Posts by Odenwälder Bub


    Hallo Malte,


    du hast es mit den Titel fast schon selbst genannt. Sittengeschichte des Zweiten Weltkrieges von Magnus Hirschfeld könnte Dir vielleicht helfen.


    Viele Grüße


    Felix

    Hallo zuammen,


    wie manchem hier möglicherweise schon bekannt ist, gab es in der Zeit 1933-1945 auch große Einflussnahme seitens NS Organisationen in die Archäologie. Es gab auch Archäologen, die den Kontakt aktiv suchten. Wir haben in diesem Thema schon einmal kurz darüber gesprochen.


    V.a. die Prähistorie war hier die maßgebliche "Bühne", denn diese war zu dieser Zeit das vorrangige Untersuchungsgebiet der Archäologie. Zu Personen und Institutionen in der Archäologie ist in den letzten Jahren durchaus einiges erarbeitet worden. Im Zuge dessen sind zunehmend auch militärische/paramilitärische Formationen, die an Grabungen beteiligt waren, in den Fokus gerückt. So z.B. SA,SS,RAD,Wehrmacht, Orga Todt etc. Zu einigen gibt es aber ,nicht zuletzt aufgrund schlechter Quellenlagen, auch Lücken hinsichtlich dieser Thematik. Eventuell können wir diese gemeinsam ein wenig füllen.


    Deswegen würde ich gerne hier, in diesem Thema, alles sammeln was sich zum NS und Archäologie außerhalb von gedruckten Forschungswerken zusammentragen lässt. Das heisst, ich würde die eifrigen Leser historischer Zeitungen (wie z.B. Johann Heinrich) bitten hier Artikel zu diesem Thema einzustellen. Auch wenn es sehr regional ist, das macht nichts!


    Weiterhin, die Sammler/Kenner/ Forscher von zeitgenössichen Büchern, Zeitschriften, Schriften, Ausstellungskatalogen, etc., die Hinweise zu Archäologie in solchen Publikationen geben können. Bitte gerne Hinweise geben! Besonders wenn es Konnotationen zu RAD oder SA gibt. Denn dazu gibt es bisher keinerlei Überblicksarbeiten.


    Zusätzlich: Auch beim Rasse- und Siedlungshauptamt, sowie beim Stab Reichsführer SS gab es Vorläuferstellen des berüchtigten Ahnenerbe der SS, an welchen man sich mit Archäologie und Prähistorie beschäftigt hat. Vielleicht können hier deshalb auch die eifrigen Leser von NARA Rollen bzw. die ARGE Allgem. SS Hinweise zu eventuellen Funden geben.


    Da mein Beitrag hier nicht nur eine Aufforderung sein soll, sondern auch einen Mehrwert für Interessierte bieten soll, führe ich mal die Standardwerke zum Thema auf, die man nutzen kann um sich in die Materie einzuarbeiten.


    1. Bollmus, R.: Das Amt Rosenberg und seine Gegner.


    2. Kater, M. H.: Das "Ahnenerbe" der SS 1935-1945: Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches.


    3. Focke Museum (Hrsg.): Graben für Germanien: Archäologie unterm Hakenkreuz.


    4. Leube, A.; Hegewisch,M.: Prähistorie und Nationalsozialismus: Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945.


    5. Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Propaganda, Macht, Geschichte: Archäologie an Rhein und Mosel im Dienst des Nationalsozialismus.


    6. Halle, U.: "Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!": Prähistorische Archäologie im Dritten Reich.


    7. Eine hervorragend nationale Wissenschaft: Deutsche Prähistoriker zwischen 1900 und 1995.


    8. Mahsarski, D.: Herbert Jankuhn [1905-1990]: Ein deutscher Prähistoriker zwischen nationalsozialistischer Ideologie und wissenschaftlicher Objektivität.


    Natürlich gibt es in Fachzeitschriften viele weitere Artikel und Beiträge, das würde hier aber den Rahmen sprengen.


    Es würde mich freuen, wenn wir hier einiges an Funden aufstöbern könnten. Denn die Erfahrung zeigt, dass man gemeinsam doch einges schaffen kann. ;)


    Beste Grüße


    Felix

    Hallo,


    gerade zu diesem Thema sei folgendes, relativ neue Werk empfohlen: Röger, M.: Kriegsbeziehungen: Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945

    Auch hier wird auf die Situation von unehelichen Verbindungen, tlw. echten Liebschaften mit Kindern eingegangen und wie das im Dienstbetrieb wahrgenommen wurde. Die Autorin war zum Forschungsaufenthalt am DHI in Warschau und berichtet direkt aus, vor Ort recherchierten Quellen. Empfehlenswert.


    Beste Grüße


    OB

    Hallo Thomas,


    das ist so nicht korrekt! Dissertationsversionen und Publikationsversionen können sich mitunter erheblich voneinadner unterscheiden. Je nach dem an welches Publikum die jeweilige Publikation sich richtet. Dies hat unterschiedliche Gründe. Es gibt je nach Promotionsordnung Vorgaben zu maximaler Anzahl der Seiten etc. Ergo hält man Abschnitte, die zwar im Kontext erläuternden Sinn machen, jedoch nicht zu den neu eruierten Erkenntnissen gehören eher kurz. Es ist ja davon auszugehen, dass hier zunächst Fachpublikum liest, das mit dem gesicherten Forschungsstand vertraut ist. Für eine Publikation wird die Dissertationsfassung dann oft noch ausgearbeitet, erweitert, etc. Gerade beim Helios Verlag, der ja sich ja tendenziell eher auch an Laien und nicht durch und durch an forschendes Publikum wendet dürfte dies der Fall gewesen sein.


    Da die Dissertation den Gutachtern und dem Promotionsausschuss auch als Druck vorliegen muss, ist es naheliegend, dass die abgebenen Drucke im Anschluss an die Verteidigung der Dissertation in eine Bibliothek der Uni "einverleibt" wurden. Somit besteht durchaus die Möglichkei, dass die Dissertationsversion über die Fernleihe auffindbar ist. KANN so sein, muss aber nicht.


    Beste Grüße

    Hallo,


    mit Blick auf das Datum würde es mich wundern, wenn es eine Version im Netz gäbe. Es ist eher zu vermuten, dass über die Pflichtexemplare für die Uni bzw. die involvierten Gremien hinaus keine Versionen in Umlauf gelantgt sind. Stattdessen dann die Publikation in einem Buchverlag. Mit Glück gibt es ein Exemplar in Graz über die Fernleihe. Schreibe mal den Autor per Email an. Erfahrungsgemäß schicken die auch mal eine pdf oder word Version ihrer Arbeit.


    Viele Grüße


    OB

    Hallo Thomas,


    danke dafür! Da hast du etwas spannendes ausgegraben. Vor allem interessant, die hier geschilderte, juvenile (kindliche) Form der rheumatoiden Arthritis. Weiterhin ist erstaunlich, dass der Herr nach der geschilderten, durchgemachten Tonsillen-Angina scheinbar kein rheumatisches Fieber entwickelte. Dies war nämlich vor Einführung der Antibiotika zur Prophylaxe auch bei uns gar nicht so selten. Wäre dies der Fall gewesen, so wären auf dem Bogen aller Wahrscheinlichkeit nach noch andere pathologische Herzgeräusche beschrieben gewesen. Der beschriebene gespaltene 1. Herzton, könnte auf ein Problem der berühmten Taschenklappen des Herzens hindeuten.


    Beste Grüße


    OB


    PS: Meiner Kenntnis nach gab es eine solche Stelle auch noch im SS Sanatorium in Hohenlychen.

    Guten Abend liebe Forengemeinde,


    vor einiger Zeit kam ich HIER im Zuge eines Informationaustauschs auf eine kleine Arbeit zu sprechen, die ich zu einigen vom FAD/RAD hinterlassenen Wegsteinen in meiner südhessischen Heimat im Begriff war zu verfassen. Ich hatte nach der Fertigstellung leider völlig vergessen dem Wunsch von Huba nachzukommen und sie auch interessierten Lesern des FdW zur Verfügung zu stellen. Das hole ich nun hiermit nach. Die Arbeit ist für den nicht vorgebildeten Leser verfasst, ich bitte also um Verständnis, wenn er den Experten nicht gänzlich zufrieden stellt und zu oberflächlich erscheint. Der Fokus liegt hierbei auf Steinen, die der FAD/RAD in der Gemarkung der Gemeinde Lautertal in Südhessen hinterlassen hat. Der Beitrag ist in einem Lokalblatt und später noch einmal als Mehrteiler im Rundbrief eines lokalen Verschönerungsvereins erschienen.


    Da ich bei meiner Arbeit immer für Anmerkungen, Kritik und etwaige Verbesserungsvorschläge dankbar bin, eröffne ich zum Beitrag noch einmal einen separaten Thread, obwohl ich er auch im oben genannten Link schon gepostet wurde. Ich befürchte aber, dass der Text darin untergeht, da er thematisch nicht zur Überschrift des Ausgangsthreads passt.


    Der RAD an Bergstraße,Ried und Odenwald ist ein großes Langzeitprojekt von mir und so es denn gelingt werde ich in etwas fernerer Zukunft eine Arbeit mit fundierten Quellenbelegen aus regionalen Archiven, sowie aus meinem Privatarchiv publizieren können.


    Viele Grüße


    Felix


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    Steine als Zeugen? Spuren des freiwilligen Arbeitsdienstes im Lautertal


    Das große Interesse am Stein des freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD), der in der Aprilausgabe (2016) des Durchblicks vorgestellt wurde zeigt, dass regionale Zeitgeschichte nach wie vor viele Menschen beschäftigt und fasziniert. Es sollen in diesem Beitrag nun 2 weitere Arbeitsdiensteine vorgestellt werden, die sich im Lautertal finden lassen. Zum Einen, ein weiterer des FAD am heutigen Felsenmeerweg und ein Stein des Reichsarbeitsdienstes (RAD) an der Straße von Schannenbach nach Ober-Hambach. Dabei ist es wichtig auf den organisationsgeschichtlichen Rahmen des FAD bzw. RAD, der in untrennbarem Zusammenhang steht, einzugehen. Der freiwillige Arbeitsdienst war eine Einrichtung der späten Weimarer Republik. Er wurde geschaffen, als die Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre schon in vollem Gange war.Ideen für einen Arbeitsdienst gab es in Deutschland und auch vielen anderen europäischen Nationalstaaten schon seit Ende des ersten Weltkrieges. Interessengruppen, Verbände, Parteien und auch Einzelpersonen versuchten den Staat aus den unterschiedlichsten Gründen zur Einrichtung eines Arbeitsdienstes per Gesetz zu bewegen. Das Spektrum der Befürworter eines Arbeitsdienstes reichte von eher Konservativen, die dies als guten Ersatz für die durch den Versailler Vertrag abgeschaffte Wehrpflicht ansahen, bis hin zu studentischen bzw. von der Jugendbewegung geprägten Kreisen, die es als eine Möglichkeit zum Ausgleich von Klassengegensätzen verstanden und um Verständnis für die jeweils anderen Gruppen der Gesellschaft zu entwicklen. Völkische Bewegungen, wie zum Beispiel der Bund Artam suchten der damaligen Landflucht auch mit einem Arbeitsdienst entgegenzuwirken. Die Entwicklung des Arbeitsdienstes über den FAD bis zum heute uns eher bekannten Reichsarbeitsdienst (RAD) des nationalsozialistischen Staates lässt sich grob in 3 Entwicklungsphasen einteilen. Man kann schon vorwegsagen, dass die beiden vom FAD hinterlassenen Steine im Reichenbacher Felsenmeer und am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen am ehesten als Zeugnisse der 2. Phase gelten können.Der Stein an der Straße zwischen Schannenbach und Ober – Hambach stammt aus der späteren RAD Zeit.


    1. Phase - 1918 bis 1931: Wie bereits erwähnt gab es in dieser Phase viele, die die Einrichtung eines Arbeitsdienstes des Staates forderten dies aber nicht erreichen konnten. Es gab einige private Initiativen und auch bestimmte Verbände hielten sogenannte Arbeitsdienstlager ab. Letztere muss man sich allerdings eher wie ein Zeltlager von wenigen Tagen vorstellen, in denen man sich bei gemeinsamer Arbeit begegnete.


    2. Phase – 1931 bis 1933: Etablierung der rechtlichen Grundlagen für den freiwilligen Arbeitsdienst im Juli 1931. Hierbei war er unter anderem ein Bestandteil der „Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen“ während der Regierung von Reichskanzler Brüning.


    3. Phase - 1933 bis 1935: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt die Zentralisierung des Arbeitsdienstes bis zur Schaffung des Reichsarbeitsdienstgesetztes vom 26.06.1935, das ihn zu einer dem Wehrdienst vorgelagerten Pflicht für junge Männer machte. Er diente vor allem als Erziehungs – und Indoktrinierungsinstrument des NS – Staates.


    Wie bereits erwähnt, ist die zweite Phase (1931 bis 1933) für die Betrachtung des geschichtlichen Zusammenhangs in dem die beiden FAD Steine stehen am Wichtigsten. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre betraf auch das Deutsche Reich in starkem Ausmaß. Es gab damals schon eine finanzielle Unterstützung für Arbeitslose. Die Einrichtung des Arbeitsdienstes erfolgte anders als man heute glaubt, nicht zur ökonomischen Belebung der Wirtschaft oder zur Schaffung bezahlter Arbeitsplätze, sondern es war eine Beschäftigungsmöglichkeit vor allem für junge Menschen um diese nicht in völliger Entmutigung versinken zu lassen. Gründe für einen Arbeitsdienst, die während der ersten Phase (1918-1931) vorgebracht wurden, spielten dabei keinerlei Rolle mehr. Ein Arbeitsloser erhielt, wenn er sich zum freiwilligen Arbeitsdienst meldete, nicht mehr Geld, als er ohnehin als Arbeitslosenunterstützung bekam.Das FAD Gesetz gestattete es den sogen. Trägern der Arbeit einen Arbeitsdienst einzurichten und auch vollkommen selbstständig zu bestimmen welche Arbeiten zu leisten waren und wie viel die Arbeitszeit pro Tag betrug. Träger der Arbeit konnten alle Körperschaften öffentlichen oder privaten Rechts sein. Das heißt: Gemeinden, Kirchen, Verbände, Parteien, etc. Für die zentrale Koordinierung des FADs in unserer Gegend war das Arbeitsamt Darmstadt zuständig. Stellen wie diese wurden wiederum als Träger des Dienstes bezeichnet.Unter anderem kümmerte man sich hier um Erstzuweisung und Nachschub neuer Freiwilliger. Aus einer Bestandsaufnahme vom Februar 1933 über die Verteilung der Gemeinden mit freiwilligem Arbeitsdiensten im Bereich des Arbeitsamtes Darmstadt geht hervor, dass in der heutigen Gemeinde Lautertal insgesamt 3 Dörfer (damals eigenständige Gemeinden) mit freiwilligem Arbeitsdienst existierten. Es handelte sich dabei um Reichenbach, Lautern und Gadernheim. Die auszuführenden Arbeitsvorhaben sind kartographisch als folgende Punkte vermerkt:


    1. Der Wegebau von Gadernheim nach Neunkirchen, hier als Viecenalweg[1] bezeichnet.
    2. Die Anlage des Felsbergwegs, der später auch „Arbeitsdienstweg“ genannt wurde.
    3. Anlage des sich dem Felsbergweg in westlicher Richtung anschließenden, hier sogen. Thalhofweg.
    4. Vereinzelte Waldstücke für Waldarbeiten. Es zeigt sich also, dass der Schwerpunkt für den FAD in unserer Gegend vor allem auf der Anlage von Wegen bzw. dem Ausbau schon vorhandener, meist nicht, oder nur schlecht befestigter Pfade lag.


    Bedingt durch die Autonomie hinsichtlich der Arbeitsvorhaben dürfte im Lautertal die Auswahl auf Projekte gefallen sein, die für die Region notwendig oder zumindest wünschenswert waren. Die Gemeinnützigkeit eines Vorhabens war dabei laut des Gesetzes von 1931 keine zwingende Voraussetzung. Nicht nur Gemeinden durften einen Arbeitsdienst einrichten. So existierte z.B. ein FAD Lager der evangelischen Kirche in Biblis oder aber auch ein Lager des Stahlhelms in Fränkisch-Crumbach. Auch die großen Parteien unterhielten allesamt eigene Arbeitsdienste bzw. Arbeitsdienstvereine. Wie setzte sich nun der FAD personell zusammen? Das 1933 auf dem Borstein im ehemaligen Wormser Naturfreundehaus eingerichtete FAD Lager zeigt, dass eine Gemeinschaftsunterbringung von Personen aus dem weiteren Umkreis nur zum Zwecke des Arbeitsdienstes durchaus existierte. Hierbei sprach man von einer geschlossenen Maßnahme. Es fand dabei gemeinschaftliches Wohnen, Arbeiten und Essen statt. Eine flächendeckende, kasernierte Unterbringung ist jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt beim RAD zu beobachten. So waren im FAD oft auch Personen tätig, die aus der Region stammten oder direkt aus der Gemeinde an dem der Arbeitsdienst eingerichtet worden war. Man fand sich täglich für das Arbeitsdienstvorhaben am Ort der Arbeit ein und arbeitete dann stundenweise oder auch einen ganzen Tag. Dies wurde offene Maßnahme genannt. Es fanden im Lautertal somit sowohl offene als auch geschlossene Maßnahmen statt. Die Zeit, die man im FAD verbrachte betrug meist nur ca. 10 Wochen. Der FAD – Stein am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen zeigt die Inschrift 1932 - 1933. Das Wirken des FAD im Lautertal begann also offenkundig durch das Gesetz für den Arbeitsdienst von 1931 und somit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Am Felsenemeerweg weist die Inschrift deutlich auf das 1933 eingerichtete FAD Lager auf dem Borstein hin. Es darf trotz der im Januar erfolgten Machtübernahme der Nationalsozialisten weiterhin vom FAD gesprochen werden, da eine Umorganisation erst in den darauf folgenden 2 Jahren stattfand und der RAD erst ab 1935 durch das entsprechende Reichsarbeitsdienstgesetz in seiner eigentlichen Form zu existieren begann.Die ausgeführten Arbeitsdienstvorhaben des FAD im Lautertal waren somit zumindest planungstechnisch allesamt noch Projekte der Weimarer Zeit. Wie das FAD Lager auf dem Borstein, verschwanden auch zwischen 1933 und 1935 die anderen freiwilligen Arbeitsdienste der Gemeinden. Die FAD Lager stellen sich 1933 freiwillig unter die Kontrolle des Staates oder wurden durch Zwang gleichgeschaltet. Es erfolgte eine totale Umorganisation hin zu einer zentralistischen Organisation des NS-Staates, die trotz gewisser Verquickungen mit der NSDAP faktisch eine staatliche Einrichtung und keine Parteiformation war. Von Anfang an fand dies unter Leitung des ehemaligen Generalstabsoffiziers Konstantin Hierl statt, der bis 1945 der Reichsarbeitsdienstführer blieb. Der RAD war nie als Instrument zur Schaffung von echten Arbeitsplätzen gedacht, sondern diente neben der Realisierung von zentral geplanten Arbeitsvorhaben vor allem als Erziehungsinstrument. In späteren Jahren, mit Fortschreiten des Krieges auch zunehmend der militärischen Grundausbildung. Für den RAD wurden mehrheitlich sogenannte Holzhauslager errichtet, die aus genormten Baracken bestanden in denen junge, arbeitsdienstpflichtige Männer für 6 Monate kaserniert lebten. Die Organisation erfolgte in Arbeitsgauen, die sich wiederum in Gruppen mit jeweils mehreren Abteilungen gliederten. Für Südhessen war dies der Arbeitsgau XXV und in unserer Gegend war vor allem die Arbeitsdienstgruppe 255 aktiv. In Friedenszeiten, bis zum Kriegsausbruch wurden vom RAD hauptsächlich Bauarbeiten sowohl ziviler, als auch militärischer Natur ausgeführt. So war der Bau von Wegen und Straßen nach wie vor ein Kerngeschäft. Es erfolgten besonders aber auch in unserer Region Meliorationsarbeiten, wie die Entwässerung des südhessischen Rieds oder auch der Bau des sogen. Erbhofdorfes Riedrode. Gerade die Erbhofdörfer in Südhessen waren ideologisch und personell von Beginn an eng mit dem RAD verknüpft. Auch der Bau von Flughäfen und des Westwalls waren Aufgaben des RADs, an denen auch Abteilungen aus der Umgebung teilnahmen. Mit Kriegsausbruch wurde der RAD zum Teil in die Baubataillone der Wehrmacht eingegliedert, aber auch die Heranziehung von ganzen Abteilungen zur Flak, wie zum Beispiel des Lagers „Erich Jost“ aus Lampertheim oder des Lagers „Ludwig der Deutsche“ in Einhausen waren üblich. Menschen, die die Epoche des Dritten Reiches in unserer Gegend noch aus eigener Erfahrung kennen, erinnern sich bezüglich des RADs vor allem noch an die sogen. Arbeitsmaiden des ab 1939 zur Pflicht gewordenen Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend (RADwJ). Sie waren in Ried und Odenwald als Ernte – und Haushaltshilfen bei Großbauern und kinderreichen Familien eingesetzt. In den späteren Kriegsjahren, als immer mehr Soldaten der Luftwaffe zu Fronteinheiten versetzt wurden, nahmen sie aber auch deren Plätze an den Suchscheinwerfern und Horchgeräten der Flak ein. Für Viernheim und Ludwigshafen sind solche Einsätze von Angehörigen des RADwJ belegbar. Frühe Lager der 3. Phase, die schon den Organisationsstrukturen des RAD entsprachen sind auch für unsere nähere Umgebung bekannt. So zum Beispiel in Heppenheim in der ehemaligen Nudelwarenfabrik Tuger und in Bensheim im Gebäude des heutigen AKGs (damals Ernst-Ludwig Seminar).Das erste sogen. Bauernhilfslager Hessens des weiblichen, damals noch freiwilligen, Arbeitsdienstes wurde 1934 in Wattenheim bei Bürstadt eigerichtet. Die Mädchen halfen den ortsansässigen Landwirten bei der Gurkenernte.Der Stein in der Nähe von Schannenbach muss im Rahmen des Wegebaus durch den RAD im Jahr 1937 entstanden sein. Welche Abteilung genau ihn schuf, ist bisher nicht abschließend geklärt.Die Steine, die uns im Lautertal bekannt sind, waren keinesfalls Einzelerscheinungen, die nur in der Region des vorderen Odenwaldes zu finden sind. Es gehörte seit den Tagen des FAD zur Tradition, sich in irgendeiner Weise zu verewigen. So lassen sich auch heute noch im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Steine des FAD bzw. des RAD finden. In Falken-Gesäß bei Beerfelden fand sich zum Beispiel noch in den 1970/80er Jahren ein Stein des RAD.Die Steine dienten auch nach dem Krieg für ehemalige Angehörige von FAD/RAD als eine gewisse Art von Identifikationsmerkmal und Beweis für die baulichen Leistungen sowohl des FAD als auch des RAD. Nach 1945 gründete sich der Bund der Notgemeinschaft ehemaliger, berufsmäßiger Arbeitsdienstangehöriger und deren Hinterbliebenen e.V. (BNA) in dem sich das ehemalige Führerkorps des RAD organisierte. Von dem ehemals sehr ranghohen Arbeitsdienstführer Karl Lauritzen, der zur Reichsarbeitsdienstführung in Berlin gehörte, wurde 1983 im Auftrag des BNA das Buch Steine als Zeugen – Gedenksteine, Gedenktafeln des ehemaligen Arbeitsdienstes publiziert, in dem sich auch die Steine am Felsenmeerweg und in Falken-Gesäß finden. Weiter ist auch der mit Arbeitsdienst – und DAF-Symbolik verzierte Brunnen in Riedrode abgebildet. Alleine die Betrachtung unserer Gegend zeigt, dass diese Publikation nur einen Bruchteil der insgesamt erstellten Steine zeigt. Wie mit diesem Beitrag erläutert wurde, sind alleine für das Lautertal insgesamt 3 Steine bekannt, von denen nur einer in Lauritzens Buch erwähnt wird. Die Gesamtzahl wird vermutlich also auch im Bezug auf das heutige Bundesgebiet insgesamt wesentlich höher sein als dokumentiert. Das gesamte Buch muss natürlich im Spiegel seiner Zeit und seines Autors betrachtet werden. Es ist sicherlich in die Kategorie der Erinnerungsliteratur einzuordnen, in der meist gewisse Tendenzen zur Glorifizierung zu beobachten sind. So ist nicht verwunderlich, dass auch der Reichsarbeitsdienst sich nach 1945 als Organisation zu präsentieren versuchte, die ausschließlich für segensreiche Bauvorhaben und Hilfsdienstleistungen stand. Unbestritten bleibt trotzdem, dass sowohl FAD als auch RAD gerade in den Regionen des Odenwaldes und des Rieds die Landschaft, die wir heute als naturgegeben und schätzenswert wahrnehmen teilweise in sehr starker Form mitgeprägt und verändert haben. Der Komplex des Arbeitsdienstes bildet für unsere Gegend ein sehr ergiebiges Forschungsthema. Ich arbeite seit etlichen Jahren daran, eine Regionalstudie zu erstellen, die die komplexen Zusammenhänge von den Anfängen des FAD bis zum Ende des RAD 1945 an Bergstraße, Ried und Odenwald umfassend darstellt. Aufgrund der wenigen erhalten gebliebenen und gleichzeitig weitläufig zerstreuten Quellen zum Thema wird dies sicherlich auch noch einige Jahre dauern. Vor allem die Archive der einzelnen Gemeinden halten gerade in Bezug auf den FAD sicherlich noch Akten bereit, die dabei helfen können ein klareres Bild zu diesem Thema zu zeichnen. Eine Nachsuche im historischen Archiv der Gemeinde Lautertal dürfte sich mit Sicherheit als sehr nützlich für erweisen.


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    [1] gemeint ist wahrscheinlich Vicinalweg



    Bilder zu den Steinen kann ich hier leider nicht posten, da ich nicht an allen die Rechte besitze. Hier sieht man den Beitrag mit Bildern.

    Hallo dr.rudolf,


    nun, da wir weiter vorne über Defibrilatoren und Beatmungsmaschinen gesprochen haben, war es denke ich unvermeidbar auch in die neuere, zivile Medizin abzugleiten. Es wird hier gar nichts als Maßstab genommen! Auch wenn eine Gruppe Sterbender nicht vorgesehen ist, so bleibt die Idee des Systems der Priorisierung genau die Gleiche! Dass äußere Umstände sich unterscheiden hatte ich eigentlich als von jedem Diskutanten als verinnerlichte Grundannahme vorausgesetzt.


    Das Thema Triage zeigt einfach, und dazu passt der Link, wie viele Ideen aus der Militärmedizin (auch aus dem 2. Weltkrieg) in die zivile Medizin übernommen oder zumindest modifiziert werden. Gerd Wolf hat es sehr schön demonstriert. Ähnlich verhält es sich mit tragbaren EKG-Geräten mit eingebauten Defibrilatoren zur Reanimation. Diese wurden zum ersten Mal in Vietnam unter Gefechtsbedingungen von der US ARmee getestet. Heute fährt jeder Rettungswagen und jedes Notarzteinsatzfahrzeug mit so einem Gerät herum. Andere Bedingungen, aber die gleiche Idee und der gleiche Nutzen!


    Weshalb du grundlegende Methoden/Algorithmen der präklinischen und klinischen Notfallmedizin ausschließlich der kassenärztlichen Versorgung zurechnest ist mir schleierhaft.


    Beste Grüße


    OB

    Hallo,


    ich hatte diesen Thread hier ganz vergessen. Ich stelle den erwähnten Beitrag hier ein. Er ist für den nicht vorgebildeten Leser verfasst, ich bitte also um Verständnis, wenn er den Experten nicht gänzlich zufrieden stellt und zu oberflächlich erscheint. Der Fokus liegt hierbei auf Steinen, die der FAD/RAD auf der Gemarkung der Gemeinde Lautertal in Südhessen hinterlassen hat. Der Beitrag ist in einem Lokalblatt und später noch einmal als Mehrteiler eines Rundbriefes eines lokalen Verschönerungsvereines erschienen.


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    Steine als Zeugen? Spuren des freiwilligen Arbeitsdienstes im Lautertal


    Das große Interesse am Stein des freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD), der in der Aprilausgabe (2016) des Durchblicks vorgestellt wurde zeigt, dass regionale Zeitgeschichte nach wie vor viele Menschen beschäftigt und fasziniert. Es sollen in diesem Beitrag nun 2 weitere Arbeitsdiensteine vorgestellt werden, die sich im Lautertal finden lassen. Zum Einen, ein weiterer des FAD am heutigen Felsenmeerweg und ein Stein des Reichsarbeitsdienstes (RAD) an der Straße von Schannenbach nach Ober-Hambach. Dabei ist es wichtig auf den organisationsgeschichtlichen Rahmen des FAD bzw. RAD, der in untrennbarem Zusammenhang steht, einzugehen. Der freiwillige Arbeitsdienst war eine Einrichtung der späten Weimarer Republik. Er wurde geschaffen, als die Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre schon in vollem Gange war.Ideen für einen Arbeitsdienst gab es in Deutschland und auch vielen anderen europäischen Nationalstaaten schon seit Ende des ersten Weltkrieges. Interessengruppen, Verbände, Parteien und auch Einzelpersonen versuchten den Staat aus den unterschiedlichsten Gründen zur Einrichtung eines Arbeitsdienstes per Gesetz zu bewegen. Das Spektrum der Befürworter eines Arbeitsdienstes reichte von eher Konservativen, die dies als guten Ersatz für die durch den Versailler Vertrag abgeschaffte Wehrpflicht ansahen, bis hin zu studentischen bzw. von der Jugendbewegung geprägten Kreisen, die es als eine Möglichkeit zum Ausgleich von Klassengegensätzen verstanden und um Verständnis für die jeweils anderen Gruppen der Gesellschaft zu entwicklen. Völkische Bewegungen, wie zum Beispiel der Bund Artam suchten der damaligen Landflucht auch mit einem Arbeitsdienst entgegenzuwirken. Die Entwicklung des Arbeitsdienstes über den FAD bis zum heute uns eher bekannten Reichsarbeitsdienst (RAD) des nationalsozialistischen Staates lässt sich grob in 3 Entwicklungsphasen einteilen. Man kann schon vorwegsagen, dass die beiden vom FAD hinterlassenen Steine im Reichenbacher Felsenmeer und am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen am ehesten als Zeugnisse der 2. Phase gelten können.Der Stein an der Straße zwischen Schannenbach und Ober – Hambach stammt aus der späteren RAD Zeit.


    1. Phase - 1918 bis 1931: Wie bereits erwähnt gab es in dieser Phase viele, die die Einrichtung eines Arbeitsdienstes des Staates forderten dies aber nicht erreichen konnten. Es gab einige private Initiativen und auch bestimmte Verbände hielten sogenannte Arbeitsdienstlager ab. Letztere muss man sich allerdings eher wie ein Zeltlager von wenigen Tagen vorstellen, in denen man sich bei gemeinsamer Arbeit begegnete.


    2. Phase – 1931 bis 1933: Etablierung der rechtlichen Grundlagen für den freiwilligen Arbeitsdienst im Juli 1931. Hierbei war er unter anderem ein Bestandteil der „Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen“ während der Regierung von Reichskanzler Brüning.


    3. Phase - 1933 bis 1935: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt die Zentralisierung des Arbeitsdienstes bis zur Schaffung des Reichsarbeitsdienstgesetztes vom 26.06.1935, das ihn zu einer dem Wehrdienst vorgelagerten Pflicht für junge Männer machte. Er diente vor allem als Erziehungs – und Indoktrinierungsinstrument des NS – Staates.


    Wie bereits erwähnt, ist die zweite Phase (1931 bis 1933) für die Betrachtung des geschichtlichen Zusammenhangs in dem die beiden FAD Steine stehen am Wichtigsten. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre betraf auch das Deutsche Reich in starkem Ausmaß. Es gab damals schon eine finanzielle Unterstützung für Arbeitslose. Die Einrichtung des Arbeitsdienstes erfolgte anders als man heute glaubt, nicht zur ökonomischen Belebung der Wirtschaft oder zur Schaffung bezahlter Arbeitsplätze, sondern es war eine Beschäftigungsmöglichkeit vor allem für junge Menschen um diese nicht in völliger Entmutigung versinken zu lassen. Gründe für einen Arbeitsdienst, die während der ersten Phase (1918-1931) vorgebracht wurden, spielten dabei keinerlei Rolle mehr. Ein Arbeitsloser erhielt, wenn er sich zum freiwilligen Arbeitsdienst meldete, nicht mehr Geld, als er ohnehin als Arbeitslosenunterstützung bekam.Das FAD Gesetz gestattete es den sogen. Trägern der Arbeit einen Arbeitsdienst einzurichten und auch vollkommen selbstständig zu bestimmen welche Arbeiten zu leisten waren und wie viel die Arbeitszeit pro Tag betrug. Träger der Arbeit konnten alle Körperschaften öffentlichen oder privaten Rechts sein. Das heißt: Gemeinden, Kirchen, Verbände, Parteien, etc. Für die zentrale Koordinierung des FADs in unserer Gegend war das Arbeitsamt Darmstadt zuständig. Stellen wie diese wurden wiederum als Träger des Dienstes bezeichnet.Unter anderem kümmerte man sich hier um Erstzuweisung und Nachschub neuer Freiwilliger. Aus einer Bestandsaufnahme vom Februar 1933 über die Verteilung der Gemeinden mit freiwilligem Arbeitsdiensten im Bereich des Arbeitsamtes Darmstadt geht hervor, dass in der heutigen Gemeinde Lautertal insgesamt 3 Dörfer (damals eigenständige Gemeinden) mit freiwilligem Arbeitsdienst existierten. Es handelte sich dabei um Reichenbach, Lautern und Gadernheim. Die auszuführenden Arbeitsvorhaben sind kartographisch als folgende Punkte vermerkt:


    1. Der Wegebau von Gadernheim nach Neunkirchen, hier als Viecenalweg[1] bezeichnet.
    2. Die Anlage des Felsbergwegs, der später auch „Arbeitsdienstweg“ genannt wurde.
    3. Anlage des sich dem Felsbergweg in westlicher Richtung anschließenden, hier sogen. Thalhofweg.
    4. Vereinzelte Waldstücke für Waldarbeiten. Es zeigt sich also, dass der Schwerpunkt für den FAD in unserer Gegend vor allem auf der Anlage von Wegen bzw. dem Ausbau schon vorhandener, meist nicht, oder nur schlecht befestigter Pfade lag.


    Bedingt durch die Autonomie hinsichtlich der Arbeitsvorhaben dürfte im Lautertal die Auswahl auf Projekte gefallen sein, die für die Region notwendig oder zumindest wünschenswert waren. Die Gemeinnützigkeit eines Vorhabens war dabei laut des Gesetzes von 1931 keine zwingende Voraussetzung. Nicht nur Gemeinden durften einen Arbeitsdienst einrichten. So existierte z.B. ein FAD Lager der evangelischen Kirche in Biblis oder aber auch ein Lager des Stahlhelms in Fränkisch-Crumbach. Auch die großen Parteien unterhielten allesamt eigene Arbeitsdienste bzw. Arbeitsdienstvereine. Wie setzte sich nun der FAD personell zusammen? Das 1933 auf dem Borstein im ehemaligen Wormser Naturfreundehaus eingerichtete FAD Lager zeigt, dass eine Gemeinschaftsunterbringung von Personen aus dem weiteren Umkreis nur zum Zwecke des Arbeitsdienstes durchaus existierte. Hierbei sprach man von einer geschlossenen Maßnahme. Es fand dabei gemeinschaftliches Wohnen, Arbeiten und Essen statt. Eine flächendeckende, kasernierte Unterbringung ist jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt beim RAD zu beobachten. So waren im FAD oft auch Personen tätig, die aus der Region stammten oder direkt aus der Gemeinde an dem der Arbeitsdienst eingerichtet worden war. Man fand sich täglich für das Arbeitsdienstvorhaben am Ort der Arbeit ein und arbeitete dann stundenweise oder auch einen ganzen Tag. Dies wurde offene Maßnahme genannt. Es fanden im Lautertal somit sowohl offene als auch geschlossene Maßnahmen statt. Die Zeit, die man im FAD verbrachte betrug meist nur ca. 10 Wochen. Der FAD – Stein am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen zeigt die Inschrift 1932 - 1933. Das Wirken des FAD im Lautertal begann also offenkundig durch das Gesetz für den Arbeitsdienst von 1931 und somit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Am Felsenemeerweg weist die Inschrift deutlich auf das 1933 eingerichtete FAD Lager auf dem Borstein hin. Es darf trotz der im Januar erfolgten Machtübernahme der Nationalsozialisten weiterhin vom FAD gesprochen werden, da eine Umorganisation erst in den darauf folgenden 2 Jahren stattfand und der RAD erst ab 1935 durch das entsprechende Reichsarbeitsdienstgesetz in seiner eigentlichen Form zu existieren begann.Die ausgeführten Arbeitsdienstvorhaben des FAD im Lautertal waren somit zumindest planungstechnisch allesamt noch Projekte der Weimarer Zeit. Wie das FAD Lager auf dem Borstein, verschwanden auch zwischen 1933 und 1935 die anderen freiwilligen Arbeitsdienste der Gemeinden. Die FAD Lager stellen sich 1933 freiwillig unter die Kontrolle des Staates oder wurden durch Zwang gleichgeschaltet. Es erfolgte eine totale Umorganisation hin zu einer zentralistischen Organisation des NS-Staates, die trotz gewisser Verquickungen mit der NSDAP faktisch eine staatliche Einrichtung und keine Parteiformation war. Von Anfang an fand dies unter Leitung des ehemaligen Generalstabsoffiziers Konstantin Hierl statt, der bis 1945 der Reichsarbeitsdienstführer blieb. Der RAD war nie als Instrument zur Schaffung von echten Arbeitsplätzen gedacht, sondern diente neben der Realisierung von zentral geplanten Arbeitsvorhaben vor allem als Erziehungsinstrument. In späteren Jahren, mit Fortschreiten des Krieges auch zunehmend der militärischen Grundausbildung. Für den RAD wurden mehrheitlich sogenannte Holzhauslager errichtet, die aus genormten Baracken bestanden in denen junge, arbeitsdienstpflichtige Männer für 6 Monate kaserniert lebten. Die Organisation erfolgte in Arbeitsgauen, die sich wiederum in Gruppen mit jeweils mehreren Abteilungen gliederten. Für Südhessen war dies der Arbeitsgau XXV und in unserer Gegend war vor allem die Arbeitsdienstgruppe 255 aktiv. In Friedenszeiten, bis zum Kriegsausbruch wurden vom RAD hauptsächlich Bauarbeiten sowohl ziviler, als auch militärischer Natur ausgeführt. So war der Bau von Wegen und Straßen nach wie vor ein Kerngeschäft. Es erfolgten besonders aber auch in unserer Region Meliorationsarbeiten, wie die Entwässerung des südhessischen Rieds oder auch der Bau des sogen. Erbhofdorfes Riedrode. Gerade die Erbhofdörfer in Südhessen waren ideologisch und personell von Beginn an eng mit dem RAD verknüpft. Auch der Bau von Flughäfen und des Westwalls waren Aufgaben des RADs, an denen auch Abteilungen aus der Umgebung teilnahmen. Mit Kriegsausbruch wurde der RAD zum Teil in die Baubataillone der Wehrmacht eingegliedert, aber auch die Heranziehung von ganzen Abteilungen zur Flak, wie zum Beispiel des Lagers „Erich Jost“ aus Lampertheim oder des Lagers „Ludwig der Deutsche“ in Einhausen waren üblich. Menschen, die die Epoche des Dritten Reiches in unserer Gegend noch aus eigener Erfahrung kennen, erinnern sich bezüglich des RADs vor allem noch an die sogen. Arbeitsmaiden des ab 1939 zur Pflicht gewordenen Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend (RADwJ). Sie waren in Ried und Odenwald als Ernte – und Haushaltshilfen bei Großbauern und kinderreichen Familien eingesetzt. In den späteren Kriegsjahren, als immer mehr Soldaten der Luftwaffe zu Fronteinheiten versetzt wurden, nahmen sie aber auch deren Plätze an den Suchscheinwerfern und Horchgeräten der Flak ein. Für Viernheim und Ludwigshafen sind solche Einsätze von Angehörigen des RADwJ belegbar. Frühe Lager der 3. Phase, die schon den Organisationsstrukturen des RAD entsprachen sind auch für unsere nähere Umgebung bekannt. So zum Beispiel in Heppenheim in der ehemaligen Nudelwarenfabrik Tuger und in Bensheim im Gebäude des heutigen AKGs (damals Ernst-Ludwig Seminar).Das erste sogen. Bauernhilfslager Hessens des weiblichen, damals noch freiwilligen, Arbeitsdienstes wurde 1934 in Wattenheim bei Bürstadt eigerichtet. Die Mädchen halfen den ortsansässigen Landwirten bei der Gurkenernte.Der Stein in der Nähe von Schannenbach muss im Rahmen des Wegebaus durch den RAD im Jahr 1937 entstanden sein. Welche Abteilung genau ihn schuf, ist bisher nicht abschließend geklärt.Die Steine, die uns im Lautertal bekannt sind, waren keinesfalls Einzelerscheinungen, die nur in der Region des vorderen Odenwaldes zu finden sind. Es gehörte seit den Tagen des FAD zur Tradition, sich in irgendeiner Weise zu verewigen. So lassen sich auch heute noch im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Steine des FAD bzw. des RAD finden. In Falken-Gesäß bei Beerfelden fand sich zum Beispiel noch in den 1970/80er Jahren ein Stein des RAD.Die Steine dienten auch nach dem Krieg für ehemalige Angehörige von FAD/RAD als eine gewisse Art von Identifikationsmerkmal und Beweis für die baulichen Leistungen sowohl des FAD als auch des RAD. Nach 1945 gründete sich der Bund der Notgemeinschaft ehemaliger, berufsmäßiger Arbeitsdienstangehöriger und deren Hinterbliebenen e.V. (BNA) in dem sich das ehemalige Führerkorps des RAD organisierte. Von dem ehemals sehr ranghohen Arbeitsdienstführer Karl Lauritzen, der zur Reichsarbeitsdienstführung in Berlin gehörte, wurde 1983 im Auftrag des BNA das Buch Steine als Zeugen – Gedenksteine, Gedenktafeln des ehemaligen Arbeitsdienstes publiziert, in dem sich auch die Steine am Felsenmeerweg und in Falken-Gesäß finden. Weiter ist auch der mit Arbeitsdienst – und DAF-Symbolik verzierte Brunnen in Riedrode abgebildet. Alleine die Betrachtung unserer Gegend zeigt, dass diese Publikation nur einen Bruchteil der insgesamt erstellten Steine zeigt. Wie mit diesem Beitrag erläutert wurde, sind alleine für das Lautertal insgesamt 3 Steine bekannt, von denen nur einer in Lauritzens Buch erwähnt wird. Die Gesamtzahl wird vermutlich also auch im Bezug auf das heutige Bundesgebiet insgesamt wesentlich höher sein als dokumentiert. Das gesamte Buch muss natürlich im Spiegel seiner Zeit und seines Autors betrachtet werden. Es ist sicherlich in die Kategorie der Erinnerungsliteratur einzuordnen, in der meist gewisse Tendenzen zur Glorifizierung zu beobachten sind. So ist nicht verwunderlich, dass auch der Reichsarbeitsdienst sich nach 1945 als Organisation zu präsentieren versuchte, die ausschließlich für segensreiche Bauvorhaben und Hilfsdienstleistungen stand. Unbestritten bleibt trotzdem, dass sowohl FAD als auch RAD gerade in den Regionen des Odenwaldes und des Rieds die Landschaft, die wir heute als naturgegeben und schätzenswert wahrnehmen teilweise in sehr starker Form mitgeprägt und verändert haben. Der Komplex des Arbeitsdienstes bildet für unsere Gegend ein sehr ergiebiges Forschungsthema. Ich arbeite seit etlichen Jahren daran, eine Regionalstudie zu erstellen, die die komplexen Zusammenhänge von den Anfängen des FAD bis zum Ende des RAD 1945 an Bergstraße, Ried und Odenwald umfassend darstellt. Aufgrund der wenigen erhalten gebliebenen und gleichzeitig weitläufig zerstreuten Quellen zum Thema wird dies sicherlich auch noch einige Jahre dauern. Vor allem die Archive der einzelnen Gemeinden halten gerade in Bezug auf den FAD sicherlich noch Akten bereit, die dabei helfen können ein klareres Bild zu diesem Thema zu zeichnen. Eine Nachsuche im historischen Archiv der Gemeinde Lautertal dürfte sich mit Sicherheit als sehr nützlich für erweisen.


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    [1] gemeint ist wahrscheinlich Vicinalweg


    Bilder zu den Steinen kann ich hier leider nicht posten, da ich nicht an allen die Rechte besitze. Hier sieht man den Beitrag mit Bildern.



    Beste Grüße

    Lieber dr.rudolf,


    ich denke ich habe keine seltsame Vorstellung vom Massenanfall von Verwundeten im Krieg. Sie entspricht vielmehr genau den Umständen, die wir zeitgenössischen Quellen entnehmen können.Ich wollte mit meinem zugegeben etwas süffisanten Beitrag lediglich deine etwas undifferenzierte Aussage kontrastieren, die insinuiert, dass Triage ( heute Sichtung, wie es richtig bemerkt wurde) nur etwas sei, was im Krieg angewendet wurde/ wird und deshalb während Friedenszeiten lediglich als Simulation/Übung stattfindet. Wie ich ja bereits bemerkt habe kommt es auf die Umstände an! Sowohl was die psychische Belastung, als auch die Menge der Patienten betrifft. Und natürlich sind heutige Notaufnahmen nicht mit Krieg zu vergleichen. Das hat hier aber auch niemand behauptet.


    Beste Grüße


    PS: Anbei mal ein Link zum Manchester Triage System, dessen Entwicklung mit Krieg nichts zu tun hat. https://de.wikipedia.org/wiki/Manchester-Triage-System

    ist die Triage begreiflicherweise mit erheblichen (ethisch-moralischen)
    Vorbehalten belegt. Und für die handelnden Ärzte und das Sanitätspersonal stellt sie eine große
    psychische Belastung dar.


    Hallo rudolf,


    da müssen sich ja die Krankenschwestern und Pfleger und die Ärztinnen und Ärzte in den großen Notaufnahmen dieses Landes ja täglich in unglaublichen Konflikten befinden. ;)
    Es kommt natürlich auf die Umstände an! Auch im Frieden im Jahre 2017 gibt es Triage, nur dann eben nicht so dramatisch und in anderer Benennung. Sprich es wird auch hier unterschieden zwischen Husten (der im Zweifel warten kann) und gebrochenem Arm.


    Beste Grüße

    Hallo,


    zur Info: Der Einsatz von einem Defibrillator macht nur Sinn, wenn ein defibrillierbarer Rhytmus vorliegt. Ansonsten ist so etwas nicht indiziert.


    @ nicolae: Ob es In JEDER Weiße ineffektiv war halte ich für eine steile These. Immerhin ist man sich heutzutage auch wieder darüber einig, dass drücken wichtiger ist als pusten! Und wie man liest, war drücken ja scheinbar etabliert. Wenn auch in anderer Weiße als heute. Monitorüberwachung gab es im Lazarett damals logischerweise nicht.


    Zum Thema: Aus meiner Region ist ein Fall bekannt, wo man einen abgestürzten Piloten in einer Scheune wiederzubeleben versuchte. Der Gedanke und die Methode muss also auch in der Zivilbevölkerung bekannt gewesen sein. Sprich, vermutlich bei Personen des DRK oder anderen Sanitätsorganisationen (von SA,SS,HJ,etc.)



    Beste Grüße

    Guten Abend Jochaim,


    Quelle: Hessisches Staatsarchiv Bestand 327-2a Nr.185


    meiner Kenntnis nach liegen die Akten des SS Oberabschnitts Rhein am Standort Marburg. Gilt dies auch für den zitierten Bestand oder hast du an einem anderen Standort diesen Fund gemacht? Falls Marburg, hast du Dir die über 6! laufenden Meter schon systematisch angesehen, oder nur stichprobenhaft?


    Allerbeste Grüße

    Guten Abend,


    am Institut für Zeitgeschichte, München läuft zur Zeit eine interessante Dissertation.


    Der vollständige Titel lautet: Zentralen des Terrors in der besetzten Sowjetunion. Die Dienststellen der Kommandeure der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS

    Möglicherweiße interessant für die Experten hier? Wie seht ihr das? Wie würdet ihr die Quellenlage einschätzen, sofern möglich?


    http://www.ifz-muenchen.de/for…mmandeure-der-sicherheit/


    Beste Grüße


    OB

    Guten Tag,


    nun die angesprochene Person ist sicherlich in Ihrem Wirken und Tun recht dualistisch zu betrachten. Ich möchte das kurz näher ausführen.
    Einerseits gibt es die zu Recht angeführten politischen Punkte, die hier zur Löschung des Links geführt haben. Andererseits muss man sagen, dass an K.H. niemand vorbeikommt, der längeres, dokumentarisches Bewegtbild zum 2. Weltkireg unter Verwendung von Originalaufnahmen produzieren möchte.
    K.H. ist technisch und auch was die Recherche nach neuem Material angeht ein sicherlich sehr professioneller "Handwerker".
    Neu angekaufte Filme digitalisiert und restauriert er. Das analoge Filmmaterial gibt er soviel ich weiss an das Bundesfilmarchiv ab.


    Meiner Kenntnis nach ist es einem Kollegen und ihm auch vor einiger Zeit gelungen eine Filmaufnahme der berüchtigten Erschießungen von ukrainischen Juden in Vinnista (Fotos davon finden sich in fast jedem Buch zur Thematik) aufzufinden. Es handelt sich dabei um die einzigen Filmaufnahmen, die generell zu dieser schrecklichen Thematik des sogen. Ostkrieges existieren. Auf Einladung referierte er dazu auch in der Gedenkstätte in Yad Vashem.
    Zumindest Letzteres finde ich beeindruckend. Ausdrückliche Einladung trotz entsprechender Vorgeschichte?!?
    Ich denke das zeugt zumindest davon, dass man seiner rein formellen Arbeit (nicht der polit. Einstellung und Interpretation!) einen gewissen Qualitätscharakter beimessen darf.


    Beste Grüße


    OB

    Hallo und guten Tag an die Disskutanten dieses interessanten Themas,


    wenn es um Akten geht, die möglicherweise auch in der DDR der Staatssicherheit als Quelle dienten ist zu empfehlen sich auch ausführlich mit den Quelleninventaren des ehemalige Bundesarchivars Heinz Boberach zu befassen. Diese Inventare wurden als Reihe publiziert. Man kann sich hierbei vor allem einen Überblick zur Überliefrungspraxis verschaffen. Auch ostdeutsche Überlieferungen sind nach dem Mauerfall in diese Reihe eingeflossen.

    Gernauer: Texte und Materialien zur Zeitgeschichte Teil 2: Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates- Regionale Behörden u. wissenschaftliche Hochschulen für die fünf ostdeutschen Länder, die ehemaligen preußischen Ostprovinzen u. eingegliederte Gebiete in Polen, Österreich u. d. Tschechischen Republik

    Beste Grüße


    OB

    Hallo,


    ein interessantes Thema...


    Nun ist zum Waggon so einiges gesagt und geklärt worden. Interessant wäre zu wissen, welche Einheiten am 21./22. Juni 1940 an dem Akt mitwirkten.
    In den Wochenschauaufnahmen wird immer die Ehrenkompanier gezeigt. Ehrenkompanie von welchem Regiment?
    Weiterhin haben wir geklärt, dass an der Vorbereitung Eisenbahnpioniere und die OT beteiligt war.


    Aus dem Fotonachlass meines Großvaters habe ich Negative und Abzüge, die nahelegen, dass er zu betreffendem Datum als Angehöriger der Heeresnachrichtentruppe vor Ort war. Von der Verbringung des Waggons nach draußen über Innenansichten des leeren Waggons bis hin zu Fotos von Erich Fellgiebel, dem General der Nachrichtentruppe und späterer Widerständler des 20. Juli 1940, der eine Ansprache hält ist einiges auf den Fotos festgehalten. Ich nehme an, dass die Nachrichtentruppe die technische Infrastruktur installierte, die die franz. Delegation zur Kommunikation mit den eigenen Leuten nutzte.


    Hat jemand Hinweise zu weiteren Einheiten, die vor Ort gewesen sein könnten?


    Viele Grüße


    Felix