Verpflegung der Soldaten

  • Hallo zusammen.


    Hier nochmal was über den Anbau von Gemüse.


    Link


    Wurde denn wirklich so viel selbst angebaut im Rückwärtigen Gebiet? Ich kann mir das gar nicht Vorstellen. Um da effektiv was raus zu bekommen müssten das doch rießige Flächen gewesen sein. Dazu kommt dann noch die Veränderung des Frontverlaufes usw... Also hat sich so was bewährt bzw. gelohnt?


    Edit: Link angepasst und noch die Frage: Welche Einheit Steckt bitte hinter Frauentagen, Männertagen & Pferdetagen (steht da wo der Knick ist links unten)

    Grüßle Petzi

  • Hallo,


    Quote


    Wurde denn wirklich so viel selbst angebaut im Rückwärtigen Gebiet?

    dürfte auch etwas Beschäftigungstherapie gewesen sein, Soldatenleben besteht bekanntlich überwiegend aus zeit-totschlagen. Bevor die Leute trübsinnig werden oder auf dumme Ideen kommen lieber sowas.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    es wurde überall und immer während dem Krieg, dort wo es irgenwie ging, Gemüse angebaut, sogar mitten in Berlin.

    ( Wenn ich das Foto dazu noch finde, es ist in irgendeinem Buch abgedruckt, dann stelle ich es ein.)


    Gruß Karl

  • Grüß Dich Karl,


    Recht hast Du! Während und nach dem Krieg wurde in Berlin auf allen erdenklichen Flächen Gemüse angbebaut. In den Großstadtschluchten der Städte bauten die Volksgenossen während des Krieges

    Gemüse auch auf Balkonen und Terrassen an. Selbst auf den Fensterbrettern wurden leere Konservendosen aufgestellt, die mit allerlei Gemüse bepflanzt wurden.


    Wenn im Niemandsland der Ostfront von den geflüchteten Bewohnern bestelltes Ackerland zurückgelassen wurde, dann versorgten sich die Soldaten auch daraus, z.B. mit Kartoffeln oder Sonnenblumenkernen.

    Grüße

    Bert

  • Hallo in die Runde,


    im Felde wurde die Verpflegung in ''Notzeiten'' gestreckt, ein Kriegs-Teilnehmer hat mir aus eigener Erfahrung berichtet, beispielsweise wurde den Suppen oft Brennnessel beigemischt.


    Zur Selbstverpflegung: Manche Soldaten haben in Kaffeemühlen, diese Holzkästen mit Kurbel, etwas Getreide gemahlen um sich so etwas wie ''Brot'' vor Ort selber zuzubereiten.



    Gruß


    moinsen

  • Hallo Moinsen,


    ja, es wurde gestreckt. Die Brennessel hemmt das Bakterienwachstum und ist reich an Vitamin C, also sehr gesund. Man verwendet spezielle die Blätter und Samen, aber auch die Stängel lassen sich verarbeiten.

    Wie von mir schon berichtet wurde in dem Brotteig u. a. ganz fein gemahlenes Holzmehl beigegeben. Habe solche Säcke mit Holzmehl selbst gesehen.


    Gruß Karl

  • Tag allerseits,


    was das damalige Brot in der Zeit von Ende 1944 bis etwa 1947 betraf, dem waren allerhand andere Stoffe beigefügt. Das mit dem Holzmehl war wohl die unangenehmste Variante der Beifügung.

    Ich erlebte noch als kleiner Junge, dass nach Kriegsende Brot verkauft wurde, dem Kartoffeln (in ziemlich großen Brocken) beigemischt waren. Dieses Brot war nur in warmen Zustand noch einigermaßen

    genießbar, es schmeckte fürchterlich. Von meinem Vater erfuhr ich jedenfalls, dass solche "gestreckte Brotsorten" selbst in den letzten Kriegsmonaten an der Front nicht verabreicht wurden.


    Grüße

    Bert

  • Hallo lieber Bert,

    hallo Moinsen,


    heute gibt es auch wieder allerlei Zugaben zum Brot als Schlankmacher? ( Karotten, Eiweiß usw.)


    Gruß Karl

  • Tag allerseits,


    nach dem Krieg gab es nur eine Hand voll Brotsorten. Heute ist das ganz anders. Und billig war das Brot damals. Ein Kilogramm Roggenbrot kostete noch Jahre nach der Währungsreform 46 Pfennige.

    Ähnlich war es bei Semmeln und Brezen (5 Pfennige bzw. 6 Pfennige). Das waren wohlschmeckende Brote und ordentliche Semmeln und Brezen. Heute kostet eine Breze beim Bäcker schon 68 Cent.


    So ändern sich die Zeiten!


    Interessant auch, dass in den Nachkriegsjahren bei Bäckern Kastenbrot (das eigentliche Kommissbrot) im Angebot war. Mein Vater war alles andere als heikel, aber dieses Brot aß er nach Kriegsende nicht mehr.


    Grüße

    Bert

  • Hallo lieber Bert,

    hallo liebe Lesern,


    interssant ist die Backweise beim Kommissbrot. Eigentlich von der Form her ein Kastenbrot. Da man aber bei den Rückzügen und dem fehlen der Blechkastenformen man sich auch die mühevolle und zeitraubende Arbeit mit den Blechkästen sparen wollte, hat man die Brote dicht nebeneinender gelegt um so einen ähnlichen Effekt zu erreichen. Erforderlich war dabei die Brote seitlich gut zu mehlen oder nässen, wenn möglich zu fetten.

    Wer hat da schon noch nachgewogen...hauptsächlich man hatte Brot. Da war selbst der Fourier oder Küchenuffz. froh etwas ausgeben zu können.

    Übrigens: Da gab es oft gar keine Stärkemeldungen zur Feldbäckerei, Feldmetzgerei, Feldküche, die ja meist selbst auf dem Rückzug waren; weil zu lange gehalten werden musste und es dann oft fast überstürzt zurück ging; selbst für die Nachschubdienste.

    Es lief oft so, dass man die Lebensmittel einfach neben der Rückzugstrasse für Jedermann mitnehmbar ausgelegt hat, damit diese nicht in Feindeshand fielen.

    So wurden oft auch leicht verderbliche Rohwaren zur Selbstverarbeitung ausgegeben. Was auf dem Rückzug wohl roh gegessen wurde, wenn möglich.

    Und "beschissen" wurde auch. Stärkemeldungen mit weniger Verlusten; allerdings schwer strafbar.


    Gruß Karl

  • Guten Morgen,

    ... hat man die Brote dicht nebeneinender gelegt um so einen ähnlichen Effekt zu erreichen.

    Dann wollen wir doch auch noch den Fachbegriff dazu ins Spiel bringen: So etwas nennt man "angeschobene Brote", im Gegensatz zu "freigeschobenen Broten", die sich nicht berühren.
    Literatur: Müller, Hermann: Die Feldbäckereien. Geschichte und Geschichten über das Kommissbrot, Wörthsee 2003.

    Grüße
    Jörg

  • Lieber Karl,


    Brot war für die Soldaten an der Front das Allerwichtigste, das sagte jedenfalls mein Vater. Auch wenn mein Vater dieses Kommissbrot nach dem Krieg nicht mehr aß, ich fand dieses Bäckerbrot in Kastenform,

    das nach der Währungsreform im Angebot war, durchaus gut. Und im Übrigen, die heutigen dunklen Bäckerbrote sind nicht mehr von der Qualität, wie die Roggenbrote der damaligen (meist kleinen) Bäckereien.


    Bei den Brotaufstrichen an der Front behalf man sich vielfach mit Tubenkäse und wenn nichts anderes verfügbar war, notfalls auch mit Kunsthonig. Den gab es während des ganzen Krieges und in den Jahren danach als 250 Grammpackungen in Würfelform.

    Grüße

    Bert

  • Moien!

    Was mich immer wundet, das die Fliegersonderverpflegung bis Kriegsende vorhanden war und ausgegeben werden konnte. Und Alkohol in allen denklichen Varianten reichlich vorhanden war! Mein Vater erwähnte immer den Kaffee, der zwar heiß aber ziemlich dünn gewesen sein. In Italien sei dieser aber hervorragend gewesen. Dagegen seien bestimmte Konserven der italienischen Verpflegung eine Zumutung gewesen, er erwähnte immer das Wort OTTO,muß wohl eine Abkürzung für Dosenfleisch(?) gewesen sein.

    Hat nicht Marseille diesen Schriftzug auf seinem Kübel gehabt?

    Guten Hunger!

    h.

  • Hallo,


    Quote


    Dagegen seien bestimmte Konserven der italienischen Verpflegung eine Zumutung gewesen, er erwähnte immer das Wort OTTO,muß wohl eine Abkürzung für Dosenfleisch(?) gewesen sein.

    vielleicht war es Gericht Nr. 8.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo, guten Tag an alle Beteiligten der "Ernährungsdebatte",

    das Thema hat mich doch gewundert und dann auch wieder fasziniert von wie vielen Seiten man das alles betrachten kann. Es fehlen ein paar Fakten wie ich finde, Fakten wie Sie nur der Krieg hervorbringen kann. Die Ernährungslage war im II. Weltkrieg sicher besser als das im 1. Krieg war. Es ist nicht vergleichbar. Die von den Deutschen besetzten Ländern wurden ohne Rücksicht ausgeplündert, z.B. ist aus Belgien bekannt dass die Rationen der Einheimischen immer weiter nach unten gesetzt wurden um Lebensmittel und alles andere verwertbare nach Deutschland zu schicken. In Polen, vor allem aber auch in Russland, in den unendlichen Weiten des Landes waren die Bestände an Transportmitteln geschrumpft, abgenutzt, bis an die Grenzen belastet, die wenigen Eisenbahnlinien wurden für Nachschub an Kriegsgerät und Munition gebraucht. Die Aufforderung an die Truppe sich "aus dem Land zu versorgen" ( Guido Knoop, "Die Wehrmacht" ) gab den VU´s freie Hand. In den Seiten 189 - 185 wird sehr eindringlich beschrieben wie dies systematisch betrieben wurde und damit zu einer ausreichenden Ernährungslage der Truppe beigetragen hat. So war es in allen Kriegen und so wird es auch immer sein. Ich denke dass man auch über diesen Punkt offen reden muss bzw. es mit in die Diskussion einfließen lassen muss.

    Die hungernde Zivilbevölkerung auf russischer Seite hat es ausbaden müssen und allen anderen besetzten Ländern hat man sich geholt was man brauchte. Schon mein Vater berichtete mir wie er in Frankreich mit den anderen 29 ern Weinkeller geplündert hat und in Russland holte was man brauchte. So ist immer der gut versorgt, welcher der Stärkere ist. Leider. Alle Eure Beiträge sind richtig, ich wollte das nur ergänzend anmerken.

    Beste Grüße, ich breche übermorgen zu meinem persönlichen "Feldzug" in die Bretagne auf und kann Euch garantieren dass ich auf den Wochenmärkten und Supermärkten bestens versorgt werde und mit Freuden die herrlichen Leckereien des Landes kochen werde. Allerdings werde ich nicht aus einem Kochgeschirr speisen müssen. Die "Hinterlassenschaften" aus Beton unserer Großväter werden mich an die Vergangenheit erinnern .....


    Liebe Grüße an alle wünscht Ulf

  • Hallo Ulf,


    Deine Ergänzung des Themas ist wichtig und richtig.

    Es gibt dazu auch entsprechende Untersuchungen.

    Hier zwei Beispiele:

    Martin Seckendorf:

    "Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941-1944, Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete."

    Sebastian Stopper:

    "Das Brjansker Gebiet unter der Herrschaft der Wehrmacht" (Dissertation)


    Gruß Karl

  • Tag allerseits,


    bei diesem Thema geht es nicht nur um die Wirtschaftspolitik des NS-Staates mit Blickrichtung auf die besetzten Länder, es gibt auch andere Aspekte zur Not der Zivilbevölkerung in den Kampfgebieten.


    Bei den Kämpfen im Osten geriet die Zivilbevölkerung oftmals zwischen die Fronten. Soldaten der kämpfenden Einheiten erlebten dies hautnah. Da gab es bettelnde russische Kinder, die sich an die

    deutschen Soldaten heranwagten. Mein Vater war damals vor Woronesch bei der 57. ID. Seine Kameraden und er erbarmten sich der ausgehungerten Kinder und gaben Teile ihr Kaltverpflegung an sie ab,

    wissend, dass die Kinder damit auch täglich ihre Mütter versorgten. Schließlich bekamen die russischen Kinder auch noch Kunsthonig, der 1942 bei der Truppe problemlos verfügbar war. Bei solchen Handlungen ging es nicht um Krieg, sondern um tätiges Mitleid für die hungernde Zivilbevölkerung.


    Grüße

    Bert

  • Hallo, Many, herzlichen Dank für Deine Antwort zum Feldlazarett 615.

    Die angegebenen Standorte reichen mir völlig aus, sie passen genau zum "Bewegungsprofil" meines Vaters der an der Susha gelegen ist, mit der 29.ID (mot) und mit einer Zellgewebsentzündung einige Monate im Lazarett war. Danke sehr


    Beste Grüße von Ulf

  • Moin Bert,


    den sobez. "Kunsthonig" erinnere ich aus meiner Kinderzeit aus dem unergründlichen Keller der Urgroßeltern...

    Große Eimer aus Blech, gelb, auf dem Eimer eine Biene.

    All das hatten die Alten wohl schon vor 1945 beiseite geschafft, irgendwie.

    Bröckeliger Honigersatz, ließ sich nicht auf ein Brot streichen, Konsistenz damals wie nasser Zucker, und wurde wohl damals

    verhökert, verbacken, oder auch getauscht.


    War auf jeden Fall noch in den 1950er, und frühen 1960er Jahren ein wertvolles Produkt, das man übrigens auch heute

    noch kaufen kann.


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung