Posts by radio4wk

    Hallo Christian, hallo zusammen,


    das ist vermutlich eine interessante Entdeckung und bestimmt gibt es im Forum Interessenten für dieses Foto-Konvolut. Wegen Zeit und Ort der Bilder solltest Du aber vielleicht einen eigenen Thread aufmachen. Hier geht es ja um Wilna 1944. Ein Link zum neuen Thema macht die Sache dann perfekt. Stell doch einfach die ersten 5 Bilder mal ein, dann wird sich die Reaktion des Forums schon zeigen.


    29.12.2017: Ein gutes Datum um allen Lesern und Autoren dieses Threads und des Forums insgesamt einen guten Endspurt in 2017 zu wünschen. Alles Gute für das neue Jahr 2018, beste Gesundheit, viel Humor (!) und Schaffenskraft.
    Vielleicht gibt es hier in 2018 neue Berichte über die aktuellen Explorationen in Litauen.


    Allen Mitstreitern einen guten Rutsch!
    Wulf


    PS: Den Admins und Moderatoren gilt auch am Ende dieses Jahres unser Dank, ja unsere Bewunderung für die gute und notwendige Arbeit im FdW.
    Herzlichen Dank!

    Hallo Joseph und alle,


    die Berichte der Partisanin R. Margolis zeigen die ganze Grausamkeit der Einzelaktionen der Partisanenverbände und der unglaublichen deutschen "Vergeltungsmaßnahmen" in dieser hasserfüllten Verbissenheit. Für mich ist es eine schreckliche Vorstellung, dass bei den Kämpfen um Wilna unsere vermissten und gefallenen Verwandten direkt oder indirekt beteiligt waren. Leider weiß die Enkelgeneration zum großen Teil schon nicht mal mehr, dass es solche Kämpfe um Vilnius überhaupt gegeben hat, dass es diesen Kessel um die Stadt gab, sinnlose Zerstörung, den Ausbruch usw. Alles Geschichte(n) von früher! Muss man denn heute noch so "rückwärtsgewandt" im Detail informiert sein, sagen viele und fragen nicht. Ihnen empfehle ich z.B. die Dokumentation "Wilna 1944" von Joseph.


    Sehr gut, dass immer wieder neue Informationen zum Wilna-Thema bei Joseph eintreffen, gesammelt und kompetent bewertet werden. Kein Wunder, dass es - bei Verlusten von bis zu 10.000 deutschen Soldaten - sehr viele Leute gibt, die an diesem Thema u.a. aus persönlichen Gründen interessiert sind. Wir sollten weiterhin dran bleiben! Und das FdW ist wirklich eine sehr gute Plattform dafür (manchmal auch dank der strengen Führung).


    Beste Grüße
    Wulf

    An alle, die Gintas kannten!

    Welch schwerer Schlag für die Familie und Freunde. Es ist wirklich sehr traurig, wenn sich ein so freundlicher, hilfsbereiter und vielfach aktiver Mensch mit 52 Jahren für immer verabschieden muss. Mit großem Interesse und Bewunderung verfolgte ich die Herausgabe des Buchs "Liepsnojantis Vilnius" von Gintautas Sironas in 2014. Es behandelt – wie auch Josephs Wilna-Buch von 2015 – mit viel Bildmaterial die Kämpfe um Wilna des Jahres 1944. In dem Zusammenhang ergab sich mit Gintas ein sehr anregender und persönlicher Mailaustausch. Und am Ende wurde sogar ein Bericht meiner Vilnius-Reise von 2009 als Schlusswort in das Buch (auf Litauisch) aufgenommen. Eine Ehre, die mir in diesem Moment nochmal ganz bewusst wird. Gintas, wenn Du uns hören könntest: Vielen Dank für alles!
    Justus hat es so treffend geschrieben. Wir wollen sein Andenken in Ehren halten und sein Anliegen zur historischen Aufklärung weiter verfolgen. Die "IG-Vilnius-1944" verliert mit Gintas einen wichtigen Mitstreiter und Freund vor Ort. Er wird uns sehr fehlen. Wir trauern mit der Familie.

    Mit herzlicher Anteilnahme
    Wulf

    Hallo zusammen,


    der Zeitungsartikel vom 14. Juli 1944, den Joseph wiedergefunden hat, ist teilweise wirklich lesenswert. Hier passt der Ausdruck "Lügenpresse" total, denn er spiegelt eine bodenlose Missachtung der Tausenden von Gefallenen, Vermissten und Verwundeten wider, die einfach verschwiegen werden. Allein am Beispiel des ersten Absatzes zu Wilna lässt sich zeigen, dass fast jeder Satz nur minimale Teilwahrheiten enthält, wodurch zweckgerichtet ein großes Lügengebäude aufgebaut wird. Eigentlich ist das für NS-Propaganda überhaupt nichts Neues, wie wir "Aufgeklärten von heute" längst wissen. Aber es schadet nicht, wenn man es an einem Beispiel nochmal hautnah nachvollzieht und innerlich wütend wird.


    "Die Besatzung von Wilna hat sich durchgeschlagen" – dieser Artikel erschien mehrfach, u.a. auch in den "Neuesten Nachrichten für Mittelschwaben", ein NSDAP-Organ, am 15. Juli 1944. Der wüst gelogene Absatz zum Wilna-Geschehen endet wie folgt:
    "Ebenso wie bei Wilna setzten sich auch an den übrigen Schwerpunkten der Abwehrschlacht das Können und die Tapferkeit unserer Truppen in wachsendem Maße durch."
    "In wachsendem Maße" und das auf dem Rückzug einer längst verlorenen Schlacht. Der Artikel ist Ausdruck einer völlig runtergekommenen Presse im Kriegsjahr 1944.


    Grüße, Wulf

    Hallo Christian,


    O.U. = Ortsunterkunft, Tarnkürzel, da konkrete Ortsangaben u.a. auch in FP-Briefen verboten waren.
    Wenn Du googlest, findest Du das z.B. hier, um mal eine bel. Quelle herauszugreifen:
    >> http://www.historicmedia.de/Briefe_Einfuehrung.htm
    Beste Grüße, Wulf


    P.S. Googlen, Posten, googlen -- ein gutes Verfahren! ;)
    Vgl. u.a. auch mal hier zum "Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv (Abt. MA)":
    >> https://www.bundesarchiv.de/beratung/index.html.de

    Hallo Harald,


    das ist ja interessant, dass Dein Onkel (Erich) auch Wilna-Kämpfer war. Meine Frage wäre, ob die Familie neben den angesprochenen Fotos noch Feldpostbriefe oder andere Dokumente aus dieser Zeit besitzt? Zeitzeugnisse bringen immer die Chance mit sich, dass das Bild der Ereignisse von Wilna 1944 weiter vervollständigt werden kann. Gibt es vielleicht ein Schreiben aus der Einheit Deines Onkels, das als Vermisstmeldung für die Hinterbliebenen gedacht war? Schön, dass Du den Weg zu diesem Thread gefunden hast.


    Es ist heute Dein erster Beitrag, aha. Dann möchte ich Dich im Forum ganz herzlich begrüßen. Es gibt hier viel zu lesen und häufig auch sehr hilfreiche Antworten, sogar auf Fragen, die man gar nicht gestellt hat. :)


    In diesem Sinne beste Grüße
    Wulf

    Hallo Christian,


    ich hatte es bei meinem Vater seinerzeit auch vergessen, das Kreuz an der richtigen Stelle bei der WASt-Anforderung. Die Auskunft MIT militärischem Werdegang dauerte dann nochmal zusätzlich 9 Monate, das war 2010. Ob die Antwortzeiten der DD heute kürzer sind, weiß ich nicht. Im Zweifelsfall nochmal auslösen und dann MIT.
    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo Christian,


    ob eine Anfrage Sinn macht oder nicht, weiß man definitiv erst hinterher. Daher mein Tipp: Unbedingt anfragen! Neben dem DRK-Suchdienst, solltest Du auf jeden Fall auch bei der Deutschen Dienststelle (WASt) eine Suchanfrage einstellen, und zwar mit Anforderung des militärischen Werdegangs. Letzteres wird nicht automatisch mit ausgeführt.


    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo Christian, hallo Joseph und die Anderen,


    wie man sieht, gibt es immer wieder Überraschungen. Ich habe das Weihnachtsfoto von 1943 mit Fotoprogramm etwas unter die Lupe genommen. Dabei komme ich auch zu dem Schluss, dass Haaransatz, Augenschatten, Gesichtsfalten und der ganze Ausdruck des fraglichen Soldaten (2. von links) neben Heinz Rüdiger sehr gut zu Franz O. passen, d.h. Volltreffer! So gibt es vom Vermissten, von dem in der Familie offenbar nur wenige militärische Fotos vorhanden sind, jetzt eins mehr. Immerhin, und die Person rückt (lächelnd) etwas näher, ich kann das sehr gut nachfühlen.


    Dieser persönliche Aspekt assoziiert für mich wieder die Frage, dass es für Angehörige von Vermissten des WWII i.a. keine Gedenkstellen gibt, so wie es konkrete Grabstellen oder Stelen für Gefallene gibt. Und das obwohl z.B. in Wilna so viele beim Kesselausbruch an der Neris als Verschollene spurlos ihr Leben ließen. Nichts dazu in Vilnius, nichts in Kaunas...


    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo Joseph, hallo zusammen,


    Donnerwetter, da war Josephs Buchlieferant schneller als meiner, dabei hatte ich es noch ein paar Ticks vorher bestellt… :)
    Aber inzwischen habe ich die "Spurensuche" auch als Buch physisch in der Hand, Punkt 13 Uhr wurde es geliefert. Ein schöner Sieg – so mein Gefühl!


    Joseph muss man hier seit Beginn der Niederschriften einzelner Dokusegmente im August 2013 im Thema zu seinem Onkel Franz O. ein großes Steh- und Durchhaltevermögen attestieren. Durch das Korrekturlesen habe ich einen guten Eindruck von der Komplexität eines solchen Buchprojekts gewonnen und vor allem gesehen, wie viele tausend Fehlerquellen inhaltlicher und formaler Art auftreten können. Der Druckfehlerteufel schläft nie!


    Joseph hat immer die großen inhaltlichen Bögen geschlagen, was ihm "freigeisterhaft" ausgezeichnet gelungen ist, im Laufe der Zeit auch manchmal in Zickzack-Linien :evil: . Gemeinsam konnten einige Kurven geglättet werden, aber natürlich auch triviale Fragen der korrekten Zeichen-, Leerzeilen- und Abschnittsgestaltung etc. Nun ist es geschafft und die Interessenten zum Thema Wilna 1944, insbesondere auch die "IG-Vilnius-1944", können sich freuen, dass dieses in den letzten Jahren angehäufte und z.T. aufwendig zusammengetragene, sauber recherchierte Wissen erhalten bleibt. Es bleibt nicht nur im Kopf eines einzelnen Mitstreiters in konzentrierter Form vorhanden und wartet dort aufs Vergessenwerden, sondern steht allen als Dokumentation – just for ever – zur Verfügung. Damit wurde der Ebbingshaus'schen Vergessensfunktion ein klares Schnippchen geschlagen.


    Viel Aufwand und Mühe waren erforderlich, um die Zeitzeugenberichte, Rechercheergebnisse, div. Bilder und Auswertungen in eine passende Buchform zu gießen, ca. 540 Seiten. Die akt. Bezugsquelle ist kein Geheimnis, da könnt Ihr auch noch einiges mehr zum Buchinhalt lesen:
    http://www.amazon.de/gp/produc…oh_aui_detailpage_o01_s00


    Das Buch kommt vielleicht gerade richtig zum bevorstehenden Weihnachtsfest! Ein besonderes Dankeschön an Joseph, der viel Zeit und Nerven dafür geopfert hat. Ohne seine Ausdauer und Kraft alle 'Schaffenspausen' zu überwinden, gäbe es nicht diesen Erfolg. Nun kann man gespannt sein, ob sich diese Aussage auch in den Kommentaren der geneigten Leserschaft widerspiegeln wird. Vielleicht hören wir in einiger Zeit hier im Thema noch mehr dazu.


    Die "Spurensuche" zu Wilna 1944 könnten diejenigen spannend finden, die sich für die kriegstaktischen Abläufe im Baltikum interessieren und die gern etwas über die vielfältigen politischen Interessenlagen der div. Kriegsparteien erfahren möchten. Durch die Einbindung der authentischen Berichte zu Einzelschicksalen wird aber auch ein intensiver persönlicher Bezug zu den Akteuren dieser Zeit hergestellt. So können die Familien von Gefallenen und Vermissten erfahren, in welch schwierige Lage ihre Väter, Großväter oder Onkel gekommen sein könnten, was diese erleben und erdulden mussten. Gleichwohl wurden sie zu aktiven Bestandteilen dieser wahnsinnigen Kriegsmaschinerie, die Gewalt und Verbrechen zu legitimieren schien. Mein Vater gehörte zu den kurz vor Kesselschluss eingetroffenen Truppenteilen in Wilna, sein Vermisstenschicksal wird u.a. im Buch dargestellt, es steht für viele Tausend, denen es ganz ähnlich ergangen ist.


    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo Volker,


    ich weiß nicht, ob es in Jöhvi nahe dem Finnischen Meerbusen auch im Winter "romantisch" ist. Aber ich würde eher bei sommerlichen Temperaturen dort hinfahren. Noch ein Tipp: Es könnte nützlich sein, wenn Du (systematisch) von allen Stelen des Soldatenfriedhofs ein gut lesbares Foto machst. Vielleicht sucht man selbst oder jemand aus dem Forum später mal einen Namen, der da vielleicht eingraviert ist. Es ist ja heutzutage eine kleine Mühe.


    Zur Frage "Partisanen = Banden" im Nazi-Propaganda-Deutsch kann man viel sagen und nachlesen. Nach meiner Kenntnis gab es irgendwann eine Sprachregelung in der WH, wonach Partisanen als (Terror-) Banden und nicht als reguläre militärische Truppen anzusehen waren. Damit unterstanden Gefangene dann "offiziell" nicht den Regeln der Haager Landkriegsordnung, vgl. => HIER, sie wurden entgegen diesen Grundsätzen rücksichtslos vernichtet. Ich habe gelesen, dass SD-Truppen die Erschießungen von Partisanen teilweise wie eine öffentliche "Schauveranstaltung" durchführten....


    Beste Grüße, Wulf

    Hallo zusammen, hallo Volker,

    ja, Dein gestriger Fund zu H. Knüpper ist interessant. Hier sieht man besonders deutlich, wie die WH durch diverse Auszeichnungen mit Urkunden und Ehrensymbolik ihre Soldaten motivieren und für die fragwürdigen Ziele weiter kampfbereit halten wollte. Mir scheint, das ist "bewährte" Praxis in allen hierarchisch strukturierten Organisationen und eben bei den Armeen dieser Welt. Mein Vater bekam das EK 2. Klasse – das aber posthum bzw. als Vermisster (quasi als "Trostpflaster" für die Familie).

    Da Dein Großvater ursprünglich auf dem Soldatenfriedhof in Jöhvi beigesetzt wurde, interessieren vielleicht die Infos, ebenso wie die angehängten Fotos, die ich in dem Zusammenhang gefunden hatte. Auszug aus der Info-Datei vom 09.08.2013:

    Neben der evangelischen St. Michaeliskirche befindet sich in Jõhvi seit August 2001 der deutsche Soldatenfriedhof (Rakverestraße 41), der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut wird. Etwa 3.500 Soldaten, die im Sommer 1944 an/bei der Narva-Front gefallen sind, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die Namen der Toten – 700 blieben unbekannt – sind auf Namenstelen eingraviert, vgl. erste zwei Fotos.

    In den 1970er Jahren wurde das Friedhofsgelände bebaut, dabei wurde ein Teil der Kriegsgräber zerstört. Nach der Unabhängigkeit Estlands haben sich in Jõhvi unter Leitung der örtlichen Verwaltung und Kirchengemeinde Initiativgruppen gebildet, die sich für den Schutz des Geländes und die Wiederherrichtung des Friedhofs eingesetzt haben. Nach einer Bauzeit von 2 Jahren konnte der Friedhof am 04.08.2001 eingeweiht werden. In Estland sind schätzungsweise 35.000 Wehrmachtsangehörige gefallen. Der Volksbund hat in Zusammenarbeit mit dem estnischen Denkmalschutzamt bisher zehn (10) Kriegsgräberstätten herrichten und ausbauen können.

    Nach einer zusammenfassenden Darstellung des VDK über estnische Soldatenfriedhöfe vom 05.10.2006 gibt es für die Gefallenen der Narva-Front auch den Soldatenfriedhof Toila, er liegt an der Steilküste des Badeortes Toila, s. die letzten drei Fotos. Die im letzten Beitrag angesprochene Bahnstation Toila lag ca. 8 km vom Ort Toila entfernt. Die Namen der Gefallenen befinden sich auf 10 Inschriftenstelen, die neben einem großen Kreuz aufgestellt wurden. Der Friedhof wurde vom Volksbund am 10.07.2002 eingeweiht.

    Nach dem Rückzug der Deutschen bestand in Tallinn (Reval) das Kriegsgefangenenlager 286 für deutsche Kriegsgefangene.

    Quellen u.a.:
    a) Lexikon der Wehrmacht => HIER
    b) Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges.
    Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977
    c) Deutsche Kriegsgräberstätten in Estland, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, 05.10.2006, 20 Seiten, s. pdf-Datei => HIER


    Sollten bei Dir weitere Fragen auftreten, einfach schreiben – frei nach dem Motto:
    "Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten (mitunter)."

    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo Volker,

    ich habe Dein Thema gerade durch die Vorstellung im Clubzimmer mitbekommen und gelesen, dass Du Dich in diesem Zusammenhang u.a. auch für den Ort Jõhvi (Jewe) in Estland interessierst. Als Neueinsteiger bist Du mit diesem Elan im FdW sicher gern gesehen. Also nochmal willkommen!

    Wie Joseph schon mitteilte, sind eine Reihe von WH-Einheiten Anfang Juli 1944 von der Narvafront per Eisenbahn nach Wilna verlagert worden. Auch mein Vater fuhr, wie viele andere, am 2. Juli 1944 vom Bahnhof Jõhvi bzw. Toila nach Wilna ab. Bei mir waren es auch die Feldpostbriefe, die den Startimpuls für die Recherchen auslösten, die ersten zaghaften Schritte begannen im Sommer 2008.

    Über die Foren lernte ich einige Betroffene kennen, die ähnliche Fragestellungen zu vermissten Angehörigen und zu den Kämpfen sowie dem Ausbruch aus dem Kessel von Wilna hatten. Die Recherchen entwickelten sich nach schnellen Anfangsneuigkeiten streckenweise auf steinigem Weg. Sobald man aber zu einer konkreten Frage vorstieß, konnte man diese hier im Forum stellen und erhielt oft erstaunliche Informationen aus dem Userkreis, die dann weiterhalfen. Es entwickelte sich eine Eigendynamik mit einer unerwarteten Fülle von Informationen, was man anfangs überhaupt nicht für denkbar hielt.

    Zu den Bahnstationen, die mein Vater in den FP-Briefen (manchmal leicht "verschlüsselt") nannte, habe ich einige Informationen zusammengetragen, einfach um eine Vorstellung zu bekommen, wie es damals für die Soldaten auf dem Weg zur Front gewesen sein kann, was sie vielleicht von dem jeweiligen Aufenthaltsort erfahren haben könnten. Die Informationen und Auszüge aus den Briefen hatte ich am 12. Juli 2013 begonnen zu posten, vgl. => HIER.


    Den Beitrag zur Bahnstrecke "Reval-Jewe-Narwa", der auch Informationen zu Jõhvi enthält (09.08.2013), findest Du => HIER. Etwas später kommt die Abschrift des FP-Briefs vom 2. Juli 1944.


    Nachdem wir nun voriges Jahr den Veteranen Hans L. getroffen haben, der auch in Jõhvi/Toila war, ergaben sich weitere Neuigkeiten u.a. auch zu den Bahnhöfen im Raum Jõhvi. Zum Tag des Kesselausbruchs (12.07.2015) habe ich diese Informationen zusammengefasst. Den Startbeitrag kannst Du => HIER nachlesen (Es folgt der Titel: Verladen am Bf. Toila (Jõhvi) – Ziel Wilna).


    Vielleicht findest Du in den Beträgen Infos, die für ein Bild zu den Orten, an denen sich der Großvater bewegte, nützlich sind.

    Beste Grüße
    Wulf

    P.S. Anbei ein Foto vom Stadtbahnhof Jõhvi vom 04.11.2012. Eigentlich ist der ehemalige Bahnhof von der Bahngesellschaft zum Abriss freigegeben, aber einige Bürger und Denkmalschützer kämpfen noch um den Erhalt des Gebäudes. Der besagte Truppentransport startete aber vermutlich nicht von hier, sondern im 3,5 km entfernten Bahnhof Toila, der Ende der 1990er Jahre ersatzlos abgerissen wurde. Die Informationen stammen aus dem persönlichen Kontakt zu einem Freund aus Tartu/Estland.

    Hallo Thilo und alle,


    ja, die Heereskarte ist genau richtig, aber zunächst wussten wir noch nicht genau, ob es das Sootaga von Hans L. war.
    Wenn Du noch mal in die Beiträge vom 12.12.2014 siehst => HIER und => HIER, findest Du auch schon die richtigen Karten. cabron hatte die hilfreiche Heereskarte beigesteuert.


    Auf einer Seite der => "National Geospatial-Intelligence Agency, Bethesda, MD, USA" finden sich sogar die Koordinaten dieses So(o)taga-Militärstützpunktes. Er liegt etwas unterhalb Puhatu neben der Straße Nr. 32 vom Peipus-See nach Toila, die Koordinaten lauten: 59° 11' 06" N - 27° 35' 04" E
    In Google maps wird dieser "Punkt in der Landschaft" heute auch "Jõhvi-Vasknarva" genannt, vgl. Anlage.


    Schön, wenn mal ein kl. Nebenproblem eindeutig geklärt werden kann.
    Grüße,
    Wulf

    Hallo zum 12. Juli,


    da ich mich hier auch an der Interpretation der Aussage von unserem erst kürzlich gefundenen Veteranen Hans L. beteiligt hatte, möchte ich heute die Aufklärung zum "Sootaga-Problem" bekannt geben. Hans L. hatte uns über sein persönliches Tagebuch und einen Einsatzbericht mitgeteilt, dass er mit seinem Funktrupp samt Fahrzeugausrüstung am 1. Juli 1944 von Sootaga zum Bahnhof Toila (bei Jöhvi) aufgebrochen war, von dort ging dann der Transport nach Wilna.


    In Estland gibt es erstaunlich viele Orte namens Sootaga. Das mag daran liegen, dass das Wort SOO - TAGA nach Auskunft eines estnischen Freundes so viel wie "hinter dem Waldmoor" bedeutet. Und davon gibt es offenbar viele in Estland. So hatten wir im Laufe der Diskussion verschiedene Orte namens Sootaga in Verdacht, die Ausgangspunkt für die Fahrt von Hans L. zum Verladebahnhof Toila gewesen sein könnten.


    So enthalten die Beiträge vom 11.12.2014 hier im Thread noch irrelevante Vermutungen und Karten. Die Recherchen und vor allem ein ausführliches Telefonat mit unserem Veteranen Hans am letzten Freitag (!) brachten dann einen eindeutigen Befund.


    Hans ist sich völlig sicher, dass seine Funkkompanie in dem Sootaga startete, welches unweit des Nurk-Sees in der Nähe des Bahnhofs Kuremäe lag. Der Funktrupp brach am 1. Juli 1944 mittags mit 2 Fahrzeugen auf, alles wurde am Bf. Toila verladen und ihr Zug fuhr pünktlich am nächsten Morgen um 2 Uhr ab.


    Damit ist die Frage beantwortet, ob der Anmarschweg von Hans eher 28 km oder 7 km lang war. Dasjenige Sootaga in der Nähe von Kuremäe liegt ca. 28 km vom Bf. Toila entfernt. Und damit ist die Vermutung zu Sootaga im Beitrag vom 12.12.2014 richtig und das später (Beitrag vom 19.12.2014) in der Heereskarte gefundene Sootaga mit nur 7 km Entfernung zu Toila der "falsche Freund".


    Zu Jöhvi und dem 3,5 km entfernten Verladebahnhof Toila könnt Ihr heute im Nachbarthema noch einige Einzelheiten und Bilder finden, s. => HIER.


    Beste Grüße
    Wulf

    Hallo zusammen,


    auch mich berührt der Tod von Dr. F. Scheuerle. Wieder verlässt uns ein Zeitzeuge, dessen Erlebnisse wir in mahnender Erinnerung behalten sollten. Seine Berichte vom Leben und den Kämpfen an der Ostfront sowie von der anschließenden Kriegsgefangenschaft im Wilnaer Lager 195/1 haben unsere Kenntnisse dazu vertieft. So oder ähnlich hatte es auch die WH-Angehörigen treffen können, die im Kessel von Wilna eingeschlossen waren.

    Ein Mitgefangener im Lager 195/1 war Willi Gehrmann, der dort mit 25 Jahren (am 9.2.1945) starb. Zu dem Fall und dem Lager wurden im folgenden Thread weitere Informationen zusammengeführt, vgl. Mein Vater - Vermisst in Wilna 1944 (vom 30.03.2013).
    An Joseph vielen Dank für die Mitteilung und die Würdigung von Dr. Scheuerle.

    Wulf

    Hallo Wilna-Freunde, hallo Joseph,


    auch der letzte – durch Joseph wieder gut kommentierte – Teil des Einsatzberichts von unserem Veteranen Hans L., war sehr aufschlussreich. Alle Teilberichte des vierseitigen Originals (A4) bestätigen die bisherigen Recherchen hier im Thread sehr gut. Zusätzlich erfahren wir Details, die einen erfolgreichen, sprich lebenden Ausbruch aus dem Wilna-Kessel so schwierig machten. Die nackten Zahlen der Geretteten sprechen eine deutliche Sprache über die enormen Verluste. Laut Hans L. waren es 1100 von Mannschaften und 66 Offiziere. Ob Kapitulation und Gefangenschaft die bessere Lösung gewesen wäre, wäre reine Spekulation, die heute – angesichts der Faktenlage – wohl nichts bringt.


    Die Authentizität des Einsatzberichts von Hans wird untermauert, wenn man sich die im vorletzten Teilbericht (28.12.2014) zitierten beiden Funksprüche ansieht. Sie stimmen fast wörtlich mit den Originalen überein. Hans gehörte zum Funktrupp des Kdt. Gen. Stahel.


    Der erste Fernspruch vom 10. Juli 1944 ist von Gen. Stahel an die Heeresgruppe Mitte.
    Der zweite Funkspruch ist vom 11. Juli 1944, der sog. Führerbefehl zum Ausbruch.
    Die Kopien der Originale findet man im KTB vom Pz.AOK 3 und hier im Thread als Anhang, s. dort.


    Nun geht das Jahr 2014 unaufhaltsam zur Neige, unsere Kraft hoffentlich nicht. :)
    Auch von mir allen Vilnius-Sympathisanten ein wundervolles neues Jahr voller Glück, Zufriedenheit und Frieden.


    In diesem Sinne beste Grüße
    Wulf

    Liebe Vilnius-Freunde,


    genau passend zu den weihnachtlich besinnlichen Ausführungen von Joseph hörte ich heute Morgen im inforadio ein Gespräch mit Michael Jürgs, dem Autor des Buchs " Der kleine Frieden im Großen Krieg". Das Buch (von 2003) meint diese erstaunliche Weihnachtsgeschichte von 1914. Damals hieß der Erste Weltkrieg noch "der Große Krieg", weil sich keiner vorstellen konnte, dass es einen noch größeren Zweiten Weltkrieg geben könnte.


    Ich möchte den Klappentext zitieren und einen Link zu dem Buch angeben:
    http://www.perlentaucher.de/bu…den-im-grossen-krieg.html


    Klappentext:
    Westfront 1914: Als Deutsche, Franzosen und Briten gemeinsam Weihnachten feierten


    "Weihnachten an der Westfront 1914: Inmitten eines erbarmungslosen Stellungskrieges schließen deutsche, französische und britische Soldaten spontan Waffenstillstand auf Ehrenwort. Im Niemandsland feiern sie zusammen Weihnachten. Nach zwei Tagen ist es, auf Befehl von oben, wieder vorbei mit dem Frieden. Diese bewegende, wahre Geschichte vom Aufstand der einfachen Soldaten hat Bestsellerautor Michael Jürgs beeindruckend dokumentiert."


    Buch-Der kleine Frieden 1914.jpg


    Allen eine entspannte und friedliche Weihnachtzeit.
    Für 2015 alles Gute und viele gute Beiträge im Forum.


    Wulf

    Hallo,
    meine Beobachtung zu Josephs OT-Frage ist die folgende: Anscheinend war es in der Zeit um 1944 auch im privaten Schriftverkehr - also bei Schreibschrift, nicht nur bei Maschinenschrift - üblich, das "ß" zu vermeiden und stattdessen "ss" zu verwenden. Das gilt jedenfalls für die FP-Briefe meines Vaters, aber auch für die Niederschriften und Briefe meiner Mutter aus dieser Zeit.


    Beispielsweise kommt in dem mehrseitigen FP-Brief vom 22.6.1944 kein "ß" vor,
    vgl. ==> http://www.forum-der-wehrmacht…P-22-06-44-Tilsit-WK-pdf/.
    [Anmerkung: Falls in der Abschrift doch ein "ß" steht, war es ein Abschreibfehler.]


    Einen Ausschnitt aus einer Originalhandschrift meiner Mutter hatte ich am 24.10.2013 im gen. Thread gepostet,
    auch dort ist es so, s. zweite pdf-Anlage (Brief vom 19.01.1945).


    Briefauszug RK - Dr.Horn-mark.jpg

    Hier gibt es nur:
    dass, muss, Schluss, Strassenbahn, fahrplanmässig, gross, gewiss, Gewissheit, Grossmutter, äussere, anschliessend, heiss, reissend, Flussübergänge, aufschlussreich, vermisst, unvergesslich
    …usw.


    Fazit: Es lag wohl nicht an den "Beuteschreibmaschinen", die keine Umlaute und "ß" besaßen, sondern eher am gerade üblichen Schreibstil (Zeitgeist). Die Sprachforscher wissen sicher mehr darüber.


    Beste Grüße
    Wulf