Posts by EnkelJustus

    Moin Weissensee,


    lassen wir mal Deine Erklärungen beiseite. Die DDR ist seit 30 Jahren Geschichte.

    Quote

    Eine DDR Sozialisierung des Enkels lässt sich nun mal auch bei bestem Willen nicht verleugnen ..

    Das Grüßen habt Ihr aber wohl auch in der DDR gepflegt, oder? Hier im Forum wird es aus guten Gründen praktiziert. Das sich alle daran halten, lässt sich auch nicht verleugnen.


    So, und auch wenn mir Dein Familienschicksal persönlich Leid tut: in diesem Thread geht es um die Selbsttötung von Wehrmachtsangehörigen in verzweifelt-aussichtsloser Lage - und dem offiziellen Umgang damit.


    Und damit sollten sich unsere Wege hier in der Tat trennen, wie Du so treffend formuliertest.


    Gruß,

    Justus

    Lieber Micha,


    Karl hatte den von Dir monierten Satz als Zitat gekennzeichnet. Ich glaube, dass das nicht missverstanden werden sollte.


    Du hast natürlich Recht mit Deinem Hinweis, von jedweder Aufrechnung Abstand zu nehmen. Soweit ich diesen Thread (und eigentlich auch unser Forum) überblicke, hat etwas derartiges auch bisher nicht stattgefunden. Im übrigen ist Karl doch über jeden Verdacht erhaben, sich unausgewogen zu äußern.


    LG Justus

    Lieber Karl,


    Danke für diese Ergänzung! Ich wollte eigentlich den Blick darauf lenken, dass allein aus reiner Furcht vor Verstümmelung und/oder Misshandlung die letzte Kugel für einen selber bestimmt wurde. Im Falle einer schwerwiegenden Verwundung könnte dies ja auch als Panik- bzw. Verzweiflungshandlung geschehen sein, ohne dass tatsächliche Gefahr i.o.g.S. bestand. Als "Resultat" würde für die Statistik in dieser Situation ein Suizid notiert - mit den entsprechenden Konsequenzen lt. Vorschrift. Wenn dagegen die Meldung "Vermisst" bzw. "möglicherweise in Gefangenschaft geraten" gemacht wurde, dann möglicherweise aus Rücksicht auf die Angehörigen (ich denke, dass die familiären Verhältnisse auf Kompanieebene bekannt waren).

    Mir ist ein entsprechender Fall eines Oberleutnants bekannt, der nach einem Rückzuggefecht offiziell als "vermisst" gemeldet wurde. Aus Augenzeugenberichten nach dem Krieg wurde dann im Zuge der gerichtlichen Feststellung des Todes offenbar, dass eine Selbsttötung Todesursache war. Die Witwe und die Kinder bekamen bis Kriegsende den Sold des "Vermissten", der sogar noch (in Abwesenheit) zum Hauptmann befördert wurde.


    LG Justus

    Moin,


    wenn wir die Ehre mal beiseite lassen, dann wäre da noch eine ganz pragmatische Motivation zur Selbsttötung in auswegloser Lage: im Falle einer Verwundung (z.B. Beinschuss) ohne Aussicht auf Bergung (z.B. im Rückzugsgefecht) drohte auch die Begegnung mit Partisanen.

    Vielen Soldaten war durchaus bewusst, dass mit Verwundeten, besonders Offizieren und Unteroffizieren, nicht gerade kurzer Prozess gemacht wurde. In seinem Buch „Als der Osten brannte“ berichtet Henning Stühring von Herausschneiden der Augen oder Abtrennen der Genitalien sowie anderen Verstümmelungen.

    Ich halte in dieser Situation eine Selbsttötung angesichts derartiger Bedrohung für einen letzten Ausweg.


    Gut möglich, dass dies dann nicht als Suizid gemeldet wurde, um dem Ansehen des Kameraden nicht zu schaden und die Bezüge an die Witwe nicht zu gefährden. Der entsprechende Soldat wurde als vermisst gemeldet und fertig.


    Lg Justus

    Moin,


    zur Wiedereröffnung dieses wichtigen Threads und anläßlich des heutigen 8. Mai, möchte ich einen Text von Florian Harms, Chefredakteur t-online.de einstellen. Ich finde, er bedarf in seiner Klarheit keiner Ergänzung.


    Manche Tage im Kalender haben eine besondere Bedeutung in der Geschichte unseres Landes. Heute ist ein solcher Tag. Der Krieg, der Europa und die Welt ins Verderben stürzte, ging am 8. Mai 1945 zu Ende. Die Herrschaft der Nazis war gebrochen, die Menschen in Konzentrationslagern wurden befreit, die kruden Lehren vom Herrenmenschentum landeten auf dem Müllhaufen der Geschichte. An diesem Tag mischt sich die Freude über das Ende des Entsetzens mit der Anerkennung der Schuld, die Deutschland unter dem Hakenkreuz auf sich geladen hat.

    Angesichts dieses epochalen Einschnitts könnte man fast vergessen, dass es nur wenige Jahre später ein zweites Ereignis gab, dem der heutige Tag Bedeutung verdankt. Am 8. Mai 1949 beschloss der Parlamentarische Rat die Leitlinien, die unserem Staat seine heutige Form gaben. Verfassung wollte man das Regelwerk nicht nennen, denn die Menschen im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands und im Saarland hatten an der Ausarbeitung nicht teilnehmen können. Also nannte man das Werk schlicht Grundgesetz. Kaum zu fassen, dass nur vier Jahre, nachdem Braunhemden, Blockwarte und Volksstürmer das Leben in Deutschland beherrscht hatten, eine dermaßen beeindruckende weltanschauliche Wende gelang.

    Die Mütter und Väter des Grundgesetzes fackelten nicht lange. Schon im ersten Artikel schlugen sie Pflöcke ein, die für die Ewigkeit gemacht sind: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Den Respekt in diesen Worten würde man sich heute in mancher hasserfüllten Diskussion auf Facebook wünschen. Keine Silbe im ersten Satz unserer Verfassung ist übrigens allein auf deutsche Staatsbürger zugeschnitten. Er gilt für jeden, auch wenn er auf einem Schlauchboot übers Mittelmeer gekommen ist.

    Die Artikel unseres Grundgesetzes sind keine Sprüche fürs Poesiealbum. Und auch nicht bloß das Handwerkszeug für Gesetzgeber und Juristen. Wir können sie uns täglich zum Vorsatz nehmen. Hier eine Kostprobe: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Sätze wie ein Donnerhall. Heute dürfen wir sie feiern. Aber auch an jedem anderen Tag stolz auf sie sein.


    In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten 8. Mai!


    LG Justus

    Moin Lothar,


    also das ist ja mal ein wirklich starkes Stück. Fast schon komisch und ein wunderbarerer Beleg für das Tollhaus bürokratischen Irrsins! Realsatire pur, hätte von Dieter Hildebrandt sein können!


    Vielen Dank fürs Einstellen - kommt in meinen Ordner für bemerkenswerte Artikel!


    LG Justus

    Hallo Bert,

    man darf bei der Beurteilung der Situation nicht ganz außer Acht lassen, dass Anfang der dreißiger Jahre annähernd zwei Drittel der Bürger im Reich Mitglieder der evangelischen Kirche waren, der Anteil an Katholiken war im Vergleich deutlich kleiner als heutzutage.

    Somit war die „Nähe“ der Protestanten zum Nationalsozialismus letztlich auch eine statistische Frage.

    Lg Justus

    Moin Uwe,


    ich weiß nicht, ob es ein Hinweisschild dort gibt. An sich sind ja viele Gebäude mit historischem Hintergrund in Breslau mit Hinweistafeln versehen.


    Ich habe diese Info aber von unserer Stadtführerin bekommen.


    Wir waren heute auch nochmal bei dem herrlichen Wetter dort.

    Außen glaubte ich auf dem Rasen einen Entlüftungsauslass eines möglichen Bunkers gesehen zu haben.


    Lg Justus

    Moin,


    ich habe in einer Neuerwerbung von mir, dem Buch "Das Ende: Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45" von Ian Kershaw (u.a. auch Autor von "Höllensturz", sehr lesenswert), folgende Angaben über den 1943 von Joseph Goebbels in Auftrag gegebenen Propagandafilm "Kolberg" mit großem Erstaunen gelesen: es seien angeblich 187.000 (!) Soldaten, die man vorübergehend aus dem aktiven Dienst abgezogen hatte, als Statisten eingesetzt worden. Über 100 Eisenbahnwaggons hätten Salz zur Simulation von Schnee angeliefert und tausende von (kriegswichtigen) Pferden seien eingesetzt gewesen.


    Natürlich sind dies geradezu unvorstellbare Aufwendungen, wenn man bedenkt, dass die Wehrmacht in der Drehphase zwischen Oktober 43 und August 44 wahrscheinlich "größere Probleme" zu bewerkstelligen hatte!


    Welche Quellen Kershaw dafür angibt, kann ich leider momentan nicht sagen.


    LG Justus

    Hallo,


    habe ich richtig verstanden, dass Du damit

    Quote

    Wäre er nicht ausgeschlossen worden, wäre er mit größter Wahrscheinlichkeit nicht der Massenmörder und Mensch in der Partei geworden,

    der er war.

    zum Ausdruck bringen möchtest, dass Deine direkte Vorfahrin (Mutter/Oma/Uroma) möglicherweise ursächlich für Heydrichs „Karriere“ gewesen sein könnte?


    Absurd.


    LG Justus

    Moin,


    Ich verstehe nicht, was jemanden dazu bewegt, in aller Öffentlichkeit seine Mutter, Groß- oder Urgroßmutter (=„direkter Nachfahre“) als Geliebte/Affäre eines Massenmörders aus der allerersten Nazi-Riege zu outen. Möglicherweise müssen wir uns auf weitere Enthüllungen einstellen? Ich denke da an eine außereheliche Vaterschaft:

    Opa Reinhard?


    Warum schreibt man so etwas?


    Ich kann Paul nur beipflichten.


    LG Justus