Posts by Policeman

    Hallo Rolandus,


    noch als Ergänzung.
    Das Sterbebild von Spengler hatte ich damals rein zufällig erworben. ;)8):thumbup:


    01.jpg 02.jpg


    Familien- u. Vorname: Spengler Michael

    geboren am 7.12.98 in: Oberschöneberg, Kreis: Augsburg

    Truppenteil: Gend.-Zug Berditschew

    Dienstgrad: Bez.-Ltn. d.Gend.

    Erkennungsmarke: -

    Tag des Todes: 11.4.43

    Ort des Todes: im Osten Bragin

    Lage und Nr. des Grabes: Bragin Heldenfriedhof

    Ehefrau: Emmy Spengler, Hindenburg (Allgäu), Hauptstr. 137
    (Quelle: Grabkarteikarte (WASt), kostenpflichtig abrufbar unter: http://www.ancestry.de)


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Rolandus,


    ich habe nochmal nachgeschaut. Irgendwo hatte ich den Namen noch im Hinterkopf.

    Wuttke scheint also zu passen, denn er war laut deinen Aufzeichnungen am 15.07.1944 Kommandeur des II./Pol.Frw.Rgt. 1 „Kroatien“.


    Edit: Ergänzungen


    Wuttke, Kurt

    02.09.1908 geboren

    verheiratet, keine Kinder, kein SS-Mitglied (Stand 01.11.1941)

    01.07.1928 Eintritt in die NSDAP, Mitgliedsnr. 93.782

    01.01.1938 zum Hptm. d.Gend. befördert

    (Quelle: R.R.L. d.Offz.d.SchP.u.Gend., 2.Teil, Hauptleute, Stand 01.11.1941)


    Gemäß Fs.-Erl.d.RFSS vom 17.04.1943 hat der Führer den Hptm. d.Gend. Kurt Wuttke, Gend.-Batl. (mot.), am 20.04.1943 zum Major d.Gend. ernannt.

    (Quelle: Regiments-Befehl Nr. 17, SS-Polizei-Regiment 25, Lublin, den 23. April 1943)


    Ein Major Wuttke wurde am 15.07.1944 als Kommandeur des II./Polizei-Freiwilligen-Regiment 1 „Kroatien“ erwähnt. Da ich laut RRL bisher keinen weiteren in Frage kommenden Wuttke nachweisen kann, gehe ich stark davon aus, dass es sich hierbei um Kurt Wuttke handeln müsste.


    Persönliche Angelegenheiten

    Polizeiverwaltung

    Gendarmerie

    Ernannt: zu Majoren d.Gend.

    … Wuttke in Linz …

    Eingewiesen:

    Wuttke (Linz) und Zimmermann (Pol.Schule Gend. Fraustadt) in eine d. im Kassenanschlag d. Pol.Präs. in Berlin ausgebrachten Zweitstellen für Majore d.SchP.

    (Quelle: MBliV vom 16.06.1943, 8. Jahrgang, Nr. 24)

    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Kollegen,


    der auswärtige Einsatz der dt. Gendarmerie im Osten ist ja bekanntlich bis heute kaum erforscht worden, besonders auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Vieles liegt noch im Dunkeln. Die folgende Offiziers-Stellenbesetzung gibt einen ersten guten Einblick in die Gliederung beim Kommandeur der Gendarmerie (KdGend) Kiew, Ukraine. Dieser Thread soll sich daher in Zukunft aussschließlich mit dem Thema Gendarmerie im Bereich Kiew befassen.


    Kommandeur der Gendarmerie Kiew (Stand: 11.05.1943)


    Stab:

    Oberst d.Gend. Karl Grahamer, KdGend Kiew

    Major d.Gend. Fritz Moll, Ia, Abteilungsleiter, Heimatverwaltung: Bielitz 1942

    Bez.-Leutnant d.Gend. Hertrich

    Meister d.Gend. Kühn, Büro-Offizier


    Gendarmerie-Hauptmannschaftsführer:

    Hauptmann d.Gend. Grosch, Lubny, Heimatverwaltung: Dessau (Anhalt) 1942

    Hauptmann d.Gend. Erich Lisak, Bila-Cerkwa (z.Zt. Vertreter von Major d.Gend. Moll), vermutlich Österreicher, Heimatverwaltung: Gend.-Schule Wien-Mödling 1942

    Oberleutnant d.Gend. Franz Theelen, Kiew

    Rev.-Oberleutnant Hupfeld, Poltawa


    Gendarmerie-Gebietsführer:

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Pollack, Borispol

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Bollensdorf, Perejasslaw

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Kleefeld, Kiew-Land

    Bez.-Leutnant d.Gend. Hofstetter, Iwankow

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Schneider, Chabnoje

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Kramer, Uman

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Tschaschel, Swenigorodka

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Ortner, Smela

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Bleile, Taraschtscha

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Fischer, Bila-Cerkwa

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Hoznurek, Korssun

    Bez.-Leutnant d.Gend. Meiendres, Wassilkow

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Bierwirth, Chorol

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Scholl, Solotonoscha

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Röstel, Lubny

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Schadewald

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Ulbrich, Pirjatin

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Eydner, Mirgorod

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Max Schmidt, Gadjatsch

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Hörterer, Kobeljaki

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Röder, Krementschug

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Kaden, Oposchnia

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Thäsler, Poltawa

    Bez.-Oberleutnant d.Gend. Geizenhauer, Karlowka


    Führer der Gend.-Züge (mot):

    Oberleutnant Schünemann, Bila-Cerkwa, mot. Gend.-Zug Nr. 5
    Leutnant d.SchP. Grunow (PV Stettin 1942), Kiew, mot. Gend.-Zug Nr. 22 (z.Zt. Lazarett Heimat, Ersatz beim BdO angefordert)

    Leutnant d.SchP. Schluppeck (PV Brüx 1942), Kiew, mot. Gend.-Zug Nr. 51 (z.Zt. zwecks Neuaufstellung in Fraustadt)

    Leutnant d.SchP. Grünauer (PV Brüx 1942), Kiew, mot. Gend.-Zug Nr. 57


    Gendarmerie-Postenführer:

    Bez.-Leutnant d.Gend. Mailinger, Pirjatin (z.Zt. Kiew, Innendienst, Abteilung II, Auszeichnungen und Beurlaubungen)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Urgibl, Perejasslaw

    Bez.-Leutnant d.Gend. Natus, Kiew-Land

    Bez.-Leutnant d.Gend. Häns, Taraschtscha

    Bez.-Leutnant d.Gend. Prabst, Bila-Cerkwa

    Bez.-Leutnant d.Gend. Wagner, Korssun

    Bez.-Leutnant d.Gend. Lumme, Chorol

    Bez.-Leutnant d.Gend. Paul Schmidt, Karlowka

    (Quelle: Yad Vashem M52-220, teilweise meinerseits ergänzt mit weiteren biografischen Angaben, z.B. aus den R.R.L. d.Offz.d.SchP.u.Gend. oder der Propagandazeitschrift "Die Deutsche Polizei")


    Ergänzungen und Hinweise zur Thematik KdGend Kiew sind natürlich jederzeit gern gesehen. Hier gibt es noch ne ganze Menge Arbeit. ;):thumbsup:

    Zum Abschluss noch ein passendes Foto aus meinem Archiv.


    1.jpg 3.jpg

    Gendarmerie-Posten Karlowka, Datum unbekannt, rechts könnte der bereits weiter oben erwähnte Bez.-Leutnant d.Gend. Paul Schmidt zu sehen sein


    Viele Grüße

    Daniel

    Hallo Rolandus

    Laut mehrerer Verteiler gliederte sich der Kommandeur der Gendarmerie Shitomir im Zeitraum vom 01.08. – 01.12.1942 in vier Gendarmerie-Hauptmannschaften.


    Gend.-Hauptm. Shitomir

    Gend.-Hauptm. Korosten

    Gend.-Hauptm. Berditschew (am 01.08.1942 errichtet, umfasste die Gebiete Berditschew, Tschudnow, Kasatin, Rushin und Kalinowka, Führer: Bez.-Obltn. d.Gend. Wahlbrink)

    Gend.-Hauptm. Winniza


    Wenn ich die Verteiler richtig interpretiere bestanden die vier Gend.-Hauptmannschaften aus insgesamt 77 bis 80 Gend.-Posten und 25 SS- und Polizei Gebietsführern.


    Beim KdGend Shitomir operierten weiterhin die drei Gend.-Züge (motorisiert) 3 in Winniza, 4 in Korosten und 24 in Shitomir.


    (Quelle: KdGend Shitomir, Kommandobefehle)


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Dieter,


    wir reden also vom 22.10.1940.


    Zum Stand der Dinge aus dem Archiv von Roland Pfeiffer.


    Sämtliche drei Polizei-Bataillon waren zum besagten Zeitpunkt im Elsass stationiert.


    Einsatzorte:

    Pol.-Batl. 53 vom 01.07.1940 bis 00.05.1941 in Mühlhausen

    Pol.-Batl. 54 von Ende Juni bis 16.10.1940 (Auflösungsverfügung) in Strassburg

    Pol.-Batl. 74 vom 27.06. bis 01.11.1940 ebenfalls in Strassburg


    Laut Munoz wurden die Polizei-Bataillone 54 und 74 im Elsass neben Bewachungs- und Polizeiaufgaben zu Umsiedlungszwecken eingesetzt, was auch immer das genau heißen mag.

    (Quelle: Munoz, GOP, I, S. 177)


    Am 23.10.1940, also ein Tag nach der Deportation aus Ludwigshafen, schrieb ein Angehöriger des Pol.-Batl. 53 aus Baden-Baden an seine Eltern:

    “Liebe Eltern! 23.10.40

    Recht herzl. Dank für Eure Karte. Bin seit Montag auf Dienstfahrt noch bis Donnerstag. Euch recht herzl. Grüße. Hoffe, dass Ihr.... Mir geht es auch gut.


    Auf Wiedersehen Euer Hans"
    (Quelle: Feldpostkarte des Wm. d.R. Hans-Johann Büttner (?), Pol.Batl. 53, Mühlhausen, Datum der Karte sowie Poststempel v. 23.10.1940 aus Baden-Baden, eBay-Auktion)


    Interessant ist, dass Baden-Baden genau mittig der Straßenverbindung Ludwigshafen-Mühlhausen liegt. Eventuell ein Hinweis? :/


    Liebe Grüße
    Daniel

    Hallo Rolandus

    ...

    Roese nennt hier einen Bataillonskommandeur „Holtgräve“. Dieser taucht bisher in meinen Unterlagen nirgendwo auf.
    Kann es möglich sein, dass es sich um Theodor Holtgraefe
    (lt. DAL der SS der NSDAP Stand 1.10.1944 lfd. Nr. 2422 * 10.2.1892, SS-Nr. 314 224, keine NSDAP-Nr., 30.1.42 SS-Stubaf., Maj. d.Schp., geführt bei Stammabt. 112, EK II, Ehrenkreuz für Frontkämpfer, im Felde erworbene Landesorden, Verwundetenabzeichen, Spange zum EK II)
    gehandelt hat, dieser also Kommandeur des „Res.Pol.Btl. Litzmannstadt“ war?


    Hat jemand noch ergänzende Angaben zur Gliederung und Stellenbesetzung der Polizeieinheiten in Litzmannstadt/ Lodsch/ Lodz?!

    ...

    Nicht viel, aber immerhin ...


    I./Polizei-Wach-Bataillon XXI, bestehend aus insgesamt vier Kompanien


    Batl.-Kommandeur:

    SS-Sturmbannführer und Major d.SchP. Theodor Holtgraefe (mind. vom 05.01.1943 – 07.08.1944), von Februar bis Juli 1944 ebenfalls gleichzeitig Kommandeur des Schutzgebietes West im Distrikt Krakau


    4./I. Polizei-Wach-Bataillon XXI

    Kompanieführer:

    Rev.-Oberleutnant d.SchP. Zimmermann (10.02.1944)


    Zugführer, unbekannte Kompanie:

    Rev.-Leutnant d.SchP. Josef Holzner


    (Quelle: Verleihungsvorschläge, Unterschriften)


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Freunde,


    eventuell die selbe Person. :/


    Ein Hauptmann d.SchP. KNOLLE war nachweislich am 30.08.1943 Kommandeur des I./SS-Polizei-Regiment 8 (ehemals Res.-Pol.-Batl. 91) im Lager Heinrichsdorf, Mährisch-Ostrau. Das Bataillon war vorher von Januar 1943 bis Mitte Juli 1943 in Weißrussland (Raum Gomel - Slobin) eingesetzt.


    (Quelle: Verleihungsvorschläge)


    Beste Grüße

    Daniel

    Hallo Offiziersenkel,


    keine Sorge, ich glaube da bist du nicht der Einzige. Denn es ist bis heute ein sehr spezielles Thema geblieben, besonders in den Köpfen der breiten Bevölkerung, trotz bisher zahlreicher erschienener Fachbücher, gezeigten Ausstellungen und sogar einer Fernsehdokumentation. Beispielhaft wären da zu nennen:


    Fachbücher (Auswahl):

    Heiner Lichtenstein, Himmlers grüne Helfer (1990)


    Christopher Browning, Ganz normale Männer (1992)

    Übrigens 2020 neu erschien, um ein Kapitel erweitert.

    https://www.amazon.de/Ganz-nor…anz&qid=1603476977&sr=8-2


    Stefan Klemp, Nicht ermittelt (2005)

    Mittlerweile gibt es zwei Auflagen. Beide sind vergriffen und somit nur noch gebraucht erhältlich.


    Wolfgang Curilla schrieb insgesamt drei Bücher zum Thema:

    Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland 1941-1944 (2006)

    https://www.amazon.de/deutsche…lla&qid=1603476102&sr=8-3

    Der Judenmord in Polen und die deutsche Ordnungspolizei 1939-1945 (2011)

    https://www.amazon.de/Judenmor…lla&qid=1603475968&sr=8-1

    Die deutsche Ordnungspolizei im westlichen Europa 1940-1945 (2019)

    https://www.amazon.de/deutsche…lla&qid=1603476131&sr=8-2


    Fernsehdokumentation:

    Hitlers Polizei (2012)

    Abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=GNMyVPPe4Ec


    DVD:

    Das radikal Böse (2014)

    Siehe dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_radikal_B%C3%B6se_(Film)

    Trailer unter: https://www.youtube.com/watch?v=bgvUxrEDL28

    Was ich nochmal damit sagen will? Der Otto Normalverbraucher setzt bis heute nicht zwangsläufig Polizei im NS-Staat mit Verbrechen zusammen. Rudimentäres Wissen reicht dazu einfach nicht aus und das ist auch keine Schande. Jeder weiss, dass das Interesse zur NS-Zeit zusehens erlischt, besonders bei der jungen Bevölkerung.


    ...

    Gab es zB auch auf höheren Führungsebenen der Orpo Widerstand?

    ...

    Um auch in Zukunft nach Antworten auf deine Frage zu suchen, müssten wir zuerst einmal genauer definieren, was mit höherer Führungsebene gemeint ist? Ich würde daher vorschlagen die Dienstränge einzugrenzen, vielleicht ab Major aufwärts. Ist aber nur ein Vorschlag meinerseits.


    Eine interessante, wenn auch zwiespältige Persönlichkeit war z.B. der Kommandeur der Gendarmerie im Distrikt Lublin, Oberstleutnant d.Gend. Ferdinand Hahnzog. Als klassischer Widerständler gilt er allerdings nicht.


    Siehe dazu einführend hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Hahnzog


    Aktuell fällt mir spontan noch folgende Frage zum Thema ein. Inwieweit waren eigentlich höhere OrPo-Offiziere am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligt?


    Beste Grüße

    Danie

    Hallo Offiziersenkel & Interessierte


    ...

    Gab es eigentlich aktiven Widerstand gegen diese Massenerschießungen und Morde an Zivilisten? Oder war der Kadavergehorsam in den Reihen der Ordnungspolizei allumfassend?

    ...

    Ganz so einfach, wie Ingo/Atlantis bereits anmerkte, ist das Thema letztendlich dann doch nicht. Der Begriff facettenreich trifft es eher.


    Vielleicht als kleine Anmerkung meinerseits zu deiner durchaus berechtigten und auch interessanten Frage.

    Sämtliche Quellen sollten grundsätzlich auch kritisch hinterfragt werden. Das gilt ebenfalls für besonders gute wissenschaftliche Arbeiten. Der Vorgang einer kritischen Reflexion sollte somit keineswegs pauschal negativ behaftet sein.


    Fakt ist, eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Befehlsverweigerung und Widerstand in der dt. Ordnungspolizei fehlt bis heute. In der bisher veröfftlichen Fachliteratur war das Thema immer nur eine Randerscheinung (siehe dazu u.a. Klemp, Nicht ermittelt, 2. Auflage, S.55-66). Die Verbrechen waren, sind und bleiben natürlich übermächtig, das steht bei der Fragestellung von Offiziersenkel aber auch gar nicht zur Debatte.


    Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte: Natürlich gab es Selbstzweifel, Befehlsverweigerung, Widerstand und Strafe, in unterschiedlichen Formen, auch in der dt. Ordnungspolizei. Hier muss auch eine Gegenfrage erlaubt sein. Warum eigentlich nicht? Es war ganz sicher nicht die Regel, aber wir stolpern, wenn auch selten, während unserer Forschungsarbeit immer wieder mal über Strafversetzungen, Degradierungen, Demütigungen etc.


    Um das Thema ein wenig voranzubringen zitiere ich mich jetzt mal selbst aus einem anderen Forumsthread:


    "Beispiel 1

    Polizeibataillon 307 (Lübeck) – Erschießung von 100 bis 200 Juden bei Klitschew oder Goroditschtsche im September/Oktober 1941:

    Im September oder Oktober 1941 führte die 2.Kompanie eine weitere Aktion gegen Juden im Raum Bobruisk und Mogilew durch, und zwar in Klitschew oder Gorodischtschi. Dabei wurde die Ortschaft umstellt, die jüdischen Männer, Frauen und Kinder wurden zusammengetrieben, aus der Ortschaft herausgefahren und zu einer Grube gebracht. Der Zugwachtmeister gab einem Angehörigen des 4.Zuges der 2.Kompanie den Befehl, sich zum Erschießen der Juden zu melden. Als dieser das ablehnte, erklärte jener, er werde ihn zu einer Sonderaufgabe heranziehen. Durch zwei Absperrkommandos an der Grube war eine Flucht unmöglich. Die Juden mussten sich zu jeweils 5 bis 6 Personen mit dem Gesicht zum Exekutionskommando aufstellen und wurden durch eine Salve erschossen, so dass sie rückwärts in die Grube fielen. Wer nicht sofort tot war, erhielt einen Fangschuss. Da die Getöteten kreuz und quer übereinander fielen, erwies sich die Grube als zu klein. Der Angehörige des 4.Zuges, der zu schießen sich geweigert hatte, wurde nun dazu eingeteilt, mit der Stange die toten Menschen zu ordnen und gerade zu legen, damit die Grube mehr Leichen fassen konnte.

    (Quelle: Ausstellungskatalog d. Landespolizei Schleswig-Holstein, "Das Polizeibataillon 307 (Lübeck) im Osteinsatz 1940-1945", S.17)


    Beispiel 2

    Polizeibataillon 91 – Judenexekution in der Nähe von Wolkowysk 1942:

    „Nachdem ich am 1.2.1942 von Grodno zurückgekehrt war, fand in der Nähe von Wolkowysk eine Exekution statt. […] Ich bin bei dieser Exekution nicht zugegen gewesen, da ich nicht eingeteilt worden war. […] Zu der Auswahl der Männer kann ich nur soviel sagen, dass zu diesen Exekutionen, wenigstens im Anfang, die Leute des 1.Zuges bestimmt wurden. Später fand man, nachdem sich die Leute an das Blutbad gewöhnt hatten, genug Freiwillige. […]

    Nach der oben geschilderten Exekution, und zwar in dem Zeitraum zwischen 1.2. und 31.3.1942, fand die zweite mir bekannte Exekution in der Nähe von Wolkowysk statt. Die Kompanie musste antreten. Ahrens forderte 20 Freiwillige für eine beabsichtigte Exekution. Es meldete sich bei seiner Aufforderung keiner. Ahrens wiederholte seine Forderung. Erst nach nochmaliger Wiederholung gingen die ersten Arme zaghaft hoch. Die 20 Mann kamen aber nicht zustande, so dass Ahrens sinngemäß sagte: „Wenn es also so nicht geht, dann muss ich bestimmen.“ Daraufhin ging er an der Front der angetretenen Kompanie entlang und wählte nach Gutdünken die Leute aus. Als er in meine Höhe gekommen war, machte ich eine Bewegung des Versteckens, weil ich unter allen Umständen vermeiden wollte, an einem Exekutionskommando teilzunehmen. Ahrens hatte das sofort erkannt. Er fragte nach meinem Namen, den ich ihm nannte. Daraufhin teilte er auch mich zu dem Exekutionskommando ein. Spontan bat ich ihn, von meiner Teilnahme absehen zu wollen, da ich nicht in der Lage sei, auf wehrlose Menschen zu schießen. […]

    Ahrens nannte mich unter anderem eine feige Memme und ähnliches. Er warf mir unsoldatisches Verhalten vor usw. Erst als Meister Neubauer ihm etwas zuflüsterte, das ich nicht verstehen konnte, erklärte er sich einverstanden, mich vom Exekutionskommando zwar freizustellen, aber um mich hart zu machen, befahl er, dass ich unmittelbar vor dem Loch (Massengrab) Posten zu fassen hatte. Gegen diesen Befehl habe ich nichts mehr unternommen. Es ging Ahrens vermutlich nur darum, mir zu zeigen, dass ein Soldat alles tun muß, was ihm befohlen wird. Abschließend sagte er abfällig: „Der ist ja nicht wert, selbst dahin gestellt zu werden!“, womit er meine Unbrauchbarkeit für „harte Einsätze“ unterstreichen wollte.“

    (Quelle: Klee, Dreßen, Rieß, „Schöne Zeiten – Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer“, S.80)


    Beispiel 3

    Aussage eines SS-Hauptscharführers und Kriminalangestellten (Außenstelle Gorlice des Grenzpolizeikommissariats Jaslo) über eine Judenexekution in der Nähe von Jaslo 1942:

    „Eines Morgens, vermutlich im Sommer 1942 oder im Herbst, erhielt ich von Friedrich den Befehl, mit ihm nach Jaslo zu fahren. […] Von dort sind wir in einer Kolonne mit etlichen Fahrzeugen in eine Ortschaft in der Nähe von Jaslo, jedenfalls im Bereich des Grenzkommissariats Jaslo, gefahren. […] Meines Wissens haben wir uns ohne längeren Aufenthalt im Ort zu einer Stelle außerhalb der Ortschaft begeben, wo eine längliche Grube ausgehoben war. […] Nachdem die Exekution der Juden schon begonnen hatte […] wurde ich durch irgendjemand zu Raschwitz [Leiter des Grenzpolizeikommissariats Jaslo; d. Hrsg.] zitiert. Raschwitz, der zu diesem Zeitpunkt schon stark angetrunken war, erteilte mir den Befehl, zur Grube zu gehen und dort mit meiner Pistole Juden zu erschießen. Ich habe es ihm gegenüber aber abgelehnt, diesem Befehl nachzukommen, und mich zur Begründung meiner Ablehnung einfach darauf beschränkt zu sagen, ich mache das nicht. Raschwitz hat mich dann sehr beschimpft. Ich erinnere mich noch an den Ausdruck „ostmärkisches Schwein“, den er mir gegenüber gebrauchte. Außerdem gebrauchte er meines Wissens die Formulierung „Feigling“ und weitere Schimpfworte.“

    (Quelle: Klee, Dreßen, Rieß, „Schöne Zeiten – Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer“, S.81)


    Einen weiteren interessanten Fall beschreibt Stefan Klemp im Buch „Nicht ermittelt“, 2. Auflage, S.61. Es geht dort um einen Polizeioffizier und Kompaniechef im Polizeibataillon 306. Dieser weigerte sich eine Erschießungen von 800 russischen Kriegsgefangenen vorzunehmen in einem Waldstück zwischen Lublin und Lemberg im Nov. 1941. Weiterhin legte er Beschwerde bei einem ihm bekannten SS-Führer ein. Daraufhin wurde er in die Heimat versetzt und in seiner Wohnung verhaftet. Anschließend folgte ein Gerichtsverfahren wegen Wehrkraftzersetzung und Befehlverweigerung vorm SS- u. Polizeigericht. Das Urteil lautete Gefängnisstrafe, welches aber nicht rechtskräftig wurde und die Einweisung ins KZ Buchenwald.


    Man sieht also, es gab unterschiedliche Arten einer Bestrafung. Man konnte und kann in einer Diktatur auch anders psychischen Druck ausüben. Zum Thema Gruppenzwang und –dynamik von Tätern im Zweiten Weltkrieg gibt es ebenfalls sehr interessante Lektüre. Zu empfehlen wäre hier das Werk von Harald Welzer „Täter - Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“. Er zeigt, wie auf beunruhigender Weise Tötungsbereitschaft erzeugt wird und wie wenig der eigenen moralischen Überzeugung zu trauen ist."

    (Quelle: Konzentrationslager)


    Beste Grüße

    Daniel

    Hallo,


    ich wusste nicht wohin damit, müsste aber hier passen.


    SS-Flak-Abteilung I Kommando-Stab Reichsführer-SS


    Abteilungs-Kommandeur:

    SS-Sturmbannführer Mallmann (12.08.1943)

    SS-Hauptsturmführer Speth (11.02.1944)


    2./Flak Abtl. I Kdo.-Stab RFSS

    Batteriechef:

    SS-Hauptsturmführer Speth (12.08.1943)


    (Quelle: Verleihungsvorschläge)


    Grüße

    Daniel

    Hallo,


    hier weitere Fragmente zu den Gend.-Zügen (mot.).


    Gend.-Zug (mot.) 24, Standort: Shitomir

    Zugführer:

    Leutnant d.Gend. Horst Silbe (25.11.1942 – 29.12.1942)


    Schlachten- und Gefechtsbezeichnung (Eintrg. in den Pol.-Dienstpässen)

    Dienststelle: Gend.-Zug (mot.) 24 Shitomir, Kämpfe mit Banditen vom bis bei:

    17.11.1942 – 20.11.1942 Narowl, Rayon Jelsk

    24.11.1942 Slawetschno, Rayon Olewsk

    03.12.1942 – 07.12.1942 Slawetschno, Rayon Olewsk


    Gend.-Zug (mot.) 25

    Zugführer:

    Leutnant d.SchP. Willi Kunze (02.11.1944 – 09.12.1944)


    Grüße

    Daniel

    Hallo Rolandus,


    ich habe heute mal an der bisher doch recht lückenhaften Stellenbesetzung des später neu aufgestellten III. Bataillons gebastelt.


    III./SS-Polizei-Regiment 4


    Batl.-Kommandeur:

    Major d.SchP. Rudolf Maschlanka (08.07.1943 – 08.11.1943)

    Hauptmann d.SchP. Claus Pretzell (05.03.1944), war am 22.11.1943 stellv. Batl.-Kdr. d. II./SS-Pol.-Regt. 4

    Major d.SchP. Kurt Edelmann (21.03.1944 – 29.06.1944)

    Stellvertretender Batl.-Kommandeur:

    Hauptmann d.SchP. Paetzold (17.05.1944), war Komp.-Chef d. 2. Pol.-Panz.-Komp.


    Batl.-Adjutant:

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Hermann Langefeld (05.03.1944), war vorher auch Zug- u. Komp.-Führer


    9./SS-Polizei-Regiment 4

    Kompaniechef:

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Müller (15.05.1944 in Rawa-Ruska)


    10./SS-Polizei-Regiment 4

    Kompaniechef:

    Oberleutnant d.SchP. Schanze (22.09.1943 – 27.11.1943)

    Hauptmann d.SchP. Georg Buchwiser (15.05.1944 – 17.05.1944)

    Hauptmann d.SchP Heinz Schnappauf (03.07.1944 – 13.07.1944)

    Kompanieführer:

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Müller (08.07.1943 – 29.08.1943)

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Willy Wilhelmi (21.03.1944)


    11./SS-Polizei-Regiment 4

    Kompaniechef:

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Müller (08.11.1943 – 20.03.1944)

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Willy Wilhelmi (29.06.1944 – 05.07.1944)

    Kompanieführer:

    Oberleutnant d.SchP.d.Res. Willy Wilhelmi (08.07.1943 – 08.11.1943)

    Zugführer und stellvertretender Kompanieführer:

    Leutnant d.SchP.d.Res. Brackmann (29.08.1943 – 28.09.1943)


    (Quelle: Verleihungsvorschläge, Unterschriften)


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Freunde


    Kompaniechef der 3./III. Pol.-Wach-Batl. IV:

    Hauptmann d.SchP. Erich Klinder, geb. 11.04.1903 (07.08.1942 – 18.07.1944)


    Die 3. Kompanie stellte normalerweise die Bewachung der Krakauer Burg und des Landsitzes vom Generalgouverneur in Kressendorf.

    Von Juni – November 1943 war sie aber zur Bandenbekämpfung in den Kreisen Krosno, Reichshof und Miechow eingesetzt.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Peter,


    erstmal vielen herzlichen Dank für deine Mühe.

    Der Huthuff-Nachlass deckt sich auf jeden Fall mit den Nachlässen und Fotoalben zum Res.-Pol.-Batl. 131, welche sich in meinem Besitz befinden.


    Hier ein paar kleine Hinweise meinerseits zu den Albumbeschriftungen:


    "30.06.-12.07.1940 Einsatz in Bergen. Hier Bau eines Internierungslagers"

    Hierbei handelte es sich um das ehemalige KZ Ulven (in anderen Fotoalben als „K[ommunisten]. u. J[uden]. Lager“ bezeichnet)

    Somit war das Bataillon am Bau und danach vermutlich auch an der Bewachung des Lagers beteiligt.


    "Oberleutnant Hutthuf und Generalmajor Ringel"

    Das ist übrigens nicht Ringel, sondern der Befehlshaber der Ordnungspolizei (BdO) Paul Riege.


    Die schlechte Qualität muss an der Kamera oder dem Handy liegen, denn identische Aufnahmen aus dem Huthuff-Alben befinden sich auch in meinen Alben. Hier nur ein Beispiel:


    1.jpg 2.jpg

    Rückseitige handschriftl. Orig. Beschriftung des Fotos:

    "Potsdam Schloss Sanccousi

    6. Juni 1940"


    Huthuff habe ich bei mir auch noch auf diesem Foto entdeckt:


    3.jpg

    Hutthuf ist der Offizier ganz links.


    Beste Grüße

    Daniel