Posts by Frieder

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    Hallo!
    Auf welche Deutsche Bahn beziehst Du Deine Aussage? Nur auf die Bundesbahn oder auch die Reichsbahn ( DDR ).


    Hallo Alex,
    In der Ausstellung wurde nur auf die Deutsche Bahn AG Bezug genommen. Wie die Reichsbahn (DDR) ihren Teil zur Geschichtsaufarbeitung beigetragen hat, bzw. ob und wie überhaupt mit dem Thema umgegangen wurde entzieht sich leider meiner Kenntnis. Wäre aber sehr interessant zu wissen.


    Ich überlege zu diesem Thema das Buch :"Sonderzüge in den Tod: Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn. Eine Dokumentation der Deutschen Bahn AG (Gebundene Ausgabe)
    von Andreas Engwert (Autor)" zu bestellen. Bei der Suche nach diesem Buch habe ich auch noch ein anderes Buch mit dem Titel "Die Judendeportationen aus dem deutschen Reich von 1941-1945"
    von Diana Schulle (Autor), Alfred B. Gottwaldt (Autor) gefunden.
    Bin mal gespannt, wie gut das Thema in diesen Büchern aufgearbeitet wird, besonders in dem von der Deutschen Bahn :-)
    Viele Grüße
    Ute

    Hallo miteinander,


    ich kann mich da Matthias nur anschließen. Als der "Zug der Erinnerung" letztes Jahr im Konstanzer Bahnhof war, musste ich mir die Ausstellung einfach ansehen.
    Die Rolle der Reichsbahn bei der Umsetzung des Holocausts wurde dort ebenfalls anschaulich dargestellt. Einfach unglaublich wieder einmal die Tatsache, wie viele der Hauptverantwortlichen später nach dem Krieg recht hohe Positionen bei der Deutschen Bahn Inne hatten.Und einfach nur traurig, wie die Deutsche Bahn Jahrzehntelang zu Ihrem dunkelsten Kapitel in der Öffentlichkeit gestanden hat.


    Grüße, Ute

    Hallo zusammen,


    hab mir Interessehalber mal folgendes Buch über Fernleihe aus unserer Bücherrei im Ort bestellt:
    "Tatkomplex:NS-Euthanasie; die ost- und westdeutschen Strafurteile seit 1945" Band I u. II
    Hrsg. Dr. Dick de Mildt, Universitiy Press, Amsterdam 2009
    ISBN 978 90 8964 072 7
    e-ISBN: 978 90 4850 778 8


    Das Buch enthält Gerichtsurteile aller rechtskräftig abgeschlossenen ost- und westdeutschen Gerichtsverfahren, die sich mit der Strafverfolgung der nationalsozialistischen Euthanasie befassen

    Hallo Peter,


    mich hat bei der Edition des Bundesarchivs auch fast der Schlag getroffen, als ich den Preis gesehen habe. Bei Amazon hätte ich 75 € zahlen müssen. Über ein Antiquariat habe ich das Buch letztendlich dann aber über 20 € günstiger bekommen! Da musste ich einfach dann zugreifen :), obwohl der Preis ja immer noch recht hoch ist. Ist halt ein super Sachbuch und für gute Bücher muss man leider oft ganz tief in die Tasche greifen.
    Vielleicht hast ja Du ebenfalls Glück, die Bücher über ein Antiquariat günstiger zu bekommen.


    liebe Grüße


    Frieder

    Hallo,


    Aus der Reihe "Schriften des Bundesarchivs" gibt es eine Edition, die die geheimen Berichte der NS-Überwachungsorgane speziell über Aktivitäten und Organisationen der Juden in Deutschland, und die Einstellung der nichtjüdischen Bevölkerung zu ihnen und zur Judenpolitik des Regimes enthält. Auf dieses Buch bin ich durch Boberachs "Meldungen aus dem Reich" gestoßen, da ich besonders an den Berichten über die Judenverfolgungen interessiert bin.
    Die Edition verfügt noch über eine CD-ROM (darauf sind 3.744 Dokumente enthalten)


    Herausgeber: Kulka, Otto und Jäckel, Eberhard
    Droste Verlag Düsseldorf 2004
    ISBN: 3-7700-1616-5

    Hallo,
    hab noch einen interessanten Artikel auf der Internetseite des Zentralrats der Juden gefunden:

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    Der Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützt ausdrücklich das Einleiten rechtlicher Schritte gegen das Projekt „Zeitungszeugen" wie heute von der bayerischen Staatsregierung, vertreten durch Finanzminister Georg Fahrenschon, angekündigt.
    „Die vorliegende Ausgabe der Zeitung kann in keiner Weise die selbst gesetzten Ziele der Herausgeber, nämlich politische Bildung zu betreiben, indem man der Öffentlichkeit eine wissenschaftlich kommentierte Fassung der authentischen Presse in der NS-Zeit zur Verfügung stellt, erfüllen", so Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats....Mir stellt sich die Frage, ob es angesichts der jüngsten Umfragen zum Thema Rechtsextremismus, wonach die Zahl von rechtsextremistischen Straftaten im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht hat, das ist, was Deutschland braucht: Kopiervorlagen für Nachwuchsnazis in jedem Zeitungskiosk", so Kramer nachdrücklich...


    Mehr dazu: http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2195.html


    Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Projekt den Rechtsextremismus stärkt, bzw. sich Neonazis mit diesen Zeitungen eindecken. Die haben doch andere Quellen, wie sie an rechtsextreme Schriften kommen. Meiner Meinung nach kann es immer schwarze Schafe geben, die historische Quellen für ihre eigenen ideologischen Ideen ausnutzen.

    Hab in "Spiegel Online" was Interessantes zum Projekt Zeitzeugen gefunden:
    "Juristischer Ärger für das Geschichtsprojekt "Zeitungszeugen": Bayerns Finanzministerium untersagt der Zeitschrift den Abdruck von Nazi-Zeitungen - und zwar, weil der Freistaat die Rechte daran hält. Jetzt sollen sogar bereits veröffentlichte Exemplare eingezogen werden..."


    Mehr dazu: http://www.spiegel.de/kultur/g…aft/0,1518,601693,00.html


    Fänd`ich persönlich schade, wenn die bayrische Regierung damit Erfolg haben sollte. Habe mir das erste Exemplar gekauft und fand es sehr interessant. Abdedruckt sind "der Angriff" (rechts), die "deutsche Allgemeine Zeitung" (konservativ)und "der Kämpfer"( links).


    Hallo Jane,


    Laut Welzer muss man sich , um die Täter und ihre Taten verstehen zu können, in die Zeit des Geschehens hineinversetzen. Dabei sei es wichtig, den Begriff „Verstehen“ nicht mit einer Legitimation ihres Handelns zu verwechseln.
    Welzer begann den eigentlichen Vortrag mit der Frage wie es soweit kommen konnte, dass Männer 1941 vor einer Erschießungsgrube im Osten stehen, und Männer, Frauen und Kinder exekutieren. Um diesen Vorgang verstehen zu können, müsse man zum einen die schleichende Indoktrination der Bevölkerung durch die Nazis seit der Machergreifung 1933 betrachten. Ständig wurde der Bevölkerung durch Zeitung, Kino, Ansprachen oder ähnliches suggeriert, zur Herrenrasse zu gehören. Die nationalsozialistische Rassenideologie spiegelte sich allmählich immer mehr durch neue und schärfer werdende Gesetze und Verordnungen im gelebten Alltag wieder. Das Unrecht wurde, so Welzer, für die Bürger, die zu den „privilegierten Ariern“ gehörten, irgendwann zur gelebten Normalität, Die Deportationen und die Ermordung der jüdischen Bevölkerung wären gleich zu Beginn der Machtergreifung noch nicht möglich gewesen, meint Welzer, da das „amoralische erst zur Moral“ werden musste.


    Als konkretes Beispiel für Männer, die an Massenerschießungen teilgenommen haben, führt er anschließend die Geschichte des Reserve-Polizeibataillon 101 an. Bei Ihnen handelte es sich um Männer, die zu alt für den Dienst in der Wehrmacht waren. Sie wurden nach Polen zu einem Sonderauftrag gebracht. Dort eröffnete ihnen ihr Kommandant, dass sie die jüdische Bevölkerung in polnischen Dörfern aufzuspüren, und nicht arbeitsfähige Juden, auf der Stelle zu erschießen hätten.
    Das Besondere an dieser Einheit ist, das der Kommandant ihnen das Angebot gemacht hatte vortreten zu können, falls einer von ihnen der „Aufgabe“ nicht gewachsen sei. Nur etwa 12 Männer von 500 traten hervor. Welzer ging auf die Frage ein, warum nicht mehr Männer sich geweigert haben diesen Auftrag auszuführen. Hier gäbe es mehrere Punkte, zum einen handelt es sich beim „Vortreten“ um einen aktiven Schritt des Einzelnen, keiner der Männer weiß, ob er durch die Weigerung von seinen Kameraden als „Schlappschwanz“ oder „Feigling“ angesehen wird. Weiter weiß keiner, welche Folgen eine Weigerung auf die Karriere haben könnte. Nachgewiesen sei aber, so Welzer, dass keiner der 12 Männer , die sich gegen diese Aktion gestellt hatten, bestraft wurden. Obwohl die übrigen Kameraden anschließend gesehen hatten, das keinerlei Sanktionen durch höhere Stellen zu befürchten waren, nahmen sie weiter an der Mordaktion teil.
    Die Mordaktion begann schließlich eine Eigendynamik zu entwickeln. Es wurden nach Erschießungsmethoden gesucht, die die Männer am wenigsten psychisch belasten sollten. Die Männer begannen Rechtfertigungen für ihre Erschießungen zu suchen. Zum Beispiel gab es ein Resevepolizist, der die Erschießungen sinnngemäß mit folgender Begründung rechtfertigte: „wenn wir es nicht tun, müssen unsere Enkel die Drecksarbeit erledigen“. Ein anderer meinte bei einer Zeugenbefragung nach dem Krieg durch den leitenden Staatsanwalt, er habe ja nur Kinder erschossen. Dies sei einer Erlösung für sie gewesen, denn sein Kollege habe ihre Mütter erschossen, und die Kinder seien ohne Mütter sowieso nicht lebensfähig. Welzer seien keine Fälle bekannt, in denen die Täter Unrechtsbewußtsein entwickelt hätten. Das Töten selbst wurde irgendwann zur Routine.


    Konkrete Voraussetzungen, weshalb Menschen zu Massenmördern werden können, entstehen aus dem jeweiligen zeitgenössischen Geschehen heraus. Diese sind aber nicht pauschal zu benennen. Am Beispiel des 3. Reichs und besonders am Beispiel des Reservebataillons 101 jedoch zeigt sich, so Welzer, dass die Täter psychisch unauffällig waren, d.h. die Taten können nicht pauschal psychotischen Spinnern und Sadisten angelastet werden, wie es zeitweise versucht wurde. Nur ein kleiner Teil der Täter hatte tatsächlich Freude am Töten und einen Hang zum Sadismus, dies haben Studien ergeben, so Welzer.


    Lieber Gruß


    Ute

    Hallo,


    ich war gestern auf dem Vortrag von Prof. Dr. Welzer. Er war total interessant. Ich muss mir unbedingt das Buch dazu besorgen.
    Zum Fragen stellen bin ich leider nicht gekommen, der Saal war rappelvoll und so viele Besucher wollten Fragen stellen, so dass die Diskussionsrunde mangels Zeit leider abgebrochen werden musste.
    Ich muss aber auch sagen, dass sich der Vortrag bei mir erst mal setzen muss. Welzer machte deutlich, dass eigentlich jeder von uns zum "Täter" werden könnte, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Das macht ganz schön nachdenklich, muss ich schon sagen.

    Hallo,
    Ja, ist wohl leider so. Wahrscheinlich stirbt er eh bald, ist ja schließlich schon 88, glaub ich. Aber wichtig finde ich es schon, dass es trotz der langen Zeit noch zu einer Verurteilung kommen könnte, auch wenn diese sicher nur noch symbolischen Charakter haben wird.
    Schlimm finde ich, dass die Täter in den meisten Fällen gar kein Unrechtsbewußtsein empfinden. Die empfinden eine Verurteilung wahrscheinlich als ungerecht, und bereuen auch ihre Taten nicht.


    Gruß Frieder