Posts by Wolfgang Grote

    Hallo Udo,


    Sorry für die späte Antwort, aber ich bin erst gestern aus dem Urlaub gekommen.
    Der Grund weshalb die 269. Infanterie-Division und die 296. Infanterie-Division Anfang Juni 1940 relativ nahe beieinander lagen, hat folgenden Grund :
    - Die 269. Infanterie-Division gehörte zur Heeresgruppenreserve (Hgr. A); sie war Anfang Juni 1940 dem XI. A.K. unterstellt und lag im Raum Dinant;
    - Die 296. Infanterie-Division gehörte zur OKH-Reserve; sie war Anfang Juni 1940 dem XXIX. A.K. unterstellt und lag im Raum Givet.
    Ein paar Zusatzinformationen zu den beiden Divisionen :
    - Die 269. Infanterie-Division beteiligte sich an dem Vormarsch in Belgien bis in den Raum von Tournai; nach der Kapitulation der belgischen Streitkräfte am 28.05.1940 wurde sie Armeereserve der 6. Armee und wurde mit der Bewachung und dem Rücktransport der belgischen Gefangenen betraut bevor sie dann Anfang Juni 1940 der Heeresgruppenreserve (Hgr. A) angehörte.
    - Die 296. Infanterie-Division wurde erst um den 13.05.1940 an die Westfront (Raum Prüm) transportiert und überschritt erst Ende Mai 1940 die belgische Grenze im Raum Winterspelt - Lommersweiler; sie gehörte immer der OKH-Reserve an und nahm während des gesamten Westfeldzugs an keinerlei Kampfhandlungen teil.
    Bei der Kapitulation Frankreichs befand sie sich im Raum von Viffort (60 Km vor Paris).
    Hinsichtlich einer möglichen Stationierung von Teilen der 269. Infanterie-division in Böhmen-Mähren kann ich leider keine Angaben machen.
    Gruss


    Wolfgang


    Quelle : "Der Westfeldzug" - Ein Lageatlas der Operationsabteilung des Generalstabs des Heeres - Band 3 - Klaus-Jürgen Thies;
    erschienen 1994 im Biblio-Verlag Osnabrück.

    Hallo Udo,


    Um aus dem Archiv der Belgischen Streitkräfte Informationen zu erhalten, muss man einen schriftlichen Antrag einreichen und dabei genau den Themenbereich umschreiben; es dauert dann Wochen ehe man eine Antwort erhält.
    Es ist daher anfangs nicht so einfach; ich habe diese Prozedur vor etwa 10 Jahren gemacht; konnte aber anschliessend während einiger Monate dort ein und aus gehen.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Udo,


    Die Quellen zu meinem Beitrag stammen aus :
    - Dem Buch von Rainer Monnartz "Die Garnisons- und Militärgeschichte der Städte Aachen, Eschweiler und Stolberg 1814 - 1960"
    - Dem Militärarchiv der Belgischen Armee.
    Vielleicht gibt da Überschneidungen mit dem Buch von Römhild.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Udo,


    Hier einige Eckdaten zur 269. Infanterie-Division zwischen dem 26.08.1939 und dem 10.05.1940 :
    - Aufstellung und Verlegung an die Westfront :
    Die 269. Infanterie-Division wurde zwischen dem 26.08.1939 und dem 07.09.1939 im Wehrkreis X aus Ergänzungseinheiten aufgestellt :
    Das Divisionshauptquartier war in Bremen;
    Gliederung - Stand 26.08.1939 :
    Infanterie-Regiment 469 : I. - III. Bataillon aus dem :
    Ersatzbataillon 69 (Hamburg-Altona)
    Ersatzbataillon 76 (Hamburg)
    Ersatzbataillon 90 (Hamburg-Harburg)
    Infanterie-Regiment 489 : I. - III. Bataillon aus dem :
    Ersatzbataillon 16 (Oldenburg)
    Ersatzbataillon 47 (Verden)
    Ersatzbataillon 65 (Delmenhorst)
    Infanterie-Regiment 490 : I. - III. Bataillon aus dem :
    Ersatzbataillon 6 (Lübeck)
    Ersatzbataillon 26 (Flensburg)
    Ersatzbataillon 46 (Heide)
    Artillerie-Regiment 269 : I. - IV. Abteilung
    Divisionseinheiten :
    Panzerabwehr-Abteilung 269
    Pionierbataillon 269
    Nachrichten-Abteilung 269
    Aufklärungs-Abteilung 269
    Infanteriedivisions-Nachschubführer 269


    Am 07. und 08.09.1939 befand sich die Division auf dem Transport zur Westgrenze - In den Raum von Aachen.
    Die Divisionsgefechtsstände waren wie folgt eingerichtet :
    Zwischen dem 08.09.1939 und dem 12.10.1939 in Aldenhoven
    Zwischen dem 13.10.1939 und dem 06.11.1939 in Eschweiler
    Zwischen dem 07.11.1939 und dem 09.05.1940 in Aachen (Gallwitz-Kaserne)
    Am 03.10.1939 überschritten der Unteroffizier Stolzenburg und 12 Soldaten der 3. Kompanie des Pionierbataillons 269 mit einem LKW aus Unkenntnis des Grenzverlaufs die belgische Grenze an dem Grenzübergang in Bildchen (bei Kelmis); sie wurden von den Belgiern festgenommen, entwaffnet und in der Festung Huy interniert.
    Während der Besetzung der Stadt Huy durch die 269. Infanterie-Division startete Oberleutnant Messerer einen Befreiungsversuch, aber die Zellen in der Festung Huy waren leer, da die Belgier die Gefangenen auf ihrem Rückzug erst mitgenommen und anschliessend den Briten ausgeliefert hatten.


    - Einsatz der 269. Infanterie-Division am 10.05.1940 :
    Die 269. Infanterie-Division bildete zusammen mit der 253. Infanterie-Division das XXVII. Armeekorps.
    Die Division befand sich in der ersten Linie und war somit keine Reservedivision. Die 223. Infanterie-Division war zuerst eine Reservedivision für das XXVII. Armeekorps; sie übernahm aber um den 14.05.1944 die Aufgaben der 253. Infanterie-Division im Raum Lüttich und wurde mit der Erstürmung der nördlich der Stadt liegenden Forts beauftragt.
    Die Alarmierung der 269. Infanterie-Division erfolgte am 09.05.1940 um 20.00 Uhr. Die endgültige Zusammenziehung der Division im Bereitstellungsraum westlich von Aachen begann am 10.05.1940 um 01.00 Uhr und endete um 05.15 Uhr; der Grenzübertrtt bei Vaals war für 05.35 Uhr befohlen. Ab 04.00 Uhr nahm der Divisionsstab seine Arbeit in der ehemaligen Schokoladenfabrik TIKTAK, Vaalser Strasse 470, 800 m östlich der niederländischen Grenze bei Vaals, auf.
    Die einzelnen Marschruppen der Division setzten sich wie folgt zusammen :
    Vorausabteilung :
    Die 3. Kompanie des Pionierbataillons 269
    Die 1. und die 10. Kompanie des Infanterie-Regiments 490
    1 Kompanie der Panzerabwehr-Abteilung 269
    Stab und 1 Zug der 1. Kompanie des Pionierbataillons 269
    sowie 1 Zug Flak, 1 Zug Infanterie-Geschütze und 1 Gruppe Feldgendarmerie.
    Hauptteil der motorisierten Kolonne :
    Das vollständige Infanterie-Regiment 489
    2 Bataillone des Infanterie-Regiments 490
    II. Gruppe/Artillerieregiment 59
    Teile der Panzerabwehr-Abteilung 269
    Beobachtungs-Abteilung 13
    Nachrichtenabteilung 269
    Bespannte Kolonne :
    Jeweils die 13. Kompanie der 3 Infanterie-Regimenter
    Artillerie-Regiment 269
    Marschkolonne :
    Reste des Infanterie-Regiments 490
    Reste des Pionierbataillons 269
    Infanterie-Regiment 469 (als Divisionsreserve)
    Nach dem Grenzüberschriit bei Vaals am 10.05.1940 leisteten der Vorausabteilung und der motorisierten Kolonne nur schwache Kräfte der Niederländer Widerstand (Teile des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 37 und das 13. Grenzbataillon) und das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 489 erreichten unbehelligt duch die belgische Festungsartillerie von Lüttich die Maas bei Eisden (südlich von Maastricht) um 09.37 Uhr. Wegen der Neutralität Belgiens und der Niederlande durfte die belgische Festungsartillerie von Lüttich nicht automatisch bei einer Grenzverletzung auf niederländischem Hoheitsgebiet eingreifen; es musste erst eine Genehmigung durch die Niederlande erfolgen; diese erfolgte am 10.05.1940 erst gegen Mittag.
    Dies ermöglichte den schnellen Vormarsch der 269. Infanterie-Division bis zur Maas und dem I. Bataillon des Infanterie-Regiments 489, das in Bussen der Organisation Todt bis nach Eisden gebracht wurde, gelang zusammen mit der 1. und 10. Kompanie des Infanterie-Regiments 490 um 10 Uhr 05 das Überschreiten der Maas. Die Artillerie des Forts Pontisse belegte erst um 11.25 Uhr die Übersetzstelle mit Artilleriefeuer.
    Nach dem Überschreiten der Maas rückte die 269. Infanterie-Division weiter an Lüttich vorbei in Richtung Namür.
    Am 12.05.1940 rückte Major Buddé mit der Panzerabwehr-Abteilung 269, einer verstärkten 1 Infanterie-Kompanie des Infanterie-Regiments 469 und 2 Gruppen Pioniere (300 - 350 Mann) in Lüttich ein; seine Truppen wurden zuerst von der Bevölkerung stürmisch begrüsst, da man sie für Britten bzw. Holländer gehalten hatte; er konnte die Zitadelle der Stadt kampflos besetzen.
    Die übrigen Einzelheiten bezüglich der weiteren Kampfhandlungen kannst du dem Kriegstagebuch der Division entnehmen, dass in einem unbeschädigten Zustand eingesehen werden kann.
    Ich hoffe mit diesen Informationen etwas weitergeholfen zu haben.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Boris, Hallo Herbert,


    Boris,


    Nachstehend ein paar Informationen zu der Kampfgruppe Feind :
    - Oberst Feind war der Kommandeur des Ersatz- und Ausbildungsregiment 253, das ursprünglich der Division 526 des Wehrkreises VI unterstand. Es bestand ursprünglich aus den folgenden Bataillonen :
    - Ersatz- und Ausbildungsbataillon 328
    - Ersatz- und Ausbildungsbataillon 453
    - Ersatz- und Ausbildungsbataillon 464
    - Ersatz- und Ausbildungsbataillon 473
    Einsatz des Regiments im Hürtgenwald :
    Am 15.09.1944 unterstand das Ersatz- und Ausbildungsregiment 253 der 353. Infanterie-Division, die an diesem Tag zwischen der 9. Panzerdivision und der 89. Infanterie-Division eingeschoben wurde;
    Die 353. Infanterie-Division übernahm im Hürtgenwald den Abschnitt Schevenhütte - Rollesbroich.
    Anfang Oktober 1944 wurde der Abschnitt der 353. Infanterie-Division durch die 275. Infanterie-Division übernommen und das Ersatz- und Ausbildungsregiment 253 verteidigte mit den folgenden Bataillonen den folgenden Abschnitt (von Norden nach Süden):
    - III. Bataillon/Infanterie-Regiment 860 westlich von Germeter (dieses Bataillon wurde um den 22.09.1944 aus dem Bereich der 347. Infanterie-Division zum Regiment 253 verlegt);
    - Reste des Ersatz- und Ausbildungsbataillon 328 südwestlich von Germeter;
    - II. Bataillon/Infanterie-Regiment 942 im Todtenbruch;
    - III. Bataillon/Infanterie-Regiment 861 südlich Todtenbruch (dieses Bataillon wurde um den 22.09.1944 aus dem Bereich der 347. Infanterie-Division zum Regiment 253 verlegt);
    - Landesschützen-Ausbildungsbataillon I/9 nördlich des Forsthauses Raffelsbrand.
    Der Gefechtsstand des Regiments befand sich im Bunker 764a zwischen Richelskaul und Simonskall;
    Die Stärke des Regiments betrug 1100 Mann.
    Am 06.10.1944 wurde der Abschnitt des Ersatz- und Ausbildungsregiments 253 von dem 60. US-Infanterie-Regiment angegriffen; den Amerikanern gelang der Durchbruch im Norden des Abschnitts, der südliche Abschnitt hielt unter schweren Verlusten stand.
    P.S. Gegen den im nördlichen Abschnitt erzielten Durchbruch der Amerikaner wurde am 11.10.1944 das Regiment Wegelein eingesetzt.
    Am 10.10.1944 wurde das Luftwaffen-Festungs-Bataillon XXIV in den Abschnitt Peterberg - Kallbach eingeschoben und löste das III. Bataillon/Infanterie-Regiment 861 und das Landesschützen-Ausbildungsbataillon I/9 ab; der Abschnitt des Luftwaffen-Festungs-Bataillon XXIV wurde dann an das Infanterie-Regiment 983 abgegeben.
    Nach diesen Kämpfen trat das Ersatz- und Ausbildungsregiment 253 nicht mehr in Erscheinung und die Reste des Ersatz- und Ausbilungsbataillon 328 und des Landesschützen-Ausbildungsbataillons I/9 wurden in das II. Bataillon/Infanterie-Regiment 983 eingegliedert; das Urteil des Kommandeurs des II. Bataillon/Infanterie-Regiment 983 fiel über diese Truppen vernichtend aus.
    Das II. Bataillon/Infanterie-Regiment 942 wurde zusammen mit dem I. Bataillon/Infanterie-Regiment 942 und dem Luftwaffen-Festungsbataillon XX Bestandteil des des Infanterie-Regiments 985.
    Ich hoffe, dass dir diese Informationen etwas weiterhelfen.
    Solltest du noch weitere Details benötigen, dann gib mir kurz Bescheid.
    Gruss


    Wolfgang


    Herbert


    Besten Dank für deine lobenden Worte.
    Ich denke, dass es für jeden Teilnehmer des Forums eine Selbstverständlichkeit sein sollte anderen Teilnehmern mit seinem Wissen weiterzuhelfen, auch den Teilnehmern, die ihre Fragen nicht immer so professionell formulieren; hier lässt leider manchmal die Fairness zu wünschen übrig.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Boris,


    Vielen Dank für deine schnelle Antwort.
    Ich denke, dass ich von dir alle gewünschten Informationen erhalten habe. Ich hatte auch schon selbst in dem Buch von Sven Carlsen nach diesem Luftwaffen-Festungsbataillon gesucht, aber leider kenne ich zu wenig die Orte in der Südeifel.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Zusammen,


    Ich bin auf der Suche nach einem Luftwaffenfestungsbataillon, das Mitte September 1944 der 2. Panzerdivision in der Südeifel unterstellt war.
    Am 19.09.1944 führte es einen Angriff gegen den Nordteil des Brückenkopfs (Raum Mettendorf - Höhe 384,8) der 5. US-Panzerdivision bei Wallendorf.
    Bei diesem Angriff wurde der Kommandeur des Luftwaffenfestungsbataillons getötet oder verwundet.
    Mich würde die Nummer des Bataillons und der Zeitraum, in dem das Bataillon der 2. Panzerdivision unterstellt war, interessieren, eventuell auch der Name des Bataillons-Kommandeurs.
    Besten Dank im Voraus für eure Hilfe.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Boris,


    Die Information hinsichtlich Oberst Hans Lott kommt aus dem Offiziersverzeichnis des Panzer-Forums.
    Der Schreibfehler bei Oberleutnant Otto Scheibitz hat sich bei mir eingeschlichen.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Boris,


    Danke für deinen Zusatz in Bezug auf Oberst Hans Lott.
    Bist du sicher, dass es sich um den gleichen Oberst Lott handelt wie bei dem Kommandeur der Regiments-Kampfgruppe Lott im September 1944 ? Oberst Hans Lott wird auch als Kommandeur des Stabsquartiers des XI. Armeekorps genannt; das XI. Armeekorps war zwischen 1941 - 1945 ausschliesslich in Russland und an der Ostfront im Einsatz.


    Bezüglich der Einheit Scheibnitz der Kampfgruppe Wegelein kann ich dir folgende Information geben, dass Oberleutnant der Reserve Otto Scheibnitz Angehöriger (wahrscheinlich der Kommandeur) der 5. Kompanie des Regiments Wegelein war.


    Ich hätte auch noch 2 Fragen, die nicht unbedingt mit der Kampfgruppe Kühne zu tun haben :
    - Ich habe gelesen (Tessin), dass das Regiment Wegelein als Infanterie-Regiment 1063 in die Infanterie-Division 89 eingegliedert wurde.
    Stimmt diese Information ? Wenn ja, wann erfolgte die Eingliderung ?
    - In dem G-2 Bericht der 30.US-Infanterie-Division vom 17.10.1944 wird eine Kampfgruppe Horn mit einer Stärke von 800 Mann erwähnt, die aus dem Einsatzraum des VIII US-Korps in den Raum von Aachen verlegt werden sollte, aber dort nicht ankam.
    Hast du vielleicht nährere Informationen über diese Kampfgruppe Horn(Zusammensetzung, Einsätze, usw), da sich das Regiment Wegelein auch im Einsatzgebiet des VIII US-Korps befand.
    Danke.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo zusammen,


    Auch wenn es vielleicht etwas spät ist dieses Thema wieder aufleben zu lassen, bin ich an weiteren Informationen hinsichtlich des Polizei-Bataillons Laon interessiert.
    Wie bereits Michael anfangs erwähnte, war dieses Bataillon im September 1944 bei der 5. Fallschirmjäger-Division im Einsatz;
    es kämpfte in Frankreich bei Sedan, im Süden Belgiens, in Luxemburg und am Westwall bei Bollendorf.
    Kennt jemand die genaue Zusammensetzung und Stärke des Bataillons für diesen Zeitraum ?
    Wann wurde das Bataillon aus der Front der 5. Fallschirmjäger-Division herausgezogen ?
    Vielleicht hat jemand auch ein paar Zusatzinformationen hinsichtlich des Einsatzes.
    Ich bedanke mich bereits im Voraus.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Rieke,


    Da du dich auch mit der Taktik und dem Gelände auseinandersetzen möchtest kann dir noch ein paar weitere Informationen geben :
    Hinsichtlich der Taktik war die deutsche Wehrmacht den Alliierten (vor allem den Franzosen und den Belgiern weit voraus).
    Der französische Generalstab setzte sich 1940 hauptsächlich aus alten Herren zusammen, deren taktische Fähigkeiten auf dem Stand des ersten Weltkriegs stehen geblieben sind; dies bedeutet, dass sich die französische Armee hinter der Maginot-Linie verschanzte und einen Bewegungskrieg völlig ignorierte; die Panzerwaffe wurde nur kleckerweise zur Unterstützung der Infanterie eingesetzt. Oberst De Gaulle, der Panzer konzentriert gegen die deutsche Wehrmacht einsetzen wollte, wurde von diesen Herren in seine Schranken verwiesen.
    Die deutsche Wehrmacht hatte dagegen zu Beginn des Krieges fähigere und jüngere Befehlshaber, die die Panzerwaffe als schlagkräftige Waffengattung zusammenhängend einsetzten.
    Viele Offiziere der Panzertruppen hatten bereits mit an der geheimen Entwicklung der deutschen Panzerwaffe während der zwanziger in der Sowjetunion mitgearbeitet als der Versailler Vertrag Deutschland den Besitz von Panzern untersagte.
    Was das Gelände in Belgien betrifft, in dem die deutschen Panzerdivisionen operierten, so war dies für diese Waffengattung mehr als ungeeignet :
    Deutsche Panzerdivisionen operierten in Belgien an 3 Stellen :
    - Die 3. und die 4. Panzerdivision marschierten nördlich von Aachen über die Grenze nach Maastricht und Richtung Albertkanal; der Albertkanal lag in einem tief eingeschnittenen Tal und konnte somit von Panzer nicht überquert werden. Es gab nur 3 Brücken (Vroenhoven, Kanne und Veldwezelt); diese Brücken mussten aber erst durch Fallschirmjäger erobert werden ehe deutsche Panzer den Albertkanal überqueren konnten. Dies gelang bei zwei Brücken und die Wehrmacht konnte bereits am 10.05.1940 den Albertkanal überqueren, die belgische Armee in diesem Bereich zerschlagen und den Franzosen entgegenmarschieren.
    Gemäss den französischen Planungen sollte die belgische Armee den Albertkanal 2 bis 3 Tage halten.
    Dies war nur eine Klammer.
    - Die 5. und die 7. Panzerdivision sollten den nördlichen Teil der belgischen Ardennen durchqueren und zwischen Namür und Dinant die Maas überqueren; in diesem Bereich eignet sich die Maas eigentlich nicht für Panzer zwecks Überquerung, denn auch hier ist das Tal tief eingeschnitten und es gibt nur schmale Uferstreifen; eigentlich war das Gelände ideal für die französischen Verteidiger.
    Die belgischen Ardennen sind ein Mittelgebirge ähnlich dem Thüringer Wald und es gab 1940 nur sehr wenige Strassen, auf denen sich Panzer fortbewegen konnten. Die belgischen Pioniere hatten auf dem Rückzug diese wenigen Strassen mit Strassensperren aus Baumstämmen und Sprengtrichtern versehen, auch waren fast alle Brücken gesprengt, also ein sehr schwieriges Gelände, denn es konnten wegen des Geländes die Sperren nicht umgangen werden; dummerweise wurden diese Strassensperren von der belgischen Armee, die sich hinter die Maas zurückgezogen hatte, nicht verteidigt. Die deutschen Panzer mussten immer wieder warten bis diese Hindernisse geräumt waren.
    Vor allem General Rommel, Kommandeur der 7. Panzerdivision, zeichnete sich besonders durch das rücksichtlose Vorantreiben der Truppen aus und traf somit bereits am 12.05.1940 abends bei Dinant auf die noch nicht für die Verteidigung eingerichteten Franzosen; er nutzte den Überraschungsmoment um am 13.05.1940 morgens über die Maas zu setzen und verfolgte mit seiner Division die Franzosen in waghalsigen Manövern (entgegen allen Regeln der Kriegskunst) bis zur französischen Grenze.
    - Die 1., 2. und 10. Panzerdivision durchquerten den südlichen Teil der Ardennen in Luxemburg und in Belgien; auch hier gab es nur wenige Strassen, die auch mit Sperren und Sprengtrichtern versehen waren.
    Zusätzlich zu dem Räumen der Sperren mussten die 3 Panzerdivisionen bereits gegen die französische Vorhut kämpfen, die versuchte die deutschen Kräfte bereits auf belgischem Gebiet zu Stehen zu bringen.


    Ein weiterer wichtiger Punkt, der oft ausser Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass Belgien, Luxemburg und die Niederlande bis zum 10.05.1940 neutrale Staaten waren und somit keine fremden Truppen auf ihrem Staatsgebiet duldeten; dies galt auch für die französischen und die britischen Truppen. Die Franzosen und die Briten konzentrierten zwar 1939/1940 einen Teil ihrer Truppen entlang der französisch-belgischen Grenze; sie konnten aber erst in Belgien ihre vorgesehenen Stellungen ab dem 10.05.1940 beziehen als Belgien seine Grenzen öffnete.


    Fakt ist, dass die Wehrmacht durch eine taktisch wie waffenmässig modernere Kriegsführung den Feldzug bereits in den ersten Tagen für sich entscheiden konnte.
    Wenn du noch weitere Informationen zu gewissen Punkten benötigst, dann gib mir kurz Bescheid.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Rieke,


    Hochachtung, dass du den Mut hast, dich an ein solches Thema für eine Prüfungsarbeit zu wagen.
    Ich beschäftige mich bestimmt schon seit 10 Jahren mit den Ereignissen im Mai 1940, aber mehr auf der belgischen Seite.
    Nachstehend ein paar Anhaltspunkte, die letztendlich zu der Katastrophe seitens der französischen Armee bei Sedan geführt hatten :
    - Der Hauptstoss wurde von der 1., 2. und 10. Panzerdivision durch Luxemburg und die belgischen Ardennen in Richtung Kanalküste durchgeführt. Dieser Punkt wurde aber von dem französischen Generalstab falsch interpretiert; dieser sah eher in den Operationen der 3. und 4. Panzerdivision am Albertkanal den Hauptstoss der deutschen Armee und sah sich dadurch in seiner Entscheidung entlang der Dyle in Belgien (östlich von Brüssel) eine Verteidigungslinie aufzubauen bestärkt.
    - Die Luxemburgische Armee beschränkte sich an der "Schusterlinie" = Verteidigungslinie entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze damit Blockaden zu errichten und am 10.05.1940 die für die deutsche Wehrmacht wichtigen Durchfahrtsstrassen zu sperren; es wurde kein Widerstand geleistet und die deutsche Armee verlor lediglich ein wenig Zeit mit dem Wegräumen dieser Sperren und erreichte bereits iam Nachmittag des 10.05.1940 die belgisch-luxemburgische Grenze.
    - Es gab keine Koordination zwischen der belgischen Armee und der französischen Armee hinsichtlich der Verteidigung der belgischen Ardennen. Die belgischen Einheiten, die östlich der Maas stationiert waren, erhielten nachdem die deutschen Truppen die belgische Grenze überschritten hatten, sofort den Befehl sich hinter die Maas zurückzuziehen; dies galt auch für die belgische Kampfgruppe K, bestehend aus der 1. Ardennenjäger-Division, 3 motorisierten Kavalerieregimenter und einem Radfahrer-Regiment, die in den belgischen Ardennen stationniert war, sie zog sich am Morgen des 10.05.1940 hinter die Maas zurück; lediglich eine Kompanie Ardennenjäger blieb bei Bodange (Martelange) zurück, da der Kurier mit dem Rückzugsbefehl durch deutsche Kommandos abgefangen wurde, und hielt dort den Vormarsch der 1. Panzerdivision nach Sedan für einige Stunden auf.
    Hätte die gesamte Kampfgruppe K zusammen mit den französischen Vorhuten in den belgischen Ardennen hinhaltenden Widerstand geleistet, so hätte dies den Erfolg der gesamten deutschen Operation in Frage stellen können.
    - Die zögerliche Haltung des französischen Kommandeurs der 55. Infanterie-Division, die den Bereich Sedan verteidigte, ermöglichte die Erweiterung des deutschen Brückenkopfs; ein energisches Vorgehen der Franzosen gegen die übergesetzten Einheiten, hätte die deutsche Wehrmacht bei Sedan in Bedrängnis bringen können; der französische Divisionskommandeur zog es lieber vor auf Befehle seiner Vorgesetzten zu warten, die niemals kamen, und ermöglichte somit die Zerschlagung seiner Division und den Durchbruch der Deutschen durch die Maginot-Linie.
    - Das XIX. Korps zu dem die drei Panzerdivisionen (1., 2. und 10.) gehörten, wurde von dem General Heinz Guderian befehligt, der wagemutig, sich dem Befehl Hitlers widersetzte nach dem Überschreiten der Maas bei Sedan anzuhalten, um die folgende Infanterie abzuwarten, die in Panik geratenen Franzosen verfolgte und somit den Erfolg vervollständigen konnte; er sicherte mit seiner Risikofreudigkeit das weitere Vordringen der deutschen Panzerdivisionen in Richtung Kanalküste.
    Der Erfolg Guderians 1940 bei Sedan bestärkte Hitler Ende 1944 in dem Trugschluss, dass ein solcher Schlag in den Ardennen gegen die Amerikaner nochmals zum Erfolg führen würde; nur war die Ausgangssituation für die Ardennenoffensive eine komplett Andere.
    Vielleicht helfen dir diese Punkte ein wenig weiter.
    Das Buch, das ich vorgeschlagen hatte, hat vielleicht im ersten Moment den Charakter eines Reiseführers; man sollte sich aber nicht durch sein Äusseres irreführen lassen.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Swiftfooted,


    Wenn es um eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse bei Sedan geht, dann kann ich ich folgendes Buch empfehlen :
    "Ardennen-Sedan" Militärhistorischer Führer durch eine europäische Schicksalslandschaft von Karl-Heinz Frieser, erschienen 2006 im Report Verlag - ISBN 3-932385-08-X.
    In diesem Buch befindet sich auf mehr als 300 Seiten eine minutiöse Beschreibung der Ereignisse im Mai 1940 in den Ardennen und bei Sedan mit Analysen, eine sehr detaillierte Auflistung der beteiligten Kräfte auf deutscher sowie auf französischer Seite und eine mit Karten dokumentierte Beschreibung der Maginot-Linie im Raum Sedan.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Tom,


    Das Dora-Eisenbahn-Geschütz wurde von 2 leichten Flak-Abteilungen (2 cm) begleitet; diese beiden Flak-Abteilungen stellten auch Personal für gewisse Montagearbeiten.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo "Hathugot",


    Bei dem Major mit dem Holzbein, der mit einem "Versehrten-Bataillon" bei Arnheim gekämpft hatte, handelt es sich um Major Hans-Peter Knaust, Kommandeur des Panzergrenadier-Ersatz- und Ausbildungsbataillon "Bocholt"; dieses Bataillon löste zusammen mit 6 Panzer III und 2 Panzer IV der Panzerkompanie "Mielke" des Panzer-Ausbildungs- und Ersatzregiments "Bielefeld" am 18.09.1944 an der Brücke in Arnheim das Bataillon "Euling" der 9.SS-Panzerdivision "Hohenstaufen" ab.
    Sein Bataillon unterstand der Kampfgruppe Brinkmann und bestand aus Kranken und Genesenden, die als nicht kampffähig eingestuft waren.
    Er selbst war Invalide und hatte sein Bein an der Ostfront verloren.
    Gruss


    Wolfgang

    Hallo Jan,


    Nachstehend findest du die Stellenbesetzung der Infanterie-Division "Potsdam" bis auf Bataillonsebene :
    - Divisions-Kommandeur : Oberst Erich Lorenz
    - Ia : Major Heinz Gaul
    - Ib : Hauptmann Witte
    - Ic : Leutnant König
    - IIa : Hauptmann Ernst Ohla
    - NSFO : Hauptmann Robinson
    Grenadier-Regiment "Potsdam" 1 :
    - Kommandeur : Oberstleutnant Werner Ziegler (ursprünglich geplant)
    Oberstleutnant Pohl hat schliesslich die Stelle besetzt
    - I. Bataillon : Kommandeur Hauptmann Fasseing
    - II.Bataillon : Kommandeur Hauptmann Alfred Voerster
    Grenadier-Regiment "Potsdam" 2 :
    - Kommandeur : Oberst Fritz Grassau
    - I. Bataillon : Kommandeur Hauptmann Ditgens
    - II.Bataillon : Kommandeur Hauptmann Pichel
    Grenadier-Regiment "Potsdam" 3 :
    - Kommandeur : Major Hans-Gunnar Schwieger
    - I. Bataillon : Kommandeur Hauptmann Hans-Joachim Henne
    - II.Bataillon : Kommandeur Hauptmann Fest
    Artillerie-Regiment "Potsdam" :
    - Kommandeur : Major Oscar Grass
    - I. Abteilung : Kommandeur Hauptmann Becker
    - II.Abteilung : Kommandeur Hauptmann Werner Heise bzw. Major Steiner
    - III.Abteilung : Kommandeur Major Schmid
    - IV.Abteilung : Hauptmann Müller
    Divisionseinheiten :
    - Panzerjäger-Abteilung "Potsdam" : Kommandeur Hauptmann Alfred Dittbern
    - Füsilier-Bataillon "Potsdam" : Kommandeur Major Mittermeier
    - Nachrichten-Abteilung "Potsdam" : Kommandeur Major Majunke
    - Pionier-Bataillon "Potsdam" : Kommandeur Oberleutnant Wilhelm Niggemeyer
    - Feldersatz-Bataillon "Potsdam" : Kommandeur ist mir nicht bekannt
    - Versorgungsregiment "Potsdam" : Major Roth
    Gruss


    Wolfgang