Krieg in der Ukraine

  • Hallo Justus,


    Was ich persönlich - und gerade hier im FdW - problematisch, nein, eigentlich völlig unangebracht finde, ist der Ausdruck "innerer Reichsparteitag". Ich empfehle Dir, lieber Hubert, einmal in Dich zu gehen und zu überlegen, ob Du dieses Synonym nicht zukünftig aus Deinem Wortschatz radierst.

    der Ausdruck wurde bis in die 1990iger von der Kriegsgeneration ironisch im Sinne von "innere Genugtuung / verdruckste Befriedigung, Hochgefühl empfinden" gebraucht. Ich bin damit aufgewachsen.

    So auch die Definition - unter anderem - lt. Wikipedia:

    „Der Begriff innerer Reichsparteitag entstammt der Umgangssprache aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die umgangssprachliche Redewendung wurde und wird teils bis heute verwendet, um eine „große Genugtuung“ zu bezeichnen.“


    Ich habe diesen Begriff bewusst hier im Forum verwendet, wo er im Kontext richtig eingeordnet werden sollte. In einem anderen Milieu würde ich ihn bewusst nicht verwenden.

    Auch nach Reflektion sehe ich keinen Grund den Begriff komplett zu "canceln", kann man selbstverständlich auch anders sehen.


    Gruss

    Hubert

  • Lieber Hubert,


    danke für die Erläuterung. Mir war die Bedeutung des Ausdrucks "innerer Reichsparteitag" durchaus geläufig. Ich sehe aber keinen Sinn, Anlass oder Kontext, mit dem eine Verwendung dieses Begriffes hier im Forum "richtig eingeordnet" werden könnte. Meine Bitte an Dich, darüber nachzudenken, hat ebenfalls nichts mit einer "Cancel-Culture" zu tun, auf die Du offenbar anspielst.

    In einem anderen Milieu

    Wenn Du schreibst, dass Du anderswo diese Ausdrucksweise - mit der Du nach eigenen Angaben aufgewachsen bist (!) - bewusst vermeidest, dann ist Dir ganz offenbar klar, dass dieser Begriff problematisch ist. Somit erkenne ich, dass mein Hinweis darauf nicht ganz fruchtlos war. Ich würde Dich - da wir hier im Forum ganz sicher kein "anderes Milieu" sein wollen - nunmehr bitten, also auch hier auf "innere Reichsparteitage" zu verzichten.


    Beste Grüße,

    Justus

  • Hallo Hubert!


    Mit dem gesunkenen Niveau meinte ich nicht gerade unser Forum X/ ....natürlich haben andere Leute andere Meinungen. Jeder wie er meint darüber zu urteilen zu müssen. Normalerweise halte ich mich da raus.

    Nein, ich meinte es allgemein, egal ob Print-Presse oder digital - manche Schlagzeilen kann man sich echt sparen, sind nicht mal lustig sondern schlichtweg blöd, gleichgültig um wen es geht.

    Schätze aber, diese Art Nachricht verkauft sich besser als irgendwelche guten oder erfreulichen Dinge.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo Justus,

    Wenn Du schreibst, dass Du anderswo diese Ausdrucksweise - mit der Du nach eigenen Angaben aufgewachsen bist (!) - bewusst vermeidest, dann ist Dir ganz offenbar klar, dass dieser Begriff problematisch ist. Somit erkenne ich, dass mein Hinweis darauf nicht ganz fruchtlos war. Ich würde Dich - da wir hier im Forum ganz sicher kein "anderes Milieu" sein wollen - nunmehr bitten, also auch hier auf "innere Reichsparteitage" zu verzichten.

    Die Verwendung hier in diesem Forum nicht trotz mir bekannter Problematik, sondern weil ich davon ausging, dass der Begriff hier - im Schnitt älteres Publikum das noch mit der Kriegsgeneration aufgewachsen ist und mit zeitgeschichtlich-historischem Interesse - überhaupt verstanden wird. In einem "anderen Milieu" - nehmen wir Geburtsjahr 1975 und später, Nationalsozialismus Schulwissen - ich würde davon ausgehen, dass niemand mit dem Begriff was assozieren kann, vielleicht fängt's schon an bei "was war denn noch mal genau ein Reichsparteitag"...


    Im Sinne einer spöttischen Distanzierung und Persiflierung des Nazi-Bombasts habe ich seine Verwendung erlebt und in diesem Kontext wird auch seine Entstehung im Dritten Reich verortet:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Reichsparteitag

    Interessant, und auch erst heute nach deiner Intervention darauf gestossen: Die Kontroverse über die Verwendung des Begriffs ging ca. 2010 los, nachdem die Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein den Ausdruck bei der Kommentierung eines Miroslav-Klose-Tors bei der WM 2010 in der Livemoderation verwendet hat.

    In der Kontroverse bildeten sich dann zwei Lager : Sprachwissenschaftler eher im Lager derer, die die Redewendung als Distanzierung, Verächtlichmachung , Persiflierung einordneten, eher Journalisten und Publizisten im Lager, das damit Verharmlosung und Verklärung verbindet.

    https://www.swr.de/wissen/1000…in-nazi-ausdruck-100.html


    Lieber Justus, ich habe den beanstandeten Satz in meinem Post #2159 bereits auf eine zeitgemäße neutralere Formulierung geändert.

    Nicht weil ich der Meinung bin, dass der Ausdruck in einen "Giftschrank" gehört, sondern weil die Irritationen, das Potential für Mißverständnisse und die verursachte off-topic-Schleife es sinnvoll erscheinen lassen.


    Ich empfehle die damit verbundenen off-topic-Beiträge zu bereinigen.

    Ich stelle mir vor, ein Leser aus der Ukraine liest unsere sehr deutsche off-topic-Diskussion und verliert angesichts seiner Lebenssituation die Fassung.


    Gruss

    Hubert

  • Moin,


    insbesondere auf Seiten der russischen Armee scheinen die personellen Verluste enorm zu sein. Mir stellt sich die Frage, wie ist die Versorgung der verletzten Soldaten organisiert? Existieren Sanitätsstrukturen die diesen Namen verdienen oder geht die Menschenverachtung der Armeeführung so weit, dass diese vernachlässigt werden. Hat da einer Kenntnisse?


    Beste Grüße


    Horst

  • Hallo Horst


    Zu diesem Thema sind mir nur zwei, schon etwas ältere Meldungen aus dem Netz bekannt. Dabei geht es um den ersten Schritt der Sanitätsversorgung, der Selbst- und Kameradenhilfe. Und schon da scheint es eklatante Mängel zu geben: kaum vorhandene Ausbildung der Soldaten sowie nicht vorhandene Hilfsmittel wie Druckverbände oder Tourniquets.


    Dazu schrieb schon vor wenigen Monaten der Moskauer Blogger Andrei Sergejewitsch Morosow, der als Freiwilliger 2015 in einer Separatisten-Miliz im Donbass kämpfte:

    https://kenigtiger.livejournal.com/2145316.html und https://wikireality.ru/wiki/%D…_%D0%9C%D1%83%D1%80%D0%B7


    Auszug, etwas holperig übersetzt:



    Und dann das Handy-Video eines frisch gezogenen Wehrpflichtigen: https://www.youtube.com/watch?v=SSeSpufDytI


    "Nehmt die Verbandskästen aus euren Autos mit, versucht Tourniquets in Apotheken zu kaufen oder schickt eure Frauen und Freundinnen los Monatsbinden und Tampons zu kaufen, damit ihr die in die Schusswunden stopfen könnt"...


    Vor gut einem halben Jahr gab es in einem der öffentlich-rechtlichen einen kurzen Bericht über die Militär-Dienstpflicht für russische Ärzte und Ärztinnen im Kriegsfall, der ja offiziell nicht vorliegt, weshalb auch Ärzte an der Front fehlen...



    Sanfte Grüße

    Sven

  • Priwet!


    Jockel, heute, am 9. Dezember du ubermittelst "Neuigkeiten" aus dem Anfang Oktober.


    1. Na, ja, es ging um etwa 3000 Artzte, die einberufen werden sollten. Daruber hat man in unserer Presse geschrieben.

    2. Verbot Russland zu verlassen. Daruber hatte man auch geschrieben. Nur ein Fall in St.-Petersburg (Geschichte aus 13.- 15. Oktober) und die Behorden von dort erklarten, dass es nicht um den Verbot, sondern um die Empfehlung ging.


    Gruss,


    Kirill

  • Hallo Kirill,


    also gibt es keine neuen Entwicklungen? Da Du anscheinend näher am Geschehen und besser informiert bist, könntest Du doch die Frage von Horst umfassender und aktueller beantworten?


    Grüße

    Jockel

  • Guten Abend,


    ein Bericht aus "The Moscow Times" wie Russland seine getöteten Soldaten behandelt:


    Russische Truppen sollen die Leichen gefallener Soldatenkollegen auf einer Deponie am Rande der kürzlich befreiten südukrainischen Stadt Cherson abgeladen und verbrannt haben, berichtete The Guardian.


    Ukrainische Sicherheitsdienste behaupten, dass die Leichen russischer Soldaten entsorgt und als "Vermisst in Aktion" protokolliert werden, um Russlands Verluste im Krieg zu vertuschen.


    Ein abgefangener Anruf eines russischen Soldaten im Mai beschrieb ähnliche Szenen, in denen die Leichen seiner Kameraden auf "einer Müllkippe" der separatistischen Region Donezk in der Ostukraine abgeladen wurden.

    https://www.themoscowtimes.com…n-kherson-landfill-a79457


    Dazu passend:

    Russische Soldaten, die im Kampf in der Ukraine sterben, "gehören dem Staat", sagte Igor Kobzev, Leiter der Region Irkutsk, bei einem Treffen mit den Müttern gefallener Soldaten.

    https://www.themoscowtimes.com…rnor-tells-mothers-a79499


    Grüße

    Jockel

  • Moin,


    danke für die bisherigen Beiträge. Mein Interesse für die Frage der Sanitätsstrukturen der Angreifer wurde nach Lektüre des Beitrags der Deutschen Welle (Post #2.167) geweckt. Mir ist es sehr wichtig ,darauf aufmerksam zu machen, dass wir unsere in Russland lebenden Foristen auf keinen Fall durch Fragen - und ggf. deren Antworten - in Schwierigkeiten bringen dürfen. Aber das werden alle hier so sehen.


    Beste Grüße


    Horst

  • Guten Tag,


    durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Russen, leiden vor allem die Ukrainer/innen unter Mängeln bei der ärztlichen Versorgung. Mal ganz abgesehen davon, dass Russland weiterhin die Lebensgrundlagen in der Ukraine systematisch zerstört.


    Den Beitrag von Kirill hatte ich so verstanden, dass es keine Probleme bei der ärztlichen Versorgung der russischen Armee gäbe. Das sehen die russischen Verantwortlichen wohl anders. So z.B. der russische Politiker und Putin-Vertraute Leonid Sluzki. Er hat Probleme beim russischen Militär eingeräumt. Unter anderem gebe es nicht ausreichend Ärzte zur Versorgung der Soldaten, sagte Sluzki bei einem Treffen mit den Müttern von zum Militärdienst eingezogenen Soldaten am 16.11.22.

    Konkret sagte der Vorsitzende im Außenausschuss der russischen Staatsduma und Chef der nationalistischen Partei LDPR bei dem Treffen in St. Petersburg: „Es gibt nicht genügend Ärzte in den Militäreinheiten; jeder sagt das. Ich kann nicht sagen, dass es sie überhaupt nicht gibt. Aber sie sind dort praktisch nicht zu sehen.“

    https://www.welt.de/politik/au…-hat-zu-wenig-Aerzte.html


    Grüße

    Jockel

  • Priwet!


    Wahrend der Kriegshandlungen ist es schwer die 100-prozentige Wahrheit zu gewinnen. Die offiziellen und inoffiziellen Medien der beiden Parteien berichten "bei uns ist alles in Ordnung...", z.B. mit Behandlung der Kranken und Verwundeten. "bei dem Gegner nicht". Dann kommen zahlreiche Experte und "Experte", die auch verschiedenes sagen und schreiben.

    Unsere offiziellen Medien schreiben, dass alle Verwundeten, und die Verwundeten des Gegners "medizinische Behandlung im vollen Umfang bekommen".

    So ist es.


    Meinerseits moechte ich fragen:

    "Merkel hatte in dem am Donnerstag veröffentlichten Interview wörtlich gesagt: „Und das Minsker Abkommen 2014 war der Versuch, der Ukraine Zeit zu geben. Sie hat diese Zeit hat auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht.“

    Sieht wie eine Kriegslist aus?


    Gruss,


    Kirill

  • Mahlzeit



    Was will uns der Autor sagen bzw. unterjubeln? Der präzise Wortlaut aus dem Munde der Ex-Kanzlerin ab 00:43:00 = https://www.phoenix.de/sendung…gela-merke-a-2815654.html


    https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_um_Debalzewe


    Sven

  • Hallo zusammen,


    Quote

    Sie hat diese Zeit hat auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht.“

    Sieht wie eine Kriegslist aus?


    das mit den unterjubeln und der Unterstellung des selben lassen wir besser weil das führt nur zu Missverständnissen so oder so.


    Was allerdings außer jeder Diskusion steht, das die Aggression 2014 ff. von der russischen Nomenklatura aus geht.


    Quote

    Sie hat diese Zeit hat auch genutzt, um stärker zu werden,

    Ja das hat sie, und zwar hat sie recht erfolgreich versucht eine Wirtschaft aufzubauen die mir viel weniger Korruption floriert und den

    Jungen Menschen eine Chance und Perspektive gibt.


    ....also genau das Gegenteil von dem was die "Russischen-Freunde" getan haben.

    Hier wurde versucht das korrupte wirtschaften zu Basis des Staates zu machen.


    So kann man das auch verstehen !

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter


    Frau Merkel werden angebliche Zitate untergeschoben (ohne eine Quelle zu nennen!) und ihr dann auch noch das Führen eines Krieges vorgeworfen. Ungeheuerlich!


    Gut das Du das auch rügst, aber mich da im selben Atemzug zu rüffeln ist eine Frechheit!


    Sven

  • Hallo Sven,


    Quote

    Gut das Du das auch rügst, aber mich da im selben Atemzug zu rüffeln ist eine Frechheit!

    ich hab dich nicht gerügt sondern eine Hinweis darauf gegeben das es sehr schwierig ist das hier zu diskutieren

    und daher gibt es auch keine Frechheit, um das etwas zu entschärfen !

    Gruss Dieter

  • Hallo zusammen,


    heute ist auf dem BW Youtube Kanal in der Reihe "Nachgefragt" eine aktuelle Lageeinschätzung mit Rückschau auf die bisherigen Kriegsphasen und einen Ausblick auf 2023 erschienen.

    Wieder mit dem Leiter des Sonderstabs Ukraine, Brigadegeneral Freuding:

    https://www.youtube.com/watch?v=jr4m4FSmQ9c

    Am Anfang wird auf das soeben in Betrieb gegangene Instandssetzungszentrum in der Slowakei eingegangen, in dem in die Ukraine gelieferte deutsche Waffensysteme repariert werden.

    Zwischen Aufnahmedatum (14.12.) und Ausstrahlung ist dieses Mal nur ein kurzer Zeitraum, früher lagen auch schon mal bis zu 10 Tage dazwischen.


    Die Videos der Nachgefragt-Reihe werden immer professioneller.

    Die Videos mit Freuding werden in den Titeln etwas effekthascherisch unter dem Label "Panzer-General..." vermarktet.

    Reichweite durch sogenannte "clickbait" Schlagzeilen zu generieren, ist nicht nur das Handwerkszeug der "zivilen" YT Influencer, das hat mittlerweile auch die Bundeswehr drauf. Mit Panzer-General assoziierte man bisher eher Rommel, Guderian und nicht Freuding ;)


    Gruss

    Hubert

  • Hallo zusammen,


    Quote

    ....ist nicht nur das Handwerkszeug der "zivilen" YT Influencer, das hat mittlerweile auch die Bundeswehr drauf.

    das da aber noch ein Weg zu gehen ist sieht man an dem Tuch der Uniform Röcke. Wenn ich richtig viel Geld für Image um CI ausgebe

    musst es möglich sein sich auf ein Designe und Farbe des Tuches zu einigen, von mir aus abgestuft nach Dienstgradgruppen.

    Mit dem "Pepita für Blinde" wird optisch ein Unterschied erzeugt der dem Sinn einer Uniform und daraus folgt Image und CI zu wieder läuft.


    Quote

    Uniform = optisch einheitlich (lateinisch-französisch: uniform)

    Also Luft nach oben !

    Gruss Dieter

  • Hallo Zusammen,


    die Farbe des Tuches ist traditionell sehr individuell. Der Herr General ist wie alle Offiziere Selbsteinkleider, beschafft also sein Uniform privat. (Qualität des Tuches obliegt also dem Kameraden selbst)

    Die Farbe sollte RAL 7012 "Basaltgrau" sein laut Vorschrift, aber traditionsgemäß trägt das Heer unterschiedliche Farbtöne bis fast rein ins anthrazit/ schiefergrau

    Ich finde es "charmant", dass unsere Offiziere hier ein wenig Individualität reinbringen, oft in Abhängigkeit von ihrer Truppengattung.


    Viele Grüße,

    Badnerlied