EK II in Gefangenschaft oder Tod vermutet

  • Hallo, wurde EK II an Soldaten abgegeben, die in Gefangenschaft gemeldet wurden oder nach Monaten sogar als vermisst gelten, vermutlich tot?


    Könnte ein Soldat oder Unteroffizier, der jahrelang an der Front sein Leben ließ oder verschwand, mit einer Medaille ausgezeichnet werden? Oder wurde ihm dann einfach sein Opfer vergessen?


    Grüße


    BH21

  • Hallo Berthold,


    Quote

    Könnte ein Soldat oder Unteroffizier, der jahrelang an der Front sein Leben ließ oder verschwand, mit einer Medaille ausgezeichnet werden?

    so wie du es schreibst, nein


    es gab Beförderungen postum, nach dem Tode, als Ehrung des Gefallenen und um Hinterbliebenen ein höhere Versorgung gewähren zu können.


    Die Verleihung von Auszeichnungen war ein Prozess der ggf. auch eine Zeit Dauer konnte.


    Geht es hier um einem konkreten Fall ?

    Gruss Dieter

  • Hallo BH 21,


    Quote

    Hallo, wurde EK II an Soldaten abgegeben, die in Gefangenschaft gemeldet wurden oder nach Monaten sogar als vermisst gelten, vermutlich tot?

    Dieses war durchaus möglich. Technisch sogar normal. Verleihungsvorschläge wurden geschieben und eingereicht. Wurden diese auf Ebene des AOK oder sogar der Division (weiß hier nicht ob das ging) bewilligt und der Soldat war mittlerweile gefallen oder vermisst, konnte er natürlich noch ausgezeichnet werden. Diese wurden in Verleihungsberfehlen bekannt gegeben.

    Mir liegen Beispiele darüber vor. Gefallen am 18.6.1944 ausgezeichnet am 1.7.1944 mit dem EK II.


    Gruß

    Boris

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision, Gren.Rgt.1057 u. 1058 sowie 344. Infanteriedivision ab Oktober 1944 Fest.Gren.Rgt 832, 854 u.855

  • Hallo!


    Bezüglich der Verleihungen von Tapferkeitsauszeichnungen nach einer Gefangennahme, so gab es einen Erlass, der genau dies untersagte, da man erst noch prüfen wollte unter welchen Umständen der Soldat in Gefangenschaft geriet und wie hätte er es verhindern können, bzw. ob er unter diesen Umständen der Gefangennahme eine Tapferkeitsauszeichnung noch verdient hatte (Motto: "kämpfen bis zum Letzten"). Die Auszeichnung wurde dann in der Regel für den Zeitraum der Gefangennahme ausgesetzt.


    Hinsichtlich meiner Vorredner in Bezug auf postume Beförderungen und Verleihungen, so kann ich mich diesen nur anschließen.


    Ergänzung: hier der Erlass: KLICK!


    Grüße

    Sven

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision und 77.Infanterie-Division

  • Hallo,

    Ich danke Ihnen allen, also wurde eine vermisste Soldat, die nicht gefangen genommen wurde, als tot angesehen für Beförderungen und Auszeichnungen?


    Grüße


    BH21

  • Hallo,

    der hier verlinkte Erlass stammt aus dem Jahre 1944. Es wurde nicht immer danach verfahren, zumindest was Otto Kretschmer, Kommandant von U 99, betrifft. Er wurde am 26.12.1941 als 5. Soldat mit den Schwertern zum Ritterkreuz ausgezeichnet und erhielt als erster U-Boot-Kommandant diese Auszeichnung. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich seit 17.03.1941 in Gefangenschaft. Auch erfolgten seine Beförderungen zum Korvettenkapitän (19.03.41) bzw. zum Fregattenkapitän (01.09.1944) in Gefangenschaft.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo!

    Es wurde nicht immer danach verfahren, zumindest was Otto Kretschmer, Kommandant von U 99, betrifft. Er wurde am 26.12.1941 als 5. Soldat mit den Schwertern zum Ritterkreuz ausgezeichnet und erhielt als erster U-Boot-Kommandant diese Auszeichnung.

    ... da gebe ich dir Recht, dass A.H. das wieder nach Lust und Laune ändern konnte. Der "kleine Mann" bzw, gemeine Soldat, bei dem es lediglich nur um ein EK II, KVK II. o.ä. ging wurde dennoch die Auszeichnungen verwehrt.


    Grüße

    Sven

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision und 77.Infanterie-Division

  • Hallo,

    noch ein kurzer Nachtrag zu Otto Kretschmer, der auch der ,,Schweigsame" genannt wurde. Er wurde 1942 nach Kanada in das Kriegsgefangenenlager Bowmanville verbracht. Über einen im Gefangenenlager gebauten Sender lies Kretschmer geheime Informationen mitteilen und bereitete seinen Ausbruch vor. Das ging wohl soweit, dass er ein dt. U-Boot, U 536, im September 1942 in den Sankt-Lorenz-Strom lotse, was auch ihn nach gelungener Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager ins Dt. Reich bringen sollte (Unternehmen ,,Kiebitz"). Leider scheiterte das Unternehmen, weil die Kanadier inzwischen mithörten und die Nachrichten dechiffrieren konnten.

    Vielleicht bewog auch dieses Verhalten Kretschmers, nicht aufzugeben, A. H. ihn am 01.09.1944 zum Fregattenkapitän befördern zu lassen.

    MfG Wirbelwind