Posts by Paul Spohn

    Hallo Bodo,


    und weiter traktierst Du uns mit Zitaten. Diesmal sogar mit den Erinnerungen eines Stuka-Piloten und auch noch mit Goebbels. Die Zitate haben, soweit ich erkennen kann, nichts mit dem hiesigen Thema zu tun.


    Doch zur Sache. Es ist zweifelsohne so, dass die Sanitätsdienste der Wehrmacht der sowjetischen Zivilbevölkerung medizinische Hilfe leisteten. Dies ist unbestritten.

    Ob diese medizinische Hilfe, in der Regel akzidentiell, den Umfang einer Versorgung annahm bezweifele ich.


    Du selber kommst zu einer Hierarchisierung:

    Warum das? Der Titel ist doch in seiner jetzigen Form weitgehend neutral gehalten. In großen Lazarettstandorten der besetzten Gebiete wird die medizinische Versorgung eher "umfassend" gewesen sein, während sie in einsam gelegenen Dörfern und mitten in Partisanengebieten gering bis nicht vorhanden gewesen sein dürfte. Der jetzige Titel deckt doch eigentlich alle diese Möglichkeiten guter und schlechter Versorgung ab.


    Gerade weil weil es eine Hierarchisierung beim Umfang der Versorgung gab, sollte die Überschrift dringlichst relativiert werden, um überhaupt den Begriff Versorgung zu erhalten.

    Etwas Semantik zwischendurch: der Begriff Versorgung impliziert umfassend, umfassende Versorgung ist also doppelt gemoppelt, bzw. dort wo Versorgung nicht umfassend ist, gibt es keine Versorgung.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es selbst an großen Lazarettstandorten eine "umfassende" Versorgung gegeben hat. Mag sein, dass einzelne Zivilisten umfassend medizinisch versorgt wurden. Aber Versorgung der Bevölkerung dürfte wohl eher im Reich der Mythen angesiedelt sein. Jedenfalls kann ich aus dem Wust der Zitate aus den Berichten nicht erkennen, nicht einmal im Ansatz, dass es eine Versorgung gab.

    Beste Grüße


    Paul






    Hallo H.W.,


    Dir ist schon bewußt, das die Ärzte einer gewissen Gleichschaltung unterlagen,...……….usw.

    Die einzige Gleichschaltung erfolgte mit dem obligatorischen Eintritt / Aufnahme in die Reichsärztekammer bei Bestallung / Approbation nach 1935.

    Der Beitritt zur Partei und den Unterorganisationen war freiwillig.


    Eine seltsame Interpretation, die ich so überhaupt nicht teilen kann...……..usw.

    Ich unterstelle immer ein ausreichendes Leseverständnis, ist wohl nicht vorhanden, sonst wäre so eine "Grütze" nicht heraus gekommen.

    Einen europäischen Versorgungsstandard bei laufendem "Vernichtungskrieg"...…...usw.


    Es wurde nie auf einen "europäischen Versorgungsstandard" abgehoben, sondern einfach darauf, dass die Überschrift suggeriert,.

    dass das Sanitätswesen der Wehrmacht sich umfassend und ohne Eigeninteresse um die Kranken und Verwundeten sowjetischen Bürger gekümmert hat.

    Verbunden mit der Bitte, dieses zu relativieren



    Und zum Schluss noch mystische Anmerkungen zu einer Habil-Schrift.

    Hier geht es einzig um Nachlässigkeiten und Unwahrheiten bei einer Habilitationsschrift, die in diesem Punkt höchstwahrscheinlich mangels Lust, Zeit und Quellenmaterial mit "Unsauberkeiten" aufwartet.

    Auch wenn es schon spät ist und Du eventuell erschöpft bist von den Mühen des Tages, aber so einen zusammenhanglosen Satz kann ich nicht akzeptieren. Entweder Du gibst Dir Mühe einen Kontext herzustellen oder Du lässt es bleiben uns so etwas zu servieren.


    Beste Grüße


    Paul


    .

    Hallo,


    zum Ende 1980iger Jahre war ich im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes einige Wochen in der Bibliothek der Universität Witwatersrand (Johannesburg, Südafrika) auf Materialsuche, hauptsächlich recherchierte ich in Publikationen die nie über die Grenzen SA hinaus gelangt waren.

    Nachdem ich mit den Bibliothekaren einigermaßen warm geworden war, führten sie mich eines Tages in eine abgesperrte Abteilung der Bibliothek, in der zensierte Bücher aufbewahrt wurden. Ich fand dort interessante Veröffentlichungen, auch zu meinem Themengebiet, wo ich mich ernsthaft fragte, warum der Zensor die unter Verschluss genommen hatte. Zur Erinnerung, damals herrschte in Südafrika noch die Apartheid. Ich vermute mal, dass nach dem Ende der Apartheid die Abteilung in den allgemeinen Betrieb eingegliedert wurde.


    Wenn es gebannte Bücher gibt und darüber ein Liste geführt wird, stellt sich mir die Frage, kennt man nur Autor und Titel oder ist auch bekannt, ob es diese Bücher und Schriften noch irgendwo eingestellt sind. Oft ging nämlich Zensur mit Vernichtung einher.


    Gruß


    Paul

    Hallo Joop,


    das sind gute Nachrichten zum Scheinflughafen, Forscher brauchen Ausdauer.


    Ich kann verstehen, dass Du die Namen der beteiligten Bauern nicht veröffentlich will, aber vielleicht ist es Dir möglich in einem Google-Earth Ausschnitt von der Gegend den Flughafen zu markieren. Ich würde gerne meine Annahmen von vor zwei Jahren prüfen.


    Vielen Dank im Voraus.


    Beste Grüße


    Paul

    Hallo,


    wie gesagt, ich bin gegenüber den hier immer wieder ins Feld geführten Autobiographien und Erlebnisberichten äußerst skeptisch eingestellt. Wie bereits einige Male verlautbart, halte ich die Erlebnisberichte in Bezug auf ihre Evidenz und ihren Aussagewert für äußerst fragwürdig. Im besten Falle sind sie eine relativ unreflektierte Aneinanderreihung von Einzelerlebnissen, sehr häufig, auch weit nach dem Krieg, mit nationalsozialistischen Stereotypen und Sichtweisen arbeitend.

    Besonders auffällig ist, dass die meisten der Berichte die Sichtweise eines kulturell höherstehenden Menschen einnehmen. Die Vielzahl der Zitate auf den vorherigen Seiten mögen dafür Anschauungsmaterial genug sein.

    Ich halte die Überschrift dieses Threads für grob irreführend, er suggeriert, die Wehrmacht und ihre Ärzte hätten eine umfassende medizinische Versorgung für die sowjetische Bevölkerung in den besetzten Gebieten bereitgestellt.

    Dies stelle ich glatt in Abrede. Allein von den quantitativen Relationen her wäre eine umfassende Versorgung nicht möglich gewesen.

    Die Erlebnisberichte für vieles gut sein, jedoch für eine halbwegs wissenschaftliche Beweisführung einer umfassenden medizinischen Versorgung sind sie gänzlich ungeeignet.


    Zur Güte schlage ich vor die Überschrift so zu relativieren, dass der fatale Eindruck verschwindet, dass das Sanitätswesen der Wehrmacht sich umfassend und ohne Eigeninteresse um die Kranken und Verwundeten sowjetischen Bürger gekümmert hat.

    Wie stark die Ärzteschaft Deutschlands mit den Nazis verwoben war lässt sich kurz und bündig in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt (49 / 2001) nachlesen. Dort wird auf den Forschungsstand über die Mitgliedschaft der Ärzte in der NSDAP bzw. deren Unterorganisationen (SA, SS, HJ, NSKK) eingegangen. Danach waren in der Reichsärztekammer zwischen 1936 und 1945 insgesamt rd. 79.000 Ärzte und Ärztinnen (ohne jüdische Ärzte) registriert, von denen rd. 45% Mitglied in der NSDAP waren. Nimmt man nur die männlichen Ärzte, dann reicht hier die NSDAP-Mitgliedschaft bis an 60%.

    Zieht man die Mitgliedschaft in einer der Unterorganisation der Partei hinzu, dann ergibt sich eine Mitgliedsquote von 74%. Selbst bei Lehrern und Juristen wurde diese Quote nicht erreicht.


    Fundstelle: https://www.aerzteblatt.de/arc…te-im-Nationalsozialismus


    Beste Grüße


    Paul

    Hallo,


    zynischer geht es wohl nicht mehr. Da marschiert die Wehrmacht in die SU ein und sorgt für grosses Leid unter der Zivilbevölkerung. Anlass dann für die Herren Stabsärzte sich als die großen Helfer und Retter zu preisen! Aber natürlich vertrauen die Leidenden den Ärzten, was bleibt Ihnen sonst übrig. Doch in Wirklichkeit es ist die blanke Not, die das “ Vertrauen” herbeizaubert.


    Alle die Ortskrankenstuben und was es sonst noch an Einrichtungen gab waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Um sie einzurichten und um der leidenden Zivilbevölkerung helfen zu können, mußte der Krieg begonnen und geführt werden, oder nicht.


    Fûr mich ist diese ganze Erinnerungsliteratur des Sanitätspersonals der untaugliche Versuch das schlechte Gewissen zu beruhigen und um im Nachhinein nicht so schlecht dazustehen.

    Zudem ist den meisten Berichten immer noch dieser seltsame Ton der Überlegenheit und Arroganz gegenüber den Opfern anzumerken. Ein Ton der zivilisatorischen Überlegenheit, den man genauso in der Kolonialliteratur findet, der jedoch ungerechtfertigt ist.


    Wie es scheint gibt es nicht wenige dieser mehr oder weniger autobiografischen Berichte, sich damit zu beschäftigen ist durchaus interessant, aber beim Umgang und der Bearbeitung sollte schon eine kritische Distanz leitend sein.


    Morgendliche Grüße


    Paul

    Hallo Thilo,


    richtig, die Stiefel blieben mit den Riemen an den Füssen, nur, wenn Du mal richtig tief im Schlamm stecktest und nur noch das verlassen der Stiefel helfen konnte, dann war tiefes gründeln im Schlamm angesagt! Keine Ahnung was angenehmer war?


    Gruß


    Paul

    Hallo,


    die Produktivität eines Industriebetriebs kann ich doch nicht daran messen, wieviele Arbeiter an der Werkbank schaffen, wieviele im Management und wieviele in der Kantine tätig sind!

    Die Relation von Frontschweinen zu Etappenhengsten hat nur einen geringen Aussagewert. Liest man Berichte zu den Rückzugsgefechten und des Zusammenbruchs der Wehrmacht in den letzten sechs Monaten vor Kriegsende, dann war die Quote der Frontschweine besonders hoch, die Überstellung von Management und Kantine an die Werkbank trieb die Quote hoch und senkte die Produktivität bzw. die Kampfkraft sehr stark.


    Gruß


    Paul

    Hallo,


    ja, wir sollen weiter der Opfer der Shoa gedenken, in schöner Regelmäßigkeit an den Jahrestagen und zu sonstigen Anlässen. Natürlich "verkommen" diese Gedenken mit fortschreitender Zeit zu (wie manche behaupten: sinnentstellten) Ritualen, aber der Gründungsmythos der beiden deutschen Republiken nach 1945 beruht auf dem verlorenen, von Hitler im Namen und mit Billigung der meisten Deutschen angezettelten Weltkrieg und besonders dem singulären Verbrechen an sechs Millionen europäischen Juden. Womit wir beim Kern der hiesigen Fragestellung angekommen sind. Der Shoa zu gedenken bedeutet sich immer wieder über die Herkunft und dem inneren Zusammenhalt dieser Republik zu vergewissern.


    Aber, wie bereits angemerkt, Rituale schleifen sich ab, ihre Bedeutung geht verloren. Darum ist es wichtig, wieder und wieder die Geschichte zu erzählen wie es dazu kam, dass solche Rituale notwendig wurden. Denn Krieg und Shoa kamen nicht von einem Tag auf den anderen, sie sind die "Endlösung", um ein Nazi-Unwort zu nutzen, einer geschichtlichen Entwicklung. Einer Entwicklung, die, und das sollten wir uns merken, nicht schicksalhaft und ungewollt über die Deutschen herein brach. Voraussetzung war, den anti-demokratischen, anti-parlamentarischen Kräften am rechten Rand (u.a. NSDAP), die über zehn Jahre politisch randständig waren, Optionen auf die Macht zu eröffnen und in konservativer Borniertheit und Hybris zu glauben, alles im Griff zu haben. Die Fehler und Fehlentscheidungen wurden vor der Machtergreifung der Nazis und Hitlers gemacht.


    Es ist also nicht die Frage zu stellen, wie sie hier immer wieder auftaucht, was hätte ich getan, wie hätte ich mich verhalten im Dritten Reich, nein, bezogen auf heute sollten wir uns immer wieder fragen, wie können wir anti-demokratische Kräfte erkennen und sie von der Macht fern halten. Kurz und knapp: wehret den Anfängen.


    Beste Grüße aus dem sonnigen Berlin


    Paul

    Hallo Leute,


    ein schwieriges und heikles Thema, wurde schon mal angeschnitten und diskutiert. Stefan Reuter hat den Thread dazu bereits verlinkt, s. o..

    Die Konstruktion von möglichen Fällen bleibt eine rein theoretische Erörterung ohne wirklichen Erkenntnisgewinn. Einzelne Beispiele pauschal zu verallgemeinern verbietet sich bei seriöser Betrachtung.



    Gruß


    Paul

    Hallo,


    die Gefechte waren in der Regel kurz, selten länger als der lichte Tag, die Teilnehmerzahl, insbesondere auf deutscher Seite ziemlich übersichtlich. Das damalige Kartenmaterial nicht sehr genau, die Besiedlungsdichte zudem sehr niedrig, aber jede auch nur halbwegs relevante Örtlichkeit war von der ungefähren Lage her eingezeichnet. Die Problematik dürfte in der unterschiedlich überlieferten Schreibweise der Orte liegen. Die Herero sprachen eine Bantusprache, die Nama eine Khoi-San (Hottentotten oder Afrikaans Hütentüd) Sprache mit Klicklauten und die Orlam häufig Afrikaans, die Sprache der Buren. Oft gab es für einen Ort daher mehrere Namen, je nach Volk und wie die Deutschen die Worte interpretierten.

    Darum mit Geduld in den Alten Karten und Berichten recherchieren.



    Beste Grüße


    Paul

    Hallo,


    die Karte könnt ihr finden unter dem Stichwort Nama und Herero in Wikipedia. Sorry, arbeite im Moment vom IPad und da sind Kunststücke wie Dateien anhängen etwas sehr umständlich.


    Wenn Buchempfehlungen, dann auch noch diese: Uwe Timm, Morenga, ein fiktionaler Roman von 1978 über den Krieg und Genozid der Deutschen gegen Herero und Nama in 1904 - 1906/10.


    U. Timm greift vor rd. 40 Jahren in Deutschland ein Thema in einer Weise auf, die weit entfernt ist von dem damals noch sehr verbreiteten Heldenmärchen über die deutsche Kolonialverwaltung und deren Soldaten. Spannend und literarisch ausgezeichnet geschrieben.


    Beste Grüße


    Paul

    Hallo Tom,


    da alle mehr oder weniger auf der Durchreise waren, hinhaltender Widerstand, dürften die Stellungen nich besonders ausgebaut gewesen sein. Vielleicht sieht man die eine oder andere Vertiefung, vielleicht erkennt man eine gewisse Systematik, ich würde nicht viel erwarten. Vielleicht hatten die nur ihren Späten, kein ordentliches Schanzzeug, kein Material.


    Gruß


    Paul