die im Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort als Häftlingsärztin eingesetzt wurde.

    Aus ihren Erinnerungen "Ich war eine Ärztin in Auschwitz":


    Von den etwa dreißigtausend Insassinnen aus Lager C wurden siebenhundert Frauen selektiert und in den Block VII getrieben. Wir wussten nicht, ob wir die Auserwählten bemitleiden oder beneiden sollten.


    Etwa vier Wochen später wurden die Ärztinnen des Hospitals in den Block geschickt. Der Anblick, auf den wir bei unserem Eintreffen trafen, überstieg die furchtbarsten Erwartungen. Aus den Verschlägen längs der Wände sahen uns etwa sechshundert, von panischem Schrecken ergriffene, zitternde junge Frauen an, in ihren Augen ein stilles Flehen. Die übrigen hundert Frauen lagen am Boden, bleich schwach, in Lachen von Blut. Ihr Puls war kaum mehr fühlbar, ihr Atem ging angestrengt.


    Große, kräftige SS-Männer gingen von einer zur anderen, stachen gewaltige Nadeln in ihre Venen und beraubten ihre unterernährten, ausgemergelten Körper des letzten Tropfens Blut.

    Das deutsche Heer brauchte Blutplasma! Vergessen Rassenschande oder Kontamination mit "minderwertigem jüdischem Blut". Wir waren zu "minderwertig", um zu leben, doch nicht minderwertig genug, um das deutsche Heer durch unser Blut am Leben zu halten.


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    Wilhelm Brasse war ein polnischer Häftling, der in Auschwitz für die SS 40 bis 50 Tausend ankommende Häftlinge für die Lagerkartei fotografieren musste. In seinen Erinnerungen "Der Fotograf von Auschwitz" beschreibt er u.a. auch seine Tätigkeit für den Vorgesetzten aller Ärzte in Auschwitz, Dr. Eduard Wirths:


    Dr. Wirths hatte im Frauenlager Birkenau all jene Frauen auf einer Liste notiert, die unterschiedliche Augenfarben hatten. Brasse und seine Kollegen sollten nur die Augenpartien fotografieren.


    Wilhelm Brasse konnte es kaum ertragen unter welchen Bedingungen die Frauen und Mädchen dort leben mussten. Bis zu zehn Frauen mussten sich eine Schlafpritsche teilen. Es gab Läuse in einer Menge, die sie sich gegenseitig nicht mehr entfernen konnten.


    Vom Wachpersonal wurden sie ständig misshandelt und von Dr. Wirths wurden medizinische und chirurgische Experimente selbst durchgeführt oder angeordnet.


    Einen dieser Versuche musste Wilhelm Brasse fotografisch dokumentieren. In diesem Fall musste der jüdische Häftlingsarzt Dr. Maximilian Samuel die präzisen Anweisungen von Wirths ausführen.


    Es war Anfang 1944, als die erste Gruppe von fünf jüdischen Mädchen und jungen Frauen, die alle aus Griechenland stammten, von Wilhelm Brasse dokumentiert wurden.


    Anweisung von Dr. Samuel an Wilhelm Brasse: "Sobald ich die Frau narkotisiert habe, kannst du dich mit deiner Kamera neben mich stellen. Ich werde der Frau die Gebärmutter entnehmen und du wirst sie fotografieren."


    Von dreißig Frauen musste Wilhelm Brasse auf diese Art die Gebärmütter fotografieren. Später erfuhr er, daß die Frauen nach diesen Eingriffen ermordet worden waren.


    Experimente an Gefangenen führten Dr. Wirths und andere Mediziner in Auschwitz auch gegen Honorar und im Auftrag der Arzneimittelfirma Bayer durch. An Flecktyphus- und Tuberkulose-Erkrankten probierten sie neue, noch nicht zugelassene Medikamente aus und infizierten gezielt Frauen mit Krankheitserregern, um an ihnen die Wirkung neuer Medikamente zu testen.


    Grüße

    Jockel

    Hallo Athlord,


    ich hatte mich für das Thema seit längerem interessiert. Meine Erfahrungen aus den Zeugenbefragungen widersprechen dem, von dir Geschilderten. Hast du belastbare Quellen für deine Meinung?

    Guten Tag,

    die Bundeszentrale für politische Bildung hat unter dem Thema "Die Nachkriegszeit als Gewaltzeit" noch einen Literaturhinweis gegeben: Wolfgang Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer.
    https://www.bpb.de/apuz/303647…weltkrieges#footnode23-23

    Grüße Jockel

    Guten Tag,


    der israelische Gedenktag an die Opfer des Holocaust, Yom haScho'a, beginnt dieses Jahr am Abend des 7. April.


    In Deutschland beteiligen sich die jüdischen Gemeinden am Gedenken an die mehr als sechs Millionen Ermordeten mit digitalen Gedenkfeiern, aber auch mit Präsenzgottesdiensten und sonstige Veranstaltungen.


    Am 8. April um 10 Uhr ertönen für zwei Minuten im ganzen Land Israel die Sirenen. Währenddessen wird alle Arbeit angehalten, Fußgänger bleiben stehen, Autos halten am Straßenrand, und alles steht still, um den Opfern des Holocaust Respekt zu zollen.


    Grüße

    Jockel

    Hallo Thomas,

    hilfreich wäre es, wenn Du mir die Vorgabe für die Schriftgröße und Schriftart mitteilen würdest. Ich war zu unfähig, diese zu finden.

    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    Justus schreibt in der Einleitung zu seinem Bericht von der "Tötungsmaschinerie" in Auschwitz.


    Raul Hilberg schreibt zur Vernichtung der Juden: "Die Vernichtungsmaschinerie umfaßte Vertreter aller Berufe und Fakultäten. Viele stellten ihre Fachkenntnisse in der einen oder anderen Phase der laufenden Operation im Rahmen ihrer täglichen Routine zur Verfügung. .....Ein Arzt konnte sich nicht der Frage entziehen, ob die direkte oder indirekte Verhängung von Krankheit oder Tod mit dem ärztlichen Auftrag zu vereinbaren war, Leid zu lindern und das Leben zu bewahren."


    Hilberg weiter: "Die deutsche Ärzteschaft war im Vergleich mit anderen akademischen Berufsständen -gemessen an der Parteizugehörigkeit- sehr stark nazifiziert. Manche Ärzte schlossen ihre Praxen, schlüpften in die SS-Uniform und wurden Mörder par excellence. Weitaus mehr gaben sich allerdings für Maßnahmen wie die "rassische" Kategorisierung, Zwangssterilisation, Euthanasie, medizinische Experimente, Selektion für Vergasung, Erschießung oder Gettoisierung her."


    Vor meinen wieder subjektiv ausgesuchten Fundstücken zu KZ-"Ärzten" in Auschwitz, eine Aussage der Häftlingsärztin Ella Lingens (Deutsche, nicht aus rassischen Gründen inhaftiert):


    ... "Reichsdeutsche -auch volksdeutsche- Gefangene bekamen generell keine Häftlingsnummer tätowiert. Darüber hinaus gab es Weihnachtsfeiern nur für die Deutschen, Kinos und Konzert nur für die Deutschen, kurz, sogar im KZ sollten wir uns als Herrenvolk fühlen. Das hat unsere Stellung unendlich schwierig gemacht, denn es rückte uns in den Augen der anderen Nationen immer wieder in die Nähe der SS."


    Aus Ernst Klee "Auschwitz, Täter, Gehilfen..." :


    Friedrich Entress ab 11.12.1941 Lagerarzt in Auschwitz (ab März 1943 in Monowitz). Tötungsexperimente mit Wasserstoff-Injektionen. Bluttransfusionen von Fleckfieberkranken auf gesunde Häftlinge.


    Franz Lucas ab 15.12.1943 Lagerarzt Birkenau. Lucas im Auschwitz-Prozess: "Ich habe mich immer auf die Seite der Schwachen geschlagen. Ich bemühte mich, möglichst viele Juden am Leben zu erhalten." Der Mitangeklagte SS-Rottenführer Stefan Baretzki: "Früher, da hat er 5000 Menschen in einer halben Stunde ins Gas geschickt, und jetzt will er sich reinwaschen."


    Bruno Weber ab Mai 1943 "Leiter Hygienisch-Bakteriologische Untersuchungsstelle der Waffen-SS und Polizei Süd-Ost, Auschwitz, Oberschlesien". Tödliche Versuche mit Evipan oder Morphium. Häftlingsarzt André Lettich, Nr. 51224,: "Die Mentalität von Dr. Weber war eine recht merkwürdige. Ich hatte beispielsweise einmal ein Meerschweinchen in der Hand, als Dr. Weber in meinen Arbeitsraum kam. Da das Meerschweinchen laut quietschte, fuhr er mich an, daß ich ein Mörder sei. Manchmal schoß er auch Vögel. Wenn einer dieser Vögel beispielsweise eine Beinverletzung davontrug, brachte er ihn zu uns, und wir mußten ihn gesundpflegen. Andererseits hatte er dann etwa eine Stunde vorher frisches Menschenfleisch für die Nährböden aus Block 11 geholt."


    Josef Mengele, am 30.5.1943 erster Arbeitstag in Auschwitz-Birkenau.


    Ernst Klee: "Ich habe die Akten des Ermittlungsverfahrens der StA Frankfurt komplett durchgearbeitet. Aussagen über Mengele sind mit höchster Vorsicht zu behandeln, denn er hätte demnach gleichzeitig im Stammlager, in Birkenau, Monowitz und in den Außenlagern gewütet. Mengeles Tätigkeitsfeld war aber Birkenau. Und er faßte im Alltag, aus Angst vor Ansteckung, Kranke nicht an."


    Häftlingspfleger Julian Zbigniew Rybka: "Er hielt sich weit von den Kranken entfernt, und ich sah ihn niemals irgendeinen kranken Häftling berühren." Häftlingsärztin Marie Stoppelman: "Im Gegensatz zu anderen SS-Ärzten war bei Mengele auffällig, das er bei Selektionen in besonders guter, fast fröhlicher Stimmung war. Erkennbar bereitete ihm das Treffen dieser Entscheidungen Vergnügen". Eva Landstofa, Nr. 9398: "Ich habe die ganzen Jahre hindurch niemals gesehen, daß Mengele zum Beispiel einen Häftling geschlagen hat. Er entschied und schickte allerdings massenweise Häftlinge ins Gas. Ich erinnere mich daran, daß, als Dr. Mengele Häftlinge ins Gas auswählte, er gewöhnlich die Arie aus Aida 'Sie liebte ihr Leben' pfiff." Häftlingsärztin Ella Lingens im Auschwitz-Prozess: "Ich habe bei der Geburt der kleinen Dagmar in Auschwitz geholfen. Sie starb, nachdem Mengele ihr Einspritzungen in die Augen gegeben hatte, weil er versuchen wollte, eine Änderung der Augenfarbe herbeizuführen." SS-Oberscharführer Erich Muhsfeldt trifft 1944 im Krematorium drei Häftlingsärzte beim Sezieren von acht Kindern: "Ich fragte, was das für Leichen seien. Die Ärzte antworteten darauf, daß die Kinder von Mengele mit Giftinjektion getötet worden seien, weil sie Merkmale hatten, die Mengele im Zusammenhang mit seinen Forschungen besonders interessierten."


    Grüße

    Jockel

    Hallo Thomas,
    ich wollte es anpassen, habe aber den Schalter für die Schriftgröße nicht gefunden. Wie geht es oder wo steht es?

    Grüße

    Jockel


    Nachsatz: Endlich gefunden unter T! Entschuldigung! Jetzt geht es aber nicht mehr?


    Nochmals Hallo und herzlichen Dank für den oder die "Formatierer". Danke auch für die Nachsicht mit meiner technischen Unbedarftheit. Grüße Jockel

    Hallo zusammen,

    aus aktuellem Anlass und hoffentlich passend zu dem Bericht von Justus einige Fundstücke zu Dr. Eduard Wirths. Bei der Masse des vorhandenen Materials ist das natürlich nur meine subjektive Auswahl.


    National Archives London: von Wirths selbst verfasste Rechtfertigungsschrift datiert auf den 20. Juli 1945. Daraus ein wirklich bemerkenswerter Satz: "Es ist sicher nicht überheblich, wenn ich heute ausspreche, dass es wohl mein Verdienst ist, wenn in Europa heute Juden überhaupt noch am Leben sind."

    Wirths reklamierte für sich, die Beteiligung von Ärzten an den Selektionen neuangekommener Häftlinge auf der Rampe eingeführt zu haben. Dadurch habe er, so schrieb er, ungezählte Leben vor dem Tod in den Gaskammern retten können. Tatsächlich ging die Forderung nach ärztlicher Anwesenheit auf der Rampe nicht auf Wirths, sondern Heinrich Himmler zurück, der angesichts der sich stetig verschlechternden Kriegslage eine effektivere Nutzung des Häftlings-Arbeitskräftepotentials forderte.


    Aus Ernst Klee, Auschwitz Täter, Gehilfen, Opfer....:


    Johann Paul Kremer, Anatom, 1942 als Vertretung in Auschwitz, am 30.7.1947 in Krakau: "Bereits seit längerer Zeit interessierte ich mich über die Forschungen über entstandene Veränderungen im menschlichen Organismus infolge Hungers. In Auschwitz trug ich diese Angelegenheit Wirths vor. Er erklärte mir, das ich für diese Forschungen gänzlich lebendfrisches Material von diesen Gefangenen entnehmen könnte, welche vermittels Phenol-Einspritzungen getötet werden.


    Horst Schumann, der Menschen mit Röntgenstrahlen verstümmelte: Durch ihn (Wirths) erhielt ich für meine Versuche alle Hilfe, die ich brauchte, und er gab auch die entsprechenden Anweisungen heraus.


    Oswald Kaduk, Rapportführer, im Auschwitz-Prozess über Selektionen an der Rampe: Dann hat Dr. Wirths gesagt: Kollege, wir brauchen 40 Frauen für den [Versuchs-]Block 10.


    Wirths selektierte laut Versuchsopfer Renée Feldmann seine Objekte auch selbst: Beim Verlassen des Zuges wurden von Dr. Wirths 75 Frauen in gutem Zustand ausgesucht.


    Stanislaw Klodzinski, Häftlingsarzt: Bei diesen [Kolposkopie-]Versuchen mußte der Häftlingsarzt Dr. Samuel mitwirken. Aus diesem Grund wurde er von Dr. Wirths [1944] in die Gaskammer geschickt.


    Versuchsobjekt Rosaline de Leon (Häftlingsnr. 62546): Wir sahen ihn als einen Unmenschen an.


    Erklärung Höß v. 14.3.46 (Nbg. Dok. NO-1210): Weiterhin hat dieser Arzt auch Versuche [gemacht,um] den Tod von Personen durch Blausäureinjektionen herbeizuführen.


    Adélaïde Hautval, Häftlingsärztin, wurde nach Auschwitz deportiert und dort dem Block 10 überstellt, um unter der Leitung von Dr. Eduard Wirths bei medizinischen Experimenten zur Entdeckung früher Stadien von Gebärmutterhalskrebs an jüdischen Insassinnen zu assistieren.

    Bei Ankunft in Auschwitz am 27.1.1943, Hautval: Deutsche Gefangene umkreisen uns wie Schakale. Ohne Scham klauen sie unsere Sachen. Wir beginnen zu begreifen, das hier die Diebe und Abenteurer die Stütze des ganzen Systems bilden.

    Ich wurde dann für Dr. Wirths tätig, der sich angeblich mit dem Problem der Früherkennung von Gebärmutterkrebs beschäftigte. Als ich bemerkte, daß diese Sache wissenschaftlich wertlos war und keineswegs den Sinn hatte, den Frauen zu helfen, verweigerte ich meine weitere Mitarbeit.

    Als Eduard Wirths sie fragte: „Sehen Sie nicht, dass diese Leute anders sind als Sie?“, entgegnete sie: „In diesem Lager sind viele Menschen anders als ich. Sie zum Beispiel!“. (Hautval: Medizin gegen die Menschlichkeit).


    Grüße

    Jockel

    Hallo Frank,

    du hast absolut Recht mit dem "Feuer auf dem Dach". Der Fall schlägt hier eine riesige Welle. Die Gemeindevertretung ist verständlicherweise klar mit dem "Rummel" überfordert. "Positiv" ist, dass über Auschwitz gesprochen und berichtet wird. Auch die vorhandenen Werke werden von Vielen wieder "ausgegraben" und gelesen.


    So steht z.B. In dem Buch von Ernst Klee "Auschwitz Täter, Gehilfen, Opfer und was aus Ihnen wurde" neben der Beschreibung der Tätigkeit des Dr. Wirths auch sehr Interessantes und Aufschlußreiches über Hermann Langbein. Ich zitiere auszugsweise:


    "Privilegierter Funktionshäftling, laut eigenen Angaben (Die Stärkeren) Wein und Champagner zum Weihnachtsfest, als er an Flecktyphus erkrankt, untergebracht "in einem der beiden Einzelzimmer, die für 'prominente' Häftlinge bestimmt sind." 1949 Autor des Buches "Die Stärkeren" (gemeint sind die moralisch überlegenen KP-Häftlinge). Die Stärkeren, sprachlich äußerst plakativ, ist ein Heldenlied auf die KP (Kommunistische Partei) und auch auf den Autor: In Dachau macht SS-Arzt Vetter, was ihm Langbein sagt, in Auschwitz hat er Standortarzt Wirths in der Hand, Kernsatz: "Jetzt bist du unser Werkzeug, Standortarzt!". Seine Eigendarstellung (Langbein, Widerstand), er habe solchen Einfluß gehabt, das mit "Hilfe von Wirths die tägliche Tötung Körperschwacher im HKB abgestellt werden konnte", erscheint sehr subjektiv. Die Beendigung der Morde mit Phenolspritzen geht auf Befehle aus dem SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt zurück (s. Artikel Heyde, s. Glücks). Langbeins Darlegung seines guten Verhältnisses zu Wirths verführt zu einer Verniedlichung der Verantwortung des obersten SS-Mediziners in Auschwitz - extrem grausame und tödliche Menschenversuche, die Selektion der Menschen in die Gaskammern. Langbein nahm nach dem Krieg Spenden von der Familie Wirths an, die er für notleidende Überlebende und Bürokosten verwendet (Halbmayr)."


    Ich bin gespannt welche Entscheidung die Gemeindevertretung im April treffen wird.


    Grüße

    Jockel

    Hallo Frank,

    die genaue Formulierung in der Main-Post lautet: "Für seine Entscheidung sei auch das Interview dieser Redaktion mit dem Göttinger Historiker Stefan Hördler ausschlaggebend gewesen." Daraus kann ich nicht erkennen, ob der Bürgermeister noch direkten Kontakt mit Hördler hatte.

    Grüße

    Jockel

    ....Auf der einen Seite SS-Standortarzt und an medizinischen Verbrechen und der Selektion etc. beteilitgt, auf der anderen Seite rettete er nach Berechnungen der ehemaligen Häftlinge Langbein und Lill bis Ende 1943 etwa 93.000 Menschen das Leben.

    Hallo Daniel und alle Interessierten,

    nachfolgend die Ausschnitte der Aussagen von Lill und Langbein im Frankfurter Auschwitz-Prozess zu der Ermittlung der Zahl der angeblich von Wirths "Geretteten". Die Zahl entspringt wohl eher dem von der SS gewollten, komplizierten und mitunter gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis zwischen SS-Tätern und (meist deutschen) Funktionshäftlingen. Müsste in diesem Fall näher untersucht werden.

    Zeuge Karl Lill

    91. VERHANDLUNGSTAG 18.09.1964

    1. Frankfurter Auschwitz-Prozess

    »Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63

    Landgericht Frankfurt am Main

    91. Verhandlungstag, 18.09.1964

    Verteidiger Fertig:

    Herr Zeuge, der Herr Vorsitzende hat vorhin eine Glückwunschkarte von Ihnen vorgelesen, wonach Sie den Standortarzt Doktor Wirths belobigt haben, daß er damals 19.000, glaube ich, waren es

    Vorsitzender Richter [unterbricht]:

    93.000.

    Verteidiger Fertig:

    Oder sogar 93.000 Häftlingen das Leben gerettet hätte und in dem Sie der Hoffnung Ausdruck gaben, daß der Herr Doktor Wirths noch länger in Auschwitz bliebe. Welche Häftlinge waren das? Und auf welche Weise hat der Standortarzt Doktor Wirths diesen 93.000 Häftlingen das Leben gerettet?

    Zeuge Karl Lill:

    Ich möchte dazu sagen, daß ich zum erstenmal, ich meine, im Januar 43, sah, daß Hermann Langbein eine ähnliche Sache aufsetzte. Da war die Rede von etwa 9.000 Menschen, die nach seiner Meinung gerettet wurden durch die ärztliche Tätigkeit von Doktor Wirths. Ich war mißtrauisch und frug ihn, wie er zu dieser Angabe komme. Und er zeigte mir die Statistiken. Und aus dem Vergleich der Todesfälle zweier gleicher Zeiträume vor und nach der Ankunft von Doktor Wirths ergab sich diese Zahl.


    Zeuge Hermann Langbein

    24. VERHANDLUNGSTAG 06.03.1964

    1. Frankfurter Auschwitz-Prozess

    »Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63

    Landgericht Frankfurt am Main

    24. Verhandlungstag, 6.3.1964

    Zeuge Hermann Langbein:

    Anfang September 42. Zwei von unserem Dachauer Transport, Karl Lill und ich – beide waren wir schon in Dachau als Schreiber im Revier eingeteilt –, wurden hinausgeschickt, um uns vorzustellen. Es war so, daß in Auschwitz ein sehr geringer Prozentsatz deutscher und damit auch österreichischer Häftlinge war – Österreicher gelten immer als Deutsche, also ich nenne sie jetzt immer der Einfachheit halber auch als Deutsche – und daher auch die Auswahl nicht sehr groß war, um diesem Befehl des Standortarztes nachzukommen. Der neue Standortarzt war Doktor Eduard Wirths, den ich schon von Dachau her kannte, weil er kurze Zeit in Dachau Lagerarzt war und zufällig auf der Station war, wo ich als Schreiber war. Und er hatte mich daher auch schon gekannt. Und wie er mich gesehen hat, hat er gesagt: »Das wird mein Schreiber.“….

    Ich habe dort eine Zusammenstellung gemacht über das, was in Auschwitz geschehen ist. ...........Ich habe eine Abschrift hier mitgebracht, die ich jetzt gefunden habe, als ich am Boden in meiner Wohnung die alten Papiere durchsuchte. In dieser Abschrift sind die Totenzahlen erhalten, von Anfang 42 bis einschließlich März 44, nicht in absoluten Zahlen, sondern in Prozentzahlen zur Lagerstärke. Wenn Sie diese Zahlen interessieren, bin ich selbstverständlich gerne bereit...

    Vorsitzender Richter:

    [Pause] Diese Zahlen haben Sie entnommen aus den Statistiken, die Ihnen wiederum von den einzelnen Lagern gegeben wurden?

    Zeuge Hermann Langbein:

    Ja, und aus den zusammenfassenden Monatsberichten, die aufgrund

    Vorsitzender Richter [unterbricht]:

    Wobei aber nicht berücksichtigt sind die Leute, die an den Rampen direkt selektiert wurden und ohne ins Lager aufgenommen zu werden direkt ins Gas gebracht wurden.

    Zeuge Hermann Langbein:

    Stimmt. Über die hatten wir kein Zahlenmaterial. Da gab es kein Zahlenmaterial, zumindest bei der Dienststelle SS-Standortarzt. Bei der Politischen Abteilung dürfte eins gewesen sein, das will ich nicht mit Sicherheit sagen. Bei der Dienststelle Standortarzt gab es kein Zahlenmaterial über die, die sofort ermordet wurden, als sie eingeliefert wurden.

    Vorsitzender Richter:

    Ja, also bei der Politischen Abteilung müßte ja eigentlich das Material da sein. Denn die Meldungen über die Stärke der Transporte, die kamen ja doch in Auschwitz an, denn es wurde doch immer wieder gezählt und gezählt und gezählt, bis der letzte Mann da war.

    Zeuge Hermann Langbein:

    Ja.

    Vorsitzender Richter:

    Wenn die aber die Stärkemeldungen hatten und wußten, wie viele Leute von diesen Transporten ins Lager aufgenommen wurden, war es ja klar, daß der Rest eben umgebracht worden war, so daß also die Meldung dort ja doch klar sein mußte.

    Zeuge Hermann Langbein:

    Ja. Das weiß ich nachträglich. Also, das habe ich nicht in Auschwitz erfahren, sondern nachträglich erfahren von Freunden von mir, die in der Politischen Abteilung als Häftlinge gearbeitet haben, daß sie dort regelmäßig ein FS, ein Fernschreiben, nach Berlin aufgeben mußten, wobei sie die Zahlen derer, die ins Lager aufgenommen, und die Zahlen derer, die »sonderbehandelt«, also vergast wurden, gemeldet haben, und zwar nach Männern und Frauen getrennt. Das ist aber ein Wissen, das ich erst nachträglich erworben habe, das mir damals in Auschwitz also nicht geläufig war. Oder zumindest erinnere ich mich nicht, daß es mir damals geläufig war. Bei unserer Dienststelle gab es diese Zahlen nicht.

    Vorsitzender Richter:

    Also Sie können uns nur die Zahlen der im Lager, sei es eines natürlichen, sei es eines unnatürlichen Todes, Gestorbenen...

    Zeuge Hermann Langbein:

    Ja, wobei also natürlich und unnatürlich nicht getrennt sind und diese Zahlen nur Prozentzahlen sind. Ich habe also folgende Prozentzahlen nach Hause geschickt. Und ich bin sicher, daß ich damals die Zahlen nach meinem besten Wissen aus diesen Berichten entnommen habe. Und mein Bruder ist sicher, daß diese Abschrift nach bestem Wissen vorgenommen wurde.

    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,

    Justus hat in seinem Bericht eine exemplarische Tat des Hauptscharführers Gerhard Palitzsch beschrieben. Diese Grausamkeiten sind schon beim Lesen kaum zu ertragen.

    Rudolf Höß sagte über Palitzsch: "Die gerissenste und verschlagenste Kreatur, die ich kennengelernt und erlebt habe".
    SS-Unterscharführer Johann Becker hat berichtet: "Ich erinnere mich, daß ich einmal mit einem meiner Kapos im Schlachthaus war. Zufällig kam auch Palitzsch herein. Er beanstandete, daß die Kühe von den Häftlingen in zu roher Weise geschlachtet würden. Daraufhin sagte mein Kapo zu mir, wenn er das höre, werde ihm schlecht, weil Palitzsch gerade von einer Erschießungsaktion komme."

    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,

    der Göttinger Historiker Dr. Stefan Hördler (gilt als Experte für NS-Verbrechen) zu Wirths:

    "Aus Sicht seiner Vorgesetzten muss Wirths eine "reibungslose" Arbeit in Auschwitz geleistet haben, sonst hätte man seine Auswechslung beantragt. Mit seinem Dienstantritt in Auschwitz zog die Kontinuität ein. Vorher gab es auf seinem Posten eine hohe Fluktuation. Überdies wurde Wirths in Auschwitz befördert. Er erreichte den Dienstrang eines Sturmbannführers, also Majors, und hatte damit 1944 einen höheren Dienstgrad als die Lagerkommandanten in Birkenau und Monowitz. Bis 1944 erhielt er unter anderem das Kriegsverdienstkreuz II. und I. Klasse mit Schwertern. Diese Auszeichnungen wurden im KZ-System sehr häufig für die Beteiligung an Massentötungen verliehen. Vor diesem Hintergrund darf nicht vergessen werden, dass Mitte 1943 die großen Gaskammern und Krematorien in Auschwitz-Birkenau fertig gestellt wurden. Wichtig für die SS war im September 1944 die Fertigstellung des SS-Lazaretts in Birkenau. Seine Auszeichnung ist also im Zusammenhang mit dieser Mordaktion und seinem Engagement für das SS-Personal und deren medizinische Versorgung zu sehen.

    Zwischen 1942 und 1945 sind in Auschwitz Hunderttausende unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet worden. Allein zwischen Mai und Juli 1944 waren es über 325 000 Menschen - und der leitende SS-Arzt, dem jeder Lagerarzt auf der Rampe unterstellt war, war Wirths. Er blieb ohne Auswechselung bis zur Räumung des Lagers, kein anderer SS-Arzt versah länger Dienst in Auschwitz als er."

    Grüße

    Jockel