Konnte man in Saarbrücken hören, ob Mannheim bombardiert wurde?

  • Hallo zusammen,


    gerade fiel mir ein, dass meine Großmutter öfters erzählt hatte, man hätte in Saarbrücken hören können, wenn Mannheim Ziel von Luftangriffen wurde. Ein Datum hat sie nicht genannt.


    Nun frage ich mich: Ist das möglich? Wir sprechen hier ja von Luftlinie über 100 Kilometer und ein Mittelgebirge ist auch noch dazwischen ...


    Natürlich muss man bei Zeitzeugenberichten immer aufpassen. Andererseits hat sie immer alles sehr "nüchtern" und nonchalant erzählt, nach dem Motto "Da mussten wir dann eben in den Bunker gehen", also sehr unaufgeregt.


    Danke für eure Beiträge!

    Gruß

  • Hallo,

    dazu direkt kann ich nichts sagen. Ich weiß aber aus mündlicher Überlieferungen, dass man den Feuerschein der Operation Gomorrah im Juli1943 in Hamburg nachts in Wesermünde (Brhv) sehen konnte. Da war allerdings kein Gebirge dazwischen.

    Gruß,

    JR

  • Hallo,

    grundsätzlich halte ich es für möglich, dass man so ein Ereignis noch in 100 km Entfernung wahrnehmen kann.

    Vor paar Jahren hatten wir im Elbtal in der sogenannten Flutrinne in Dresden ein Konzert einer Band. Das war noch recht deutlich in ca. 50 km Entfernung zu hören. Dazwischen liegen auch einige topographische Erhebungen.

    Als Erklärung wurden seinerzeit unterschiedliche Luftschichtungen angegeben, welche die Schallwellen weit und deutlich "hörbar" transportierten.

    Ich sitze im Sommer manchmal zum Abend auf dem Balkon und beobachte die herannahenden Gewitterzellen mit sichtbaren Blitzen und dem nachfolgenden zugehörigen Donner. Wenn ich dann das zu Sehende mit dem Radar der Wetter-App vergleiche, ist festzustellen, das die Gewitter schon mal im Raum Leipzig, Chemnitz oder Zwickau wüten. Locker 100...120 km Luftlinie.

    Andererseits werden Erinnerungen leicht falsch wiedergegeben. Und das gar nicht mal absichtlich. Es könnten durchaus Angriffe zu früherem oder späterem Zeitpunkt, die vielleicht deutlich näher lagen, mit jenen auf Saarbrücken verwechselt werden.

    Grüße

    Silvio

  • Hallo zusammen,
    also ich habe die Explosion des Tanklasters in Herborn in 1987 in meiner damaligen Heimat in Gladenbach (ich schätze 30 Kilometer Luftlinie mit mehren Bergen) als dumpfes Donnern wahrgenommen. Wir waren als Kinder gerade am Zelten als das passierte und saßen vor dem Zelt.
    Vielleicht meinte sie ja Kaiserslautern. Das ist ja fast in direkter Linie zu Saarbrücken und dann auch noch ein mehr oder minder flaches Tal.
    Viele Grüße von der Ruwer
    Olli

  • Hallo zusammen!

    [...]

    Andererseits werden Erinnerungen leicht falsch wiedergegeben. Und das gar nicht mal absichtlich. Es könnten durchaus Angriffe zu früherem oder späterem Zeitpunkt, die vielleicht deutlich näher lagen, mit jenen auf Saarbrücken verwechselt werden.

    [...]

    Genau - ich schrieb ja selbst schon, dass das mit den Erinnerungen so eine Sache ist.

    [...]
    Vielleicht meinte sie ja Kaiserslautern. Das ist ja fast in direkter Linie zu Saarbrücken und dann auch noch ein mehr oder minder flaches Tal.[...]

    Als ich den Beitrag abgeschickt hatte, kam mir auch Kaiserslautern in den Sinn.


    Aber wer weiß, vielleicht war es ja möglich, so etwas wie den großen Luftangriff 1943 auf Mannheim auch noch in Saarbrücken zu hören. Leider kann ich sie nicht mehr fragen, wann es war ...

    Gruß

  • Hallo zusammen,


    meine Großmutter wohnte ca. 30 km nordöstlich von Mannheim entfernt. Sie hat mir immer von dem Feuerschein erzählt, der bei den Bombenangriffen, in der Nacht zu sehen war. Sie hatte nämlich Angst im Keller und hat sich deshalb oft im Freien aufgehalten, während der Angriffe. Sie erzählte auch von den zahlreichen Flugzeugen, die über die Gemeinde, in der sie wohnte, hinweg geflogen sind. Ihre Heimatgemeinde wurde aber nie bombardiert. Explosionen und das man die Bombardements gehört hat, hat sie nicht erwähnt.


    Viele Grüße

    Nicco

  • N'Abend zusammen.


    Dass man während des Zweiten Weltkrieges in Saarbrücken tatsächlich hören könnte, wenn Mannheim bombardiert wurde, kann ich nicht bestätigen - zumindest habe ich bislang noch keine entsprechende Zeitzeugenaussage gehört oder gelesen.


    Aber das Trommelfeuer während der Kämpfe um Verdun 1916 (ca. 150 km entfernt) muss bis an die Saar zu hören gewesen sein, ebenso wie das Mündungungsfeuer angeblich wie Wetterleuchten am westlichen Himmel zu sehen gewesen sein soll.


    Von daher würde ich die Aussage Deiner Großmutter nicht pauschal ins Reich der Fantasie verweisen wollen.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Liebes Forum,


    hier eine Überlieferung aus der Familie, von meiner Mutter erzählt - die als Kind des Jahrgang 1939 einen Großteil ihres frühen Lebens "im Bunker", sprich: im behelfsmässig ausgebauten Keller ihres Berliner Wohnhauses verbringen musste. In etwa 300 Meter Entfernung zu ihrem Aufenthaltsort in einer Häuserzeile befand sich ein Eckhaus (das heutige Grundstück Auguste-Viktoria-Alle Ecke Ollenhauer Straße in Berlin-Reinickendorf) mit einem öffentlichen Schutzraum, direkt davor war eine Haltestelle der Straßenbahn. In dieses Haus schlug bei einem Tagesangriff eines Bombe ein - und forderte durch Explosion und kompletten Einsturz des Gebäudes eine hohe Anzahl an Opfern im Bunker. Sie liegen (angeblich) nur schräg über die Straße auf dem dortigen Friedhof innerhalb der dortigen Abteilung Kriegsgräber - ich habe das allerdings nie detailliert nachgeschaut. Der ganze Vorgang hat sich angeblich in ihrem Schutzraum nur als dumpfes Rumpeln angezeigt - so, als wenn ein schwerer Lkw auf der Straße vorbei gefahren wäre - die wahre Katastrophe zeigte sich erst nach dem Alarm. Man könnte als Laie ja denken, das muss doch kräftig geknallt und gewackelt haben, das müssten die doch gleich bemerkt haben?


    Will sagen - die Sinne werden offenbar, sofern es nicht so gravierend wie ein Naheinschlag war, getäuscht - zuzüglich der eingeflossenen Erinnerungen und Eindrücke, die man nachträglich in die weitergegebenen Erlebnisse eingeflochten hat - wo wir bei der mit Vorsicht zu geniessenden Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen wären. Denn - als ich das erste Mal davon hörte, waren wenigstens 20 Jahre vergangen, vielleicht sogar mehr.


    Gruss aus Berlin


    Henry

  • Hallo zusammen,

    ist jetzt vielleicht ein banales Beispiel.

    Da ich direkt am Rhein wohne, dieser ja bekanntlich stark von der Binnenschifffahrt genutzt wird,

    ist die Geräuschkulisse je nach Windrichtung mal mehr oder weniger laut.

    Kommt der Wind aus westlicher Richtung, hört man die tuckernden Dieselmotoren noch in gut und gerne 20 Km Entfernung.

    Ob man dann noch einen Bombenangriff in ca. 100 Km hören kann, keine Ahnung.

    Ist nur so ein Gedanke meinerseits.


    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Moin zusammen,


    der Kanonendonner aus Verdun war 1916 wohl als dumpfes Grollen zu vernehmen. wenn der Wind günstig stand. Dieses Grollen war anscheinend so wahrnehmbar, dass es dazu sogar eine Meldung in einer Lokalzeitung mit einer entsprechenden Erklärung gab. Ich versuche, den Artikel wieder zu finden und stelle ihn hier ein.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo,


    das mit dem Geschützdonner von Verdun ist oft zu lesen, angeblich sogar hier bei uns im Vogelsberg wäre er zu hären gewesen. Ich halte das für eine erfundene Geschichte, denn egal ob ein Geschütz oder viele Geschütze feuern, der Lärm potenziert sich nicht.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Guten Tag,


    so mich mein Schulwissen nicht im Stich lässt, ist Luftschall doch eine physikalische Größe und die Schallleistung ist wissenschaftlich zu berechnen. Die Akustik befasst sich doch als Wissenschaftsdisziplin mit solchen Fragen.

    Ich kann es nicht berechnen, aber bestimmt gibt es hier im Forum entsprechend qualifizierte Mitglieder, die das können.

    Meiner Meinung nach, könnten so Aussagen wissenschaftlich belastbar überprüft werden.

    Das als Anregung meinerseits.


    Freundliche Grüße


    Peter

    (PH)