Posts by Lexikon der Wehrmacht

    Die Eisenbahn-Geschütze passten sehr gut in das Konzept des Blitzkrieges:


    In Zeiten, in denen größee Strecken sowieso mit der Bahn zurückgelegt wurden, waren Eisenbahngeschütze ein hervorragendes Mittel, Geschüze schnell zu verlegen. Gerade bei dem gut ausgebauten Schienennetz West-Europas waren diese Geschütze äußerst schnell zu bewegen und sehr flexibel einsetzbar (mal mit Ausnahme von Dora, bei der man ja extra Stellungen bauen mußte).


    Zum Zweiten wurden diese großen Geschütze auch im Hinblick auf einen Einsatz gegen die Maginot-Linie geplant und gefertigt.


    Andreas

    kulasec behauptet ''Die Brutalisierung des Krieges fing bei der Greueltaten der Russen an." und gibt dazu Stalins Befehl Nr. 0428 vom 17.Nov. 1941 als Auslöser an. Dazu kann ich nur sagen - klassisches Eigentor: Die Ursache für die Eskalation liegt beim Deutschen Reich, die allen völkerrechtlichen Maßstäben spottende Kriegführung im Osten war lange vor Beginn des Krieges mit der Sowjetunion mit deutscher Gründlichkeit geplant.


    Festzuhalten bleibt:
    Es war das Deutsche Reich, das die Sowjetunion überfallen hat - allen von der Quellenlage bisher nicht überzeugenden Präventivkriegs- und Verschwörungstheorien zum Trotz.
    Literaturangaben usw. erspare ich mir hier, da wir dieses Thema hier im Forum schon bis zum Überdruß diskutiert haben.


    Tatsache ist, daß es die deutsche Wehrmacht war, die den Rußlandfeldzug mit einem "Kommissarbefehl" und dem "Gerichtsbarkeitserlaß Barbarossa" begann, welche die unterschiedslose Ermordung von Teilen der Roten Armee ohne gerichtliches Verfahren zuließen.
    Aus den im Bundesarchiv liegenden Aktenmaterial ergibt sich, daß der Kommissarbefehl bei weit mehr Verbänden umgesetzt wurde, als dies bisher immer behauptet wurde. Es war durchaus nicht so, daß sich etwa die Masse der Truppenführer diesem Befehl widersetzt hatte. Über die Anwendung des Gerichtsbarkeitserlasses gab es sowieso nie wesentliche Zweifel.
    Umfassend und mit vielen weiteren Literatur und Quellenhinweisen dazu:
    -Friedrich, Jörg: Das Gesetz des Krieges - Das deutsche Heer in Rußland 1941-1945. Der Prozeß gegen das Oberkommando der Wehrmacht. München 1996


    Tatsache ist, daß es daß es das Deutsche Reich war, daß unmittelbar nach dem Einmarsch in die UdSSR mit der Ermordung von Teilen der russischen Bevölkerung (Juden, Intelligenzschicht usw.) durch die Einsatzgruppen begann. Dabei wurden die Einsatzgruppen von Anfang an durch die Wehrmacht unterstützt.
    Die gezielte Vernichtung von Bevölkerungsteilen und die großzügige Unterstützung durch die Wehrmacht läßt sich in aller Ausführlichkeit in den erhaltenen "Ereignismeldungen" der Einsatzgruppen A-D nachlesen.
    Siehe dazu:
    -Klein, Peter (Hrsg.): Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42. Die Tätigkeits- und Lageberichte des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD. Berlin 1997.
    -Krausnick, H. / Wilhelm, H.-H: Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938-1942. (= Quellen u. Darst. zur Zeitgesch., 22), Stuttgart 1981.
    -Wilhelm, Hans Heinrich: Die Einsatzgruppe A der Sicherheitspolizei und des SD. Frankfurt 1996.
    -Arnold, Klaus Jochen: Die Eroberung und Behandlung der Stadt Kiew durch die Wehrmacht im September 1941. Zur Radikalisierung der Besatzungspolitik. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 58 (1999), S. 23-63


    Festzuhalten bleibt, daß es Wehrmacht, SS und Polizei waren, die in Rußland bei Partisanenbekämpfungs-Aktionen in vielen Fällen ganze Dörfer abgebrannt und die dort ansässige Zivilbevölkerung einschließlich der Frauen und Kinder massakrierte. Hier wurde jedes Maß an eventuell nach dem Kriegsvölkerrecht damals noch zulässigen Repressalien um ein Vielfaches überschritten. Kriegsgerichtliche Entscheidungen vor Geiselerschießungen waren allgemein die große Ausnahme.
    Auch diese massiven Kriegsverbrechen sind ausgezeichnet in zeitgenössischen, von den Tätern selbst erstellten Akten dokumentiert, man muß sich nur im Bundesarchiv-Militärarchiv die Bestände der Sicherungsdivisionen, der Kommandanten der rückwärtigen Armeegebiete und der Befehlshaber in den rückwärtigen Heeresgebieten anschauen.
    Aufgearbeitet ist dieses Verhalten im besetzten Gebiet in zahlreichen Veröffentlichungen. Ich nenne hier mal nur die sehr seriösen Publikationen aus der eher konservativen Ecke der Militärhistoriker, alles Leute, denen man sicher nicht den - sowieso absurden - Vorwurf, des "umerzogenen Historikers" machen kann:
    -Birn, Ruth Bettina: "Zaunkönig" und "Uhrmacher". Große Partisanenaktionen 1942/43 am Beispiel des "Unternehmens Winterzauber". In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 60 (2001), S. 99-118
    -Chiari, Bernhard: Alltag hinter der Front. Besatzung, Kollaboration und Widerstand in Weißrußland 1941-1944. (= Schriften des Bundesarchivs, 53) Düsseldorf 1998
    -Friedrich, Jörg: Das Gesetz des Krieges - Das deutsche Heer in Rußland 1941-1945. Der Prozeß gegen das Oberkommando der Wehrmacht. München 1996
    -Hesse, Erich: Der sowjetrussische Partisanenkrieg 1941-1944 im Spiegel deutscher Kampfanweisungen und Befehle. (= Studien und Dokumente zur Geschichte des zweiten Weltkrieges, Bd 9). Göttingen, Zürich 1993
    -Müller, Norbert (Hrsg.): Deutsche Besatzungspolitik in der UdSSR 1941-1944. Dokumente. Köln 1980


    Jörg Wurdack

    Naja, die Typen da waren wirklich etwas peinlich.
    Aber ich kann mir durchaus vorstellen, wie man sowas erzeugt:
    Man interviewe etwa 50 ältere Herren, davon labern 4 Leute sowas. Die nimmt man dann für die Sendung. Ich hab zwar keine Beweise daß das so war, aber ich hab selber schon bei sowas (wenn auch nur kurz) gearbeitet. Es kommt nur rein in den Bericht, was dazu geeignet ist, die Stimmung, die man erzeugen will, zu verstärken. Wenn da jemand so etwa die Meinung meines verstorbenen Großvaters (auch 1. Geb.Div, wenn auch zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr) geäußert hätte (kurz daß das alles Sch.... war), dann wäre er bestimmt nicht in den Bericht gekommen
    Was die Wehrmachtsausstellung anging, so hatte ich das "Glück" noch damals (1997 oder 98, vergessen) in der Paulskirche mit meinem Relikurs durch die Originalfassung geschleust zu werden. Anders kann man das nicht nennen. Von der Ausstellung selber habe ich wegen Überfüllung eigentlich gar nichts mitbekommen. Nur daß am Eingang allerhand Trittbrettfahrer (von der PDS bis zu Pro Asyl) standen, die wohl das vermeindliche kollektive schlechte Gewissen ausnutzen wollten. Die Ausstellung selber mag gut recherchiert sein, aber für den Zweck, für den sie mißbraucht wurde, nämlich als Massenveranstaltung für Schüler, war sie weder gedacht noch geeignet.
    Vor allem da 99% aller Anwesenden keinerlei Interesse an dem Thema hatten, und durch diese Massenveranstaltung keinerlei Bildungseffekt zu erwarten war. Die Ausstellung ist zu einem politischen Statement verkommen, leider.

    In der sowieso umstrittener Ausstellung der möchtegerne (Umerzogener) Historiker um Herr Reemstma fehlt vor allem der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.
    Z.B. Stalins Befehl Nr. 0428 vom 17.Nov. 1941


    1. Alle Siedlungspunkte, an denen sich deutsche Truppen befinden, sind auf 40 bis 60 km in die Tiefe zu zerstören und in Brand zu setzen.
    Die Kommandos sollen in Uniformen der Wehrmacht die Vernichtungsaktionen durchführen. Das schürt den Haß auf die Besatzer. Es ist darauf zu achten, daß
    Überlebende zurückbleiben, die über "deutsche" Greueltaten berichten können.
    Archiv Serie 429, Rolle 461, Lagerstätte archiv Washington, USA


    Es wirft damit ganz anderen Blickpunkt auf die Ereignisse von damals.


    Die Brutalisierung des Krieges fing bei der Greueltaten der Russen an. An deutscher Seite war man auch zuerst geschockt und erschüttert mit welcher Bestialität der Gegner kämpfte. Gefangene wurden auf Befehl Stalins kaum gemacht.


    Klar daß Repressalien gegen den hinterhaltigen Morden von Partisanen ,heute nennt man sie Terroristen stattfanden. Es war auch durch Landkriegsordnung gedeckt. Anders könnte man nicht handeln. Banditen wurden von allen Armeen der Welt auf diese Weise bekämpft. Die Erschießungen waren aber keine
    Verbrechen, sondern das Ergebnis eines Kriegsgerichts.
    Ist Interessant zu wissen, daß Amerikaner und Franzosen nach dem Krieg drohten, für jeden getöteten Alliierten Soldat würden sie 60-100 Zivilisten erschießen. Es gab aber keine deutsche Partisanen außer den Gerüchten um die angebl. Werwolf.


    Ich bezeichne die Ausstellung als reine Propaganda und Hetze gegen die Wehrmacht. So werden pauschal alle 20 millionen Soldaten als Verbrecher abgestempelt!


    Verbrechen gab es natürlich, wie in jeder millionen Armee. Die Beschuldigten wurden aber auch gerichtlich verurteilt.
    Es ist schon längst durch Ausländische Historiker (auch Israelische!), daß die deutsche Soldaten die anständigsten und Leistungsfähigsten waren. Dies ist Tatsache und wer das bestreitet, der hat sich nie ernst mit der Geschichte auseinandergesetzt.
    PS - ich als Ausländer finde es beschämend, daß die Männer die im Glaube ums Vaterland und Ehre (heute verpönte Dinge) kämpften auf diese Weise verunglimpft werden. Das könnte wirklich in keinem anderen Land sttafinden. Die Leute, die dahinter stehen denken absolut antideutsch. :no!

    QUOTE
    Allerdings kam mir von der \"Gegenseite\" das mittlerweile standartisierte \"Bauchaufschlitzen-bei-schwangeren-Frauen\" auch etwas seltsam vor. Erinnert sich noch jemand an Scharping und Kosovo?


    Jepp, völlig richtig. Und ich möchte noch einen drauflegen mit der ausdrücklichen Bitte, das nicht als Fakt, versuchte Entlastung oder sonstwie beschönigend anzusehen. Also mit aller Vorsicht:
    Ich wage der Behauptung zu widersprechen. Nicht, weil ich als deutscher keinen Landsmann dafür fähig halte, aber es sprechen doch - zunmindest in meinen Augen - einige Punlte dagegen.


    1. Verbrechen der verschiedenen deutschen Verbände wurden eigentlich immer zu recht angeklagt mit dem Argument ihrer Durchführung.
    2. Das kann eigentlich auch garnicht anders sein, da die emotionale Situation doch kaum solche Voraussetzungen geliefert hat, um dermaßen zu entgleisen. Von Reaktionen auf deutschem Boden - eben Verteidigung der 'Familie' - oder auf Partisanen mal abgesehen
    3. Sicherlich gabs bei den Gebirgsjägern einen besonderen Chorgeist. Trotzdem hätte Jeder damit rechnen müssen, daß solche Handlungen nicht von allen geteilt werden und dies daher im Nachhinein auffliegt.
    4. Punkte wie Ehre und Gewissen wurden von den Nazis sicherlich so manches mal vergewaltigt. Aber eine solche Diskrepanz zwischen Lehre und Praxis in der Wehrmacht mit dem gewissen Selbstverständniss hätte früher oder später in der ganzen Division für vollkommen unnötigen Widerspruch sorgen können.
    5. Deutsche Solaten hatten eine lange Kette von vorbereitender Einflußnahme zur Rechtfertigung eines Angriffskrieges gefressen. D.h., in ihren Augen hatten sie die Autorotät, Platz für das Volk ohne Raum zu schaffen. Das wird aber eher durchgeführt unter der Premisse 'tut mir ja auch leid, muß aber sein'. Wo ist da die Voraussetzung zu einer solchen Aggression?


    Nochmal, dies sind nur Überlegungen, die ich mit den Vorwürfen nicht so ganz übereinander bekomme. Könnt Ihr mir da - in aller Vorsicht - helfen?
    huldreich

    Ich muß dochig recht geben - diese inflationäre Verwendung von angeblichen oder tatsächlichen Zeitzeugen mit immer den gleichen stereotypen Aussagen schadet mehr als sie dem berechtigten Anliegen nutzt - Guido Knopp läßt grüßen. Aber wahrscheinlich muß das in den diversen Politmagazinen heute erfolgen, um die Quote sicherzustellen und den Anspruch eines investigativen Journalismus zu erfüllen.
    Das Verhalten der Teilnehmer an diesem Veteranentreffen der Gebirgsjäger war peinlich, die geäußerten Ansichten erschreckend, diese Leute haben nach über 50 Jahren immer noch nichts dazugelernt. Interessant wäre, zu erfahren, ob es sich bei den teilnehmenden Bundeswehrsoldaten /- offizieren um eine offizielle Abordnung handelte.
    Aber immerhin ist ein Fortschritt, daß Stoiber nicht mehr bei dieser Veranstaltung als offzieller Redner auftritt, wie noch vor wenigen Jahren geschehen.

    QUOTE


    Wer gestern abend Panorama gesehe hat, weiß, was Du meinst. Ich saß vor dem Fernseher und schämte mich fast meines Interessensgebietes. Neben dem dümmlich entwaffnenden Fascho-Gesabbel geistig zurückgebliebener Gebirgsjäger-Altnazis war es evtl. noch hinnehmbar, daß die Erschießung der 5000 Italiener nicht etwa als unwahr hingestellt, sondern als vollkommen legale - und sicherlich nicht ganz so erfreuliche - Kriegshandlung klassifiziert wurde. Weniger erfreulich war der Ratschlag, was z.B. mit den Gegendemonstranten zu passieren hätte.
    Es war nur zum kotzen.
    huldreich



    Hab ich auch gesehen, kann dir nur voll und ganz zustimmen. War schon übel, wie wenig manche Leute gelernt haben:
    "Das können die vielleicht in Preußen machen, aber bei uns herrscht Ordnung!" bezüglich der Demonstranten war noch eine der moderaten Einstellungen.
    Oder die angebliche "Versöhnung mit dem ehemaligen Gegner", die daraus bestand, auf dt. Soldatenfriedhöfen auf Kreta Nazi-Lieder abzuspielen.
    Allerdings kam mir von der "Gegenseite" das mittlerweile standartisierte "Bauchaufschlitzen-bei-schwangeren-Frauen" auch etwas seltsam vor. Erinnert sich noch jemand an Scharping und Kosovo?


    Gruß
    dochiq

    QUOTE
    Weiter wird Organisation und Praxis des Kriegsgefangenenwesens sehr ausführlich dargestellt - angefangen von den Sammelpunkten bei der Fronttruppe bis zu den Stalags und Arbeitskommandos im Reich. Hier wird anhand von zahlreichen Beispielen auch das durch keine Befehle begründete und auch nicht aus Sachzwängen herrührende geradezu sadistische Verhalten vieler Wachmannschaften in diesen Lagern ausführlich dokumentiert. Sehr eindringlich wird dabei herausgearbeitet, daß es sich bei diesen Wachmannschaften nicht etwa um fanatische Nazis oder gar SS handelte, sondern um Landesschützeneinheiten. Diese bestanden meist aus älteren, gesetzten Herren, häufig Familienväter zwischen 40 und 50 Jahren, die in vielen Fällen anscheinend plötzlich in einem Machtrausch verfielen und die sowjetischen Kriegsgefangenen in einer Art und Weise quälten, die keinem KZ nachstand. Für mich ein Mysterium - was bringt einen bis dahin völlig harmlosen Bürger zu solch einem abartigen Verhalten? Dieses perverse Verhalten setzte übrigens unmittelbar nach Beginn des Rußlandfeldzuges ein und nicht etwa erst als eine Art Vergeltung für russische Übergriffe gegen Kriegsende.




    Zu diesem Thema empfehle ich den Beitrag von Christian Hartmann "Massensterben oder Massenvernichtung? Sowjetische Kriegsgefangene im 'Unternehmen Barbarossa'. Aus dem Tagebuch eines deutschen Lagerkommandanten", in den "Vierteljahresheften für Zeitgeschichte" (VfZ 49, 2001, S. 97-158)


    Hartmanns Dokumentation befaßt sich mit der kritischen Untersuchung und Auswertung des Tagebuchs des reaktivierten Majors Johannes Gutschmidt (geb. 1876), der als Kommandant zweier Durchgangslager in Weißrußland sowie in der Ukraine verantwortlich war.


    Zur Frage was "Ganz normale Männer" zum - oftmals unnötig grausamen - Massenmord an Frauen und Kindern treibt, kann ich nur Christopher Brownings "Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die 'Endlösung' in Polen", 1993 nahelegen.



    Dem vorgenannten Urteil über den neuen Austellungskatalog kann ich mich nach eigener Lektüre nur anschließen, wobei mir persönlich das Kapitel hinsichtlich der "Handlungsspielräume" sehr viel neue Erkenntnisse eröffnete.


    Als kleiner Vorgeschmack dient auch die offizielle Webseite, www.verbrechen-der-Wehrmacht.de. Dank der verfügbaren Englischsprchigen Version besonders auch auch für die nicht deutschsprechenden Interessierten geeignet.


    Cheers,

    Bei der ersten Auflage der Ausstellung wurde in einigen Fällen oberflächlich mit den Quellenbelegen umgegangen, was letztlich auch zur Kritik und zum Zurückziehen der Ausstellung führte. Dabei war die damalige Kritik völlig überzogen, diese kleinen Fehler konnten an der berechtigten Grundaussage der Ausstellung überhaupt nichts ändern. Bei der jetzigen Version wurde akribisch nachgeprüft, man wird wohl davon ausgehen können, das alles was jetzt gezeigt und behauptet wird, tatsächlich so stattgefunden hat.
    Die Textlastigkeit ergibt sich fast zwangsläufig aus diesem Anspruch wirklich alles hieb- und stichfest zu belegen.
    Viel wichtiger als die Ausstellung selbst erscheint mir der Katalog / Textband zu dieser neuen Auflage der Ausstellung. Eine ganz hervorragende Arbeit mit bis ins Einzelne gehenden Nachweisen, vielen Faksimiles von Befehlen, Karten usw. - nach meiner bescheidenen Meinung ein Musterbeispiel, wie ein historisches Sachbuch zu so einem extrem umstrittenen Thema aussehen muß.
    Neben dem eigentlichen Thema der Ausstellung werden in diesem Buch auch viele Themenbereiche behandelt, die man sonst in dieser übersichtlichen Darstellung in der militärgeschichtlichen Literatur vergebens sucht.
    Das beginnt mit einer Darstellung des damals international gültigen Kriegsvölkerrechts (einschl. des Völkergewohnsrechts - was ja immer gerne vergessen wird) und der rechtswidrigen Aushebelung dieses Rechts durch die oberste Wehrmachtsführung und die Wehrmachtsjustiz.
    Dann finden sich z.B. ganz ausgezeichnete Darstellungen zum Einsatz von Sicherungskräften der Wehrmacht in den rückwärtigen Gebieten. Hier gibt es u.a. eine Darstellung aller Sicherungseinheiten bei der Heeresgruppe Mitte herunter bis zum letzten Landesschützenzug, der irgendwo eine Eisenbahnbrücke sicherte. Dadurch wird deutlich, in welch immensen Umfang hier Personal und Material gebunden wurde.
    Gute Übersichten gibt es auch zu den Partisanenbekämpfungsaktionen in bestimmten Bereichen der Ostfront, mit den dabei eingesetzten Einheiten und dem angesichts des Aufwandes meist äußerst dürftigem Ergebnis.
    Sehr ausführlich wird auch der ganze Bereich des Wehrwirtschaftswesens aufgearbeitet, also die zur Ausbeutung eroberter Landstriche aufgebaute Wirtschaftsorganisation Ost mit der in einer Grauzone zwischen Partei, Wirtschaft und Wehrmacht arbeitenden Feldwirtschaftsorganisation und den Beutestäben. Anhand der gültigen Befehlslage wird in diesem Abschnitt klar belegt, daß der ganze Krieg im Osten nur auf Beute und Raub aus war, die einheimische Bevölkerung war dabei allenfalls als Menschenmaterial zum Arbeiten interessant.
    Weiter wird Organisation und Praxis des Kriegsgefangenenwesens sehr ausführlich dargestellt - angefangen von den Sammelpunkten bei der Fronttruppe bis zu den Stalags und Arbeitskommandos im Reich. Hier wird anhand von zahlreichen Beispielen auch das durch keine Befehle begründete und auch nicht aus Sachzwängen herrührende geradezu sadistische Verhalten vieler Wachmannschaften in diesen Lagern ausführlich dokumentiert. Sehr eindringlich wird dabei herausgearbeitet, daß es sich bei diesen Wachmannschaften nicht etwa um fanatische Nazis oder gar SS handelte, sondern um Landesschützeneinheiten. Diese bestanden meist aus älteren, gesetzten Herren, häufig Familienväter zwischen 40 und 50 Jahren, die in vielen Fällen anscheinend plötzlich in einem Machtrausch verfielen und die sowjetischen Kriegsgefangenen in einer Art und Weise quälten, die keinem KZ nachstand. Für mich ein Mysterium - was bringt einen bis dahin völlig harmlosen Bürger zu solch einem abartigen Verhalten? Dieses perverse Verhalten setzte übrigens unmittelbar nach Beginn des Rußlandfeldzuges ein und nicht etwa erst als eine Art Vergeltung für russische Übergriffe gegen Kriegsende.


    Der Katalog hat über 750 Seiten, Format größer als DIN A 4, fest gebunden und ist für diese Ausstattung mit einem Preis von 30,00 Euro wirklich sein Geld wert.
    Hamburger Institut f. Sozialforschung (Hrsg.):
    Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944. Hamburg 2002.
    ISBN: 3-930908-74-3

    Die jetzige Ausstellung ist sehr textlastig und darum schon recht anstrengend. Ich hatte teilweise das Gefühl ein Buch wäre für diese Art der Darstellung besser gewesen. Ansonsten konnt ich die Aufregung, die entstanden war (Demos, Gegendemos etc) kaum nachvollziehen. Die Anschuldigungen, die dort erhoben worden sind, sind sicher mit solcher Akribie überprüft worden, daß man davon ausgehen kann, daß die genannten Verbrechen auch stattgefunden haben.
    So hat die Ausstellugn sicherlich ihren Wert, der breiten Masse zu zeigen, daß das Bild der Wehrmach als schuldlose Institution nicht aufrecht erhalten werden kann. Wer sich jedoch mit Details befassen will, sollte sich den Ausstellungskatalog beschaffen.
    Papa

    Ziehen wir mal die Heldengeschichten ab und bleiben bei den Fakten.


    Bei Tscherkassy-Korsun wurden am 28.1.1944 durch eine Zangenoperation der 1. und 2. Ukrainischen Front folgende deutsche Truppen eingeschlossen:
    -Generalkommando XI. Armeekorps
    -Generalkommando XXXXII. AK
    -57., 72., 88. Infanterie-Division
    -Korpsabteilung B
    -Große Teile der 112., 255. und 332. Inf.Div.
    -Schwache Teile der 167. und 389. Inf.Div., 213. Sicherungsdivision und der 14. Panzerdivision


    -5. SS-PzGren.Div Wiking
    -SS-Freiw. Sturmbrigade Wallonien, diese Truppe führte Degrelle, nachdem der eigentliche Kdr gefallen war. Irgendeine besondere Bedeutung Degrelles für den Kesselausbruch kann ich aus der faktenbezogenen Literatur zu dieser Operation nicht erkennen.


    Gesamtstärke etwa 7 - 8 Divisionen mit 54.00 Mann.


    Am 17.2.1944 konnte durch einen Entsatzangriff und gleichzeitig erfolgenden Ausbruch aus dem Kessel die Verbindung zur deutschen Front wiederhergestellt werden.
    Am Entsatz-Angriff waren beteiligt:
    Generakommando III. Panzerkorps mit
    -1., 16. und. 17. Panzerdivision
    -1. SS-PzDiv "LAH"
    -Schweres Panzer-Rgt Bäke (für diesen Einsatz gebildet aus II./PzRgt 23 und schw. PzAbt 503).
    -außerdem für die Ostfront relativ starke Fliegerkräfte des VIII. Fliegerkorps


    Insgesamt erreichten weit über 30.000 der im Kessel eingeschlossenen Soldaten die deutschen Linien, ca. 3.000 Verwundete waren bereits vorher ausgeflogen worden.
    Ein großer Teil der Soldaten dürfte dabei beim Übergang über einen Fluß ertrunken sein, da natürlich kein Brückengerät mehr mitgeführt werden konnte.


    Das Märchen von 20.000 mit dem bloßen Seitengewehr angreifenden Soldaten kannst Du vergessen. Versuche Dir das nur mal in der Praxis vorzustellen - solche Abenteuer gingen schon im Ersten Weltkrieg regelmäßig schief. Sicher kam es zu einzelnen Nahkämpfen, aber ganz bestimmt zu keinen Massenangriffen. Solche Ausbrüche funktionieren nur mit schmalen tiefgegliederten Angriffskeilen, die aus der Tiefe genährt werden - aber nicht durch Angriffe auf breiter Front. Die Geschütze wurden nicht deswegen zurückgelassen, weil es keine Munition mehr gab, sondern weil einfach nicht mehr genug Zugmittel (mot. oder Pferde) da waren bzw. weil der Betriebsstoff fehlte.


    Die wahren Gründe für den insgesamt geglückten Ausbruch lagen ganz woanders:
    Tscherkassy war eines der ganz wenigen Beispiele, wo es von deutscher Seite schnell genug gelang
    a) ausreichend gepanzerte Truppen für einen Entsatzangriff zusammenzuziehen. Ausreichend bedeutet hier, für die bei Tscherkassy vorhandenen Feindkräfte ausreichend.
    b) diese Entsatztruppen auch auf die Schnelle ausreichend zu versorgen, so daß sie nicht schon nach wenigen Kilometern mit Betriebsstoffproblemen zu kämpfen hatten, wie dies bei anderen ähnlichen Unternehmen so oft der Fall.
    c) Luftwaffeneinsatz in dem Maß sicherzustellen, daß an Schwerpunkten Luftnahunterstützung geflogen werden konnte und eine direkte Bedrohung durch die feindliche Luftwaffe zumindest soweit verhindert wurde, daß Bewegungen auf dem Gefechtsfeld möglich blieben.
    d) die Truppen im Kessel aus der Luft insoweit zu versorgen, daß ihre physische Substanz und zumindest die infanteristische Kampfkraft erhalten werden konnte.


    Wenn diese Voraussetzungen nicht geschaffen werden können, gehen solche Kesselausbrüche fast vorhersehbar schief. Das bewies wenige Wochen später der Fall Tarnopol und dann im Sommer 1944 die Kessel beim Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte.


    (Literatur:
    Jahnke, Günter / Lerch, Bernd: Der Kessel von Tscherkassy 1944 - Analyse und Dokumentation. Donauwörth 1996.
    Vormann, Nikolaus von: Tscherkassy. (= Die Wehrmacht im Kampf, 3) Neckargemünd 1954).

    Hallo Männer !


    Hab mal gelesen das bei Tscherkassy deutsche Truppen von der Roten Armee eingekesselt wurden.
    Nachdem alle Granaten verschossen wurden, sammelten sich alle noch kampffähige Deutsche (ca. 50.000) um in 3 Kolonnen hinter den verbliebenen Sturmgeschützen aus dem Kessel auszubrechen.
    Die Soldaten waren nur mit Seitengewehren bewaffnet und verursachten unter den Russen solche Verwirrung, dass ihnen der Ausbruch glückte.
    Etwa 20.000 deutsche Soldaten konnten sich durchschlagen...


    Weiß jemand was genaueres über diesen Kesselausbruch ?
    Unter den Soldaten soll auch Leon Degrelle und seine Einheit gewesen sein, weiß noch jemand was genaueres über ihn ?
    Danke für jede Hilfe...


    Ronin