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  • Hallo,

    eigentlich eine interessante Sache, aber wie ich finde, eine oft sehr grobe Zusammenfassung mit vielen faktischen Fehlern.


    Schlimm ist, das diese Filme von Leuten gesehen werden, die sich mit diesem Thema noch nie näher befasst haben und das dann diese falschen Darstellungen geglaubt werden.

    Einige Einzelaspekte, die mir ganz besonders unangenehm aufgefallen sind:

    Gleich am Anfang des ersten Filmes wird beim Abbau der Truppen nach 1945 erwähnt, dass die USA ihre Truppen auf 2 Millionen Soldaten reduziert hätten. Dass davon in Deutschland bis nach 1950 aber nur wenig mehr als 1 Infanteriedivision plus die Grenzüberwachungstruppen der Constabulary standen, wird mit keinem Wort erwähnt.

    Auch im weiteren Verlauf kommen die konventionellen Kräfteverhältnisse kaum mehr zur Sprache.

    Die Aggressionshandlungen der UdSSR, die in den ersten Jahren nach 1945 sowie 1956 und 1968 dazu führten, das Ost- und Südosteuropa oft gegen den Willen der Bevölkerung kommunistisch wurden, werden mit keinem Wort erwähnt.

    Es wird ständig auf den Atomwaffeneinsatz der NATO mit tausenden von Zielen in den Ländern des Warschauer Paktes hingewiesen, die entsprechenden Planungen des WP werden nur am Rande erwähnt als Bekämpfung der Luftwaffenbasen. Der geplante massive Einsatz chemischer Kampfstoffe durch den WP ist überhaupt kein Thema.

    Das Thema ADM wird völlig verzerrt und verkürzt dargestellt.

    Das Problem Österreich – Verhalten des WP gegen neutrale Staaten wird überhaupt nicht angerissen, genau so wenig wie die Bedrohung der NATO-Flanken Nord und Süd mit ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die Kriegführung der NATO in Deutschland.

    Die politisch-ideologischen Hintergründe des Angriffspotentials des WP werden darauf verkürzt, das der Ostblock den Krieg nicht nochmals im eigenen Lande haben wollte – was ja verständlich wäre. Dass bis Gorbatschow die Ausbreitung des Kommunismus und die Weltrevolution eine wesentliche Triebfeder des Kreml war, wird nicht einmal in einem Nebensatz erwähnt, obwohl hier genau die Schnittstelle zwischen militärischer und politischer Strategie beim Warschauer Pakt lag.

    Insgesamt wird die Sowjetunion und vor allem ihre politische Führung sehr wohlwollend und unterschwellig als Opfer der amerikanischen Mega-Rüstung dargestellt.

    Faktenorientierte Dokumentation sieht anders aus.

    Das allerletzte ist die völlig falsche Emotionen weckende Musik: Wagner bei so einem komplexen und einer streng sachlichen Betrachtung erfordernden Thema!

    Dieter Krüger, den ich eigentlich als sehr kompetenten Historiker schätze, ist bei der Mitwirkung an diesen Filmen seiner Beraterrolle nicht gerecht geworden. Der andere Autor, Herr Lautsch, ist eine ehemaliger Stabsoffizier der NVA und früher Militärhistoriker der DDR, der aus unerforschlichen Gründen nach 1990 dann für das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr arbeitete und immer wieder mit höchst merkwürdigen Erkenntnissen überrascht. So hat er in mehreren Beiträgen behauptet, die Bundeswehr hätte in Schleswig-Holstein die Aufstellung einer 41. und 61. Division vorgesehen. Dabei stilisiert er Verfügungstruppenkommandos und Heimatschutzbrigaden der 2. Reihe zu Divisionen hoch, setzt Heimatschutzregimenter als Feldheerbrigaden ein und übersieht völlig, das die zur Aufstellung von Divisionstruppen dieser beiden Divisionen benötigten Einheiten nirgends vorhanden waren.

    Grüße
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    Danke für den erkenntnisreichen Beitrag.

    Du hast mir Schreibarbeit abgenommen, in der Sache hätte ich einen gleichartigen Beitrag dazu verfaßt, wobei ich zu den beiden Historikern nichts sagen kann (Herrn Krüger kenne ich nicht persönlich und Herr Lautsch ist mir bisher noch nicht aufgefallen.


    Schade, daß ein so verflochtenes Thema in einem nur 15-minütigen Video abgehandelt wird. Da sind "Fehldarstellungen / -interpretationen" unvermeidlich. Und wenn dann noch eine auf Grund seiner Äußerungen anzunehmende "persönliche Grundeinstellung" bei der Betrachtung der Ereignisse hineinspielt...


    Eine "gute Idee", aber nicht gut gelungen...

    meint

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Guten Morgen,

    auch das ist ein guter informativer Film, vielen Dank. Bis auf ein paar kleine sachliche Fehler eine völlig korrekte Schilderung der Situation bei den Heimatschutzregimentern.

    Bei den Heimatschutzkompanien und den Sicherungszügen sah es allerdings vielfach noch schlimmer aus. Dort fehlten nicht nur die Jägerunteroffiziere und –feldwebel, sondern auch die Mannschaften kamen oft aus völlig artfremden Truppenteilen, besonders häufig Panzer, Artillerie oder Panzeraufklärer, weil diese Truppengattungen ja kaum eigene Reserveeinheiten aufstellten.

    Noch eine Anmerkung zu den Panzerjägerzügen der HSchRgt. Hätte man diese Übung nicht 1988, sondern 1984 durchgeführt, hätte es nur „Panzerabwehrzüge“ mit dem Leichtgeschütz 106 mm auf dem annähernd 25 Jahre alten Lkw 0,25 t gegeben. Bezeichnend ist auch der kurze Filmstreifen mit der Anlieferung der Kanonenjagdpanzer. Das erste Fahrzeug ist nicht etwa der damals übliche SLT 50, sondern eine bestimmt auch über 20 Jahre alte Faun-Zugmaschine L 912 mit der beeindruckenden riesenlangen Motorhaube. Damit könnte man schon über das nächste technische Problem bei den HSchRgt diskutieren. Das Rgt. hätte keinerlei Bergemittel für liegengebliebene Kanonenjäger gehabt, weder Bergepanzer noch Tieflader.

    Der Erfolg von Mob.-Übungen stand und fiel mit der Qualität der Vorbereitung und dem persönlichen Einsatz des aktiven Rahmenpersonals. Die Schwierigkeiten traten nach meinen Erfahrungen immer dann auf, wenn VBK, VKK oder Ausbildungszentren diese Übungen organisierten. Diese Dienststellen waren personell häufig mit nicht mehr sehr motiviertem Stammpersonal besetzt und galten oft als Auslaufdienstposten. Zudem waren viele der Mob-Vorbereitungsgruppen mit der hohen Anzahl von Verbänden, die sie zu betreuen hatten, überfordert. Das sieht man im Film sehr schön beim VBK 43. Diese MobVorbGrp hatte sechs sehr personalstarke Bataillone zu betreuen, dazu eine Reihe von selbständigen Kompanien.

    Wenn aktive Bataillone eigene Mobilmachungsgruppen hatten, klappte das deutlich besser. Hier stand ein aktiver Truppenteil dahinter, der auch mit Personal und Material unterstützen konnte. Zudem hatten die Reservisten oft in diesem aktiven Verband gedient, man kannte sich. Fast jedes Feldjägerbataillon hatte z.B. zwischen einem und drei „Reserve“-Bataillone zu betreuen, ich kann mich nicht daran erinnern, dass es größere organisatorische Probleme gegeben hätte. Die materiellen Schwierigkeiten mit den ungeeigneten Fahrzeugen aus der materiellen Mob-Ergänzung und der untauglichen Funkausstattung hätten wir natürlich genauso gehabt.

    Der Leitende der Übung „Landesverteidigung 88“, Generalmajor Brugmann, hat ein Buch zu den Heeresmanövern der Bundeswehr veröffentlicht. Darin beschreibt er u.a. auch die LV 88 und bewertet diese Übung mit folgenden Worten: „ Die Übungsanlage funktionierte, Der Bundeskanzler war beeindruckt von „seiner“ Truppe, die er im Falle von Krise und Krieg selbst zu führen hätte, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt hatten begriffen, dass das Territorialheer keine NATO-Reserve war und hielten es überdies für einsatzbereit.“(Brugmann, Gerhard / FüAkBw: Heeresmanöver der Bundeswehr, Buchholz 2004, S. 202). Das war wieder die leider so oft übliche Selbsttäuschung der Führungsleiste nach solchen Übungen.

    Besser sah es allerdings bei den Jägerbataillonen der Divisionen aus. Das waren zwar auch Geräteeinheiten, aber hier wurden bevorzugt ehemalige Wehrpflichtige der Panzergrenadiere eingeplant und es gab einen relativ starken aktiven Personalkader. Diese Offiziere und Feldwebel kamen oft von den Schulen, wie den Kampftruppenschulen oder von aktiven Bataillonen. Auch war die Materialausstattung der Divisionsjägerbataillone deutlich besser.

    Mit freundlichen Grüße
    Jörg

  • Hallo Gerhard,

    Danke für den Hinweis. Auch ich fand den Film sehr interessant und trotz der klar zu erkennenden Intention des Films, für die neue Bundeswehr "zu werben", für erträglich.

    Gut gemacht. Und den Technik-Begeisterten erfreuen die enthaltenen Filmschleifen über die Hubschrauber, die Kriegs-Hilfsbrücke u.s.w. Und meine ersten Autos wie Munga und B 2000 waren auch zahlreich vertreten.. ;-)


    Über die kleine "Zeitreise" freut sich

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Lieber Thilo,


    Dieses Manöver habe ich, zumindest aus den Nachrichten, wahrgenommen und deshalb war diese Dokumentation für mich sehr interessant, teilweise sogar aufschlussreich.

    Die Problematik von Reforger - und nicht nur 78, wurde offen angesprochen, taktische und technische Schwierigkeiten erläutert. Zeitlich erhebliche Vorbereitungszeiten, Transportdauer und Wettervoraussetzungen auch erläutert. Politischen Vorgaben und die damalige "Abschreckungstheorie" klangen durch. Unter Berücksichtigung des damaligen Spannungsfeldes eine gelungene Doku.

    Der Kostenfaktor war erheblich, wurde aber damals und unter den Gegebenheiten kaum erwähnt.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    Quote


    REFORGER '78, eine Dokumentation, zeigt den Weg einer Panzerkompanie der 5. US-Infanteriedivision von Fort Polk /Louisiana bis in meine Heimat.

    bei 34:00 spricht übrigens der damalige Oberbefehlshaber der NATO- Streitkräfte in Mitteleuropa, General Franz-Joseph Schulze. Ritterkreuz am 30. November 1944 als Oberleutnant der Reserve und Chef der 3./. Flak-Sturm-Regiments 241 (mot.).


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    ein Interview des britischen Senders BBC mit einem deutschen Veteranen des 1.Weltkrieges, der ein Nahkampferlebnis während eines deutschen Sturmangriffs schildert: https://www.youtube.com/watch?v=XruYsAmKLyU


    Das Interview ist in englischer Sprache geführt und auch englisch Untertitelt, daher nachfolgend eine (freie) Übersetzung:


    … Eines Tages erhielten wir den Befehl zum Sturm auf eine französische Stellung.

    Wir drangen in die Stellung ein und links und rechts von mir fielen meine Kameraden.

    Plötzlich stand ich einem französischen Corporal gegenüber – er mit aufgepflanztem Bajonett, ich mit aufgepflanztem Bajonett.

    Einen kurzen Moment verspürte ich Todesangst. Im Bruchteil einer Sekunde wurde mir klar, dass er mir nach dem Leben trachtete, so wie ich auch nach seinem.

    Ich war schneller als er. Ich stieß sein Gewehr zur Seite und rammte ihm mein Bajonett in die Brust.

    Er stürzte, presste seine Hand auf die Stelle, an der ich ihn getroffen hatte, dann stieß ich noch einmal zu.

    Aus seinem Mund floss Blut und er starb.

    Danach fühlte ich mich krank, fast hätte ich mich übergeben. Meine Knie zitterten, und ehrlich gesagt habe ich mich geschämt.

    Meine Kameraden (ich war zu dieser Zeit Unteroffizier) waren von diesem Ereignis völlig unbeeindruckt.

    Einer von ihnen prahlte damit, dass er einen Poilu mit dem Kolben seines Gewehrs erschlagen hätte.

    Ein anderer hatte einen französischen Hauptmann erwürgt.

    Ein dritter hatte einem Gegner mit dem Spaten den Kopf eingeschlagen.

    Und sie alle waren ganz einfache Männer wie ich. Einer war Straßenbahnschaffner, ein anderer war Handelsreisender, zwei waren Studenten, die anderen Landarbeiter.

    Einfache Leute, die niemals daran gedacht hätten, jemand anderem Schaden zuzufügen.

    Wie konnte es passieren, dass sie auf einmal so grausam wurden?

    Ich erinnere mich noch, dass uns gesagt wurde, dass ein guter Soldat tötet, ohne dabei daran zu denken dass auch der Gegner ein Mensch ist.

    In dem Moment, wo er in seinem Gegner einen Mitmenschen erkennt, ist er kein guter Soldat mehr.

    Aber vor mir sah ich diesen toten Mann liegen, diesen toten französischen Soldaten, und wie sehr hätte ich mir gewünscht, er hätte einfach seine Hand ausgestreckt und ich hätte sie ergriffen und geschüttelt und wir wären die besten Freunde geworden, weil er nichts anderes war als ich – ein armer Kerl, der kämpfen musste, der mit den grausamsten Waffen auf einen anderen Mann losgehen musste, der persönlich gar nichts gegen ihn hatte.

    Der nur die Uniform einer anderen Nation trug, der eine andere Sprache sprach.

    Aber der auch einen Vater und eine Mutter hatte und wahrscheinlich auch eine Familie.

    Das war es, was ich fühlte.

    Manchmal wache ich nachts schweißgebadet auf, weil ich die Augen meines gefallenen Gegners, meines Feindes, vor mir sehe.

    Und ich versuche mich damit zu beruhigen, dass ich mir die Frage stelle, was wohl passiert wäre, wenn er schneller gewesen wäre als ich?

    Was wäre passiert, wenn ich ihm nicht zuerst mein Bajonett in den Bauch gestoßen hätte?

    Aus welchem Grund haben wir Soldaten uns gegenseitig erstochen, erwürgt und sind wie räudige Hunde aufeinander losgegangen?

    Aus welchem Grund haben wir, die persönlich nichts gegeneinander hatten, bis zum tödlichen Ende gegeneinander gekämpft?

    Wir waren doch zivilisierte Menschen!

    Aber ich hatte den Eindruck, dass die Kultur, der wir uns so sehr rühmen, nur ein ganz dünner Lack ist, der abplatzt, sobald wir in Kontakt mit solch grausamen Ereignissen wie dem echten Krieg kommen.

    Aus der Entfernung aufeinander zu schießen oder Bomben zu werfen ist etwas Unpersönliches.

    Aber das weiße im Auge des Gegners zu sehen, mit einem Bajonett gegen einen anderen Mann anzutreten, das war gegen meine innere Überzeugung und mein Gefühl. …

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 4 times, last by Johann Heinrich ().