Posts by Wolfgang Grote

    Hallo Eberhard,


    Eine detaillierte Gesamtdarstellung der Operation Market Garden wirst du meiner Meinung nach höchstens in einer englischsprachigen Version finden können.
    Ich selber habe kein schriftliches Manuskript vorliegen sondern entnehme zu den einzelnen Punkte die Informationen hauptsächlich aus Orginaldokumenten der Deutschen und der Alliierten, soweit verfügbar.
    Ausserdem umfasst die Operation Market Garden eine Reihe von verschiedenen Schauplätzen, wie die Luftlandungen bei Einhoven, Nijmwegen und Arnhem, die deutschen Gegenmassnahmen bzw. Gegenangriffe östlich und westlich des britischen Durchbruchs, usw. Dies alles nun detailliert zu schildern, würden den Rahmen eines Buches sprengen.
    Buchautoren wie auch Verlage passen meistens die Bücher dem allgemeinen Leser an, der sich für die einzelnen Einsätze von Bataillonen und Regimentern nur wenig interessiert.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Eberhard,


    Es ist richtig, dass den Briten der Brückenkopf bei Neerpelt als Ausgangspunkt diente für die Bodenoffensive im Rahmen der Operation Market Garden.
    Da ich im Laufe der Jahre eine Menge an offiziellen Dokumenten der Alliierten und auch zum Teil auch von der deutschen Seite gesammelt habe, kann ich die Operation Market Garden ziemlich genau dokumentieren.
    Leider machen sich sehr viele Buchautoren meist nicht die Mühe tiefgründig zu recherchieren. Aus diesem Grunde bin ich bei der Auswahl von Büchern sehr wählerisch und verlasse mich meist auf die Informationen, die sich in den offiziellen Dokumenten befinden. In der Vergangenheit habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Fehler und falsche Informationen aus der Vergangenheit immer noch von einem Buch auf das andere Buch übertragen werden, obwohl heute ein Grossteil der Archive der Öffentlichkeit zugänglich ist.
    Gruss


    Wolfgang

    Guten Abend Eberhard,


    Am 17.09.1944 waren es effektiv die Irish Guards, die die Angriffsspitze des XXX. Britischen Korps bildeten.
    Ebenfalls wurden Major Veith und sein Adjudant, Unteroffizier Hans Meier, am 16.09.1944 durch Artilleriefeuerf der Briten getötet; der Bataillonsgefechsstand des Luftwaffen-Bewährungsbataillon 6 z.b.V. erhielt an diesem Tag einen Volltreffer.
    In Bezug auf den Brückenkopf bei Neerpelt gibt es eine Vorgeschichte. Am 10.09.1944 abends konnte das 3. Bataillon der Irish Guards (Kommandeur Oberstleutnant J.O.E. Vandeleur) die Strassenbrücke bei Neerpelt an der Strasse Hasselt - Eindhoven im Handstreich nehmen. Südlich der Brücke befand sich lediglich ein Flakkampftrupp mit 2 8,8 cm-Geschützen der schweren Flak-Abteilung 602 RAD und schwache Infanteriekräfte. Die Briten konnten mühelos die deutschen Verteidiger überrumpeln und dort den Maas-Schelde-Kanal überschreiten.
    Der Verlust der Brücke wurde am 11.09.1944 um 01.35 Uhr von Oberst Halberstadt, Kommandeur der 18. Flak-Brigade, gemeldet. Um den weiteren Vormarsch der Briten zu stoppen, wurden zur Abriegelung des Brückenkopfs das I. Bataillon (Major Kerutt) des Fallschirmjägerregiments von Hoffmann nördlich des Durchbruchs nach Valkenswaard geschickt, gefolgt von dem Luftwaffen-Bewährungs-Bataillon 6 z.b.V. (Major Veith).
    Bereits am 11.09.1944 starteten die Deutschen ihren ersten Versuch die von den Briten bei Neerpelt eroberte Brücke zu vernichten.
    Am 11.09.1944 um 10.23 Uhr erhielt Generalleutnant Chill, Kommandeur der Kampfgruppe Chill (85. Infanterie-Division) den Auftrag eine Kampfgruppe unter dem Kommando von Hauptmann von Hütz zu bilden, mit dem Auftrag die Brücke südlich des Kanals aus Richtung Lommel anzugreifen und zu sprengen.
    Diese Kampfgruppe setzte sich aus dem IV. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 6 zusammen, das von 8 Sturmgeschützen der 2. Kompanie der schweren Panzerjägerabteilung 559 unterstützt wurde. Dieser Angriff schlug fehl und die Kampfgruppe Hütz musste sich wieder zurückziehen. Die Kamgruppe verlor bei dem Angriff 5 Sturmgeschütze und 2 8,8 cm-Geschütze.
    Um den Brückenkopf schliesslich abriegeln um ihm im Anschluss vernichten zu können, mussten weitere Kräfte herangeführt werden. Die Verstärkungen erreichten aber erst ihr Ziel nach dem 13.09.1944. Weitere Versuche von Norden her den Brückenkopf zu vernichten, erfolgten erst am 14.09.1944 :
    - Angriff des Fallschirmjägerregiments 6 von Westen gegen den Brückenkopf.
    - Angriff des Luftwaffen-Bewährungs-Bataillon 6 z.b.V. unterstützt von 6 Sturmgeschützen der schweren Panzerjägerabteilung 559 von Norden gegen den Brückenkopf.
    Beide Angriffe scheiterten. Schliesslich war der Brückenkopf von Neerpelt wie folgt abgeriegelt :
    - Im Westen durch das Fallschirmjägerregiment 6, das der Kampfgruppe von Hoffmann seit dem 13.09.1944 unterstand.
    - Im Norden durch das Luftwaffen-Bewährungs-Bataillon 6 z.b.V.
    - Im Osten durch die SS-Kampfgruppe Heinke
    - Im Nordwesten, seit dem 12.09.1944, durch das I. Bataillon des Fallschirmjägerregiments "Hoffmann", verstärkt durch die 14. Panzerjägerkompanie des Regiments mit 10 fabrikneuen 7,62 cm-Panzerabwehrwehrgeschützen, unter dem Kommando von Hauptmann Brockes.
    Gruss


    Wolfgang

    Guten Morgen Eberhard,


    Nachstehend noch ein paar Einzelheiten in Bezug auf das Fallschirmjägerregiment "Hoffmann" :
    Dieses Regiment lief unter dem Namen "Fallschirmjäger-Ausbildungs-Regiment von Hoffmann" und wurde am 05.09.1944 von Halberstadt und Wittstock in Richtung Tilburg abtransportiert, wo es am 07.09.1944 ankam. Das I. Bataillon unter dem Kommando von Major Helmut Kerutt bezog Quartier in Udenhout und das II. Bataillon unter dem Kommando von Oberstleutnant Stephan in Goirle.
    Das Regiment stand unter dem Kommando von Oberst Helmuth von Hofmann und setzte sich aus Fernmeldern der Luftwaffe, Besatzungen von Flak-Geschützen und Bodenpersonal der Luftwaffe zusammen. In den Niederlanden ankommen, erhielt Oberst von Hoffmann den Auftrag aus diesem bunt zusammengewürfelten Haufen eine Kampftruppe zu bilden, was angesichts des ihm zur Verfüng stehenden Personal eine schier unmögliche Aufgabe war. Zu allem Überfluss kam erschwerend hinzu, dass ausser Major Kerutt weder der Regimentskommandeur noch die übrigen Offiziere über jedwelche Kampferfahrung verfügten. Nur die Ausrüstung an Panzerfäusten und Ofenrohren war ausreichend.
    Bereits am 11.09.1944, also 4 Tage nach der Ankunft, wurde bereits das I. Bataillon (Major Kerutt) an die Front im belgisch-niederländischen Grenzraum geschickt, um die Strasse nach Eindhoven zwischen der belgisch-nierländischen Grenze und Valkenwaard zu sichern. Das Regiment erhielt den Auftrag mit allen dort zur Verfügung stehenden Einheiten den von den Briten bei Neerpelt gebildeten Brückenkopf abzuschirmen. Als grösste Verstärkung erhielt Oberst von Hoffmann für diese Aufgabe das Luftwaffen-Bewährungs-Bataillon 6 z.b.V. unter dem Kommando von Major Veit. Es handelte sich hierbei um eines der schlechtesten Bataillone, die an die Front geschickt wurden; es bestand aus degradierten Offizieren und Unteroffizieren der Luftflotte 4, die lediglich mit Handfeuerwaffen ausgerüstet waren. Für den 13.09.1944 wurden Oberst von Hoffmann 2 Kompanien der leichten Panzerjäger-Abteilung 4 sowie die SS-Kampfgruppe "Heinke" in Aussicht gestellt. Das Regiment wurde daraufhin in Kampfgruppe "von Hoffmann" umbenannt.
    Da man seitens der 1. Fallschirm-Armee der Meinung war, dass Oberst von Hoffmann mit der ihm gestellten Aufgabe überfordert ist, wurde er am 14.09.1944 durch den kampferfahrenen Oberst Erich Walther ersetzt. Oberst von Hoffmann selbst erhielt dans Kommando über den Stab General zur besonderen Verfügung 2 mit dem Auftrag entlang des Wilhelmina-Kanals eine Verteidigungslinie aufzubauen. Die Kampfgruppe unter dem Kommando von Oberst Walther erhielt den Status einer Division.
    Der Angriff des XXX. Britischen Korps am 17.09.1944 im Rahmen der Operation Market Garden traf das I. Bataillon unter dem Kommando von Major Kerutt und das Luftwaffen-Bewährung-Bataillon 6 z.b.V. unter Major Veit. Im Anschluss wurden die beiden Bataillone des Regiments getrennt. Das I. Bataillon blieb bei der Division "Walther" und kämpfte östlich des britischen Durchbruchs; das II. Bataillon ("Stephan") befand sich auf der westlichen Seite des britischen Durchbruchs und wurde dem Fallschirmjäger-Regiment 6 (Oberstleutnant von der Heydte) unterstellt, um die vorangegangenen Verluste und die Abgabe des II. Bataillons des Fallschirmjäger-Regiments 6 an die 15. Armee zu kompensieren.
    Gruss


    Wolfgang

    Kleine Korrektor zu meinem letzten Beitrag : Das von mir irrtümlich gesetzte Smiley soll eine 8 bedeuten; Sorry.


    Guten Abend Eberhard,


    Den Einsatz von deutschen Fallschirmjägern im Rahmen der alliierten Operation "Market Garden" beziehe ich mehr auf den Einsatz der Division "Walther" gegenüber dem XXX. Britischen Korps zwischen der belgischen Grenze und Eindhoven.
    Die Division "Walther" (Oberst Erich Walther, ehemaliger Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 4)) hatte ursprünglich den Auftrag den britischen Brückenkopf bei Neerpelt im belgisch-niederländischen Grenzraum zu vernichten. Hierfür waren der Division die folgenden Einheiten unterstellt :
    - Fallschirmjägerregiment "Hoffmann" (Kommandeur Oberst Hoffmann)
    - Fallschirmjägerregiment 6 (Kommandeur Oberstleutnant von der Heydte)
    - Luftwaffen-Strafbataillon 6
    - Teile der 10.SS Panzerdivision "Frundsberg" als Kampfgruppe "Heinke" zusammengefasst (Kommandeur SS-Sturmbannführer Heinke)
    Nachdem die Division "Walther" am 15. und 16.09.1944 erfolglos den Brückenkopf bei Neerpelt angegriffen hatte, wurde die Division am 17.09.1944 um 15.00 Uhr nach einstündigem Artilleriefeuer von dem XXX. Britischen Korps im Rahmen der Operation "Market Garden" aus dem Brückenkopf heraus frontal angegriffen. Die Briten konnten die Front der Division "Walther" durchbrechen und erreichten am 18.09.1944 um 19.00 Uhr die nördlich von Eindhoven abgesprungene 101.US-Luftlandedivision. Zwischenzeitlich wurde Oberst Hoffmann mit der Verteidigung von Einhoven beauftragt, was aber mit den ihm zur Verfügung stehenden Truppen nicht möglich war.
    Gruss


    Wolfgang

    Guten Abend Karl,


    Mit meinem Beitrag wollte ich eigentlich nicht auf die Frage hinsichtlich der Vermissten antworten sondern auf die von Eddie am 03.03.2017 formulierte Frage, ob der Einsatz der Fallschirmjäger im Zusammenhang mit dem Abzug von Wehrmachtseinheiten steht, was definitiv nicht der Fall war.
    Was nun die hohe Anzahl an Vermissten bei den in den Niederlanden eingesetzten Fallschirmjägern betrifft, denke ich eher, dass es sich hierbei um von den Alliierten eingebrachte Gefangene handelt, die bei den deutschen Verlustmeldungen als Vermisste aufgeführt wurden. Auch wenn die Fallschirmjäger im September 1944 in Belgien und in den Niederlanden den britischen Truppen schwer zu schaffen machten, fiel die Kampfmoral dieser Einheiten während der darauffolgenden Monate, denn die Regimenter blieben von September 1944 bis zur Kapitulation am 08.05.1945 ununterbrochen an der Westfront im Einsatz.
    Dies hatte letztendlich zur Folge, dass viele Soldaten eine Gefangennahme durch die Engländer bzw. Kanadiern dem Heldentod vorzogen.
    Meiner Meinung nach ist es schwierig unserem Kollegen Eddie auf seine ursprünglich gestellte Frage eine klare Antwort zu geben, denn die Formulierung "hohe Anzahl an Vermissten" ist ein dehnbarer Begriff angesichts der Tatsache, dass den britischen und kanadischen Kräften zur Jahreswende 1944/1945 im deutsch-niederländischen Grenzraum am Niederrhein nicht weniger als 4 Fallschirmjägerdivisionen (2, 6, 7 und 8 ) gegenüberstanden und nur 3 Infanterie-Divisionen (84, 180 und 190) der Wehrmacht.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Eddie,


    Der Hintergrund, dass viele deutsche Fallschirmjäger-Einheiten 1944 im Norden von Belgien bzw. später in den Niederlanden zum Einsatz kamen, ist die Tatsache, dass in den Monaten Juli und August 1944 in Frankreich ein Grossteil der im Westen eingesetzten deutschen Divisionen fast vollständig vernichtet wurde. Anfang September 1944 wollte man auf der deutscher Seite dem schnellen Vormarsch der Alliierten am Albertkanal in Belgien und am Westwall ein Ende zu setzen. Während es am Westwall möglich war die dort eingesetzten deutschen Divisionen mit Ersatz- und Ausbildungseinheiten sowie Festungs-MG-Bataillonen und Luftwaffen-Festungsbataillonen aufzufüllen, standen für die Besetzung der Stellungen am Albert-Kanal nicht genügend Einheiten der Wehrmacht zur Verfügung. Dem LXXXV. Armeekorps, das mit 2 Divisionen (347. und 719. Infanterie-Division) aus den Niederlanden in den Raum Antwerpen verlegt wurde, musste bereits die 347. Infanterie-Division abgeben, um den Durchbruch der Alliierten in Belgien im Raum Charleroi-Namur aufzuhalten.
    Dem LXXXVIII. Armeekorps blieb für die Verteidigung des Albertkanals nur die 719. Infanterie-Division sowie die aus Versprengten zusammengestellte Kampfgruppe Chill (85. Infanterie-Division) zur Verfügung. Aus diesem Grunde wurden im September 1944 eine Reihe von aktiven Fallschirmjägereinheiten (I. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 2 unter dem Kommando von Hauptmann Finzel und das gesamte Fallschirmjägerregiment 6 unter dem Kommando von Oberstleutnant von der Heydte) sowie Fallschirmjäger-Ersatz- und Ausbildungsregimenter in den Norden von Belgien verlegt. So wurde im September 1944 die Fallschirmjägerdivision "Erdmann" (später 7. Fallschirmjägerdivision) aus den Fallschirmjägerregimentern "Menzel", "Grassmehl" und "Löyveld-Hardegg" gebildet. Weitere Fallschirmjägerregimenter waren das Regiment "Hübner" (später Fallschirmjägerregiment 24 der 8. Fallschirmjäger-Division) und die Regimenter "Hoffmann" und "Greve". Alle diese Regimenter waren später in den Monaten Oktober und November 1944 in den südlichen Niederlanden im Einsatz und waren an den grossen Kampfhandlungen beteiligt ("Market Garden" und Overloon). Ebenfalls kämpften deutsche Fallschirmjäger 1945 verbissen an der Maas bei Venlo und Roermond.
    Der deutschen Wehrmacht gelang es im September 1944 mit Hilfe der Fallschirmjäger den britischen Vormarsch am Albert-Kanal vorläufig zu stoppen und die Briten wurden im Raum Geel durch das Fallschirmjägerregiment 6, das durch die schwere Panzerjäberabteilung 559 unterstützt wurde, in eine der für die Briten verlustreichsten Schlacht des zweiten Weltkriegs verwickelt. Letzendlich konnten aber die deutschen Fallschirmjäger den Vormarsch der Alliierten nicht dauerhaft stoppen.
    Gruss


    Wolfgang

    Fortsetzung : 09.03.1945 - 11.03.1945 :
    Am 09.03.1945 meldete das II. Fallschirmjäger-Korps die Situation wie folgt :
    Gegner steht knapp westlich der Strasse Birten - Rheinberg; Einbruch bei Menzelen ist nicht geklärt.
    Gemäss Schreiben Generalkommando II. Fallschirm-Korps, Führungsgruppe Ia Nr. 10374/45 g.Kdos vom 9.3.1945 wird mitgeteilt :
    1) Feind greift weiterhin in unverminderter Stärke den Brückenkopf Wesel an.
    2) Generalkommando II. Fallschirm-Korps hält mit Führerbefehl die bisherige Linie. Gliederung wie bisher.
    Die Trennungslinie zwischen 6. und 8. Fallschirmjägerdivision ändert sich wie folgt :
    Perrich (zu 6.) - Ginderich (zu 6.) - Bahnhof Menzelen (Nord) - Kirkenkamp (hier Anschlusspunkt)
    Mit Fernschreiben Generalkommando II. Fallschirm-Korps Ia Nr. 10376/45 g.Kdos vom 9.3.1945 wird befohlen :
    1) Da jederzeit mit einem feindlichen Panzerdurchstoss an die Rheinbrücken gerechnet werden muss, werden die Strassen- und Eisenbahnbrücken bei Wesel am 10.3 - 07.00 Uhr vorsorglich gesprengt.
    2) Flak-Artillerie ist am Nordufer des Rheins so in Stellung zu bringen, dass neben der Unterstützung der Truppe im Erdkampf Luftzielbeschuss gewährleistet ist. Die leichten und mittleren Batterien sind zum Schutze der Fährstellen einzusetzen.
    Auf amerikanischer Seite setzte die Task Force Byrne (verstärktes 320. Infanterie-Regiment) am 09.03.1945 um 07.00 Uhr den Angriff fort, aber starker deutscher Widerstand verhinderte den gesamten Vormittag über ein weiteres Vorgehen. Mit einem erneuten Angriff um 16.30 Uhr konnte das 1. Bataillon um 23.00 Uhr Drüpt erobern und das 2. Bataillon konnte Hillmannshof besetzen. Damit hatte das verstärkte 320. Infanterie-Regiment seinen Auftrag erfüllt und wurde durch das 134. Infanterie-Regiment der 35. US-Infanterie-Division abgelöst. Das 3. Bataillon des 320. Infanterie-Regiments löste das 2. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments als Bewachungseinheit für die Brücken an der Hauptversorgungsstrasse ab und das 2. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments bildete die Regimentsreserve. Das 1. und 3. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments, denen die C-Kompanie des 18. Panzerbataillons der 8. US-Panzerdivision zugeteilt war, marschierten durch die Linien des 320. Infanterie-Regiments für die weiteren Angriffsoperationen gegen Wesel am kommenden Tag. Die Ablösung des 320. Infanterie-Regiments durch das 134. Infanterie-Regiment war am 09.03.1945 um 24.00 Uhr beendet. Am 10.03.1945 wurde die Task Force Byrne aufgelöst und das 320. Infanterie-Regiment bildete in der Gegend von Sevelen die Divisionsreserve der 35. US-Infanterie-Division.
    Die Task Force Murray setzte den Angriff am 09.03.1945 um 07.00 Uhr fort. Die Kampfgruppe 2 beendete den letzten Widerstand in Ossenberg während die Kampfgruppe 1 bis an den östlichen Rand von Millingen vorstiess. Die Kampfgruppe 3 wurde von starkem feindlichen Feuer, das vom östlichen Ufer des Rheins kam, niedergehalten.
    Die Situation auf deutscher Seite am 09.03.1945 um 17.50 Uhr sah wie folgt aus :
    - Frontverlauf : Strasse Birten - Rheinberg
    - Die 80 Tonnen-Fähre in Büderich war zerstört, die Schlauchbootfähre war weiterhin einsatzbereit
    - In Perrich waren die 4 Tonnen-Fähre und Boote vorhanden
    - Die Weseler Brücken werden 10.03.1945 um 07.00 Uhr gesprengt
    - Im Notfall sind alle Fahrzeuge zu sprengen
    - Zur Nacht war die Rücknahme der Front bis auf die Artillerie-Schutzstellungen vorgesehen.
    Der Befehl zur Räumung des Brückenkopfs von Wesel traf schliesslich am 09.03.1945 um 21.20 Uhr ein.
    Bei anderen Einheiten, wie z.Bsp. bei dem Grenadierregiment 1052, traf der Befehl erst am 10.03.1945 um 03.30 Uhr ein. Die Absetzbewegung des Regiments begann um 05.00 Uhr und das Übersetzen über den Rhein erfolgte um 07.00 Uhr.
    Bei der 116. Panzerdivision begann die Absetzbewegung ebenfalls um 05.00 Uhr, aber erste Einheiten der Division setzten bereits um 03.00 Uhr bei Pottdeckel (2,5 Km südlich von Büderich) mit Flosssackfähren über den Rhein. Die Fussteile der Division setzten ebenfalls mit den Flosssackfähren bei Pottdeckel über den Rhein. Die letzten Teile der Haupttruppen überquerten den Rhein um 06.15 Uhr; die Nachtruppen folgten um 07.00 Uhr. Um 07.30 Uhr war der letzte Mann der Division aus dem Brückenkopf heraus. Die Alliierten hatten die Absetzbewegungen der deutschen Truppen nicht erkannt.
    So konnte das II. Fallschirmjäger-Korps am 10.03.1945 melden :
    In der Nacht vom 10.3.1945 bis gegen Mittag wurde der Brückenkopf Wesel von Generalkommando II. Fallschirm-Korps und unterstellten Truppen planmässig geräumt. Es wurden sofort Stellungen auf der rechten Rheinseitz bezogen. Die Absetzbewegung selbst verlief reibungslos. Der Gegner drückte nur zögernd nach. Artillerie-Störungsfeuer war an der Brücke etwas stärker, sonst im allgemeinen tragbar.
    Neuer Frontverlauf : Rheingrenze von Emmerich nach Wesel.
    Eigene Absicht : Halten der Rheingrenze auf jeden Fall.
    Bei der Task Force Murray rückte am 10.03.1945 das 3. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments gegen nur leichtem Widerstand nach Norden und die K-Kompanie besetzte um 10.40 Uhr Wallach. Das 1. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments setzte währenddessen die Säuberung des Südwestens von Ossenberg fort. Damit endete der Auftrag der Task Force Murray und die Bataillone übernahmen Überwachungsaufgaben am Rheinufer.
    Am 10.03.1945 um 22.20 Uhr schied das Combat Command B der 8. US-Panzerdivision aus dem Unterstellungsverhältnis bei der Task Force Murray aus.
    Das 3. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments marschierte am 10.03.1945 um 06.15 Uhr durch die Linien des 1. Bataillons des 320. Infanterie-Regiments und griff nach Nordosten an, um die Stadt Borth zu erobern. Die vorderen Teile der L-Kompanie erreichten die Aussenbezirke der Stadt um 07.20 Uhr und rückten weiter nach Nordosten vor während die K-Kompanie die Stadt säuberte. Gegen Mittag marschierte die I-Kompanie durch die Linien der L-Kompanie um Büderich einzunehmen. Büderich war um 16.10 Uhr vollständig erobert. Später am Tag schickte das 3. Bataillon Spähtrupps in Richtung der Brücken über den Rhein und zu dem Fort Blücher auf der westlichen Rheinseite. Die Spähtrupps erreichten in der Dämmerung die bereits von den deutschen gesprengten Brücken.
    Das 1. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments griff am 10.03.1945 um 09.45 Uhr von Millingen aus nach Nordosten und schickte um 12.55 Uhr an den Flanken Spähtrupps aus um den Kontakt zu den Nachbareinheiten herzustellen. Kontakt und Verbindung wurde zu der links operierenden 52. Britischen Infanterie-Division hergestellt. Das 2. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments bildete den 10.03.1945 über die Regimentsreserve.
    Das 291. Infanterie-Regiment der 75. US-Infanterie-Division besetzte am 10.03.1945 weiterhin die rechte Flanke der 35. US-Infanterie-Division.
    Am Ende des 10.03.1945 betrachteten die Amerikaner den deutschen Widerstand am Westufer des Rhein als erloschen. In der Enphase der Kämpfe um den Brückenkopf von Wesel kämpfte die 35. US-Infanterie-Division hauptsächlich gegen die folgenden Einheiten der 190. Infanterie-Division :
    - 1224., 1225. und 1226. Infanterie-Regiment
    - 1190. Füsilierbataillon
    - 890. Artillerie-Regiment.
    Am 11.03.1945 befand sich die Hauptkampflinie des II. Fallschirmjäger-Korps entlang des Rheins zwischen Emmerich und Wesel.
    Unterstellt waren dem Korps :
    - Die 6., 7. und 8. Fallschirmjäger-Division
    - Die 84. und 245. Infanterie-Division.
    Die 116. Panzerdivion schied aus dem Unterstellungsverhältnis aus und wurde wieder zusammen mit der 15. Panzergrenadier-Division dem XXXXVII. Panzerkorps unterstellt. Das XXXXVII. Panzerkorps bildete die Reserve der Heeresgruppe H mit den folgenden Aufgaben :
    1) Vorbereitung des Einsatzes gegen einen feindlichen Angriff :
    a) im Raum von Arnheim
    b) über den Pannerdenschen Kanal südostwärts von Arnheim
    c) bei Emmerich
    d) bei Rees
    e) bei Wesel
    2) Abwehr einer feindlichen Luftlandung im Unterkunftsbereich
    3) Vorbereitung eines Angriffs gegen luftgelandeten Feind im Raum Duisburg - Emmerich - Winterswijk - Dorsten.
    Am 11.03.1945 um 09.00 Uhr rückte ein Zug der I-Kompanie des 3. Bataillons des 134. Infanterie-Regiments weiter vor, um Fort Blücher zu erobern. Nach einem Feuergefecht von lediglich 2 Minuten ergab sich die deutsche Besatzung den Amerikanern.
    Am 11.03.1945 schied das 291. Infanterie-Regiment aus dem Unterstellungsverhältnis bei der 35. US-Infanterie-Division aus und kehrte zur 75. US-Infanterie-Division zurück.
    Am 12.03.1945 wurde das 3. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments durch die 157. Britische Brigade der 53. Britischen Division abgelöst und versammelte sich in der Gegend von Borth. Das 1. Bataillon des 134. Infanterie-Regiments wurde am gleichen Tag um 16.10 Uhr von dem 290. Infanterie-Regiment der 75. US-Infanterie-Division abgelöst und versammelte sich in der Gegend von Millingen. Das 134. Infanterie-Regiment begab sich noch am gleichen Tag zur Auffrischung in die Gegend von Birkholz (Raum Venlo); dort kam es um 20.30 Uhr an.
    Am 11. und 12.03.1945 blieb das 137. Infanterie-Regiment der 35. US-Infanterie-Division in Stellungen entlang des Rheinufers. Das 3. Bataillon lag in Wallach und Borth; das 2. Bataillon befand sich in Ossenberg und das 1. Bataillon lag südwestlich von Ossenberg.
    Am 12.03.1945 um 21.35 Uhr wurde das 137. Infanterie-Regiment durch das 290. Infanterie-Regiment der 75. US-Infanterie-Division abgelöst und begab sich am 13.03.1945 zusammen mit den Restteilen der 35. US-Infanterie-Division zur Auffrischung in den Raum südlich und südöstlich von Venlo.
    Es war das erste Mal seit der Landung in Frankreich, dass die 35. US-Infanterie-Division eine Ruhestellung beziehen konnte.
    Ende.

    Fortsetzung : 08.03.1945
    Am Morgen des 08.03.1945 gab das II. Fallschirmjäger-Korps, das seit dem 07.03.1945 das Kommando über den gesamten Brückenkopf von Wesel führt, am Morgen des 08.03.1945 den Frontverlauf wie folgt an :
    Südausgang Lüttingen - Ostrand Xanten - Schrammshof - Winnenthal - Bergmannshof - Alpen - Nordausgang Millingen - Haus Hamm.
    Am 08.03.1945 um 06.30 Uhr griffen das 1. und 2. Bataillon des 320. US-Infanterie-Regiments (Task Force Byrne) die deutschen Stellungen an und eroberten Huck und Millingen. Anschliessend säuberte das 2. Bataillon Millingen und rückte weiter nach Nordwesten auf Durpt vor, das Tagesziel für den 08.03.1945.
    Die von der Task Force Murray aufgestellte Kampfgruppe 2, unter dem Kommando von Oberstleutnant Butler, stellte eine Angriffsgruppe unter dem Kommando von Oberleutnant Willard Pulliam zusammen, die aus der I-Kompanie des 137. US-Infanterie-Regiments, einem Zug Kampfpanzer der 8. US-Panzerdivision sowie einem Zug Panzerjäger des 809. Panzerjägerbataillons bestand, und griff am 08.03.1945 um 07.00 Uhr an, um Ossenberg einzunehmen. Die Angriffsgruppe erreichte bei Tageslicht die Stadt, wurde aber von einem deutschen Gegenangriff zurückgedrängt. Bei einem erneuten Angriff konnte die amerikanische Angriffsgruppe die Solvay-Werke erreichen. Dort aber erhielten sie starkes Feuer der sich verteidigenden Einheiten der 116. Panzerdivision sowie schweren deutschen Artilleriebeschuss und wurde in schwere Kämpfe verwickelt. Die Angriffsgruppe unter dem Kommando von Oberleutnant Willard Pulliam vernichtete an diesem Tag nach eigenen Angaben 2 feindliche Panzer und ein Sturmgeschütz. Eine zweite amerikanische Angriffsgruppe der Kampfgruppe 2 der Task Force Murray rückte auf den westlichen Rand von Ossenberg vor und sah sich ebenfalls schwerem deutschen Feuer ausgesetzt.
    Gegen Mittag des 08.03.1945 gelang es den deutschen Verteidigern die amerikanischen Angriffe zu stoppen und eine neue Abwehrlinie an der Strasse Grünenthal - Rheinberg aufzubauen.
    Das 291. Infanterie-Regiment der 75. US-Infanterie-Division beendete am Morgen des 08.03.1945 die Ablösung der 88th Cavalry Squadron und war ab 08.00 Uhr für die rechte Flanke der 35. US-Infanterie-Division verantwortlich. Das Regiment stellte eine Verbindung zu der rechts stehenden 84. US-Infanterie-Division her und das 88th Cavalry Squadron schied aus dem Unterstellungsverhältnis der 35. US-Division aus.
    Das 134. Infanterie-Regiment der 35. US-Infanterie-Division, das bisher die Divisionsreserve bildete, erhielt im Laufe des Nachmittags des 08.03.1945 den Befehl Teile des 320. Infanterie-Regiments abzulösen, aber die Ablösung wurde schliesslich auf Befehl der Division um 24 Stunden verschoben.
    Während der Kämpfe am 08.03.1945 identifizierte die 35. US-Infanterie-Division vor ihrer Front die folgenden deutschen Truppen :
    - 2. Fallschirmjägerdivision mit dem 2., 7. und 23. Fallschirmjägerregiment
    - 190. Infanterie-Division mit dem 1224., 1225. und 1226. Infanterie-Regiment
    - 116. Panzerdivision mit dem 60. und 156. Panzergrenadierregiment sowie dem unterstellten 18. Fallschirmjägerregiment der 6. Fallschirmjägerdivision.
    Die Lage der deutschen Verteidiger wurde immer aussichtloser, wie dies aus dem nachfolgend aufgeführten Telefongespräch vom 08.03.1945 abends zwischen dem Kommandeur der 116. Panzerdivision, General von Waldenburg, und dem kommandieren General des II. Fallschirmjäger-Korps, General Meindl, ersichtlich wird :
    Meldung von General von Waldenburg :
    1) Truppe ist demoralisiert. Sie hat nur einen Gedanken : "Wie kommen wir über den Rhein zurück ?"
    2) Offiziere und Truppe kennen sich nicht, da alles durcheinandergewürfelt. Kein inneres Gefüge.
    3) Die Masse der Führer ist ausgefallen, Truppe wird von fremden Offizieren geführt.
    4) Die Massierung der Artillerie auf engstem Raum ist nicht mehr zu verantworten. Durch Volltreffer in den Batterie-Stellungen treten laufend Totalverluste an Personal und Material ein. Artillerie kann die gleichen Aufgaben auch von drüben erfüllen. Vorschlag : Verlegung der Artillerie ostrheinisch.
    5) Division hat keinerlei Reserven mehr.
    6) Die Anhäufung von Stäben, die keine richtigen Führungsaufgaben haben, ist nicht mehr zu verantworten.
    7) Der Endkampf um den Brückenkopf bedeutet ein völliges Ausbrennen der letzten Stämme, so dass ein rascher Wiederaufbau der Division nicht gewährleistet ist.
    General Meindl, der durch den Führerbefehl, der die Verteidigung des Brückenkopfs vorsah, gebunden war, konnte nur wenig tröstlich antworten :
    1) Je enger der Raum, desto weniger Bewegungsfreiheit, daher muss unter allen Umständen die jetzige Linie gehalten werden.
    2) Division hat zu verhindern, dass der Gegner an der Strasse Rheinberg - Grünthal einbricht, Gefährdung der linken Flanke der 7. Fallschirmjägerdivision ...
    Das Ausbrennen der Kampftruppen zeigt auch die Tatsache, dass am 08.03.1945 die der 116. Panzerdivision unterstellten Kampfgruppe Poschinger nur noch etwa 12 Mann besass, mit denen ein Strassenkreuz nordwestlich von Ossenberg an der linken Flanke der Division gesichert wurde.
    Der Kommandeur des II. Fallschirmjäger-Korps General Meindl beantragte am 08.03.1945 erneut die Räumung des Brückenkopfs von Wesel, wie dies bereits General Schlemm, Kommandeur der 1. Fallschirm-Armee, der das II. Fallschirmjäger-Korps unterstand, einen Tag vorher getan hatte.
    Am 09.03.1945 wurde endlich vom OKW die Räumung des Brückenkopfs erlaubt, nachdem sich am 08.03.1945 ein Offizier des OKW selbst von der Lage überzeugt hatte.
    Fortsetzung folgt.

    Fortsetzung : 07.03.1945
    Am 07.03.1945 übernahm das II. Fallschirmjäger-Korps das Kommando über den gesamten Brückenkopf von Wesel und gab am Morgen den Frontverlauf wie folgt an : Westlich Lüttingen - Hollandshof - Ginstig - Westeralpen - Südrand Solvaywerke - Ossenberg.
    Während auf amerikanischer Seite das verstärke 137. Infanterie-Regiment (= Task force Murray) und das verstärkte 320. Infanterie-Regiment (= Task Force Byrne) sowie die 88th Cavalry Squadron im Einsatz waren, blieb das 134. Infanterie-Regiment der 35. Infanterie-division weiterhin in Reserve.
    Am 07.03.1945 um 14.00 Uhr wurde das 291. Infanterie-Regiment der 75. US-Infanterie-Division der 35. US-Infanterie-Division unterstellt. Dieses Infanterie-Regiment wurde an der rechten Flanke der 35. Infanterie-Division eingesetzt mit dem Auftrag die 88th Cavalry Squadron abzulösen, die ihren Auftrag die Säuberung des Gebiets nördlich von Orsoy abgeschlossen hatte.
    Die Task Force Byrne (= verstärktes 320. Infanterie-Regiment) nahm am 07.03.1945 um 07.00 Uhr ihren Angriff wieder auf und konnte Geländegewinne erzielen. Das 1. Bataillon des 320. Infanterie-Regiments stellt um 14.40 Uhr den Kontakt zum linken Nachbarn, der 53. Britischen Infanterie-Division, her während in der Zwischenzeit das 2. Bataillon des 320. Infanterie-Regiments den Ort Bauern einnahm.
    Die Task Force Murray (= verstärktes 137. Infanterie-Regiment) konnte am 07.03.1945 bis zu den Aussenbezirken von Ossenberg vorrücken, aber der weitere Vormarsch wurde dort durch heftiges Abwehrfeuer der sich verteidigenden deutschen Truppen gestoppt. Die deutschen Verteidiger waren fest entschlossen den Brückenkopf von Wesel westlich vom Rhein weiterhin mit allen Mitteln zu verteidigen. Auf der Strasse von Rheinberg nach Ossenberg erhielt das 137. Infanterie-Regiment den heftigsten Widerstand während der gesamten Operation und das verstärkte 3. Bataillon konnte nur sehr langsam vorrücken. Die Strasse erhielt daraufhin von den Amerikanern den Namen "88 Alley" (= 88 Allee, in Anlehnung an die 88 mm Flak-Geschütze, die von den Deutschen im Erdkampf eingesetzt wurden). Das 1. Bataillon des 137. Infanterie-Regiment traf ebenfalls den gesamten Tag auf heftigen Widerstand als die A-Kompanie durch die Wälder östlich von Ducksrath vorrückte und als sich die C-Kompanie den Eisenbahn-Gleisen südwestlich von Ossenberg näherte.
    Das 2. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments blieb in Rheinberg, um den Angriff entlang des Rheins am kommenden Tag vorzubereiten.
    Die Sicherungslinie der sich im Raum Millingen - Ossenberg verteidigenden 116. Panzerdivision wurde auf die Linie Ziegelei - Südrand Ossenberg zurückgenommen; weitere amerikanische Agriffe an diesem Tag konnte die 116. Panzerdivision durch den Abschuss von 5 amerikanische Panzer abweisen.
    Für den Angriff am 08.03.1945 wurde die Task Force Murray wie folgt umorganisiert :
    - Troop E, 88th Cavalry Squadron als selbstständig operierender Verband.
    - Kampfgruppe 1, unter dem Kommando von Major Frink, bestehend aus dem 1. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments, 1 Zug der B-Kompanie des 654. Panzerjäger-Bataillons, 1 Zug der A-Kompanie des 784. Panzerbataillons und 1 Zug der B-Kompanie des 60. Pionierbataillons. Auftrag dieser Kampfgruppe war es gegen die Strasse Millingen - Ossenberg vorzustossen.
    - Kampfgruppe 2, unter dem Kommando von Oberstleutnant Butler, bestehend aus dem 3. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments, der B-Kompanie des 809. Panzerjäger-Bataillons, dem 36. Panzerbataillons (ohne 1 Kompanie), und der B-Kompanie des 53. Pionierbataillons. Der Auftrag dieser Kampfgruppe bestand darin durch Ossenberg bis südwestlich von Menzelen vorzustossen, um anschliessend Menzelen einzunehmen und bis Gest vorzurücken.
    - Kampfgruppe 3, unter dem Kommando von Oberstleutnant Roseborough, bestehend aus dem 49. Gepanzerten Infanterie-Bataillon, dem 2. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments, der B-Kompanie (ohne 1 Zug) des 654. Panzerjäger-Bataillons, der B-Kompanie des 36. Panzerbataillons, der B-Kompanie (ohne 1 Zug) des 60. Pionierbataillons und der A-Kompanie (ohne 1 Zug) des 784. Panzerbataillons. Auftrag dieser Kampfgruppe war es auf der Strasse entlang des Rhein bis Borth vorzustossen, um von dort über die Strasse weiter nach Büderich bis Fort Blücher vorzurücken. Dort sollte die Kampfgruppe den Rhein überqueren und Wesel, das Endziel der Task Force Murray, einnehmen.
    Am 07.03.1945 kämpfte die 35. US-Infanterie-Division hauptsächlich gegen Einheiten der 2. Fallschirmjägerdivision, der 190. Infanterie-Division und der 116. Panzerdivision; es wurden ebenfalls Gefangene der Panzer-Lehrdivision, der 7. und 8. Fallschirmjägerdivision sowie verschiedener Festungs- und Flak-Einheiten eingebracht.
    Identifiziert wurden von der Division die folgenden Einheiten :
    - 2. Fallschirmjägerregiment der 2. Fallschirmjägerdivision.
    - 1224., 1225. und 1226. Infanterie-Regiment der 190. Infanterie-Division
    - 116. Panzeraufklärungsabteilung und Panzergrenadierregiment 60 der 116. Panzerdivision.
    Fortsetzung folgt.

    Hallo Thomas,


    Die schweren Teile der Versorgungskompanie (Instandsetzungswerkstatt usw.) wurden um den 11.12.1944 per Bahn nach Bitburg gebracht und bezogen dort auf dem Gelände der Brauerei Quartier bis zum Februar 1945.
    Von den übrigen Teilen der Kompanie gehe ich davon aus, dass sie sich mit dem Rest der Abteilung zuerst im Raum Cochem - Bullay befanden und am 14.12.1944 mit in dem Bereitstellungsraum der Abteilung Waxweiler - Neuerburg - Pronsfeld lagen.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Thomas,


    Zu dem Zeitpunkt als dein Urgrossvater ums Leben kam, war die schwere Panzerjägerabteilung 559 nicht mehr der Panzer-Lehrdivision unterstellt.
    Die Abteilung schied Ende Januar 1945 aus dem Unterstellungsverhältnis aus, da sie während 4 Wochen wegen Treibstoffmangel nicht eingesetzt werden konnte.
    Sie erhielt erst wieder in der zweiten Februarhälfte 1945 Treibstoff und wurde der 2. Panzerdivision unterstellt. Anschliessend wurden die kämpfenden Teile der Abteilung im Raum Daleiden gegen die 6. US Panzerdivision eingesetzt, die zum VIII. US-Korps gehörte.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Thomas,


    Die schwere Panzerjägerabteilung 559 bestand nur aus 3 Kampfkompanien, von denen die 1. Kompanie mit Jagdpanthern ausgerüstet war und die 2. und. 3 Kompanie mit Sturmgeschützen. Die V.-Kompanie war die Versorgungskompanie; diese Kompanie lag nicht im unmittelbaren Kampfgebiet.
    Gruss


    Wolfgang

    Fortsetzung.
    An der Verteidung von Rheinberg am 05.03.1945 waren neben der 116. Panzerdivision auch Restteile der Panzer-Lehrdivision beteiligt. Vor dem amerikanischen Angriff auf Rheinberg am 05.03.1945 lag die Panzer-Lehrdivision an der Südfront des Brückenkopfs von Wesel in der Linie Westrand Rheinkamp bis zum Wald westlich von Lohmannsheide; der Divisionsgefechtsstand befand sich in Vierbaum.
    Am 05.03.1945 wurde die 116. Panzerdivision der rechte Nachbar der Panzer-Lehrdivision, die Stellung in der Linie Rheinberg - Saalhoff bezog.
    Während der Kämpfe am 05.03.1945 griff die Panzer-Lehrdivision erfolgreich in die Kämpfe ein und schoss 3 amerikanische Panzer ab, musste aber auf die Linie Rheinberg - Eversael ausweichen.
    Durch die vorangegangenen Kämpfe war die Kampfkraft der einsatzbereiten Truppenteile der Panzer-Lehrdivision auf die Stärke eines Panzergrenadierbataillons und 2 Panzer mit insgesamt 600 Mann zusammengeschmolzen; diese Reste waren in der Kampfgruppe Poschinger (= Kommandeur des Panzergrenadier-Lehrregiments 902 Oberstleutnant Ritter von Poschinger) zusammengefasst. Nach dem Abzug des Divisionsstabs am 07.03.1945 wurden die Reste der Kampfgruppe Poschinger der 116. Panzerdivision unterstellt.
    Da die Brücke nördlich von Rheinberg in der Nacht vom 05. auf den 06.03.1945 von den sich zurückziehenden deutschen Truppen gesprengt wurde, wurde der Vormarsch der Task Force Murray (verstärktes 137. Infanterie-Regiment der 35. US-Infanterie-Division) um 18 Stunden verzögert. Die zerstörte Brücke wurde durch das 60. US-Pionierbataillon repariert; diese Arbeiten waren erst am 06.03.1945 um 18.30 Uhr abgeschlossen. Somit konnte die Task Force Murray ihren Vormarsch auf Millingen und Ossenberg erst wieder am 06.03.1945 um 19.00 Uhr aufnehmen.
    Während dessen rückte die Task Force Byrne (verstärktes 320. Infanterie-Regiment der 35. US-Infanterie-Division) weiter vor. Die Task Force Byrne griff am 05.03.1945 um 06.00 Uhr am linken Flügel der 35. US-Infanterie an und eroberte an diesem Tag im Kampf Haus um Haus Kamp und Kamperbrück sowie 2 unzerstörte Brücken über den Issumer Fleuth. Am 06.03.1945 um 07.00 Uhr setzte die Task Force Byrne ihren Angriff fort und eroberte um 10.00 Uhr Hogenhof, Saalhoff, Alpsray und Schmitshof. Dieser Angriff traf die Panzeraufklärungabteilung 116 und konnte erst am Bahnhof von Millingen zum Stehen gebracht werden. Dabei wurden 5 oder 7 amerikanische Panzer abgeschossen. Gegen Mittag des 06.03.1945 zogen sich die deutschen Verteidiger in eine neue Sicherungslinie zurück, die südlich der Siedlung II Bauernschaft - Südwest-Rand Millingen - Ostteil Vitten-Berg - West- und Südrand Lois-Berg verlief. Als Verstärkung erhielt die 116. Panzerdivision das II. Bataillon des Fallschirmjäger-Regiments 18, das südlich und südwestlich von Millingen eingesetzt wurde.
    Zur gleichen Zeit zogen sich die Reste der Panzer-Lehrdivision in die Linie Südrand Ossenberg - Rhein zurück.
    Noch am 06.03.1945 führten die Amerikaner 2 Angriffe von Rheinberg aus :
    - Das 1. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments griff links von Rheinberg an und wurde bei der Säuberung des Wald von Haus Heideberg, westlich von Ossenberg, in schwere Kämpfe verwickelt.
    - Das 3. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments mit dem 36. Panzerbataillon (abzüglich einer Kompanie), der B-Kompanie des 809. Panzerjäger-Bataillons und der B-Kompanie des 53. Pionierbataillons griffen am 06.03.1945 um 19.00 Uhr über die reparierte Brücke nördlich von Rheinberg mit dem Ziel Ossenberg an und konnten etwa 1500 m vorrücken.
    Fortsetzung folgt.

    Hallo Uwe,


    Nachstehend gebe ich dir bereits die Informationen, die ich bisher hinsichtlich der Heeresartillerie-Verbände finden konnte, die am Niederrhein im Einsatz waren :


    1) Unterstellte Heeresartillerie beim II. Fallschirmjäger-Korps - Zeitraum Januar 1945 - März 1945 :
    - schwere Festungsartillerie-Abteilung 1521 : War bereits am 04.01.1945 dem Korps unterstellt; Abgang am 19.01.1945.
    - Festungsartillerie-Abteilung 1505 : Zugang am 22.02.1945; Abgang am 13.03.1945
    - Festungsartillerie-Abteilung 1312 : Zugang am 22.02.1945; Abgang am 13.03.1945
    - Volkswerfer-Brigade 16 : Zugang am 31.01.1945; Abgang am 13.03.1945
    - Festungsartillerie-Abteilung 1152 : Zugang am 13.03.1945; Abgang am 17.03.1945
    - Volksartillerie-Korps 402 : Zugang am 13.03.1945; Abgang am 14.04.1945
    - schwere Heeresartillerie-Abteilung 763 : Zugang am 31.01.1945; Abgang am 22.02.1945; Zugang am 13.03.1945; Abgang am 14.04.1945


    2) Von der 35. US Infanterie-Division identifizierte Einheiten :
    - Festungsartillerie-Abteilung 1511 : Identifiziert am 03.03.1945; keine weiteren Informationen
    - Festungsartillerie-Abteilung 1513 : identifiziert am 05.03.1945; die Abteilung war der schweren Festungsartillerie-Abteilung 1521 unterstellt.
    - Festungsartillerie-Abteilung 1506 : identifiziert am 04.03.1945; die Abteilung war der 190. Infanterie-Division unterstellt und bestand aus 3 Batterien mit je 4 Geschützen 105 mm; Abteilungskommandeur war Major Müller
    - schwere Festungsartillerie-Abteilung 1521 : identifiziert am 04.03.1945; die Abteilung war der 190. Infanterie-Division unterstellt und bestand aus 5 Batterien mit je 4 gezogenen russischen Geschützen 122 mm.


    Ich hoffe, dass für dich interessante Informationen dabei sind.
    Gruss


    Wolfgang

    Fortsetzung - Die Eroberung von Rheinberg am 05./06.03.1945 :
    Am 04.03.1945 wurde auf Befehl des XVI. US Korps das Combat Command B der 8. US-Panzerdivision der 35. US-Infanterie-Division unterstellt und bildete die rechte Flanke der Division. Das Combat Command B der 8. US-Panzerdivision, unter dem Kommando von Oberst Edward A. Kimball, erhielt den Auftrag von Alderkerk in nordwestliche Richtung vorzustossen und die Stadt Rheinberg zu erobern, um von dort aus weiter entlang der Rheins auf Wesel vorzurücken, um dort zusammen mit der 35. US Infanterie-Division die Brücken über den Rhein zu erobern.
    Leider wurde dieser Angriff seitens der Amerikaner schlecht vorbereitet, was später fatale Folgen hatte :
    - Eine Luftaufklärung erfolgte nur bis Lintfort
    - Eine Luft- bzw Bodenaufklärung von Lintfort in Richtung Rheinberg unterblieb vollends
    - Eine Artillerie-Vorbereitung für den Angriff wurde nicht angefordert und eine Artillerie-Unterstützung erfolgte erst am Nachmittag des 05.03.1945 mit der Zuteilung des 399. Feldartillerie-Bataillons.
    Für den Angriff wurde das Combat Command B in 3 Kampfgruppen aufgeteilt :
    A) Kampfgruppe 1 : B Troop des 88th Cavalry Reconnaissance Squadron (Aufklärungsbataillon);
    B) Kampfgruppe 2 : "Tast Force Roseborough", genannt nach Oberstleutnant Morgan G. Roseborough, dem Kommandeur des 49th Armored Infantry Battalion (Panzergrenadierbataillon), die sich wie folgt zusammensetzte :
    - 49th Armored Infantry Battalion abzüglich der A-Kompanie
    - C-Kompanie des 36th Tank Battalion
    - 1 Zug Panzerjäger der B-Kompanie des 809th Tank Destroyer Battalion
    - 1 Zug Pioniere der B-Kompanie des 53rd Engineer Battalion
    C) Kampfgruppe 3 : "Task Force Van Houten", genannt nach Major John H. Van Houten, dem Kommandeur des 36th Tank Battalion, die sich wie folgt zusammensetzt :
    - 36th Tank Battalion abzüglich der C-Kompanie
    - A-Kompanie des 49th Armored Infantry Battalion
    - 1 Zug Panzerjäger der B-Kompanie des 809th Tank Destroyer Battalion
    - 1 Zug Pioniere der B-Kompanie des 53rd Engineer Battalion
    Eine weitere Kampfgruppe für den Angriff wurde aus dem 3. Battalion des 137. Infanterie-Regiments der 35. Infanterie-Division, unter dem Kommando von Oberstleutnant Albert M. Butler, gebildet. Das Bataillon hatte als Aufgabe an der linken Flanke des Combat Command B in nordöstliche Richtung vorzurücken und anschliessend über den Nordwestrand von Lintfort von Süden und Südwesten nach Rheinberg vorzustossen.
    Der Angriffsplan des Combat Command B sah wie folgt aus :
    - Der B Troop des 88th Cavalry Reconnaissance Squadron stiess als erste Einheit nach Lintfort vor, um im Anschluss von Lintfort eine Strasse zu erkunden, auf der die nachfolgenden gepanzerten Einheiten weiter auf Rheinberg vorrücken konnten.
    - Die Task Force Roseborough war der erste gepanzerte Truppenteil, der dem B Troop des 88th Cavalry Squadron nach Lintfort folgte.
    - Die Task Force Van Houten bildeten den Schluss. Diese Kampfgruppe hatte die Aufgabe schnellstmöglich durch Lintfort vorzustossen und im Osten von Lintfort auf die Task Force Roseborough zu warten, um dann gemeinsam von Süden her auf Rheinberg vorzustossen.
    Der Angriff des Combat Command B begann am 05.03.1945 um 05.00 Uhr; es stiess dabei über die Stellungen des 2. Bataillons des 137. Infanterie-Regiments der 35. Infanterie-Division in Richtung Lintfort hinweg. Vor Lintfort gab es seitens der deutschen Einheiten nur geringen Widerstand, aber der Vormarsch wurde durch die Instandsetzung von einigen kleinen Brücken verzögert, die von den Deutschen gesprengt wurden.
    Die Amerikaner erreichten gegen 10.00 Uhr Lintfort und die Task Force Roseborough, die hauptsächlich aus Infanterieverbänden bestand, erhielt dort starkes Feuer aus Handfeuerwaffen und von 2 - 3 Panzerabwehrgeschützen. Während die Task Force Roseborough in Lintfort in Kämpfe verwickelt wurde, die insgesamt 3 Stunden andauerten, konnten die Panzer der Task Force Van Houten weitgehend unbehelligt durch Lintfort vorstossen.und warteten am Ostrand der Stadt auf weitere Befehle.
    Obwohl der Kommandeur des Combat Command B, Oberst Kimball, von den Aufklärungsverbänden über erhebliche Gegenwehr der Deutschen nordöstlich von Lintfort informiert worden war, gab er der Tank Force Van Houten den Befehl ohne auf die Infanterie der Task Force Roseborough zu warten weiter auf Rheinberg vorzurücken. Somit stiessen die Panzerkolonnen der Task Force Van Houten alleine gegen Mittag des 05.03.1945 von Lintfort weiter auf Rheinberg vor. Da das Gelände zwischen Lintfort und Rheinberg flach und offen ist, waren die vorrückenden Panzer ein vorzügliches Ziel für die sich in Rheinberg mit Panzerfäusten und Panzerabwehrgeschützen verteidigenden Deutschen. Durch die nicht durchgeführte Luftaufklärung war es den Amerikaners komplett entgangen, dass die Deutschen in Rheinberg starke Verteidigunsstellungen vorbereitet hatten. Zusätzlich erschwerten viele kleine Wasserläufe und Kanäle den Vormarsch der Panzer.
    Auf halbem Weg zwischen Lintfort und Rheinberg teilte Major Van Houten seine Kampfgruppe in 2 Angriffsgruppen :
    - B-Kompanie des 36th Tank Battalion, unter dem Kommando von Hauptmann David B. Kelly, mit dem Auftrag von Süden her über Winterswick Rheinberg anzugreifen.
    - A-Kompanie des 36th Tank Battalion, unter dem Kommando von Hauptmann Kimble Tucker, mit dem Auftrag von Südwesten querfeldein auf Rheinberg vorzustossen.
    Als sich gegen 14.00 Uhr am 05.03.1945 die Panzer der beiden Angriffsgruppen Rheinberg näherten, wurden sie von den Deutschen mit starkem Feuer aus Panzerfäusten und Panzerabwehrgeschützen empfangen und verloren in kurzer Zeit 2/3 ihrer Kampfpanzer. Rund die Hälfte der Abschüsse gingen auf das Konto von Panzerfäusten, denn wegen des Fehlens der Infanterie auf amerikanischer Seite konnten die deutschen Soldaten in ihren Erdlöchern seelenruhig warten bis die amerikanischen Panzer in die Reichweite ihrer Panzerfäuste kamen.
    Trotz des erheblichen Panzerabwehrfeuers drangen Panzer der B-Kompanie des 36th Tank Battalion gegen 15.00 Uhr in Rheinberg ein. Da die Stadt voll mit feindlicher Infanterie war, konnten sich die Panzer nicht halten und mussten sich wieder zurückziehen.
    Ebenfalls gegen 15.00 Uhr befahl Major Van Houten der bisher die noch nicht eingesetzte D-Kompanie des 36th Tank Battalion, die sich aber noch in Lintfort befand, einen Angriff von Südwesten auf Rheinberg. Gegen 17.00 Uhr am 05.03.1945 erreichte die Kompanie den Bahnhof im Südwesten von Rheinberg, aber hatte zwischenzeitlich alle bis auf einen Panzer verloren und musste sich ebenfalls zurückziehen. Die D-Kompanie soll bei ihrem Angriff insgesamt 3 Geschütze 88 mm, einen Panzer und ein Geschütz 150 mm vernichtet haben
    Letztendlich konnte Major Van Houten mit den letzten ihm verbliebenen Panzern in den Südteil von Rheinberg eindringen. Dabei wurden die Panzerbesatzungen, deren Panzer abgeschossen wurden als Infanterie eingesetzt, aber die Kampfkraft reichte nicht aus um die gesamte Stadt unter Kontrolle zu bringen. In der Zwischenzeit konnte die Task Force Roseborough mit der dringend benötigen Infanterie von Lintfort aus nach Rheinberg in Marsch gesetzt werden. Zusätzlich erhielt das 3. Bataillon des 137. Infanterie-Regiments der 35. Infanterie-Division von XVI. Korps den Befehl sich schnellstmöglich nach Rheinberg zu begeben, um das in Bedrängnis geratene Combat Command B zu unterstützen. Das Bataillon wurde mit Lastwagen nach Winterswick transportiert und rückte am 05.03.1945 gegen 19.00 Uhr gegen Rheinberg vor. Rheinberg musste von den Amerikanern im Kampf Haus um Haus erobert werden und war erst um 03.00 Uhr am 06.03.1945 von den Amerikanern vollständig besetzt.
    Die Verluste des Combat Command B bei ihrem Angriff auf Rheinberg waren erheblich; sie verlor nach eigenen Angaben insgesamt 17 mittlere und 11 leichte Kampfpanzer. Dazu kommen 92 Gefallene, 31 Vermisste und 220 Verwundete.
    Am 05.03.1945 um 16.00 Uhr erfolgte eine Zusammenlegung des 137. Infanterie-Regiments der 35. Infanterie-Division und des Combat Command B der 8. US-Panzerdivision und es wurde die Task Force Murray gebildet, genannt nach dem Kommandeur des 137. Infanterie-Regiments, Oberst William Murray, die sich wie folgt zusammensetzte :
    - die 3 Bataillone des 137. Infanterie-Regiments
    - Troop E des 88th Cavalry Reconnaissance Squadron
    - Kompanie B des 654th Tank Destroyer Battalion
    - Kompanie A des 784th Tank Battalion
    - Kompanie B des 809th Tank Destroyer Battalion
    - 36th Tank Battalion abzüglich einer Kompanie
    - 49th Armored Infantry Battalion
    - Kompanie B des 53rd Engineer Battalion
    - Kompanie B des 80th Engineer Battalion
    Bei den Kämpfen in Linfort und Rheinberg wurden von den Amerikaners folgende deutsche Einheiten identifiziert :
    - 1. Bataillon des 2. Fallschirmjäger-Regiments; laut Gefangenenaussagen besass das Bataillon nur noch eine Kampfstärke von 80 Mann und das 2. Bataillon des Regiments war bereits bei vorangegangenen Kämpfen mit dem XXX. Britischen Korps vernichtet worden. Frühere Gefangenenaussagen bestätigten, dass das 2. Fallschirmjägerregiment Anfang März 1945 der 190. Infanterie-Division unterstellt war.
    - 14. Kompanie des 2. Fallschirmjägerregiments
    - 2. Kompanie des 20. Fallschirmjägerregiments der 7. Fallschirmjägerdivision; Gefangene sagten aus, dass auch die übrigen Teile des Regiments im Raum Lintfort - Rheinberg im Einsatz waren.
    Interessanterweise wurde die 116. Panzerdivision, die am 05.03.1945 in Front östlich der 7. Fallschirmjägerdivision eingeschoben wurde, von den Amerikanern erst am 06.03.1945 identifiziert; dabei waren es das II. Bataillon des Panzergrenadier-Regiments 60 unter dem Kommando von Hauptmann Bröcker und das I. Bataillon des Panzergrenadier-Regiments 156 unter dem Kommando von Hauptmann Schneider, die in Rheinberg die Amerikaner in schwere Kämpfe verwickelt hatten und unter Aufbietung der letzten Reserven und einiger Panzer und Panzerjäger den Angriff der Amerikaner zum Stehen brachten.
    Da die beiden Bataillone doch letztendlich dem Ansturm der Amerikaner nicht standhalten konnten, zogen sich die Deutschen am Abend des 05.03.1945 auf eine neue Sicherungslinie nördlich von Rheinberg zurück.
    Die deutschen Verluste wurden von den Amerikanern mit 3 abgeschossenen Kampfpanzer IV, einem Lastwagen, 2 Halbkettenfahrzeugen, 2 Geschützen 150 mm, 12 Flugabwehrgeschützen (6 Stück 88 mm und 6 Stück 20 mm) sowie 512 Gefangenen und 200 bis 350 getöteten Soldaten angegeben.
    Wird fortgesetzt.

    Hallo Detlef,


    Bei dem Einsatz der schweren SS Panzerabteilung 503 in Küstrin handelte es sich um lediglich 2 - 3 Panzer, also kaum der Rede wert.
    Das XI. SS Panzerkorps setzte sich hauptsächlich aus Divisionen der Wehrmacht zusammen.
    Die Existenz einer Liste mit den Alarmverbänden, die bei der 9. Armee zum Einsatz kamen, kann ich mir nur schwer vorstellen, denn bei den Alarmverbänden handelte es sich hauptsächlich um Truppenteile (Bataillone, Kompanien), die aus Soldaten von verschiedenen Waffengattungen, meist Versprengte, zusammengestellt wurden und anschliessend an Brennpunkten der Front geworfen wurden, um die dort kämpfenden Truppenverbände zu verstärken.
    Bei der Sammlung von Morgen- und Tagesmeldungen der 9. Armee handelt es sich um die Anlagen zum Kriegstagebuch der Heeresgruppe Weichsel.
    Wenn du mir via PN deine E-Mail-Adresse schickst, kann ich dir diese Meldungen vom 12.03.1945 schicken.
    Das Kriegstagebuch der 9. Armee für das Jahr 1945 hat leider den Krieg nicht überstanden.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Gérard,


    Die Division 466 war effektiv nur auf der Ostseite des Rheins im Einsatz. Kampfeinsätze hatte die Division erst ab Ende März 1945 als die Alliierten im Rahmen der Operation Plunder bei Wesel über den Rhein setzten.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Uwe,


    Ich befürchte, dass die Ausbeute in Bezug auf den Einsatz von Heeres-Artillerie-Einheiten im Brückenkopf von Wesel eher gering ausfallen wird; ich müsste dafür aber noch einmal die mir vorliegenden Unterlagen durchsehen. In ein paar Tagen kann ich dir antworten.
    Gruss


    Wolfgang