Posts by EnkelJustus

    Moin,


    natürlich erschöpft sich „der deutsche Widerstand“ nicht in Stauffenberg (und den Geschwistern Scholl). Trotzdem sind z.B. viele Schulen nach ihnen benannt.


    Wir können wohl auch nichts besseres vorweisen. Also immerhin.


    Eine bedingungslose Glorifizierung findet ja unter seriösen Histoikern ohnehin nicht statt - und sollte übrigens aber auch nicht denjenigen überlassen werden, die heute Geschichtsrevisionismus als Zündholz benutzen, um Feuer unter dem üblen Süppchen anzufachen, das bös nach damals schmeckt.


    Dieselbe (dort mut- und böswillige) Verwechslung - da stimme ich Bert zu - besteht in der moralischen Bewertung eines (Selbstmord)Attentäters, wenn sich der eine gegen eine katastrophale Diktatur wendet, der andere aber Terror in freiheitliche Gesellschaften trägt. „Schneid“ ist da wohl kaum die passende Kategorie, wo Unschuldige getötet, verletzt oder traumatisiert werden.


    Wir können heute nur einfach für die Zukunft daraus lernen!


    Und Teil eins der Lehre kann nur sein, dass sich derartiges niemals wieder wiederholen darf. Diese Einsicht beginnt zuvorderst in unseren Köpfen und Herzen - und findet natürlich und insbesondere Ausdruck im Umgang mit Andersdenkenden. Den Rechtsstaat kann man eben nur mit Mitteln des Rechtsstaates verteidigen. Unser Grundgesetz gibt an dieser Stelle guten Seitenhalt.


    LG Justus

    Moin Kordula und Andreas,


    das Bild ist eine Collage von John Heartfield, ein Deutscher Künstler und Verleger, von dem u.a. auch die berühmte Fotomontage „Der Sinn des Hitlergrusses. Hinter mir stehen Millionen“ stammt.

    Danke für dieses interessante und lehrreiche Fundstück! Ich habe einiges über die Gruppe Laibach gelernt.


    LG Justus

    Lieber Thomas,


    Danke für Deine Erinnerung. Ich möchte mir erlauben, Deinen Post zu ergänzen. Insbesondere ein Interview mit Klaus von Dohnanyi, der Sohn des Widerstandkämpfers Hans von Dohnanyi, verheiratet mit Christine Bonhoeffer (Dietrichs Schwester. Was für eine Konstellation!), ist sehr lesenswert. Und das Nachdenkzeichen schlechthin zum heutigen Tag. Ich empfehle es ausdrücklich, zu lesen.


    Stauffenbergs Vermächtnis


    Wir brauchen Widerstand, der die Demokratie sichert


    "Stauffenberg ist sehr wichtig als Erinnerung - aber eben als Erinnerung, dass es zu spät ist, wenn man den Soldaten braucht, um die Demokratie zu schützen." (Klaus von Dohnanyi, 20.07.2019)


    Einen friedlichen freiheitlichen 20. Juli Euch allen

    wünscht Justus

    Moin im Literaturzirkel,


    Spritzen setze ich zwar täglich, aber nicht im Vollmund.


    Aber wer wissen will, wie ich Albert Einstein, Rudi Völler, Deng Xiao Ping und Arthur Schopenhauer auf einer Höhlenexpedition durch unser Zentralorgan zusammenbringe, der sollte sich das Wasser im Vollmund für schlappe 15,80€ zusammenlaufen lassen.


    Sarkasmus ist mir nur einmal ganz kurz durch den Benimm-Dich-Filter gerutscht. Ansonsten ist mein Erstling natürlich brav wie ein Ministrant in der Sonntagsmesse.


    Ich würde mich freuen, wenn Ihr es lest und mir ein ehrliches Feedback gebt. Micha: danach ist Dein Schissertum ein Fall fürs Geschichtsforum :thumbsup:.


    LG Justus

    Moin,


    ab heute ist mein Buch "Vollmund" im Handel. Unter der ISBN 978-3-7494-7260-4 könnt Ihr das Buch online oder beim Buchhändler Eures Vertrauens bestellen. Auf meiner Autorenwebsite gibt es noch ein paar Hintergrundinformationen und demnächst auch einen Youtube-Mitschnitt der Premierenlesung, die am 17.7.2019 stattfindet (es sind noch Karten verfügbar! Wer nichts anderes vorhat, sollte sich das auf gar keinen Fall entgehen lassen!Schreibt mir einfach per PN)


    Ich wünsche Euch viel Vergnügen und Erkenntnisgewinn beim Lesen!


    LG Justus

    Moin Weissensee,


    lassen wir mal Deine Erklärungen beiseite. Die DDR ist seit 30 Jahren Geschichte.

    Quote

    Eine DDR Sozialisierung des Enkels lässt sich nun mal auch bei bestem Willen nicht verleugnen ..

    Das Grüßen habt Ihr aber wohl auch in der DDR gepflegt, oder? Hier im Forum wird es aus guten Gründen praktiziert. Das sich alle daran halten, lässt sich auch nicht verleugnen.


    So, und auch wenn mir Dein Familienschicksal persönlich Leid tut: in diesem Thread geht es um die Selbsttötung von Wehrmachtsangehörigen in verzweifelt-aussichtsloser Lage - und dem offiziellen Umgang damit.


    Und damit sollten sich unsere Wege hier in der Tat trennen, wie Du so treffend formuliertest.


    Gruß,

    Justus

    Lieber Micha,


    Karl hatte den von Dir monierten Satz als Zitat gekennzeichnet. Ich glaube, dass das nicht missverstanden werden sollte.


    Du hast natürlich Recht mit Deinem Hinweis, von jedweder Aufrechnung Abstand zu nehmen. Soweit ich diesen Thread (und eigentlich auch unser Forum) überblicke, hat etwas derartiges auch bisher nicht stattgefunden. Im übrigen ist Karl doch über jeden Verdacht erhaben, sich unausgewogen zu äußern.


    LG Justus

    Lieber Karl,


    Danke für diese Ergänzung! Ich wollte eigentlich den Blick darauf lenken, dass allein aus reiner Furcht vor Verstümmelung und/oder Misshandlung die letzte Kugel für einen selber bestimmt wurde. Im Falle einer schwerwiegenden Verwundung könnte dies ja auch als Panik- bzw. Verzweiflungshandlung geschehen sein, ohne dass tatsächliche Gefahr i.o.g.S. bestand. Als "Resultat" würde für die Statistik in dieser Situation ein Suizid notiert - mit den entsprechenden Konsequenzen lt. Vorschrift. Wenn dagegen die Meldung "Vermisst" bzw. "möglicherweise in Gefangenschaft geraten" gemacht wurde, dann möglicherweise aus Rücksicht auf die Angehörigen (ich denke, dass die familiären Verhältnisse auf Kompanieebene bekannt waren).

    Mir ist ein entsprechender Fall eines Oberleutnants bekannt, der nach einem Rückzuggefecht offiziell als "vermisst" gemeldet wurde. Aus Augenzeugenberichten nach dem Krieg wurde dann im Zuge der gerichtlichen Feststellung des Todes offenbar, dass eine Selbsttötung Todesursache war. Die Witwe und die Kinder bekamen bis Kriegsende den Sold des "Vermissten", der sogar noch (in Abwesenheit) zum Hauptmann befördert wurde.


    LG Justus

    Moin,


    wenn wir die Ehre mal beiseite lassen, dann wäre da noch eine ganz pragmatische Motivation zur Selbsttötung in auswegloser Lage: im Falle einer Verwundung (z.B. Beinschuss) ohne Aussicht auf Bergung (z.B. im Rückzugsgefecht) drohte auch die Begegnung mit Partisanen.

    Vielen Soldaten war durchaus bewusst, dass mit Verwundeten, besonders Offizieren und Unteroffizieren, nicht gerade kurzer Prozess gemacht wurde. In seinem Buch „Als der Osten brannte“ berichtet Henning Stühring von Herausschneiden der Augen oder Abtrennen der Genitalien sowie anderen Verstümmelungen.

    Ich halte in dieser Situation eine Selbsttötung angesichts derartiger Bedrohung für einen letzten Ausweg.


    Gut möglich, dass dies dann nicht als Suizid gemeldet wurde, um dem Ansehen des Kameraden nicht zu schaden und die Bezüge an die Witwe nicht zu gefährden. Der entsprechende Soldat wurde als vermisst gemeldet und fertig.


    Lg Justus

    Moin,


    zur Wiedereröffnung dieses wichtigen Threads und anläßlich des heutigen 8. Mai, möchte ich einen Text von Florian Harms, Chefredakteur t-online.de einstellen. Ich finde, er bedarf in seiner Klarheit keiner Ergänzung.


    Manche Tage im Kalender haben eine besondere Bedeutung in der Geschichte unseres Landes. Heute ist ein solcher Tag. Der Krieg, der Europa und die Welt ins Verderben stürzte, ging am 8. Mai 1945 zu Ende. Die Herrschaft der Nazis war gebrochen, die Menschen in Konzentrationslagern wurden befreit, die kruden Lehren vom Herrenmenschentum landeten auf dem Müllhaufen der Geschichte. An diesem Tag mischt sich die Freude über das Ende des Entsetzens mit der Anerkennung der Schuld, die Deutschland unter dem Hakenkreuz auf sich geladen hat.

    Angesichts dieses epochalen Einschnitts könnte man fast vergessen, dass es nur wenige Jahre später ein zweites Ereignis gab, dem der heutige Tag Bedeutung verdankt. Am 8. Mai 1949 beschloss der Parlamentarische Rat die Leitlinien, die unserem Staat seine heutige Form gaben. Verfassung wollte man das Regelwerk nicht nennen, denn die Menschen im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands und im Saarland hatten an der Ausarbeitung nicht teilnehmen können. Also nannte man das Werk schlicht Grundgesetz. Kaum zu fassen, dass nur vier Jahre, nachdem Braunhemden, Blockwarte und Volksstürmer das Leben in Deutschland beherrscht hatten, eine dermaßen beeindruckende weltanschauliche Wende gelang.

    Die Mütter und Väter des Grundgesetzes fackelten nicht lange. Schon im ersten Artikel schlugen sie Pflöcke ein, die für die Ewigkeit gemacht sind: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Den Respekt in diesen Worten würde man sich heute in mancher hasserfüllten Diskussion auf Facebook wünschen. Keine Silbe im ersten Satz unserer Verfassung ist übrigens allein auf deutsche Staatsbürger zugeschnitten. Er gilt für jeden, auch wenn er auf einem Schlauchboot übers Mittelmeer gekommen ist.

    Die Artikel unseres Grundgesetzes sind keine Sprüche fürs Poesiealbum. Und auch nicht bloß das Handwerkszeug für Gesetzgeber und Juristen. Wir können sie uns täglich zum Vorsatz nehmen. Hier eine Kostprobe: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Sätze wie ein Donnerhall. Heute dürfen wir sie feiern. Aber auch an jedem anderen Tag stolz auf sie sein.


    In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten 8. Mai!


    LG Justus

    Moin Lothar,


    also das ist ja mal ein wirklich starkes Stück. Fast schon komisch und ein wunderbarerer Beleg für das Tollhaus bürokratischen Irrsins! Realsatire pur, hätte von Dieter Hildebrandt sein können!


    Vielen Dank fürs Einstellen - kommt in meinen Ordner für bemerkenswerte Artikel!


    LG Justus

    Hallo Bert,

    man darf bei der Beurteilung der Situation nicht ganz außer Acht lassen, dass Anfang der dreißiger Jahre annähernd zwei Drittel der Bürger im Reich Mitglieder der evangelischen Kirche waren, der Anteil an Katholiken war im Vergleich deutlich kleiner als heutzutage.

    Somit war die „Nähe“ der Protestanten zum Nationalsozialismus letztlich auch eine statistische Frage.

    Lg Justus