Major d. R. Dr. Reinhard Adam (Heeres-Artillerie-Abteilung 611)

  • Hallo,

    hier folgt eine weitere Biografie eines Lehrers, der u.a. als Reserveoffizier in der Heeres-Artillerie-Abteilung 611 tätig war:

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    Reinhard Adam

    *10.10.1899 Dirschau, Westpreußen

    Vater: Hermann Adam, Volksschullehrer

    Mutter: Emma geb. Päslack

    Taufe am 02.12.1899, Ev. Kirche Dirschau

    Bruder: Hellmuth (*01.11.1902)

    15.07.1917:

    Reifezeugnis, Realgymnasium Dirschau

    17.06.1917-12.12.1917:

    Dienstpflicht als Landsturmpflichtiger in Thorn und im Felde beim Reserve-Feld-Artillerie-Regiment Nr. 261 (in Thorn. F.A.R. 81), Beförderung zum Unteroffizier, Feldzüge: Frankreich 1918

    03.02.1919-08.08.1919 (2 Semester):

    Universität Göttingen

    03.10.1919 bis 30.07.1923 (9 Semester):

    Universität Königsberg

    18.05.1923:

    Dr. phil., Universität Königsberg

    Titel der Dissertation ist vermutlich "Die Provinz Preussen und die preussisch-deutsche Politik von 1840-1858"

    29.02./15.03.1924:

    Lehramtsprüfung, Deutsch I mit Auszeichung, Französisch I genügend, Geschichte mit I mit Auszeichnung, Gesamtprädikat gut

    01.04.1924:

    Erstes Vorbereitungsjahr, Realgymnasium Königsberg

    10.05.1924:

    Vereidigung

    06.10.1925:

    Heirat (Kinder geboren: 1927, 29, 32, 34)

    16.04.-30.09.19xx:

    Studienassessor, Tilsit, Staatliches Realgymnasium

    26.03.1925:

    Pädagogische Prüfung

    01.11.1928:

    Erste Anstellung im höheren Schuldienste Preußens (Besoldungsdienstalter 01.04.27), Tilsit, Studienrat

    01.10.1930:

    Studienrat, Königsberg, Stadtgymnasium Altstadt-Kneiphof

    1942:

    wohnhaft Königsberg, Steinmetzstr. 54, Studienrat

    15.01.1945:

    erwähnt als Major d. R. und Kommandeur der Heeres-Artillerie-Abteilung 611 (schwere 10 cm Kanone 18, mot.);

    RDA 01.08.44, Studienrat, seit 06.12.43 Kommandeur, kv

    1950 bis zur Pensionierung 1964:

    Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft wieder Studienrat bzw. Oberstudienrat an der Clara-Hermann-Schule in Bonn, wohnhaft vermutlich Bad Godesberg; möglicherweise 1982 verstorben

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    Adam war mit bemerkenswerter Kontinuität publizistisch als Hobby-Historiker tätig, mit Beiträgen zur Geschichte Preußens, vor allem zum Vormärz. Hierbei trat er oberflächlich gesehen als Anhänger eines restaurativen Preußens in Erscheinung (gerichtet gegen Aufklärung, Revolution und Liberalismus). Der Jacoby-Artikel von 1931 ist bereits stark antijüdisch. Der Herder-Artikel von 1937 ist aus Perspektive des völkischen Nationalismus angelegt (Zitat: "Der moderne Rassegedanke ist erst durch Herder möglich geworden.", S. 30). Der Bismarck-Artikel von 1940 beginnt mit dem "überragenen Genie unseres Führers" (S. 62), um eine Linie von der "Ostpolitik" Bismarcks zu Hitler zu zeichnen, der "ein ordnungsbringendes, aufbauendes Friedenswerk für ganz Europa" (S. 83) geschaffen habe.

    Die beiden Monographien von 1958 und 1972 liegen mir nicht vor und die Ausrichtung der Verlage habe ich nicht überprüfen können, allerdings lassen die Titel keine Wandlungen vermuten. Die Erwähnungen in "Das Ostpreußenblatt" stilisieren den Autor schließlich zu einem Kenner Preußens und der Stadt Königsberg.

    Hier die Liste der identifizierten Veröffentlichungen:

    1931: "Ost- und Westpreußen in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts", in: Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen (Hrsg.), Deutsche Staatenbildung und deutsche Kultur im Preussenlande", Königsberg, S. 438-470.

    1931: "Johann Jacobys politischer Werdegang 1805-1840", in: Historische Zeitschrift, 143(1), 48-74.

    1931: "Ernst von Sancken-Tarputschen", in: Altpreußische Forschung 8, S. 231.

    1931: "Nachruf auf Oberstudiendirektor i.R. Paul Pecker", in: Altpreußische Forschung 8, S. 256.

    1932: "Ernst von Sancken-Tarputschen (Schluß)", in: Altpreußische Forschung 9, S. 117.

    1932: "Polizeipräsident Abegg", in: Altpreußische Forschung 10, S. 304.

    1933: "Der Liberalismus in der Provinz Preußen zur Zeit der neuen Ära und sein Anteil an der Entstehung der Deutschen Fortschrittspartei", in: Altpreußische Beiträge. Festschrift zur Hauptversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertums-Vereine zu Königsberg, 4.-7. September 1933, Königsberg, S. 145-181.

    1933: "Moeller van den Bruck", 39 Seiten, Königsberg, Gräfe und Unzer.

    1937: "Wesen und Grenzen der organischen Geschichtsauffassung bei Joh. Gottfr. Herder", in: Historische Zeitschrift , S. 22-50.

    1940: "Bismarcks Reichsgründung und der Nahe Osten", in: Historische Zeitschrift, 161(1), 62-83. [Vortrag in der Königlichen Gesellschaft zu Königsberg, 27.04.1939]

    1958: "1945 - Schicksal und Aufgabe: historische Bemerkungen zu der Katastrophe des 2. Weltkrieges", Marienburg-Verlag, Würzburg [Band 1: "Die Zerreißung Deutschlands", 103 Seiten].

    1972: "Preußen: Prägung, Leistung, Wandlung", 262 Seiten, Verlag Wissenschaftliches Archiv, Bonn.

    1977: "Das Stadtgymnasium Altstadt-Kneiphof zu Königsberg (Pr.) 1304 - 1945. Aus der Geschichte der beiden ältesten Schulen des deutschen Ostens", 123 Seiten, Rautenbergsche Buchhandlung, Leer.


    Viele Grüße

    Jörg

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    Quellen:

    - "Personalbögen der Lehrer höherer Schulen Preußens"

    - "Das Ostpreußenblatt", 13./14.1978, Seite 10

    - Literaturdatenbanken

    - NARA T78 R946-0712

    - ancestry.de

    Bundesarchiv (invenio): Nein

    Volksbund: Nein

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  • Hallo Jörg,

    Quote

    1950 bis zur Pensionierung 1964:

    Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft wieder Studienrat bzw. Oberstudienrat an der Clara-Hermann-Schule in Bonn, wohnhaft vermutlich Bad Godesberg; möglicherweise 1982 verstorben

    in der Pecher Straße 2, allerdings nicht mehr 1964.

    Grüße

    Thilo

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