Posts by ernesto

    Hallo,


    Zur Doku anbei die Abbildung aus der HDv 130/4a


    und dazu noch der Vorschriftentext


    Quote

    Die Lademulde ist beim Schießen mit der oberen Winkelgruppe und den größten Erhöhungen der unteren Winkelgruppe zu verwenden.
    Schütze 2 und 4 erfassen mit beiden Händen die Lademulde, heben sie von der Lafette ab und haken sie am Bodenstück ein.
    Schütze 5 legt das Geschoß in die Mulde.
    Schütze 2 und 4 reißen auf das Kommando des Schützen 2 "Zu - gleich!" die Handgriffe der Lademulde kräftig nach rückwärts, so daß das Geschoß am Rohr angesetzt ist (Bild 23b).
    Dann erfassen sie mit beiden Händen die Lademulde, haken sie aus dem Bodenstück aus und legen sie auf die Lafette zurück.



    Das IG 37 ist wohl am besten durch die Spreizlafette der Pak 36 vom IG 18 mit Blocklafette zu unterscheiden.


    mfg
    ernesto

    Files

    • Abb. 23b.jpg

      (252.79 kB, downloaded 59 times, last: )

    Hallo Herbert,


    soweit die Vorschrift (H.Dv. 130/3a) das hergibt, gab es beim s.IG eine Lademulde als Ansetzhilfe für das Laden in den oberen Winkelgruppen (Ziff. 49 und Abb. 23b). Hat diese sich nicht bewährt oder warum wurde das Rohr immer wieder runter gekurbelt?


    Das le.IG 18 konnte bis 75° Rohrerhöhung gerichtet werden. Allerdings nicht das IG 37. Beziehst du dich auf dieses?


    Zum direkten Schuss sagt Ziff. 103: "Das Schießen aus offenen Stellungen ist auf Ausnahmefälle zu beschränken." Wäre interessant, wenn du zu der in der Praxis ja scheinbar anderen Handhabung was sagen könntest.


    mfg
    ernesto

    Hallo klext,


    Quote

    wie manche hier meinen, das schwere Flak eine "Abart" von "Erdartillerie" war


    benenne doch bitte Ross und Reiter, vielleicht lässt sich dann ausräumen, was mir nur als Missverständnis erscheint.


    Quote

    Der Einsatz war in JEDEM FALL aus der Not geboren. ... Hätte das deutsche Heer Ende des Krieges über quantitativ ausreichende Mengen an weitreichender Artillerie verfügt wären schwere Flakeinheiten niemals als "leichte Erdartillerie" mißbraucht worden.


    Dabei allerdings handelt es sich nicht um ein Missverständnis. Das von Cabron hochgeladene Dokument spricht von "Gelegenheitsfällen". Die von Bergahorn verlinkte FMS C-0072 nennt u.a. "particular situations in which unexpected success can be attained", sowie "when the enemy air forces have been tactically and strategically put out of action, the entire (!) antiaircraft artillery may be thrown into the highly mobile ground combat". Es soll "the inclusion of the antiaircraft artillery in the plan of fire" angeregt werden. Der Einsatz der schweren Flak als Ergänzungs-Artillerie begründete sich aus deren positivem Beitrag zur Feuerkraft und auch wenn der Artillerieeinsatz seltener erfolgt wäre, verschwindet dieser positive Beitrag nicht sofern im Rahmen des sinnvollen Maßes ausreichend Artillerie vorhanden ist. Der Bedarf an Flak und Erdkampf-Artillerie schwankt lageabhängig eben sehr stark und damit werden sich immer wieder Lagen finden, in denen der Einsatz der sFlak als Artillerie bei allen damit Verbundenen Problemen und Kosten effizient ist. Dies um so mehr, als die Verfügbarkeit einer größeren Zahl an Rohren nicht nur die Effektivität, sondern auch die Effizienz des Artilleriefeuers steigert (Stichwort Feuerüberfall).


    Auch bei der US-Army erfolgte der Einsatz von Flak als Artillerie wohl häufiger als du meinst. Im Antiaircraft Journal sind immer wieder Anmerkungen dazu zu finden, so z.B. in der Maiausgabe des Jahres 1949, S. 10: "Ninth Army AA units were utilized almost continuously in a variety of ground roles ... in the following types of grund operations: (a) Reenforcement of Field Artillery by 90mm guns (including counterbattery, interdiction, counterflak, harassing, neutralization and destruction)." Die britische 9,4 cm Flak ist schon technisch ungeeignet um hier als Paradigma zu dienen, nahm sie doch eine Zwischenstellung zu deutscher 8,8 cm Flak und 10,5 cm Flak ein.


    mfg
    ernesto

    Hallo cabron,


    ein sehr schönes Dokument für dieses Thema wie ich finde. Es enthält eine ausführliche Begründung für die geplante Konzentration der Flak auf ihre Kernaufgabe: "Mit häufigen und stärkeren Luftangriffen ... muß gerechnet werden". Daher sind die "Bewegungen der mot. Einheiten und der Versorgung" zu sichern, insbesondere weil diese auf "die wenigen brauchbaren Straßen angewiesen sind".


    mfg
    ernesto

    Hallo Dieter,


    in der Normandie wurden z.B. Flak-Regimenter regelmäßig zu Feuerüberfällen in zusammengefasstem Feuer eingesetzt, auch ohne Einschießen und mit guten Reaktionszeiten. Der große Richtbereich und die hohe Schussweite der Flak haben sich dabei sehr förderlich ausgewirkt. Man muss sicher unterscheiden zwischen den Heimatflakbatterien und der Heere-Flak bzw. den von der Luftwaffe zur Unterstützung des Heeres abgestellten mobilen Flak-Verbänden. Bei letzteren beiden sehe ich viele Chancen und wenig Probleme. Allenfalls dürfte die separate Kommandostruktur dazu geführt haben, dass mit Flak-Artilleriefeuer nicht zu jeder Zeit gerechnet werden konnte, da die Flak ihre Flugabwehraufgaben priorisierte.


    Liebe Grüße Ernesto, hab ich vergessen...

    Hallo


    Im Feld relativierten sich die Vorteile z.b. wie binde ich die Abteilung in die artilleristischen Verfahren ein ? Wie kann ich die Vorteile Kadenz/Reichweite nutzbar machen. Wie ist die Versorgung zu lösen, hohe Kadenz mehr Nachschub/Verschleiß usw.


    Das sind Probleme, die sich bei jeder Verstärkung der Artillerie ergeben. Bei allen Grenzen die der Flak als Artillerie gesetzt sind, sehe ich nicht, warum sie vom unterstützten Teil nicht als wertvolle Ergänzung seiner Feuerkraft wahrgenommen worden sein sollte.


    Im übrigen noch:



    "Heavy flak frequently participated in the artillery preparation for our large-scale attacks within the framework of the field artillery and thanks to the remarkable performance of the 88 mm gun proved satisfactory. In a defensive situation this participation was limited to special instances [... (wegen der Priorität der Flugabwehraufgabe)]. [I]t is necessary that all preparations for use as field artillery be complete at all times."


    Grüße
    ernesto

    Hallo Pionier,


    grundsätzlich würde ich sagen, dass Definition 2 ("echeloned") zutrifft. Staffelung bezieht sich immer auf eine Tiefengliederung eines Verbandes. Die Richtung wird zusätzlich angegeben und ist etwas komplizierter: Bei seitlicher Verschiebung (rechts/links) bezieht sie sich auf die Spitze einer Formation (links gestaffelt befinden sich die Teileinheiten links und hinter der Spitze). Bei Tiefenstaffelung (vorwärts/rückwärts) ist der Bezugspunkt das Gros (die Hauptkräfte) des Verbandes (vorwärts gestaffelte Aufklärungskräfte befinden sich also vor den Hauptkräften). Der Berichterstatter als Ausgangspunkt ist ungeeignet, da der Empfänger einer Nachricht nicht zwingend weis wo der Berichterstatter sich befindet. So würde links gestaffelt zu rechts gestaffelt, je nachdem ob sich der Berichterstatter an der Spitze oder am Ende eines Verbandes befindet.


    mfg
    ernesto

    Hallo Bodo


    Moin,


    ich bin ja immer für die praktische Sicht der Dinge an einem konkreten Beispiel. Stellen wir uns also die Situation nördlich von Witebsk am 21. Juni 1944 einmal vor. Auf der einen Seite die 43. Sowjetarmee General Beloborodow und gegenüber die 252. ID General Melzer / LIII. Korps. Es sind helle Frühsommernächte, vergleichbar mit den „Weißen Nächten“ in Leningrad, d.h. die Sonne geht nie richtig unter.


    Petersburg ist schon ein ganzes Stück weiter nördlich. Sonnenuntergang in Witebsk ist ca. 20:45, Aufgang 3:15. Bis etwa 1h danach/davor kann man schon im Freien lesen.



    Quote

    Die Front/HKL der HGrp. Mitte hatte sich seit vielen Monaten nicht oder nur unwesentlich verändert. Die 9. Armee hatte also vermutlich gut ausgebaute Stellungen und „schob eine ruhige Kugel“, da die große sowjetische Offensive ja irgendwo in Galizien aber nur nicht hier in Weißrussland erwartet wurde. Deshalb wurden die Panzer ja auch nach Süden verlegt.
    Die dt. Aufklärung hatte gepennt oder ihre Panzerspäher, etc. wurden zurückgepfiffen. Was sich da vorne auf der anderen Seite abspielte, das sei nur ein großes Ablenkungsmanöver.
    (ich wage aber stark zu bezweifeln, dass sich so ein titanischer Aufmarsch wie der von „Bagration“ irgenwie geheim halten ließ, bestimmt nicht vor den Einheiten, die ganz vorne lagen. Man wusste vielleicht schon, was bevorstand, „aber wird wohl nicht so schlimm werden“, „der Iwan hat schon so oft versucht, uns in den Arsch zu treten aber das wird er auch dieses Mal nicht schaffen“)


    Erste Anzeichen auf massive Aufmärsche gab die 9. Armee bereits am 7. Juni weiter. Ab 10. Juni war durch Luft und v.a. Fernmeldeaufklärung ein massiver Aufmarsch festgestellt worden. Es ist also nicht zu vermuten, dass die Fronttruppe eher bescheid wusste. Ab 14. Juni begann die seit dem Vortag aufmarschierende sowj. Artillerie mit Einschießen und die rückwärtigen Verbindungen wurden massiv durch Luftangriffe bedroht. Spätestens hier war die Frage nicht mehr ob und was, sondern wann und wie. Die sowj. Verschleierung zielte demgemäß auch darauf, eine falschen Angriffsrichtung vorzutäuschen; in diesem Falle durch seit 17. Juni geführte Angriffe im Bereich der 197. ID südlich Witebsk, durch Scheinfunkstellen und Attrappen die von den tatsächlichen Angriffsschwerpunkten ablenken sollten.



    Quote

    Drüben macht sich die Divisionsartillerie, Feldartillerie, Raketenartillerie/Gardewerfer einsatzbereit. 203-mm-Haubitzen M1931 (B-4), 152-mm-Kanonenhaubitzen M1937 (ML-20), 152-mm-Haubitzen M1943 (D-1), 152-mm-Haubitzen M1938 (M-10), Ratsch Bumm-Geschütze, etc., etc. Einheits-, Teileinheitsführer und Artillerie-VB liegen vor ihrem Scherenfernrohr und beobachten das Vorgelände, Eintragungen in Karten werden gemacht. Vielleicht werden auch die von Franz erwähnten Lichtmess- und Schallmess-Einheiten aktiv. Aber eigentlich nicht viel Neues, da der Gegner seine Stellungen ja seit Monaten nicht verändert hat.


    Du scheinst unter der Annahme zu leiden, eine Großoffensive bereite man mal einfach an einem Nachmittag vor. Tatsächlich begann der Artillerieaufmarsch in mehreren Etappen bereits am 10. Juni, der Einzug in die Feuerstellungen am 13. Juni, das Einschießen am 14. Juni. Die Panzerkräfte bezogen bei der 43. Armee am 19. Juni ihre Bereitstellungen. All das war seit dem Angriffsbefehl vom 31. Mai detailliert vorbereitet worden, inklusive des Aufmarsch- und Feuerplans der Artillerie.


    Quote


    Dann beginnen ein bis zwei Stunden Schwerstarbeit für die muskelbepackten Ladeschützen. Granate rein, an der Leine reißen, Verschluss haut zurück, Granathülse raus, Granate rein, an der Leine reißen, Verschluss haut zurück….


    muskelbepackt? Du schreibst doch keinen Porno.



    Quote

    Der Feuerleitoffizier macht die Ansprache: Anruf, Richtung, Entfernung, Ziel, Ausführung (muss er nicht auch die Munitionsart Sprengbrand, Splitter, etc. vorgeben?)
    „Batterie 1, halbrechts Kugelbaum, 500 Meter, MG-Posten, Feuer!“


    Überleg mal, was diese Ansage einer der mehrheitlich zum indirektem Feuer aufgestellten Batterien nützt. Wie gesagt ist so gut wie alles im voraus geplant; Zeiten, Ziele, Höhe, Seite Munitionsansatz... die der Batterieoffizier hübsch von einer Tabelle ablesen kann, ggf. nachdem er die Korrekturen für die am Anfang erschossenen Tageswerte einbezogen hat. Ziemlich egal, ob nun ein Punktziel vernichtet, ein Raum mit Störfeuer belegt, oder eine Feuerwalze geschossen wird. Zum direkten Beschuss werden tendenziell Einzelgeschütze eingesetzt.


    Quote


    was mich als Nicht-Artillerist so fasziniert, ist ihre Präzision, die sich seit dem WK I deutlich gesteigert hat. Heute im modernen Krieg muss ein Zugführer nicht einmal das Wort „Feindlicher MG-Schütze…“ ausgesprochen haben, zack und schon rummst es dort.


    Ähm, nein und nein. Artillerie war im 2. WK nicht prinzipiell präziser und Feueraufträge können auch heute nicht durch Gedankenkraft ausgelöst werden.


    Quote

    Ballistische Berechnungen sind eine Sache (macht heutzutage der Feuerleitrechner) aber damals wirklich genau vorherzubestimmen, welchen Neigungswinkel das Geschützrohr nehmen muss, um Ziel A zu treffen bei gegebener Windgeschwindigkeit, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Drall, welche Menge an Treibladung (??), wie sahen damals die Feuerleitpläne aus…WP:


    Alle diese Werte konnte man aus tabellarischen Schusstafeln ablesen, inklusive der Korrekturen für Tageseinflüsse. Feuerleitrechner vereinfachen vor allem das Zusammenfassen mehrerer Batterien.


    Quote

    Durch Anpassung der Rohrerhöhung und der Treibladung lassen sich Ziele hinter Deckungen bekämpfen oder ggf. der Auftreffwinkel der Geschosse so flach gestalten, dass Abpraller erzielt werden (wie soll das funktionieren?) – für mich sind das äußerst komplexe Zusammenhänge, die wenn nicht Ingenieurswissen, dann aber doch ein exzellentes handwerkliches und physkalisches Grundverständnis.


    Schwächere Treibladung + größere Rohrerhöhung ergibt bei gleicher Schussdistanz einen steileren Einschlagwinkel (weil eine gebogenere Schussbahn), ist natürlich nur für bestimmte Reichweitenbänder machbar. Umgekehrt starke Treibladung + geringe Rohrerhöhung ergeben einen flachen Einschlagwinkel, unter einem bestimmten Winkel, abhängig von der Bodenbeschaffenheit titschen die Granaten wie flache Steine auf Wasser, mit dem Unterschied, dass der (verzögerte) Zünder anspricht und die Granate kurz nach dem Auftitschen in einer geringen Höhe über dem Boden explodiert. Alle dazu nötigen Daten liefern die Schusstafeln.


    mfg
    ernesto

    Hallo,


    ich hab das Munitionsproblem mal durchgerechnet:
    Verbrauchszahlen von hier (vorbehaltlich der Korrektheit)


    Demnach verbrauchte die Wehrmacht in der Zeit von 1942-45 (bis März)
    280.943.000 Artilleriegeschosse aller Kaliber (ohne Exoten)
    darunter
    ..30.110.000 im Kaliber 7,5 cm,
    ..85.042.000 im Kaliber 10,5 cm,
    ..25.097.000 im Kaliber 15 cm und
    ....1.920.000 in den Kalibern 17 cm bis 24 cm, sowie
    ..73.480.000 Mörsergranaten


    Die Rote Armee von 1942-1945 (bis Mai)
    320.690.973 Artilleriegeschosse aller Kaliber (oder 114% des Wehrmachtsverbrauchs)
    darunter
    ..94.729.560 im Kaliber 7,6/8,5 cm (315%)
    ..24.820.520 im Kaliber 10,7/12,2 cm (29%)
    ..11.093.436 im Kaliber 15,2 cm (44 %) und
    .......674.207 im Kaliber 20,3 und höher (35 %), sowie
    189.373.250 Mörsergranaten (258 %)


    schon hier wird deutlich, dass sich der Mehrverbrauch allein auf die leichteren Kaliber und Granatwerfer stützt. Bricht man das auf das verschossene Geschossgewicht herunter, steht ein insgesamt geringerer Verbrauch (91,89 %) auf Seiten der Roten Armee einem drastischen Mehrverbrauch bei leichten Artilleriewaffen (329 %) und Granatwerfern (1.882 %, v.a. wegen exorbitant höherem Verschuss der sGrW) gegenüber. Ganz besonders überlegen war die Wehrmacht bei der schweren Artillerie des Feldheeres (17+ cm) mit 45fachem Verbrauch und immer noch dopelten Geschossgewichten bei schwerer (15 cm) und mittlerer (10,5-12,2 cm) Feldartillerie. Bleibt natürlich noch zu beachten, dass die Wehrmacht einen wachsenden Anteil nicht an der Ostfront verschoss.


    mfg
    ernesto

    Hallo,


    im Wesentlichen blieben die taktischen Prinzipien des Artillerieeinsatzes, die zu Ende des 1. Weltkrieges entwickelt wurden gültig (Intensität, Überraschung, Tiefe). Einschlägig dazu Bruchmüllers "Die deutsche Artillerie in den Duchbruchsschlachten" (Link). Wesentliche Entwicklungen gab es v.a. bei der Führung des beweglichen Gefechts durch die breite Einführung von Funkgeräten. Wo früher ein starrer Feuerplan die Zusammenwirkung der Waffengattungen gewährleisten musste, konnte man jetzt bedarfsgerecht anpassen. Ähnlich auf der "Empfängerseite" - wirksam blieb Auflockerung, Tiefe und mit Abstrichen Beweglichkeit bei der Verminderung der gegnerischen Artilleriewirkung.


    Bodo: Die Feuerwalze diente v.a. dazu den Verteidiger in Deckung zu halten, während sich die eigene Infanterie annäherte, schon wegen ihrer breiten Erstreckung dürfte die materielle Wirkung eher gering gewesen sein. Größere materielle und auch nachhaltige moralische (i.S. der von Tödt beschriebenen Lähmung) Wirkung dürften die vorhergehenden Phasen entfaltet haben. Schon im 1. Weltkrieg hat man dazu die gegnerische Stellung abschnittsweise mit zusammengefasstem Vernichtungsfeuer belegt, die dabei eintretenden Pausen im Beschuss, gefolgt von intensiver Beschießung verstärkten dabei noch die moralische Wirkung. Mir ist allerdings unbekannt, ob die RA dieses Verfahren angewendet hat.


    mfg
    ernesto

    Hallo Bodo,


    Bagration scheint ein Sonderfall gewesen zu sein. Geplant waren mehrstündige Artillerieoffensiven an den Durchbruchsabschnitten (hier stand 70-80% der sowj. Artillerie), etwa in der Art Vorbereitungsfeuer für die Aufklärungskräfte (2-3 Kp je Div wohl v.a. um das Feuer der deutschen Stellungen herauszulocken), 90 min Zerstörungsfeuer gegen Schlüsselziele (Batterien, Stäbe, B-Stellen, Stützpunkte etc.), 45 min Niederhaltungsfeuer gegen die Frontstellungen, 30-60 min Begleitfeuer des Infanterieangriffes (Feuerwalze). (Bsp. 1. Baltische Front) Das ganze "Konzert" war über Tage vorbereitet worden, vom allgemeinen Auftrag und Kräftezuteilung der Front bis zur Konkretisierung auf einzelne Feueraufträge bei der Divisionsartillerie, die wiederum an die Armee zu melden waren und dort genehmigt und koordiniert wurden. Allerdings waren die deutschen Stellungen so schwach besetzt, dass am 22.6. schon die Aufklärungskräfte gut vorankamen. Die Feuervorbereitung wurde daraufhin zumindest an einigen Abschnitten massiv zusammengestrichen, teilweise wurde auch direkt zum Begleitfeuer übergegangen.


    Der Eindruck aus dem Schützengraben würde vll. aus einem kurzen Feuerüberfall und anschließendem Angriff der Aufklärungskräfte bestehen, während und nach dem das fdl. Feuer v.a. im Hinterland liegt. Sofern der erste Angriff abgeschlagen wurde, kommt dann irgendwann ein mehr oder weniger langes Trommelfeuer auf die Infanteriestellungen, das direkt in die Feuerwalze mit ihr dicht nachfolgender Infanterie übergeht. Es dürfte ein Gefühl der Isolierung auftreten: Fm-Verbindungen sind zerschossen, Sicht reduziert, man weis nicht, ob es die Stellung nebenan, die Pak, die die Stellung überwacht, etc. erwischt hat, die eigene Artillerie schießt nicht wie erwartet, weil sie ggf. niedergehalten ist etc.


    Andererseits dürfte bei der 206. ID am 22.6 nicht so viel los gewesen sein, denn die Durchbruchsabschnitte der Roten Armee lagen nö. und s. des Witebsker Frontbogens. Soweit mir bekannt, war die 206. v.a. in Rückzugs- und Ausbruckämpfe verwickelt.



    Zum Munitionsansatz: Die 1. Baltische Front plante am ersten Tag der Offensive etwa die Hälfte der Munitionsausstattung von 3-4 Kampfsätzen je Geschütz zu verschießen. (Kampfsätze: 82mm Mrs. - 60 Sch. 120mm Mrs - 120 Sch. 76mm Kan. - 60 rounds. 122mm H - 40 Sch. 152mm H. - 30 Sch.) Davon sollten 2-2,5 KS schon am ersten Tag verschossen werden. Für die 76mm Kan behielt man größere Mengen an Munition in zurück (Verschuss nur 1,5 KS am ersten Tag).


    alle Angaben Glantz (Ed): Belorussia 1944.


    mfg
    ernesto

    Hallo,


    beim Horch Typ 1c handelt es sich nach Spielberger: Die gepanzerten Radfahrzeuge, S. 80 (Abb), S. 129 um Fahrzeuge für gepanzerte Aufbauten. Verwendung v.a. als gep. Funkstellen. Die Fahrzeuge hatten geänderte Gelenkwellenanordnung, um 90° gedrehtes Lenkrad (ähnlich Sd.Kfz 221, dessen Fahrgestell ja auch auf sEPkw beruht, aber hier mit Motor vorn), keine Reserveräder außen und ein zusätzliches Kühlgebläse. Motor war der 3,8l V-8 der späteren a- und b-Typen.


    Abweichend von deinen Produktionszahlen gibt Spielberger an "fast 5000" gesamt davon 2.904 bei Auto-Union (=Horch) und 1.901 bei Ford in Berlin, schließt aber evtl. nicht die Typ 40 Fahrgestelle ein.


    Interessant auch das von Spielberger mitgeteilte Truppenurteil über die Fronttauglichkeit: "bei besonders sorgfältiger Pflege unter einem besonders guten Fahrer ... noch kriegsbrauchbar", in Abweichung von den leichten und mittleren EPkw, die offenbar nach den Ostfronterfahrungen rundheraus abgelehnt wurden.


    mfg
    ernesto

    Hallo,


    vielleicht liegt des Rätsels Lösung in der (gerundeten) maximalen (tötlichen?) Schussweite des Rundkopfgeschosses? Das G98 war ja ursprünglich für dieses eingerichtet und danach wurde m.W. nur noch an der Visierkurve modifiziert um diese für neue Munition (erst Spitzgeschoss, dann schweres Spitzgeschoss) anzupassen.


    mfg
    ernesto

    Hallo Björn,


    wie gesagt wurde das Potential einer (halb)automatischen Waffe ja gesehen. Zu Zeiten des Aufbaus der Wehrmacht konnte man nicht warten bis eine entsprechende Waffe truppenreif entwickelt war und dann lief die Entwicklung des StG/Mkb als neue Standardwaffe der Infanterie an. Letztlich gab es auch in Deutschland bis Ende 1942 keinen wirklich truppendienstreifen Selbstlader. Das G41 (M) u. (W) sind als solche nicht zu bezeichnen. Mitverantwortlich dafür scheint die Ablehnung von Rohranbohrungen durch Waffenamt und Industrie gewesen zu sein.* Als ein taugliches Gewehr zur Verfügung stand (G43, Vorschlag Ende 1942, Einführung Apr. 43, Serienfertigung Okt 43), hatte sich das Waffenamt schon lange auf Stg/Mkb festgelegt, es zur Truppenreife entwickelt (Mitte 1942) und bereits knapp 10.000 Stück (Stand Mitte 43) produzieren lassen. Einziger, wenn auch aus der Sicht der späteren Entwicklung der Munitionsproblematik beim Stg ein sehr bedeutender, Vorteil des G43/K43 wäre die Weiternutzung von 8x57mm gewesen.


    *) Das wäre eine interessante Anschlussfrage: So richtig erschlossen hat sich mir die Logik hinter dieser Forderung nicht. Lidschun gibt Verschmutzung und Funktionssicherheit an, was für die 20er noch angehen mag, aber 1941? Könnte da die Weiternutzung möglichst vieler Bauteile und Produktionskapazitäten aus der K98k-Fertigung ausschlaggebend gewesen sein?

    Hallo Tom


    Die praktische Kadenz mit Repetierer ist vielleicht 3- oder 4fach höher, aber sicher nicht 10fach (oder korrekterweise 8fach). Wenn du die weiteren Waffen einer Infanteriegruppe (MG, MPi, HGr) in Betracht ziehst - was für die Frage warum kein Selbstlader eingeführt wurde schon von Bedeutung ist - kommt man auf beachtliche aber keine enorme Steigerung der Feuer. Wie schon gesagt plante die Wehrmacht durchaus diese Möglichkeit der Steigerung der Kampfkraft auszunutzen; nur eben durch Einführung des Sturmgewehr/Mkb und nicht durch Selbstladegewehre.


    Nächtle.

    Hallo,


    um es auf den Punkt zu bringen:
    - Ein relativ geringer Stellenwert des Schützenfeuers im taktischen Gesamtkonzept der Infanterie (Schwerpunkt MG) im Vergleich zur enorm hohen Einschätzung desselben bei der einzigen Armee, die flächendeckend Selbstladegewehre einführte (US Army).
    - Die Festlegung auf einen technisch eher anspruchsvollen Nachfolger für den K98 mit einem entsprechend höherem Entwicklungs- und Umstellungsaufwand (Maschinenkarabiner/Sturmgewehr - Kaltverformung, Gasdrucklader, Kurzpatrone).


    mfg
    ernesto

    Hallo,


    Blei wurde weitgehend durch Verwendung von Eisenkernen (SmE) seit 1940/42 ersetzt, Messing z.T. durch lackierte Stahlhülsen unter Hinnahme der damit verbundenen Nachteile.


    Was auch immer dir das jetzt über Diktatur und Demokratie sagt ?(

    mfg
    ernesto

    Hallo,


    Nur so ein Gedanke:


    Preise sind im strategischen Sinne nicht wirklich interessant. Ausschlaggebend sind verfügbare Arbeitskräfte, Maschinen und Rohstoffe. Wenn die Schlüsselressource in deinem Strategiespiel Geld ist, suggerierst du, dass das Militär auf einem wirklichen Markt einkauft, der sich zudem äußerst flexibel gegenüber der Nachfrage verhält. Tatsächlich herrscht Nachfragemonopol, Auslastung der Kapazitäten und Produktionsveränderungen wurden nur eher langfristig und mit beträchtlichem lock-in von Ressourcen wirksam. ("Hearts of Iron" wäre z.B. ein Spiel, dass das halbwegs umsetzt.)


    D.h. dein Strategiespiel wird auf dieser Ebene ohnehin kein realistisches Abbild geben. Was du spielerisch Umsetzen willst ist ein sehr generelles Konzept von Knappheit und dazu brauchst du keine realistischen Preise, sondern du musst Ressourcenverfügbarkeit und Ressourcenbedarf in ein bestimmtes Gleichgewicht bringen. Ob du dahinter "100 RM" oder "5 Credits" schreibst ist eine Designentsscheidung. Was dich für den Fall, dass du ein historisch orientiertes Spiel produzieren willst interessiert ist also das jeweilige Verhältnis von Verbrauch und Produktion von Waffen und Munition.


    mfg
    ernesto