Posts by DR40eghs

    Hallo Ottmar,


    ich habe die Berichte seiner Staffelkameraden intensiv studiert. Er griff um 15:05 von West nach Ost an, um die Sonne im Rücken zu haben. Um überhaupt treffen zu können, musste er im Gleitflug angreifen und im passenden Moment die Maschine abfangen und hochziehen.

    Für mich sieht es so aus, dass er ein wenig zu ehrgeizig war und zu lange mit dem Abfangen gewartet hat. Das Zielen durchs Reflexvisier behindert auch die Sicht nach vorne. Durch das zu späte Abfangen (zu langes Schießen, um auch den Zug/Lokomotive mit Sicherheit zu zerstören) hat er den Mast entweder zu spät gesehen und/oder war zu tief und zu schnell um noch auszuweichen. Das Mündungsfeuer der Flächenwaffen und die Rauchspuren der Schüsse wurden wohl irrtümlicherweise für das Brennen der Maschine gehalten.

    Der Angriff erfolgte sicherlich mit +500 km/h - entsprechend groß ist der Abfangbogen bzw. die Kurvenradien.

    Wenn er langsamer anfliegt, riskiert er von der Leichten Flak getroffen zu werden. Es war zwar keine da - aber das konnte er ja nicht wissen.Also mit Vollgas im Gleitflug drauf aufs Ziel.


    Er war zwar sehr erfahren - flog aber die Spitfire noch nicht sehr lange, max. ein paar Wochen/Monate.

    Und Tiefangriffe im gebirgigen Gelände sind "trickreich". Wenn er genau in Richtung der Bahnlinie auf den Bahnhof Haslach zuflog, hatte er im geraden Abflug die Hügel östlich des Bahnhofs vor sich. Diese Hügel sind 300 m höher als der Talgrund. Daher ist auch denkbar, dass er zum Ende seines Anflugs eine Linkskurve einleitet (auf Fischerbach zu) und mit der nun tiefer hängenden linken Tragflächenspitze am Hindernis hängen blieb. Das Hindernis selbst (den Mast) konnte er im Gleitflug nicht sehen (Projektion gegen den Boden) - die Masten sieht man erst gegen den Himmel, wenn die Spitze über den Horizont ragt. Der Mast war sicherlich nicht in Signalfarben angemalt (von oben: grau gegen grau).


    Meine Meinung: er hat sich einfach verschätzt bzw. das Hindernis zu spät gesehen um noch ausweichen zu können.

    Shit happens.


    V. Grüße, Uwe K.

    Hallo Dieter,

    > Dann dürfte das "Schwarm E" für die Art des Einsatzes/Übung gestanden haben.

    So ist es.

    Gruße, Uwe K.

    Hallo Rolf,


    in Beitrag #5:

    > Eventuell weiß noch jemand was über Todesumstände vom Piloten Grieshaber.


    Einsatz bei der 7./NJG 2 in der Nacht 27./28.1.1944 gegen den RAF-Angriff auf Berlin.

    Infolge Beschädigung durch eigene Flak Absturz der Maschine bei Zwintschöna (~8 km südöstlich Halle).

    Bordfunker- und -mechaniker konnten unverletzt abspringen.

    Die Besatzung Grieshaber flog die Ju 88 C-6, 750332, R4+ER, die natürlich bei diesem Feindflug zu 100% zerstört wurde.

    Die III./NJG 2 flog im Januar 44 vom Fliegerhorst Gilze-Rijen (NL) Einsätze im Rahmen der Verfolgungsnachtjagd.


    Ich hätte da noch eine für mich ziemlich wichtige Frage, lieber Rolf:

    - wie möchtest du es denn in deiner geplanten Publikation mit den Referenzen halten?

    - Für jedes Unterthema separat (Fußnoten) oder einmalige Namensnennung oder nur das Forum als "schwammige geistige Masse"?

    - Darf ich mit einer namentlichen Nennung rechnen - oder planst Du ein pauschale Nennung des FdW, oder fällt das ganz sowieso unter den Tisch?


    Gruß, Uwe K.

    Hallo,


    der Flugbuchauszug in Beitrag #5 zeigt ein typisches Ausbildungsprogramm in der Ergänzungsgruppe.

    Die Angehörigen des Fliegenden Personals bestanden aus Neuzugängen, die direkt von einer Jagdfliegerschule kamen und in der E.-Gruppe das Fliegen unter einsatzähnlichen Bedingungen übten und in der E.-Gruppe auf ihre Versetzung zu einem Frontverband (Jagdgruppe) warteten. Als Lehrpersonal wurden erfahrene Jagdpiloten eingesetzt, die vorübergehend in der E.-Gruppe vom Fronteinsatz pausierten und dann wieder in den Einsatz zurückkehrten. Die. E.-Gruppen hatten meist auch eine Einsatzstaffel, in der die erfahrenen Jagdlehrer "scharfe" Einsätze oder Überwachungsflüge flogen (Küstenüberwachung).

    Das Übungsprogramm umfasste u.a.,:

    - Kunstflug

    - Kleinorientierung

    - Luftschießen

    - Rotteneinsätze

    - Schwarmeinsätze

    - Staffeleinsätze


    Bei den Rotte-/Schwarm-/Staffeleinsätzen wurde das (möglichst schnelle, Stichwort: Alarmstart) gemeinsame Starten, Einnehmen der Formation, Kurvenwechsel mit Unter- und Überschneiden, möglichst schnelles Steigen auf Einsatzhöhe, usw., geübt - ohne dass die Formation auseinanderplatzt, und all dies möglichst ohne Kollision.


    Die Einsatzmaschinen (Bf 109 E/F/G) trugen als Kennung eine Ziffer, die Farbe kennzeichnete die Staffel (1.: weiß, 2.: rot oder schwarz, 3.: gelb, (4..: blau)). Die Zuordnung zu einer eindeutigen Werknummer nur aus der Kennung ist nicht möglich. Wenn eine "weiße 7" zerstört oder unbrauchbar wurde, dann gab es eine Neuzuführung aus gebrauchten Maschinen der Einsatz-Jagdgruppe (die dann als Ersatz das jeweils neueste und leistungsfähigste Muster aus der Neuproduktion zugeführt bekamen). Die Zuführung konnte auch aus der Luftflotten-Reserve erfolgen, wo gebrauchte, ältere Einsatzmaschinen zwischengelagert wurden.


    Die mit Stammkennzeichen markierten Flugzeuge (im Beispiel die Fw 44 und Ar 96) sind eindeutig, entsprechen 1:1 einer Werknummer.

    Die Zuordnung kann z.B. der Online-Datenbank: Stammkennzeichen.de entnommen werden.


    Gruß, Uwe K.

    Hallo Thomas,


    > was meinst du denn warum meine Unterlagen gelöscht wurden?

    heute Nacht war noch der Name der Sachbearbeiterin aus der WASt deutlich lesbar. Datenschutz.

    Ob das aber der Grund war?


    Zum Opa: evtl. wurde er ja auch bei den Kämpfen im Donbogen so schwer verwundet und ausgeflogen.

    Das war dann das Ende seiner Fronteinsätze..

    Das sollte dann aber auf der Karteikarte vermerkt sein, also nicht mehr frontverwendungsfähig, oder so.


    Gruß, Uwe K.

    Hallo Thomas,

    ich hatte gehofft, dass noch andere Foristen antworten.

    Gesten Nacht habe ich noch den handschriftlichen Lebenslauf gelesen, der scheint aber wieder gelöscht.

    Und das Antwortschreiben der WASt hast Du auch noch mal neu eingestellt - ich kann mir denken wieso.


    Im Lebenslauf war die Zugehörigkeit zur Flugzeugführerschule Warnemünde dokumentiert.

    Der Lebenslauf enthielt keinen Hinweis auf ein Flugzeugführerausbildung. Er schien dort dem allgemeinen Personal angehört haben.

    Dazu muss man wissen, dass nur ein kleiner Teil einer Flugzeugführerschule zum Fliegenden Personal gehörte, oder zu den Flugschülern. Weitaus zahlreicher waren das Allgemeine (Stabskompanie - Küche, Schreibstube, Stab, Fahrdienst) und das TechnischePersonal (Flugzeug, Motoren- und Waffenwarte), oder die Fliegerhorstkompanie (Schreibstuben, Flugsicherung, Funk-, Wach- und Fahrdienst, Tankstelle, Mun-Lager, usw.).


    Auf diese allgemeinen Einsatz deutet auch der weitere Werdegang (WASt.) bis Ende 1942 hin.

    Auch hier kein Hinweis auf eine fliegerische Ausbildung.

    Stand nicht im Lebenslauf etwas zu einer Ausbildung als Kraftfahrer? Das würde zu den weiter genannten Verbänden passen.


    Geriet er schon im Donbogen in russische Gefangenschaft?

    Wo und wann zog er sich die schwere Verletzung am Auge zu?


    Um eine Verwechslung (Namensvetter mit gleichem Geburtstag- und Ort) scheint es sich nicht zu handelt.

    Ich bin mit meinem Latein am Ende.


    Zur weiteren Aufklärung bedarf es weiteren "Futters".


    Beste Grüße,

    Uwe K.

    Hallo Rainer,

    den französischen Artikel habe ich nicht gelesen - war der hier verlinkt oder der Ort genannt, so dass ich per Suchfunktion leicht darauf hätte zurückgreifen können? Pardon - das muss ich in der Eile überlesen haben.

    Und dass mein Beitrag nicht ernst gemeint war ist ja wohl offensichtlich.

    Servus, Uwe K.

    Hallo Stefan,

    auch in französischsprachigen Zeitungen werden bei Munitionsfunden falsche Bezeichnungen verwendet. Neulich wurde an an der Bahnlinie mehrfach "Granaten" mit bis zu 500 Kg Sprengstoff.

    Gruss

    Rainer

    Hallo,

    ein seltener Fund. Die Munition gehörte dann sich zum 38 cm Eisenbahngeschütz.:D

    Der "Siegfried" konnte auch 800 kg Granaten verschießen - die Sprengstofffüllung dürfte dann in dieser Größenordnung liegen.

    Oder es war etwas ganz anderes?

    Was ich damit sagen möchte: es gab durchaus Granaten dieser Größe. Nicht nur Bomben.

    Gruß, Uwe K.

    Guten Abend Uwe aus Oranienburg,


    ich höre/lese zum ersten Mal von einer MW 40 Anlage.

    Eine Probesuche im Internet ergibt für die Kombination Jumo 213 und MW 50 insgesamt 6240 hits (Treffer). Die gleiche Abfrage mit MW 40 ergibt exakt 0 (Null) Treffer. Das gibt mir schon zu denken.


    Kann es sich bei deiner nicht genannten Quelle um einen simplen Vertipper handeln? Die Tasten 5 und 4 liegen ja nicht sehr weit auseinander.


    Die Anlagen (Einbausätze) für verschiedene Flugzeugtypen unterschieden sich sicherlich in Punkto: Tankgröße und -form, Länge und Konfektionierung der Leitungen zwischen Tank, Pumpe, Motor und Elektrik. Aber wieso eine geringfügig andere Mischung eine komplett unterschiedliche Anlage erfordern sollte - das erschließt sich mir nicht.

    Eigentlich geht es ja nur darum, dass eine Wassereinspritzung die Ladeluft kühlt und dadurch ein deutlich höherer Ladedruck und damit Leistung ermöglicht wird, ohne dass der Motor überhitzt. Das Methanol verhindert nur das Einfrieren. Wobei die mit MW 50 ermöglichten -50 Grad durchaus sinnvoll sind - das sind eben die Temperaturen in 8000-11000 m Höhe in unseren Breiten, und dort oben flogen die P-47 und P-51 herum.


    V. Grüße, Uwe K.

    Hallo Thomas,


    anscheinend gab es bei der damaligen WASt-Anfrage eine Verwechslung.

    Dein Großvater ist offensichtlich nicht gefallen und nicht vermisst.

    Ergo gibt es keine Gräberkarteikarte (Ancestry) und auch keinen Eintrag beim Volksbund oder beim DRK.


    Einzig die korrekte Zentralkarteikarte aus der WASt kann einen Hinweis liefern.

    Daraus müsste sich die Abfolge der Einheitszugehörigkeiten ergeben.


    Als Flugzeugführer einer Ju 88 müsste er zumindest folgende Ausbildungen/Schulen durchlaufen haben:
    - Flugzeugführerschule A/B

    - Flugzeugführerschule C

    - Kampffliegerschule, Fernaufklärerschule, Nachtjagdschule, Zerstörerschule (oder - eine davon, je nach Laufbahn)

    und danach, vor Versetzung in einen Einsatzverband zum Fronteinsatz

    - Ergänzungsgruppe/-staffel eines Kampf- oder Nachtjagdgeschwaders, der Fernaufklärer, der Zerstörer (oder)

    - Blindflugschule

    Das dauerte - alles in allem - mindestens 1 1/2 bis 2 Jahre.

    Das geht nicht "mal so nebenbei" - das ist ein kompletter Laufbahnwechsel, seine Polizeiausbildung nützt dazu sehr wenig.


    Die Ausbildung und das Fliegen in einem Einsatzverband hinterlassen Spuren:

    - diverse Auszeichnungen/Orden

    - Fotos in Luftwaffenuniform - er wäre der erste und einzige Flieger der keine Fotos in Fliegermontur hinterlassen hätte (Eitelkeit !)

    - Briefe, Urkunden, Ausweise (Flugzeugführerschein ELF, Flugbücher, ..., usw.) von diversen Stationierungen


    Falls davon gar nichts existiert - dann enthält der militärische Lebenslauf in der familiären Darstellung - gelinde gesagt - diverse Ungereimtheiten.


    V. Grüße, Uwe K.

    N'Abend,


    ich habe hier noch eine automatische Übersetzung aus dem Tschechischen von den Kollegen aus der Tschechischen Republik.

    Der Text ist grammatisch kein Highlight - enthält aber zusätzliche Infos (Fallschirmabsprung - zu tief).


    "5. November 1944 stürzte deutscher Jäger Bf 109 G-14 / AS WNr. 780675 "white 15" vom 13./JG 300 im Kataster des Bezirks Litvínov in Chudeřín. Der Pilot, Lt Walter Auernig, sprang aus der Maschine, aber aufgrund seiner geringen Höhe öffnete sich sein Fallschirm nicht und er starb. Das Flugzeug stürzte in der Nähe der Lüftungsgrube der Himmelsprinzen-Himmelfürst ab, in der sich heute eine Gartenkolonie befindet. Die Überreste des Piloten wurden auf dem alten, jetzt liquidierten Friedhof in Litvínov beigesetzt."


    V. Grüße, Uwe K.

    Guten Abend,


    5.11.1944, 13./IV./JG 300, Bf 109 G-14/AS, 780675, blaue 15, 100%, H

    Oberleutensdorf (= Litvínov, CZ), 10 km N Brüx (=Most)

    Absturz infolge technische Mängel
    (F) Ltn. Auernig, Walter [tot] (* 20.4.1923, Lavamünd / Kärnten (A), EGL: Marienbad / Marianske Lazne (CZ), "Gedenkbuch")


    Quellen: WASt. (NVM Abschrift), VDK


    Gruß, Uwe K.

    Hallo Matthias,


    wenn Du dir die Kosten für ein Buch sparen möchtest, dann gibt mal das Google-Suchfenster folgende Zeile

    ein (per Copy & Paste):

    site:http://www.luftwaffe39-45.historia.nom.br/ases/ "ZG"

    einschließlich der Hochkomma. Oder in der dortigen Indexseite nach "ZG" suchen.


    Und falls es mit dem Text in den Biographien Probleme gibt, hilft ein Internet-Übersetzer, z.B.

    https://translate.google.de/?h…&op=translate&sl=pt&tl=de

    hier gleich in der empfehlenswerten Einstellung Portugiesisch -> Deutsch.


    Gruß, Uwe K.

    Guten Abend,


    hier eine Verweis auf den "Klassiker":


    Ernst Obermaier: Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe 1939-1945. Band 1 - Jagdflieger

    (1966, Verlag Dieter Hoffmann, Mainz)


    Ich habe die 2., überarbeitete Auflage von 1989.


    Der Band enthält die Kurzbiographien der RK-Träger der Jagdflieger, Nachtjäger und Zerstörer-Besatzungen.


    V. Grüße, Uwe K.

    Guten Abend,


    Chef der Luftflotte 4 (Lfl. 4) im Südabschnitt der Ostfront war

    Gen.Feldm. Wolfram Freiherr von Richthofen


    Das Hauptquartier lag im Zeitraum 12/42 bis 02/43 in Nowotscherkassk und Taganrog und ab März 43 in Dnjepropetrowsk (Abkürzung: Dnjepro). Ich vermute, dass es sich um das rollende Hauptquartier der Luftflotte 4 handelte.


    Man achte auf das Datum: am 2. Feb. 43 kapitulierte der Nordkessel von Stalingrad - bis dahin koordinierte die Lfl. 4 die (gescheiterte) Luftversorgung des Kessels. Es scheint sich um die Rückverlegung des HQ der Lfl. 4 zu handeln.


    V. Grüße, Uwe K.

    Moin Uwe S.,


    ich habe das Wort "Story" deshalb in Gänsefüßchen gesetzt, weil ich das immer tue, wenn ich im Deutschen Begriffe einer Fremdsprache in den laufenden Text einbaue.

    Im Übrigen bezeichne ich mich selbst nicht als Spezialisten. Höchstens als den Einäugigen unter sehr vielen Blinden.


    Ich vermute ebenfalls, dass Walter Gross irgendwo im Raum Wesel - Moers - Kamp-Lintfort aufgefunden wurde. Und dass er an seinen Geburtsort zur Endbestattung überführt wurde. Für beides fehlen mir aber die eindeutigen Nachweise. Das könnt aber Ihr vor Ort noch herausfinden.


    Wie kann man das herausfinden?

    - im Landesarchiv NRW gibt es Unterlagen der Gendarmerie bis 1945 - evtl. gibt es darunter einen Bericht aus den ursprünglichen Landkreisen Wesel und Moers zum Fund der Leiche. Habt ihr das alles schon gelesen?

    - Türen in den Landkreisen abklappern

    - Unterlagen der damaligen Friedhöfe und Krematorien. Oft waren die verspätet aufgefundenen Leichen schon so verwest, dass eine Überführung nicht mehr in Frage kam und nach der Verbrennung im nächstgelegenen Krematorium nur die Urne mit der Asche an den Heimatort überführt wurde.


    Ja ich weiß - solche Recherchen kosten viel Zeit, Mühe und Geld. Das tut es mich auch. Na und?

    Also - fangt an.


    Und es sind noch Punkte aus der ursprünglichen Frage offen:


    1) Der Flugzeugführer von Fw. Walter Gross, der in Venlo mit unbeschädigter Maschine landete, war:

    Ofw. Gerhard Herzog (* 17.2.1919, Herlendorf/Thür., + 20.10.1943)
    Er ist als StFw. in der Nacht 20./21.10.43 bei der 10./NJG 1 beim Nachteinsatz gegen den RAF Angriff auf Leipzig nach Zusammenstoß mit einer Feindmaschine bei Visselhövede gefallen.


    2) Die Werknummer der fraglichen Maschine lautete korrekt: 2684, die Kennung lautete G9+FL

    Quelle für Beides ist die bereits erwähnte Namentliche Verlustmeldung (NVM) der I. Gruppe NJG 1 vom 15.4.1942.


    Die Namentlichen Verlustmeldungen waren für Luftkriegshistoriker (Ziel: Fachpublikation) in der Vergangenheit direkt bei der WASt nach Unterzeichnung eines Nutzungsvertrages in Berlin einsehbar. Bis in die 80er Jahre stellte die WASt auch noch Kopien her. Mit zunehmendem Missbrauch dieser Quelle (Stichwort: ständige Belästigung der in der NVM genannten nächsten Angehörigen, dort Bettelei nach Urkunden, Briefen, Fotos) und Verschärfung der Datenschutzrichtlinien und -vorschriften wurden die NVM mehr und mehr geschwärzt und der Zugriff eingeschränkt.


    Bis auf den Fundort und die Überführung(en) ist nun das Wesentliche geklärt.

    Wie lautet der nächste Fall?


    V. Grüße, Uwe K.

    Hallo Uwe S.,


    ich wüsste nicht, was es bei internen Berichten und Meldungen zwischen Dienststellen der Luftwaffe zu vertuschen gab Das wäre äußerst kontraproduktiv für die Ursachenforschung bei Unfällen oder im Feindeinsatz. Die internen Meldungen und Berichte - auf die ich mich hier eigentlich immer beziehe - unterlagen ja der Geheimhaltung, das hatte auf die Moral der Bevölkerung oder auf die Gefühle der Angehörigen keinerlei Auswirkung.


    Diese Meldungen haben ja mit der Propaganda nichts zu tun - wo es vielleicht etwas "zu vertuschen" oder zu beschönigen gab.


    Im Fall des Fw. Walter Gross lautet der Ursachen-Kurzbericht in der Namentlichen Verlustmeldung (NVM) wie folgt.


    "Beim Nachteinsatz in der Nacht vom 12./13.4.1942 kam das Flugzeug in 4000 m Höhe in's Trudeln. Der Flugzeugführer - xxxxxxxxxxxxxxxxxxx - befahl dem Bordfunker - Feldwebel Gross - auszusteigen. In 1800 m Höhe fing sich das Flugzeug und der Flugzeugführer landete auf dem Einsatzhafen. Hier stellte er fest, dass der Fallschirm des Bordfunkers am M.G.15 ungeöffnet hängen geblieben war. Von Feldwebel Gross fehlt seitdem jede Nachricht.

    Die Landratsämter Moers und Wesel wurden gebeten, nach dem vermissten Feldwebel Gross zu forschen. Bisher liegen noch keine Meldungen vor."

    ....

    Venlo, den 15.4.1942 Hauptmann und Gruppenkommandeur (Unterschrift Streib)"


    Was da bei Repelen (Moers), respektive beim heutigen Reiterhof "Dongrathshof", passiert sein soll, muss eine andere "Story" sein.


    Die in der Gräberkartei vermerkten Grablage(n) haben folgenden Hintergrund:

    - als Heimatanschrift und Wohnort der Ehefrau ist in der NVM der Ort Mastholde/Westfalen (damals Kreis Lippe) vermerkt

    - als letzter Wohnort ist Greiz/Thüringen eingetragen


    Normalerweise wurde bei Tod im Heimatkriegsgebiet an den Heimatort überführt und dort bestattet. Ab dem Zeitpunkt der Übergabe zur Überführung endete die interne Buchführung der Luftwaffe zur Person. Die endgültige Grablage sollte eigentlich von der WASt. auf der Karteikarte nachgetragen sein, ebenso der Ort der standesamtlichen Beurkundung des Todes. Für Fw. Gross ist in der NVM als zuständiges Standesamt Lippstadt eingetragen.


    Für mich immer noch unbeantwortet: wo wurde er (wenn überhaupt) aufgefunden? Der ursprüngliche Eintrag "Bönninghardt" bezieht sich auf die Vermisstmeldung.

    Wo wurde er erstbestattet, wo liegt er heute?


    Die fragliche Bf 110 F-4 war weiter im Einsatz und ging im März 1943 (jetzt beim NJG 5) verloren.


    Die in der Webseite fälschlicherweise angegebene WNr. 2694 flog tatsächlich bei der 3./NJG 1 und:

    - wurde zunächst am 3.7.42 in Venlo zu 10% durch Bombenwurf beschädigt

    - und am 27./28.8.42 bei Gouda/NL im Luftkampf abgeschossen, beide Insassen sind dabei gefallen..


    Zum Gruß, Uwe K.