Posts by Thomas W.

    Ich musste den Eintrag in www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/lazarett.html wie folgt korrigieren und ergänzen.
    Der Eintrag zeigt, wie schwer es ist, die Grenze zwischen Irrtum, menschlichem Versagen und Verbrechen zu ziehen, Übertretung eines kriegsrechtlichen Übereinkommens liegt (ganz neutral gesehen) auf alle Fälle vor. Daran ändert m. Erachtens auch nichts der - im nachhinein festgestellte - Transport von Konterbande


    1.4.1945
    Westpazifik
    In der Straße von Formosa versenkt das US U-Boot Queenfish (Cdr. Loughlin) das japan. Repatriierungsschiff Awa Maru (11.249 BRT). Nach einem Abkommen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten wurde solchen Schiffen gegenseitig freies Geleit eingeräumt und so waren entsprechende Anordnungen an alle Kriegsschiffe ergangen. Nachdem die Awa Maru Versorgungsgüter des Internationalen Roten Kreuzes für Kriegsgefangene in Südostasien abgeliefert hatte, nahm sie in Singapur 1900 japan. Repräsentanten sowie Zivilisten und ihre Familienangehörigen an Bord und machte sich am 28.3. auf den Weg nach Japan.
    Am 1.4. wurde das Schiff spät in der Nacht und bei Sturm und unsichtigem Wetter von dem amerik. U-Boot entdeckt, dessen Kommandant das Schiff wegen seiner hohen Geschwindigleit (17 Knoten), geringer Radarreflexion und seinem geradem Kurs (Handelsschiffe steuerten aus Sicherheitsgründen für gewöhnlich einen Zick-Zack-Kurs) für einen Zerstörer hielt. Queenfish feuerte 4 Torpedos, die alle ihr Ziel trafen, und die Awa Maru sank sehr schnell. Von 2003 Passagieren und Besatzungsmitgliedern überlebte nur ein einziger. Der Kommandant der Queenfish wurde vor dem Kriegsgericht wegen Missachtung eines Befehls für schuldig befunden und erhielt vom Verteidigungsministerium einen schriftlichen Verweis (Abmahnung).
    Im Widerspruch zu etlichen Berichten steht die Tatsache, dass es sich bei der Awa Maru nicht um ein Lazarettschiff handelte, sondern um einen Armeetransporter, lediglich gekennzeichnet mit den Buchstaben POW am Schiffsrumpf. Die Vereinigten Staaten entschuldigten sich zunächst bei den Japanern und boten sogar, an das Schiff zu ersetzen. Als sie aber erfuhren, dass die Awa Maru neben den Passagieren auch Konterbande (kriegswichtige Güter wie Gummi und Zinn) an Bord genommen hatte, nahmen sie Entschuldigung und Angebot zurück. Der Awa Maru-Fall beschäftigte die Politiker beider Länder noch weit bis in die Nachkriegszeit hinein (Quelle u.a. en.wikipedia)