Posts by Policeman

    Hallo Justus,


    ich nehme deinen Vorschlag an. Wir beide beenden hier jetzt diesen "Diskurs". Es ist auch diesbezüglich alles gesagt und jeder Mitleser kann sich dazu eine eigene Meinung bilden.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Justus,


    ich dachte eigentlich wir wären im Diskurs schon ein wenig weiter gewesen. Scheinbar ein Irrtum, da du mir erneut Aussagen unterstellst, die nicht mal annähernd dem realen Threadverlauf bzw. dem tatsächlich von mir Geschriebenen entsprechen. Stattdessen verdrehst du sinnentstellend Posts von mir, vor allen Dingen hinsichtlich meines ergänzenden Einwands, ich betone ergänzenden Einwands (Hinweis, Erklärungsversuch), zum ersten Amnesty-Bericht. Aber ich erkläre es dir gern noch einmal, um dir aufzuzeigen, dass du mit deiner Argumentation mir gegenüber vollkommen daneben liegst. Ich habe eher irgendwie den Eindruck, dass das eine Vorgehensweise ist, um andere zu diskreditieren. Aber egal, die Zeit nehme ich mir gern. Ehrlich gesagt, so langsam komm ich mir dabei aber auch echt blöd vor, alles doppelt und dreifach zu erklären bzw. richtig zustellen.


    In diesem Zusammenhang also zum zweiten Mal der Link zum englischsprachigen Amnesty-Bericht vom Juni 2022: https://www.amnesty.de/sites/d…ion-Charkiw-Juni-2022.pdf


    Auf Seite 34 steht ganz eindeutig (nur relevanter Auszug), da muss man übrigens kein Experte der englischen Sprache sein, warum es auch zu zivilen ukrainischen Opfern kommt und nur darauf kam es mir beim Einwand und Erklärungsversuch an (siehe damalige Diskussion zwischen SanUO/Ralph und Monte Pelmo vom 23.6.22):


    „UKRAINISCHE KRÄFTE GREIFEN AUS WOHNGEBIETEN AN“

    Ukrainische Streitkräfte operieren oft von Wohnvierteln heraus und starten von dort aus Angriffe, welche russisches Feuer auf sich ziehen. Solche Praktiken gefährden die Zivilbevölkerung in den Gebieten und verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht, insbesondere gegen die Verpflichtung, soweit wie möglich zu vermeiden, militärische Ziele innerhalb oder in der Nähe dicht besiedelter Gebiete zu positionieren.“


    Sollte ich diesen Auszug grob sinnentstellt wiedergegeben haben, habe ich überhaupt kein Problem damit dies auch einzugestehen. Du scheinst nicht erkennen zu können, dass Verteidigung zwangsläufig auch Angriff bedeutet. Wie werden wohl sonst russische Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber etc. abgeschossen. Nur in der Verteidigung? Man will ja logischerweise Gebiete oder Räume zurückerobern. Du vermagst scheinbar nicht Angriff (gemeint als Operation) von Angriffskrieg zu unterscheiden. Mal einfach zu verstehende Beispiele zum Zweiten Weltkrieg: „Operation Barbarossa“ und „Operation Zitadelle“, beides ohne Zweifel Angriffsunternehmen, ersteres Angriffskrieg, zweiteres letztes großes Unternehmen um den Krieg im Osten zu wenden. Das Ganze kann man natürlich in einem noch kleineren Maßstab anwenden, so wie es der Amnesty Bericht auch getan hat. Man will Straßen, Gebäude, Ortschaften usw. zurückerobern und dem Gegner Verluste zufügen. Jetzt verstanden?


    Dennoch behauptest du allen Ernstes, dass ich diesen Gesamtbericht fehldeuten und missbrauchen würde, was meiner Ansicht nach natürlich totaler Quatsch ist, zumal ich damals ausdrücklich gegenüber willi1306/Klaus darauf hingewiesen hatte, dass der Bericht hauptsächlich russische Kriegsverbrechen beinhaltet, aber eben nebenher auch auf ukrainische Verstöße hinweist. Scheinst du ebenfalls übersehen zu haben.


    Zitat Policeman zu willi1306/Klaus, Post #1.202 vom 24.6.22: „Und ja, du hasst recht, der Amnasty-Beitrag umfasst hauptsächlich russische Kriegsverbrechen. An der Ukraine wurde darin trotzdem Kritik geübt, wovon kleinere [Nachrichten]portale (z.B. inFranken.de oder der Berliner Kurier) am Rande berichteten, große nicht, zumindest meines Wissens.“


    Was war jetzt daran so grundlegend falsch? Erkläre es mir bitte nochmal. Eine Relativierung des russischen Angriffs auf die Ukraine kann ich beim besten Willen darin nicht erkennen.


    Damit nicht genug, du schreibst:

    „Als „Analyst“ wirst Du jetzt vielleicht erkennen, dass zwischen dem von AI notierten Völkerrechtsverstoß der ukrainischen Streitkräfte und den in dem früheren AI-Bericht detailliert beschriebenen Kriegsverbrechen der russischen Armee doch ein wesentlicher Unterschied besteht. Und da Du Dich ja selbst mehrfach von einer ideologischen Betrachtungsweise dieses Krieges freigesprochen hast, wird es Dir nicht schwerfallen, diesen Unterschied zu bestätigen. Wenn Du schon bis hierhin mitgekommen sein solltest, dann leuchtet Dir sicher ein, warum die „großen Medien“ in ihrer Beurteilung dieser Frage nicht ganz verkehrt liegen - und auch hier im Forum so heftige Reaktionen auf Deine - mit Verlaub - geschickten Relativierungsversuche zu verzeichnen sind.“


    Blöd ist dazu jetzt nur, dass ich das schon genauso formuliert hatte. Zitat an Monte Pelmo, # 1.195, ebenfalls vom 24.6.22:

    „Dies verstößt u.a. klar gegen das humanitäre Völkerrecht.“


    Aber trotzdem nett, dass du mir den Unterschied nochmal erklärt hast. Doppelt hält halt besser. Von ukrainischen Kriegsverbrechen war also keine Rede, dass habe ich dir aber letztens schon belegt. Der einzige, der hier also Kriegsverbrechen und humanitäres Völkerrecht vermengt, bis du und zwar nachträglich mit meinen Posts.


    Abschließend, es ging nie um „Wahrhaftigkeit“ so wie du es oft formulierst, sondern z.B. schlicht und einfach nur um Erklärungsversuche, wie es u.a. zu zivilen Opfern kommt. Nicht mehr und nicht weniger, alles andere ist deiner Phantasie entsprungen, die leider nur andere Forumsmitglieder diskreditiert.

    Es ist kein Geheimnis und dazu stehe ich auch. Ich habe weder Sympathie für die Ukraine als Staat noch für Russland, aber das sind auch so Dinge, die man mit dir nicht wirklich sachlich diskutieren kann.

    Schwarz-Weiss-Denken war noch nie mein Ding. Die Welt ist bunt und Kriege hatten immer viele Grauzonen, so war es und so wird m.M. auch immer sein. Boulevardblätter oder Feuilletonnachrichten in Serie zitieren kann jeder. Auf den ersten Blick sind sie interessant, auf dem zweiten dann wieder doch nicht, weil sie meistens rein so gar nichts Aussagekräftiges beinhalten. Bei den beiden Amnesty-Berichten ist die Sachlage jedoch völlig anders. Der erste Bericht ging hauptsächlich auf russische Kriegsverbrechen ein und merkte ukrainische Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht an. Der zweite Bericht ging dann vollumfänglich und detaillierter auf die Randnotiz des ersten Berichts ein. Den Zusammenhang kann man erkennen. Viel spannender war aber zu beobachten, wie unantastbar Amnesty bei euch war, so lange sie russische Kriegsverbrechen aufarbeiteten. Nun steht Amnesty aber sofort in der Kritik, weil sie ukrainische Verstöße dokumentierten. Wer ist nun eigentlich wirklich „gläsern“?


    Wünsche noch einen sonnigen Sonntag

    Daniel

    Hallo Justus,


    da du damals meinen Einwurf zu einer Amnesty Quelle nicht verstehen wolltest, siehe dein Beitrag #1.208 vom 24.06.2022 und #1.221 vom 26.6.2022, ja mir sogar recht abenteuerlich "Relativierung" und "Missbrauch" etc. vorgeworfen hast, heute ein neuer Versuch.


    Wieder ein Amnasty-Bericht!


    Ukrainische Kampftaktik bringt Zivilbevölkerung in Gefahr


    - Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser dienen als Militärstützpunkte

    - Angriffe aus dicht besiedelten zivilen Gegenden provozieren Vergeltungsschläge

    - Diese Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht rechtfertigen allerdings nicht die wahllosen Angriffe Russlands mit zahllosen zivilen Opfern


    Ukrainische Truppen gefährden Zivilpersonen, indem sie im Kampf gegen die russische Invasion in besiedelten Wohngebieten, unter anderem in Schulen und Krankenhäusern, Stützpunkte einrichten und von dort Waffensysteme einsetzen. Zu diesem Schluss kommt Amnesty International auf der Grundlage umfassender Recherchen.


    Solche Taktiken verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht und gefährden das Leben von Zivilpersonen, da dadurch zivile Objekte als militärische Ziele ins Fadenkreuz geraten. Bei darauffolgenden russischen Angriffen auf diese Wohngebiete wurden Zivilpersonen getötet und zivile Infrastruktur zerstört.


    "Wir sehen hier ein Muster, mit dem die ukrainischen Truppen bei ihren Einsätzen aus Wohngebieten heraus die Zivilbevölkerung in Gefahr bringen und das Kriegsrecht verletzen", so Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International. "Dass sich die Ukraine in einer Verteidigungsposition befindet, entbindet das ukrainische Militär nicht von der Pflicht, sich an humanitäres Völkerrecht zu halten."


    Nicht alle russischen Angriffen, die Amnesty International dokumentiert hat, folgten jedoch dem oben geschilderten Ablauf. An einigen Orten, an denen Russland nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Kriegsverbrechen begangen hat, fanden sich keine Hinweise auf eine Präsenz ukrainischer Truppen in den rechtswidrig durch Russland attackierten zivilen Gegenden – so zum Beispiel in einigen Gegenden in Charkiw.


    Zwischen April und Juli verbrachten Expert*innen von Amnesty International einige Wochen damit, russische Angriffe in den Regionen Charkiw und Mykolajiw und im Donbass zu untersuchen. Sie untersuchten Orte, an denen Angriffe stattgefunden hatten, sprachen mit Überlebenden, Zeug*innen und Angehörigen der Opfer, und führten Fernerkundungen und Waffenanalysen durch.


    Bei diesen Untersuchungen fanden die Amnesty-Mitarbeiter*innen in 19 Städten und Dörfern dieser Regionen Belege dafür, dass ukrainische Truppen aus dicht besiedelten Wohngebieten heraus Angriffe durchführten und Stützpunkte in zivilen Gebäuden einrichteten. Das "Crisis Evidence Lab" von Amnesty International hat einige dieser Geschehnisse zusätzlich durch die Auswertung von Satellitenaufnahmen bestätigt.


    Die meisten der als Stützpunkte genutzten Wohngebiete befanden sich mehrere Kilometer hinter der Front. Es wären tragfähige Alternativen verfügbar gewesen, die keine Gefahr für die Zivilbevölkerung bedeutet hätten – wie zum Beispiel nahegelegene Militärstützpunkte oder Waldstücke oder andere weiter entfernte Gebäude. In den von Amnesty International dokumentierten Fällen liegen keine Hinweise darauf vor, dass das ukrainische Militär die Zivilpersonen in den Wohngegenden aufgefordert oder dabei unterstützt hätte, Gebäude in der Nähe der Stützpunkte zu räumen. Dies bedeutet, dass nicht alle möglichen Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung getroffen wurden.


    Angriffe aus besiedelten zivilen Gegenden


    Überlebende und Zeug*innen russischer Angriffe im Donbass und um Charkiw und Mykolajiw berichteten Amnesty-Vertreter*innen, dass das ukrainische Militär zum Zeitpunkt der Angriffe in der Nähe ihrer Häuser aktiv war, was diese Gegenden zur Zielscheibe russischer Vergeltungsschläge machte. Die Expert*innen von Amnesty International konnten dieses Muster an zahlreichen Orten beobachten.


    Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet alle Konfliktparteien, militärische Ziele – soweit praktisch möglich – nicht innerhalb oder in der Nähe dicht bevölkerter Gebiete anzulegen. Es gibt zudem weitere Verpflichtungen zum Schutz von Zivilpersonen vor den Folgen möglicher Angriffe, zum Beispiel durch Evakuieren der Umgebung oder wirksame Warnung vor Attacken, die sich auf die Zivilbevölkerung auswirken könnten.


    Amnesty International sprach mit der Mutter eines 50-jährigen Mannes, der am 10. Juni 2022 in einem Dorf südlich von Mykolajiw bei einem Raketenangriff getötet wurde: "Das Militär hatte sich in einem Nachbarhaus eingerichtet und mein Sohn brachte den Soldat*innen oft Mahlzeiten. Ich habe ihn mehrmals angefleht, sich von dort fernzuhalten, weil ich Angst um ihn hatte. Am Nachmittag des Angriffs hielt sich mein Sohn im Hof auf und ich war im Haus. Er war sofort tot. Sein Körper wurde in Stücke gerissen. Unser Haus wurde teilweise zerstört." Ermittler*innen von Amnesty International fanden in dem Nachbarhaus militärische Ausrüstung und Uniformen.


    Mykola wohnt in einem Stadtteil von Lysychansk (Donbass) in einem Hochhaus, das mehrfach von russischen Angriffen getroffen wurde. Mindestens ein älterer Mann wurde dabei getötet. Mykola sagte Amnesty International: "Ich verstehe nicht, warum unser Militär von den Städten und nicht den Feldern aus feuert." Ein 50-jähriger Mann, der ebenfalls in dem Hochhaus wohnt, sagte: "In der Nachbarschaft kommt es definitiv zu militärischen Aktivitäten. Wenn in die andere Richtung geschossen wird, hören wir danach Schüsse in unsere Richtung." Amnesty-Vertreter*innen sahen, wie Soldat*innen ein Wohnhaus nutzten, das etwa 20 Meter von dem Eingang zu einem unterirdischen Bunker entfernt lag, der von den Bewohner*innen genutzt wurde und in dessen Nähe der ältere Mann getötet wurde.


    Am 6. Mai 2022 nahmen russische Truppen in einer Stadt im Donbass eine Wohngegend, aus der ukrainische Streitkräfte Artillerie abfeuerten, mit Streumunition ins Visier. Streumunition kann – wie der Name schon sagt – aufgrund der Streuung unterschiedslos sowohl Zivilpersonen als auch Soldat*innen treffen und ist daher weithin verboten. Granatsplitter beschädigten das Haus, in dem die 70-jährige Anna mit ihrem Sohn und ihrer 95-jährigen Mutter lebt.


    Anna berichtete: "Granatsplitter flogen durch die Türen. Ich war im Haus. Die ukrainischen Geschütze waren in der Nähe meines Feldes (...) Die Streitkräfte waren hinter dem Feld, hinter dem Haus (...) Seit Ausbruch des Krieges habe ich sie immer mal wieder gesehen (…) Meine Mutter ist (...) gelähmt, daher konnte ich nicht fliehen."


    Anfang Juli wurde ein Landarbeiter verletzt, als die russischen Streitkräfte ein Lagerhaus in der Gegend um Mykolajiw angriffen. Wenige Stunden nach dem Angriff beobachteten Mitarbeiter*innen von Amnesty International ukrainische Militärangehörige und -fahrzeuge in dem Getreidelager. Zeug*innen bestätigten, dass das Lagerhaus, das gegenüber einem bewohnten Bauernhof lag, von der Armee als Stützpunkt genutzt worden war.


    Während Amnesty-Vertreter*innen entstandene Schäden an Wohnhäusern und angrenzenden öffentlichen Gebäuden in Charkiw und in Dörfern im Donbass und östlich von Mykolajiw untersuchten, hörten sie Schüsse aus ukrainischen Militärstellungen in der Nähe.


    In Bachmut berichteten mehrere Anwohner*innen, dass das ukrainische Militär ein Gebäude als Stützpunkt genutzt hatte. Es lag keine 20 Meter von einem zivilen Hochhaus entfernt. Am 18. Mai 2022 schlug eine russische Rakete in die Fassade des Gebäudes ein, zerstörte fünf Wohnungen teilweise und beschädigte benachbarte Gebäude. Kateryna, eine überlebende Bewohnerin, sagte: "Ich verstand nicht, was vor sich ging. [Da waren] zerbrochene Fenster und eine Menge Staub in meiner Wohnung (…) Ich bin hier geblieben, weil meine Mutter nicht weg gehen wollte. Sie hat gesundheitliche Probleme."


    Drei Anwohner*innen berichteten, dass die ukrainischen Streitkräfte vor dem Angriff ein Gebäude gegenüber dem bombardierten Wohnhaus genutzt hatten, und dass zwei Militärfahrzeuge vor einem anderen Haus geparkt waren, das beim Einschlag der Rakete ebenfalls beschädigt wurde. Amnesty International fand innerhalb und außerhalb des Gebäudes Anzeichen für eine Militärpräsenz, zum Beispiel in Form von Sandsäcken und schwarzen Plastikplanen zum Verdunkeln der Fenster sowie neue, in den USA hergestellte Erste-Hilfe-Ausrüstung.


    "Wir können nicht bestimmen, was das Militär tut, aber den Preis dafür zahlen wir", sagte ein Anwohner, dessen Haus bei dem Einschlag beschädigt wurde.


    Militärstützpunkte in Krankenhäusern


    Mitarbeiter*innen von Amnesty International konnten an fünf Orten beobachten, wie ukrainische Streitkräfte Krankenhäuser faktisch als Militärstützpunkte nutzten. In zwei Städten wurden Krankenhäuser von Dutzenden Soldat*innen dazu genutzt, sich auszuruhen bzw. sich dort aufzuhalten und Mahlzeiten zu sich zu nehmen. In einer anderen Stadt feuerte das Militär aus der Nähe des Krankenhauses Geschosse ab.


    Am 28. April wurden in einem Vorort von Charkiw bei einem russischen Luftangriff zwei Mitarbeiter*innen eines medizinischen Labors verletzt, nachdem die ukrainischen Streitkräfte auf dem Gelände einen Stützpunkt eingerichtet hatten.


    Die Nutzung von Krankenhäusern für militärische Zwecke ist ein klarer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.


    Militärstützpunkte in Schulen


    Auch Schulen werden in verschiedenen Städten und Dörfern im Donbass und in der Gegend um Mykolajiw von ukrainischen Streitkräften regelmäßig als Stützpunkte genutzt. Die Schulen sind seit Beginn des Konflikts zwar vorübergehend geschlossen, doch in den meisten Fällen befinden sich die Schulgebäude in der Nähe von bewohnten zivilen Vierteln.


    In 22 der 29 von Amnesty-Vertreter*innen besuchten Schulen wurden die Räumlichkeiten entweder gerade von Streitkräften genutzt oder es fanden sich Belege für aktuelle oder frühere militärische Aktivitäten wie etwa Militärkleidung, verbrauchte Munition, Essensrationen und Militärfahrzeuge.


    Das russische Militär griff zahlreiche der von den ukrainischen Streitkräften genutzten Schulen an. In mindestens drei Städten zogen ukrainische Soldat*innen nach russischem Beschuss in andere Schulen in der Nähe um, sodass die umliegenden Stadtteile der Gefahr ähnlicher Angriffe ausgesetzt waren.


    In einer Stadt östlich von Odessa beobachtete Amnesty International ein Schema, nach dem ukrainische Streitkräfte zivile Gebiete als Unterkünfte und Bereitstellungsräume nutzten. So wurden beispielsweise Panzerfahrzeuge unter Bäumen in Wohngebieten abgestellt und zwei Schulen in dicht besiedelten Wohngegenden militärisch genutzt. Zwischen April und Ende Juni schlugen in der Nähe dieser Schulen mehrmals russische Geschosse ein, die mehrere Zivilpersonen verletzten oder töteten. Darunter auch ein Kind und eine ältere Frau, die am 28. Juni ums Leben kamen, als ihr Haus von einer Rakete getroffen wurde.


    In Bachmut nutzten die ukrainischen Streitkräfte ein Universitätsgebäude als Stützpunkt, das am 21. Mai 2022 bei einem russischen Angriff getroffen wurde. Berichten zufolge wurden dabei sieben Soldat*innen getötet. Die Universität grenzt an ein Mehrparteienhaus, das bei dem Angriff beschädigt wurde, sowie an weitere zivile Wohnhäuser in etwa 50 Metern Entfernung. Amnesty International fand ein zerstörtes Militärfahrzeug im Innenhof des bombardierten Universitätsgebäudes.


    Das humanitäre Völkerrecht verbietet es Konfliktparteien nicht ausdrücklich, sich in Schulen einzuquartieren, die nicht in Betrieb sind. Streitkräfte sind jedoch verpflichtet, Schulen, die sich in der Nähe von zivilen Häusern bzw. Wohngebäuden befinden, nach Möglichkeit nicht zu nutzen, es sei denn, es besteht eine zwingende militärische Notwendigkeit. Wenn dies der Fall ist, haben sie die Zivilbevölkerung zu warnen und den Menschen gegebenenfalls bei der Evakuierung zu helfen. Dies scheint in den von Amnesty International untersuchten Fällen nicht geschehen zu sein.


    In bewaffneten Konflikten wird das Recht von Kindern auf Bildung ernsthaft beeinträchtigt. Die militärische Nutzung von Schulen kann zu Schäden an den Schulen führen, die das Recht auf Bildung auch nach Beendigung des Krieges weiter beeinträchtigen. Die Ukraine gehört zu den 114 Ländern, die die Erklärung zum Schutz von Schulen in bewaffneten Konflikten unterzeichnet haben. Diese Erklärung erlaubt den Konfliktparteien die Nutzung verlassener oder evakuierter Schulen nur dann, wenn es keine umsetzbare Alternative gibt.


    Wahllose Angriffe der russischen Streitkräfte


    Viele der russischen Angriffe, die Amnesty International in den vergangenen Monaten dokumentiert hat, wurden mit unterschiedslos wirkenden Waffen, einschließlich international geächteter Streumunition, oder anderen explosiven Waffen mit großflächiger Wirkung durchgeführt. Bei manchen Angriffen wurden Fernlenkwaffen mit unterschiedlicher Zielgenauigkeit eingesetzt; in einigen Fällen waren die Waffen präzise genug, um bestimmte einzelne Objekte ins Visier zu nehmen.


    Die Praxis des ukrainischen Militärs, zivile Objekte für militärische Zwecke zu nutzen, rechtfertigt in keiner Weise die wahllosen russischen Angriffe. Alle Konfliktparteien müssen jederzeit zwischen militärischen Zielen und zivilen Objekten unterscheiden und alle realisierbaren Vorkehrungen treffen, um den Schaden für die Zivilbevölkerung zu minimieren. Hierzu zählt auch die Auswahl der geeigneten Waffen. Wahllose Angriffe, bei denen Zivilpersonen getötet oder verletzt oder zivile Objekte beschädigt werden, sind Kriegsverbrechen.


    "Die ukrainische Regierung sollte unverzüglich dafür sorgen, dass ihre Streitkräfte nicht in bewohnten Gebieten stationiert werden. Sie sollte Zivilpersonen aus Gebieten evakuieren, in denen das Militär operiert. Streitkräfte dürfen Krankenhäuser nicht zur Kriegsführung nutzen. Schulen und zivile Wohnhäuser dürfen lediglich als letztes Mittel militärisch genutzt werden, wenn es keine anderen gangbaren Alternativen gibt", so Agnès Callamard.


    Amnesty International kontaktierte das ukrainische Verteidigungsministerium am 29. Juli 2022 und legte die Ergebnisse der Untersuchung vor. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am 4. August 2022 hatte das Ministerium noch nicht darauf reagiert.
    (Quelle: https://www.amnesty.de/allgeme…-gefaehrdet-zivilpersonen)


    Kiew ist natürlich empört über diese Ergebnisse, genau wie du damals. ;)

    (Quelle: https://www.tagesschau.de/news…raine-donnerstag-147.html)


    Es gibt nur einen Unterschied zwischen den beiden Quellen. Der erste Amnesty-Bericht beinhaltete nur am Rande das Problem, auf das ich schon damals versucht habe hinzuweisen. Dieser zweite Bericht ist dazu natürlich viel detaillierter.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Dieter,


    ich verstehe deine Frage bzw. Antwort dazu nicht.


    Putin hat doch seine Bedingungen erst vor wenigen Tagen öffentlich bekanntgegeben. Ich gehe mal davon aus, dass das natürlich auf Verhandlungsbasis geschehen ist, so wie es immer bei diversen ähnlichen Gesprächen gängige Praxis war. Was sich Selenskij vorstellt, unter Voraussetzung der Unterstützung der USA, wissen wir bis jetzt nicht. Er hat sich zumindest m.W. noch nicht dazu öffentlich geäußert. Man wird uns darüber eh nicht wirklich informieren. ;) Ich gehe persönlich davon aus, dass die Ukraine in ihren alten Grenzen so nicht mehr existieren wird. Alles andere, z.B. ein Sieg über Russland, halte ich für utopisch, ja sogar für total verrückt. Selbst die hier häufig geäußerten Meinungen, Putin würde zwingend alte Grenzen wieder herstellen wollen, kann ich aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht mal ansatzweise nachvollziehen.


    Und das ein Scholl-Latour, der bereits 2014 verstorben ist, daran nichts ändern kann war mir auch klar. Er war ja zudem auch kein Politiker, sondern „nur“ Journalist. Seine Einschätzungen zur internationalen Lage waren zumindest für mich aber immer von Interesse.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Klaus,


    mit Peter Scholl-Latour Büchern macht man nichts falsch, auch wenn es keine Fachbücher sind. Ich habe mindestens fünf bis sechs im Schrank stehen und alle auch tatsächlich gelesen. ;) Er war definitiv ein guter Mann, der wusste wovon er spricht und so falsch lag er mit seinen Einschätzungen damals nicht, auch wenn sie manchmal ein wenig überheblich rüberkamen. Er hat zumindest mein Grundlagenwissen zu weltpolitischen Vorgängen auf jeden Fall um ein Stück erweitert.


    Zum besagten Buch „Russland im Zangengriff“ gab es m.W. eine Doku, welche im ZDF ausgestrahlt wurde, siehe dazu hier:


    Peter Scholl-Latour: Russland im Zangengriff- Putins Imperium zwischen Nato, China und Islam
    Eine aus dem Jahre 2006 stammende Doku von PSL über Russland uns sein Verhältnis zum Ausland.
    m.youtube.com


    Er hatte auch noch im Jahr 2014 ein längeres Interview gegeben, wo er sich u.a. auch nochmal zur Nato-Ukraine-Russland Lage geäußert hatte:


    Peter Scholl-Latour mit Alfred Schier im Dialog Spezial am 08.03.2014
    Durch seine Augen sah Deutschland die Welt. Sechs Jahrzehnte lang berichtete Peter Scholl-Latour immer wieder aus Krisengebieten rund um den Globus. Er gilt ...
    m.youtube.com


    Ich wage zu behaupten, dass er wieder Recht behalten wird bezüglich einer Spaltung.


    Mit der Aussage: „Putin ist friedliebend und dem Westen zugewandt" verwechselst du scheinbar aber etwas. Denn Putin war gerade Anfang der 2000er Jahre durchaus dem Westen zugewandt. Wenn ich mich recht erinnere, schlug er sogar den NATO-Beitritt Russlands vor oder denke z.B. an die Bundestagsrede. Heute ist davon natürlich nichts mehr übrig.


    Nachkomme

    ...

    ich hatte schon ganz am Anfang der Diskussion in diesem Thema auf das bersagte Buch von Scholl-Latour hingewiesen.

    Leider habe ich den Eindruck, dass kaum jemand das Buch gelesen hat ...


    Da bin ich ganz bei dir. Entweder hat wirklich niemand das Buch gelesen, was ich mir aber bei einem Bestseller nur schwer vorstellen kann oder man will sich heute einfach nicht mehr daran erinnern. :D ;)


    Grüße

    Daniel

    Hallo Klaus,


    ein absolut rein sachliches Gegenargument ohne Emotionen. :thumbup: Dadurch wird bzw. kann sich auch niemand ernsthaft persönlich angegriffen fühlen. So funktioniert eigentlich auch Diskussion fern ab von jeglichem Talkshowniveau. Es macht im übrigen auch noch echt Spass/Freude solch einen fairen Schlagabtausch zu lesen und manchmal kann man dann auch noch etwas Informatives mitnehmen ...


    Grüße

    Daniel

    Hallo,


    wenn dieser Thread tatsächlich eine Diskussionsplattform zum Ukraine-Krieg sein soll, in der z.B. Argumente und Gegenargumente ausgetauscht werden können, dann sollte man doch eher in der Lage sein den angeblich „ganz schlechten Beitrag“, in dem „Blödsinn“ steht, zu entkräften. Dürfte ja eigentlich kein Problem sein aufzuzeigen, was den Tatsachen entspricht oder was nicht.


    Statt dessen erfolgen wieder substanzlose, persönliche Angriffe in Serie, weil man mit dem Einwand von Joachim, der teilweise sicherlich überspitzt formuliert wurde, nicht konform geht.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Stefan & Interessierte


    ...

    Der Begriff "Verarbeitung" ist in diesem Zusammenhang menschlich betrachtet eher unpassend, trifft es aber faktisch leider nur zu gut ...


    Vollkommen richtig rein sachlich und nüchtern festgestellt!


    Denn die Täter "verarbeiteten" ja nicht nur einzig und allein die Asche ihrer Opfer weiter, sondern auch andere Bestandteile des menschlichen Körpers, wie z.B. die Haare (u.a. für Strümpfe der U-Boot-Besatzungen), das Zahngold (Vermögenswert), ja sogar das menschliche Fett (u.a. zur Herstellung von Seife) wurde während des Verbrennungsprozesses aufgefangen und weiterverwendet.

    (Quelle: siehe dazu u.a. Kogon/Langbein/Rückerl, Nationalsozialistische Massentötungen durch Gitgas)


    Was ist weiterhin noch mit den ganzen Leichen, Organen, Skeletten, die die Wissenschaft/Medizin für sich beanspruchte. Keine Weiterverwertung? :/


    Zu der Entwicklung der Verbrennungsanlagen ist noch folgendes Buch zu empfehlen:

    Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Auschwitz - Die Technik des Massenmordes


    Edit:

    Mit Verdächtigungen und Moral kommt man bei dem Thema kein Stück weiter. Fakt ist! Leichen waren für die Täter Ressourcen, ob man das nun letztlich glauben mag oder eben nicht. Im Buch von Flachowsky/Hachtmann/Schmaltz, Ressourcenmobilisierung - Wirtschaftspolitik und Forschungspraxis im NS-Herrschaftssystem gibt es ein interessantes Kapitel dazu. ;)


    Grüße

    Daniel

    Hallo Uwe,


    die gesuchte Person ist in der Dienstalterliste (DAL) der Schutzpolizei Preussens, nach dem Stande vom 01.01.1924, unter folgenden Angaben verzeichnet.


    JURKSCHAT, Hans, PLt. (Anm. d. Verfassers: Polizei-Leutnant)

    Geburtstag: 24.06.1897

    Dienstalter: 08.03.1918

    Dienstort: Goldap


    Auch im Verzeichnis der Polizei-Offiziere Preußens (nach dem Dienstalter geordnet), mit Stand vom Juli 1924, ist JURKSCHAT, Hans im Range eines Polizei-Oberleutnants noch aufgeführt.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Thomas,


    hier noch eine weitere Kleinigkeit zum Thema.


    Die 6./schw. 324 (RAD 5/163) lag im April 1945 zuerst bei Neupetershain und später bei Lindchen. Der Stellungswechsel vom Kauscher Weg bei Neupetershain nach Lindchen vollzog sich etwa um den 19.04.1945. Die Einheit war mit vier 8,8 cm und zwei 2 cm Flak-Geschützen ausserordentlich gut bewaffnet, daher ideal für die Abwehr von russischen Panzern auf der ehemaligen Reichstraße, heutige Bundesstraße B 169. Gegen Infanterie verfügte man auch über Schrapnellgeschosse.


    Es folgen Auszüge aus einem Tagebuch eines Angehörigen der Truppe.


    „20.04. ... Erste Gefechte mit russ. Einheiten auf der Reichsstraße [Anm. d. Verfassers: heutige B 169]


    „Russ. Truppen auf der Reichsstraße am Weitermarsch Richtung Süd-West [Anm. d. Verfassers: also Sedlitz/Senftenberg] durch Beschuss gehindert.“


    Demnach war also die Reichsstraße von Lindchen nach Bahnsdorf, Allmosen, Sedlitz und Senftenberg durch die Feuerkraft der panzerbrechenden 8,8 cm Flak-Geschütze vorerst blockiert.


    „Russ. Panzer beschießen uns. Abschüsse beenden das Gefecht. Russen nutzen zum Weitermarsch nach Westen eine Umgehung nach Altdöbern [Anm. d. Verfassers: Straße von Lindchen nach Leeskow/Woschkow, heutige L 531].“


    „21.04. Beschuß durch Granatwerfer auf Stand Anton. Aufforderung an Geschützführer Stand räumen abgelehnt. Durch dritten Schuß erhielt Anton Treffer. Mehrere Verwundete ... “


    „21.04. Auf der Reichsstraße [Anm. d. Verfassers: heutige B 169] russ. Einheiten am Weitermarsch gehindert.“


    Auf Grund der feindlichen Übermacht wurde die Stellung bei Lindchen erst etwa um den 22., spätestens 23.04.1945 geräumt bzw. fluchtartig verlassen.


    Quelle: Tagebuch, Privatarchiv des Verfassers


    Grüße

    Daniel

    Hallo Dieter

    ...

    Die westlichen Politiker sollten Alles dafür tun, beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen, leider ist das Gegenteil der Fall, die Lieferung von Waffen führt nur weiterhin dazu, dass die Ukrainer die Verluste tragen. Jemand müsste Selenskyj auf den Boden der Tatsachen holen, statt ihn vom Sieg träumen zu lassen.

    ...


    Dazu bitte auch die ukrainische Militärstrategie vom März 2021 beachten, welche bereits ein Jahr vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine verabschiedet wurde. Die Ukraine hatte demnach nie vor einen Krieg aus eigener Kraft zu gewinnen.


    Im Falle eines Ausbruchs eines Krieges mit Russland (dem der Hauptteil der Militärstrategie gewidmet ist) bestand von vornherein die einzige Hoffnung der Ukraine in der direkten militärischen Unterstützung durch Nato-Länder. Aber besonders interessant ist, wie dieser Krieg enden sollte. Er wird „mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft zu für die Ukraine günstigen Bedingungen“ beendet. Das heißt, dass die Ukraine offenbar keinen militärischen Sieg mit eigenen Mitteln anstrebt bzw. nie in der Lage dazu war. Nach alledem kann es also nur eine Lösung am Verhandlungstisch geben.

    Quelle: https://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A78553/attachment/ATT-0/


    Grüße

    Daniel

    Hallo Flo

    ... also wenn Russland weiter in diesem Schneckentempo vorrückt, ist Russland im August vielleicht 20km weiter als heute. ...

    Schneckentempo hin oder her, denn wie sagt man umgangssprachlich so schön, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Es ist richtig, die Russen kommen langsam voran, aber sie kommen zusehends kontinuierlich voran. Wodurch weiterhin erschwerend für die Ukraine hinzukommt, dass eine Verringerung des Frontabschnitts eintritt, was ganz klar den Russen zu Gute kommt bzw. für sie von Vorteil ist.


    Dazu als Quellenbeleg ein interessanter Podcast zum Ukraine-Krieg von Lanz und Precht:

    Video-Podcast: Lanz und Precht diskutieren zum Ukraine-Krieg | Lanz und Precht
    Wie geht es weiter im Ukraine-Krieg? Nach langem Zögern ist Bundeskanzler Olaf Scholz in der vergangenen Woche zu Gesprächen mit dem Ukrainischen Präsidenten...
    m.youtube.com


    Grüße

    Daniel

    Hallo Bert

    Ich bin mir sicher, dass sich dadurch die russische Angriffskraft nachhaltig abschwächt.


    ... gegenwärtig erleben wir, dass die Russen vorrücken und die Ukraine sich zurückziehen.


    Momentan sieht es nicht danach aus, dass die ukrainischen Truppen die "russische Angriffskraft nachhaltig abschwächen kann". ...


    Vollkommen richtig! Denn „Feuerkraft dominiert den Krieg“! Russland ist der ukrainischen Artillerie Stand heute 1:9 bis 1:10 überlegen. Zudem hat die Ukraine laut ihren eigenen Generälen nach etwa vier Monaten Krieg bis zu 50% ihrer Ausrüstung verloren. In ihrer Verzweiflung handelt die Ukrainische Armee daher immer mehr „selbstmörderisch“, wie u.a. der bekannte Militärhistoriker Sönke Neitzel anmerkte.

    Quelle: https://www.focus.de/politik/a…n-liess_id_112534611.html


    Russland hat diese Schwierigkeiten trotz ebenfalls hoher Ausfälle bzw. Verluste nicht mal annähernd, kann somit jederzeit Mensch und Material problemlos ersetzen (mal abgesehen von zeitlich begrenzten Umstrukturierungen). Hierbei helfen auch die Vergleiche (Stichwort Verluste) zum Zweiten Weltkrieg. Denn trotz der Schwäche der eigenen Wirtschaft kann Russland in den zentralen Wirtschaftszweigen (und nur diese sind im Krieg wichtig!) Energie, Rüstung, sowie der Nahrungsmittelversorgung weitestgehend autark arbeiten, ist also diesbezüglich trotz Sanktionen von niemandem abhängig.

    Quelle: https://osteuropa.lpb-bw.de/russland-wirtschaft


    Auf Grund dieser Lage ist es für mich weiterhin unverständlich, warum die Ukraine erst frühestens im August in eine neue Verhandlungsrunde mit Russland gehen will. Die alleinige Hoffnung auf eine bessere Ausgangslage (Zitat Selenskyj) kann es nicht sein. Denn was wird in weiteren zwei bis vier Monaten von der östlichen Ukraine übrig sein? Fakt ist: Russland lernt schnell aus seinen militärischen Fehlern und gewinnt täglich an Boden.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Johann

    ...

    verschiedene TV-Sender melden aktuell, dass der ukrainische Präsident Selenskyj heute den Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, per Dekret abberufen hat. Als Quelle wird die Internetseite des ukrainischen Präsidialamtes genannt, über eine Abberufung oder Versetzung Melnyks war in den letzten Wochen schon wiederholt spekuliert worden.

    ...


    Einer der Hauptgründe für die Abberufung Melnyk’s war dieses brilliant 👌 geführte Interview vom Journalisten Tilo Jung, bei dem sich Melnik wiedermal um Kopf und Kragen redete (Stichwort Bandera etc.).


    Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine - Jung & Naiv: Folge 580
    Unterstützt uns finanziell ► http://www.paypal.me/JungNaivDiskutiert im Jung & Naiv Forum ► http://forum.jungundnaiv.de/Zu Gast im Studio: Andrij Melnyk. Sei...
    m.youtube.com


    Grüße

    Daniel

    Hallo Eumex

    ...

    Litauen setzt damit EU -Sanktionen um, nicht mehr und nicht weniger....also keine Provokation ...


    Wenn es so einfach wäre. ;)

    Der Transit bedeutet Warenverkehr von Russland nach Russland. Bitte folgendes Interview ab Minute 13:00 schauen, dort wird der Unterschied angerissen.


    Ex-General Kujat: EU eskaliert in Kaliningrad

    Ex-General Kujat: EU eskaliert in Kaliningrad | ntv
    Nele Balgo spricht mit General a.D. Harald Kujat. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr sieht die militärische Lage der Ukraine kritisch.Der ntv-Liv...
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    Grüße

    Daniel

    Hallo Thomas,


    da ich gerade am Ball bin, gehts auch gleich mal weiter. :D;)


    ...

    Auch existierte bei Senftenberg im Bereich des heutigen Sees auf Höhe Buchwalde ein Flugfeld, welches später die Luftwaffe nutzte.

    Zum Zeitpunkt des Angriffs auf die Stadt war dieser jedoch sicher längst geräumt.

    Es soll hierzu wohl noch einen Zeitzeugen geben, welcher aktuell jedoch nicht erreichbar ist, wie mir der Heimatverein mitteilte.

    ...


    Hans Schweiger – Erinnerungen aus dem Jahre 1945 über Scado – Geierswalde:

    „Es war an einem kalten Januarmorgen als ich vom Flugplatz Cottbus, auf dem ich als technischer Spezialist für Funk- und Messwesen eingesetzt und so halb und halb dem fliegenden Personal zugeteilt war, nach Buchwalde zum Transportgeschwader (TG) 3 versetzt wurde. Die Angriffe, damals feindlicher Luftverbände, hat uns nach einigen Tagen aber nach Groß Koschen weiter ziehen lassen, wobei jedoch die Flugzeuge (Ju 52) in Buchwalde verbleiben mussten. Zuerst diente uns die Schule von Gr. Koschen als Unterkunft, doch war in Anbetracht auf unsere Maschinen, eine Bleibe in Buchwalde unmöglich. Nach einigen Tagen ließ mich der Staffelkapitän, ich war mit ihm aus techn. und persönlichen Gründen in guten Kontakt, rufen, um mit ihm die Gegend nach einem günstigen Versteck für unsere Maschinen abzusuchen. Über Kl. Koschen ging es durch den Wald nach Scado, wo uns eine relativ abgeschlossene so doch freundliche Bevölkerung (Dorfgemeinde) herzlich aufgenommen hat. Es schien uns die Gegend geradezu ideal zur Aufnahme der Flugzeuge und auch die Unterkunft war relativ leicht gelöst, weil uns doch im Gut ein großer Saal mit mehreren Nebenräumen zur Verfügung stand. Flieger und Offiziere hatten von Anfang an besten Kontakt mit den Bewohnern der unmittelbar nebeneinander liegenden Dörfer Scado und Geierswalde. Natürlich war die Verbindung mit den Bewohnern Scados intensiver. Wir waren von Mitte Januar bis Anfang oder Mitte April in Scado und Geierswalde. Wir verließen die Gegend per Flugzeug Richtung Dresden (Radebeul) um in Prag zu landen.“


    Es sollen ca. 17 Ju 52 im Scadoer Wald stationiert gewesen sein. Die Maschinen flogen regelmäßig Einsätze in die Festung Breslau, um die eingeschlossene Stadt aus der Luft zu versorgen. Eventuell gibt es hier auch eine Verbindung zum Fliegerhorst Welzow, der nur unweit von Senftenberg entfernt liegt. Denn es existieren Belege, das Maschinen dieser und auch anderer Gruppen diesen Flugplatz während der Versorgungsflüge angeflogen haben. Die Bedingungen, unter denen diese Flüge durchgeführt wurden, waren sehr schwierig. Die Russen hatten die Festung Breslau mit einem fast undurchdringlichen Gürtel, bestehend aus zahlreichen Flak- und Scheinwerferbatterien umgeben. Viele Ju 52 und He 111 mitsamt ihren Besatzungen sind dadurch in Verlust geraten. (Quelle: siehe u. vgl. Chronik Scado/Geierswalde (?), S.41-42 mit Bechler, Fliegerhorst Welzow, S.95-96)


    Grüße

    Daniel

    Hallo Thomas & andere Interessierte,


    wie bereits richtig angemerkt wurde, „befand sich im Februar und März 1945 das Hauptquartier der 4. Panzer-Armee (General Gräser) bei Senftenberg. Von dort aus wurde fieberhaft am Ausbau der Stellungen an der Neisse gearbeitet. Den dort liegenden Ausbildungs- und Ersatzeinheiten wurden relativ moderne Waffen zugeführt, die Pioniereinheiten der 10. SS-Panzerdivision „Frundsberg“, der 25. Panzerdivision und des Fallschirm-Panzerkorps „Hermann Göring“ mit neuen SPW und anderem Gerät ausgestattet. In Lauchhammer erhielt das Ersatzbataillon der 21. Panzerdivision neue Achtrad-Spähpanzer (Puma) mit Infrarot-Nachtsichtgeräten. In Brieske lag das Ersatzbataillon der 32. SS-Frw.-Grenadierdivision „30. Januar“. Die übrigen Teile der 21. PD lagen noch auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück. Im Raum Guben lag die in Aufstellung befindliche 35. SS-Pol.-Grenadierdivision. Ihr sollten Teile vom Feldersatzbatailllon 4, von der Aufklärungsabteilung 4 und der Sturmgeschützabteilung 4, die in Henriette bei Sallgast und in Marga/Senftenberg lagen zugeführt werden. Die Vermisstenlisten der Division bestätigen dies.“

    (Quelle: Maik Sieberhagen, Die Kämpfe in der Niederlausitz im April 1945, in: Der Freiwillige Nr. 4/99)


    Meiner Ansicht nach kam es später, also nach dem Durchbruch der sowjetischen Armee, in Senftenberg selbst zu keinen nennenswerten großen bzw. schweren Kampfhandlungen. Das es vereinzelt zu Widerstand kam, ist selbstverständlich anzunehmen. Senftenberg fungierte eher in der Not heraus als eine Art kurzzeitige Auffangstellung, um den zurückweichenden deutschen Verbänden, u.a. aus dem „Kessel von Spremberg“, noch die Möglichkeit zu geben, sich nach Südwesten in Richtung Sachsen und Dresden zurückzuziehen.


    Eine besondere Rolle spielte dabei die Straße von Spremberg über Pulsberg – Jessen (heute abgebaggert) – Gosda (abgebaggert) – Haidemühl – Proschim – Lieske – Rosendorf (abgebaggert) – Wend. Sorno (ebenfalls bereits abgebaggert) – Sedlitz nach Senftenberg. Überwiegend wurde dieser Weg von flüchtenden Zivilisten, Verwundeten und von den nicht mehr kampffähigen Trossen genutzt. In der bisher erschienen Literatur wurde dieser zweite südliche Fluchtweg aus dem Kessel kaum beachtet. Seine damalige Bedeutung wurde sozusagen ein wenig unterschätzt. Die Masse der Veröffentlichungen konzentrierte sich demnach mehr auf die nördlichen Kämpfe um Kausche und die darauffolgenden Überquerungen der sogenannten „Todeswiesen“ bei Geisendorf, Petershain und Ressen.


    01.jpg

    Hier mal eine Karte dazu. Ich meine diesbezüglich hauptsächlich den unteren eher unbekannteren Rückzugsweg. Die handschriftl. farblichen Nachtragungen sind von mir und stammen etwa aus dem Jahr 2001. Das Ganze ist also schon eine Weile her. ;)


    Die nun nachfolgenden Erlebnisberichte könnten hierzu weitere Forschungsansätze liefern.


    Der aus Spremberg flüchtende Karl Erwig berichtete dazu folgendes:

    „... um 7:00 Uhr am 17. April verließen wir unser Haus, ... Gegen 10:00 Uhr waren wir dann ... in Pulsberg. ... Am zweiten Tag erfolgte auch auf den Ort Gosda ein schwerer Luftangriff. ... Es kamen noch andere Flüchtlinge aus Spremberg, die sich in der Futterküche einquartierten. ... Des Abends verstärkte sich das Bombardement ganz gewaltig, so daß wir uns entschlossen, weiter zu flüchten. Wir ließen einen Teil unseres Gepäcks im Keller zurück, setzten dann die Kinder in den Kinderwagen und flüchteten gegen 23:00 Uhr weiter inmitten zahlreicher anderer Flüchtlinge. Es war eine schlimme Nacht, Leuchtbomben und Leuchtspurmunition erhellten oft taghell die Nacht. Wir aber zogen mit Leiterwagen und mit Kinderwagen unverdrossen die Straße entlang über Haidemühl nach Proschim und wollten von hier aus nach Welzow. Da dort aber anscheinend schwere Luftangriffe waren, zogen wir es vor, die Straße nach Senftenberg zu ziehen. Hier kamen wir gegen 1:00 Uhr [Anmerkung meinerseits: 18. April 1945] an einen Wald, wo viel Militär in Stellung stand. [Anmerkung meinerseits: Welche Einheiten?] Die Straße war hiervon voll, ... Dann konnten wir weiterwandern und kamen gegen Morgen in dem größeren Ort Sedlitz an, wo wir von freundlichen Leuten eine Tasse Kaffee bekamen und die Kinder und uns selber wuschen. Dann zogen wir wieder weiter und kamen gegen 9:00 Uhr nach Reppnitz [Anmerkung meinerseits: richtig Reppist, kurz vor Senftenberg], wo wir wegen großer Übermüdung zunächst mal bleiben wollten. Kurz darauf mussten wir wegen dauerndem Fliegeralarm in einen großen Luftschutzbunker flüchten, wo wir mehrere Stunden verbrachten und erst gegen 15:00 Uhr ein Quartier zugewiesen erhielten bei der Frau Ziesche, Weinbergweg 3. Hier blieben wir dann über Nacht. Andern Früh [Anmerkung meinerseits: 19. April 1945] fuhr ich mit dem Rade in den Ort, um mich hier mal umzusehen, besonders auch wegen dem weiteren Fluchtwege. ... Da der Schlachtdonner immer näher kam, wollten wir des Mittags wieder weiter flüchten. Da jedoch die Frau Ziesche die Nachricht brachte, dass die Russen abschwenken würden, blieben wir hier. Gegen Abend war wieder ein schwerer Angriff und Daueralarm, wodurch wir genötigt waren, einen großen Bunker aufzusuchen, während unser Gepäck im Keller der Frau Ziesche verblieb. Die ganze Nacht saßen wir in diesem Bunker, einen früheren Bahntunnel, mit den Kindern auf dem Schoße. Immer wieder krepierten Bomben und Artilleriegeschosse über uns, und als wir dann anderen Früh [Anmerkung meinerseits: 20. April 1945] den Bunker verlassen konnten, waren die Russen da. Während wir aber die Nacht in dem Bunker verbrachten, hatte man im Keller der Frau Ziesche unser Gepäck durchsucht und gründlich ausgeraubt, darunter die ganzen Schuhe der Kinder, Wäsche, Kleider usw. Über uns sausten die Granaten hin und her, denn wir waren in einer russischen Artilleriestellung. Wir blieben noch den Tag und die kommende Nacht im Keller. ... Wir beschlossen am nächsten Morgen [Anmerkung meinerseits: 21. April 1945] wieder nach Hause zurückzukehren, da ein Weiterkommen für uns unmöglich geworden war, weil wir nunmehr hinter der Kampffront waren.“

    (Quelle: Heimatkalender 1995 – Stadt Spremberg und Umgebung, S.26-27)


    SS-Unterscharführer Horst Franke, Panzerkommandant eines Panzer IV in der 6./SS-Panzer-Regiment 10 „Frundsberg“, berichtete weiterhin:

    „19.04.1945 – In den frühen Morgenstunden standen wir am westlichen Stadtrand von Spremberg, von wo aus eine Nebenstraße nach Senftenberg führte, unser nächstes Ziel. Ich saß beim Fahrer auf der Zugmaschine. Erstens wollte ich sehen, wo es lang ging und zweitens wollte ich dem Fahrer nicht zumuten, dass er allein auf dem Bock saß. Die Besatzung war für alle Eventualitäten eingewiesen. Aber was sahen wir, als wir uns die Straße anschauten? In einiger Entfernung standen mehrere brennende Fahrzeuge. Offensichtlich wurde die Straße eingesehen und der Iwan hatte sich eingeschossen. Nun wollte keiner die schützende Stadt verlassen. Wir beide nahmen einen kräftigen Schluck aus der Flasche und ab ging die Post. Als wir uns der gefährdeten Strecke nährten fuhren wir einfach rechts neben der Straße mit Karacho weiter und der Iwan hatte das nachsehen. Bis er den Braten roch, waren wir schon in Sicherheit. Über Jessen und Proschim fahrend nährten wir uns dem Ort Sedlitz. Ich hatte so ein ungutes Gefühl und wir hielten etwa 400-500 Meter vor der Ortschaft. Mein Animus hatte nicht getrogen. Durch das gute Fernglas, welches jeder Kommandeur hatte, sah ich im Ort russische Infanterie, aber keine schweren Waffen. Wir fuhren dichter heran, nichts tat sich. Der Iwan hatte wohl nur die schöne Zugmaschine gesehen und nicht sein Anhängsel und ließ uns herankommen. Etwa 105 Meter vor dem Ortseingang machten wir dann plötzlich einen Schwenk, so dass der Panzer Schussfeld hatte. Mit Sprenggranaten und beiden MG haben wir den Brüdern dann Beine gemacht. Wir sind dann hurtig an dem Dorf vorbeigefahren und hatten wieder einmal die Kurve bekommen. Hört sich gut an, wenn man das so liest, aber wenn man dabei gewesen ist, spürt man doch, wie die Kreissäge dichter kommt. Kurz vor Senftenberg fiel uns dann ein großer Stein vom Herzen, als wir eigene Stellungen (Heer u. andere Einheiten) erreichten. Die wollten uns natürlich vereinnahmen und den Panzer in ihre Stellung einbeziehen. Ich ließ mich aber auf keinen Kuhhandel ein und fuhr in die Stadt hinein, wo wir ein gutes Quartier fanden. In der Nacht haben wir abwechselnd, bis auf den Fahrer, gewacht, man konnte ja nie wissen. Gar manch einer wurde schon im Schlaf überrascht und fand sich in Sibirien wieder, ohne mich.

    20.04. – 23.04.1945 – Nachts gingen die Sirenen, dass hieß, dass der Iwan kommt und sollte die Bevölkerung warnen. Aber was sollten die schon groß machen? Wie sollten sie entfliehen? Wir hatten Platz und nahmen einige mit Sack und Pack bis nach Bischofswerda mit, wo die Eisenbahn noch fuhr. ...“

    (Quelle: Westerhoff/Schneider, Weg einer Panzer-Kompanie 1943-1945, 6. Kompanie SS-Panzer-Regiment 10 „Frundsberg“, Selbstverlag, S.122-123, daraus stammt auch die gescannte Karte von oben)


    Während der Ausbruchskämpfe aus dem Kessel von Spremberg bekamen auch die Reste der Aufklärungs-Abteilung (AA) 55, welche sich vorher aus dem Raum Hirschberg/Schlesien auf Spremberg zurückzogen, den Befehl sich bei Senftenberg zu sammeln und zur 2. Kompanie zu stoßen. Noch vor Senftenberg kam es zu Waldgefechten und man schwenkte Richtung Finsterwalde ab.

    (Quelle: Rundbrief, Truppenkameradschaft Frundsberg, Mai 2000)


    Die SS-Sanitäts-Abteilung 10 „Frundsberg“ richtete in einem Bauerngehöft in Proschim einen Umschlagplatz für Verwundete ein. Vor dort aus fand dann ein Pendelverkehr statt, in den eigentlich bereits geschlossenen „Kessel von Spremberg“ und wieder zurück. Von Proschim aus wurden die Verwundeten anschließend nach Senftenberg gefahren, von wo aus noch am Abend des 22. April 1945 ein Lazarettzug die Stadt Richtung Bischofswerda verließ.

    (Quelle: Rundbrief, Truppenkameradschaft Frundsberg, Mai 2000)


    Des weiteren schien auch das SS-Feldersatz-Bataillon 10 „Frundsberg“ noch vor der Schließung des „Kessels von Spremberg“ über Senftenberg in zwei Gruppen herausgekommen zu sein.

    (Quelle: u.a. Erlebnisbericht von Dr. Hermann Kube, Soldat in der 10. SS-Pz.-Div. „Frundsberg“, undatiert, Privatbesitz)


    Um den 19. April 1945 muss in Senftenberg selbst Chaos geherrscht haben, was weitere SS-Männer bestätigten. So z.B. der SS-Untersturmführer Heinz Damaske, Adjutant des SS-Feldersatz-Bataillons 10 „Frundsberg“, der in Senftenberg „ein heilloses Durcheinander“ feststellte. „Keiner der dort ansprechbaren Heeres-Offiziere war in der Lage verwertbare Auskünfte über den Einsatz eigener Truppen oder über die Entfernung der vorstoßenden sowjetischen Panzerspitzen zu geben“. Weiterhin gab er zu Protokoll: „Auf welchen Straßen und Feldwegen wir von Senftenberg aus weiterfuhren, weiß ich nicht mehr.“

    (Quelle: Die Hellebarde, Nr. 20/99)


    Wie gesagt, ein erster Ansatz, der weitere Möglichkeiten zum Thema "Senftenberg im April 1945" eröffnen soll.


    Edit: Rechtschreibung, Ausdruck, Ergänzungen etc.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Freunde,


    erstmal herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten und Gedanken dazu. :thumbup:8)


    Es hat mich schon erstaunt, dass eine Quelle wie die "Encyclopedia of Camps and Ghettos" das Lager nicht erwähnt bzw. nicht aufführt. Daher denke ich, dass Franks/micha18 interessanter Beitrag der Sache doch schon recht nah kommt und auf den man aufbauen kann.


    ...

    Zwischen Mai und Oktober wurden 168 bis 172 Juden in Arbeitslagern interniert. Alle bis auf 16 wurden in Lagern in der Vorkriegsgemeinde Wisznice inhaftiert, darunter in einem Lager in Horodyszcze (Vorkriegsgemeinde Wisznice, Powiat Włodawa), um Wasserrückhalte- und Bewässerungsgräben für Hochwasserschutzprojekte zu graben. Die verbleibenden Juden mussten Zwangsarbeit leisten, einschließlich Straßenreinigung und Bau von Kasernen für deutsche Polizisten, SS und Soldaten, die manchmal in Wisznice einquartiert waren. Wie diese Verpflichtungen zwischen den Juden in den offenen und geschlossenen Ghettos aufgeteilt wurden, ist nicht bekannt.

    ...


    Vermutlich handelte es sich hierbei nur um ein sehr kleines Zwangsarbeiterlager. Praktisch eines von vielen, so wie es in Franks Quelle angegeben ist. Eventuell meldet sich hier im Forum in Zukunft noch der ein oder andere ortsansässige Geschichtsinteresssierte und kann nähere Auskunft zum Lager geben.


    Durch die nachfolgende Fotoaufnahme bin ich überhaupt auf das Lager gestossen. Im Original ist der Ortsnahme Rozwadowka besser zu lesen. Auf Google-Maps oder anderen Karten kann man auch den ungefähren Standort der Hinweisschilder relativ gut ausmachen.


    01.jpg 02.jpg


    Kann jemand mit der Abkürzung "ALA" etwas anfangen? Möglicherweise hat es mit dem "Judenlager Roswadowka" und der Baustelle zu tun.


    ...

    Zur Überwachung des Territoriums wurden Gendarmerieposten in Wisznice und Sławatycze eingerichtet. Leutnant Buchholtz, der erste Kommandant des Postens Wisznice, wurde später durch Leutnant Schruck (Sruk) ersetzt. Zu den in Wisznice eingesetzten Gendarmen gehörten Männer mit den Nachnamen Gering, Messal und Pudel.

    ...


    Das die Gendarmen aus Wisznice mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem "Judenlager" Roswadowka in Berührung kamen, daran besteht kein Zweifel. In Slawatycze bestand m.M. nach zu keinem Zeitpunkt ein Gendarmerie-Posten und "Leutnant Buchholtz" war auch nicht der erste "Kommandat des Postens" in Wisznice. Deshalb ergänzend zum Abschluss noch die herausgearbeitete Stellenbesetzung zum Gendarmerie-Posten Wisznice.


    Gendarmerie-Posten Wisznice

    Postenführer:

    Gend.-Obermeister zur Probe Ernst MÜLLER (ab 16.06.1940 – 23.05.1941)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Fritz KALICH, geboren am 01.07.1892, Heimatdienststelle: Reichsstatthalter Oberdonau in Linz, kam als Postenführer vom Gend.-Posten Krasnystaw (ab 01.12.1941 – bis 16.01.1943)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Willi BORNEMANN, kam als Postenführer vom Gend.-Posten Krasnik, dann als Postenführer zum Gend.-Posten Tomaszow-Lubelski versetzt (ab 16.01.1943 – bis 30.04.1943)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Friedrich GERKEMEIER, kam als Postenführer vom Gend.-Posten Tomaszow-Lubelski (ab 30.04.1943)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Emil BUCHHOLZ, geboren am 28.06.1902 in Neustrelitz, Kreis Kolmar, Heimatdienststelle: Frankfurt/Oder, als Postenführer zum Gend.-Posten Michow versetzt (20.06.1943 – bis 15.10.1943)

    Bez.-Leutnant d.Gend. SCHRUCK (?)

    Bez.-Leutnant d.Gend. Michael EICH, kam als Postenführer vom Gend.-Posten Tomaszow-Lubelski (ab 01.03.1944)

    Weitere nachweisbare Angehörige des Gendarmerie-Posten Wisznice:

    Meister d.Gend. Ernst SCHULZ, kam vom Gend.-Posten Tyszowce (00.00.1939 – 00.07.1944)

    Meister d.Gend. Karl KRUG, vorher über 3 Jahre bei der Feldgendarmerie (ab 16.06.1943 im auswärtigen Einsatz – am 21.12.1943 im Kampf mit Banditen gefallen)

    Meister d.Gend. Erich ZUBE, Heimatdienststelle: Reg.-Präs. Potsdam, Reitlehrer (14.02.1942 – 18.02.1942)

    Meister d.Gend. Johann SIMANSKI, geboren am 27.10.1880 in Eichhöhe, Kreis Sensburg, Heimatdienststelle: Reg.-Präs. Frankfurt/Oder, Hundeführer, Name des Diensthundes: Dina, war vorher und danach in Neupetershain/Niederlausitz als Ortsgendarm tätig, tötete nachweislich auch dort mind. einen russ. Zwangsarbeiter (ab 30.11.1940 – bis 17.04.1942, Abordnung auf Grund des hohen Alters aufgehoben)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Karl SCHWARZER, als Kraftfahrer zum Gend.-Posten Krasnystaw versetzt unter gleichzeitiger Aufhebung der Abordnung zum KdO Lublin (bis 10.12.1943)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Josef SCHWEINERT (03.08.1940)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Karl MATTL (03.08.1940)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Jakob SCHWARZWÄLDER, zum Gend.-Zug Bilgoraj versetzt (bis 16.01.1943)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Georg FRANK, kam vom Gend.-Zug Bilgoraj (ab 16.01.1943)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Wilhelm PINKERNELL (am 19.06.1944 gefallen im Kampf mit Banditen)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Johann KLIMEK, zum Kdo. des Gewerbeaußendienstes und der überörtlichen Preisüberwachung beim Stab KdGend Lublin versetzt (bis 15.10.1942)

    Hauptwachtmeister d.Gend. Kurt ZEEH, kam als Kraftfahrer vom Gend.-Posten Janow-Lubelski (ab 15.10.1943)

    Bez.-Oberwachtmeister d.Gend. Ferdinand PILZWEGER, als Kraftfahrer zum Gend.-Posten Janow-Lubelski versetzt (bis 15.10.1943)

    Bez.-Oberwachtmeister d.Gend.d.Res. Anton FRANKENBERG, geboren am 06.01.1893 in Lissen, Heimatstandort: Fraustadt, Reg.-Bez. Liegnitz, zum Gend.-Posten Chotylow versetzt (ab 01.03.1941 – bis 16.10.1941 – dann wieder beim Posten erwähnt vom 16.03.1942 – 15.04.1944)

    Oberwachtmeister d.Gend. Edmund MESSAL (15.11.1943)

    Oberwachtmeister d.Gend.d.Res. Alfred KLEBER, Heimatdienststelle: Reg.-Präs. Merseburg (05.11.1942)

    Wachtmeister d.Gend. Hellmut MILLING, vorher Hilfspolizist (HiPo), war bereits im Juni 1940 ein Angehöriger der III. Gend.-Hauptm. Radzyn, später als Kraftfahrer und Dolmetscher zum Gend.-Posten Zwierzyniec versetzt (03.08.1940 – bis 10.12.1943)

    Wachtmeister d.Gend. Reinhold BOSENIUS, Heimatdienststelle: Reg.-Präs. Posen (16.06.1942 – 20.04.1944)

    Wachtmeister d.Gend.d.Res. Hermann DRAXLER (15.04.1944)

    Wachtmeister d.Gend.d.Res. Gustav MENZEL, kam als Kraftfahrer vom Gend.-Posten Krasnystaw (ab 10.12.1943)

    Wachtmeister d.Gend.d.Res. Franz LETZEL, für den Außendienst zum Gend.-Posten Lublin versetzt (bis 20.11.1943)

    Wachtmeister d.Gend.d.Res. ARNDT (16.06.1942)

    Rottwachtmeister d.Gend. Gustav KRÜGER, Heimatdienststelle: Reg.-Präs. Posen (01.07.1942)

    Oberwachtmeister d.HiPo Alfred PUDEL, geboren am 10.10.1921 in Truszcyanek, zum Gend.-Posten Niedrzwica versetzt (03.08.1940 – bis 19.02.1943)

    Oberwachtmeister d.HiPo Heinrich REICH, kam vom Gend.-Posten Niedrzwica (ab 19.02.1943 – 30.11.1943)

    Anwärter d.Gend. Wilhem FRÜSKE oder FRISKE, Hilfspolizist, Ende 1940 zum Reitlehrgang nach Bychawa abgeordnet (25.11.1940)

    Anwärter d.Gend. Erhard RUSCHE, Ende 1940 zum Reitlehrgang nach Bychawa abgeordnet (05.11.1940)

    Hilfspolizist (HiPo) KLATT, im September 1940 zum Reitlehrgang nach Bychawa abgeordnet (26.09.1940)

    Hilfspolizist (Hipo) Emanuel BERG, war bereits im Juni 1940 ein Angehöriger der III. Gend.-Hauptm. Radzyn (03.08.1940)


    Nur am Rande:

    Der Gendarmerie-Posten Wisznice stach nach meinen bisherigen Recherchen durch kontinuierliches Morden heraus und hob sich so von vielen anderen Posten im Distrikt Lublin deutlich ab. Fast täglich erschossen die Gendarmen mindestens einen Juden, Banditen oder Helfershelfer auf der Flucht. Man ersparte sich so den Papierkram und die zeitaufwendige vorgeschriebene Überstellung der Gefangenen zum SD. Auf gut deutsch gesagt, Erschießen war einfacher. Selbst die Vorgesetzten und höheren Dienststellen beschwerten sich mehrmals über die Vorgehensweise der Ordnungspolizei (SchuPo und Gendarmerie).


    Beste Grüße

    Daniel