Posts by Cristiane

    Hallo zusammen!


    Die provokante Fragestellung zum Start dieses Threads sollte wohl so einiges in Bewegung bringen, was ja auch funktioniert hat.

    Geschrieben wurde viel, jeder darf seine Meinung kundtun, heute ist das möglich, ganz anders als damals.

    Wir, die Nachgeborenen, mussten diese Zeit nicht erleben, alles was wir wissen können, stammt aus den zahlreichen Berichten und Dokumentationen über die Nazizeit und den Holocaust.


    Zuallererst empfinde ich tiefe Trauer für die gedemütigten, geschundenen und ermordeten Menschen, Entsetzen darüber, wie kleine Kinder ihren Müttern entrissen, wie sie gequält wurden im Dienste einer perversen "Wissenschaft" und Fassungslosigkeit, dass all diese unvorstellbar grausamen Verbrechen von Deutschen begangen wurden.


    Dann bedauere ich, dass dieses immense intellektuelle und kreative Potential der geflüchteten und ermordeten jüdischen Menschen für Deutschland verloren ging, was für ein Verlust!


    Die Frage, die ich stelle ist nicht, ob man noch etwas diskutieren oder "aufarbeiten" sollte, (m. E. eine unglückliche Formulierung in diesem Zusammenhang), sondern, ob wir zur Trauer fähig sind...


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Die Einheit meines Vaters wurde Anfang 1939 von Ansbach nach Wien versetzt. Mein Vater, meine Mutter und meine Schwester, damals im Säuglingsalter, bezogen eine Wohnung im 3. Wiener Gemeindebezirk. Obwohl meine Mutter noch weniger über die Kriegszeit erzählte als mein Vater, blieb mir eine ihrer Erzählungen im Gedächtnis: Meine Mutter betrat ein Geschäft (welcher Art weiß ich nicht mehr, eine Metzgerei vielleicht, jedenfalls war sie dort bekannt) mit "Grüß Gott", worauf ihr die Geschäftsfrau barsch antwortete "H... H.....!" heißt das, Frau ......


    Gruß Cristaine

    Hallo zusammen!


    Was Bert drangsalieren nennt, hat mein Vater immer "schleifen" genannt. Er hat z. B. erzählt, dass er als junger Rekrut bei der Reichswehr mit anderen auf Bäume klettern musste; sie hatten dann laut zu schreien, dass sie als Söhne von Affen und zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt seien. Der eigene Wille wurde gebrochen, jegliche Äußerung von politischer Meinung war strengstens untersagt.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    So ging es auch meinem Vater, er hatte genug von Barras und Krieg, außerdem war er bei Kriegsende "schon" 32 Jahre alt.

    Auch mochte er keine Waffe mehr in die Hand nehmen; auf dem Rummelplatz wollte ich immer, dass er was für mich schießt, keine Chance!

    Dachte manchmal, vielleicht könne er nicht gut schießen, heute sehe ich die Schützenschnur auf den Bildern in Uniform und weiß es besser.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Mein Vater hatte sich Anfang September 1933 für 12 Jahre bei der Reichswehr zum sogenannten 100.000-Mann-Heer verpflichtet. Seine Dienstzeit hätte somit regulär Ende August 1945 geendet, war dann ja mit der Kapitulation am 08. Mai 1945 vorbei. Eine nahtlose Übernahme in den öffentlichen Dienst war wohl nicht so einfach, er musste sich jahrelang mit Hilfsarbeiten durchschlagen, bevor er 1951 einen völlig anderen Beruf erlernte, in dem er dann schließlich verbeamtet wurde. Um die Anerkennung der Dienstjahre bei Reichswehr/Wehrmacht musste er laut mir vorliegenden Unterlagen lange kämpfen, und das hatte er ja - und ich sage das ohne jede Ironie - gelernt.


    Gruß Cristiane

    Hallo Micha!


    Der Beitrag ist seit ein paar Tagen nicht mehr auf rbb online aufrufbar, was mit dem Rundfunkgesetz zusammenhängt.

    Im Beitrag erzählt eine noch lebende Zeitzeugin von ihrer Flucht vor der vorrückenden Roten Armee im Januar 1945. Zur Veranschaulichung wurden Schwarzweiß-Filmaufnahmen eingeschnitten, auf welchen Frauen und Kinder mit ihren Habseligkeiten auf US-Army-Trucks steigen und offensichtlich von den amerikanischen Soldaten befördert werden. Diese Aufnahmen passen natürlich nicht zu dem Bericht der Zeitzeugin, erstaunt hat mich aber, dass offensichtlich deutsche Flüchtlinge(?) oder Evakuierte (?) mithilfe amerikanischer Soldaten transportiert wurden.

    Allerdings hat mir meine Mutter erzählt, dass Soldaten der US-Armee sie im Juli 1945 (Vater war noch in Kriegsgefangenschaft) zur Geburt meiner Schwester ins örtliche Krankenhaus gefahren haben.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Ich möchte mich nochmals melden, weil mir Eure Meinung über die Schwarzweiß-Aufnahmen aus dem Beitrag wichtig ist. Leider kann ich den Beitrag nur wie nachstehend verlinken, weiß nicht, ob das funktioniert.

    Wenn es mir nicht so wichtig wäre, würde ich nicht mehr nachhaken.

    rbb online Kriegskinder


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Dies ist kein aktueller Fernsehtipp, sondern möchte ich fragen, wer zufällig am 25.02.2018; 22:05 Uhr auf RBB die Sendung "Stilbruch" mit dem Beitrag "Kriegskinder" - eine vergessene Generation gesehen hat.

    Es berichtet eine 82-jährige Zeitzeugin von ihren Erlebnissen auf der Flucht bei Kriegsende. Zur Veranschaulichung werden authentische Aufnahmen gezeigt von Menschen auf der Flucht, die ihre Habseligkeiten auf Lastwagen der US-Army aufladen. Meine Frage ist, waren amerikanische Soldaten beim Transport von deutschen Flüchtlingen beteiligt?

    Der Beitrag ist übrigens noch 2 Tage in der rbb-Mediathek zu sehen, er dauert ca. 5 Minuten.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Das Buch "Hotel Metropol - Tage und Nächte" über die Wiener Gestapozentrale im gleichnamigen Hotel habe ich versucht zu lesen und es dann an ein Forumsmitglied abgegeben. Was Menschen anderen Menschen antun können, wenn ihnen ein verbrecherisches Regime die Legitimation dazu gibt, ich konnte es nicht einmal lesen, die Opfer dieser feigen Teufel mussten es ertragen.


    Gruß Cristiane

    Hallo zusammen!


    Heute habe ich vom Militärarchiv Freiburg eine Antwort auf meine Anfrage von 2016 bekommen.

    Als Anlage erhielt ich eine Kopie der Karteikarte für die Verleihung des EK 1.

    Auf der Karteikarte sind außer Name, Vorname, Geburtsort und -datum noch Dienstgrad, Truppenteil, Verleihdatum, Verleihungsdienststelle, Feldzug und Verleih-Liste vermerkt.

    So hat es doch geholfen - dank Eurer Beiträge - nochmals nachzufragen.


    Gruß Cristiane

    Hallo Thomas, hallo Forumsmitglieder!


    Zunächst braucht sich Thomas meines Erachtens nicht zu rechtfertigen. Wer hier schon länger unterwegs ist, wird kaum an seiner "Gesinnung" (was immer man darunter verstehen mag) noch an seinem Engagement für dieses Forum zweifeln.


    Das wir die vergangene Zeit, das nationalsozialistische Regime, die Wehrmacht, die SS etc., nur aus der Distanz betrachten und uns deshalb schwer ein Urteil erlauben können, habe ich begriffen. Nichts im Leben ist schwarz oder weiß, damals wie heute.


    Als gegen Kriegsende beim Einmarsch der Amerikaner mein damals sechsjähriger Cousin mit seiner Mutter durch die Gassen einer unterfränkischen Kleinstadt in einen Schutzraum fliehen wollten, wurden sie von einem Infanteriepanzer der US-Army beschossen. Ein blutjunger SS-Leutnant (seine Einheit war auf dem Weg nach Nürnberg in einem kleinen Hotel einquartiert) hat den Panzer vom Fenster seines Hotelzimmer heraus abgeschossen und somit beider Leben gerettet. Er selbst erlitt durch den Rückstoß (?) der Waffe schlimmste Verbrennungen, an denen er kurz darauf verstarb.


    Gruß Cristiane

    Hallo Dirk und alle anderen!


    Durch Eure Beiträge ermutigt, habe ich nochmals eine Anfrage an das BA gestellt und jetzt eine Nachricht von dort erhalten. Scheinbar ist mein Schreiben von Anfang 2016 nicht durchgekommen bzw. nicht mehr auffindbar. Jetzt wird meine Anfrage wohl doch noch bearbeitet.

    Danke an Euch!


    Gruß Cristiane

    Hallo Alex, Micha und alle anderen!


    Habe dank Eurer Hinweise das Bundesarchiv nochmal an meine Anfrage erinnert, kam sofort wieder eine standardisierte E-Mail zurück mit dem Hinweis, von weiteren Nachfragen abzusehen.

    Bei meiner Anfrage bei der WASt hatte ich den Verweis aufs BA Freiburg bekommen und daraufhin dort angefragt (nach einem Telefonat mit einem Mitarbeiter des BA). Mal sehen, ob ich noch Informationen bekomme.


    Danke und Gruß

    Cristiane

    Hallo Marco und alle anderen!


    Im Januar 2016 habe ich eine Anfrage an das Bundesarchiv geschickt, auch ziemlich bald eine (wohl standardisierte) Eingangsbestätigung erhalten mit dem Verweis, dass die Bearbeitung "einige Zeit" in Anspruch nehmen werde. Seitdem habe ich nichts mehr gehört, im Januar 2019 werden es dann drei Jahre. Nachfragen will ich nicht, weil ja diese Stellen eh überlastet sind. Also warte ich weiter.


    Gruß Cristiane

    Hallo Horst und alle anderen!


    Nicht immer stimmt das geltende Recht mit dem persönlichen Empfinden überein. Kann es in diesen Fällen "Gnade vor Recht" geben? Gnade für jene, die damals keine Gnade mit ihren Opfern kannten? Wie würden die Angehörigen der Gemordeten entscheiden?

    Ein aufwühlendes Thema, endgültige und befriedigende Antworten wird es hierzu wohl nicht (mehr) geben.


    Schönen Sonntag!

    Gruß Cristiane

    Hallo Wirbelwind, hallo zusammen!


    Wenn sich greise Männer heute wegen der Taten von damals, die manche heute bereuen, vor Gericht verantworten müssen, frage ich mich, warum erst jetzt? Was will man damit bezwecken? Ist es menschlich, alte und gebrechliche Menschen noch bestrafen zu wollen?

    Wenn aber einem ehemaligen Täter in einer Sendung wie Panorama eine Plattform geboten wird, in der er nicht nur kein Schuldbewusstsein äußert, sondern auch seine "Devotionalien", die ihm aus der heutigen "NS-Szene" überreicht worden sind, zeigen darf, das finde ich höchst fragwürdig.


    Gruß Cristiane