Oberst Gustav Petri

  • Hallo an alle,
    ich bin auf der Suche nach dem Buch "Schicksalstage im Harz" von Manfred Bornemann. Auf der Seite 38 soll dort von dem Offizier Gustav Petri berichtet werden, der als letzter Kampfkommandant von Wernigerode die Stadt übergeben wollte. Das Unternehmen scheiterte und Petri wurde exekutiert. Hat jemand von Euch das Buch und könnte mir einen Scan der entsprechenden Seite zur Verfügung stellen?
    Viele Grüße
    Lars

  • Auf Buchsuche für dich diese Seite entdeckt:


    http://www.alpha64.de/1945.htm



    http://www.zvab.com/basicSearc…tXDays=-1&itemsPerPage=10


    zwei Buchangebote Antiquariat - falls es keiner hat :)
    und vielleicht kannst du es ja in einer Bibliothek ausleihen (Fernleihe auch noch
    als Tipp)



    weitersuche -------->
    lieber Gruß
    Gitta

    +++++++


    Suche Informationen zur Allgemeinen SS und Sondereinsätzen der Gestapo Prag, Belgrad, Budapest

    Edited 3 times, last by aufdersuche ().

  • Hi
    Die Bornemann Bücher gibt es noch in Bad Harzburg zu kaufen.
    Jan

    Suche alles über die Endkämpfe, III.SS-Panzerkorps, 11.SS-Pz.Gren.Div.Nordland und die letzten Gliederungen von Divisionen, Kriegsgliederungen der Armeen

  • Hallo,
    hier amtliche Daten.
    Gruß
    Jörg


    ==========================
    Gustav Carl Justus Ludwig Petri
    *03.06.1888 in Gießen


    Heirat am 30.04.1919 in Gießen (Standesamtregister Nr. 89):


    1. der Kaufmann Gustav Carl Justus Ludwig Petri
    ev., wohnhaft in Gießen, Marktplatz 18, Sohn des Kaufmanns Carl Petri, verstorben und zuletzt wohnhaft in Gießen, und seiner Ehefrau Johanna geb. Scheffer, wohnhaft in Gießen


    2. die Marie Emilie Henriette Hettler
    ohne Beruf, ev., *28.03.1892 in Gießen, wohnhaft in Gießen, Frankfurterstr. 1, Tochter des Konditors Hieronymus Heinrich Hettler und seiner Ehefrau Marie Emilie geborene Rinklim, wohnhaft in Gießen


    Zeugen:


    3. der Bankbeamte Carl Petri, 28 Jahre, wohnhaft in Gießen, Marktplatz 28


    4. der Student Oskar Kühn, 33 Jahre, wohnhaft in Marburg, Kreis Marburg.


    Randvermerke:


    1) Standesamt Darmstadt I, 1946 Nr. 1073 (verstorben Anfang April 1945 in Elbingerode)


    2) Sohn geboren 21.06.1920 in Gießen, gefallen 29.05.1940 in Frankreich, Standesamt Darmstadt 1940 Nr. 1446


    3) Kind geboren 1924 Nr. 329, 1. Ehe: Nr. 261/1956, Standesamt Bad Godesberg


    ==========================
    Standesamt Darmstadt Nr. I/1073, 08.10.1946:


    Der Oberst Gustav Karl Justus Ludwig Petri, wohnhaft in Darmstadt, Mathildenstr. 49, ist Anfang April 1945 in Elbingerode. Die Todesstunde ist unbekannt.


    Schriftliche Anzeige der Abwicklungsstelle der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht vom 28.08.1946.

  • Hallo,


    zu Gustav Petri hatte ich vor einiger Zeit hier im Forum einen Beitrag mit einigen Daten und Quellen eingestellt: RE: Anloy/ Belgien 22.8.1914

    Ergänzend dazu noch ein Bestandseintrag im Bundesarchiv für eine Personalakte und die Daten vom Volksbund, vielleicht noch von Interesse:

    Quelle: Bundesarchiv/Invenio u. Gräberdatenbank Volksbund


    Gruß, J.H.


    PERS 6/11350

    Petri, Gustav

    Bestandsbezeichnung: Personalunterlagen von Angehörigen der Reichswehr und Wehrmacht

    Geburtsdatum: 3.6.1888

    Sterbedatum: 12.4.1945

    Amtsbezeichnung/Dienstgrad: Oberst

    Dienststelle: Heer

    Unterlagenart: Personalakte

    Alte Signatur: PA/41626

    Benutzungsort: Freiburg


    Name: Petri

    Vorname: Gustav

    Dienstgrad: Oberst

    Geburtsdatum: 03.06.1888

    Geburtsort: Gießen

    Todes-/Vermisstendatum: 11.04.1945

    Todes-/Vermisstenort: Elbingerode

    Gustav Petri ruht auf der Kriegsgräberstätte in Blankenburg, Ehrenfrdhf. Endgrablage: Einzelgrab

  • Hallo,

    wenn ich die Daten zu Oberst Petri richtig interpretiere, so gibt es bis jetzt mindestens 2 Dinge, die im Dunkeln blieben. Zum einen, wo er konkret erschossen und zuerst begraben wurde und wer den Befehl zu seiner Erschießung gab. Ob er bei Drei Annen Hohne (Harz) nach seiner Erschießung seine letzte Ruhestätte fand, wurde nach Graböffnung in den 70zigern nicht zweifelsfrei belegt, weil zu schludrig durchgeführt.

    Von einem Kriegsgerichtsurteil dazu konnte ich noch nichts lesen. Vielleicht ist im Forum mehr darüber bekannt. Es gab ja wohl nach dem Krieg einen Prozess gegen F. Estoril und Co in dieser Angelegenheit.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    hier ein paar Bestätigungen aus offiziellen Unterlagen:


    RDA:

    Hauptmann (E) 01.07.34(127)

    Major (E) 01.10.39(21)

    Oberstleutnant 01.03.42(207)

    Oberst 01.07.44(2)


    12.10.1937:

    erwähnt als Hauptmann (E) und Adjutant beim Landwehrkommandeur Darmstadt


    xx.xx.xx:

    Kommandeur I./Infanterie-Regiment 404, 246. Infanterie-Division, Wehrkreis XII


    20.07.1942:

    Führerreserve OKH, Dienst regelt Wehrkreis XII


    15.09.1942:

    kommandiert zum Militärbefehlshaber Frankreich, Einweisung in die Geschäfte eines Feldkommandanten


    Quellen: NARA T78 R511-0510, T78 R908-804, T78 R923-1158, T77 R937-0041


    Grüße

    Jörg

  • Hallo,

    Oberst Petri war bereits im 1. Weltkrieg aktiv, sowohl an der West-als auch an der Ostfront. Dabei erlitt er zahlreiche Verwundungen. So zum Beispiel als Zugführer in Frankreich 1914 einen Mund- und Kieferndurchschuss. Seitdem trug er ein Gebiss. Nach seiner Reaktivierung trat er wohl als Hauptmann 1936 in die Deutsche Wehrmacht ein. Den Kriegsbeginn erlebte er an der Westfront. Später an die Ostfront versetzt, gelangte er mit seiner Einheit bis kurz vor Moskau. Hier erlitt er eine schwere Verwundung an der linken Gesäßhälfte. Diese führte auch dazu, dass er in die Führerreserve OKH versetzt wurde. Als Feldkommandant in Frankreich war er über das Departement Oise in Beauvais nördlich von Paris eingesetzt. Als Korück erreichte er am 08.04.1945 den Harz. In der Nacht vom 10.04. auf den 11.04.1945 erhielt Petri von seinem Vorgesetzten, Oberst Linemann, den Befehl, als Kampfkommandant von Wernigerode zu fungieren. Das lehnte Petri ob der militärischen Sinnlosigkeit ab. Letztendlich war dies sein Todesurteil. Am 12.04.1945 erfolgte seine Erschießung wegen Befehlsverweigerung. Wo dies geschah, konnte bisher nicht heraus gefunden werden. Es wird angenommen, dass sie an der Straße von Elbingerode nach Drei Annen Hohne erfolgte. Dort gab es nach den Kämpfen ein Kriegsgrab, in dem mehrere tote Wehrmachtsangehörige lagen. Bei den Umbettungen aus dem besagten Grab wurde unter anderem ein Gebiss gefunden, dass später wieder verschwand, ohne Abgleich bzw. Zuordnung. Eine ZZ will Oberst Petri in Drei Annen Hohne im besagten Zeitraum gesehen haben. Daher die Annahme, dass dort sein Leichnam beerdigt wurde. 1976 erfolgte die Exhumierung der vorhandenen Gebeine der Kriegstoten und die Überführung auf den Blankenburger Waldfriedhof. (Quelle: ,,Geschichtsprojekt Blankenburger Waldfriedhof")

    Zur Person Petris gibt es ein Buch von P. Lehmann: ,,geachtet-geleugnet-geehrt: Oberst Petri, Retter von Wernigerode".

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    Oberst Petri war als Reserve-Offizier auch schon im 1.Weltkrieg aktiv und wurde mehrfach verwundet, es gibt auch ein Buch mit dem Titel "...geachtet--geleugnet-geehrt: Oberst Gustav Petri, Retter von Wernigerode", Autor Peter Lehmann; darin enthalten auch sein Kriegstagebuch aus den Jahren 1939-1945.


    Gruß, J.H.

  • Hallo,

    hab mal wegen der Umstände der Erschießung von Oberst Petri weiter im Internet recherchiert. P. Lehmann, der das bereits erwähnte Buch zu Oberst Petri schrieb, geht von folgendem aus. Es gab weder ein ordentliches Kriegsgerichtsverfahren noch lässt sich ein Standgericht im Falle Petri nachweisen. Der verantwortliche Richter, Dr. Weber, beim AOK 11 weilte zum besagten Zeitraum nicht beim Generalstab der 11. Armee. General W. Lucht als Oberbefehlshaber der 11. Armee kannte auf Befragung den Fall Oberst Petri nicht. Der Armeegefechtsstand der ,,11." befand sich vom 11.04.45 nachmittags bis 13.04.45 früh in Braunlage, wo er sich aufhielt. Oberst F. Estor, Stabschef der 11. Armee hielt sich vom 11.-12.04.45 auf dem Gefechtsstand des LXVII. AK in Wippra auf. Nachrichtenverbindungen dorthin im besagten Zeitraum sollen nicht existiert haben. Oberst Hans Linemann, Quartiermeister und unmittelbarer Vorgesetzter von Oberst Petri hat sich nur dazu bekannt, die vorläufige Verhaftung von Petri veranlasst zu haben. Zu den weiteren Vorgängen hat er sich bis zu seinem Tode 1995 ausgeschwiegen. Als Hintergrund ist es wichtig zu wissen, dass im Vorfeld der Erschießung von Oberst Petri der Befehl Himmlers den Stabsoffizieren der 11. Armee bekannt war, dass jeder Ehre und Leben verlor, der nicht jede Stadt, jedes Dorf gegen den anrückenden Feind verteidigte bzw. Städte zu offenen Städten erklärte, wie zum Beispiel Goslar als Lazarettstadt. Damit war der Willkür Tür und Tor geöffnet. Nun brauchte es nicht einmal ein Standgerichtsverfahren, um jemanden zu töten.

    Lehmann geht davon aus, dass Stabsoffiziere des AOK 11 Petri erschießen und heimlich verscharren ließen. Der 2. Quartiermeister, ein Major Dold, soll später gegenüber Angehörigen gestanden haben, die Erschießung Petris veranlasst zu haben. Es erfolgte auch keine offizielle Benachrichtigung über die Erschießung Petris an seine Frau durch das Armeeoberkommando. Lediglich dem Stab Korück wurde nach Tagen im April 45 durch den Major Dold der Tod von Oberst Petri mitgeteilt. Letztendliche Gewissheit wird es über die besagten Vorgänge nicht geben. Weder im Wiedergutmachungsprozeß 1958 noch bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main von Amtswegen wegen des Verdachts eines Kriegsverbrechens im Falle Petris brachte die erforderlichen Erkenntnisse. Bis zu Ihrem Tode 1972 hat die Witwe Henny Petri daher nie erfahren, wo ihr Mann erschossen wurde und seine letzte Ruhestätte fand.

    MfG Wirbelwind

  • Guten Abend,


    im Buch "Standgerichte im Zweiten Weltkrieg" von Heinz-Werner Sondermann (2015 Helios Verlag) gibt es einen Kapitel über Gustav Petri.


    Am Familiengrab in Gießen gibt es eine Gedenktafel für ihn.


    Viele Grüsse,


    BB

  • Hallo,

    zu den Posts #11 und #12 noch folgende Ergänzungen aus meiner Sicht.

    Oberst Petri meldete sich am 10.04.45 gegen 23.00 Uhr bei seinem Vorgesetzten telefonisch in Sankt Andreasberg, beim Stabsquartier des Quartiermeisters der 11. Armee. Er gab einen Lagebericht über die Zustände betreffs der Verteidigungsbereitschaft der Stadt Wernigerode und das sie Lazarettstadt sei, durch. Zu dieser Zeit gab es in Wernigerode keine Wehrmachtseinheiten, die zur Verfügung standen, nur schlecht ausgebildete und ausgerüstete Volkssturmmänner in einer geringen Anzahl sowie HJ des Jahrganges 1929. Der erste Kampfkommandant, Hauptsturmführer Neuhaus, war aus gesundheitlichen Gründen zurück getreten.) ,,Mit diesen Haufen von Korück die Stadt nicht zu verteidigen sei." Trotzdem wurde ihm befohlen, als neuer Kampfkommandant von Wernigerode die Verteidigung zu organisieren. Dies lehnte Petri trotz zweimaligen dienstl. Befehls dazu ab. Er erklärte sich bereit, die Stadt verteidigen zu wollen, wenn ihm eine Division zur Verfügung gestellt würde. Auch beim zweiten Telefonat am 11.04.45 zwischen 02.00-03.00 Uhr morgens blieb Petri bei seiner Weigerung.

    Als altgedienter Militär wusste Oberst Petri, was Befehlsverweigerung, noch dazu im Krieg, bedeutete. Ob er damit rechnete, erschossen zu werden, ist mir nicht bekannt.

    Am Morgen des 11.04.45, 06.00 Uhr, kamen ein Oberstleutnant und ein Major, um ihn zu verhaften. Petri übergab zuvor seinem Burschen, Franz Rotter, seine letzten Tagebuchaufzeichnungen zur Weiterleitung an seine Frau. Er fuhr dann mit beiden in einem Pkw nach Elbingerode weg. Später wurde er dort nochmals gesichtet. Danach verliert sich seine Spur.

    Die Grabplatte am Familiengrab der Petris in Giesen wurde von den ehemaligen Kameraden des 116.Regiments und des 254. Reserveregiments zu seinem 75. Geburtstag am 03.06.1963 gestiftet und aufgestellt.

    2015 erfolgte auf Betreiben von G. und E. Döpfer mit Einverständnis der pflegenden Angehörigen die Restaurierung der inzwischen noch kaum lesbaren Grabplatte. Die Kosten dafür übernahm die Stadt Wernigerode.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo

    Nach meines Wissen handelte es bei der Erschießung von Petri um das Wach-/Begleit Kommando der 11.Armee.

    Dieses bestand aus W-SS Männern. Diese traten nicht mehr über zum III.SS-PzK bei Auflösung der "11.SS-Armee".

    Estor konnte nichts darüber Wissen weil er mit dem Korps eingekesselt war und in Auflösung befand.

    Reste trafen nach einen Ausbruch versuch beim Stab der 11.Armee ein.

    mfg Jan

    Suche alles über die Endkämpfe, III.SS-Panzerkorps, 11.SS-Pz.Gren.Div.Nordland und die letzten Gliederungen von Divisionen, Kriegsgliederungen der Armeen

  • Hallo,

    konnte bisher keine Aufzeichnungen zu einem Wach-/Begleitkommando der 11. Armee finden, lediglich einen Feldgendarmerie-Trupp 467. Auch eine Rückfrage beim Autor P. Lehmann führte zu keinem anderen Ergebnis. Ihm ist bei seinen Recherchen zu Oberst Petri, speziell zu seinem Todesumständen dergleichen nicht untergekommen. Nach seiner Auffassung können SS-Angehörige oder Offiziere des AOK 11 Petri erschossen haben.

    Daher wäre ich für eine belastbare Quelle, die die Existenz dieses Kommandos belegt, dankbar.

    Nach meinem Kenntnisstand befand sich Oberst Estor zum Zeitraum der Erschießung Petris (11.-12.04.45) auf dem damaligen Gefechtsstand des 67. AK in Wippra. Dorthin waren aber die Nachrichtenverbindungen gestört, so dass wohl keine unmittelbare Unterrichtung möglich war.

    Möller erwähnt in seinem Buch ,,Der Kampf um den Harz im April 45" keinen Ausbruchsversuch von Resten des LXVII. AK zu anderen Truppenteilen der 11. Armee in den Hochharz.

    Auch da würde ich mich über belastbare Kenntnisse freuen.

    MfG Wirbelwind

  • Hi

    Details kann ich nicht anbieten.

    Tut mir leid.

    Jan

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  • Hallo,

    habe mich nochmal an Herrn J. Möller gewandt zum Thema Wachzug 11. Armee und Situation LXVII. AK 11.-12.04.45. Er hat im Vorfeld zu seinem Buch: ,,Kampf um den Harz im April 1945"sich auch mit dieser Problematik befasst.

    Nach seiner Auffassung gab es einen Wachzug, der den Armeegefechtsstand der 11. Armee zu bewachen hatte. Die Einkesselung des 67. AK am 11./12.04.45 verneint er. Die gestörten Nachrichtenverbindungen zwischen AOK 11 und 67. AK im besagten Zeitraum hält er für möglich.

    Es bleibt für mich weiter spannend, weil sich die Aussagen von Lehmann und Möller in punkto Wachzug widersprechen. Vielleicht gibt es ja eine endgültige Klärung. Mir leuchtet die angesprochene Bewachungsaufgabe ein.

    MfG Wirbelwind