Angehöriger welchen Jagdgeschwaders

  • Hallo zusammen,

    mein Vater heißt Walter Mages, geb. 1923 und war Me 109-Jagdflieger. Er hat den Krieg überlebt.

    Laut WAST war er 01.09.1942 bei der 2. Kompanie des Fliegerregiments 43 gemeldet. Darüberhinaus habe ich nur wenige belegbare Daten (z.B. EM-Nummer). Aufgrund seiner Erzählungen über diverse Einsätze in Russland vermute ich, dass er beim Jagdgeschwader 3 war. Laut Traditionsgemeinschaft Jagdgeschwader 52 war er nicht bei JG 52.

    Weiß jemand, in welchem Jagdgeschwader mein Vater gedient hat?


    Herzliche Grüße gman99

  • Hallo,

    willkommen bei uns im Forum.

    Quote

    Aufgrund seiner Erzählungen über diverse Einsätze in Russland vermute ich, dass er beim Jagdgeschwader 3 war

    auf was gründen sich die Vermutungen ?

    Gruss Dieter

  • Hallo,

    wenn er "Laut WAST war er 01.09.1942 bei der 2. Kompanie des Fliegerregiments 43 gemeldet" um die Zeit erst seine militärische Grundausbildung gemacht hat und danach noch mindestens 1 1/2 Jahre fliegerische Ausbildung folgten dann ist er frühestens im Sommer 1944 zum Fronteinsatz in Rußland gekommen. Zu der Zeit waren dort nur noch Teile der JG 51, 52 und 54 im Einsatz.

    Einen Flugunfall oder einen Luftsieg habe ich für diesen Namen nicht in meinen Aufzeichnungen.

    mit Gruß
    Gerhard Stemmer

  • Hallo,

    ich danke euch für eure Beiträge, die ich gerne beantworten will. Ich fang jetzt mit dem Beitrag an, der mir am leichtesten fällt. Im Schreiben des Bundesarchiv, Eichborndamm 179, 13403 Berlin, ehemals WAST steht nur ein kleiner Absatz zur Militärzeit meines Vaters: "Der Gesuchte, Träger der Erkennungsmarke -3132- 2./Flg.Ausb.Rgt.43, ist hier lediglich mit einer (Veränderungs-)Meldung vom 01.09.1942 in der Einheit 2. Kompanie Fliegerregiment

    43 erfasst (Bundesarchivsignatur: B 563/ 8814 Seite 147)."

    EM-Nummer: Erkennungsmarke -3132

    Gruß Günter

  • Hallo,

    ich habe gehofft, daß es ein Mitglied im Forum mit einer dicken Liste gibt, in der der Name meines Vaters und das zugehörige Jagdgeschwader steht. Es scheint wohl nicht so einfach zu werden. Aber vielleicht knacken wir ja gemeinsam doch noch die dicke Nuss.

    Es ist mehr als 50 Jahre her, als mein Vater von seiner Militärzeit erzählte. Deshalb scheue ich mich eigentlich, von meinen Erinnerungen zu berichten. Ich will es aber gerne versuchen, gleich mit der Einschränkung, dass ich für die Richtigkeit keine Gewähr übernehmen kann.

    Mein Vater war bei der HJ in Böhmen, wahrscheinlich in der Ortsgruppe von Neustadtl am Klinger. Dort hat er drei(?) Segelflugscheine gemacht.

    Nach der Bürgerschule durfte er an die Ingenieursschule in Eger und studierte Maschinenbau. Er konnte nur 7 Semester studieren, denn schon einen Tag nach seinem 18. Geburtstag wurde er eingezogen. Das wäre am 1. Mai 1941.

    Zur Grundausbildung war er in der gleichen Kompanie wie der Schauspieler Heinz Rühmann. Daraus schließe ich, dass er zur Grundausbildung in Rechlin in der Nähe von Berlin war. Ich habe gelesen, dass zu dieser Zeit die Grundausbildung nur noch zwei Monate dauerte (ich werde die Literaturstelle nachliefern). Die Grundausbildung würde also sein im Mai und Juni 1941. Von dort ging es zur fliegerischen Ausbildung. Aber ich weiß nicht im Detail, wo die Ausbildung überall stattfand. Es war möglicherweise zum Teil am Standort von Flg.Ausb.Rgt. 43. Ein großer Teil der Ausbildung scheint aber in Mont-de-Marsan, also im besetzten Frankreich, stattgefunden zu haben. In einem Internetartikel habe ich gelesen, dass die fliegerische Ausbildung im Jahr 1941 nur noch 13 Monate dauerte (Literaturverweis wird nachgeliefert). Sie hätte also von Juli 1941 bis August 1942 gedauert.

    Im Russlandfeldzug war nach seinen Angaben sein östlichster Einsatz im Bereich des Flusses Don. Wenn also mein Vater gleich nach seiner fliegerischen Ausbildung nach Russland gekommen wäre, dann würde das Jagdgeschwader 3 von den Einsatzorten her gut passen. Denn laut Lexikon der Wehrmacht/ Jagdgeschwader 3 war eben im Septemer 1942 mehrere Gruppen von JG 3 auf Feldflugplätzen wie Nowotscherkassk und Pitomnik, die sich in der Nähe des Dons befinden.

    Jetzt kommt eine große Lücke, in der ich mich an keine Einzelheiten mehr erinnern kann.

    Etwa im Mai 1944 musste mein Vater in der Steppe notlanden. Dabei brach er sich den Unterkiefer und Schlüsselbein, er hatte Schnittverletzungen im Gesicht , eine starke Gehirnerschütterung, Rippenquetschungen. Er kam für 6 bis 8 Wochen in ein Lazarett nach Reichsdeutschland. Lazarettaufenthalt: Mai und Juni 1944. Erste Frage: Steppe? Welches Geschwader war im Mai 1944 noch so weit östlich? Oder muss man die Notlandung früher datieren? Zweite Frage: Lazarett in Reichsdeutschland? Könnte man über diesen Hinweis etwas herausfinden? Dritte Frage: Notlandung. Die Maschine war relativ stark beschädigt. Ich erinnere mich an ein Foto mit verbogenem Propeller. Wäre das eine Spur für weitere Nachforschungen?

    Nach dem Lazarettaufenthalt musste er wieder zurück an die Front für etwa 2 Monate. Nach seinen Erzählungen war es die "harte" Zeit. Es gab nur noch wenige Ersatzteile, auch mangelte es an Flugbenzin. Die Verluste an Mensch und Material waren in dieser kurzen Zeit sehr hoch. Ich vermute, dass dies im Juli und August 1944 gewesen sein könnte. Denn ich gehe davon aus, dass seine Versetzung zur Waffen-SS im September 1944 stattgefunden hat.

    Das wären also meine Erinnerungen. Ich bin gespannt, inwieweit sie einer kritischen Überprüfung durch euch standhalten. Ich danke euch aber auf jeden Fall jetzt schon dafür, dass ihr euch für mein Anligen interessiert.

    Gruß Günter

  • Hallo Günter,

    Du erwähnt ein Foto einer Bruchmaschine mit verbogenem Propeller. Gibt es das noch - und kannst Du es uns zeigen? Details auf solchen Fotos geben mitunter schon einigen Aufschluss über die Einheit und das Einsatzgebiet.

    Gruss aus Berlin

    Henry

  • Guten Morgen Henry,

    leider hat mein Vater alle Fotos, Ausweise und sonstigen Dokumente kurz vor seinem Tod verbrannt.

    Gruß Günter

  • Guten Morgen,

    hallo Günter, ist es denn sicher dass Dein Vater in einem Jagdgeschwader geflogen ist und nicht einem Kampf- oder bspw. Aufklärungsverband angehört hat? Ohne in der Materie jetzt sehr bewandert zu sein irritiert mich etwas dass er im Herbst 1944 zur Waffen-SS versetzt wurde. Ja, es wurden spät im Krieg neben anderen Luftwaffenpersonal auch Flugzeugführer dorthin verschoben, aber ein Jagdflieger mit einer entsprechenden Ausbildung von 1941/42/43, die ja noch wesentlich fundierter war als die der Jagdpiloten von Mitte 1944?

  • Guten Morgen,

    ich liefere hier die versprochenen Literaturverweise:

    Zur Dauer der Grundausbildung:

    „Laut Heeresdienstvorschrift dauerte die Grundausbildung 1938 für die Infanterie 16 Wochen, 1940 acht Wochen, 1943 wieder 16 Wochen und 1944 dann zwischen 12-14 Wochen

    SanUO
    January 23, 2007 at 9:52 PM

    Dies ist eine Aussage für die Infantrie, für die Dauer der Grundausbildung bei der Luftwaffe habe ich noch nichts gefunden.

    Zur Dauer der fliegerischen Ausbildung:

    „Von dem Zeitpunkt, als er in die Luftwaffe eingetreten ist, bis zu seiner Ankunft bei seiner Ergänzungseinheit hatte ein Jagdflieger- oder Sturzkampfbomber-Pilot eine dreizehnmonatige Ausbildung mit 150 bis 200 Flugstunden erhalten.“

    https://www.weltkrieg2.de/piloten-training-luftwaffe/

    Gruß Günter

  • Guten Morgen Großmeister68,

    es war immer nur die Rede von Me 109-Flugzeugen. Auch das Foto von der notgelandeten Maschine, das ihm sein Kamerad ins Lazarett schickte, war das einer Me 109. Ich erinnere mich auch an das Wort "Freie Jagd", kann aber dazu keine konkrete Erzählung (Zeit, Einsatzort) mehr in Verbindung bringen.

    Gruß Günter

  • Hallo Günter,

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    Dies ist eine Aussage für die Infanterie, für die Dauer der Grundausbildung bei der Luftwaffe habe ich noch nichts gefunden.

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    Grundausbildung 1938 für die Infanterie 16 Wochen,

    das wird sich im zeitlich gleichen Rahmen bewegt haben wobei je nach Vorgeschichte in dem Fliegerregiment

    auch schon stark gesiebt wurde sowohl auf körperlich als auch geistig Fähig- / Belastbarkeit.

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    Etwa im Mai 1944 musste mein Vater in der Steppe notlanden. Dabei brach er sich den Unterkiefer und Schlüsselbein, er hatte Schnittverletzungen im Gesicht , eine starke Gehirnerschütterung, Rippenquetschungen. Er kam für 6 bis 8 Wochen in ein Lazarett nach Reichsdeutschland. Lazarettaufenthalt: Mai und Juni 1944.

    Hier würden ich auf jeden Fall die "WASt" erneut befragen ob die Möglichkeit besteht diese Verwundung in den Lazarett-Krankenbüchern zu belegen.

    Die Lazarettkrankenbücher sich nicht öffentlich zugänglich aber möglicher kann die "WASt" diese hinzuziehen.

    Gruss Dieter

  • Hallo Augustdieter,

    die "WASt" erneut anzuschreiben, halte ich für einen guten Vorschlag. Danke schön dafür. Ich werde das auf jeden Fall machen.

    Gruß Günter

  • Hallo Günter,

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    die "WASt" erneut anzuschreiben,

    und explizit nach den Unterlagen aus dem Krankenbuchlager fragen.

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    Denn ich gehe davon aus, dass seine Versetzung zur Waffen-SS im September 1944 stattgefunden hat.

    ist das eine Einschätzung oder gibt es dafür Indizien ?

    Gruss Dieter

  • Hallo Augustdieter,

    mein Vater hat selbst seine Versetzung zur Waffen-SS als Hermann-Göring-Spende bezeichnet. Ich habe dann in diesem Forum die Ausführungen dazu gefunden(Hermann Göring Spende). "Zu größeren Personalabgaben der Luftwaffe an das Heer (vor allen an die neuen Volksgrenadierdivisionen) und die Waffen SS (spöttisch Hermann-Göring(!!)-Spende genannt) kam es ab Anfang September 1944."

    Dieses Datum könnte insofern gut passen, als zu dieser Zeit die Versorgung für die Luftwaffe schon extrem schlecht war, aber auch, weil ich mich eigentlich nur noch an die Schlacht von Berlin erinnere, an der er als Mitglied der Waffen-SS teilnahm. Aber ich kann nicht ausschließen, dass er schon vor September 1944 an die Infanterie abgegeben wurde.

    Ich selbst schiebe immer wieder die Daten im Kopf umher, um die Geschichten meines Vaters mit tatsächlichen Ereignissen in Beziehung zu setzen. Einfacher wäre es natürlich, wenn wir seinen Namen in einer Liste oder in einer Datenbank fänden.

    Warum hast du nach dem September 1944 gefragt. Hast du einen guten Einfall?

    Gruß Günter

  • Hallo Joshi,

    vielen Dank für die Suche in der "Kracker"-Datenbank. Diese Datenbank war mir bislang unbekannt, weshalb ich dir wirklich dankbar für diesen Hinweis bin.

    Ich kannte bisher nur die Liste von Alan Magnus "Deutsche Asse der Luftwaffe", mit etwa 2600 Einträgen (http://users.accesscomm.ca/magnusfamily/ww2ger.htm). Auch in dieser Liste konnte ich meinen Vater nicht finden.

    Gruß Günter