Kriegsgefangenenakte meines Opas

  • Hallo zusammen,

    Hallo Zusammen,

    zu4) es muß heißen: Threna, Kreis Altenburg, Thüringen

    Tilo, ja, bestimmt Thüringen. Wie es aussieht, hatte der Schreiber sehr schlechte Kenntnisse über Deutschland und notierte das Wort wie er es verstanden hat - "Diring".

    In der Befragungsliste gibt es zusätzliche Infos, z.B. "Welche Auszeichnungen bekommen: Eisernes Kreuz I. Klasse - 1942, Eisernes Kreuz II. Klasse - 1940, Infanterie-Sturmabzeichen - 1943"

    Beste Grüße,

    Alex

  • Wird ein Grund für die lange Gefangenschaft angegeben oder war so etwas durchaus üblich?

    üblich war solch eine lange Dauer der KGF nicht. Entweder gehörte er einer Einheit, die durch Unmenschlichkeit oder Brutalität aufgefallen war, oder er war ein SS-Angehöriger. Manchmal lag es auch in der Person selbst vor - Arbeitsverweigerung, Anstiftung zur Unruhen, Disziplinlosigkeit o.Ä.

    Hallo zusammen.


    Mein Opa war von 45 bis 49 in Gefangenschaft.

    Er kommentierte das in seinen Memoiren etwa so "wäre ich zur Entnazifizierung gegangen wäre ich wohl auch früher entlassen worden".

    Er beschreibt auch viel was er alles für die polnischen Wärter gemacht hat und was ihm beigebracht wurde.


    Deswegen weiß ich nicht ganz ob man das immer so pauschal sagen konnte was der Grund war für die lange Gefangenschaf.

    Grüßle Petzi

  • Hallo Frank uaa,

    Seite 2 ist fast das gleiche.

    Seite 2:

    Дата прибытия в лагерь (№193?): 11 сентября 1944 г
    Опросный лист.

    1. Фамилия - Дитрих
    2. Имя - Эрих
    3. Отчество - Эрих
    4. Год рождения - 1915
    5. Место рождения - деревня Трена, округ Альтенбург, Диринг (Тюрингия), Германия
    6. Адрес до призыва в армию - город Виттенберг, Фридрихштрассе 24
    7. Национальность - немец
    8. Родной язык - немецкий
    9. Какие знает языки ещё - никакие
    10. Подданство или гражданство - Германия
    11. Партийность - беспартийный
    12. Вероисповедание - евангелист
    13. Образование: а) общее - 8 классов народной школы в 1928 году; б) специальное - 6 месяцев профессиональной школы в 1929 году; в) военное - не имеет
    14. Профессия и специальность до армии - слесарь
    15. Стаж работы по специальности - 1 год
    16. В какой армии состоял - в германской
    17. Призван в армию или поступил добровольно - был мобилизован
    18. Когда поступил в армию - 14.11.1937
    19. Род войск - пехота
    20. В каком подразделении (перед пленением) служил - 7 рота, 337 пехотный полк, 208 дивизия
    21. Матрикулярный номер - № 252
    22. Чин или звание - штабсефрейтор
    23. Должность в подразделении - пулемётчик


    Datum der Ankunft im Lager(№193?): 11. September 1944

    Fragebogen.

    1. Nachname - Dietrich
    2. Vorname - Erich
    3. Vatersname - Erich
    4. Geburtsjahr - 1915
    5. Geburtsort - Dorf Trena, Kreis Altenburg, Diering (Thüringen), Deutschland
    6. Anschrift vor der Einberufung - Wittenberg, Friedrichstraße 24
    7. Nationalität - Deutscher
    8. Muttersprache - Deutsch
    9. Welche Sprachen kennt er noch - keine
    10. Reichsangehörigkeit oder Staatsbürgerschaft - Deutschland
    11. Parteizugehörigkeit - überparteilich
    12. Religion - evangelisch
    13. Ausbildung: a) allgemein - 8 Klassen der Volksschule im Jahr 1928; b) speziell - 6 Monate Berufsschule im Jahr 1929; c) Militär - keine
    14. Beruf und Spezialisierung vor der Armee - Schlosser
    15. Berufserfahrung in dem Fachgebiet - 1 Jahr
    16. Welche Armee bestand - in der Deutschen
    17. In die Armee einberufen oder freiwillig eingetreten - wurde mobilisiert
    18. Datum der Einberufung zur Armee - 14.11.1937
    19. Truppen - Infanterie
    20. In welcher Einheit diente er (vor der Gefangennahme) - 7.Kompanie, 337.Infanterieregiment, 208 ID
    21. Erkennungsnummer - № 252
    22. Rang oder Dienstgrad - Stabsgefreiter
    23. Stellung in der Einheit - Maschinengewehrschütze

    Gruß Dmitry

  • Er beschreibt auch viel was er alles für die polnischen Wärter gemacht hat

    Servus Petzi,

    ich wusste gar nicht, dass die deutsche KGF in Polen waren, resp. von polnischen Soldaten bewacht wurden.

    weiß ich nicht ganz ob man das immer so pauschal sagen konnte was der Grund war für die lange Gefangenschaf.

    ich hatte gerade auf Vielzahl der Faktoren hingewiesen habe, wobei die Betonung auf einem konkreten Fall liegt... Also von "pauschal" ist da keine Spur

    Gruß Viktor

  • zu4) es muß heißen: Threna, Kreis Altenburg, Thüringen

    Hallo Tilo,

    kein Streß, ein Thüringer sagt zum Land "Dieringen" und ein "th" gibt es im Russisch nicht. Ein Schreiber schrieb immer nach gehört, und im Grunde war es denen auch Wurscht, Hauptsache man konnte anhand der Akte die Person bestimmen. Bei der Übersetzung müsste man schon sich ein wenig bemühen, um die Angaben zu überprüfen.

    Gruß Viktor

  • Es tut mir leid, es ist einiges durcheinander geraten

    Hallo Frank,

    du hast nicht alle Seiten der Akte gepostet. Eigentlich die wichtigste, wo die Lager des KGF und die Daten des Aufenthalts aufgezählt sind, also die letzte Seite fehlt... Dort ist auch die Personenbeschreibung und die besonderen Merkmale aufgezählt. Interessant insofern, da man auch Infos über eventuelle Unfälle und Verletzungen bekommt. Laut Akte von meinem S.-Vater war ein halbes Jahr im Krankenhaus nach einem Bergwerksunglück...

    Gruß Viktor

  • Er beschreibt auch viel was er alles für die polnischen Wärter gemacht hat

    Servus Petzi,

    ich wusste gar nicht, dass die deutsche KGF in Polen waren, resp. von polnischen Soldaten bewacht wurden.

    Hallo Viktor.

    Noch einmal ganz kurz offtopic. Ich weis nicht wie du das meinst.

    Meine Infos habe ich zum einen aus den Memoiren meines Opa´s wo er schreibt: " Gegen Herbst zu also 1945 hat der Russe das Lager den Polen übergeben"
    Weiter habe ich meine Infos vom DRK das mir die Seiten aus dem Buch "Zur Geschichte der Kriegsgefangen im Osten - Teil 3" auszugsweise zukommen hat lassen.
    Ab Seite 239 "Die Entstehung der Kriegsgefangeschaft in Polen"... Mein Opa war im Lager Neuhammer zu dieser Zeit. Dazu finde sich auf Seite 241 "Anfang Oktober übergaben die Russen das komplette Lager an die Polen und zogen ab." Auf Seite 246 findet sich "Die Organisation des Kriegsgefangenwesen - Das Kriegsgefangenwesen in Polen unterstand dem Justizministerium in Warschau."

    Habe ich da was falsch verstanden?

    Grüßle Petzi

  • Habe ich da was falsch verstanden?

    Hallo Petzi,

    wenn das so dort steht, dann wird es so gewesen sein. Es ist für mich nur vollkommen neu. Die Russen hatten die alten Stalags in Polen als Speziallager genutzt, um die KGF zu registrieren, vernehmen und für den Weitertransport in die SU vorzubereiten. Es ist gut zu wissen, dass man diese auch den Polen überließ... Es ist allerdings verwunderlich, dass die Polen alle Deutsche rausschmiß, und die Russen ein Teil davon wieder einsammelte, um diese als Arbeitskräfte in die UdSSR zu bringen. Es muss allerdings irgendwelche rechtliche Grundlage gegeben haben, denn mit dem Ende des Krieges trug UdSSR für alle in ihren Zuständigkeitsbereich befindliche KGF die Verantwortung.

    Gruß Viktor

  • Gruß Viktor, vielen Dank erstmal für deine/eure Hilfe!

    Ich glaube es ist diese Seite hier richtig? Ich weiß das er 1942 bei Bolchow schwer verwundet wurde aus seiner Wehrmachtsakte welche ich hier auch schon hochgeladen habe. Dort hat ihm ein Geschoss den Oberschenkel durchschlagen und er kam zur Genesung nach Halberstadt. In dieser Akte war auch ein vermerk dass das LKA München eine Suchanfrage in den 70ern zu ihm gestellt hat. Passt vielleicht mit der Langen Gefangenschaft zusammen? In der SS war er jedenfalls nicht! Er Lebte nach dem Krieg auch in der DDR und verstarb leider schon Mitte der 50er.

  • Hallo Frank,

    genau diese Seite fehlte noch. Hier siehst du zum einen seine eigenhändige Unterschrift, zum anderen die lager, wo er gewesen ist - 188 und 437.

    Soweit ich weiß, wurde LKA nur im Auftrag der Staatsanwatschaft tätig. Diese wurde wiederum beim Verdacht eines Verbrechens aktiv.Mein letzter Kontakt mit solchen Stellen war ca. 2010 und betraf Ermittlungen zu der Erschiessung der jungen SS-Männer der 12. Panzerdivision "Hitlerjugend" der Waffen-SS durch die Vorgesetzten im Frühjahr 1945. Das hat mit der Dauer und den Verfahren, die sowj. Stellen einleiteten nichts zu tun. Gesucht wurden sowohl die Täter, als auch die möglichen Zeugen.

    Gruß Viktor

  • Perfekt! Ich habe es ausnahmsweise mal nicht verkackt! hahahaha

    Ob ich mich diesbezüglich an das LKA melden könnte? Er hat nie in der BRD gelebt. Er kam 1949 zurück und starb 1954 in einem kleinen Ostdeutschen Dorf. Verstehe nicht was dieser vermerk in seiner Wehrmachtsakte zu suchen hat.

  • Verstehe nicht was dieser vermerk in seiner Wehrmachtsakte zu suchen hat.

    Hi Frank,

    wie in meinem Beispiel, um den Sachverhalt aufzuklären wurde erst einmal die Liste der möglichen Täter und Zeugen zusammengestellt. In dem Fall war der Täter bekannt, es musste jedoch jeder befragt werden, um Belege für die fahrlässige Tötung oder heimtückische Mord zu sammeln. Ob das LKA München die Unterlagen noch hat und Auskunft darüber geben kann, hängt vermutlich vom Stand der Ermittlungen. Aber 70 Jahre später??? Ich vermute, die Unterlagen gibt es bestenfalls noch in den zuständigen Archiv. Vermutlich ist es das Bayrische Staatsarchiv in München... Von meinen bekannten Polizisten weiß ich, dass die Behörde sich radikal von den Akten trennt - entweder Kassation, oder Archivierung.

    nebenbei gesagt, die Zusammenarbeit der Behörden in Ost und West funktionierte in der Nachkriegszeit reibungslos. Soll heißen, dass wenn LKA München ermittelte, bekamen sie von ihren Kollegen von VPKA ... alle Auskünfte und Informationen und umgekehrt. Vlt. wäre eine Anfrage bei BStU von Vorteil, falls die MfS involviert war.

    Gruß Viktor

  • Okay danke jetzt habe ichs begriffen. Die suchanfrage wurde erst 1972 gestellt, also schon ne Ecke her. Ich danke für die Geduld mit mir, ich wünsche schon mal ein schönes Osterfest.

  • Hallo Frank uaa,

    Seite 3:

    Социальное и имущественное положение: рабочий, неимущий

    Проживал ли в СССР: не проживал

    Кто из родственников и знакомых проживал в СССР (их ФИО, возраст, место работы, род занятий, местонахождение): не проживали

    Был ли судим или под следствием: не был

    Бывал ли в других государствах, время и род занятий там: не бывал

    Подробная практическая деятельность до призыва в армию:
    В 1928 году окончил 8 классов народной школы
    В 1929 году полгода учился в профшколе
    1929-33 г учился и работал слесарем в Виттенберге
    1933-35 г был безработным
    1935-36 г был на трудовых работах
    1936-37 г работал каменщиком в Виттенберге
    4.1.1937 г мобилизован в германскую армию
    С 1 по 19 сентября 1939 г участвовал в оккупации Польши
    С 10 мая 29 июля(июнь?) 1940 г находился во Франции
    С 22 июня 1941 г находился на советском фронте: Орёл, Болхов, Житомир, где попал в плен 1.1.1943


    Sozial- und Vermögenslage: der Arbeiter, besitzlose Klasse

    Wohnsitz in der UdSSR: keine

    Wer von den Verwandten und Bekannten hat in der UdSSR gelebt (vollständiger Name, Alter, Arbeitsort, Beruf, Wohnort): keine

    Wurde verurteilt oder es wird gegen ihn ermittelt: keine

    Waren Sie schon in anderen Staaten, Zeit und Beruf: keine

    Detaillierte praktische Tätigkeiten vor der Einberufung zur Armee:

    1928 schloss er die 8. Klasse einer Volksschule ab.
    1929 besuchte er ein halbes Jahr lang eine Berufsschule.
    1929-33 lernte und arbeitete er als Schlosser in Wittenberg
    1933-35 war er arbeitslos.
    1935-36 war er als Hilfsarbeiter beschäftigt.
    1936-37 arbeitete er als Maurer in Wittenberg.
    4.1.1937 Einberufung in die deutsche Armee.
    Vom 1. bis 19. September 1939 nahm er an der Besetzung Polens teil.
    Vom 10. Mai bis 29. Juli (Juni?) 1940 war er in Frankreich.
    Ab 22. Juni 1941 war er an der sowjetischen Front: Orjol, Bolchow, Zhitomir, in Zhitomir wurde er am 1.1.1943 gefangen genommen.


    Meine Notizen.

    1935-36 г был на трудовых работах - Was ist "трудовые работы" ? :?:

    In einem Wassertropfen spiegelt sich die ganze Welt. Die gesamte Geschichte Deutschlands in den 1920er und 40er Jahren spiegelt sich im letzten Punkt des Fragebogens wider.

    Gruß Dmitry

  • 1935-36 г был на трудовых работах - Was ist "трудовые работы" ? :?:

    Hallo Dmitry,

    es geht wahrscheinlich um den RAD, der gerade 1935 eingerichtet wurde. Die Dienstdauer betrug damals sechs Monate.

    Beste Grüße,

    Alex

  • Hallo Frank uaa,

    Die letzte Seite

    24. Какие имеет награды:
    Железный крест I класса 1942 г
    Железный крест II класса 1940 г
    Знак штурмового пехотинца 1943 г
    25. Взят в плен или сдался добровольно: взят в плен с оружием
    26. Когда попал в плен: 1.1.1943
    27. Где попал в плен: город Житомир
    28. Семейное положение: женат
    29. Фамилия, имя, отчество жены и детей, их возраст, род занятий, адрес местожительства:
    Жена Дитрих Грете Макс
    Дочь Дитрих Криста Эрих
    Дочь Дитрих Эдит Эрих
    Округ Альтенбург, деревня Трена, Дорфштрассе, 1
    30. Отец и мать:
    Отец погиб в войну 1914 г
    Мать Дитрих Марта Эми..
    Округ Альтенбург, деревня Трена
    31. Братья и сёстры: не имеет
    32. Сословное положение отца: из рабочих
    33. Социальное положение отца: рабочий
    34. Имущественное положение отца: неимущий


    24. Welche Auszeichnungen bekommen:
    Eisernes Kreuz I. Klasse 1942
    Eisernes Kreuz II. Klasse 1940
    Infanterie-Sturmabzeichen 1943
    25. Gefangen genommen oder freiwillig aufgegeben: Gefangen genommen mit einer Waffe
    26. Zeitpunkt der Gefangennahme: 1.1.1943
    27. Wo gefangen genommen: Stadt Zhitomir
    28. Familienstand: verheiratet
    29. Name, Vorname, Vatersname der Ehefrau und der Kinder, deren Alter, Beruf, Wohnanschrift:
    Ehefrau Dietrich Grete Max
    Tochter Dietrich Christa Erich
    Tochter Dietrich Edith Erich
    Kreis Altenburg, Dorf Trena, Dorfstraße 1.
    30. Vater und Mutter:
    Vater gefallen im Krieg 1914
    Mutter Dietrich Martha Emi.
    Kreis Altenburg, Dorf Trena
    31. Brüder und Schwestern: keine
    32. Klassenzugehörigkeit des Vaters: Arbeiter
    33. Sozialer Status des Vaters: Arbeiter
    34. Vermögensstatus des Vaters: mittellos