Posts by Policeman

    Hallo boskitomasz

    Die beiden Fotos zeigen nicht das Polizei-Bataillon 61 (Dortmund), sondern die Polizei-Reitschule in Rathenow. Was bei dieser eBay-Auktion aber wahrscheinlich war, dass der ehemalige Polizist vom Polizei-Bataillon 61 zur Reitschule abgeordnet wurde und dann bei der Polizei-Reiterschwadron Galizien landete. Demnach also immer beachten, wo Polizei-Bataillon 61 drauf steht, ist nicht zwangsläufig auch Polizei-Bataillon 61 drin. 😁😉

    Grüsse Daniel

    Hallo Luftwaffen-Experten,

    nur mal kurz am Rande eures Gedankenaustausches.
    Herzlichen Dank für eure unheimlich informativen Beiträge. Extrem viel Input, wo man noch etwas dazulernen kann. Mal abgesehen davon, dass sie das Forum eh bereichern und auch aufwerten. Daher zukünftig bitte weiter so. :thumbup:8)

    Dankende Grüße
    Daniel

    Hallo Uwe,

    Priebke wurde 1998 in Rom/Italien als Kriegsverbrecher zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die aber aus Altersgründen in Hausarrest umgewandelt wurde. Den Hausarrest verbrachte er bei seinem Anwalt und Freund Paolo Giachini. Während dieser Zeit verfasste er mit ihm zusammen das Buch "Autobiographie >Vae Victis< (Wehe dem Besiegten)" mit insgesamt 1031 Seiten, welches anfangs nur für seine Kinder und Enkel vorgesehen war. Ins Deutsche übersetzt wurde das Buch nach seiner Fertigstellung von Jürgen Graf, einem schweizer Autor und Holocaustleugner. Soweit ich mich noch erinnern kann, wurde das Buch damals im Eigenverlag vertrieben, also privat. Das muss so 2005 rum gewesen sein. Ich wurde durch einen handelsüblichen Flyer darauf aufmerksam und bestellte es für 30.00 €. Bei wem, weiss ich leider nicht mehr. Im Buchhandel konnte man es meines Wissens nicht erwerben, aber ich kann mich auch täuschen, denn es ist einfach zu lange her. Ich habe gerade mal danach gegoogelt und gesehen, dass dafür heute Mondpreise aufgerufen werden, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann.

    Grüße
    Daniel

    Hallo Hardy

    GNR = Guardia Nazionale Repubblicana

    Inwieweit man den Angaben von Priebke trauen kann, vermag ich nicht zu beurteilen, denn ich bin diesbezüglich kein Experte. Bei Clemens soll es sich um Hans Clemens aus Dresden gehandelt haben, von Rang Hauptmann, also SS-Hauptsturmführer (?).

    Vielleicht noch als Anmerkung. Priebke trennt seine Italienzeit jedenfalls in zwei Perioden, der als Verbündeter und der als Besatzer. Mit der Neugliederung der SiPo nach dem Abfall Italiens war Priebke in der Abteilung IV tätig, die es vorher so angeblich nicht gab. Bis 1943 war er nach eigenen Angaben aber Kapplers Stellvertreter und Verbindungsoffizier.

    Grüße
    Daniel

    Hallo Hardy,

    vielleicht hilfreich.

    Priebke traf laut seiner eigenen Aussage mit weiteren drei Männern vom ehemaligen Aussenkommando in Rom am 14. Juni 1944 in Brescia ein. Dort soll er als Verbindungsoffizier zum Generalstab der GNR tätig gewesen sein. Gleichzeitig führte er eine „kleine Zelle der Sicherheitspolizei“, die direkt „dem Zentralkommando für Italien mit Sitz in Verona“ unterstand.
    (Quelle: Erich Priepke, Autobiographie, S.156 ff.)

    Vorher war Priebke Angehöriger der Abteilung IV, Aussenkommando Rom und Nummer drei nach Schütz und seinem Stellvertreter Clemens.

    Grüße
    Daniel

    Hallo Alex,

    diesen Thread hatte ich mittlerweile gar nicht mehr auf dem Schirm. =O Das wären dann schon drei Threads (Hirsch/Bragin/Teplik) zum Thema (OrPo im Gen.Bez. Shitomir) mit fast identischem Inhalt. Ein ganz schönes Durcheinander. Mal so am Rande: Ich hatte die letzten Tage sogar schon die Idee zu einem vierten Thread zum Aufbau der Gendarmerie im Bezirk Shitomir. :D

    Grüße
    Daniel

    Hallo Dieter/frankpol,

    der Versuch einer Erklärung.

    Die so genannte „Kampfgruppe Hirsch“, vorher „Kampfgruppe von Bredow“, muss etwa Anfang/Mitte Februar 1943 entstanden sein. Sie scheint temporär im Zuge der Bandenbekämpfung, speziell für ein zeitlich begrenztes Unternehmen, aus Kräften des Kommandeurs der Ordnungspolizei (KdO) Shitomir aufgestellt worden zu sein. Major d.SchP. Max Hirsch, geboren 26.11.1896, war bis zu seiner Abordnungsaufhebung Anfang September 1943 im Stab des KdO Shitomir tätig. Seit 20. Juli 1943 führte Hirsch die Geschäfte des Ia und war gleichzeitig Aufsichtsführer über die Alarmkräfte. Er war sozusagen die rechte Hand von Oberstleutnant d.Gend. Gotthilf Oemler und zeitweise auch sein Stellvertreter. Für die These spricht weiterhin, dass in den Verteilern der Kommandobefehle des KdO Shitomir die „Kampfgr. Hirsch [vorher Bredow] u. unterst. Einheiten“ von 15. Februar 1943 (erstmalige Nennung) bis 4. Mai 1943 (letztmalige Nennung) aufgeführt ist.

    Zur Gesamtsituation im Gebiet Bragin:
    Besonders der nördliche Raum des Generalbezirks Shitomir, zu dem auch Bragin gehörte, kristallisierte sich schon recht früh zu einem Brennpunk in Sachen Partisanentätigkeit heraus. Bereits im Mai 1942 wurde deswegen der Gendarmerie-Posten Komarin, der sich seit einiger Zeit in Bragin befand, endgültig nach Bragin verlegt und in Gendarmerie-Posten Bragin umbenannt. Der Gebietskommissar Shitomir stellte im Lagebericht März/April 1943 trotzdem ernüchternd fest, „dass im vollkommen bandenverseuchten Gebiet Bragin", „die deutsche Führung überhaupt nicht zur Geltung kommt, weil die Lage dort von Banditen beherrscht wird“. Anfang März soll zudem „eine große Bande von etwa 4-5.000 Mann, aus dem Raume Wolhynien kommend“, den Generalbezirk fast unbehelligt durchzogen haben, wobei Gebietshauptstädte, darunter Bragin, in Gefahr gerieten einfach überrannt zu werden. Am 11. April 1943 kam es letzten Endes zu solch einem Angriff auf die Gebietshauptstadt Bragin.

    Aus dem Originalbericht:
    „Am 11.4.43 gegen 3 Uhr Früh begann ein umfassender Angriff der Banditen, der mit Artillerie und sonstigen schweren Waffen vorgetragen wurde, auf Gebietshauptstadt Bragin. Der zum Stützpunkt ausgebaute Ort verfügte bei Angriffsbeginn über eine Besatzung von 13 Offizieren, 130 Gendarmen und 378 Schuma-Leuten, wozu die Angehörigen der Zivilverwaltung kamen. An schweren Waffen standen zur Verteidigung 2 leichte Granatwerfer und 10 s.MGs zur Verfügung. Der umsichtigen Führung der Besatzung sowie der tapferen Haltung derselben und dem zweckmäßigen Ausbau des Stützpunktes ist es zu verdanken, dass der Ort, der den ganzen Tag über gegen eine Übermacht verteidigt werden musste, gehalten werden konnte. Die bei den Kampfhandlungen eingetretenen Verluste betragen an Toten:
    4 Offiziere, 30 Gendarmen und 50 Schuma-Leute,
    an Verwundeten:
    3 Gendarmen und 20 Schuma-Leute und
    an Vermissten:
    3 Gendarmen und 3 Schuma-Leute."

    Jetzt könnte man mal versuchen, die vier toten Offiziere, 30 Gendarmen und deren Einheiten zu identifizieren. Ich würde jetzt mal tippen, dass das Schuma-Bataillon 109 dazugehörte.

    Beste Grüße
    Daniel

    Hallo Interessierte

    @ Dieter/frankpol
    Es ist richtig, dass die Bezeichnung „Polizei-Meister“ so in der Sekundärquelle genannt wird. Jetzt ist das mit den Sekundärquellen aber immer so eine Sache. Stand in der Primärquelle nun eindeutig „Polizei-Meister“ oder ist es einfach nur ein verallgemeinernder Begriff der Autoren, praktisch für einen Meister der Polizei? Mich interessiert diesbezüglich ob Brettin ein Meister der Schutzpolizei (d.SchP.) oder ein Meister der Gendarmerie (d.Gend.) war. Es gibt einige Hinweise, dass Angehörige des Gendarmerie-Einzeldienstes, z.B. im Distrikt Lublin oder in Galizien (beide Generalgouvernement), zeitweise die Leitung von jüdischen Zwangsarbeits- oder auch anderen Lagern übernahmen. Daher erscheint es mir möglich, dass dieser Brettin ein Meister der Gendarmerie gewesen sein könnte. Aber wie geschrieben, nur spekulativ.

    Zur Soll- und Iststärke eines Gend.-Posten im Osten, speziell auf sowjetischem Gebiet:
    Meine obigen Ausführungen waren keine generelle Festlegung, sondern sollten eher als Durchschnittswert betrachtet werden, wobei ich einen groben Vergleich Generalgouvernement/ukrainisches Gebiet anstrebte. Vielleicht hätte ich das noch sicherheitshalber dazuschreiben sollen. Gend.-Hauptposten, vor allen Dingen in den größeren Städten oder in so genannten „Hotspots“ (Stichwort Bandenbekämpfung), waren stärker besetzt, das ist korrekt. Ich könnte jetzt weitere Gend.-Posten ergänzen, die deine Sollstärken sogar noch bei weitem übertreffen (exemplarisch im Bereich Charkow, vereinzelt zwischen 1:26 bis 1:38). Sind diese hohen Sollstärken von Gend.-Hauptposten, die eher in der Unterzahl waren, aber repräsentativ für die Peripherie im ländlichen Raum? Ich meine nein. Denn der Gendarmerie-Posten Teplik war vermutlich nur ein kleiner Gend.-Posten, Stärke in etwa 1:3 bis 1:7, der zu Beginn der Besatzung höchstwahrscheinlich noch zu den Gend.-Nebenposten gehörte. Ich versuche dazu mal zu präzisieren.

    Die Quellenlage zum Bereich des KdGend Shitomir ist meines Erachtens relativ gut, wenn auch begrenzt. Der KdGend Shitomir gliederte sich meines Wissens in vier Gend.-Hauptmannschaften (Mosyr, Korosten, Berditschew und Winniza). Jede Gend.-Hauptmannschaft war in Gend.-Züge (taktisch) unterteilt. Die Gend.-Züge sind aber nicht zu verwechseln mit den Gend.-Zügen (mot.) Nr. 3, 4, 24 und 58, welche ebenfalls dem KdGend in Shitomir unterstellt und den jeweiligen Gend.-Hauptmannschaften als motorisierte Unterstützungskraft (Stichwort schnelle Eingreiftruppe) zugeteilt waren. Der Gend.-Zugführer hatte die Funktion eines Gend.-Gebietsführers, ab Mitte 1942 eines SS- und Polizei-Gebietsführers. Die Gend.-Züge (taktisch) wiederum waren in Gend.-Posten eingeteilt. Jedem Gend.-Posten, so auch belegbar in Teplik, war eine ukrainische Miliz (Hilfspolizisten bzw. Schutzmannschaft) in Stärke von etwa 30-70 Mann angeschlossen. Die Miliz unterstand dem jeweiligen Gend.-Postenführer.

    Der Gendarmerie-Posten Teplik gehörte zum Gend.-Zug Gaissin der IV. Gend.-Hauptmannschaft Winnizia, kurz auch Gend.-Zug IV/18 Gaissin. Zugführer bzw. Gebietsführer in Gaissin waren nacheinander die Bez.-Leutnante d.Gend. Posselt, Gottowick und Gottschalk. Die Sollstärke des Gend.-Zug IV/18 Gaissin lag im Mai 1943 bei 1:30, die Iststärke bei nur 1:25. Wie sich die 25 Gendarmen nun auf die einzelnen Gend.-Posten aufteilten ist unklar. Ich gehe aktuell davon aus, dass die Anzahl der Gend.-Posten im Bereich Gaissin bei etwa drei bis vier lag, höchstens fünf, Teplik und Gaissin inbegriffen. Genaue Zahlen konnte ich dazu noch nicht eruieren. Der bisher niedrigsten nachweisbare Rang eines Gend.-Postenführers im Bereich des KdGend Shitomir war der eines Bez.-Oberwachtmeisters d.Gend. bei eine Postenstärke von etwa 1:3. Dies ist auch so eine Besonderheit im Vergleich zum Generalgouvernement (Ausnahme Galizien), wo Postenführer in der Regel im Range eines Bez.-Leutnants oder Meister d.Gend. waren. Ich hatte es oben schon erwähnt, je weiter man nach Osten schaut, umso primitiver und kleinteiliger war der Gendarmerie-Einzeldienst, was vordergründig im Personal, in der endlosen Weite des sowjetischen Raumes, der nur schwer zu kontrollieren war und heute auch noch ist (siehe Krieg in der Ukraine), eine Erklärung findet.

    Hier die einzigen nachweisbaren Gefechte, die eindeutig dem Gendarmerie-Posten in Teplik zuzuordnen sind:
    „Gend.-Gebiet Gaissin (Gend.-Posten Teplik) 25.4.1943 Skarshenowka, Rayon Teplik“
    „Gend.-Zug Gaissin (Gend.-Posten Gaissin u. Teplik) 18.9.43 bis 19.9.43 Ternowka, Rayon Dschulinki“
    (Quelle: Schlacht und Gefechtsbezeichnungen (Eintrag in den Polizeidienstpässen), diverse Kommando-Befehle des KdGend Shitomir 1942/43)

    Wie man also sehen kann, sind diese zwei Gefechte auch in Rudolf L. Personalakte vermerkt.

    Mal eine Zahl zum besseren Verständnis bzw. Einordnung, um zu sehen, wie schwer es ist, überhaupt belastbares Material zu finden. Ich habe in der letzten Woche etwa knapp 20.000 Seiten zum KdO/KdGend Shitomir durchgesehen, was ich grundsätzlich gerne tue und keine namentliche Erwähnung von Rudolf L. gefunden, auch bei Brettin Fehlanzeige. Der Gend.-Zug IV/18 Gaissin oder der Gend.-Posten Teplik sind in den vorliegenden Dokumenten im Vergleich zu anderen Dienststellen kaum erwähnt worden. Daraus kann man schließen, dass der Gend.-Zug IV/18 Gaissin mit dem Gend.-Posten Teplik höchstwahrscheinlich kein Brennpunkt war. Von den oben erwähnten 1:30 bzw. 1:25 Gendarmen des Gend.-Zug IV/18 Gaissin konnte ich bisher nur etwa fünf Gendarmen namentlich in Erfahrung bringen.

    Abwicklung des KdGend Shitomir:
    Der Bereich des KdGend Shitomir war seit etwa Oktober 1943 Versammlungsraum und Durchgangsstation der zurückgeführten Einheiten der deutschen Ordnungspolizei aus dem Osten. Die Einheiten passierten im Zuge der „Frontverlegung“ (Stichwort Rückzug) das Territorium oder waren kurzzeitig auch dort untergebracht. Darunter befanden sich Einheiten aus den Bereichen Charkow, Stalino, Mariupol, Tschernigow, Sumy, Gomel, Gorlowka und später auch Kiew. Hierbei kam es zu Einheitsübertritten und Verschmelzungen. So wurde aus dem KdGend Shitomir z.B. der KdGend Shitomir/Kiew. Die Zusatzbezeichnung „Kiew“ stand aber eher für ein Restkommando, welches dem KdGend zugeteilt war. Seit etwa Februar 1944 war Tarnow, Distrikt Krakau, Standort des HSSPF Ukraine, BdO Ukraine und des KdGend Shitomir/Kiew bzw. seiner Abwicklungsstellen. Der Mann der übrigens den Rückbeorderungsbefehl von Rudolf L. in Tarnow unterzeichnet hat war Major d.Gend. Paul Klein (Heimatverwaltung: Reg.-Präs. Oppeln). Klein war in Tarnow Chef der Abwicklungsstelle KdGend Shitomir/Kiew. Die Abwicklungsstelle des KdGend Shitomir lässt sich bis mindestens Ende Juni 1944 in Tarnow nachweisen. Von August bis mindestens Dezember 1944 befanden sich die Abwicklungsstelle des HSSPF Ukraine und des BdO Ukraine in Breslau. Der KdGend Shitomir eventuell auch? :/

    Über die Personalverluste im Bereich des KdGend Shitomir/Kiew gibt eine Meldung vom April 1944 Auskunft:
    Gefallen: 144
    Vermisst: 16
    Verstorben: 7
    Selbstmord: 3
    Verwundet: 104
    Ob die Liste vollständig ist, kann ich leider nicht beurteilen, sie reicht aber mindestens bis in das Jahr 1942 zurück.

    Liebe Grüße, vor allen Dingen an Dieter/frankpol
    Daniel

    PS an Dieter: Das sind alles Themen, die man vielleicht beim diesjährigen Jahrestreffen der DtGfPolG in Fürstenfeldbruck ausgiebig disskutieren könnte. ;):thumbup:

    Hallo huggi,

    auch von mir herzlich willkommen hier im Forum.

    Erstmal vorweg finde ich die geschilderte Familiengeschichte äußerst spannend, wenn auch sicherlich tragisch.

    Zum Ort des Geschehens:
    Teplik liegt etwa 111 Kilometer südöstlich von Winnyzja entfernt. Der Ort hatte 1939 laut einer Volkszählung 1.233 Juden. Dies entsprach etwa 23,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nachdem die Deutschen im August 1941 Teplik erreicht hatten, begann man mit dem Aufbau des Besatzungsapparats. In Teplik entstand u.a. ein deutscher Gendarmerie-Posten und eine ukrainische Polizei-Station. Die ukrainische Polizei spielte eine aktive Rolle bei den zukünftigen antijüdischen Aktionen. Im Dezember 1941 wurde ein offenes jüdisches Ghetto errichtet, in dem man ca. 1.000 Juden konzentrierte, die auch aus der näheren Umgebung stammten. Die Bewachung des Ghettos übernahm die ukrainische Polizei, die aber generell unter Aufsicht der deutschen Gendarmerie, also des Gendarmerie-Postens Teplik stand.
    (Quelle: USHMM, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, Volume II, Ghettos in German-Occupied Eastern Europe Part B, S. 1570-1571)

    Wenn Rudolf demnach im November/Dezember 1941 in Teplik eingetroffen ist, dann war das in etwa zur Entstehungszeit des dortigen Ghettos. Da Rudolf als Angehöriger des Gend.-Posten Teplik im so genannten „Aussendienst“ tätig war, dann ist es für mich kaum vorstellbar, dass er überhaupt nicht mit der jüdischen Bevölkerung in Kontakt kam. Er muss also zumindest Augenzeuge von den Geschehnissen geworden sein, wenn du verstehst was ich meine. „Aussendienst“ bedeutet letztlich, dass er für diverse auswärtige Aufgaben und Einsätze den Posten verließ und keinen Innendienst zu verrichten hatte, z.B. als Schreiber oder im Wachdienst.

    In der Folgezeit wurde in Teplik auch ein jüdisches Zwangsarbeitslager (ZAL) errichtet, welches ebenfalls von der Gendarmerie geführt wurde. Ein Polizei-Meister Otto Brettin, höchstwahrscheinlich der Gendarmerie, soll dessen Lagerführer gewesen sein. Es kam zu weiteren Erschießungsaktionen, die von der SiPo geleitet wurden unter Beteiligung der Gendarmerie. Hier stellt sich für mich natürlich auch die Frage, inwieweit Rudolf davon Kenntnis hatte oder darin sogar selbst verstrickt war. Aus den mir vorliegenden Schriften geht weiterhin hervor, dass die Gendarmen (z.B. Rudolf?) auch jüdische Arbeitskommandos für den Bau der Durchgangsstrasse IV von Winnyzja nach Uman zur Verfügung stellten und begleiteten.

    Zum weiteren Verständnis und zur Stärke eines Gendarmerie-Postens im Osten:
    Im besetzten Generalgouvernement (ehemals Polen) hatte ein Gendarmerie-Posten in etwa eine Sollstärke von 1:15 (ein Offizier/15 Männer), die aus unterschiedlichen Gründen (z.B. Abordnungen, Urlaub, Verwundungen, Krankheitsausfällen etc.) in der Realität aber kaum erreicht wurde. Die tatsächliche Dienststärke war also deutlich niedriger. Je weiter man nun in den Osten schaut, das heißt u.a. auf das sowjetische Gebiet, desto geringer fiel die Postenstärke aus. Wir sprechen hier in der Regel von einer ungefähren Sollstärke von 1:5 oder 1:7. Daraus kann man erahnen, wie wenig Gendarmen tatsächlich für ein relativ großes Gebiet zuständig waren.

    Bezüglich der Aufgabengebiete eines Gendarmen geben verschiedene mir vorliegende Einweisungskalender Auskunft. Zu den Hauptaufgaben gehörten in der Regel die „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung“, der „Bandenkampf“ (siehe dazu auch Verleihungsvorschlag), Bekämpfung des Schleichhandels, die Preisüberwachung, die Aufsicht über die ukrainische Polizei, die Umsetzung von Befehlen der SiPo/SD und des Gebietskommissars (zivile Verwaltung), daraus resultierende Verhaftungen, die Kontingenterfassung von Vieh und Lebensmitteln, die „Überwachung der Juden“, usw. Nach meinen Recherchen waren die durchweg älteren Gendarmen ihren Aufgaben kaum gewachsen. Viele Gendarmen mussten abgelöst werden. Dazu zu beachten ist auch, dass bei den einzelnen Posten kaum Motorisierung vorhanden war und größere Strecken oft zu Pferd oder im Panjewagen zurückgelegt werden mussten. Für mich übrigens fachlich gesehen das wahre "Fussvolk der Endlösung". Denn bisher wurde die Begrifflichkeit durch die zeitgeschichtliche Forschung nur den Schutzpolizisten der Polizei-Bataillonen (siehe Mallmann 1997) oder den Trawnikis (siehe Sandkühler 2020) zugesprochen.

    Ob Dir das Werk von Curilla weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln, da der ukrainische Raum dort nicht abgehandelt wird, siehe dazu auch Buchtitel: „Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrußland“. Zu einer Facette der ukrainischen Partisanenbewegung könnte Dir das Buch von Alexander Gogun, Stalins Kommandotruppen 1941-1944, Die ukrainischen Partisanenformationen, nützlich sein. Das ist übrigens das mir einzig bekannte deutschsprachige Buch zur Thematik Partisanen im ukrainischen Raum. Ansonsten gebe ich Alex recht, dass die Partisanenbewegung in der Ukraine extrem vielschichtig und undurchsichtig war. Dazu sollte man sich definitiv erst Grundlagenwissen aneignen. Zu den Vorgängen in der Ukraine 1943/44 könnte für Dich auch noch das Buch von Johannes Spohr, Die Ukraine 1943/44 – Loyalitäten und Gewalt im Kontext der Kriegswende, hilfreich sein.

    Ich finde es persönlich sehr bedauerlich, wenn auch verständlich, dass von Seiten eurer Vorfahren nicht über die Ereignisse gesprochen wurde, denn so wird es sich höchstwahrscheinlich nie ganz aufklären lassen. Es liegt aktuell einfach zu viel im Nebel der Geschichte. Wie oben bereits gesagt, meine ich, dass hinter eurem Schicksal vermutlich eine äußerst dramatisch und tragische Familiengeschichte steckt, die man nur ansatzweise spekulativ erahnen kann.

    Eine der ersten Adressen für eine Anfrage ist für Dich die Zentrale Stelle in Ludwigsburg, bezüglich Ermittlungen von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Dich sollte hier der Gendarmerie-Posten Teplik und der Gend.-Zug IV/18 Gaissin interessieren. Bin echt gespannt auf die Antwort. Mit ein bisschen Glück ist Rudolf dort aktenkundig. Nimm dir Zeit für die nötige Anfrage und gebe so viel Informationen wie möglich preis, damit Dir in dieser Frage kompetent weitergeholfen werden kann.

    PS: Um in weiteren Quellen recherchieren zu können, wäre für mich zumindest der vollständige Name des Gendarmen sinnvoll (Rudolf ?). Den Namen kannst du mir auch gern vertraulich per PN zusenden, falls du ihn hier nicht für alle sichtbar veröffentlichen möchtest.

    Grüße
    Daniel

    Hallo,

    um das vielleicht nochmal klarzustellen.

    Das ist nicht Franks/micha18 persönliche „Unterscheidung“, sondern die der zeitgeschichtlichen Forschung bzw. Wissenschaft!

    Nur exemplarisch:
    „Die Tötungszentren werden auch als „Vernichtungslager” oder „Todeslager” bezeichnet. Konzentrationslager dienten in erster Linie als Haft- und Zwangsarbeitslager. Es wurden dort jedoch auch kleinere, ausgewählte Personengruppen ermordet. Vernichtungslager hingegen waren meist reine „Todesfabriken”.“
    (Quelle: https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/art…briken%E2%80%9D.)

    Demnach hat Frank alles richtig gemacht und einem Tötungszentrum der „Aktion Reinhardt“ seiner wirklichen Rolle zugeführt, nämlich der eines Vernichtungslagers. Die irrtümliche Bezeichnung „KZ Sobibor“ von Jockel war somit ganz klar falsch und letztlich auch verharmlosend. Das Ganze hat nun wahrlich nichts mit Korinthenkackerei zu tun, denn fachlich sollte es in einem Fachforum schon richtig sein oder etwa nicht?

    Grüße
    Daniel

    Hallo Thea,

    da steht nicht der Name des Vorgesetzten oder Ausbilders.

    Die rückseitige Fotobeschriftung lautet:
    "18. Juni 1940 Führer u. Duce
    in München
    hinten Duces Koch u. vorne 2 Leibpolizisten"

    Bitte nicht noch mehr Threads zu Willi Rühl eröffnen, denn so geht die Übersicht verloren. Vor nicht allzu langer Zeit gab es schon einmal eine Anfrage zur Person. Höchstwahrscheinlich ebenfalls aus deiner Familie?

    Willi Rühl, Polizei-Oberwachtmeister

    Grüße
    Daniel

    Hallo,

    der Fehler liegt bekanntlich im Detail. Dieses Beispiel veranschaulicht sehr schön, wie wenig man Aussagen in einem Ermittlungsverfahren trauen sollte.

    Dohrmann war nämlich in Litzmannstadt (ehemals poln. Lodz) ein Angehöriger des Pol.Batl. 31, speziell der 3. Kompanie, ehemals aus einer Pol.Komp. aus Frankfurt/Oder geformt, unter der Führung von Obltn. d.Sch. Adam. Demnach also nix mit "Pol.Res.Komp. Lodz". Diese Einheit gab es sozusagen gar nicht oder zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

    Jetzt ist die Frage, ob Dohrmann nicht mit dem Pol.Btl. 31 in Verbindung gebracht werden wollte oder tatsächlich Erinnerungslücken hatte.

    Grüße Daniel

    Hallo,

    der mittlerweile durchaus bekannte australische Historiker Christopher Clark schreibt in seinem Aufsatz, Josef „Sepp“ Dietrich – Landsknecht im Dienste Hitlers, dass die Aussage einem umstrittenen Bericht zugrunde liegt. Demzufolge „soll Dietrich im April 1942 während des Vormarsches auf Kiew persönlich die Erschiessung von rund 4.000 russischen Gefangenen angeordnet haben, nachdem man die Leichen von sechs Angehörigen der „Leibstandarte“ in der Nähe von Taganrog verstümmelt aufgefunden habe. Auch der Rückeroberung von Charkow folgten grausame Verbrechen, u.a. die Ermordung von 800 russischen Verwundeten im Feldlazarett der 69. Armee. Dietrichs Name stand seither auf der sowjetischen Liste der gesuchten Kriegsverbrecher“. (Quelle: Ronald Smelser/Enrico Syring (Hrsg.), Die SS – Elite unter dem Totenkopf – 30 Lebensläufe, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000, S. 127-128)

    Interessanterweise gibt Clark auch keine genauere Quellenangabe zu dem Textabschnitt an und zudem passt das Datum auch nicht wirklich. :/:?:

    Grüße Daniel

    Hallo,

    Schönrock, Rolf (Polizeiverwaltung Saarbrücken) wurde gleich nach seiner Beförderung im November 1939 mit zwölf weiteren Oberleutnanten der Schutzpolizei zur motorisierten Gendarmerie versetzt. Als er im Januar 1942 zum Hauptmann der Gendarmerie ernannt wurde, war seine Heimatdienststelle die Gendarmerie-Kompanie (mot.) Weimar. In der Reichsrangliste (RRL.) der Offiziere der Ordnungspolizei, 4. Teil Hauptleute, Stand vom 1. September 1944 ist er nicht mehr aufgeführt.

    Grüße Daniel

    Hallo noki & andere Interessierte,

    es ist vollkommen richtig, dass sich neben dem Internet selbst die Fachliteratur über das Polizei-Bataillon 313 ausschweigt bzw. in ihr nur sehr wenig Informationen enthalten sind. Mit der Zeit findet man aber ab und zu mal ein paar neue Hinweise, wenn auch nur bruchstückhaft, die bisher noch nicht bekannt waren.

    Das Polizei-Bataillon 313 wurde zusammen mit dem Polizei-Bataillon 314 (Heimatstandort: Wien) auf Grund eines Befehls (Zitat: „Sofort!“) des Chefs der Ordnungspolizei vom 16. November 1940 aufgestellt. Beide Bataillone waren für den auswärtigen Einsatz im Generalgouvernement, ehemals Polen, vorgesehen. Mit dem Einsatz der Bataillone war erst frühestens Mitte Dezember 1940 zu rechnen. Dem Polizei-Bataillon 313 wurde als Heimatstandort die Polizeiverwaltung (PV) Stettin zugewiesen, der Aufstellungsort war aber Schneidemühl. Das Bataillon gliederte sich in eine 1. – 3. Kompanie und eine 4. (schwere) Kompanie. Anhand der Erkennungsmarke deines Großvaters würde ich vermuten, dass er der 2. Kompanie angehörte. Erster Bataillonskommandeur war Major d.SchP. Max Baltersee. Für die Aufstellung des Polizei-Bataillons 313 hatte das Polizei-Ausbildungs-Bataillon Schneidemühl 6 Offiziere, 58 Unterführer und 206 Wachtmeister zu stellen, vom Polizei-Ausbildungs-Bataillon Rostock-Güstrow kamen 4 Offiziere, 27 Unterführer und 194 Wachtmeister. 45 weitere Wachtmeister kamen aus Oberhausen dazu. „Mit Rücksicht auf die Personallage“ waren bei den Kompanien jeweils nur ein Offizier als Kompanie-Führer und ein Offizier als Zugführer einzuteilen. Alle weiteren Zugführer waren Wachtmeister, die vorher als Zugführer Verwendung fanden. (Quelle: u.a. ersichtlich aus Aufstellungsbefehl)

    Demnach setzte sich das Bataillon bei der Aufstellung aus 10 Offizieren (inkl. Batl.-Kommandeur) und 485 Mannschaften (Unterführer und Wachtmeister) zusammen. Zusätzlich hinzu kamen noch 60 Kraftfahrer aus Schneidemühl, die zur Batl.-Kraftfahrstaffel, kurz auch K-Staffel genannt, abgeordnet wurden.

    Ich meine, finde aber auf die Schnelle den Befehl nicht, dass das Polizei-Bataillon 313 im Distrikt Krakau das Polizei-Bataillon 21, welches ebenfalls aus Stettin stammte, abgelöst hatte.

    Das Bataillon befand sich nach der Ankunft im Distrikt Krakau aufgeteilt an folgenden Standorten: Przemysl, Jaslo, Sanok und Tarnow.(Quelle: Curilla, Judemord in Polen, S. 418)

    01.jpg 02.jpg

    Der Bataillons-Stab lag demnach also in Reichshof.

    01 (2).JPG

    Gruppenfoto der 1. Kompanie Polizei-Bataillon 313 vor ihrem Quartier, dem Schwesterninternat, Ul. Felicjanek 4, in Deutsch-Przemysl. Hier auch gut zu erkennen, dass nur ein Offizier (den Meister nicht mitgerechnet) auf dem Bild zu sehen ist.

    Am 8. Januar 1942 verließ das Bataillon das Generalgouvernement in Richtung Minsk. (Quelle: Curilla, Judemord in Polen, S. 418)

    Welche war die letzte Einheit deines Großvaters als er als vermisst gemeldet wurde? Das III./SS-Polizei-Regiment 14 kann es meines Erachtens nicht gewesen sein.

    Grüße Daniel