Posts by rschuur

    Hallo Herman,


    für meine Ermittlungen im Fall Woeste Hoeve (März 1945) habe ich einige Akten von inhaftierten SD'er, die ausgesagt haben über die
    Ereignisse am 7. und 8. März. Diese Aussagen betriffen im grossen und ganzen wie damals 21 Häftlinge fur die Erschiessung bei Woeste
    Hoeve ausgewahlt wurden. Auch sind Aussagen von Angehörigen der Opfer dabei. Unter den Opfern sind mir keine Männer aus Markelo bekannt.
    Ich habe nimmer SD Akten vom Oxerhof gefunden und wahrscheinlich sind sie auch nicht mehr da, sonst wäre es bestimmt gelungen um heraus
    zu finden wer das 117. und letzte Unbekannte Opfer beim Woeste Hoeve ist. Er soill als 21. Häftling vom Oxerhof nach Woeste Hoeve abgeführt worden sein,
    als die andere 20 Männer schon unterwegs waren.
    Wenn ich mich gut erinnere gibt es beim Nationaal Archief in Den Haag oder NIOD in Amsterdam noch einiges über den Oxerhof, wie im Bundesarchiv.
    Aber nur nachkriegs Protokolle. Vielleicht kannst du erst die Findebücher durchsuchen.


    Grüssen,
    Richard

    Einige kleine Ergänzungen:
    sein Protokol vom 25. November 1967 in Zusammenhang mit dem Attentat auf HSSPF Hanns Rauter bei Woeste Hoeve-Apeldoorn am 6. März 1945
    wird unterzeichnet mit ´Hellmuth Mascus´.
    Die BdO Dienststelle befand sich in März 1945 nicht in Den Haag, sondern in Meppel im Osten der Niederlanden.
    Am 7. März 1945 war Mascus bei Woeste Hoeve um sich den Tatort persönlich an zu schauen. ´Ich war als Chef der gesamten Ordnungspolizei von Holland an dieser Attentatsgeschichte interessiert und bin deshalb auch dort hingefahren´.
    Nicht Mascus, sondern Major Karl Lautenschläger der Stab der BdO leitete am Abend den Befehl zur bereitstellen des Bataillons der Polizei Waffenschule III weiter an dem Regimentskommandeur der Schule, Wilhelm Fricke.
    Mascus lebte 1967 in Mittenwald.

    Dank Nico,


    Du hast recht. Es ist mir jetz auch klar dass Wilhelm Brinkmann in September 1944 nicht mehr zur Landstorm Nederland gehörte, aber schon
    der Polizei Waffenschule III beigetreten war.
    Brinkmann wurde in Teil 1 'Nederlandse vrijwilligers in Europese Krijgsdienst' van Jan Vincx ohne weitere Daten genennt als zuständige der 9. Kp.
    Erst später habe ich herausgefunden dass er in zusammenhang mit Elst nichts zu tun hat.


    Richard

    Enschuldigung für meine verzögerte Beantwortung, aber ich hatte noch einiges zu ermitteln.
    Wie ich in Dezember gemeldet habe, hat die Zentrale Stelle in Ludwigsburg sich mit dem erwähnten Weigerer der Massenerschiessung bei Woeste Hoeve am 8. März 1945 beschäftigt. Im Ermittlungsverfahren Erich Deppners wurde von mehreren angehörigen gesprochen über den Fall Woeste Hoeve, wo ein Ordnungspolizist sich geweigert haben soll den Schiessbefehl durchzuführen. Die damaligen Staatsanwälte Werner und Kurt Hinrichsen waren daran interessiert, weil es ein Beispiel des 'Befehlsnotstands' sein konnte, obwohl sie nicht ganz überzeugt waren ob es wirklich stimmte. Es schien ihnen zu viel ein Geschichte von hörensagen.


    Ab 1962 bis 1971 hat erst Werner und später Hinrichsen den Fall ermittelt. Aus den Akten des Verfahrens Deppner ging hervor, dass SD Kriminalsekretär Hans Harders davon Zeuge war dass ein Ordnungspolizist sich aus religiösen Grunden sich weigerte hätte an die Erschiessungen teil zu nehmen. Der Polizist wurde festgenommen und abgeführt und laut Harders später im Schnellverfahren abgeurteilt und erschossen.
    Obwohl nicht anwesend, bestätigte SD Regierungsrat Hans Kolitz die Ereignissen und sagte aus dass der Polizist offensichtlich immer sturer geworden war und von einem Standgericht zum Tode verurteilt wurde.
    Als dritter hat Oskar Gerbig ausgesagt, SD Einsatzkommandoführer der Stelle Apeldoorn und am 8. März Hauptverantwortliche für die Massenerschiessungen. Er hat 1962 nur kurz erklärt dass er 'nur vom Hörensagen' davon erfahren hat dass sich ein Polizist geweigert haben soll. Mich hat dies überrascht, denn in den Akten Gerbigs im Nationaal Archief in Den Haag wird nichts davon erzählt, obwohl er damals mit der Nase da vorne gestanden haben soll.


    Hinrichsen hat 1966-68 mehrere damalige verantwortlichen der Ordnungspolizei und zuständige Polizei Waffenschule III vernehmen lassen, wie BdO Helmuth Mascus, Karl Lautenschläger, Wilhelm Fricke, Wilhelm Brinkmann, Heinz Hackbarth, Ewald Schreiber und Andere.
    Keiner hat etwas über den Fall der Erschiessung eines Polizisten erfahren. Fricke war bekannt, dass sich einige Polizisten geweigert hätten zu schiessen, aber er sagte dass Angehörige der SD ihre Positionen eingenommen hätten. Er hielt es für ausgeschlossen, dass damals einer erschossen worden ist ohne es ihm als Regimentskommandeur oder dem Bataillonskommandeur bekannt zu geben.
    Brinkmann und Hackbarth sagten beide aus wegen einem Luftschutzlehrgang am 8. März nicht bei Woeste Hoeve anwesend gewesen zu sein, Brinkmann hat den Befehl um Mannschaften für eine Aktion bei Woeste Hoeve bereit zu stellen an seinem Vertreter weitergeleitet, er sagt nicht wer das war.
    Weil der Aussagen Brinkmanns, Schreiber uind Hackbarth nicht überzeugend waren, kam es Staatsanwalt Vehling vor dass die Herren die Wahrheit vielleicht zurücgekhalten hätten und sich nicht belasten wollten, weil sie sich im aktiven Polizeidienst befunden.
    Sie sind neu vernommen worden, aber haben nichts neues ausgesagt.


    1971 hat Hinrichsen die Ermittlungen ohne Erfolg eingestellt. Es bleibt merkwürdig dass mindestens zwei SD Angehörige, ins besondere Hans Harders, detailliert die Ereignissen geschildert haben, weil keiner der Angehörigen der Ordnungspolizei und Polizei Waffenschule III etwas davon bekannt war.
    Könnte dies sein, weil die Polizisten die tatsächlich bei Woeste Hoeve vorort waren niemals vernommen worden sind und die zuständige Kommandeure anders 'beschäfitgt' waren?


    Der in einer meiner früheren Beiträge erwähnten Kompagnieführer Georg Dethlefsen ist nie vernommen worden und wird im Verfahren nur ein mal erwähnt, als der ehemaligen Zugführer der 7. Kompagnie aussagt mit Dethlefsen am 8. März Quartier gemacht zu haben und nur zufälligerweise an Woeste Hoeve vorbei gekommen zu sein.


    Inzwischen habe ich im Nationaal Archief eine Liste mit 32 Namen gesehen, worauf drei Mtiglieder der Waffeschule sind die von den holländischen Behörden 1946 in zusammenhang mit Woeste Hoeve gebracht wurden. Wilhelm Fricke und Helmut Rietenbach sind mir bekannt, aber wer von euch hat weitere Auskünfte über Meister der Schutzpolizei Kurt Gonschoreck, ab Juni 1942 bis Mai 1945 in der Polizei Waffenschule III? Hinrichsen hat einen 'Willi Gonschoreck' ermittelt, aber dies soll der falsche gewesen zu sein. Kurt Gonschoreck soll schon um 1960-1964 verstorben sein.


    Ich suche weiter und hoffe dass euch mich dabei ein bisschen behilflich wesen kann.


    Grüssen, Richard

    Hallo Freunde,


    Ich habe die Akten Georg Dethlefsen in München studiert und wie erwähnt war nichts drin über Woeste Hoeve, obwohl sein Ausweis ein Stempel der Polizei Waffenschule III hatte. Weil es von Dethlefsen beim Nationaal Archief in Den Haag und beim NIOD keine weitere Akten gibt, wird es schwer exact zu bestimmen welche Rolle er bei der Massenerschiessung Woeste Hoeve hatte.
    Von Wilhelm Brinkmann habe ich bis jetzt nur erfahren dass die 9. Kompagnie der Landstorm Nederland in September 1944 in der hähe von Elst un Driel eingesetz wurde, kurz nach Market Garden. Von Rietenbach gibt es auch keine weitere Protokolle.
    Aber... Vom Bundesarchiv Ludwigsburg habe ich 463 Seiten eines Ermittlungsverfahren bekommen, wo von mehreren Personen über den vorausgesetzen Weigerer des Bataillons ausgesagt wird. Ich habe erst 10 Seiten gelesen, aber jetzt schon habe ich einiges neues erfahren. Ich halte euch auf dem Laufenden.


    Hallo Richard,


    für die interessierten Mitleser möchte ich den Link zum Denkmal Woeste Hoeve einbringen.


    Gruß
    schlichi





    Vielen Dank Schlichi. Den Fall Woeste Hoeve interessiert mich sehr seit 1991, als ich angefangen habe die Ereignissen des polnischen Fliegers Czeslaw Oberdak zu ermitteln.
    Auf der angezeigten Webseite der Stichting Woeste Hoeve gibt es auf der Seite von Oberdak leider einige Fehler. Auch is die Wiedergabe der Ereignissen rund um den Attentat auf Rauter nur oberflächlich beschrieben.
    Für meinen Buch 'Spoor naar Woeste Hoeve' habe ich alles neu ermittelt und rekonztruiert, obwohl es wie immer Löcher gibt. Deswegen suche ich weiter.
    Die Webseite des Nationaal Comité 4 en 5 mei erhält einen von mir ergänzten Eintrag. Mit Google Translate könnt euch den Tekst in holländisch hoffentlich verstehen.


    http://www.4en5mei.nl/herinner…eken/oorlogsmonument/1714


    Richard

    Vielen Dank Daniel,
    ich habe herausgefunden dass Wilhelm Brinkmann bei der Olympia 1936 in Berlin die Goldene Medaille gewonnen hat mit Feldhandball.
    Die meiste Mitgleider der Mannschaft sollten damals bei der (Schutz)Polizei gedient haben, aber dem Krieg zum Opfer gefallen sein.
    Brinkmann soll nach dem Krieg Oberinspektor der Polizei Düsseldorf gewesen sein, aber ich habe dafür noch keine befestigung.
    Er is 1991 gestorben.
    Aus deine Daten geht hervor dass er erst im März 1945 das Polizei Regiment Fricke beigetreten ist. Woeste Hoeve war am 8. März.
    Ich ermittlle nach weitere Akten in Nationaal Archief in Den Haag.

    Hallo Alle,


    ich komme nur langsam weiter voran mit meiner Ermittlungen in den Fall Woeste Hoeve/Apeldoorn, weil mir bis jetzt die Zeit gefehlt hat.
    Jetzt möchte ich doch weitermachen und ich hoffe dass euch mir ein bisschen hilfen könnt.
    Ich bin auf der Suche nach weitere biographische Daten von:


    - Hauptmann der Schutzpolizei Friedrich Redeker, geboren 23.07.1910
    - Hauptmann Wilhelm Brinkmann, geboren 25.10.1910.


    Der schon erwähnte Kommandant der Polizei Waffenschule III Wilhelm Fricke hat erklärt, er soll den Auftrag um am 8. März 1945 110 Männer der Waffenschule bereit zu stellen weitergeleitet haben an Hauptmann Brinkmann. Dieser soll entweder Hauptmann Georg Dethlefsen oder Hauptmann Redeker damit befohlen haben sich bei Woeste Hoeve mit ihren Männer zu melden.
    Demnächst werde ich mir endlich die Akten Dethlefsens in München ansehen, obwohl mit grösster Sicherheit nichts über die Waffenschule Apeldoorn darin ist.
    Bevor ich in Berlin oder Ludwigsburg ermittle, möchte ich gerne hier mehr über Brinkmann und Redeker herausfinden.
    Vielen Dank für eure Hilfe,
    Richard

    Hello Lockenheld und Andere,


    Im August 2013 seid euch mir behilflich gewesen mit Auskunften über Georg Dethlefsen. Bis jetzt heb ich nur Weniges über ihn gefunden.
    Ich überlege also ob es Sinn hat, seine Personal Akten in München zu prüfen. Uber Woeste Hoeve steht sehr warscheinlich nichts drin.
    Was glaubt euch? Wo könnte ich noch mehr herausfinden über das 2. Battallion der Polizei Waffenschule III in Apeldoorn in März 1945 und seine Mitglieder?


    Richard

    Ergänzung über Wilhelm Fricke:


    1 Sep 39-März 1940: Schutzpolizei, Gruppenkom. West-Wien.
    März 40-Juni 40: Kompagnie Chef Polizei Bataillon Wien.
    Juli 40-Sep 40: Bataillonführer Polizei Ausbildungsbat. Innsbruck.
    Okt 40-Dez 40: Kommandant Polizei Ausbildungsbat. Innsbruck.
    Dez 40-Mai 41: Kommandant Batallion Polizei Schützen Regiment 1, Hohenstadt Märisch-Ostrau und Ede.
    Mai 41-Dez 41: Kommandant 1. Bataillon Polizei Schützen Regiment 3 (SS Pol. Division) Paris, ab 26. Juni Fronteinsatz Litauen, Letland, Russland.
    Dez 41- März 43: Kommandant Ersatz SS Polizei Schützen Regiment 1 Ede.
    März 43-Juli 43: Kommandant II. Polizei Ausbildungs Bataillon Bergzabern-Pfalz.
    Juli 43-Nov 43: Lehrgangsleiter Regiment und Bataillon Kommandeur Lehrgänge bei Polizei Waffenschule I in Dresden-Hellerau.
    Dez 43-Mai 45: Kommandant Polizei Waffenschule III Den Haag, später Epe/Oldebroek, Zwolle und Apeldoorn.

    Lockenheld,
    Vielen Dank fur die Informationen über Detlefsen. Es stand falsch geschrieben in der Aussage von Fricke.
    Ich versuche weiteres herauszufinden über Detlefsen und seinen Trupps.


    Ich habe auch den Lebenslauf Fricke ab 1939 notiert. Einer von euch daran interessiert?

    Hallo Forum Freunde,
    Gestern habe ich im Nationaal Archief in Den Haag das Ermittlungsverfahren Wilhem Fricke’s studiert. Nach der Kapitulation wurde Fricke festgenommen und mehrmals vernommen wegen drei Sachen: seine persönliche Beteiligung an der Massenerschiessung bei Woeste Hoeve am 8. März 1945, die Erschiessung fünf Männer am 31. März 1945 in Zwolle und von sechs Männern am 4. April 1945 bei Hattem.
    Erst am 4. Januar 1949 wurde Fricke aus der Haft entlassen, da es keine Gründe und keine Beweise für seine Beteiligung gab.
    Wie Fricke ausgesagt hat, bestätigt er nur die Beteilung der Polizei Waffenschule III an Woeste Hoeve. Am Vorabend der Erschiessungen wurde er telefonisch befohlen am nächsten Morgen ein Führer, 10 Unterführern und 100 Männer zu einer bestimmten Stelle an der Strasse Apeldoorn-Arnheim zu schicken.
    Fricke erklärt weiter: ‘Soweit es mir bekannt is wurde von damaligen Kommandanten des II. Bataillon entwerder Hauptmann Detlevsen chef der 5. Kompagnie oder Hauptmann Redeker chef 7. Kompagnie als Führer des Kommandos (…) befohlen’.
    Fricke persönlich war am 8. März nicht bei Woeste Hoeve, sein Terminkalender nennt ‘Oldebroek’. Die Seite mit den 6. und 7. März fehlt leider im Notizbuch…


    In keiner der Unterlagen sagt Fricke etwas über die Umbenennung von Polizei Waffenschule III 1. Bataillon und 2. Bataillon in 1. Bataillon Fricke und 2. Bataillon Fricke. Nur die Umbennung am 19. April 1945 in Polizei Regiment Nordwest 2.


    Ein anders Detail. Fricke sagt: ‘Es ist mir ferner bekannt geworden dass sich ein Teil der zu Erschiessung befohlenen Männer geweigert haben sollen, diese durchzuführen, mit den Hinweis dass sie erst kurzfristig in der Ausbildung seien un noch nicht mit der Waffe umzugehen verstünden, worauf von SD-Männern geschossen worden sein soll’.
    Neu für mich ist hier dass Fricke spricht von mehrere Männer die nicht schiessen wollten und nicht nur der einizige Versager.
    Und neu: die erschiessung wurde von SD-Männern übernommen. Die Gruppe von sechs/sieben Belgische und Deutsche SD-Leute bei Woeste Hoeve haben Alle erklärt nicht geschossen zu haben…


    Also was ist mir jetzt im klaren: das II. Bataillon der Polizei Waffenschule III war beteiligt an die Massenerschiessung bei Woeste Hoeve. Führer sollte Hauptmann Detlevsen (oder Detlefsen) oder Hauptmann Redeker gewesen sein. Mehrere Mitglieder wollten nicht schiessen, aber unbekannt ist wer tatsächlich geweigert hat.


    Wer am Bataillon bei Woeste Hoeve beteiligt gewesen sind geht aus den Akten leider nicht hervor. Es gab aber eine Liste des 2. Civil Internment Camp von 28. Juni 1946 von Mitglieder der Waffenschule III, die alle festgenommen worden sind. Die meisten gehörten seit 1943/44 bis Ende Krieg der Waffenschule III. Die Liste:
    Albert Bakhoff, Heinrich Dicken, Walter Finger, Paul Freier, Heinrich Freitag, Wilhelm Fricke, Kurt Gonschorek, Heinrich Gross, Werner Hahn, Heinrich Hering, Werner Hille, Hans Hofmann, Paul Jorns, Otto Klein, Edmund Kupczyk, Franz Lehmann, Alfred Löhndorf, Willi Lorey, Oskar Lopenz, Hermann Lütgens, Georg Maning, Karl Meyer, Otto Münchberg, Max Moldenhauer, Karl Pohler, Helmut Rietenbach, Heinrich Rupprecht, Reinhold Remus, Emil Sidowsky, Walter Schönfeld, Albert Stachowsky, Gottfried Weichelt.


    Wer hat mehr Informationen über diese Männer? Waren sie an Woeste Hoeve beteiligt? Was können sie darüber sagen?
    Es geht mir nur darum Information zu bekommen und neue Fakten zu bestätigen, weiteres ist nicht meine Absicht.
    Richard

    Hallo Jonnydocker,


    Es sieht so aus dass die Waffenschule III anfang 1945 aufgeteilt und umbennant wurde. Das es ein Bataillion Fricke gegeben hat war mir bisher unbekannt. Ich hoffe mehr darüber zu erfahren in persönliche Akten von Fricke im Nationaal Archief in Den Haag. Leider sind Akten über die Waffenschule bis 2020 gesperrt, weil es nicht aus zu schliessen ist dass einige Mitglieder noch am leben sind.
    Hast du interessante Quellen die über die Waffenschule aussagen gemacht haben?


    Richard

    Hallo Frankpol,
    Uber den Versager kann ich weiteres mitteilen.


    Ein holländischer SD-beambter, Piet Richard Cieraad, hat als Zeuge in 1949 in ein holländisches Justizverfahren über Woeste Hoeve ausgesagt:
    'Das Peloton wurde im voraus gefragt ob es Bedenken gab zu schiessen. Einer der Männer erklärte nie zu vor Menschen erschossen zu haben und wurde ersetzt. Fricke bekam einen Verweis, weil er den Soldaten nicht wegen Feigheit erschossen hat'.


    Fricke hat 1967 in einem deutschen Justizverfahren ausgesagt dass er davon nichts gewusst hatte, er war überhaupt nicht vor Ort. Er wurde bestimmt davon gewissen haben.


    Hans Kolitz, hat am 15. November 1951 als Zeuge im Prozess gegen SD-Beambte Ferdinand Frankenstein schriftlich erklärt dass man als SD-Beambte keine andere Wahl hatte Befehle zu befolgen, sonst würde man dem Schicksal Woeste Hoeves treffen.
    Kolitz erklärte dass dort 'einen Oberwachtmeister der Ordnungspolizei Apeldoorn sofort verhaftet wurde als er einen Schiessbefehl weigerte zu befolgen, den gleichen Tag verurteilt wurde und am 9. März auf Befehl Schöngarths erschossen wurde'.


    Hans Harders, Kriminalrat der SD in Zwolle und Kolitz unterstellt, bestätigte den Vorfall dse Versagers 1965 in Freiburg als Zeuge in einem Gerichtsverfahren.


    Im Prozess des SD-Beambten Roald Ohmstedt sagte Dr. Bohne des Landesgericht Aachen 1950 dass doch bekannt war was geschehe wenn man sich einen Befehl verweigerte, und nennte Woeste Hoeve als einer der Beispiele.


    Auch Leute der Apeldoorner Widerstandsgruppen wussten von einem Versager, es sollte sogar in der Zeitungen gestanden haben.


    Obwohl ich also keinen Namen des Versagers habe und auch nicht wisse wann und wo er erschossen worden ist, gibt es zu viele Aussagen um diese Geschichte ernst zu nehmen.
    Deswegen interessiere ich mich für das Bataillon der Polizei Waffenschule um Klarheit in dieser Sache bringen zu können.
    Es geht mir keinesweg darum die Mitglieder des Pelotons zu belästigen und verurteilen, denn das bringt nichts mehr. Ich möchte nur die Fakten überprüfen und ergänzen. Ich wisse dass vor ein paar Jahren noch einen Mitglied des Pelotons Woeste Hoeve besucht hat, leider war ich damals nicht da bei.

    Mache ich.


    Woeste Hoeve (eine Ortschaft bei Apeldoorn)
    6. März 1945: Attentat auf HSSPF Hanns Rauter abends rund 10.30 Uhr von einer Gruppe von 5 Widerstandskämpfer. Offiziel waren sie da um einen LKW der Wehrmacht zu klauen, begegneten aber Rauter auf dem Weg von Didam nach Apeldoorn. Rauter schwer verletzt, überlebte aber.


    7. März: BdS Eberhard Schöngarth entschliesst sich zur strengsten Vergeltung. Er sollte mit Himmler besprochen haben dass 500 Todeskandidaten zu erschiessen sind. Ungeklärt und unwahrscheinlich ist dass Schöngarth tatsächlich an diesem Tag mit Himmler persönlich gesprochen hat.
    Schöngarth bespricht mit Reichskommissar Seyss-Inquart um 5 am Mittags 'nur' 300 Männer zu erschiessen, 150 an ort und stelle, 150 an andere Orten.
    Hans Kolitz der Sipo wird beauftragt den richtigen Zahl der Todeskandidaten zu organisieren. Er ruft an mit Einsatzkommandos in Groningen (Bernhard Haase), Assen (Wilhelm Petri), Zwolle (Erich Deppner), Lochem/Doetinchem, Apeldoorn (Oskar Gerbig), Almelo (Paul Hardegen), Deventer (Walter Müller), Amsterdam (Willy Lages), Rotterdam (Herbert Wölk) und Den Haag (Johannes Munt).


    8. März: Bei Woeste Hoeve werden 117 Männer erschossen, in Amsterdam, Kamp Amersfoort, Fort de Bilt und bei Scheveningen weitere 146.
    Bei Woeste Hoeve werden die Erschiessungen durchgeführt vom 2. Bataillon der Polizei Waffenschule, 40 junge und nicht erfahrene Männer. Die Leitung hat Oskar Gerbig als EK-Führer Abepldoorn.


    Mein Buch 'Spoor naar Woeste Hoeve' erzählt und rekonstruiert die Ergeignisse, aber auch die Geschichte eines der Opfer: der polnische Flieger Czeslaw Oberdak. Er wurde erst 2008 identifiziert als einer der zwei unbekannte Opfer Woeste Hoeves.

    Vielen Dank RolandP für die schnelle Antwort.
    Also kein teil des PB105, wie ich schon vermutet habe.


    Das es zwei Bataillone Frickes gab war mir nicht bekannt. In seiner Aussage steht weiter: 'Nach erhalten des Befehls habe ich den Ordonans, Leutnant Zingraf, mündlich den Auftrag an Kommandanten der Polizei Waffenschule in Apeldoorn Hauptmann Brinkman (der erst vor kurzem die Stelle Hauptmann Wagner übernommen hat) gegeben den nächsten Morgen an ort und stelle 110 manschaften bereit zu stellen'.


    Das ist also der Hauptmann Brinkman des Bataillons II./Fricke.
    War dieser Brinkman deutscher oder niederländer?
    Fricke hat ausgesagt er war am 8. März nicht bei Woeste Hoeve, weil er kein Erlaubnis bekommen hatte um Zwolle zu verlassen.


    Was die Geschichte dieses Bataillons noch interessanter macht ist dass am 8. März ein Mitglied geweigert hat sich an die Erschiessungen zu beteiligen. Aus mehrere Aussagen geht hervor dass es tatsächlich ein Versager gegeben hat, der im Auftrag des BdS Eberhard Schöngarth später auf eine bis jetzt unbekannte Stelle erschossen wurde. Er ist aber nicht - wie oft vermutet - zusammen mit den 117 andere Männer erschossen worden.


    Es gibt im Nationaal Archief in Den Haag noch weitere Unterlagen über Fricke, die ich mich gerne ansehen werde.


    Dank,
    Richard

    Hallo,
    ich habe mich gerade angemeldet. Vielleicht kann mir einer von euch behilflich sein um mein Problem zu lösen.


    Ich habe 2012 das Buch 'Spoor naar Woeste Hoeve' (holländisch) geschrieben über die Erschiessung von 117 Männer bei Woeste Hoeve (Apeldoorn) am 8. März 1945. Das war die Vergeltung für den Attentat auf HSSPF Hanns Rauter zwei Tage zu vor.
    Ich möchte gerne mehr wissen über das Peloton dass für die Erschiessungen zuständig gewesen ist.


    Von Unterlagen beim NIOD in Amsterdam geht hervor was Oberst-Leutnant Wilhelm Fricke der Schutzpolizei erklärt hat: In Dezember 1943 wurde er leiter der Polizei Waffenschule III in Den Haag. In Dezember 1944 wurde die Schule übersiedelt nach kamp Olderbroek und kamp Wezep. In 1945 wurde die Schule gelagert in Zwolle, Hattem und Wijhe, das 2. Bataillon wechselte zu Apeldoorn. Es war ein Reservebataillon und sollte sich bereit halten zum Einsatz im Frontgebiet.


    Am 7. März bekam Fricke den Befehl von BdO Helmut Mascus und Ober-Leutnant Lautenschläger 110 Männer des 2. Bataillon der Polizei Waffenschule aus Apeldoorn bereit zu halten. Am 8. März waren am Ende 40 Leute dieses Bataillons bei Woeste Hoeve eingesetzt.


    Mehr ist mir nicht bekannt, in holländischen Archiven sind keine weitere Unterlagen da.
    Ich vermute dass das Bataillon der Waffenschule dem Ordnungspolizei Polizeibataillon 105 unterstellt war, weil diese Einheit im Februar 1945 in der Gegend von Apeldoorn gelagert war (Epe, Wezep, Oldebroek).



    Ich möchte gerne wissen:
    - Wer weiss mehr über das 2. Bataillon der Polizei Waffenschule, das ab Februar 1945 in Apeldoorn gelagert war?
    - War das 2. Bataillon der Polizei Waffenschule eine selbständige Einheit, oder gehörte es zum Polizeibataillon 105?


    Vielen Dank für jede Hilfe.
    Richard