SS-Nebel-Abteilung am Obersalzberg

  • Hallo,


    ich hab´was interessantes entdeckt.
    Zuerst möchte ich auf die Ausführungen von RolandP zu diesem Thema hinweisen.


    Laut Stöber/Die Flugabwehrverbände der Waffen-SS wurden die SS-Kanoniere des Flakschutzes am Obersalzberg im Sommer 1944 gegen Arbeitsmänner des AG XXX ausgewechselt.


    Die Nebel-Abteilung scheint davon ausgenommen gewesen zu sein:
    im Februar 1945 wurden sie durch weibliche SS-Nachrichten-Helferinnen ersetzt. Nach 3-wöchiger Ausbildung übernahmen sie die drei Nebelbatterien ( jede mit drei Zügen zu je 30 Nebelfässern) und warteten auf ihren Einsatz.


    Theoretisch sollte von der Warnung durch die "Führer-Flugmelde-Zentrale" bis zum Eintreffen von Feind-Verbänden ein Zeitfenster von 30 Minuten bestehen, in dem der Berghof und die umliegenden Anlagen einzunebeln war.


    Beim einzigen Angriff auf den Obersalzberg am 26.April 1945 versagte dieses System und die Bomber konnten bei bester Sicht alles was zu demolieren ging, dem Erdboden gleich machen.


    Quelle: Littlejohn/Defending the Reich


    Laut Stöber erhielt die Nebelabteilung den Befehl zum einnebeln zu spät.
    Die "Flak-Abt. B" - nun unter RAD -Kdo. - schoß 3 feindliche Flugzeuge ab.
    Der Angriff forderte unter den Männern des SS-Kommandos und des RAD etwa 80 Tote und eine unbekannte Zahl an Verwundeten.


    Gruß aus Wien


    Niki


    Link blau gefärbt; kkn

    ...VIRIBUS UNITIS...

    Edited once, last by knaff ().

  • Hallo Niki,
    danke für den Hinweis auf die SS-Maiden, hier die Angaben aus dem bereits zitierten Artikel im „Freiwilligen“:


    „ … Von Februar 1945 an lösten SS-Maiden die SS-Männer an den Nebelgeräten ab. Sie waren hierzu von der SS-Helferinnen-Schule Heidenheim „zum Sondereinsatz“ aufgrund von Freiwilligenmeldungen abgestellt worden. Führerin dieser SS-Maiden war Traudel Rockstroh.
    Die letzten Mannschaften der SS-Nebelabteilung wurden im März 1945 abgezogen und sammelten sich bei der Stabsbatterie in Oberau. Nach einigen Tagen wurde ein Teil der Männer zum Wachdienst zur Wach-Kompanie Obersalzberg abkommandiert. Ein anderer Teil bezog vorübergehend oberhalb der SS-Kaserne, außerhalb des Sperrbezirkes in den dort stehenden RAD-Baracken Quartier. (Vopersal, DF 3/75, S. 18)


    Die Bedienung der Nebelgeräte lag inzwischen ganz bei den SS-Maiden. Über ihre Zeit bei der SS-Nebelabteilung berichtete die damalige SS-Maid M. K., Jahrgang 1923,:
    „ ... Nach meiner Ausbildung als SS-Maid an der Reichsschule-SS Heidenheim/Brenz wurde ich zur SS-Nebelabteilung „Obersalzberg“ nach Unterau bei Berchtesgaden versetzt. Dort erfuhren wir in den nächsten vier Wochen unsere Ausbildung an den Nebelgeräten. Anschließend gelangte ich zum Einsatz bei der am Königssee liegenden Gruppe. Wir waren dort fünf Maiden und wohnten in der Etage eines Privathauses unmittelbar am See. Unsere Geräte standen nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt. Unsere Küche war in einer RAD-Baracke eingerichtet.
    Beim Anflug feindlicher Flugzeuge wurden wir mittels Feldtelefon alarmiert, stürzten an unsere Geräte und nahmen sie in Betrieb. Der Abflug der Feindmaschinen (Entwarnung) wurde uns gleichfalls fernmündlich durchgegeben. ...“ (Vopersal, DF 3/75, S. 18)


    Am 26.April 1945 erfolgte der einzige Großangriff auf den Obersalzberg. Die Nebelabteilung erhielt den Befehl zum Einnebeln zu spät. Der Flak-Abteilung B, nunmehr unter RAD-Kommando, gelang es, drei Feindflugzeuge abzuschießen. Der Berghof wurde vernichtet, unter den Männern des „SS-Kommando Obersalzberg“ und den RAD-Angehörigen kam es zu 80 Toten und mehreren Verwundeten. (Stöber, Flak der Waffen-SS, S.399,s.a. Vopersal, DF 3/75, S. 18)
    Dazu berichtete die SS-Maid M. K., die seinerzeit am Königssee eingesetzt war: „ ... Als am 26.4.1945 der Großangriff auf den Obersalzberg erfolgte, erreichte uns der Befehl zum Einnebeln zu spät. Auf dem Weg zu unseren Geräten mussten wir in Deckung gehen, da bereits die ersten Bomben fielen. Wir konnten den Anflug der feindlichen Bomber und das Ausklinken der Bomben genau verfolgen.
    Am 4.Mai 1945 bekamen wir den Befehl, uns am anderen Morgen auf dem Obersalzberg zu sammeln. Wir fünf zogen es aber angesichts der allgemeinen Lage vor, uns aus unseren Wolldecken Rucksäcke zu nähen, unsere Dienstkleidung gegen Zivilkleider zu tauschen, uns mit Lebensmittel zu versorgen und im Morgengrauen des 5.Mai 1945 nicht in Richtung Obersalzberg, sondern in Richtung Ramsau aufzubrechen. Unterwegs begegneten wir vielen Gruppen von Landsern, die in die Berge flüchteten. Ein uns entgegenkommender Förster führte uns auf eine Holzfällerhütte oberhalb des Hintersees. Hier fanden sich anderntags auch einige SS-Männer ein. Mit ihnen stiegen wir in den folgenden Nächten höher in die Berge. ...“ (Vopersal, DF 3/75, S. 18)


    Ohne nachhaltigen Widerstand drangen Vorhuten der 7.US-Armee bereits am 1.5.1945 bei Scharnitz in Tirol ein. Am 4.Mai rollten die ersten Panzer des XV. US-Korps durch Salzburg, um am nächsten Tag auf Berchtesgaden vorzustoßen. Bei der Einnahme der Stadt fielen nur wenige Schüsse. So standen am 5.Mai 1945 die amerikanischen GI vor den Trümmern des Berghofes. (Vopersal, DF 3/75, S. 18)
    Die Gruppe der SS-Nebelabteilung, die nach Schellenberg befohlen worden war, hielt sich noch etwa zwei Tage am Untersberg, dann löste sie sich auf. Die Männer versuchten, über Salzburg ihre Heimatorte zu erreichen.
    Die am Obersalzberg versammelten SS-Maiden gerieten in amerikanische Gefangenschaft und wurden in das Lager Bischofswiesen eingeliefert. Nach mehreren Wochen wurden sie in ihre Heimatorte entlassen. Unterdessen hielt sich die Gruppe mit der SS-Maid M. K. immer noch in den Bergen versteckt: „ ... Die nächsten drei Wochen verbrachten wir „untergetaucht“ in der Waldeinsamkeit. Eines Tages stöberten uns amerikanische Soldaten auf. Wir gaben uns als Holzfällerehepaar aus. Man ließ uns ungeschoren ...“ (Vopersal, DF 3/75, S. 18, s. a. Karte)


    Herzliche Grüße nach Wien
    Dein Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo alle zusammen!


    Erst einmal ganz herzlichen Dank an RolandP für die Auszüge aus dem Vopersal-Artikel! Das hat mir viel Lauferei erspart.


    Bei der Aufstellung 1943 hatte die SS-Nebelabteilung Obersalzberg also eine Stärke von 600 Mann.
    Gliederung:
    Abteilungsstab
    Stabsbatterie mit Wetterzug
    1.Batterie mit I.-III.Zug
    2.Batterie mit I.-III.Zug
    3.Batterie mit I.-III.Zug [1]


    Jeder Zug bei den drei 'schießenden' Batterien hatte 30 Nebelfässer [2]. Macht also 90 Nebelgeräte je Batterie und zusammen 270 Stück für die Abteilung.


    Ab Januar 1945 wurde das männliche Personal schrittweise durch SS-Nachrichtenhelferinnen ersetzt. Von Januar bis Anfang April 1945 trafen insgesamt 172 SS-Helferinnen in Berchtesgaden ein (Mühlenberg, 2011, S.342) Die letzten SS-Männer sollen die Nebelabteilung schon Ende März verlassen haben [3].


    Nun mein Problem: Selbst wenn man annimmt, daß Abteilungsstab und Stabsbatterie mangels Frauen mit Spezialqualifikation weiterhin in Männerhand blieben, müssen doch etwa 400 - 450 Männer durch 170 Frauen ersetzt worden sein. Irgendwie sehe ich da jetzt ein Mißverhältnis, es gab mehr Nebelgeräte als Helferinnen! Dies zumal die Arbeit körperlich anstrengend war. Laut einer Bildunterschrift im Buch von Neul [4] wog so ein Nebelfass 6 Zentner, also 300 kg. Auch Hampe ([5], 1963, S.360]) spricht davon, daß Frauen im allgemeinen mit dem Bewegen solcher Nebelfässer überfordert waren.


    Neben den SS-Nachrichtenhelferinnen scheinen daher auch Flakhelfer als 'Lückenfüller' bei der SS-Nebelabteilung eingesetzt worden zu sein. Er gab in Berchtesgaden das Wehrertüchtigungslager V/19 der Hitlerjugend ([6], Vitári, 2001, S.35). Einer der Jungs dort war ein gewisser Helmut Kohl, der im Dezember 1944 mit einem Transport der Kinderlandverschickung aus Ludwigshafen eingetroffen war (Schwan u. Steininger, 2010, S.16).


    (Schwan u. Steininger, 2010, S.16-18)


    Der erste, der einen Vernebelungseinsatz der Hitlerjungen erwähnt, scheint Werner Maser in seiner Kohl-Biographie (1990, S.29) gewesen zu sein. Kohl selbst erwähnt in seinen Memoiren (2004, S.38ff.) nichts von irgendwelchen Vernebelungseinsätzen.


    Da - soweit mir bekannt - die SS-Nebelateilung Obersalzberg die einzige Einheit mit Nebelfässern in Berchtesgaden war, müßten die Flakhelfer dort eingesetzt worden sein. Auch der Zeitpunkt der Vereidigung am 3. April deutet darauf hin, denn mit dem Abzug der SS-Mannschaften war entsprechender Personalbedarf entstanden.


    In wie weit Kohl selbst an Einsätzen beteiligt war, bleibt leider unklar. Kohl selbst (2004) und auch Maser (1990) sprechen nur von Aktentransporten Kohls, während insbesondere Dreher (1998, S.39) einen Nebeleinsatz herausstellt, leider ohne Angabe irgendwelcher Quellen.

    Fußnoten:


    [1] Nebelfässer
    [2] http://www.forum-der-wehrmacht…hp?postid=91286#post91286
    [3] http://www.forum-der-wehrmacht…hp?postid=91293#post91293
    [4] http://forum.axishistory.com/v…ic.php?p=1205849#p1205849
    [5] http://gsb.download.bva.bund.d…r_Luftwaffe_S_345_361.pdf
    [6] http://nemettortenelem.tti.btk…publ/Massensuggestion.pdf, Fußnote 92


    Quellen:


    Dreher, Klaus
    Helmut Kohl. Leben mit Macht.
    Deutsche Verlags-Anstalt; Stuttgart; 1998


    Hampe, Erich
    Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg
    Bernard & Graefe Verlag; Frankfurt; 1963


    Kohl, Helmut
    Erinnerungen. 1930 - 1982
    Droemer Verlag; München; 2004


    Maser, Werner
    Helmut Kohl. Der deutsche Kanzler.
    Ullstein Verlag; Berlin/Frankfurt a.M.; 1990


    Mühlenberg, Jutta
    Das SS-Helferinnenkorps.
    Ausbildung, Einsatz und Entnazifizierung der weiblichen Angehörigen der Waffen-SS 1942 - 1949
    Hamburger Edition HIS; Hamburg; 2011


    Neul, Josef
    Adolf Hitler und der Obersalzberg.
    Deutsche Verlagsgesellschaft; Rosenheim; 1997


    Schwan, Heribert; Steininger, Rolf
    Helmut Kohl. Virtuose der Macht.
    Artemis & Winkler Verlag; Mannheim; 2010


    Vitári, Zsolt
    Massensuggestion und Militärdrill.
    Kapitel aus der Geschichte des Hochlandlagers der Hitlerjugend
    Dipl.Arb.; Universität Pécs; 2001



    Viele Grüße
    Torsten

  • Hallo RolandP


    Kleine Korrektur.
    Die 3.US-InfDiv marschierte um die Mittagszeit des 4.Mai 1945 in die Stadt Salzburg ein.
    Das 7.InfR dieser Division erreichte um 1600 Uhr desselben Tages Berchtesgaden und besetzte noch an diesem Nachmittag den Obersalzberg.
    Am nächsten Tag, also am 5. Mai erreichte dieser Truppe der Befehl, den Obersalzberg der 101.US-AbnDiv zu übergeben und sich in Salzburg mit der eigenen Division zu vereinigen.
    Aus diesem Anlaß wurde am 5.Mai eine (Abschieds-)Flaggenparade veranstaltet. Diese Flaggenhissung zum Abschied vom Obersalzberg wird immer wieder verwechselt mit einer Flaggenhissung als Zeichen der Einnahme des Obersalzbergs.
    Dieses Thema der Besetzung des Obersalzberges wurde in den letzten Jahren u.a. auch durch ein deutsch/amerikanisches historisches Symposion in Berchtesgaden bestätigt. Zugleich wurde auch die langjährige Diskussinon, wer den Obersalzberg als erste Truppe erreichte und auch besetzte, hoffentlich endgültig bereinigt. Vor drei Jahren wurde durch die 3.US-InfDiv neben dem neuen Hotel Intercontinental am Obersalzberg eine Gedenktafel über diese Ereignisse errichtet.


    Gernod

  • Hallo,


    da gibts ein Buch von Herrn Dr.Bernhard Frank,
    der Zeitweise Kdr. auf dem Obersalzberg war.


    Ich habe es nicht vorliegen, evl. hat es jemand, und könnte nachsehen
    ob zu dem Sachverhalt was drin steht.
    Grüße, ZAG

  • Hallo zusammen,



    kann das auf diesem Foto (Fundstelle Ebay) eines dieser "Nebelgeräte" sein?


    Herzliche Grüße Roland

    Files

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  • Hallo Thilo,


    vielen Dank :thumbup:


    Herzliche Grüße Dein Roland

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