Fragen zum Kriegsverbrecher Erich Priebke

  • Guten Abend,

    ich habe zu folgendem Sachverhalt zwei Fragen.

    Der SS-Sturmbannführer Herbert Kappler war in der Zeit des Nationalsozialismus Kommandeur der SiPo und des SD in Rom. Während der Zeit des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen am 24.03.1944 war SS-Hauptsturmführer Carl-Theodor Schütz als Leiter des Abschnitts IV (Gestapo) und des Abschnitts V (Kripo) sowie als Stellvertreter des SS-Sturmbannführers Herbert Kappler damit der zweite Mann nach Kappler. Carl-Theodor Schütz gab in den Höhlen auch die Befehle und überwachte den Ablauf der Erschießungen. Der SS-Hauptsturmführer Erich Priebke war zu dieser Zeit Angehöriger der Abteilung IV (Gestapo). Im Juli 1944 wurde der Vorgesetze von Priebke, SS-Hauptsturmführer Carl-Theodor Schütz, versetzt.

    Fragen:

    1) Wurde Priebke nach der Versetzung von Schütz noch Abteilungsleiter bei der SiPo und des SD in Rom?

    2) Wenn ja, wurde Priebke bis Kriegsende zusätzlich noch Stellvertreter von Kappler?

    Danke für Eure Bemühungen.

    Gruß
    Hardy

  • Hallo Hardy,

    vielleicht hilfreich.

    Priebke traf laut seiner eigenen Aussage mit weiteren drei Männern vom ehemaligen Aussenkommando in Rom am 14. Juni 1944 in Brescia ein. Dort soll er als Verbindungsoffizier zum Generalstab der GNR tätig gewesen sein. Gleichzeitig führte er eine „kleine Zelle der Sicherheitspolizei“, die direkt „dem Zentralkommando für Italien mit Sitz in Verona“ unterstand.
    (Quelle: Erich Priepke, Autobiographie, S.156 ff.)

    Vorher war Priebke Angehöriger der Abteilung IV, Aussenkommando Rom und Nummer drei nach Schütz und seinem Stellvertreter Clemens.

    Grüße
    Daniel

    "Mit den falschen Selbstgewissheiten derjenigen, die sich für bessere, stets auf der richtigen Seite befindliche Menschen halten, ist aus dem Nationalsozialismus nichts zu lernen." Götz Aly

  • Hallo Daniel,

    vielen Dank für Deine Informationen.

    Demnach war Priebke in seiner Zeit in der Außenstelle Rom also weder Abteilungsleiter unter Kappler, geschweige denn sein Stellvertreter. Was bedeutet denn die Abkürzung „GNR“? Kennst Du den vollen Namen des Stellvertreters Clemens und dessen Dienstgrad?

    Danke im Voraus!

    Gruß
    Hardy

  • Hallo Hardy

    GNR = Guardia Nazionale Repubblicana

    Inwieweit man den Angaben von Priebke trauen kann, vermag ich nicht zu beurteilen, denn ich bin diesbezüglich kein Experte. Bei Clemens soll es sich um Hans Clemens aus Dresden gehandelt haben, von Rang Hauptmann, also SS-Hauptsturmführer (?).

    Vielleicht noch als Anmerkung. Priebke trennt seine Italienzeit jedenfalls in zwei Perioden, der als Verbündeter und der als Besatzer. Mit der Neugliederung der SiPo nach dem Abfall Italiens war Priebke in der Abteilung IV tätig, die es vorher so angeblich nicht gab. Bis 1943 war er nach eigenen Angaben aber Kapplers Stellvertreter und Verbindungsoffizier.

    Grüße
    Daniel

    "Mit den falschen Selbstgewissheiten derjenigen, die sich für bessere, stets auf der richtigen Seite befindliche Menschen halten, ist aus dem Nationalsozialismus nichts zu lernen." Götz Aly

  • Hallo,

    was mich überrascht das er seine Erinnerungen verfassen konnte und diese

    dann auch noch in einem Buch veröffentlichen konnte.

    War seine Beteiligung an Kriegsverbrechen damals noch nicht bekannt?

    Oder hatte er das Buch von Argentinien aus veröffentlicht?

    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hallo uwys,

    Priebke schrieb seine Erinnerungen in italienischer Haft.

    Mit der Neugliederung der SiPo nach dem Abfall Italiens war Priebke in der Abteilung IV tätig, die es vorher so angeblich nicht gab.

    Die Abt. IV (Gestapo) war bis zur Umorganisation die Abt. III, zu dieser Zeit war Abt. IV die Kripo.

    Ein Problem bzgl. der Ermittlungen und damit auch der Erkenntnisse dürfte auch sein, daß sowohl KR/SS-Hstuf Carl-Theodor Schütz (Gestapo) als auch SS-Hstuf Hans Clemens (SD) viele andere ehemalige, auch belastete, RSHA-Angehörige seit Beginn der 50er-Jahre bei der Organisation Gehlen und anschließend beim BND tätig waren und somit gegen mögliche Vorermittlungen und Ermittlungen geschützt waren.

    Carl-Theodor Schütz wurde nach internen Ermittlungen (nach dem Fall Felfe) erst zum 01.07.1964 aus dem Dienst des BND entlassen, Hans Clemens wurde bereits im November 1961 wg. Tätigkeit für den KGB verhaftet und 1963 zu in Karlsruhe zu 10 Jahren Haft verurteilt.

    Viele Grüße
    Frank

  • Hallo Uwe,

    Priebke wurde 1998 in Rom/Italien als Kriegsverbrecher zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die aber aus Altersgründen in Hausarrest umgewandelt wurde. Den Hausarrest verbrachte er bei seinem Anwalt und Freund Paolo Giachini. Während dieser Zeit verfasste er mit ihm zusammen das Buch "Autobiographie >Vae Victis< (Wehe dem Besiegten)" mit insgesamt 1031 Seiten, welches anfangs nur für seine Kinder und Enkel vorgesehen war. Ins Deutsche übersetzt wurde das Buch nach seiner Fertigstellung von Jürgen Graf, einem schweizer Autor und Holocaustleugner. Soweit ich mich noch erinnern kann, wurde das Buch damals im Eigenverlag vertrieben, also privat. Das muss so 2005 rum gewesen sein. Ich wurde durch einen handelsüblichen Flyer darauf aufmerksam und bestellte es für 30.00 €. Bei wem, weiss ich leider nicht mehr. Im Buchhandel konnte man es meines Wissens nicht erwerben, aber ich kann mich auch täuschen, denn es ist einfach zu lange her. Ich habe gerade mal danach gegoogelt und gesehen, dass dafür heute Mondpreise aufgerufen werden, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann.

    Grüße
    Daniel

    "Mit den falschen Selbstgewissheiten derjenigen, die sich für bessere, stets auf der richtigen Seite befindliche Menschen halten, ist aus dem Nationalsozialismus nichts zu lernen." Götz Aly

  • Guten Abend,

    Vielleicht noch als Anmerkung. Priebke trennt seine Italienzeit jedenfalls in zwei Perioden, der als Verbündeter und der als Besatzer. Mit der Neugliederung der SiPo nach dem Abfall Italiens war Priebke in der Abteilung IV tätig, die es vorher so angeblich nicht gab. Bis 1943 war er nach eigenen Angaben aber Kapplers Stellvertreter und Verbindungsoffizier.

    Grüße
    Daniel

    Es dürfte schwierig sein, festzustellen, ob Priebke tatsächlich bis 1943 Kapplers Stellvertreter und Verbindungsoffizier war. Hierzu müsste man in Priebkes Personalakte gucken, die sich in der Sammlung des BDC im BArch in Berlin-Lichterfelde unter der Signatur R 9361-III/548485 einsehen lässt. Leider fehlt mir hierfür die Zeit, auch wenn ich in Berlin wohne und ein registriertes Mitglied des BArch bin.

    Danke für Eure Bemühungen und Beiträge.

    Gruß
    Hardy

  • Hallo uwys,

    der Server ist ein bissi lahm, versuche es einfach mehrere Male ...

    Zu Priebke:

    Priebke, Erich.jpg

    er wurde 1941 als Angehöriger des RSHA Amt IV (01.08.1940 Kriminalkommissar) und vermutlich auch aufgrund seiner Italienkenntnisse durch eine längere berufliche Tätigkeit in einem Hotel in Rapallo zur Deutschen Botschaft in Italien als Verbindungsoffizier zur italienischen Polizei versetzt (unter dem Polizeiattaché Kappler).

    Hier hat Daniel völlig recht: eine Abt. IV (Gestapo) hat es in Italien zu dieser Zeit nicht gegeben.

    Anders war die Situation im September 1943: Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Allierten wurde ein Einsatzkommando Rom - geführt von Kappler - gebildet, dem dann auch Priebke als gelernter Gestapo-Mann angehörte. Carl-Theodor Schütz kam ebenfalls im September 1943 von der Stapo Trier zu diesem Kommando, Hans Clemens vom SD-Leitabschnitt Dresden vermutlich erst gegen Ende des Jahres.

    Das Einsatzkommando Rom wurde im Juni 1944 nach der Befreiung Roms aufgelöst und die Angehörigen auf Dienststellen des BdS in Verona verteilt. Priebke wurde Ende August 1944 vom BdS Verona nach Berlin zurückbeordert, bereits im Juni 1944 Schütz zur BdS-Außenstelle Forli, Clemens zur Grenzbefehlsstelle Como.

    Grüße
    Frank