Posts by Kai G.

    Hallo cpa95,


    den Hinweis der Differenzierung nach Fachrichtung nehme ich an, die technischen Studiengänge z.B. kannten i.d.R. keine grundständige Promotion, aber für die der Philosophischen Fakultäten (Geschichte, Philosophie, Philologie, Archäologie usw.) möchte ich meine Aussage voll und ganz gelten lassen. Allein der Umfang der Diss. spricht gegen jahrelange Arbeit.


    Nun bin ich zwar weder Mediziner, noch Naturwissenschaftler, noch Rechtswissenschaftler, aber auch deren Diss.-Umfang scheint mir nicht nach jahrelanger Forschung auszusehen. Die drei Beispiele deines Posts:


    Mauss, Zahnanomalien – 31 Seiten (Oktav, d.h. deutlich kleiner als DIN A4)
    Günther, Verzicht – 84 Seiten (Oktav)
    Dührkop, Anisotropie – 34 Seiten mit Abb. (Oktav)


    Das sind auch keineswegs Ausnahmen nach unten hin, zweistellige Seitenzahlen waren für damalige Diss. eher die Regel. Der Umfang allein ist freilich nicht qualitätsentscheidend, aber was soll sich denn großartig auf so wenig Raum ausarbeiten lassen? Das entzieht sich mir dann doch.


    Das ganze hängt auch eher mit dem anderen Stellenwert einer Promotion zusammen. Damals war sie wenig mehr als der Nachweis wissenschaftlich arbeiten zu können und wurde in sehr viel jüngeren Jahren erreicht – eben weil der Dr. ein i.d.R. grundständiger Abschluss war. Th. Mommsen war nach gerade 5 Jahren Studium 26 als er promovierte (1843), F. Meineke war 24 nach 4 Jahren Studium (1886), H. Berve war 25 nach 6 Jahren Studium (1921) – um nur ein paar der größten Historiker dieser Zeit zu nennen.
    Heutzutage dagegen ist die Diss. ein sehr viel wichtigerer Benchmark für eine akademische Karriere, was auch mit der zunehmenden Internationalisierung zusammenhängt. Im englischen Raum nämlich ist die Promotion Zugangsvoraussetzung für die Professur und einen Stuhl; das war in Deutschland lange die Habil.


    Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich sage nicht, dass grundständig Promovierte komplette Vollidioten sind. Die Promotion sagt aber eben nicht aus, dass man eine akademische Karriere hatte, sondern sie bescheinigte selten mehr die grundlegende Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Zwischen dieser Befähigung und der tatsächlichen Forschung als Akademiker mit entsprechender Karriere an Universitäten oder Akademien liegen ganze Welten, damals wie heute.




    @ Andre,


    sehe ich ebenso. Im Fall von Dührkop war sicher eine wissenschaftliche Laufbahn geplant, immerhin war er Assistent. Bei Günther als Bankdirekot würde ich das wiederum ausschließen.



    Grüße,
    Kai

    Man könnte über die Dynamik hinter solchen Aktionen reden oder über die Wirkung von Gedenktagen angesichts solcher Auswüchse.
    Hier plötzlich eine Linie zu ziehen, während tagelang über die, Zitat, "Würdigung der 'Reichspogromnacht' und wie damit heutzutage umgegangen wird" (09.11.2008 18:43) diskutiert wurde, erscheint mir nicht ganz klar, aber ok.

    Ja, „Basil“, manchen ist es eben egal, wenn junge Menschen sich zu einem aggressiven Mob verwandeln (lassen?) und dabei die Denkmäler von Wissenschaftlern schänden, statt ihre Werke zu lesen oder eine jüdische Ausstellung zerstören, statt sie zu verarbeiten (völlig bewusst übrigens und planvoll, wie allein die Videoschnipsel des Spiegels beweisen). So kurz nach dem 9.11. ist mir das aber ein Warnruf. Naja, vielleicht bin ich damit wirklich allein.

    Es ist kaum drei Tage her, da gedachte unser Land der Pogromnacht, in der zahllose jüdische Mitbürger zu Opfern eines Mobs wurden.
    Heute wurde die Ausstellung „Verraten und verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945” im Foyer der HU-Berlin komplett zerstört, am helllichten Tage. Doch das ist nur der traurige Höhepunkt der heutigen Randale, die im ganzen Hauptgebäude der HU wüteten. Die Gemäldegalerie unserer Präsidenten wurde angegriffen (Schaden noch unklar), Denkmäler großer Wissenschaftler geschändet, Max Planck sollte gar angezündet werden, Feuerlöscher wurden entleert und Rauchbomben gezündet. In die Dienstzimmer wurde eingebrochen und unser Präsident konnte sich nur dank bewaffneter Polizisten schützen, die vor seinem Dienstzimmer standen und ihn später durch die Uni eskortierten. Zwischen 14:00-16:00 erging die Anweisung das Gebäude komplett zu räumen, einerseits weil die Universitätsleitung Gesundheitsschäden wegen des Rauchs befürchtete, andererseits weil die Kripo ermitteln will.


    Ich war vor Ort, meine Lunge kratzt noch und was ich im Foyer sehen musste, ist beschämend. Doch was mich am meisten beschämt, ist etwas anderes: es war eine Demo der „Schulaction.org Bildungsblockaden einreißen!“, an der sich viele junge Schüler und Linksextreme beteiligten, deren ‚antifaschistische’ Andenken wie Sticker und Schmierereien nun unsere Wände schmücken.
    Während der Demo wurden immer wieder Rufe gegen Studiengebühren laut. Wäre es nicht so ernst, man könnte lachen: Berlin hat keine Studiengebühren und wird sie auch in absehbarer Zeit nicht einführen.


    Es ist kaum drei Tage her, da gedachte unser Land der Pogromnacht...


    Kai  :(

    Im vor kurzem erschienen Sammelband Firestorm schreiben Größen wie Overy und Neitzel zum Dresdenangriff. Ein Autor kommt dezidiert zum Schluss, dass die Indizienbeweise für eine Verurteilung vor einem internationalen Tribunal nach heutigen Standards mehr als ausreichend seien, hätte es diese Standards damals schon gegeben. Das betrifft insbesondere das „deliberate targeting of civilians“. Die militärische Logik hinter dem Angriff konstatiert er ebenso (1), aber hier geht es ja um die juristische Auffassung. Im Sammelband ist übrigens auch festgehalten, dass Dresden für die RAF „business as usual“ war.


    Zunächst sei vorangestellt, dass man das Problem, auch Luftangriffe irgendwie in das Völkerrecht einzubinden, sehr früh erkannte, nämlich schon 1899. In der ersten Haager Konferenz wurde der Waffeneinsatz aus der Luft generell verboten, wenigstens für die nächsten fünf Jahre. In der Fassung von 1907 wurde dem Artikel 25 der Ausdruck „by whatever means“ speziell mit Rücksicht auf Luftangriffe hinzugefügt (2).


    Die größte Schwierigkeit dieses Artikels war der Terminus not defended. „When is a town not defended? … I presume when it submits without any opposition to the authority of the enemy … I will put an extreme case. The commander of an enemy’s war-balloon might arrive over London if unopposed, and signal, as a matter of courtesy, ‘I am going to drop explosives.” We answer ‘You cannot drop explosives, we are not defended.’ The commander replies, as it seems to me quite logically ‘Then you surrender. Good. You will now obey orders.’” Elbrige Colby zitiert hier einen britischen Obersten, um seine doch sehr theoretischen Ausführungen zusammenzufassen. Zudem erwähnt er andere Probleme des Begriffs, etwa ob ein Stadt, die gegen einen Landangriff verteidigt ist, aber nicht gegen einen Luftangriff, auch als unverteidigt gelten soll (3).


    Ingesamt gab vor dem Zweiten Weltkrieg keine völkerrechtlich bindende Vereinbarung, die sich speziell mit dem Thema Luftkrieg befasst hätte, wohl aber mehrere Versuche dazu. Zunächst musste ja auch ein entscheidender Schritt gemacht werden, der heute zwar selbstverständlich erscheint, es damals aber nicht war: Den Luftkrieg als selbstständiges Element der Kriegsführung neben Land- und Seekrieg zu erkennen. So wurden anfangs einfach die Gesetze des Landkriegs auf den Luftkrieg übertragen, oder es wurde in Analogien gedacht, in der Regel ohne die Einzigartigkeit des Luftkriegs zu berücksichtigen. „They have tried to build up a law of the air by analogy where there is no analogy” (4).


    Der erste wichtige Versuch für eine Vereinbarung war 1923. Im Zuge der Washingtoner Flottenkonferenz arbeiteten Juristen aus den USA, dem UK, Frankreich, Japan, Italien und den Niederlanden einen Zusatz zur HLKO aus. Sie hätten kaum deutlicher sein können:


    Art. 22. Any air bombardment for the purpose of terrorizing the civil population or destroying or damaging private property without military character or injuring non-combatants, is forbidden.
    http://www.icrc.org/ihl.nsf/WebART/275-370034?OpenDocument


    Am Rande, der Begriff „Bombardierung zum Zwecke des Terrors gegen die Zivilbevölkerung“ ist wissenschaftlich gesehen also 100% korrekt. Zurück zum Thema…
    Der Grund, warum diese Ergänzungen nie vorgenommen wurden, ist simpel: es gab juristische Bedenken. Die Definition des militärischen Ziels war extrem eng gefasst und verlangte Piloten sehr viel ab, galt als praxisuntauglich. Da zeigt sich ein weiteres Dilemma, man konnte diese restriktiven Artikel kaum lockern, ohne Artikel 22 ad absurdum zu führen. Außerdem gab es auch damals schon das Argument, dass im totalen Krieg vieles, das normalerweise unter nicht-militärisch fällt, durchaus militärische Relevanz erhalten konnte. Paul Williams beschäftigt sich en detail mit den Problemen des 1923er Vorschlags. Was auch er aber ungetastet lässt, ist der Schutz der Zivilbevölkerung, Angriffe dürften sich nie gegen sie richten, auch nicht terroristisch (5).


    Der Bürgerkrieg in Spanien gab m.W. keine unmittelbaren Impulse, betonte jedoch noch einmal die Notwendigkeit einer Regelung. Der Unmut in der angloamerikanischen Presse wegen des als terroristisch gesehenen Angriffs auf Guernica veranlasste die britische Regierung, eine internationale Untersuchung zu verlangen. Sie machte allerdings nur sehr kurze Zeit lang Druck, der ergebnislos blieb (6).


    Versuche, die Zivilbevölkerung dezidiert vor Luftangriffen zu schützen, bzw. solche Angriffe zu verbieten gab es auch danach noch. Die International Law Association hatte 1938 weitere Vorschläge ausgearbeitet.


    Art. 2. The bombardment by whatever means of towns, ports, villages or buildings which are undefended is prohibited in all circumstances.
    Art. 3. The bombardment by whatever means of towns, ports, villages or buildings which are defended is prohibited at any time (whether at night or day) when objects of military character cannot be clearly recognized.
    Art. 4. Aerial bombardment for the purpose of terrorising the civilian population is expressly prohibited.

    http://www.icrc.org/ihl.nsf/FULL/345?OpenDocument



    Da die englischen Angriffe spätestens 1942 eindeutig terroristischen Charakter hatten, nichts anderes bedeutet der Fokus auf die „morale of the enemy civilian population“ nämlich, wären die Verantwortlichen demnach Kriegsverbrecher.
    Es sollte nicht vergessen werden, dass ein Kriegsverbrechen nach damaliger Auffassung auch dann konstituiert ist, wenn ungeschriebene Gesetze gebrochen sind (War crime is the technical term generally used by international lawyers to denote violations of the international law, both written and unwritten, regarding land, sea and air warfare) (7). Inwieweit das unwritten law hier zutrifft, sei als Frage unseren Juristen überlassen.
    Das Rechtsbewusstsein, Terrorangriffe als Kriegsverbrechen zu verurteilen, existierte ganz klar. So fasste Lester Nurick unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen, dass der Angriff auf Zivilisten aus der Luft vor dem Krieg mehrheitlich für illegal befunden wurde (8).


    Zu Kriegsbeginn rief Roosevelt die Kriegsparteien zu einer strikten Selbstbeschränkung der Luftangriffe auf militärische Ziele auf. Am 02.09. kündigten die Engländer an, dem formal nachzukommen, das Reich folgte am 18.09. Wie weit das völkerrechtlich bindet, ist wieder eine Frage für unsere Juristen. Zu diesem Zeitpunkt plante man bei den Alliierten ohnehin keine Luftoffensive, hauptsächlich wegen der Angst vor deutscher Vergeltung (9).


    Was in jedem Fall bleibt, ist das Prinzip, dass bewaffnete Mächte Zivilisten nicht zum Ziel ihrer Angriffe machen dürfen. Wenn auch das morale bombing dem Wortlaut nach nicht direkt auf Zivilisten zielt, läuft es doch fast unweigerlich darauf hinaus. Das Problem ist m.E. also weniger eine Grauzone, als juristisch nachzuweisen, dass Zivilisten das direkte Ziel waren. Damit sind wir wieder bei den Indizienbeweisen.





    Zum Schluss, Grayling verurteilt die britischen Bombenangriffe auf das allerschärfste, obwohl er die deutschen Verbrechen als viel schlimmer betrachtet und den Krieg als gerecht ansieht. Das Buch ist für diese Diskussion eher nicht so geeignet, da der Philosoph Grayling sich explizit mit den ethischen Problemen solcher Angriffe auf Zivilisten auseinandersetzt, dabei aber keine neuen, geschichtswissenschaftlich relevanten, Erkenntnisse bringt (10) und für „Basils“ Fragestellung nach der juristischen Auffassung auch nicht schrecklich hilfreich ist. Nicht falsch verstehen, das Buch ist lesenswert und für angloamerikanische Leser sehr provokant, aber eben der sehr lobenswerte Ansatz des interdisziplinären Arbeitens macht es für die hiesige Frage unwichtig. Graylings Buch ist jedoch ein Beispiel dafür, dass die englische Literatur die Diskussion um ein Kriegsverbrechen sehr offen führt.




    (1) Bloxham, D.: Dresden as a War Crime, in: Addison, P./ Crang, J. (Hgg.): Firestorm. The Bombing of Dresden, February 1945, Chigaco 2006, S.180; S.183.


    (2) vgl. K.V.R.T.: Aerial Warfare and International Law, in: Virginia Law Review 28 (1942), S.523f.


    (3) Colby, E.: Aerial Law and War Targets, in: American Journal of International Law 19 (1925), S.707.


    (4) Colby, E.: Aerial Law and War Targets, in: American Journal of International Law 19 (1925), S.702.


    (5) vgl. Williams, P.W.: Legitimate Targets in Aerial Bombardment, in: American Journal of International Law 23 (1929), S.570-581.


    (6) vgl. Abendroth, H.H.: Hitler in der Spanischen Arena. Die deutsch-spanischen Beziehungen im Spannungsfeld der europäischen Interessenpolitik vom Ausbruch des Bürgerkrieges bis zum Ausbruch des Weltkrieges 1936-1939, Paderborn 1973, S.162.


    (7) Cohn, E.J.: The Problem of War Crimes Today, in: Transactions of the Grotius Society 26 (1940), S.125.


    (8) vgl. Nurick, L.: The Distinction between Combatant and Noncombatant in the Law of War, in: American Journal of International Law 39 (1945), 694.


    (9) vgl. Quester, G.: Bargaining and Bombing during World War II in Europe, in: World Politics 15 (1963), S.418f.


    (10) „the book provides a passable synthesis of the history of the intellectual development of the RAF’s bombing doctrine, as well as the history of Bomber Command in the Combined Bomber Offensive (CBO), but does not make any new contributions to the current understanding of the field“
    http://www.airpower.maxwell.af…les/bookrev/grayling.html

    Hallo Vormeister,


    dein Beitrag macht mich auf ein Problem dieses Threads aufmerksam: der Begriff Promotion.


    Heutzutage ist das Promotionsstudium ein weiterführender Studiengang, ob altmodisch nach dem ersten Universitären Abschluss (Magister) oder gemäß Bolognaprozess nach dem zweiten (Master), der gemäß praktisch aller Promotionsordnungen mindestens eine besondere Eignung für das Fach voraussetzt, oft an eine Note gekoppelt.
    Das war nicht immer so. Noch bis zur Kultusministerkonferenz 1957 war der erste Abschluss in den Geisteswissenschaften immer der Doktor, erst nach der Konferenz wurden die Magister eingeführt, die alten Promotionsstudiengänge hielten sich noch bis in die 70er. Die Anforderungen einen solchen Studienganges sind mit der heutigen Promotion nur beschränkt zu vergleichen. Vor allem waren die damaligen Dissertationen keine Produkte jahrelanger Forschung, sondern vom Umfang und Anspruch weit darunter. Am Rande: Guido Knopp hat z.B. einen solchen Abschluss (und die Professur hat er an einer Privathochschule für Fernsehjournalismus – nix mit Geschichtsprofessor).


    Ich würde bei den oben genannten Generalen Rendulic und Hubicki nicht von Akademikern sprechen. Sie wollten Offiziere werden und dort ihre Karriere machen. Sicher, sie haben einen universitären Abschluss, wie alle Offiziere der Bw im Truppendienst auch, aber keine akademische Karriere angestrebt, die über das erste Studium hinausgeht.

    Mit dem Bord-MG auf einzelne Menschen zu feuern, verspricht unter diesen Umständen wenig Erfolg. Allerdings kann man mit 1200 Schuss/min (1 x .303 Browning) eine Fläche voller Menschen effizient unter Beschuss nehmen und verlässt sich auf die Massenwirkung. Soweit wenigstens die Theorie, in der Praxis stelle ich mir das auch eher schwer vor. Ich möchte dennoch anfügen, dass die britischen Bomber bei Gelegenheit über dem Ziel kreisten, ohne dass ihnen Flak entgegenschlug (Meldungen 90, 24.Mai 1940).
    Dass die Briten nichtsdestoweniger an Methoden arbeiteten auch direkt nach dem eigentlichen Bombenabwurf Schaden zu verursachen, dürfte bekannt sein (Zeitzünder, Angriffswelle während der Löschversuche etc.).
    Der MG-Beschuss war eine der frühen Überlegungen, wie Portal selbst sagte. Quelle dazu sind die britischen Archive, genauer schon angegeben (FN 94!), in denen Portals Vorstellungen festgehalten sind. Wichtig hier das Wort „resume“ – wiederaufnehmen. Ob es vorher schon offiziell war, ist u.a. dank des (bestenfalls) ungenauen BC-KTB schwer zu sagen, aber es musste Berichte dazu gegeben haben und mit Portal wurden die Überlegungen dann spätestens offiziell.


    Immer nur an verirrte Bomber zu glauben fällt schwer, jedenfalls finde ich es doch mehr als verdächtig, dass die britischen chiefs of staff nach den Angriffen Ende Mai / Anfang Juni glaubten, Deutschland könne besiegt werden durch „a combination of economic pressure, the bombing of ecomical and psychological [sic!] objectives“ (1) und die Meldungen wenig später, ab dem 05.06., einen deutlichen Anstieg an Angriffen dokumentieren. Da drängt sich ein Zusammenhang auf.
    Portals Kommentar gegenüber dem staff dazu klingt dann, als hätte man sich zu sehr auf „moral effect“ konzentriert und er forderte höhere „economical material destruction“, wenn er auch den moralischen Effekt nicht missen wollte (vgl. Koch, 132). ... was wiederum zu obigem Zusammenhang passt.
    Sicher sind wir hier noch nicht beim moral bombing in der Harris’schen Ausprägung, aber doch auf dem Weg dahin.


    (1) ist die hochoffizielle Darstellung von Webster, Charles/ Frankland, Noble: The strategic air offensive against Germany, Vol.1, London 1961, 145f.

    Hallo Thomas (cpa)



    Quote

    Original von cpa95



    2. Die Meldungen aus dem Reich belegen nicht die Angriffe und Schäden, sondern sind Stimmungsbilder der Bevölkerung. Britische Angriffe auf Berlin im Juni 1940 gab es nicht, ich lasse mich aber gerne durch die BC-War Diaries vom Gegenteil überzeugen. Anweisungen zum MG-Beschuss hab es nicht, was nicht ausschließt, dass solches vorgekommen ist. Dem fehlt aber jede Systematik; übrigens sind ca 1/3 der Besatzungen damals mangels Zielfindung wieder mit Bomben nach Hause geflogen oder haben diese auf der Wiese abgeladen.


    Dazu ein kleiner Auszug:


    „Moreover bomber command extended its raids as far east as Nordhausen/Harz, south-east of Hannover, and the Berlin suburb of Babelsberg (93). Bomber command’s War diaries report these raids without being specific as to localities. No mention is made of machine-gunnung, and one could attribute this to it having been the individual ‘enterprise of air-crews’, were it not for Portals’s application to the air staff of 2 August for a directive that bomber crews might resume (author’s italics) machine-gunning people seen rushing out of enemy factories, although many might be women (94). The official history of bomber command makes no mention whatever of these raids and the tactics involved, but merely refers to ‘military targets’ such as […] – pure fiction. Portal objected that he did not believe that bomber command was operationally capable of following a policy of attacking only such objectives […] (95)”


    (Koch, H.W.: The Strategic Air Offensive against Germany: The Early Phase, May-September 1940, in: The Historical Journal 34.1 (1991), 131f.)


    (93) Boberach, Meldungen, 99, 24.Juni 1940, 1294.
    (94) PRO AIR 14/1930, Ltr Portal to VCAS, Sholte Douglas 2. August 1940.
    (95) Webster/Frankland: The strategic air offensive against Germany, Vol.1, London 1961, 149.


    Das ist ein ziemlich klarer Beleg für Maschinengewehrbeschuss. Es gibt weitere Fälle, in denen das BC-KTB keineswegs akkurat ist. Das Haus in München gegenüber der Neuen Pinakothek hat sich am 05.06.1940 auch nicht allein in die Luft gesprengt. Es musste von der Polizei abgesperrt werden, weil Neugierige mal die Auswirkungen eines Luftangriffes sehen wollten (vgl. Koch, 131).

    Hallo Dieter,


    der Herausbildung eines „Standesbewusstseins“ im Sinne eines Berufsethos’ stimme ich grundsätzlich zu, das hat aber nichts mit dem ‚Stein des Anstoßes’ zu tun.
    Das war die Verbindung von Stand (hier: Adel) und Profession (hier: Offizier). An dieser Stelle, d.h. sozialgeschichtlich und mit verfassungsrechtlicher Bedeutung, ist der Begriff „Stand“ wissenschaftlich definiert*. Die Bedeutung des Standes für die Gesellschaft durch die Zeiten dagegen ist ständiges Forschungsobjekt.
    Diese Forschung (s.o.) hat dann eben herausgestellt, dass der Adelsstand für die Karriere als Offizier spätestens im frühen 19. Jahrhundert nicht mehr zwingend war und im frühen 20. Jahrhundert praktisch keine Rolle mehr spielte, wie obige Zahlen klar belegen.


    * Nicht nur dafür hilfreich ist das große Lexikon von Koselleck und Conze (Hgg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, in sieben Bänden, Stuttgart 1972-1997.




    On Topic:


    Was die Frage nach den Akademikern in der Wehrmacht angeht, müsste man ein bisschen recherchieren. Mir fallen auf Anhieb mehrere Historiker ein, die Kriegsdienst leisteten. Darunter sind auch sehr bedeutende wie Hermann Bengston zu finden; seit 1939 habil., seit 1942 Extraordinariat; Dienst in der Wehrmacht 1939-1941 und 1944/45.


    Wir sollten auch nicht immer den Dienst in der Wehrmacht mit Sturmangriffen auf russische Stellungen gleichsetzen. Ein Beispiel: Leo Weisgerber (seit 1938 Professor auf dem Lehrstuhl für Allgemeine und Indogermanische Sprachwissenschaft Marburg) war wie Bengston auch in der Nachkriegszeit eine große wissenschaftliche Nummer. Im Krieg war er u.a. Sonderführer Z bei einer Propaganda-Abteilung tätig, die wiederum zur Abteilung Verwaltung des Militärbefehlshabers Frankreich gehörte.


    Vgl. Lerchenmüller, J.: Keltologie, in: Hausmann, F.-R.(Hg.): Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich, 137-164, besonders 159.


    (Lerchenmüller hat sehr interessantes über die Geisteswissenschaften im Dritten Reich publiziert, z.B.:
    http://hsozkult.geschichte.hu-…Buecher/2001/hafr0901.htm )

    Quote

    Original von Augustdieter


    Das Beispiel sei hier angeführt das bis 1938, bis auf Ausnahmen, nur Adelige


    Offizier werden konnten.


    Das stimmt in der Absolutheit auf keinen Fall. Bereits im 18.JH gab es kein sozial homogenes Offizierkorps mehr in Preussen, wenn dies auch v.a. Friedrich d.Gr. sehr unlieb war und er versuchte, Bürgerliche entweder herauszudrängen – oder einfach nobilitierte.
    Die Preussischen Reformen machten dem ein Ende. Es war ja erklärtes Ziel, das Potential des Bürgertums für das Offizierkorps zu gewinnen, was auch in dem größeren Rahmen der Integration des Militärs in die zivile Gesellschaft (nicht umgekehrt!) Sinn machte. So wurden ständische Schranken fallen gelassen. Das fügt sich übrigens ebenfalls glänzend in das Gesamtziel der Reformen, nämlich die ständische Gesellschaft zu überwinden. 1860 waren bereits 35% der Offiziere in der preussischen Armee bürgerlich, 1913 waren es 70%. Bei den Obristen und Generalen waren es 48%, was sich primär mit dem niedrigen Avancement in Friedenszeiten erklärt. Der Adel hatte zwar noch gewisse ‚Reservate’ (Kavallerie z.B.), demgegenüber standen allerdings ebenso bürgerlich dominierte Waffengattungen wie die technischen Truppen (Pioniere z.B.).


    In den anderen Armeen des Reiches war der Adel noch seltener vertreten, 1908 in Sachsen mit 20% und in Würtemberg mit 18%, in Bayern 1914 mit 15%.


    In der Reichswehr bevorzugten einige, primär aus ideologischer Überlegung, tatsächlich adlige Offiziere, doch auch sie blieben eine Minderheit, durchschnittlich 24%.
    Mit Hitlers Herrschaft dann war der Adel als Kriterium für die Einstellung von Offizieren ein für alle Mal irrelevant geworden.


    Dazu gibt es reichlich Literatur:


    Reif, H. (Hg.): Adel und Bürgertum in Deutschland, Berlin 2001 (= Elitenwandel in der Moderne 2), besonders 25-64 u. 127-172.


    Deist, W.: Militär, Staat und Gesellschaft, München 1991 (=Beitrage zur Militärgeschichte 34), besonders 103-105.


    http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0100/
    Richhardt, Dirk, Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930-1945, Marburg 2002



    Quote

    Original von Augustdieter
    Einem promovierten wäre es auch nicht in den


    Sinn gekommen Offizier zu werden da seine Karriere ja duch das Elternhaus


    vorgegeben bzw. geplant war.


    aus obig verlinkter Diss.:


    [Blocked Image: http://img91.imageshack.us/img91/4042/imgjz9.jpg]


    Angaben Diss. ergänzt; Kordula

    Quote

    Original von Familienforscher
    Übrigens, zu H.P.Vogel: Neulich habe ich gelesen, dass die Engländer 18hundertnochwas, als unsere Vorfahren die schwarz-rot-goldene Flagge eingeführt haben, erklärten, sie sähen ab sofort jedes Schiff, dass unter einer solchen Flagge segelt, als Piratenschiff.
    Dies nur mal so als Randbemerkung zum besseren Verständnis durch den historischen Kontext.


    ... die Piratenflaggenlegende. Hat aber auch nichts mit Kriegsverbrechen zu tun.


    Als 1849 der Deutsche Bund – eine lose Konföderation deutscher Fürstentümer – auf Druck der revolutionären Paulkirchenversammlung eine Flotte kommissionierte, führte sie die entsprechende Kriegsfahne des Bundes: Schwarz-Rot-Gold mit Doppeladler im Eck. Die Revolutionäre arbeiteten bereits an der Reichsverfassung und die Flotte sollte die Reichsflotte werden.


    Es gab lediglich ein Gefecht der Bundesmarine vor Helgoland, das war aber seinerzeit englisch und England protestierte. Nicht aber beim Bund, sondern bei den Fürsten direkt, so wie damals in der Diplomatie üblich. Von denen fühlte sich allerdings keiner zuständig, sodass die Engländer zuerst bei Preußen, dann bei Hamburg, dann bei Bremen auf taube Ohren stießen. Erst dann ließ Lord Palmerston verlauten, dass Schiffe, die unter keiner Regierung operieren, als Piratenschiffe angesehen und dementsprechend behandelt werden müssten. Nur wenn es tatsächlich ein Reich gäbe, könne eine Reichsflotte anerkannt werden. Damit hatte er nicht unrecht, denn die Heere des Bundes unterstanden analog auch nicht dem (nichtexistenten) Reich oder dem Bund, sondern ihren jeweiligen Staaten und führten ihre eigenen Fahnen, höchstens mit Hinzunahme der Bundesfahne.


    Zum Beschuss durch englische Schiffe ist es nie gekommen, dafür zur Bedrohung anderer Kriegsschiffe durch die Bundesflotte, wenn sie Schwarz-Rot-Gold den Salut verweigerten.


    Vgl. Moltmann, Günter: Die deutsche Flotte von 1848/49 im historisch-politischen Kontext, in: Rahn, Werner (Hg.): Deutsche Marinen im Wandel, München 2005, 63-81, besonders 72f.


    http://www.streitkraeftebasis.…H1v_QD9gtyIckdHRUUAcLz7eg!!/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfS181Nkc!?yw_contentURL=%2F01DB040000000001%2FW26ACEC5367INFODE%2Fcontent.jsp


    http://www.marine.de/portal/a/…R9b_0A_YLciHJHR0VFAEc-hDA!/delta/base64xml/L3dJdyEvd0ZNQUFzQUMvNElVRS82XzIzX1FTOQ!!


    http://www.crwflags.com/fotw/flags/de1848.html

    Zu Malaga Februar 1937:


    Seit 10.01. rückten spanische Verbände von Westen (Herzog von Sevilla) und Nordosten (Oberst Munoz) auf Malaga ein, am 05.02. kamen neun italienische Bataillone (General Roatta) von Norden hinzu. Am 08.02. fiel Malaga, weil die Verteidiger praktisch keinen Widerstand leisteten und zusammen mit der Zivilbevölkerung Richtung Almeria entlang einer Küstenstraße flohen.


    Dabei kam es zu erheblichen zivilen Verlusten:


    I was given at first hand an account of the terrible sufferings of the refugees, estimated to a number of 150.000, who, fearing insurgent reprisals, abandoned Malaga before its capture, taking the road northward towards Almeria. These people, who for the first part of their flight were subjected to shell fire and bombing left without supplies of any kind, and are now in a deplorable state […]


    Oglive-Forbes an Halifax, aus: British Documents on Foreign Affairs, Serie F, Bd. 27, Dok. 70, zitiert nach Esenwein: Spanish Civil War, 59


    Was Oglive-Forbes ausläßt, ist, dass auch das Militär kopflos flüchtete: „Malaga was not won by the enemy but was abandoned without fight by our forces” (General Asensio, zitiert nach Seidman: Republic of Egos, 78).


    Die italienischen Fliegerkräfte verfügten über Bomber, „of about squadron strength [...] (Savoya-79), but during the first few months it was utilized only rarely in bombardment missions. […] a group of Fiat fighters […] were subsequently employed much like the German fighters, played amore significant role.” (Drum: The German Air Force in the Spanish Civil War, 76). Interessant noch, dass Drum das schlechte Winterwetter und den hohen Schnee erwähnt, nicht weiter ungewöhnlich, da es sich bei der Region um einen Ausläufer der Sierra Nevada handelt. Auch er schreibt: „there was hardly any fightuing - - the Reds simply fled“ (77).


    Das Wetter verhinderte den Einsatz der deutschen Bomber weitgehend (vgl. Proctor: Hitler's Luftwaffe in the Spanish Civil War, 103) und überhaupt gab es kaum eine deutsche Beteiligung an der italienischen Operation. Richthofen meinte seinerzeit: „Sperrle ist an seiner machtlosen Zuschauerrolle verzweifelt“. Des weiteren vermerkte er die italienische Weigerung, irgendwelche „Beeinflussungen“ zuzulassen und dass die Legionäre gegen die Italiener nur „ganz kleine Leute“ seien (Tagebucheintragungen 07.10.36; generell Februar und Märzeinträge, besonders 10.02.37; 01.03.).


    Ein Einsatz vom Bomberkräften gegen die Straße kann daher nicht besonders kraftvoll gewesen sein. Legitim allerdings schon, wegen der Soldaten auf der Straße. Zusätzlich sollte noch vermerkt werden, dass sowohl Schiffsartillerie als auch landgestützte Artillerie die Straße unter Beschuss nahmen.


    Allgemein der detaillierteste Überblick ist nach wie vor J.M. Martinez Bande: La Campana de Andalucia, der allerdings als Produkt der Francodiktatur gelesen werden muss.


    Über Belangung von Verantwortlichen ist mir nichts bekannt, ich würde aber auch erst einmal fragen, warum das geschehen sollte. Es war eine rücksichtslose Operation, nur konstituiert das kein Verbrechen.

    Quote

    Original von Caprinus


    Kay, ich könnte jetzt ins gleich Horn blasen, und Deine Zeilen so lange anzweifeln bis Du alle Aussagen akribisch mit Quellenangaben unterfütterst.


    Alle meine wesentlichen Punkte sind belegt. Kaum Beteiligung durch die Legion, noch weniger Flugbetrieb wegen Wetter und am wichtigsten: die gemeinsame Nutzung der fraglichen Straße durch Zivilisten und Militär, die du nun wirklich in jeder nicht allzu groben Übersicht findest, was übrigens Bände über deine Recherche spricht. Den detailliertesten Bericht scheint es bei J.M. Martinez Bande zu geben (La Campana de Andalucia, 1968), der allerdings als Produkt der Francodiktatur gelesen werden muss.
    Und es ist nicht dasselbe, wenn ich deine Worte bezweifle, weil du davon gar nichts belegst, Gesprächskultur hin oder her. Und Sensilibität in Fragen von Kriegsverbrechen halte ich nicht für unangemessen, sondern für unverzichtbar. Deswegen habe ich kein Problem mit einer Frage, wenn sie sensibel vorgetragen wird – nur ist hier überhaupt keine gestellt, sondern gleich ohne jeden Hauch von noch so kleinem Beleg ‚Massenmord’ gebrüllt worden. Damit habe ich ein Problem.


    Thomas, das wurde doch schon ausgeführt: italienischer Angriff auf die Stadt, recht kopflose Flucht der Truppen und Einwohner nach Almeria, Beschuss der Straße durch Flieger, Schiffe und Artillerie. Über die Beteiligung der Legion kann ich wenig berichten, da sich die Literatur mit den Italienern beschäftigt und, wie du von Richthofen selbst gehörst hast, die Legion nur eine Nebenrolle hatte.


    Noch etwas zu Augenzeugenberichten und Luftangriffen: selbst hochtrainierte Kampfpiloten mit Jahren von Kampferfahrung haben Feindflieger oft nicht richtig identifiziert... woher sollen Zivilisten denn die Unterscheidung etwa zwischen He51 oder Cr42 treffen können. Literatur über die neusten Typen der deutschen Luftwaffe war in spanischen Kleinstädten sicher nicht allzu verbreitet...


    Ich für meinen Teil möchte hier die Leute auffordern, die von ‚Massenmord’ und Kriegsverbrechen sprechen, das endlich mal zu belegen! Diese Belegpflicht ist eine Forumsregel, nur zur Erinnerung.


    PS: jemandem (wenn auch implizit) politische Befangenheit vorzuwerfen und selbst alle Infos von einer Seite wie der FTA zu beziehen, überschreitet die Grenze vom Machiavellismus zur Lächerlichkeit.

    Ich finde es ehrlich gesagt reichlich unsensibel, hier angesichts dieser Unterfütterung durch Quellen oder Literatur, besser gesagt dieses Mangels derselben, von einem Kriegsverbrechen zu sprechen und obendrein noch Worte wie ‚Massenmord’ zu gebrauchen.
    Die in den Raum gestellte Behauptung der Erprobung neuer Angriffstechniken ist dann nachgerade absurd – was sollen denn die Flieger, so sie denn angegriffen haben, testen sollen? Wie man Zivilistenkolonnen am besten beschießt... ?


    Die Operation gegen Malaga war eine fast komplett von italienischer Seite geführte, Richthofen meinte seinerzeit: „Sperrle ist an seiner machtlosen Zuschauerrolle verzweifelt“. Des weiteren vermerkte er die italienische Weigerung, irgendwelche „Beeinflussungen“ zuzulassen und dass die Legionäre gegen die Italiener nur „ganz kleine Leute“ seien (Tagebucheintragungen 07.10.36; generell Februar und Märzeinträge, besonders 10.02.37; 01.03.)
    Großen Flugbetrieb gab es ohnehin nicht, wofür das Winterwetter inklusive Schneefall sorgte, sodass Bomber Anfang Februar gar nicht flogen, was der Zeitraum der fraglichen Ereignisse ist. Italienische Einsätze gab es. (vgl. Proctor: Hitler's Luftwaffe in the Spanish Civil War, 103).
    Auf die Presse dieser Zeit gebe ich nichts, sie hat auch den Mythos um Guernica als Terrorbombardement und die ebenso falsche Gegenpropaganda von der Selbstanzündung in die Welt gesetzt.


    In den meisten Überblickswerken zum Bürgerkrieg findet sich, dass sich die republikanischen Truppen nach Osten Richtung Almeria zurückzogen, und zwar auf exakt derselben Straße wie die Flüchtlinge, es gab ja nur diese eine Küstenstraße. So durchmischten sich Soldaten und Zivilisten. Allein das lässt mich die Frage ob Kriegsverbrechen oder nicht recht klar beantworten, wenn sich nicht noch ein Befehl findet, der den gezielten Beschuss von Nonkombattanten beinhaltet.
    Dass sie unter Beschuss gerieten, ist nicht zu bestreiten, wohl aber unbewiesen, dass es absichtlich zum ‚Massenmord’ geschah und wer genau daran beteiligt war, ist auch unklar. Immerhin haben auch Schiffe und Artillerie die Straße unter Feuer genommen.


    Zuletzt, das Schicksal der Flüchtlinge ist in Spanien alles andere als unbekannt, „la Caravana de la Muerte“ (nicht zu verwechseln mit der chilenischen Einheit) ist ein Begriff, es gab auch Gedenkmärsche.

    Auch wenn du dich jetzt hinter der Bezeichnung „ehemalig“ versteckst, mit der Bezeichnung als „Westen Russlands“ hast du deinen Standpunkt ohnehin klar gemacht, der die stalinistische Unterjochung von Finnen, Litauern, Letten, Esten, Polen, Rumänen, Ukrainern, Ruthenen, Weißruthenen und bestimmt noch ein paar anderer als zugehörig zu Russland zu legitimieren versucht.


    Dass nicht um Westeuropa (Frankreich, Spanien, Portugal...) geht, sei zugestanden...


    Da es sich bei Finnland, Estland usw. aber nichtsdestoweniger um souveräne Staaten handelte – auch wenn es dir nicht passen sollte – bedeutet die Absicht, ihre Staatsform und ihre Staatlichkeit als solche zu vernichten, eine illegitime Aggression. Zitatverfälschung ist es, dies zu leugnen.

    Quote

    Original von cpa95
    Hallo Kai,
    na, da haben wir ja nebenbei eine Einsatzchronik zusammengeschustert :D


    Fehlt jetzt noch der Mombek (Reichsverteidigung), oder ist das der "Murawski"?


    Da lässt sich aber noch was machen, in Sachen Einsatzchronik... ist nur qualvoll, weil man einzelne Fitzel zusammensuchen muss. Murawski ist Murawski, das Buch ist so eine Art polnisches Osprey-Band. Ich habe es hauptsächlich wegen der Erzählung von Wollenweber zitiert, die dort abgedruckt ist.



    Das ist ein Witz, hoffe ich...


    Gemäß Artikel 3 und Artikel 6 des Friedensvertrages von Brest-Litowsk haben die Russische Sowjetföderation der Sozialistischen Republiken bzw. die Sowjetunion als ihr Rechtsnachfolger auf Weißrussland, Estland, Lettland und Litauen (Livland) plus eine Reihe weiterer Länder verzichtet. Spätestens mit der Etablierung des Selbstbestimmungsrechts der Völker nur wenig später wird es absurd, diese Territorien als "Westen Russlands" zu bezeichnen.


    Praktisch wurde dies mit der Annulierung des Vertrags von Brest-Litowsk durch die Westmächte umgesetzt, wenn man natürlich auch an der gerechten Umsetzung des Selbstbestimmungsrechts der Völker zweifeln kann, z.B. angesichts polnischer Aggression in alle Richtungen protegiert durch Frankreich.


    grundlegende Literatur:


    Lemberg, Hans (Hg.): Ostmitteleuropa zwischen den Weltkriegen. Stärke und Schwäche der neuen Staaten, nationale Minderheiten, Marburg 1997


    Hildebrand, Klaus: Das Deutsche Reich und die Sowjetunion im internationalen System 1918-1932. Legitimität oder Revolution? Wiesbaden 1977


    http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/brest/index.html

    Hallo Thomas,


    schöne Übersicht. In der Tat gab es keinen vom RLM bestätigten Abschuss mehr durch He162, aber das hat eher mit der Kriegslage und der folglich dringenderen Aufgaben als Abschussbestätigung zu tun.


    Ein paar Ergänzungen:


    20.04.: „Ergebnislos“ war der Einsatz sicher nicht, da die Britischen Jagdbomber nach Aussage von OLt. Wollenweber, dessen Waffen versagten, ihren Angriff auf Bodentruppen abbrachen und versuchten ihn zu jagen, was dank überlegener Leistung der He162 misslang.
    (vgl. Murawski: JG 1 1944-1945, 79f.)


    26.04.: Uffz. Rechenbach meldet mit zwei Zeugen, OTL Demuth und Stabsintendant Siegfried, den Abschuss einer Typhoon. Hanf meldet, dass ihm eine Typhoon entkommen sei.
    (vgl. Nowarra: Der Volksjäger, 35f.)


    (dürfte eher die taktische Situation als die Leistung der He162 gewesen, die das Entkommen ermöglichte, denn leistungsmäßig war die 162 außer in Beschleunigung überlegen).


    04.05.: Der Abschuss einer Tempest durch einen Jet wird englische Quellen bestätigt und ist höchstwahrscheinlich die Typhoon, auf die auch die Flak Anspruch erhebt. Es wurden nach englischen Quellen allerdings auch zwei andere Typhoons an diesem Tag durch Flak abgeschossen.
    (vgl. Ethell/Price: Strahlflugzeuge, 180).


    Oberst Dickfeld berichtet in „Die Fährte des Jägers“ angeblich von zwei P-47 Abschüssen, einen durch ihn und einen durch Lt. Bartz. Habe es aber nicht gelesen.



    Insgesamt ist die Aktenlage doch so unzureichend, dass es kaum entgültige Klarheit über die Einsätze der He162 geben wird. Peter Müller berichtet von 21 Flugzeugverlusten bei JG 1, davon zwei durch Feindeinwirkung, sechs nur beschädigt. zehn Piloten starben, sechs wurden verwundet (vgl. Heinkel He 162. Letzter Versuch, 271).