Posts by Lobito060454

    Grüß Gott Johannes,

    Wurden Infanterie-Regimenter bzw. deren Unterverbände bei Aufstellung nur mit Soldaten aus der selben Gegend besetzt?

    Anders gefragt: Kann ich vom Wohnkreis einer Person auf die Regimentszugehörigkeit schließen?

    Schon, aber eine umkehrbare eindeutige Zuordnung ist nicht möglich; denn es wurden mehr als ein Regiment je Wehrkreis aufgestellt und ein Wehrkreis war ein großes Gebiet, so wurde mein Vater aus Heilbronn zu einem Karlsruher Regiment gezogen, Heilbronner fühlen sich eher zum Schwäbischen Raum nordöstlich Stuttgart hingezogen, während Karlsruhe liegt in Baden. In den Krieg zog er aber mit einer bayerische Division, weil zu deren neu Aufstellung 1940 Teile seines Regiment herangezogen wurde.

    Im Krieg hätte also die Zugehörigkeit zu seinem nicht auf seine Herkunft aus Heilbronn, andere Teile seines Regimentes kamen aus dem Raum Würzburg.


    Ganz so einfach ist es also nicht möglich, aus der Herkunft auf Regimentszugehörigkeit zu schließen oder umgekehrt.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Marcus,


    Der Artikel von Prof. Fahl ist sehr umfassend, aber gewiß nicht für jedermann verständlich. Besten Dank für den Hinweise!


    Tomas : Dort findest Du auch die Lösung für Deinen ins KZ abkommandierten SS-Mann, allerdings nicht auf der Schuldebene, sondern auf der Rechtswidrigkeitsebene, weil Handeln gemäß Befehls ist nicht Rechtswidrig, das war mir nicht bekannt.

    Auf der Tatbestandsebene gibt es aber auch ein Hebel, den man ansetzen könnte, es müßte bei Deinem SS-Mann ein "nieder Beweggrund" auch vorliegen und das wird man wohl ausschließen müssen. Bei Demjanjuk kam der Herr Prof. zu dem Ergebnis, daß er als "arischer" Ukrainer wohl schon seinen Dienst mit rassistischer Motivation verrichtet haben könnte.

    Im Strafrecht gibt es also verschiedene Stell schrauben an denen man drehen kann, wenn man einen "verknacken" oder freisprechen will.


    Interessant ist auch die Überlegung ob Mord ein qualifizierter Totschlag ist, so sieht es die Rechtslehre, da Totschlag mit zeitiger Freiheitsstrafe bestraft, wäre die Tat nicht verjährt, die Rechtsprechung hingegen, hält Mord für ein eigenständig Delikt, das also verjähren konnte, wenn diese Rückwirkung verfassungsgemäß ist.


    Ein Problem, das auch im Münchner Prozess aufgetreten ist :Die Zuständigkeit eines deutsches Strafgerichs wenn der Angeklagte kein Deutscher ist. Über diese heikle Frage hat Herr Prof. sich nach echte Prof. Art weg gerettet, alle Vernichtungslager lag im "Generalgouvernement", das war nicht Reichsgebiet, nach dem Territorialprinz kommt man also nicht zur Zuständigkeit eines deutsches Strafgerichs, die könnte man nur über die (deutsche) Staatsangehörikeit der Opfer konstruieren, die im Falle Demjanjuk nicht gegeben war, dessen Opfer waren Niederländer und nun?

    Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat der BGH den Gerichtsstand von Demjanjuk festgestellt.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Helmut,

    aber ja, jeder der damals in Birkenau gewesen ist, wußte, was da geschah.


    Der Geruch der verbuddelten Leichen konnte man nicht ignorieren, auch nicht des Krematorium, von dem bei meinem Besuch in den 70er nur die Baulichkeit da war war, die Öfen kenne ich nur von den Bildern und danach halte ich für ausgeschlossen, daß darin Kuche. Und die Zweckmäßigkeit der Schienenanlage kann niemand entgangen sein.


    Wie immer, kann niemand, der im Osten war, davon kommen, mit der billigen Behauptung, er habe von alle dem nichts gewusst, da nehme ich auch den Ex-Bundeskanzler nicht aus.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Tobias,


    Seit Fritz Bauer genügt eine Tätigkeit in einem KZ, die den Betrieb (die systematische Tötung der Insassen) für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. Als Jurist gewöhnt "von hinten durch das Auge in die Brust" zu denken, gehe ich davon aus, daß in einem KZ keine überflüssige Mitwisser anwesend war, also genügt die bloße Anwesenheit.

    Lieber Thomas, Deinen Fall, würde ich noch nicht bei der Frage, ob die Tat tatbestandsmässig war, sondern beim Korrektiv der Schuld behandeln, wer nicht schuldhaft gehandelt hat, kann nicht verurteilt werden, das ist kein Freispruch 2. Klasse und m. E. steht der Freigesprochene besser da, als nach Berufung auf Befehlsnotstand.


    Diese Sichtweise würde ich auch auf die Massenerschießungen in Polen und Russland ausdehnen.


    Gruß Wolfgang


    Hallo Josef,


    der Gesetzgeber hat die Verjährung für Delikte, die mit Lebenslang bestraft werden, aufgehoben, das ist m. E. ein klarer Auftrag an die Strafjustiz, die Kriegsverbrechen und die Verbrechen in den KZ, zu verfolgen und die Täter zu bestrafen, egal, wie alt sie heute sind, diesen Auftrag dürfen wir für gut oder schlecht halten, aber mehr steht uns nicht zu, schon gar nicht zu beurteilen, ob diese Entscheidung "gerecht" ist, oder ob das eine Verschwendung von Steuergelder, dieses Argument kam nicht von Dir, flackert aber gelegentlich.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Frank,


    das alte Problem in der Strafverfolgung, Zeugen können sich nicht verlässlich erinnern und Historiker wissen, daß in Mittelalterlicherzählungen 10 oder 100 stehen für sehr viele!


    Gruß Wolfgang

    Grüß Gott,


    danke für die Beiträge!


    Aber bitte beachtet, daß mein Vater behauptete, daß seine Vorgesetzten es so hingeschrieben hätten, Es lohnt sich also nicht ins Detaill gehen, mich hat nur interessiert, ob das so möglich war.


    Gruß Wolfgang

    Grüß Gott Thilo,


    ich habe das Soldbuch meines Vaters, auf welche Seiten wurden die ausgegebenen Waffen eingetragen? Bekleidungsstücke habe ich gesehen, aber Waffen nicht. Könnte es sein, daß etwa bei einem Angehörigen einer MG-Kompanie die Ausgabe bestimmter Waffen vorausgesetzt wurde.


    Ich weiß von meinem Bruder, der bei der BW war, immer schönes neues Werkzeug hatte, ich habe ihm meine ausgelutschten Schraubenschlüssel gegeben und schon hatte ich einen neuen ;). War das bei der Wehrmacht ähnlich locker?


    Gruß Wolfgang

    Grüß Gott Karl,


    mein Vater hat dazu erklärt, es sei nicht wirklich passiert, seine Vorgesetzten habe das so geschrieben, damit die Verleihung des EK I gerechtfertig war.


    Blanke Waffe ist also nicht Schußwaffe, dann scheint es mir wahrscheinlich, daß hier der Spaten gemeint ist. Bajonett will ich aufgrund einer Erzählung ausschließen, er traf im Zug ein jungen Soldaten, der sich Sorgen machte, weil er sein Gewehr am Bahnhof vergessen hatte und ihm seines gegeben hat, weil er das nicht brauche, wozu also sollte er Bajonett mit führen, vielleicht ein Kampfmesser.


    Vielen Dank für Deinen Hinweis.


    Gruß Wolfgang

    ja servus nach Österreich,


    danke für die schnelle Antwort.


    Und wie unterscheide ich visuell das MG 34 und 42? Oder ist das Gelbwurscht?


    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann wäre also mein Vater 1944 mit einem MG auf einer Zweibeinlafette vorgerückt, also besser bewaffnet, als die übrigen Infanteristen?


    Gruß Wolfgang

    Grüß Gott,


    in einer ganzen Reihe Kriegsfilmen und Wochenschauen sieht man das MG 34 auf einem Zweibein montiert, ich habe aber ein Foto von meinem Vater, der in einer MG-Kompanie im Krieg war, auf diesem Foto war allerdings das MG auf einer Lafette mit Rückenpolster, wie ich im LdW gesehen habe, waren im Kampf beide Montagen möglich. Mein Vater erwarb das EK I am 28.04.1944 für das "Ausheben eines Russennestes mit blanker Waffe", mein Vater erzählte mir, daß dies so geschrieben sei, damit er das EK I kriege, aber schon länger frage ich mich, ob das logisch ist: Aus seinem MG-Stand wäre er dann auf das "Russennest" zu gerannt, mit nichts weiter als einer "Blankwaffe", warum sollte ein Soldat sowas tun, statt so einen Angriff seinen besser bewaffneten Kameraden überlassen?


    Meine Frage: wann und mit welcher Lafette nahm ein MG-Schütze an einem Angriff teil?


    Gruß Wolfgang

    Hallo Frank,



    mein Opa erzählte mir vor seinem Tod viele Sachen aus seiner Kreigszeit, einiges hat sich dabei als etwas falsch bzw Übertreibung herausgestellt.

    immer schön zurückhaltend bleiben mit Werturteilen über die Erzählungen der Kriegsteilnehmer. Wenn sie nicht passen zum historisch belegbaren Ablauf, dann liegt das zum einen, daran, daß nicht alle Soldaten die Lage in ihrem Frontabschnitt kannten, erst recht dürfte einem VB schwergefallen sich ein eigenes Bild über die Situation beim Nachschub zu machen, seine Kenntnis, die er jetzt auch nur wiedergeben kann, beschränkten sich auf damals umlaufende Gerüchte. Da Stalin an der Ostfront einen asymmetrischen Krieg aufziehen ließ, weil er gesehen hat, daß er seine Westfront gegen die gut durchorganisierte Wehrmacht nicht halten konnte. Aber gerade dieses Wohldurchorganisiertsein war eine Schwachstelle, in die Stalin mit Partisanen hinter der deutschen Front eindringen wollte und sie in der Tat schwächen konnte, so weit ist also die Erzählung Deines Opas nachvollziehbar. Daß man Dörfer in denen man Partisanen vermutetet hat, abgebrannt hat, war an der ganzen Ostfront die übliche Vorgehensweise, in Weißrussland und der Ukraine haben Russen und Deutsche sich gegenseitig Dörfer abgebrannt, dieser Teil der Erzählung Deines Opas ist also auch nachvollziehbar und daß man die Partisanen nicht gefunden hat, na ja gut, die Wehrmacht fand ja nicht einmal russische Soldaten, nachdem sie im Wald verschwunden waren und in einem Dorf konnten sie in Frauenkleider herumlaufen, also ist passig die ganze Erzählung Deines Opas.


    Ich habe die Erzählungen meines Vaters anhand Wehrmachtsunterlagen nachvollzogen und kam zu der Erkenntnis, daß er eher untertrieben hat.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Robert,


    wir alle im Threat sind Brillenträger und darüber einig, daß unsere Treffsicherheit nicht die Brille beeinträchtigt würde oder wurde, mir ging es nicht um das Faktische, sondern um die Zuordnung, die die Wehrmacht hier getroffen hat und diese Frage ist durch mehrere Beiträge beantwortet.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Micha,


    um das fraglos NS-geprägte Bundesdeutschland der 60er-Jahre zu verteidigen, ich habe in Erinnerung eine Szene, die in Heilbronn im Bus abgespielt hat, ein für mich damals alter Mann in Zivil stieg zu und rief im Befehston sogleich "Hinsitzen will ich" , aber niemand räumte sein Sitzplatz, dann hörte ich von einem Fahrgast: "Nein, nein R., es ist nicht so, wie früher!", dem stimmte viele Fahrgäste zu, ich verstand nicht, was da vor sich ging, meine Mutter erklärte mir, daß der Mann ein bekannter NS-Funktionär war.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Manfred,


    aber genau solche Menschen wie du die hinter jedem Wort oder jeder Redewendung sofort einen Nazivergleich suchen oder finden,

    die holen solche Klischees aus der Kiste.

    Ich suche keineswegs, sondern werde viel zu oft fündig; denn jede scheinbar beiläufige Bemerkung ist gefährlich, lass mal weltweit die Börsen krachen, wie 1929, dann wird der Neid auf alle, die gut mit Geld umgehen können zu dem schon gehabten Ergebnis, daß scheinbar harmlose Bemerkungen, sich zu etwas verdichten, was man für die Wahrheit hält, daher Eberhard ich halte mein eigentlich ja Eingeständnis, daß Artur Brauner Geld verdienen wollte, für ganz und gar nicht banal.


    Die Entwicklung dieses Threats zeigt mir, daß unsere heutige Gesellschaft einen dringenden Diskussionsbedarf über die Entwicklung des Antisemitismus im III. Reich hat, es reicht nicht die Nürnberger Gesetze oder Hitlers und Goebels Hassreden zu beleuchten, das war erst das Ergebnis einiger platten Bemerkungen, nicht etwa aus Politikerkreisen, die NS-Ideologie ist zusammengesammelt aus verschiedene Quellen und daher nur sehr schwer inhaltlich zu greifen.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Justus,


    besser wäre, auf solche Formulierungen ganz zu verzichten. Damit wurde ja auch nicht getroffen, was ich meinte, es geht nicht darum, ob Geldverdienenwollen eine typische jüdische Eigenschaft, sondern darum, daß die Nazis dieses Klischee aufgestellt haben und wir dürfen nicht zulassen, daß diese wiederbelebt werden.


    Gruß Wolfgang