Posts by Quintus

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    Original von suum cuique
    Besonders interessant die Gruppendynamik und Gruppendruck bei "ganz normalen Maennern" wie Du und ich, der da entstehen kann.


    Der Gruppendruck und auch Gruppenzwang ist wahrlich nicht zu unterschätzen, gerade im Krieg, davon kann die US-Army auch ein Lied singen, sagte doch einer der Soldaten, der wegen verschiedener Morde an afghanischen Zivilisten verurteilt wurde, dass er unter Druck gesetzt wurde, indem ihm mit seiner Ermordung durch seine Kameraden gedroht wurde: http://www.zeit.de/2012/02/Soldaten-Kill-Team


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    Original von Ratte1977
    Zum einen möchte ich mal sagen das es gerade im Osten auch durch angehörige der deutschen Truppen zu Vergewaltigungen kam. Was mir allerdings immer wieder auffällt ist die unterschiedliche Begeisterung der Truppen und die Akzeptanz und Duldung durch Vorgesetzte.
    Während es auf deutscher Seite sehr wohl zu Bestrafungen kam...


    Interessantes Buch zu diesem Thema: Birgit Beck: Wehrmacht und sexuelle Gewalt. Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939-1945



    ...

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    Original von logo
    Quintus, was zählt denn bei Dir ?
    Die Beweisaufnahme des Ständigen Militärgerichts in Bordeaux ergab bei der Vernehmung der Männer der 3. Kompanie das in den angezündeten Häusern Munition hochging.


    Sorry, logo, nochmal die Frage, wo Du das her hast? Aus Büchern revisionistischer Autoren, wie Taege, Lothar Greil oder Vincent Reynouard, der wegen Leugnung von Kriegsverbrechen im Jahre 2004 eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten verbüßen musste?


    Ich beschäftige mich mit dem Thema schon seit über 20 Jahren und weiss sehr genau was die Angeklagten im Prozess in Bordeaux von 1953 aussagten, oder anders gesagt, ich habe hier die kompletten Aussagen (Stenogramme) aller am Prozess teilgenommenen Personen, verteilt auch auf verschiedene Bücher, französische als auch deutsche - das wurde damal alles veröffentlicht!
    Von Munition in den Häusern war weder in Bordeaux die Rede (war schlicht gar kein Thema der Verteidigung), noch bei späteren Ermittlungen. Das sind Erfindungen revisionistischer Autoren und Altnazis, die erst Jahre nach dem Krieg bzw. Jahre nach dem Prozess in Bordeaux aufkamen.


    Aber es steht Dir natürlich frei, den Beweis für Deine Behauptungen zu erbringen!


    P.S.: kennen wir uns viell. aus einem anderen Forum, so vor ca. 8 Jahren? Aus balsi's Forum?



    ... ;)



    Zum Thema Geiselerschiessungen:


    Dr. jur. Gerd Hankel hat das mal in seinem Artikel Kriegsverbrechen und die Möglichkeiten ihrer Ahndung in Vergangenheit und Gegenwart wie folgt heraus gearbeitet:


    Zunächst in Kurzform die Kriterien für eine Geiselnahme, wie sie Hankel definiert:
    1.) müssen eventuelle Geiseln vor einer möglichen Völkerrechtsverletzung (der Kontrahenten!) als Geiseln inhaftiert und als solche deklariert werden;
    2.) muss die Liquidierung der Geiseln vor der Missetat der Kontrahenten als Folge angekündigt werden;
    3.) müssen die in Geiselhaft genommenen Personen in einem direktem Verhältnis zu der Tat bzw. zu den Tätern stehen (also beispielsweise Mitglieder der selben Organisation sein)
    4.) darf das Verhältnis der zur Vergeltung zu liquidierenden Geisel-Personen nicht ein maximales Verhältnis von 1:10 (im Extremfall) überschreiten, etc.


    Zitat aus dem Artikel:
    "Voraussetzungen für die Anwendung der Repressalie war, dass zwischen ihren Opfern (das heisst im Klartext denjenigen, die wegen der Partisanentätigkeit anderer getötet werden) und den Partisanen eine Verbindung bestanden hatte, dass die Repressalie der Abschreckung (und nicht der Rache) diente, dass sie zuvor angedroht wurde und in einem angemessenen Verhältnis zum begangenen Rechtsverstoss stand. Was zur Zeit des Zweiten Weltkriegs unter einem "angemessenen Verhältnis" zu verstehen war, ist streitig. Sicher ist aber, dass die Frage nach der Proportionalität nicht arithmetisch beantwortet werden kann (1:2; 1: 5: 1:10 etc.), sondern an Art und Umfang des vorangegangenen Rechtsverstosses unter Beachtung einer sogenannten Humanitätsschranke gemessen werden muss. Ein Verhältnis von 1:100 oder 1:50 ist in jedem Fall zu hoch, und das häufig als allgemein zulässig kolportierte Verhältnis von 1:10 nur in Ausnahmefällen erlaubt.


    Die deutschen Besatzungstruppen in der Sowjetunion und in Südost-Europa pflegten die zu Exekutierenden häufig als "Geiseln" zu bezeichnen, ohne zwischen den Personen zu differenzieren, die erst nach dem Völkerrechtsverstoss festgenommen wurden, und anderen, die vorsorglich als Faustpfand für den Fall kommender Rechtsverstösse festgehalten worden waren. Nur bei den letztgenannten Personen handelte es sich jedoch um Geiseln, während die erst nach der kriegsrechtswidrigen Handlung festgenommenen Personen als Repressalien- oder Sühnegefangene bezeichnet werden. Anders als sie befinden sich Geiseln in einem Schwebezustand, der erst durch den Kriegsrechtsverstoss des Gegners beendet wird, welcher den sog. "Geiselverfall" einleitet. Die nachfolgende Geiselexekution folgte damals den Regeln der Repressalie, weswegen zwischen Geiseln und Repressaliengefangenen in der Rechtspraxis und auch in der Rechtstheorie oftmals nicht unterschieden wurde. Deshalb wurde u.a. auch verlangt, dass im Falle der Geiselnahme die Erschiessung der Geiseln vorher angedroht werden müsse, dass eine Verbindung zwischen den Geiseln und dem erwarteten Kriegsrechtsverstoss besteht und dass zwischen der Zahl der zu erschiessenden Geiseln und dem Verstoss, von dem die Geiselnahme und die angedrohte Erschiessung abschrecken soll, kein Missverhältnis besteht.


    Als zusätzliche Auslegungshilfe für die Anwendung von Repressalien und für die Geiselnahme sowie als weiterer rechtlicher Rahmen für deren Zulässigkeit waren die Martensschen Klausel und Art. 50 der Haager Landkriegsordnung (HLKO) zu beachten.


    Die Martenssche Klausel ging hervor aus der Erkenntnis, dass die Landkriegsordnung nicht alle im Krieg vorkommenden Fälle abdecken könne und insbesondere die Unterscheidung zwischen rechtmässigen Kombattanten auf der einen und Freischärlern auf der anderen Seite nicht immer einfach zu treffen sei. Diejenigen, die zu entscheiden hätten, sollten sich leiten lassen von den
    "Grundsätze[n] des Völkerrechts [...], wie sie sich ergeben aus den unter gesitteten Völkern feststehenden Gebräuchen, aus den Gesetzen der Menschlichkeit und aus den Forderungen des öffentlichen Gewissens."
    Und Art. 50 HLKO, der sich auf die militärische Gewalt im besetztem feindlichem Gebiet bezieht, besagte:
    "Keine Strafe in Geld oder anderer Art darf über eine ganze Bevölkerung wegen der Handlungen einzelner verhängt werden, für welche die Bevölkerung nicht als mitverantwortlich angesehen werden kann."
    Das sind, man muss es wohl so sehen, nicht immer klare Kriterien. Wann gilt eine Bevölkerung als mitverantwortlich? Was sind in einer konkreten Situation die Gesetze der Menschlichkeit? Und was ist unter einem "angemessenen Verhältnis" zwischen einem Völkerrechtsverstoss (Partisanentätigkeit) und seiner Ahndung zu verstehen?


    Zitiert aus: Kriegsverbrechen und die Möglichkeiten ihrer Ahndung in Vergangenheit und Gegenwart



    ...

    Hallo...


    Alfred Price: "Der härteste Tag: 18. August 1940. Die Luftschlacht um England"


    Der authentische Bericht über den härtesten Kampftag der Luftschlacht über England.
    Diese sehr ins einzelne gehende Darstellung schildert tagebuchartig die dramatischen 24 Stunden jenes 18. August 1940 - so, wie sie viele Engländer und Deutsche als Beteiligte selbst erlebten.
    Das Buch bietet interessante Einblicke in den Luftkrieg um England; spiegelt menschliche Schicksale wider und ist hervorragend dokumentiert und illustriert.
    1. Auflage 1981 by Motorbuch Verlag.


    Grüße...

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    Original von Radiathor
    Gibt es eigentlich noch Mitglieder von Forum des Panzerlexikon?


    Da war ich damals als Tommy Franks angemeldet, das muss vor 2003 gewesen sein, also vor dem US-Krieg im Irak, denn auf dem Flug von Frankfurt nach Kolumbien (wo sich mein Zweitwohnsitz befindet) hatte ich in einer US-Zeitschrift einen Artikel über diesen General als möglichen Oberbefehlshaber dieses bevorstehenden Feldzuges gelesen. Und ich fand seine Leistungen beeindruckend - das inspirierte mich damals zu diesen User-Namen ;)


    Zu Deinen Liteaturtips kann ich Dir leider nicht weiter helfen - sorry!




    Saludos!

    Hola!


    Es gab doch schon in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Ermittlungsverfahren der Dortmunder Zentralstelle für die Bearbeitung nationalsozialistischer Massenverbrechen, in dem die wichtigsten Befehlshaber (wie Lammerding, Stadler, Kahn, Okrent, Weidinger) vernommen wurden. Aber damals wollte man wohl die ganze Sache im Sande verlaufen lassen, das Verfahren wurde jedenfalls eingestellt.
    Die Akten sind einsehbar unter Staatsanwaltschaft Dortmund Aktenzeichen 45 Js 2/62 und 45 Js 11/78 bzw. die Akte von 1962 liegt jetzt im Staatsarchiv StAM 45 Js 2/62 ...



    Saludos!