Zur Geschichte der Füsiliere

  • Frage zu den Füsilieren!!! (Id 1352)


    Moe
    Donnerstag, 07. November 2002, 19:38:55 Uhr

    Tag leute,
    was waren die Füsiliere zur zeit Friedrichs des großen bis Mitte des 19.Jht.?? etwa Kavallerie??
    Später waren es ja Truppen auf fahrrädern.



    Christian
    Donnerstag, 07. November 2002, 20:17:15 Uhr

    Füsiliere gehören (im 18 Jh. natürlich) zur Infanterie. Füsiliere waren bewaffnet mit einem Gewehr mit Bajonett
    und waren für den Kampf mit beidem ausgebildet. Wert wurde bei den Füsilieren für gewöhnlich auf eine gute Ausbildung
    im Nahkampf mit bajonettierter Waffe gelegt. Füsiliere zählten im Normalfall in den großen Armeen der Zeit
    zur Linieninfanterie - dass heißt sie marschierten und kämpften in geschlossenen Formationen - oft in den ersten Linien.


    Füsiliere wurden meist auch den Kanonenabteilungen zugeteilt als Schutz für Kanone und Bedienung.
    Manchmal erhielten Füsiliere auch eine oberflächliche Ausbildung an der Kanone - es gab Armeen in denen desöfteren
    mehr als die Hälfte der Kanonenmannschaft aus Füsilieren bestand.


    Zur genaueren taktischen Aufgabe der Füsiliere kann ich jedoch weiter nichts sagen - ist ja eigentlich nicht "meine" Zeit...



    Jörg Wurdack
    Freitag, 08. November 2002, 10:22:51 Uhr


    Friedrich der Große löste zunächst einmal die vier von seinem Vater übernommenen Füsilierbataillone auf.
    Erst 1773 wurden wieder 5 Füs.Rgt aufgestellt.


    Die Füsiliere Friedrich des Großen waren zunächst eine von drei Arten der Infanterie (Grenadiere, Musketiere und eben Füsiliere),
    die sich aber zunächst kaum von der anderen Linieninfanterie unterschieden.


    Erst 1787 wurden aus den bestehenden 5 Füsilierregimentern 24 Füsilierbataillone als "Leichte Infanterie" aufgestellt,
    die vermehrt im Gefecht in aufgelöster Ordnung ausgebildet wurden. Im Zuge der Armeereform nach 1808 bekam
    jedes Infanterieregiment ein Füsilier-Btl zugeteilt.


    Durch die zunehmende Waffenwirkung nach Einführung der Hinterladergewehre und die damit einhergehende
    Änderung in der Gefechtsausbildung verschwanden nach 1855 die Unterschiede zwischen Füsilieren und
    der normalen Infanterie zusehends. Aus Traditionsgründen hießen jedoch die dritten Bataillone der Garde-
    und der Grenadierregimenter weiterhin Füsilierb-Btl. (nicht aber die 3. Btl der Infanterieregimenter).
    Außerdem gab es bis 1918 14 reine Füsilierregimenter.



    Moe
    Freitag, 08. November 2002, 15:58:49 Uhr

    Hallo,
    danke für die Informationen,
    wie und wann kam man dann aber auf die idee, die füsilliere mit fahrrädern auszustatten??



    Jörg Wurdack
    Freitag, 08. November 2002, 16:41:49 Uhr


    Zwischen 1918 und 1943 gab es keine Füsiliere im deutschen Heer.


    Man hat daher nicht die Füsiliere mit Fahrrädern ausgestattet, sondern es wurden 1943 Füsilierbataillone neu aufgestellt
    und Teile dieser Bataillone mit Fahrrädern ausgerüstet. Der Name wurde nur aus Gründen der Traditionspflege gewählt.


    Zum Ablauf:


    Bis etwa 1943 hatten die meisten Infanteriedivisionen Aufklärungsabteilungen unterschiedlichster Zusammensetzung,
    dabei fast immer ein bis zwei Radfahrschwadronen.


    1943 wurden bei fast allen Infanteriedivisionen diese Aufklärungsabteilungen aufgelöst.
    Neu eingeführt wurde dafür ein direkt der Division unterstelltes "Füsilierbataillon", das zum einen
    infanteristisch eingesetzt werden konnte, zum anderen aber auch Aufklärungsaufgaben übernehmen sollte.
    Dazu wurde mindestens eine, teilweise auch mehrere Kompanien dieses Btl mit Fahrrädern ausgestattet.
    Gegliedert war das Füsilier-Btl wie ein normales Infanterie-Btl mit drei Schützen- und einer MG-Kompanie (Schwere MG und Granatwerfer).


    Auch nach 1943 neu aufgestellte Divisionen erhielten dann häufig ein solches Füsilier-Btl., z.B. die meisten Volksgrenadier-Divisionen.


    Etwa zum gleichen Zeitpunkt erhielten einige Infanterieregimenter aus Traditions- oder Propagandagründen
    den Namen "Füsilierregimenter". Dabei handelte es sich zum größten Teil um Regimenter, welche die Regimentsnummer
    der Füsilierregimenter der kaiserlichen Armee trugen. Im einzelnen wurden zu Füsilier-Rgt umgetauft:
    22, 26, 27, 34, 39, 68, 202, 230, 334 - außerdem Feldherrnhalle und Großdeutschland. Diese Füsilierregimenter
    waren aber ganz wie normale Infanterie-Regimenter bzw. Inf.Rgt (mot) ausgerüstet und gegliedert.



    Franz00030
    Samstag, 09. November 2002, 11:32:03 Uhr

    Der Begriff "Füsilier" stammt noch aus der Zeit der ersten Feuerwaffen. Es gab


    Musketiere: ausgerüstet mit der Luntenschloßmuskete


    Füsiliere: ausgerüstet mit dem Steinschloßgewehr


    Nachdem sich das Steinschloßgewehr durchgesetzt hatte verschwand die Muskete. Die Begriffe Musketier
    und Füsilier hielten sich aber noch einige Zeit obwohl alle diese Soldaten das Steinschloßgewehr erhielten.


    Ab 1783 unterschied man zwischen


    Linieninfanterie (teilweise auch noch als Musketiere bezeichnet): ausgerüstet mit Steinschloßgewehr mit glattem Lauf


    Füsiliere: ausgerüstet mit Steinschloßgewehr mit gezogenem Lauf


    Der "Füsilier" war zu dieser Zeit praktisch vom Einsatz her wie der "Jäger" mit dem Unterschied das Jägereinheiten Freiwilligenverbände waren.



    DerSternVonAfrika
    Samstag, 09. November 2002, 16:57:07 Uhr

    Es mag jetzt dumm klingen aber:


    Kann mir jemand erklären was der Unterschied zwischen glattem und gezogenem Lauf ist?


    mfg DerSternVonAfrika



    Christian
    Samstag, 09. November 2002, 17:24:31 Uhr


    Ein gezogener Lauf enthält sog. "Felder" und "Züge". Dabei würde man in einem Längsschnitt des Rohres Rillen sehen,
    die sich spiralförmig durch die ganze Rohrinnenseite ziehen. Diese Rillen werden als Züge bezeichnet,
    die hervorstehenden Zwischenräume sind die Felder. Das Kaliber einer Waffe mit gezogenem Rohr bemißt
    man hier von Feld zu gegenüberliegendem Feld.


    Diese Spiralförmigen Züge und Felder haben den Sinn, die Kugel nach dem Abfeuern im Lauf in eine
    Drehbewegung zu versetzen - die Kugel erhält einen "Drall" und dreht sich im Flug um ihre Längsachse.
    Dieser Drall stabilisiert die Kugel und sorgt für eine große Steigerung der Zielgenauigkeit.


    Läufe ohne diese Felder-Züge sind glatte Läufe.


    Für Infanterie in Linien ist ein solcher gezogener Lauf nicht so wichtig, da nicht wirklich punktgenau geschossen wurde,
    sondern die Streuwirkung aller Gewehre gemeinsam zählte. Für einzelne Schützen die gezieltes Feuer schießen,
    ist ein gezogener Lauf Vorraussetzung für eine gute Trefferquote.



    DerSternVonAfrika
    Samstag, 09. November 2002, 17:29:47 Uhr

    Danke Christian für die schnelle Antwort! Jetzt bin ich schon wieder etwas Schlauer!


    mfg DerSternVonAfrika



    Hans Dampf
    Samstag, 09. November 2002, 19:06:48 Uhr


    Hallo,
    ich kann in dieser frage noch folgendes buch empfehlen:
    "Grenadiere, Musketiere, Füsiliere - Die Infanterie Friedrichs des Großen
    von Martin Guddat.
    Dort werden die genauen unterschiede zwischen diesen Truppengattungen erläutert.