Posts by Policeman

    Hallo,


    hier ein weiterer nachweisbarer Offizier.


    Oberleutnant d.SchP. Ernst HUBER (PV Düsseldorf)

    SS-Nr. 289.191

    29.03.1917 geboren

    15.09.1939 - 15.12.1939 Zugführer in einer Pol.-Hundertschaft

    15.03.1940 - 15.12.1940 abgeordnet zum Pol.-Batl. 45, mit diesem in Rzeszow, Generalgouvernement, eingesetzt

    15.03.1941 - 15.12.1941 Führer der 1. Res.-Pol.-Komp. bei der SchuPo in Düsseldorf

    15.03.1942 Waffen-SS (?)


    Grüße

    Daniel

    Hallo Amadeus,


    habe sämtliche mir vorliegenden Quellen zu den in Frage kommenden Bataillonen durchsucht, leider Fehlanzeige, kein Obltn. dSchP.d.Res. Schneider nachweisbar. Aber auch hier muss ich wieder anmerken, unsere Aufzeichnungen sind unvollständig.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Torben,


    Detlef Block, geboren am 15.12.1920 und ledig, war seit 01.09.1939 NSDAP-Mitglied und unter der Mitgliedsnummer 7.183.186 registriert. Laut Runderlass des RFSS vom 30.01.1941 wurder er zum 19. Offiziersanwärter-Lehrgang an die Polizei-Offizierschule Berlin-Köpenick abkommandiert, welcher vom 12.02.1941 (Eintreffetag) - 12.07.1941 (letzter Lehrgangstag) stattfand. Bis zu diesem Zeitpunkt war er beim Unterführer-Lehrbataillon in Dresden-Hellerau stationiert. Gleichzeichtig war seine Heimatverwaltung auch die Polizeiverwaltung (PV) Dresden. Das er diesen Lehrgang erfolgreich absolvierte, belegt auch seine Beförderung zum Leutnant d.SchP. am 12.07.1941. Demnach kann er erst ab frühstens diesem Zeitpunkt zum Reserve-Polizei-Bataillon 45 gestossen sein. Im Bataillon war er dann vermutlich als Zugführer tätig. Sein unmittelbarer Vorgesetzter in der 2. Kompanie war der Kompaniechef, Hauptmann d.SchP. Engelbert Kreuzer. Zu ihm gibt es auch ein Ermitttlungsverfahren.


    Quellen:

    Reichsrangliste d.Offz.d.SchP.u.Gend., 3. Teil, Oberleutnante und Leutnante, Stand v. 01.12.1941

    RMBliV, Nr. 6, Berlin, den 5. Februar 1941, 6.(102) Jahrgang

    Propagandazeitschrift: Die Deutsche Polizei, 9. Jahrgang, Berlin, den 15. August 1941, Nr. 16

    Rüter/de Mildt, Justiz und NS-Verbrechen, Band XXXVI, Lfd.Nr. 759


    Viele Grüße

    Daniel

    Hallo Uwe/MunaLisa,


    ich weiss nicht, ob ich hier richtig bin? :/

    Bei der Begutachtung eines sogenannten Schilderbaums in Zamosc 1941 stieß ich auf eine Befehls-Stelle Ermeler.


    Ermeler.jpg


    Handelt es sich hierbei um euren Ermeler?


    Grüße

    Daniel

    Hallo Amadeus

    Kennt jemand die Namen der Kompanieführer beim RPB 42 bzw. I. Bataillon/PR 17 ?

    ja, einige Namen sind belegt und liegen daher auch vor. Es befindet sich darunter aber kein Pol.-Offizier mit Nachnamen Schneider usw.

    Aber wie bereits gesagt, auch diese Liste ist natürlich lückenhaft.


    Grüße

    Daniel

    Hallo,


    vor Ostern lege ich noch einen nach, auch wenn es manchen sicherlich schon nerven wird. ;)

    Aber keiner Sorge, dies wird mein letzter Beitrag zum Thema Wirths sein, es sein denn, es liegen in Zukunft neue verwertbare Forschungsergebnisse zur Person vor.


    Da in den letzten Beiträgen von Onkel Horst, Rote Kapelle und Jockel überaus großer Wert auf eine wissenschaftliche Rezension gelegt wurde, nehme ich jetzt mal kurz Abstand von Völkleins Arbeit und Kramers dazugehöriger Rezension und wende mich daher ebenfalls einer wissenschaftlichen Rezension zu, nämlich der vom Historiker Sven Keller.


    Dieser kommt in seinem Resumee zu Beischls Arbeit, welche u.a. von Rote Kapelle als Quelle angegeben wurde, zu einer ambivalenten Erkenntnis, und dass obwohl der Buchautor Wirths „zweifellos zu den größten Massenmördern der NS-Zeit“ zählte.


    Selbst Keller sprach in seiner Rezension aus dem Jahr 2006 von einer nur „schwer aufzulösenden Ambivalenz, die den Standortarzt von Auschwitz kennzeichnet“. Weiterhin stimmte er auch „sehr eingeschränkt“ zu, dass Wirths „widerwillig am Vernichtungsprozess mitarbeitete, Verbesserungen für die Häftlinge erreichte und letztlich nur in Auschwitz blieb, um Schlimmeres zu verhüten“.


    Siehe: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-8207


    Ergänzend dazu möchte ich auch noch auf die zahlreichen Ausarbeitungen einer „wirklichen“ Auschwitz-Expertin hinweisen, der polnischen Historikerin Danuta Chech, welche Eduard Wirths und Arthur Liebehenschels Handlungen in der Vergangenheit wesentlich differenzierter betrachtet und ihre Verqickungen zum Lager-Widerstand (Kampfgruppe Auschwitz) veranschaulicht, die bis heute leider nicht wirklich untersucht wurden.


    Siehe dazu exemplarisch:

    Chech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945 etc., weitere Arbeiten von Chech wurden übrigens auch von Völklein verwendet


    Wo genau liegt jetzt eigentlich das Problem in dieser Forums-Kontroverse?


    In den geforderten bzw. gewünschten Desideraten von Kramer und Keller (Stichwort: Abhängigkeitsverhältnis der Funktionshäftlinge Langbein, Lill usw.), die bis heute nicht erschienen sind und auf die wir womöglich nochmal 15 Jahre warten werden, falls wie oben bereits angemerkt, sich einer ihrer Forscherkollegen dem überhaupt jemals annehmen wird?


    In der nicht rezepierten bzw. beachteten Forschungsliteratur, u.a. von Karin Orth, zu der Keller interessanterweise in der Fußnote angemerkt hatte, dass „die Standortärzte in ihrer gruppenbiografischen Studie zum Führungspersonal der Konzentrationslager nicht berücksichtigt“ wurden? Gegenfrage: Warum also dann berücksichtigen, wenn die SS-Standortärzte gar nicht drin vorkamen?


    Des weiteren beleuchtete bis heute niemand kritisch Handlungsweisen der Historiker im Allgemeinen. Es fehlen Studien zur ihrer politischen Gesinnung, Partei-Nähe, Wahlverhalten und der daraus resultierenden Motivation beim Erarbeiten von wissenschaftlichen Texten, Auftragsarbeiten usw. Eine spannende und durchaus berechtigte Frage, gerade zu besonders brisanten Themen, zumal wir danach ihre Arbeiten besser einordnen könnten (Stichwort: Transparenz, durchaus zu vergleichen mit Lobbyarbeit bei Politikern). Mir ist selbstverständlich klar, dass das nicht erwünscht ist. Aber es ist trotzdem ein Punkt der grundsetzlich hinterfragt werden sollte. Denn unvoreingenommen, neutral und ausgewogen zu arbeiten ist nicht so selbstverständlich, wie viele hier glauben.


    Trotz allem schöne Ostern & beste Grüße

    Daniel

    Hallo Amadeus,


    hier die bisher nachweisbaren Kommandeure des Reserve-Polizei-Bataillons 42 (Heimatstandort: Dresden), dann I./Polizei-Regiment 17 (Heimatstandort: Frankfurt/Main). In den Klammern findest du wie immer den belegbaren Zeitraum.


    Major d.SchP. WALTHER (11.09.1942)

    Major d.SchP Karl DECKERT, PV München (22.09.1942)

    Hauptmann d.SchP Erich VOM BAUR, PV Wuppertal (01.06.1943)
    Hauptmann d.SchP. Wolfgang SCHATTEBURG (18.07.1944)


    Wie du aber sehen kannst sind einige Lücken dabei. :/


    Woher hast du eigentlich die Namen WALTHER oder DETERDING usw., denn bei Angrick sind diese nicht erwähnt?


    Grüße

    Daniel

    Hallo Amadeus,


    deine Gedanken waren/sind tatsächlich identisch mit meinen, habe ich irgendwie schon geahnt bei deiner Fragestellung. Angrick scheint dort also doch etwas durcheinandergebracht zu haben.


    Auch mit dem Nachnamen Göhe habe ich so meine Schwierigkeiten, denn ich kann ihn anhand meiner vorliegenden Reichsranglisten nicht wirklich nachweisen. Eventuell handelt es sich hier ebenfalls um einen Fehler oder eine Verwechslung. Ich meine es könnte sich eher um einen Major d.SchP. Gloe oder Goede handeln?


    Ich würde mir dazu aber noch gern weitere Meinungen anhören wollen.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Amadeus,


    sehr interessante Frage, habe mich ebenfalls erst letztens damit beschäftigt. 8)


    Kannst du mir dazu eine Quelle nennen?


    Angrick verortet einen Major d.SchP. GÖHE beim I./Polizei-Regiment 22 (ehemals Reserve-Polizei-Bataillon 41) im Distrikt Radom 1943/44. Obwohl ich seiner Interpretation noch nicht ganz folgen kann, siehe dazu bitte weiterführende Angaben in den Fußnoten. :/

    (Quelle: Andrej Angrick, Aktion 1005 - Spurenbeseitigung von NS-Massenverbrechen 1942-1945, Band 2, Wallstein Verlag, Göttingen 2019, S.851-852)


    Ich hatte damals schon irgendwie das Polizei-Wach-Bataillon Dresden aus dem Wehrkreis VI in Verdacht, du erinnerst dich. ;)


    Ein Oberstleutnant d.SchP. DETERDING war 1945 Regiments-Adjutant im SS-Polizei-Regiment 15 in Italien.


    Grüße

    Daniel

    Hallo


    @ Horst

    ja, Deine Beiträge haben mich kurzfristig schon beschäftigt, insbesondere der vom Donnerstag (# 209). Die irgendwie arrogante Bemerkung, über einige User, die neuerdings mit Rezensionen um sich schmeißen......, halte ich jedenfalls für überflüssig


    Das du die "arrogante Bemerkung" für überflüssig hälst ist dein gutes Recht. Aber wie man lesen kann, haben dich meine zwei Beiträge an der falschen Stelle beschäftigt. Auf meinerseits eingebrachte Einwände und Fragen, belegt mit Links und Quellen, fällt dir nichts weiter ein? ;(


    Du hast meinen Respekt zu Deinem ausgewogenen Beitrag (Nr. 210)


    Danke für die Blumen. 8)

    Freut mich, dass du meine Beiträge verstanden hast.


    Beste Grüße

    Daniel

    Hallo Ben,


    Im Raum Lublin, teilweise auch gegen Partisanen eingesetzt.


    Gibt es dazu Belege oder weitere Hinweise und Angaben?


    Ich hatte vor einigen Wochen im Forum ein Thread dazu eröffnet, auf der Suche nach weiteren Informationen.


    Siehe dazu bitte hier:

    5. SS-Panzer-Division "Wiking" im Partisanenkampf im Distrikt Lublin 1944


    Bisher hielt sich das Feedback zum doch recht speziellen Thema in Grenzen. Eventuell kannst du weitere Informationen beisteuern?


    Beste Grüße

    Daniel

    Hallo Freunde,


    von Otto Peter ein erstes brauchbares Foto. 8)


    1.jpg

    Rückseitige Orig. Beschriftung (handschriftl.):

    "Major Peter

    als Kommandeur

    dahinter unsere Offiziere"


    Die Aufnahme müsste ihn als Kommandeur des Pol.-Batl. VI/1 im Protektorat Böhmen-Mähren zeigen.


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Rote-Kapelle & Interessierte,


    da ich mir relativ sicher bin, dass weitere Fragen und Bedenken bezüglich meiner Ausführungen vom Donnerstag folgen werden, möchte ich meine Gedanken hierzu noch einmal vertiefen und auch begründen. Es fehlte am Donnerstag leider einfach die Zeit dazu.


    Wie oben bereits angemerkt und im Link aufgezeigt, halten sich Kramers Arbeiten zur NS-Täterschaft deutlich in Grenzen. Noch dazu sind diese als sogenannte Sammelbände (z.B. NS-Täter in interdisziplinärer Perspektive 2006) unter ihrem Namen erschien. Kurz gesagt, es ist nicht immer Kramer drin wo Kramer draufsteht. Tiefgründiger hat Kramer m.W. nie zu einem speziellen NS-Täter geforscht. Aber ich lerne immer gern dazu, helft mir auf die Sprünge, wenn ich etwas verpasst habe. Das macht sie für meine Begriffe, Stand heute, nicht zwangsläufig zu einer NS-Forscherin-Koryphäe, trotz ihrer in Teilen berechtigten, wenn auch subjektiv wissenschaftlichen Rezension. Für sachlich und fair halte ich sie dennoch nicht, eher für überheblich und ebenfalls selektiv. Denn auch Kramer beachtete Quellen nicht, siehe dazu meine Ausführungen weiter unten. Meiner Meinung nach handelt jeder Mensch selektiv, wenn es darum geht ein bestimmtes Themenfeld zu bedienen. Das Historiker davon ausgenommen sind, wäre mir neu. Deshalb sollte man auch jede Rezension kritisch beleuchten, egal wer sie letzten Endes verfasst hat. Zu beachten wäre hier weiterhin, dass bei Kritik Gegendarstellungen nur in seltensten Fällen zur Anwendung kommen. Warum ist das so? Die Frage muss erlaubt sein.


    Des weiteren ist eine Rezension ergänzend zum Werk zu betrachten, u.a. als Feedback, Kritik etc. Eine Rezension über ein Werk zu stellen, halte ich für nicht zielführend, zumal Forumsmitglieder die Arbeiten von Völklein zu Wirths und Mengele oder Beischls offensichtlich nicht einmal ansatzweise gelesen haben. Ausserdem bezweifle ich stark, dass sich jemand nach einer vernichtenden Kritik, so wie bei Völklein geschehen, noch ernsthaft mit dem Buch auseinandersetzen wird. Ein Auto kauft man ja schließlich auch nicht, wenn es vorher in einer Fachzeitschrift schlecht bewertet wurde. Eine objektive Meinungsbildung sieht für mich anders aus, nämlich in dem man nach mehreren Quellen sucht, sie findet, sie liest, miteinander vergleicht und abschließend zu einem Ergebnis kommt. Vielleicht noch ergänzend dazu. Die Erstellung einer ausführlichen NS-Täterbiografie in Buchform zieht sich in der Regel über mehrere Jahre hin. Wer an Ähnlichem schon einmal gearbeitet hat, weiss wovon ich spreche. Eine kritische Rezension entsteht innerhalb von nur wenigen Tagen/Wochen. Kritisieren ist deshalb immer einfacher als etwas zu riskieren und sich zu guter Letzt angreifbar zu machen!


    Auf Grund seiner unübersehbaren Ambivalenz, welche von drei verschiedenen Gruppen:

    1) der Familie (Nachlass),

    2) einem weiteren SS-Haupttäter (Höss) und

    3) den Opfern (Lill, Langbein und auch Pys) bestätigt wurde,

    sehe ich den SS-Standortarzt Dr. Eduard Wirths eher in der Nähe von einem SS-Arzt Franz Lucas, auch wenn dieser in der Hierarchie unter ihm stand, als von Josef Mengele oder eines Friedrich Entress. Wirths passt in keine Schublade von Gut und Böse, man kann es drehen und wenden wie man will. Selbst ein Wirths hatte in seiner Tätigkeit als SS-Standortarzt nur begrenzte Möglichkeiten zum Handeln. Die Shoa konnte auch er nicht aufhalten, auch wenn sich dies manche Zeitgenossen gern wünschen. Als Entschuldigung soll dies dennoch nicht gewertet werden. Ihn als Widerständler zu bezeichnen geht m.E. nach auch weit am Ziel vorbei. Wirths war m.M. nach ein Wanderer zwischen den Welten, ein Träumer, der in der Realität aber trotzdem weiterhin ein Teil des Bösen war. Nicht umsonst nahm er sich das Leben, denn er wusste wie tief er darin verstrickt war. Der von Völklein gewählte Titel „Der Mächenprinz“ ist m.M. nach daher gar nicht so unpassend. Über Wirths, den er als SS-Lagerarzt übrigens sehr schätzte, sagte Rudolf Höss aus: „Doch war er sehr weich und gutmütig und brauchte unbedingt einen starken Rückhalt, auf den er sich stützen konnte. [...] Ich musste ihn immer wieder aufrichten mit dem Hinweis auf die harte Notwendigkeit der vom RFSS ergangenen Befehle. Auch die gesamte Juden-Vernichtung brachte ihm Gewissensskrupel, die er mir oft im Vertrauen offenbarte.“

    (Quelle: Manfred Deselaers, "Und Sie hatten nie Gewissensbisse?" - Die Biografie von Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz und die Frage nach seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, Leipzig 2001, S.187)


    Wirths, der also eh schon Zweifel an der "gesamten Juden-Vernichtung" hatte, noch dazu „sehr weich“ war, musste vom KZ-Kommandanten in Auschwitz, Rudolf Höss, regelmäßig neu motiviert und gelenkt werden. Die Aussagen von Höss zu Wirths erwähnte Kramer in ihrer Rezension z.B. mit keiner Silbe und schon allein deswegen passt auch ihre Beurteilung nicht ins Gesamtbild, Wirths sei ein glühender Antisemit gewesen, der stetig aktiv Massenmord betrieb. Vielleicht war das am Anfang seiner Karriere so, aber spätestens ab 1942 änderte sich etwas und es kam zu einem Bruch in seiner Psyche oder auch in seinem Handeln.


    Jockel zitierte weiter oben auch den Göttinger Historiker Stefan Hördler, dessen Ausführungen ich ebenfalls nur bedingt folgen möchte.


    Vor diesem Hintergrund darf nicht vergessen werden, dass Mitte 1943 die großen Gaskammern und Krematorien in Auschwitz-Birkenau fertig gestellt wurden.


    Hatte Wirths in seiner Tätigkeit als SS-Standortarzt tatsächlich etwas mit der Fertigstellung (Stichworte: Auftrag, Planung, Baulauleitung) der Gaskammern und Krematorien in Auschwitz-Birkenau zu tun?


    Die Fachliteratur deutet eher daraufhin, dass das ganze Geschehen und die Entwicklung auf Eigeninitiative von Rudolf Höss und dem Leiter der Zentralbauleitung der Waffen-SS in Auschwitz, SS-Sturmbannführer Karl Bischoff, basierte. Wirths wird in diesem Zusammenhang mit keinem Wort erwähnt.

    (Quelle: siehe u. vgl. dazu exemplarisch das Kapitel: Die vervollkommenten Gaskammern in Birkenau, in: Kogon/Langbein/Rückerl, Nationalsozialistische Massentötungen durch Gitgas, Frankfurt/M. 1983, S.217-239 mit Fiedler/Siebert/Kilian, Zeugen aus der Todeszone – Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz, München 2005, S.109-129)


    Auch zu den von Hördler angesprochenen Themen Beförderung und KVK-Verleihungen bin ich im Augenblick Zwiegespalten. Was steht denn genau in den jeweiligen Verleihungsvorschlägen? Für was bekam er also die Auszeichnungen? Meines Wissens leistete Wirths bei der Seuchenbekämpfung (Fleckfieber) außerordentliches und verbesserte die bisherigen katastrophalen Zustände im Lager. Dafür bekommt selbst ein SS-Täter Orden.


    Übrigens will ich hier niemand überzeugen! Das soll jeder selbst für sich entscheiden. Kritische Reflexion, mein Lieblingswort ;), ist jederzeit angebracht und wichtig, nicht nur bei Völklein, auch bei Kramer oder selbst bei mir. Niemand sollte davon ausgenommen sein.


    Edit: Rechtschreibung & Ergänzungen


    Grüße

    Daniel

    Hallo Walter,


    vielen Dank für den Hinweis.

    Ich denke aber, dass das Foto nichts mit dem Pol.-Ausb.-Batl. Beuthen-Oppeln zu tun hat. Denn es ist laut rückseitiger Beschriftung 1943 entstanden und wir sehen hier einen älteren "Gendarmerie Lehrer", der mit großer Wahrscheinlichkeit auch seinesgleichen (Gendarmen) ausgebildet hatte. Weiterhin gibt es keinen Beleg dafür, ob das Foto auch wirklich in Oppeln entstanden ist, sondern nur die Händlerbeschreibung. Ich bezeichne mich jetzt mal mutig als eBay-Profi ;) und behaupte, dass man Händlerangaben grundsetzlich nicht vertrauen sollte. Die tun nämlich alles um den höchstmöglichen Preis zu erzielen. Also Vorsicht beim mitbieten!


    Beste Grüße

    Daniel

    Liebe Forscherkollegen & Interessierte,


    die Quellenlage zum Polizei-Ausbildungs-Bataillon Beuthen und Oppeln ist äußerst spärlich. Bis vor wenigen Tagen war unserem Rolandus/RolandP und meiner Wenigkeit noch nicht einmal die Existenz dieses Bataillons bekannt. Hier die bisherigen zusammengetragenen Fakten.


    24.05.1940

    Am Freitag den 24.05.1940 fand auf dem Reichspräsidentenplatz in Oppeln die Vereidigung der neu eingestellten Polizeiwachtmeister des Polizei-Ausbildungs-Bataillons Beuthen und Oppeln statt. Bataillons-Kommandeur war zu diesem Zeitpunkt ein Oberstleutnant d.SchP. Petersen.

    (Quelle: Der oberschlesische Wanderer, amtliches Organ der NSDAP sowie aller städtischen und staatlichen Behörden, 25. Mai 1940, 113. Jahrgang, Nr. 143)


    1.jpg

    Rückseitige Orig. Beschriftung (handschriftl.) des Fotos:

    "Vereidigung der Wachtm. von

    der 5. + 6. Kp. in Oppeln

    Marktpl."


    Laut Erlass des RFSSuChdDtPol vom 27.05.1940 sollte die Technische Polizei-Schule Berlin den Polizei-Ausbildungs-Bataillonen in Beuthen und Oppeln je ein Schmalfilmtongerät übersenden.

    (Quelle: RMBliV)


    Demnach scheint es anfangs zwei Polizei-Ausbildungs-Bataillone im Regierungs-Bezirk Oppeln gegeben zu haben, eines in Beuthen und ein weiteres in Oppeln. Vermutlich sind beide Bataillone kurz darauf zu einem verschmolzen. Roland nimmt weiterhin an, dass es bis etwa Juni 1940 ein Ausbildungs-Bataillon mit Standorten in Beuthen (1. - 3.Kp.) und Oppeln (4. - 6.Kp.) gab. Kommandeur war der oben bereits erwähnte Oberstleutnant d.SchP. Lothar Petersen, geboren am 18.08.1892, der im März 1941 auch Kommandeur des Polizei-Unterführer-Lehrbataillons Dresden-Hellerau war.


    2.jpg

    Rückseitige Orig. Beschriftung (handschriftl.) des Fotos:

    "Offiziere des Batl. Beuthen-Oppeln

    bei der Geländebesprechung

    in Cosel [heute Kozle] Juni 1940"


    Laut Erlass des RFSS vom 17.09.1940 erhielt die Polizei-Verwaltung Oppeln 4.748 Reichsmark an Haushaltsmitteln für sein Polizei-Ausbildungs-Bataillon. Zu diesem Zeitpunkt war also nur noch ein Bataillon vorhanden.

    (Quelle: RMBliV)


    Aktuell vermuten Rolandus und ich, dass Teile des Bataillons zur Aufstellung des Polizei-Bataillon 32 (Heimatstandort: Berlin) herangezogen worden sein könnten. Denn es fällt auf, dass Mannschaften und mindenstens drei Offiziere des späteren Polizei-Bataillon 32, u.a. Oberleutnant d.SchP. Franz Bäsler (Adjutant), Oberleutnant d.SchP. Alfred Dziony (Chef d. 6. Kp. in Oppeln), Hauptmann d.SchP. Heinrich Markwart (?), vorher im Großraum Schlesien tätig waren, Bäsler (PV Breslau) in Katscher O.S., Dziony (PV Breslau) in Oppeln und Markwart ebenfalls in Breslau. Ein Zufall?


    Roland und ich würden uns daher freuen, wenn in Zukunft in diesem Thread weitere Informationen zum ominösen Polizei-Ausbildungs-Bataillon Beuthen-Oppen zusammengetragen werden könnten. Jedes Fragment zählt, sei es auf den ersten Blick noch so unwichtig und klein.


    Viele Grüße

    Daniel

    Hallo Jonas,


    alles gut, abschweifen ist hier durchaus erwünscht. :thumbsup: Wollte halt nur nochmal kurz darauf hingewiesen haben, sich jetzt nicht zwangsläufig und tiefgründiger in diesem Thread mit dem Thema Antisemitismus in Polen 1939-1945 auseinanderzusetzen, denn der Schwerpunkt soll weiterhin, wie der Titel schon sagt, bei der Gendarmerie bleiben. Wer dennoch Interesse verspürt an einer weiterführenden Diskussion, kann ja dazu ein neuen Thread eröffnen. Kein Problem denke ich, niemand hindert einen daran, dazu ist dieses Forum da. Ansonsten richtig, der deutsche TV-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" hat das eh schon kontrovers geführte Thema in Polen nochmal kräftig aufgeheizt.


    Wirst du in deiner Arbeit auf die Zusammenarbeit zwischen blauer Polizei und Gendarmerie auch eingehen? ist ja wirklich ein spärlich beleuchtetes Thema.


    Ja, definitiv, wird sich nicht umgehen lassen. Denn die polnische blaue Polizei (granatowa policija) war der deutschen Gendarmerie unterstellt. Das heißt, sie hatte die Oberaufsicht und Koordination über die polnische Polizei inne. Es gibt dazu auch schon ein paar wissenschaftliche Arbeiten, welche aber größtenteils nur in englischer oder polnischer Sprache veröffentlicht wurden. Ein Problem für mich, wie oben bereits erläutert, da ich der polnischen Sprache nur bedingt mächtig bin.


    Hier exemplarisch eine zusammengefasste deutsche Rezension für drei interessante polnische Arbeiten zum Thema:

    https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-16103


    Brauchbar, bezüglich Motivation etc. der Polen ist, ist auch der der Beitrag von


    Klaus-Peter Friedrich, Zusammenarbeit und Mittäterschaft in Polen 1939-1945, in: Koorperation und Verbrechen - Formen der "Kollaboration" im östlichen Europa 1939-1945, S.113-150.


    Liebe Grüße

    Daniel

    Hallo Rote-Kapelle,


    gern nehme ich Stellung zu deinen Ausführungen. Dazu aber vorab nochmal.


    Wirths’ Handlungen waren sicherlich von Ambivalenz geprägt. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Wirths ein NS-Täter war und den nationalsozialistischen Vernichtungsapparat unterstützt hat.


    Dann sind wir uns ja einig, etwas anderes hatte hier niemand behauptet.


    Horst hat dankeswerterweise bereits auf die umfangreiche Replik der anerkannten NS-Täter Forscherin Helgard Kramer hingewiesen, ...


    Ansichtssache Helgard Kramer in den Himmel zu heben. Nach meiner bisherigen Kenntnis halten sich ihre Ausführungen zu NS-Tätern prozentual gesehen, selbst gemessen an ihren eigenen Arbeiten, arg in Grenzen. Denn ihre eigentlichen Stärken liegen nämlich in ganz anderen Themenbereichen.


    Siehe dazu hier: https://www.polsoz.fu-berlin.d…eiter/emeriti/kramer.html


    Um es offen zu sagen, ich gebe nicht viel auf Kramer, besonders im Hinblick auf ihre NS-Täter Forschung.

    Diese Meinung steht mir zu, ist ein freies Land.


    Darüber hinaus bin ich erschrocken, dass einige User neuerdings immer wieder mit Rezensionen um sich schmeißen, um bei bestimmten Themen mitreden zu können, ohne das Buch oder überhaupt ein Buch zum Thema vorher gelesen zu haben. Frei nach dem Motto, einfach mal schnell googeln, passende Meinung/Rezension aufsaugen und sie dann als die eigene verkaufen. Kann man als Fortschritt sehen, ich sehe das nicht so.


    Dazu kommt, dass der Verfasser auch andernorts in der Kritik stand. In seiner Quellenedition zu Wirths gibt Völklein beispielsweise als Fundstelle der angeführten Dokumente den Nachlass Wirths’ an, der sich im Fritz-Bauer-Institut befinden soll. Nach Auskunft des dortigen Archivleiters gibt es jedoch keinen Nachlass (vgl. Klee, 2013, S. 499).


    Deine Aussagen suggerieren, dass der Nachlass von Wirths im Archiv nicht existent war bzw. noch ist. Mittlerweile befindet sich der Nachlass der Familie aber im Besitz des Fritz-Bauer-Instituts. Oder irre ich mich da?


    Siehe dazu hier: https://www.fritz-bauer-institut.de/archiv/bestaende


    Wichtig ist außerdem Klees Hinweis, dass unbeglaubigte Abschriften von Dokumenten, wie sie etwa Völklein von der Familie Wirths’ erhalten hat, manipuliert sein könnten.


    Ein Hinweis dazu ist vollkommen legitim, aber mit spekulativen Begriffen wie "könnten" kann ich persönlich wenig anfangen. Ist es nun belegt oder nicht? Mittlerweile sind nach Beischls und Völkleins Arbeiten etwa 15 Jahre vergangen. Man hatte also genug Zeit. Übrigens wurden beide Autoren damals kritisiert, Beischl zumindest in Teilen.


    Obwohl ich ja selbst bekennender Ernst Klee-Fan bin, wenn man das so sagen kann, muss ich bei Klees Quellenkritik trotzdem leicht schmunzeln. Denn gerade Klee hat in einigen seiner Arbeiten, besonders den frühen, auch nicht gerade immer mit streng wissenschaftlicher Quellenarbeit geglänzt. Seine Forschungen waren/sind bei Historikern ebenfalls umstritten, wie Werner Renz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fritz-Bauer-Institut, auch anmerkte. Das nur mal so am Rande, ich schätze ihn trotzdem sehr.


    Es ist dann auch nicht richtig, dass zu Wirths bereits "alles geschrieben" oder "erforscht" wurde, wie in diesem Thread vereinzelt zu lesen ist. Gewisse Lebensabschnitte Wirths’ sind nach wie vor ein Desiderat der Forschung, wie Kramer festhält.


    Ein Desiderat zu "gewissen Lebensabschnitten Wirths" ist lobenswert. Wenn man jedoch kritisiert, besonders als "anerkannte NS-Täter Forscherin", sollte man sich nicht wünschen, dass sich ein Forscherkollege sich ihrer annimmt, um anschließend selber die Ergebnisse für die eigene Forschung nutzen können.


    Ich bin eher ein Befürworter von "Machen" statts von "Wünschen"!


    Daher bleibt fakt, dass Beischl und Völklein bisher die einzigen und ersten waren, welche sich dem Thema Wirths 2005/2006 überhaupt in dieser Fülle angenommen haben. Zu Völklein kann man noch anmerken, dass er vor Wirths bereits eine Mengele-Biografie veröffentlicht hatte, die in Fachkreisen ähnlich verrissen wurde. Trotz all dieser Kritik hat sich bis heute kein deutscher Historiker, Forscher etc. an beide Täter ausgiebig biografisch herangewagt. Ich finde übrigens beide Arbeiten hilfreich, erhellend, trotz ihrer Schwächen.


    Grüße

    Daniel

    Hallo Jonas,


    alles gut, kein Problem.


    Nein, nicht in dieser Region. Ein Teil meiner Familie stammt aus der Nähe von Rawicz (Rawitsch), das liegt etwa zwischen Leszno (Lissa) und Wroclaw (Breslau).


    Nun ja, grundsetzlich gebe ich Dir recht. Es hängt aber generell davon ab, worüber man in Polen spricht bzw. diskutiert.

    Die Shoa z.B. oder das Verhältnis von Polen und Juden war/ist mitunter bekanntlich problembehaftet, denn ein großer Teil der polnischen Bevölkerung hat sich damals in unterschiedlicher Form am Judenmord beteilgt oder ihn zumindest unterstützt. Antisemitismus, besonders in den ländlichen Regionen, war/ist immer noch weit verbreitet. Zu diesem Thema wirds dann mitunter meistens schwierig, ich hoffe du verstehst was ich meine. Polen hat verständlicherweise große Schwierigkeiten damit einzugestehen, dass sie als Opfervolk auch Täter waren. Ich möchte das Thema aber an dieser Stelle jetzt nicht näher erläutern oder weiter darauf eingehen. Denn dieser Thread soll sich weiterhin hauptsächlich mit der dt. Gendarmerie beschäftigen, gern auch bezüglich Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei (Stichwort: granatowa policija).


    Zum meinerseits angesprochenen angespannten Verhältnis zwischen Polen und Juden siehe weiterführend:

    Engelking/Hirsch, Unbequeme Wahrheiten - Polen und sein Verhältnis zu den Juden

    Pufelska, Die Judäo-Kommune - Ein Feindbild in Polen

    Sauerland, Polen und Juden - Jedwabne und die Folgen

    Berger, Zwischen Hass und Mitgefühl - Jüdische Autonomie in Polen nach der Shoa 1945-1949 und die Hintergründe ihres Scheiterns

    Dahlmann/Hilbrenner, Zwischen großen Erwartungen und bösem Erwachen - Juden, Politik und Antisemitismus in Ost- und Südosteuropa 1918-1945


    Speziell zum Thema Jedwabne:

    Jan T. Gross, Nachbarn - Der Mord an den Juden von Jedwabne

    Dimitrow/Marchewicz/Szarota, Der Beginn der Vernichtung - Zum Mord an den Juden in Jedwabne und Umgebung im Sommer 1941 - Neue Vorschungsergebnisse polnischer Historiker

    Deutsch-Polnisches Informationsbulletin - Transidora - Die "Jedwabne-Debatte in Polen" - Dokumentation

    Bikont, Wir aus Jedwabne - Polen und Juden während der Shoah


    Liebe Grüße

    Daniel