Posts by jockel55

    Und das Werk in Ausschwitz ist scheinbar nie in Betrieb gegangen.

    Hallo Ralf,


    vielleicht auch von Interesse für Dich:

    Primo Levi schreibt in seinem Buch "Ist das ein Mensch?", daß er als studierter Chemiker elf Monate Zwangsarbeiter in Auschwitz-Monowitz in einem Werk der I.G. Farben war. Dort sollte er bei der Herstellung von synthetischem Gummi helfen. Nach seinem Wissen, war der letztgeplante Produktionsbeginn der 1.2.1945. Dazu ist es aber vermutlich nicht mehr gekommen, da das Lager Monowitz am 18.1.1945 "evakuiert" wurde.


    Grüße

    Jockel

    Ich war immer in der Hoffnung das die Elite-Divisionen der Waffen SS neben guter Ausrüstung und guter Ausbildung noch irgendetwas mit auf den Weg bekommen haben was diese Erfolge, oder sagen wir, was diese Einsatzstärke zur direkten Folge hatte.

    Hallo Micha,


    wie begründest Du diese Aussage?


    Thomas (Huba) und Jörg (Nemere) haben sich dazu ja bereits geäußert. Ergänzen möchte ich Folgendes:


    Der Vergleich der Gesamtbilanzen von Wehrmacht und Waffen-SS zeigt kaum Differenzen. Die Todesraten lagen fast gleichauf bei etwa einem Drittel der Personalstärke. Das Heer kämpfte nicht weniger verlustreich, riskant und einsatzfreudig als die Waffen-SS. (Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg).


    Ähnliches ergibt der Vergleich der erworbenen Tapferkeitsauszeichnungen. (Neitzel: Des Forschens noch wert?).


    Zur Frage nach einem besonderen "Verhaltens - / Ehrenkodex" der Waffen-SS:

    Selbst ein Front-Offizier der Waffen-SS wie Helmut Günther, erwähnt in seinem Buch "Von der Hitler-Jugend zur Waffen-SS" nichts davon. Er schreibt aber im Kapitel "Junkerschule":

    "Gleichartige Haltung, gleiche Ehrbegriffe und Gerechtigkeitsgefühle waren das Charakteristikum der Waffen-SS."


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    am 6.8.1940, anläßlich des Befehls zur Gliederung der Leibstandarte Adolf Hitler, nannte Hitler Grundsätze zur Notwendigkeit der Waffen-SS als "Staatspolizei des nationalsozialistischen Staates".


    Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht hat am 21.3.1941 festgestellt, daß die weitere Verbreitung der Gedanken des Führers nur erwünscht sein kann.

    (OKH, Gen.St.d.H./Wes Abt. Nr. 137/3. 41 g. (I) v. 21.3.41 mit Bezug auf

    OKH, Gen.St.d.H./H.Bes.Abt. Nr. 24/9. 40 g. v. 11.9.40):


    "...

    Über den Kern des Reiches hinaus ist es daher notwendig, eine Staatstruppen-Polizei zu unterhalten, die in jeder Situation befähigt ist, die Autorität des Reiches im Innern zu vertreten und durchzusetzen.

    ...

    Daher ist es notwendig, daß sich diese "Staatspolizei" in geschlossenen Verbänden an der Front ebenso bewährt und ebenso Blutopfer bringt wie jeder Verband der Wehrmacht.


    In den Reihen des Heeres nach Bewährung im Felde in die Heimat zurückgekehrt, werden die Verbände der Waffen-SS die Autorität besitzen, ihre Aufgaben als "Staatspolizei" durchzuführen.


    Diese Verwendung der Waffen-SS im Innern liegt ebenso im Interesse der Wehrmacht selbst.

    ...."


    Quelle: Das Dritte Reich und seine Diener (Léon Poliakov/Joseph Wulf).


    Fragen an die Experten:

    Gibt es über diese "Grundsätze" irgendwelche weiteren Erkenntnisse?

    Damit haben sich doch bestimmt noch mehr Stellen im Dritten Reich beschäftigt?


    Ein spezieller "Verhaltens- / Ehrenkodex" der Waffen-SS, vielleicht auch nur theoretisch angedacht, scheint mir auf Grundlage dieser Grundsätze nicht unwahrscheinlich zu sein.


    Grüße

    Jockel

    Guten Tag,


    die nachfolgenden Begriffe sind mir beim Lesen der "500 Briefe Sehnsucht" aufgefallen und könnten vielleicht in die Rubrik "Landser-Sprache" aufgenommen werden:


    Eiserne Gustav - Iljuschin Il-2 (sowjetisches gepanzertes Schlachtflugzeug)

    Kaschott - Gefängnis

    Ratas - Polikarpow I-16 (sowjetisches Jagdflugzeug)

    Stukateure - Junkers Ju 87 (deutsches Kampfflugzeug)


    Grüße

    Jockel

    Hallo Kordula und Stefan,


    das Buch von Willi Chmielewski "Von guten Mächten sanft behütet" gehört nach meiner Meinung nicht in das Thema Kriegsgefangenschaft. Er erwähnt nur zum Ende des Buches die Kriegsgefangenschaft eines Bruders. Im Wesentlichen beschreibt er seine Flucht in dem damaligen Chaos zwischen den Fronten. Sehr gut finde ich, dass die beschriebenen Erlebnisse mit "Nachbetrachtungen" eingeordnet werden. Kleine Kartenausschnitte zur Verdeutlichung der Lage sind eingefügt.


    Meine Buchempfehlung unter Neuerscheinungen "500 Briefe Sehnsucht" könnte man eher unter Kriegsgefangenschaft einordnen. Die Briefe aus der Gefangenschaft geben zwar keine wichtigen Informationen zur Gefangenschaft selbst aber der angehängte Fluchtbericht könnte gut in das Thema passen. Hier wird beschrieben wie im Juni 1948 in den Kriegsgefangenenlagern in/um Riga Arbeitskommandos für die tschechoslowakischen Uranminen zusammengestellt wurden. Josef Chervatin schreibt über seine 15 Monate Zwangsarbeit dort und seine erfolgreiche Flucht.


    Grüße

    Jockel

    Hallo,


    ein Buchtipp:


    "Von guten Mächten sanft behütet

    Erinnerungen einer Flucht aus Ostpreussen "

    von Willi Chmielewski

    Taschenbuch 268 Seiten – ISBN‏: ‎ 978-3-946315-03-2 - 14,90 Euro


    Klappentext:

    "Im Schneetreiben und bei Temperaturen von minus 25 Grad muss Willi Chmielewski (Jahrgang 1930) Ende des 2.Weltkrieges mit seinen Eltern den heimatlichen Bauernhof in Masuren (Ostpreußen) verlassen und in den Westen fliehen. Unterwegs wird der kleine Treck von den Russen überrollt - nur Willi und sein Freund können entkommen. Nun schlagen sich die beiden allein durch die Kälte und schließlich über das Frische Haff: Ohne Essen, ohne warme Unterkünfte marschieren sie zu Fuß immer weiter und weiter. Noch heute ist der Autor überzeugt, dass ihm in einer kalten Nacht ein Engel etwas ins Ohr flüsterte. Weil er auf den Engel hörte, wurden er und sein Freund wie durch ein Wunder gerettet.

    Fünfzig Jahre nach der Flucht schrieb Willi alles auf: Für seine Kinder und Enkel. Aber im Grunde für alle, die wissen wollen, wie es gelingt, der Hoffnung immer wieder eine Chance zu geben. Die Ereignisse haben sich tief in sein Bewusstsein gegraben und haben sein weiteres Leben nachhaltig geprägt."


    Grüße

    Jockel

    Hallo,


    für Interessierte ein Hinweis auf ein neues Buch:

    500 Briefe Sehnsucht - Ostfront, Gefangenschaft, Flucht

    1. Auflage, April 2021

    Autor: Dirk Chervatin

    ISBN Taschenbuch: 978-3-96403-144-0

    19,90 Euro


    Klappentext:

    "Josef Chervatin, Soldat in der 329. Infanterie-Division "Hammer", hat während seines Kriegsdienstes zwischen 1942 und 1945 sowie der anschließenden Gefangenschaft mehr als 500 Briefe an seine Frau und seinen Sohn geschrieben. Seine Briefe legen auf erschütternde Weise Zeugnis ab von der Gefühlswelt eines Mannes, der in die Hölle der Ostfront geworfen wurde, während ihn die Sorge um seine Familie zerfrisst, die schutzlos dem Bombenkrieg ausgeliefert ist.

    Josef Chervatin versuchte dabei stets, eine Stütze für seine Familie zu sein um seine Rolle als Familienvater aus der Ferne auszufüllen. Er schrieb väterliche Ratschläge an seinen Sohn und tröstete seine Frau mit Hingabe. Dabei lassen seine Zeilen immer wieder erahnen, in welche menschlichen Abgründe er an der Ostfront blicken musste.

    Zwischen der Hoffnung auf Frieden, Alltagsproblemen und der ständigen Angst um seine Lieben dokumentiert diese Briefsammlung auf bewegende wie erschütternde Weise das Grauen des Krieges – für die Soldaten an der Front wie für die Familien daheim.

    Nach 15 Monaten Zwangsarbeit in einer tschechoslowakischen Uranmine wagte Josef Chervatin schließlich die Flucht. Neben seinen Briefen enthält dieses Buch auch einen berührenden Bericht von dieser Flucht, den er nach seiner Heimkehr verfasste."


    Grüße

    Jockel

    Nach dem 20.7.1944 wurde auch die

    Wehrmacht politisch.

    Hallo Bert,


    diese Feststellung ist mißverständlich, da selbstverständlich die Reichswehr/Wehrmacht Politik machte. Der Aufstieg Hitlers wurde seit seiner Münchner Nachkriegszeit von der Reichswehr unterstützt. Schon Konrad Heiden schrieb: "Der Nationalsozialismus war die politische Bewegung, die gegen die Gesetze Waffen trug; die alte Reichswehr war der Waffenträger, der gegen die Gesetze Politik machte. So entstand das Dritte Reich."


    Grüße

    Jockel

    Hallo Bert,


    das Staatsarchiv Würzburg verfügt über rund 19.000 sehr gut erschlossene Gestapo-Akten. Daraus sind die von mir genannten Fälle.


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    ein weiterer Fall der Denunziation eines Soldaten durch seine Ehefrau:


    Am 1.5.1941 heiratet ein hoch verschuldeter Landwirt. Zu einem Eheleben kommt es nicht, denn schon am nächsten Tag muss der Ehemann zur Wehrmacht einrücken.

    Als der Ehemann im August 1941 Urlaub erhält, kommt es zwischen den Eheleuten zum Streit um Geld. Der Mann schickt seine Frau aus dem Haus. Die Frau kehrt zu ihren Eltern zurück. Im Dezember 1941 geht sie zur Gendarmerie und denunziert ihren Ehemann, der mehrfach geäußert hätte "er ziehe keine Kinder für das Dritte Reich zum Totschießen groß."

    Die Meldung kommt zum Landrat. Um der Denunziation der Ehefrau die Gefährlichkeit zu nehmen, beschreibt der Gendarmerieposten den Ehemann als einen eigenartigen Menschen, dessen Leidenschaften nicht jeder vertragen könne.

    Der Landrat sieht "nach Lage der Dinge" zwar von einer Mitteilung an den Truppenteil ab, in dem der Ehemann Dienst tut, verständigt aber die Gestapo Würzburg von dem Fall. Die Gestapo informiert umgehend die Abwehrstelle des Wehrkreises XIII in Nürnberg und bittet darum "von dem Veranlaßten" Kenntnis zu geben. Am 14.1.1942 weist die Abwehrstelle den zuständigen Einheitsführer des Pferdelazaretts 606 an, den Ehemann zu vernehmen und ein Führungszeugnis mit Beurteilung zu erstellen.

    In seinem Einheitsführer, einem Oberstabsveterinär, findet der Ehemann einen verständnisvollen Vorgesetzten. Der Oberstabsveterinär teilt der Abwehrstelle als Ergebnis der Vernehmung mit:

    "daß derselbe infolge Einberufung zum Heeresdienst in schwierige wirtschaftliche Verhältnisse geriet und zur Zeit seiner Einberufung heiratete, um seine Landwirtschaft zu erhalten. Insbesondere war auch sein 75jähriger Vater zu versorgen, welcher infolge Arterienverkalkung völlig hilflos war und in der Zwischenzeit verstorben ist. Die Frau genügte in keiner Weise den ihr obliegenden Pflichten, so daß der Ehemann gezwungen war, sich von ihr zu trennen und die notwendigste Pflege seines Vaters und seiner Haushaltung fremden Leuten zu übertragen. Nach Ansicht der Dienststelle handelt es sich bei der Angabe der Frau um einen Racheakt..."

    Erst jetzt gibt sich die Gestapo zufrieden. Am 19.3.1942 vermerkt sie in ihren Akten:

    "Der getrennt lebende Landwirt wurde von seiner Frau beschuldigt, sich staatsabträglich geäußert zu haben. Da der einwandfreie Nachweis hierfür nicht erbracht werden konnte, wurde von staatspolizeilichen Maßnahmen abgesehen."


    Grüße

    Jockel

    Hallo Jockel.

    das ist für mich schon starker Toback, was Du da heraus gefunden hast. Selbst wenn Vertreter der NSDAP eine Begnadigung gutheißen, muss die Ehefrau selbst nach damaligen Maßstäben moralisch und sittlich weit unten gestanden haben. Selbst dem verantwortlichen Kriegsrichter ist es nicht gelungen, die Frau von ihrem verwerflichen Tun abzuhalten. Ist denn bekannt, ob es nach dem Krieg noch ein gerichtliches Nachspiel für diese Frau gab?

    MfG Wirbelwind

    Hallo Wirbelwind,


    die Ehefrau wurde am 7.6.1948 von der Spruchkammer Gemünden wegen der Denunziation zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, von denen sie 14 Monate und 18 Tage bis zum 30.8.1949 verbüßte. Einen Tag später wird sie in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Würzburg erhebt Anklage wegen schwerer Freiheitsberaubung. Da im Laufe des Prozesses der dringende Verdacht des versuchten Totschlags oder gar Mordes aufkommt, wird das Verfahren an das wiedereingeführte Schwurgericht Würzburg verwiesen, das die Angeklagte am 6.2.1950 zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

    Dieses Urteil wird auf Revision der Ehefrau vom Bayerischen Obersten Landgericht am 11.10.1950 aufgehoben und das Verfahren an das Würzburger Schwurgericht zurückverwiesen. Am 29.11.1950 wird die Angeklagte mangels subjektiven Tatnachweis freigesprochen, wogegen nunmehr die Staatsanwaltschaft Revision einlegt, der der Bundesgerichtshof am 8.7.1952 stattgibt. Erneut muß das Würzburger Schwurgericht verhandeln und kommt am 5.12.1953 zu folgendem Urteil:

    "Die Angeklagte wird wegen eines Verbrechens des versuchten Mordes in Tateinheit mit einem Verbrechen der schweren Freiheitsberaubung zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren verurteilt."

    Aus den Gründen:

    "Durch die abzuurteilende Tat hat die Angeklagte die aus der Ehe erwachsene Treuepflicht gegenüber dem Ehemann auf das niederträchtigste verletzt, wobei besonders die Stärke und Hartnäckigkeit ihres verbrecherischen Willens hervorstechen. Sie hat sich nicht geschämt, ihren Mann, der als Soldat seine Pflicht getan hat, während sie selbst ein liderliches Leben mit anderen Männern führte, unbarmherzig dem Henker auszuliefern. Sie hat dies zu einer Zeit getan, als der Krieg dem Ende zuging und jeder Anständige sich bemühte zu retten, was noch zu retten war, vor allem aber jedes unnötige Blutvergießen zu verhindern. Ihr Verhalten vor, bei und nach der Tat beweist eine ungewöhnliche Gefühlsroheit, die gerade mit Rücksicht auf die bestehende eheliche Lebensgemeinschaft besonders verwerflich und strafwürdig ist."


    Dieses Urteil ist seit dem 12.4.1954 rechtskräftig.


    Grüße
    Jockel

    Hallo zusammen,


    da gab es tatsächlich Fälle, die den Tod des bei der Wehrmacht dienenden Ehemannes sehr direkt forderten.


    Einen besonders krassen und folgenschweren Fall von Denunziation unter Eheleuten kann man in den Akten der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Würzburg nachlesen. Noch gegen Ende des Krieges versuchte eine Frau aus purem Eigennutz, ihren Mann -einen Soldaten- wegen angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen hinrichten zu lassen.


    Das Ehepaar hatte 1929 geheiratet und 1933 ein Einfamilienhaus gekauft. Die Ehe blieb kinderlos und war offenbar recht harmonisch bis der Ehemann 1940 zur Flak eingezogen wird. Etwa zweimal in jedem Kriegsjahr kam er auf Urlaub. Der Ehemann genießt einen tadellosen Ruf in seiner Gemeinde. Der Lebenswandel seiner Ehefrau erregt derartiges Aufsehen, daß der Ortsgruppenleiter die NS-Frauenschaft auffordert, die Ehefrau ernstlich zu verwarnen.


    Der Ehemann weiß anscheinend von nichts und kommt im Herbst 1944 wieder auf Urlaub. Er schimpft auf den Krieg und die Nazis. Äußerungen fallen wie "Goebbels ist ein Lump" und "Wenn Hitler am 20. Juli krepiert wäre, dann wäre der Saustall zu Ende".


    Im Oktober 1944 denunziert die Ehefrau ihren Mann bei einem SA-Sturmführer. Dieser erkennt schnell, daß die Ehefrau aus persönlichen Gründen handelt, und will damit nichts zu tun haben. Er sagt sogar, sie solle daran denken, daß es ihren Mann den Kopf kosten könne. Doch immer wieder drängt sie ihn, ihren Mann verhaften zu lassen. Aber der SA-Sturmführer unternimmt nichts dergleichen. Nur einmal erzählt er dem Ortsgruppenleiter davon, doch auch der will unter Hinweis auf den schlechten Leumund der Ehefrau nichts mit der Sache zu tun haben.


    Eines Tages fragt der Kreisleiter beim Ortsgruppenleiter an, warum dieser den Vorfall bisher nicht gemeldet habe. Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Am 10.2.1945 wird der Ehemann auf fernmündliche Anweisung des Kreisleiters von der Ortspolizei festgenommen und einen Tag später der Würzburger Außenstelle des Feldgerichts beim Luftgau XVI überstellt und in Haft genommen.


    Der zuständige Kriegsrichter belehrt die Ehefrau über ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Doch trotz eindringlicher Mahnung des Richters, es gehe um den Kopf ihres Mannes, gibt sie ihre Denunziation zu Protokoll und beharrt darauf, vor Gericht gegen ihren Mann auszusagen. Darüber ist der Kriegsrichter so empört, daß er die Ehefrau später vor einer Protokollführerin ein "Schwein" nennt.


    Am 17.2.1945 wird die Hauptverhandlung vor dem Feldgericht eröffnet. Tat-und Hauptbelastungszeugin: die Ehefrau. Erneut wird sie von dem Vorsitz führenden Kriegsrichter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht hingewiesen. Doch die Ehefrau wiederholt ihre früheren Angaben. Nach kurzer Beratung erklärt das Gericht, daß es mangels Beweisen zu keiner Verurteilung kommen könne und der Ehemann zur Truppe zurückgeschickt werde. Da springt die Ehefrau erregt auf und ruft: "Was, wegen Mangel an Beweisen? Ich kann das beweisen und beschwören, und das tue ich auch!"


    Ein letztes Mal versucht der Kriegsrichter, die Ehefrau zu stoppen. Doch die Ehefrau schwört und das Kriegsgericht verurteilt den Ehemann auf Antrag des Anklagevertreters zum Tode.


    Die Verwandten des Ehemannes stellen ein Gnadengesuch, unterstützt von Funktionären der NSDAP und der örtlichen Polizei. Die Ehefrau fragt bei der Ortsgruppenleitung an, ob sie auch dann weiter finanzielle Hilfe bekomme, wenn ihr Mann hingerichtet worden sei.


    Das Todesurteil wird nicht vollstreckt. Wobei es bis heute unklar ist, ob der Ehemann begnadigt oder das Urteil wegen des Kriegsendes nicht mehr bestätigt worden ist. Der Ehemann bleibt bis April 1945 in Haft, kommt dann wieder an die Front und geht bei Kriegsende in Kriegsgefangenschaft.


    Grüße

    Jockel

    Hallo,


    Hitler hatte nach Kriegsbeginn noch Gefallen daran gefunden, Orden zu verleihen und Marschallstäbe zu überreichen. Er wollte dadurch eine persönliche Beziehung zur militärischen Elite herstellen und diese an sich binden.

    Aber bereits im Sommer 1943 äußerte er sich im Kreis seiner Vertrauten nur noch verächtlich über das ganze "Brimborium", für das er "überhaupt kein Verständnis aufbringen könne".

    (Volker Ullrich: Adolf Hitler und Goebbels Tagebücher T. II, Bd. 9, S. 333 (v. 21.8.1943).


    Grüße

    Jockel

    Hallo,


    wer Rückgrat zeigte, sich nicht einschüchtern ließ, den behandelte Hitler durchaus mit Respekt. Wer sich ihm beflissen und unterwürfig näherte, den traktierte er häufig mit herabsetzenden Bemerkungen.

    (Volker Ullrich: Adolf Hitler)


    Grüße

    Jockel

    Hallo Anhalter,


    vermutlich ist die nachfolgend beschriebene Situation gemeint:


    Volker Ullrich schreibt in "Adolf Hitler":


    Als Reichskirchenminister Kerrl Anfang Dezember 1938 erneut einen Anlauf nahm, die evangelische Kirche der staatlichen Zwangsaufsicht zu unterwerfen, gab ihm Hitler, wie Goebbels vermerkte, "den Befehl abzustoppen": " Wir werden jetzt zuerst einmal die Judenfrage lösen."


    (Goebbels Tagebücher, T.I, Bd.6, S. 215 v. 8.12.1938).


    Grüße

    Jockel

    Hallo,

    ich denke, da muß man schon Unterschiede machen. Ohne das jetzt näher vertiefen zu wollen, aber von Mitgliedern des ehemaligen bayerischen Königshauses, den Wittelsbachern, wird man keine solche "Ergebenheitsadressen" finden. Vor allem nicht vom damaligen Chef des Hauses, dem Kronprinzen Rupprecht.

    Grüße
    Jörg

    Hallo Jörg,


    Du hast vollkommen recht: Es gibt immer Ausnahmen.


    "Es gab im preußischen Adel „praktisch keine der berühmten Familien, die nicht dabei war“, sagt Historiker Stephan Malinowski, Verfasser des Bandes „Vom König zum Führer“.


    70 Mitglieder des Hochadels traten schon vor 1933 in die NSDAP ein; bis 1941 waren es schon 270. Der Kleinadel tat es ihnen gleich: Aus 350 stichprobenartig untersuchten Familien traten laut Malinowski fast 3.600 Adlige der NSDAP bei, darunter allein 43 Bismarcks und 41 Schulenburgs. Und jeder vierte von ihnen vor 1933.


    Schon 1920 hatte die Deutsche Adelsgenossenschaft einen internen "Arierparagraphen" eingeführt, der - gemäß der Ideologie der Nazis - weit zurückreichte: Mitglied im "Eisernen Buch des deutschen Adels deutscher Art (EDDA) konnte nur sein, wer "arische" Vorfahren bis 1800 nachwies.


    Grüße Jockel

    Hallo zusammen!


    Erstaunlich ist auch bei diesen Mitteilungen bzw. Antwortschreiben die relativ häufige Erwähnung von "Gott". Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass Hitler sehr viel von der Institution Kirche und Gott hielt.


    Gruß Stephan

    Hallo zusammen,


    das ist ein sehr interessantes Themenfeld: "Hitler, Kirche, Glaube und Gott". Wie Bert schreibt, ist Hitler tatsächlich nie formal aus der katholischen Kirche ausgetreten.


    Der Zeitzeuge Konrad Heiden schreibt in seinem Buch "Adolf Hitler":

    "Hitler glaubt an das Göttliche, doch sicher nicht an den Gott der Kirche. Er hat ein sehr persönliches Verhältnis zum Jenseitigen und glaubt an eine besondere Leitung durch das Schicksal. Im engeren Kreis hat er zwei Geschichten erzählt, die ihm das Anzeichen eines persönlichen höheren Schutzes sind. Er glaubt an Berufung und hört auf innere Stimmen."


    Volker Ullrich schreibt dazu in seinem Buch "Adolf Hitler":

    "Einerseits präsentierte sich der "Führer" als der vom "Allmächtigen" gesandte Messias, der das deutsche Volk von allen Übeln erlösen würde. Unentwegt beschwor Hitler die Macht des Glaubens, die angeblich Berge versetzen könne. Andererseits betonte er die Neutralität seiner Bewegung in religiösen Fragen."


    Mitte Dezember 1941 sagte Hitler:

    "Der Krieg wird sein Ende nehmen, und ich werde meine letzte Lebensaufgabe darin sehen, das Kirchenproblem noch zu klären. Die organisierte Lüge muß derart gebrochen werden, daß der Staat absoluter Herr ist."


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    Prinz August Wilhelm (Auwi), der den Nationalsozialisten vor 1933 nützliche Dienste leistete, weil er half, den Adel für die Hitlerbewegung zu begeistern, wurde vom "Führer" mit " Eure Kaiserliche Hoheit" angesprochen. Der britische Journalist Sefton Delmer war darüber sehr erstaunt.


    Goebbels gegenüber sprach Hitler immer wieder voller Verachtung über die Hohenzollern.


    Allerdings hatte Hitler es geschickt verstanden, Menschen, auch solche die er verabscheute, für sich zu gewinnen.

    Im Oktober 1931 äußerte sich die zweite Frau Wilhelms II, Hermine, begeistert darüber "wie sympathisch Herr Hitler gewesen sei: Sein guter und gerader Gesichtsausdruck und seine guten Augen und ihr Ausdruck ohne Falsch, hätten sie tief beeindruckt."


    Bei der Reichstagswahl 1932 hat Kronprinz Wilhelm öffentlich die Wahl Hitlers empfohlen.

    (Volker Ullrich: Adolf Hitler)


    Grüße

    Jockel

    Guten Tag allerseits,


    der Adel war dem "Führer" sehr zugetan. Kronprinz Wilhelm schrieb in seinem mit "Sieg Heil!" unterzeichneten Telegramm:


    "In dieser Stunde von historischer Bedeutung möchte ich Ihnen als alter Soldat und Deutscher voller Bewunderung die Hand drücken."


    Viktoria von Dirksen, die vor 1933 geholfen hatte, den Adel an die NS-Bewegung heranzuführen, drahtete:


    "Hunderttausendfaches Sieg Heil, Sieg Heil dem geliebtesten Führer".


    Friedrich Franz Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, seit 1933 in der NSDAP und SS, beglückwünschte Hitler,


    "tiefergriffen durch die Nachricht von der Besetzung von Paris" und erbat zugleich "Gottes Segen" für ihn und die "unvergleichliche Wehrmacht."

    (Volker Ullrich: Adolf Hitler)


    Der einfache Justizinspektor Friedrich Kellner schreibt in sein Tagebuch:


    " 17.6.1940

    Ich habe in diesen Tagen viele deutsche Menschen gesprochen, die durchaus nicht begeistert sind von dem deutschen Siegeszuge. Irgend ein dunkles Gefühl sagt ihnen, daß das ein Sieg mit einem schlimmen Ende geben kann.


    24.7.1940

    Nach dem unverständlichen Zusammenbruch Frankreichs kann es eigentlich der breiten Masse des deutschen Volkes noch nicht einmal verübelt werden, wenn sie der natsoz. Propaganda voll u. ganz erlegen ist. Das eigene Denken ist bei 99% aller Deutschen ausgeschaltet. Eine grenzenlose Überheblichkeit ist bei allen Schichten der Bevölkerung festzustellen. Ein unzerstörbarer Glaube an die Macht der Waffen. Es gibt nur eine handvoll Menschen, die sich kritisch mit der weiteren Entwicklung beschäftigen."


    Grüße

    Jockel

    Hallo zusammen,


    zu dem Thema "Schlußstrich unter den Holocaust" habe ich einen interessanten Artikel im "Historischen Lexikon Bayerns" gefunden.


    Das Historische Lexikon Bayerns ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Bayerischen Staatsbibliothek, der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten und der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.


    Dr. Edith Raim, Uni Augsburg, schreibt:

    "Festgehalten werden muss, dass die westdeutsche Justiz mit der Strafverfolgung von NS-Verbrechen vor eine Herausforderung gestellt war, wie sie Rechtspflegeorganen niemals zuvor begegnet war. Überdies wurden die NS-Prozesse über viele Jahre hinweg gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Deutschen durchgeführt. Denn je länger die Ahndung dauerte, desto größer war der Unwillen der Bevölkerung.
    Ende der 1950er Jahre war noch mehr als die Hälfte der Befragten für eine Fortsetzung der Strafverfolgung, doch bereits Mitte der 1960er Jahre votierte die Mehrheit der Befragten für einen Schlussstrich. 1969 traten 70 % für eine Beendigung der Strafverfolgung ein; 1975 wollten nur 25 % der Deutschen noch eine justizielle Ahndung von NS-Verbrechen sehen.
    Die Rufe nach dem "Schlussstrich" unter die Vergangenheit sind mittlerweile verstummt; das öffentliche Gedenken an die Verbrechen ist zum nationalen Projekt geworden. Die justizielle Aufarbeitung der NS-Verbrechen hat an diesem Mentalitätswandel der Deutschen einen nicht zu unterschätzenden Anteil gehabt.
    "


    Demnach wäre das Thema ja geklärt.


    Grüße

    Jockel