Hindernisbau: "Spanische Reiter"

  • Hallo,

    auch heute noch verwendet: Der "Spanische Reiter", ein Infanteriehindernis, das Zeiten und Kriege überdauert, wenngleich sich die Ausgestaltung aus technischen Gründen verändert hat.

    Der "Spanische Reiter:

    https://armeemuseum.de/de/aktuell/obj…her-reiter.html

    In den Vorschriften der Wehrmacht wird der "Spanische Reiter" , ich kürze ihn jetzte mit SPR ab, mehrmals in verschiedenen Varianten erwähnt:

    > H.Dv. 316 Pionierdienst aller Waffen

    > Ausbildungstafeln für die Infanterie 16/16 Sperren III

    > Merkblatt 57/ 5 Neuzeitlicher Stellungsbau

    > in Lehrfilmen des OKH

    > u.v.a.mehr

    Das hat folgende Gründe:

    - Grundmaterial oft vor Ort verfügbar

    - Verstärkung durch Stacheldraht möglich ( Heute Natodraht)

    - Verankerung im Erdboden möglich

    - Anbringung von Sprengladungen/Handgranten mit Abreißzünder/Minen möglich

    - schnelle Herstellung - auch vor Ort

    - gute und schnelle Verlegbarkeit, auch durch Zugseil aus gesicherter Stellung

    - durch mehrere Soldaten transportabel, da mit Transportarm versehen

    - Erweiterbar durch Drahtwalzen und zusätzlich Drahtverspannung möglich

    - kann mit Flandernzaun verbunden werden

    - gleichzeitige Anbringung von Stolpeerdraht vor dem SPR sinnvoll

    - mit leeren und aufgehängten Konservendosen versehen als Warnsignal zur Alarmierung

    - u.v.a.m.

    Steht kein Material zur Verfügung, kann der SPR auch durch ähnlich wirkendes Astverhau ( auch teilweise eingegraben) ersetzt werden

    https://www.bundeswehr.de/de/aktuelles/m…e-polen-5779900 (Etwa ab 4.00 wird Aktualität des SPR bestätigt)


    Ich bitte um Bildbeispiele/Fotos !

    Gruß Karl

    Sollte das Thema Interesse finden, beabsichtige ich es auf den Hindernisbau in den verschiedenen Facetten auszubauen.

  • Hallo Bernhard,

    sehr schön!

    Flandernzaun ( etwas nachlässig ausgeführt, evtl der Kälte geschuldet), mit SPR. Offensichtlich ist das Drahthinderniss (auf Bild 1) auch noch über den Graben gespannt, wohl um getrennte Verteidigungsbereiche für den Fall eines Frontdurchbruchs zu schaffen oder aber um eine Werfer- sMG Stellung etc. besonders zu sichern.

    Gruß Karl

  • Hallo Bernhard,

    diese Dokumente sind sehr interessant.

    Man muss bedenken, dass Unmengen von Draht an den Fronten und Befestigungen während des Krieges verbraucht worden sind.

    Es gibt m. W. eine Aufstellung des Stacheldrahtverbrauchs aus dem I. WK. In diesem Krieg kam der Stacheldraht erstmals in gewaltigen Mengen zum Einsatz.

    Herstellung eines "Spanischen Reiters":

    Kräfte:

    3 Mann

    Baustoffe:

    1 Stange 2,50 m lang,10 cm Durchmesser

    4 Stangen 1,50 m lang, 10 cm Durchmesser

    50 - 10 m Stacheldraht

    10 m Bindedraht, 2mm

    20 Drahtkrampen

    Werkzeug und Gerät:

    1 Säge

    1 Drahtschere

    1 Hammer

    2 Paar Schutzhandschuhe

    Zeit:

    8 Arbeitsstunden, bei 3 Mann 1 Stunde ohne anfördern der Baustoffe.

    H.Dv. 316

    Meine Anmerkung: Dabei spielt es keine Rolle, ob die Maße genau eingehalten wurden. Wichtig war die Wirkung als Hindernis, ggf war aber darauf zu achten, dass der SPR beweglich blieb zur unterschiedlichen Verwneung: Sperre zu, Sperre auf usw.

    Übrigens gab es die unteschiedlichsten Drähte: Größere Stacheln, dichter angebrachte Stacheln, Unterschiede in der Drillung, Unterschiede im Drahtdurchmesser usw.

    Ich gehe davon aus, dass es auch hierzu eine genaue Fertigungsvorschrift gab, aber der Zweck heiligt letztlich die Mittel!

    Auch interessant: Panzer fürchteten die Drahtrollen.

    "Es klingt fast unglaublich, ist aber in vielen Vesuchen praktisch bewißen, dass man mit mehreren solchen Rollen ( hier nur Drahtrollen) die dicht hintereinander lose über die Straße gespannt, ein einwandfreies Hindernis für Panzerkampfwagen hat. Noch besser ist es, wenn man diese K-Rollen über Waldwege spannen kann; in dieser Umgebung wird ein Panzer sie garnicht bemerken, denn die Sicht aus den Sehschlitzen ist doch ziemlich eingeschränkt; und ahnungslos wird er in diese Schlingen hineinfahren. Diese geben nach, der Panzer fährt durch die erste, auch druch die zweite K - Rolle, schleift sie mit, bei der dritten wird es wohl schon kritisch, denn der Draht setzt sich zwischen die Kettenglieder, er klemmt sich zwischen den Zähnen des großen Zahnradantriebes fest, der die Raupenkette des Panzers abrollt und diesen so vorwärtstreibt. Es gibt plötzlich Spannungen in der Kette, diese arbeitet ruckweise, und auf einmal reißt ein Kettenglied und das nächste oder das Zahnrad kann sich nicht mehr weiterdrehen, weil der Draht sich in einem unzerreißbaren Knäuel fest herumgewickelt hat. Jedenfalls ist der Panzer gefangen wie ein Elefant, dem eine Schlinge um die Füße geworfen. Dabei spielt das Gewicht der K - Rollen kaum eine Rolle, ohne Schwierigkeiten lassen sich auf einem Lastwagen eine ganze Anzahl solcher Rollen neben der eigentlichen Ladung noch zusätzlich mitnehmen." ( Sofern man hat! Siehe oben) Hauptmann Dr. Springer

    Quelle: "Durch die weite Welt, 18. Band"

    Gruß Karl

  • Hallo,

    das Arbeiten mit dem (rostigen) Stacheldraht war beim damaligen Stand der Medizin nicht ungefährlich.
    Ich hatte vor einiger Zeit die Gräberkarte eines jungen RAD-Mannes "in der Hand", auf der als Todesursache "Stacheldrahtverletzung" angegeben war.

    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,

    Das gab es, wie man sieht.Stacheldrahtverletzungen waren bei Verlegung von Drahthindernissen -trotz Schutzhandschuhen häufig, besonders gefährlich waren mehrfache Vverwundungen bei Angriffen durch Stacheldrahthindernisse. Bekannt ist auch, dass es für die Späh - und Stoßtrupps geboten war, den zu durchzuschneidenden Draht vorher durch den zweiten Soldaten festzuhalten, denn dieser Draht konnte unter Spannung stehen und dadurch zusätzlich zu Verletzungen führen. Dabei ist zu bedenken, dass diese Aktionen zwangsläufig oft liegend durchgeführt ( in Deckung) wurden. Ebenso bei Vorbereitungen zu einem Angriff: Gasse schneiden.

    Soldatenspruch: "Stacheldraht ist Teufelsdraht!"

    Die sog. "Grabenkeulen", vor allem im I. WK, waren, neben anderen Improvisationen oft nur mit Stacheldraht umwickelte Holzknüppel.

    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,

    Und danke an Jörg, die Diskussion wieder in die Spur gebracht zu haben.

    Stachel- und anderer Hindernisdraht ist ein interessantes, aber eigenes Thema (ebenso wie die zigfachen anderen Hindernisarten - ich arbeite an einem bislang 171 Seiten umfassenden Manuskript dazu).

    Einen guten Überblick über die feldmäßigen Hindernisarten der Wehrmacht gibt das Bildheft neuzeitlicher Stellungsbau (Merkblatt 57/5), das gut im Internet verfügbar ist. Auch die H.Dv. 316 Allgemeiner Pionierdienst enthält viel gute Information und ist relativ gut erhältlich, ebenso die Ausbildungstafeln für die Infanterie ATI 16a.

    Da Jörg nun eine sehr moderne Ausführung des spanischen Reiters gebracht hat, möchte ich das andere zeitliche Ende markieren:

    Ingolstadt-Neues Schloss-Bayrisches Armeemuseum (73).JPGIngolstadt-Neues Schloss-Bayrisches Armeemuseum (67).JPG

    Ein spanischer Reiter des 17. Jahrhunderts, der im Bayrischen Armeemuseum im Neuen Schloss in Ingolstadt ausgestellt ist.

    Schönen Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Thomas,

    ist dieses Hindernis im Bayrischen Armeemuseum als "Spanischer Reiter " bezeichnet? Mir ist der Begriff "Schweinsfeder" dafür bekannt, wenngleich es dem SPR entspricht. Der Mittelstab der "Schweinsfeder" wurde beim Train/Tross mitgeführt und vor Ort die Speere oder eisernen Stacheln eingesteckt. Natürlich gab es wie bei allen Dingen auch Abweichungen, z. B. fertige Hindernisse, deren Mitführung allerdings auf Schwierigkeiten stieß.

    Schon immer versuchten Menschen, meist in kriegerischen Zeiten, ihre Wohnstätten/Lager zu sichern, selbst wenn sie Angreifer auf eine Burg/Festung/Bastion waren, um gegen Überraschungen gefeit zu sein. Die Römer waren stets bemüht jedes Feldlager durch Befestigungen zu sichern. (Cäsar:" Der Gallische Krieg)

    Hallo Bernhard,

    auch interessant. Man versuchte mit allen Mitteln der Stacheldrahtnot die Verteidgungsstellungen/HKL etc. durch Ideenfindung zu verstärken.

    Die SPR und alle Drahthindernisse trugen auch zum Ende der Kavallerieatacken bei, da diese dadurch erheblich behindert wurden.

    Bitte in diesem Thread beim Hindernisbau zu bleiben und nicht auf den Stellungsbau allgemein zu erweitern, da es dazu schon einige Threads gibt.

    Gruß Karl

    PS.: Gewisse Abweichungen vom Thema halte ich für berechtigt, wenn sie dem Grundtenor entsprechen und das Thema abrunden oder das Wissen darüber - auch historisch - im begrenzten Rahmen erweitern. Also Danke!

  • Hallo Karl,

    Das von mir gezeigte Sperrelement im Bayrischen Armeemuseum wird als Spanischer Reiter angesprochen, s. hier: https://armeemuseum.de/de/aktuell/obj…her-reiter.html

    Dass es weitere Namen dafür gab und gibt, sei unbezweifelt.

    Die Diskussion um Stacheldraht etc. hatten wir bereits an anderer Stelle, wie auch die Dokumente aus dem russischen Archiv. Deswegen wollte ich Dopplungen verhindern. Aber die von mir genannten Vorschriften sind lesenswert, wenn man sich ernsthaft mit (auch) spanischen Reitern auseinandersetzen möchte.

    Off topic: Das Ende der Kavallerie-Attacken wurde zuallererst durch den Einsatz der MG bestimmt, denke ich. Denn Sperren wie spanische Reiter, Wolfsgruben und Astverhaue gab es vom Mittelalter und in der frühen Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wo die Kavallerie durchaus schlachtentscheidend eingesetzt werden konnte.

    Schönen Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Thomas,

    Die Diskussion um Stacheldraht etc. hatten wir bereits an anderer Stelle, wie auch die Dokumente aus dem russischen Archiv.

    Das wusste ich nicht. Habe allerdings zuvor gesucht um eine Doppelung zu vermeiden.

    Mir lag es fern Dir nahe zu treten, im Gegenteil habe ich mich gefreut, dass Du Dich an der Diskussion beteiligst.

    Grüße von Karl

  • Hallo Karl,

    Keine Sorge, mir wurde in keiner Weise zu nahe getreten! Ich fand nur das erneute Einstellen der Dokumente aus dem russischen Archiv fragwürdig, zumal sie hier nichts zur Sache beitragen, sondern nur Masse erzeugen. Weitaus ergiebiger ist da eine entsprechende Bildersuche via Google etc.

    Schönen Gruß, Thomas!

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Thomas,

    dann ist ja alles gut!


    Hallo zusammen,

    Grundsatz:

    Hindernisse sind durch eigenes Feuer zu überwachen um deren Räumung zu verhindern!,

    Ergänzend zu den anfangs gemachten Ausführungen zum SPR möchte ich noch folgendes erwähnen:

    Die SPR konnten ja ggf. schnell zur Seite geräumt werden, wenn sie nicht verankert waren. Das war dann von Vorteil wenn für die eigene Truppe Gassen geschaffen werden mussten. Z. B. um einen Angriff vorzutragen usw. APR sind grundsätzlich als bewegliche Hindernisse oder als solche, die bei Verankerung leicht beseitigt werden können. anzusehen.

    Für stationäre Hindernisse sind die von Thomas im Merkblatt 57/5 " Neuzeitlicher Stellungsbau" unter B. Hindernisse S. 100 bis 112, 1. Infanteriehindeernisse besser geeignet. Viele dieser Hindernisse wurden im I. WK entweder entwickelt oder verbessert. Da diese nicht auf Beweglichkeit angelegt waren, konnten viele dieser Hindernisse einfacher und schneller angelegt werden.

    So. z.B.;

    > Stolperdrahthindernis

    > Koppelzäune

    > Flandernzaun

    > Verstärkter Flandernzaun

    > Doppelt verstärkter Flandernzaun

    > Flächendrahthindernis

    > SPR

    > Drahtwalze, Drahtigel zur Sperrung von Gräben

    > Hindernisse zum Aufstellen auf Schnee

    > Drahthindernis für Schnee, Sumpf, Fels oder gefrorenen Boden (Lapplandzaun)

    > Alarmanlage

    >Astverhau

    > Wolfsgruben

    Gruß Karl

    NACH WIE VOR: Fotos sehr erwünscht!

  • Hallo,

    Danke!

    Auf den Fotos kann man gut erkennen, welche Mengen an Draht verarbeitet worden sind. Kein Wunder also, dass an vielen Fahrzeugen, von den Pionieren sowieso, Drahtscheren mitgeführt wurden.

    Es gab kurze und lange Drahtscheren, deutscherseits, alle mit isoliertem Griff ( Meist Bakelit) wegen möglicherweise mit Strom gesicherten Drahthindernissen.

    Nebenbei wäre ein Metallgriff bei Kälte ein Problem.

    Gruß Karl

  • Hallo,

    ich fand den Flandernzaun immer sehr interessant. Er eignet sich meiner Meinung nach mit am Besten zur Absperrung gegen Infanterie. Er kann vielseitig gesichert werden durch Handgranaten, Minen, Leuchtraketen o.Ä.. Auch war das Verhalten derer die ihn überwinden mussten als interessant zu bezeichnen. Sehr oft war zu beobachten dass versucht wurde das Hindernis unter Zuhilfenahme von Planken oder Decken zu überwinden. Dabei wurden stets die eingebauten Sprengfallen ausgelöst. Ebenso war es oft zu beobachten, dass man vergaß, dass solche Hindernisse mit MG Feuer abgestrichen wurden.

    Interessantes Thema.

    Grüße Ulrich

    "Jeder Angriff muß mit einem Verteidigen enden!" Carl von Clausewitz

  • Hallo Ulrich,

    schön, dass Du das Thema interessant findest.

    In den Stacheldrahthindernissen sind, besonders im I. WK, da dort lange Zeit die gleiche Stellung gehalten wurde, viele durch Beschuß verwundete Soldaten elendiglich gestorben, da sie nicht geborgen werden konnten.

    Eine Anmerkung sei erlaubt:

    Ich mag mir die Verletzungen mit Natodraht garnicht vorstellen. Mir hat dieser Draht bei einer nächtlichen Donaudurchschreitung (nur) einen Stiefel zerschnitten.

    Gruß Karl