Posts by Cristiane

    Hallo zusammen!


    Mein Vater (Jg. 1913) und sein ein Jahr jüngerer Bruder gingen auch "auf die Walz", wie man das damals nannte. Die Arbeitslosigkeit war damals wohl hoch, und man musste sich bei verschiedenen Bauern oder Handwerksbetrieben verdingen, um ein wenig Geld zu verdienen.

    Das gab es wohl häufiger. 1933 haben sich dann beide zum sogenannten 100.000-Mann-Heer in der Reichswehr verpflichtet.


    Gruß Cristiane

    Hallo Thomas und alle anderen!


    Es ging mir nicht um Deine Einstellung, Thomas, auch wollte ich keinesfalls den Eindruck erwecken, mir ginge es darum, auch auf das Leid der nichtjüdischen Bevölkerung hinzuweisen. Nur hatte ich zum Thema "Drittes Reich" keine anderen Bilder im Kopf , als die der verfolgten, geschundenen und ermordeten Juden. Diese Bilder haben in mir eine tiefe Trauer und eine große Wut auf die gesamte "Nazigeneration" ausgelöst, so dass eine Auseinandersetzung mit dieser Generation (im engsten Kreis meine Eltern) für mich nicht stattfinden konnte, weil die Verbrechen und die Schuld für mich im Vordergrund standen. Es wird immer behauptet, die Kriegsgeneration hätte ihren Kindern nichts erzählt, ich behaupte, viele wollten nichts hören, weil sie schon eine vorgefasste Meinung hatten. Somit blieb und bleibt fast alles im Dunkeln; das bedauere ich.

    An meiner Meinung hat sich nichts geändert, und ja, ich glaube an die kollektive Schuld der Deutschen. Hochachtung für all jene, die vergeben können, ich kann es nicht!


    Gruß Cristiane

    Hallo Thomas und alle anderen!


    Wie gut verstehe ich Thomas' Wut angesichts dieser furchtbaren Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung, aber auch an behinderten Kindern und Erwachsenen; die Empörung darüber, dass diese Verbrechen nach dem Kriege oft totgeschwiegen und schon gar nicht gesühnt wurden. Seit ich denken kann, habe ich unter den Bildern gelitten, mich oft sogar geschämt, Deutsche zu sein.

    Die Frage an meinen Vater und meine Mutter "Habt ihr von der Judenverfolgung gewusst?", diese Frage, die ja schon an sich impliziert, dass sie es gewusst haben könnten, hat alle weiteren Fragen bezüglich Nazizeit und Krieg verhindert.

    Von den Zeiten meiner Eltern im Kriege (Vater an so gut wie allen Fronten; Mutter mit Kind alleine in einer fremden Stadt, dann Flucht) wollte ich nie etwas wissen, weil der Holocaust - begangen von Deutschen - für mich das furchtbarste und niederträchtigste Verbrechen der Menschheit war und ist und daher immer im Vordergrund stand.

    Heute bedauere ich zutiefst, meine Eltern nicht danach gefragt zu haben, was sie alles durchmachen mussten, nie habe ich nach den vermissten und gefallenen Brüdern gefragt, nicht danach, wie es war, nach der Flucht alles verloren zu haben usw...

    Das hat bestimmt nichts mit Aufrechnung oder Relativierung zu tun, auch nicht damit, wer die Schuld trägt, sondern einfach damit, dass der Blick auf das Leid der einen nicht den Blick auf das Leid der anderen verstellen darf.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    In meinem leider spärlichen Fundus von Schwarz-Weiß-Fotos aus der Kriegszeit findet sich auch eines, auf dem eine Tante vor einem Straßenbahnwaggon in der Uniform einer Schaffnerin abgebildet ist. Wo und wann das Bild aufgenommen wurde, ist mir nicht bekannt (evtl. Wien). Meine Tante wurde wohl im Krieg als Straßenbahnschaffnerin eingesetzt, ihr Beruf war es sicher nicht.


    Gruß Cristiane

    Guten Morgen Micha und alle anderen!


    Es ist fast unmöglich, die Herkunft der Aufnahmen aus der Zeit, die in viele (oft auch in mehrere verschiedene) Dokumentationen eingeschnitten werden, festzustellen. Das habe ich schon probiert und wurde an etliche Fersehredaktionen verwiesen, leider ohne Erfolg. Dass diese Filmaufnahmen - wie im obigen Falle - oft verstören und man gerne mehr über die dargestellten Menschen und Situationen erfahren möchte, dies aber nicht kann, ist sehr schade. Leider sind in vielen Fällen die Quellen der Aufnahmen nicht bekannt.


    Schönen Sonntag!

    Cristiane

    Guten Tag!


    Anlässlich des heutigen Tages möchte ich besonders des Generalfeldmarschalls Erich von Witzleben gedenken.

    Als dieser Mann - abgemagert und seiner Hosenträger beraubt - sich von dem Bluthund Freisler aufs gemeinste beleidigen und verunglimpfen lassen musste, der Gedanke an diese Bilder treibt mir die Tränen (von Tauer und Wut) in die Augen.


    "Den Tod meines Vaters verwinde ich nie!"

    (Edelgarde Reimers, geb. von Witzleben)


    In dankbarem Gedenken an die Helden des 20. Juli 1944!

    Mögen sie uns allen Vorbild sein!


    Cristiane

    Hallo zusammen!


    Anlässlich des morgigen Jahrestages möchte ich auf eine Sendung von 2002 hinweisen: "Die Stunde der Offziere", eine Mischung aus Spielszenen, Interviews mit Zeitzeugen sowie historischen Aufnahmen, kann man bis zum 29. Juli auf arte ansehen.

    Besonders eindrücklich die Spielszene eines Gespräches unter vier Augen, wobei von dem Bussche Stauffenberg von den Gräueltaten und Erschießungen in der Ukraine berichtet: "Kleinkinder wurden aus den Armen ihrer Mütter gerissen..."

    Die darauffolgende Szene aus dem Archiv, wo ein kleines Kind zu sehen ist, das von seiner Mutter getrennt wird und versucht, wieder zu ihr zu gelangen, dabei hinfällt...unerträglich!


    Danke an all diese Offiziere, die ihr Leben geopfert haben oder bereit waren es zu opfern.



    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Komme eben von einem Besuch aus den USA zurück und habe die Berichterstattung im TV sowohl anlässlich des "Memorial Day" als auch des "D-Day" gesehen. Wie die USA damit umgehen ist deren Angelegenheit.

    Nachdenklich hat mich gemacht, wie wir Deutsche damit umgehen, dass eine ausgeblutete Wehrmacht besiegt und ein zerbombtes Deutschland "befreit" wurde.

    Mitleid und Trauer empfinde ich beim Anblick der Soldaten, die auf dem Weg zum Strand der Normandie niedergemäht wurden, aber eben auch...


    Nachdenkliche Grüße,

    Cristiane

    Hallo zusammen!


    Die provokante Fragestellung zum Start dieses Threads sollte wohl so einiges in Bewegung bringen, was ja auch funktioniert hat.

    Geschrieben wurde viel, jeder darf seine Meinung kundtun, heute ist das möglich, ganz anders als damals.

    Wir, die Nachgeborenen, mussten diese Zeit nicht erleben, alles was wir wissen können, stammt aus den zahlreichen Berichten und Dokumentationen über die Nazizeit und den Holocaust.


    Zuallererst empfinde ich tiefe Trauer für die gedemütigten, geschundenen und ermordeten Menschen, Entsetzen darüber, wie kleine Kinder ihren Müttern entrissen, wie sie gequält wurden im Dienste einer perversen "Wissenschaft" und Fassungslosigkeit, dass all diese unvorstellbar grausamen Verbrechen von Deutschen begangen wurden.


    Dann bedauere ich, dass dieses immense intellektuelle und kreative Potential der geflüchteten und ermordeten jüdischen Menschen für Deutschland verloren ging, was für ein Verlust!


    Die Frage, die ich stelle ist nicht, ob man noch etwas diskutieren oder "aufarbeiten" sollte, (m. E. eine unglückliche Formulierung in diesem Zusammenhang), sondern, ob wir zur Trauer fähig sind...


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Die Einheit meines Vaters wurde Anfang 1939 von Ansbach nach Wien versetzt. Mein Vater, meine Mutter und meine Schwester, damals im Säuglingsalter, bezogen eine Wohnung im 3. Wiener Gemeindebezirk. Obwohl meine Mutter noch weniger über die Kriegszeit erzählte als mein Vater, blieb mir eine ihrer Erzählungen im Gedächtnis: Meine Mutter betrat ein Geschäft (welcher Art weiß ich nicht mehr, eine Metzgerei vielleicht, jedenfalls war sie dort bekannt) mit "Grüß Gott", worauf ihr die Geschäftsfrau barsch antwortete "H... H.....!" heißt das, Frau ......


    Gruß Cristaine

    Hallo zusammen!


    Was Bert drangsalieren nennt, hat mein Vater immer "schleifen" genannt. Er hat z. B. erzählt, dass er als junger Rekrut bei der Reichswehr mit anderen auf Bäume klettern musste; sie hatten dann laut zu schreien, dass sie als Söhne von Affen und zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt seien. Der eigene Wille wurde gebrochen, jegliche Äußerung von politischer Meinung war strengstens untersagt.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    So ging es auch meinem Vater, er hatte genug von Barras und Krieg, außerdem war er bei Kriegsende "schon" 32 Jahre alt.

    Auch mochte er keine Waffe mehr in die Hand nehmen; auf dem Rummelplatz wollte ich immer, dass er was für mich schießt, keine Chance!

    Dachte manchmal, vielleicht könne er nicht gut schießen, heute sehe ich die Schützenschnur auf den Bildern in Uniform und weiß es besser.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Mein Vater hatte sich Anfang September 1933 für 12 Jahre bei der Reichswehr zum sogenannten 100.000-Mann-Heer verpflichtet. Seine Dienstzeit hätte somit regulär Ende August 1945 geendet, war dann ja mit der Kapitulation am 08. Mai 1945 vorbei. Eine nahtlose Übernahme in den öffentlichen Dienst war wohl nicht so einfach, er musste sich jahrelang mit Hilfsarbeiten durchschlagen, bevor er 1951 einen völlig anderen Beruf erlernte, in dem er dann schließlich verbeamtet wurde. Um die Anerkennung der Dienstjahre bei Reichswehr/Wehrmacht musste er laut mir vorliegenden Unterlagen lange kämpfen, und das hatte er ja - und ich sage das ohne jede Ironie - gelernt.


    Gruß Cristiane